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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-01 · Heft 1426 (1.2.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1426 (1.2.1923)
Date
1923-02-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M.L42S Wierr, DvNnerZtütz Wiener MorgenzeiLung. 1. Febvuav.1623 Seite $ Ju Rumänien. Antisemitische UmtriÄe «m der vniversitA von «utarrst. Bukarest» 81. Jänner. (OrOierrt-Radio.) Di« nlmänischen s^inversitätShörer haben bte Teilnahme der jüdischen Hörer an den Dortrgen und Vorlesungen gewaltsam verhindert, weshalb tote Universität auf acht Tage geschlossen wurde. Di« jüdischen Kauflent« halben zum Zeichen des Protestes chre Läden gesperrt. Der JüstiKMinister erklärte, daß er strenge Maßnahmen ergreifen werde, um die Ordnung aufrechtMechalten und um dre antisemitischen Kundgebungen zu verhindern. Mar Rardaus Tod. Rundschau. Sushihung der tLrllschm Frage. Berlin, 31. Jänner. Das Wolfsche Bureau erfahrt «uS Lausanne: Eine Pariser Havas-Mewung, die hier in den Abendstunden bekannt geworden war, besagt, daß die französische Regierung der Negierung von Angora mitge- Leiilt habe, daß der Text deS Friedensvertrages, der von den Alliierten der türkischen Delegation vorgelegt worden sei, nur eine Reihe von Vorschlägen darstelle, die noch weiter erörtert werden könnten, und daß die französische Delegation bereit sei, in Lausanne zu bleiben, um die Verhandlungen allein fortzuführen. , - Kurz vor MitterMcht ließ die englische Delegation von hier'aus durch das Renrersche Bureau eine Meldung verbreiten, worin sie erklärt, die Pariser Havas-Me^dung Knne bei der englischen Delegation keinen Glauben finden. Ihr Inhalt bedeute, wie die Reuter-Meldung fortfährt, «m-e flagrante Verletzung des Abkommens, das über ein einheitliches Vorgehen gegenüber der Türkei zwischen den Alliierten abgeschlossen Wochen fei. Weder die britische Regierung noch die britische Delegation in Lausanne sind von einem solchen Schritt der französischen Regierung in Kenntnis gesetzt worden. JHensalls hat die englische Delegation nicht die Absicht, sich in irgendeiner Art von der von ihr Ängefchlagmen Linie ihres Verhaltens abbringen zu Tassen. Die ägyptische Delegation hat an die Konferenz einen Pvotest gegen die Aegypten betreffenden Bestimmungenn gerichtet, die in-dein den Türken vovgelegten VeriraHsentwurs enthalten sind. Drei Tvge FM M die Türken. Lausanne, 31. Jänner. ^Schweiz-rische Dcp.-Ag.) Die gemeinsame'Sitzung dcr >m Kvrmniss'on'n zur feierlichen Uebergc-be des Fricdensverlwges' rn die türkische Delegation fand heute.Vovmitliaigs. im Schwßiso.'l Ouchy statt. Namens der , Alliierten sprachen Lid C n t z o n. G a r r o n i und B o mpard. J»mct Pascha verlange namens!'.r türkischen Delegation di- Gewährung einer Frist vc-n ach t Tagen zum Studium des Vertrages. . Lord Curzon gab für d'e Alli'-rten die Erklärung ab, daß es nicht möglich ,'ü» d-m Begeh-en der türkischen Dele- M.wn in vollem Um^.r^ge ru -vtst'vchen, kündigte aber an, drß er für alle Fäll^ b's Sonn-og abends in Lausanne tbl.'ibrn werde. - Es,w»rrde verenchart, die noch veMekbendsn wenigen Doge M benützen, um die vestchenden Schwierigkeiten nach Möglichkeit abzuschwächen. Ramsch Makdoaald für de« zionismus. London, 30 Jänu.r. (Tel. der . „Wiener Morgenzeitung".) In einem Portvag "'-cstr.-.ch de. Führer der Arbeiterpartei R a m s « y M a e d o n a I b die jüdische Frage und erklärte, daß fy-.t Entrüstung wegen de'' allzu großen Ausgaben für eine «.Esche Avinee unb'grüuder sc.. Die in . Palästina stehende Armes fei für den'» zhcn Osten und nicht für Palästina bcllimmft Bezüglich '.er Msch^i Emigranten, die nach Palästina kommen, erklärte Mäcdonack, daß sie Idealisten sind, die Zumeist Universitätsstudien cb,clrlk>.rt haben. Sie Verfölgen nur ein Ziel: die Wiedevanfrich urg i'nes neuen Jerusalem und die Wiodevbelebung des jüdische»» Bö.les. ^ie reinigen die Sümpfe, bauen Straßen, wie g-wohnliche Arbeiter, und scheu, in der schweren Arbeit eine Ehre für ihr Volk. Dr. Weizmann Wer die Gerüchte von seinem . MKritt. London, 30. Jänner. (I. C. B.) In elnrnr Interview mit dem Vertreter der „Times" äußerte sich Dr. Weizrnann zu.den Mitteilungen über seine angeblich beMhendr Absicht, von seinem Posten als Präsident der Zionistischen Töcltorgamfatwn'Turückzu-tvetLN. Dr. Weizmann erklärte, der einzige Grund, weshalb er zurnckzutreten beabsichtige, wäre die Rücksicht auf seinen G e s u n Ä h e i t s z u st ä n d. Er könne aber' laut den zionistischon Statuten vor dem;t ach st c n zionistischen Kongreß, der im Juli stattsinden soll, einen solchen Schritt nicht apsführen. Im weiteren Verlauf der Unterredung sagte Doktor Weizmann, Palästina mache jetzt eine schwere ökonomische Krisis durch, die gleichmäßig Juden und Araber betrifft. Kanadisches und australisches Mehl, ebenso Butter, konkurrieren erfolgreich mit den palästinensischen Produkten. Deshalb importiert das Land mehr, als es exponiert. Wenn aber kein Geld von auswärts kommt und das Land nicht die Entwicklungsstufe erreicht, daß es erfolgreich mit dem Weltmarkt konkurrieren kann, wird die ökonomische Lage sehr ernst werden. Paris, 30. Jänner. (I. C. B.) Ueber die Beisetzung 1 Max Nordaus ist noch zu berichten: Max Nordau hat vor ftinem Tode den Wunsch ausgesprochen, daß seine sterblichen Ucberreste nach seinem Ableben in einen Tallith gehüllt und nach dem aften jüdischen Ritus beigesetzt werden. Der mit den jüdischen Nationaljarben dekorierte Trauer« .ragen wurde von ein:r EhreMvache der Pariser jüdischen S t u d e n t e n flankiert. Ein rührender Augenblick war es, als der beste Freund des Verstorbenen, Dr. Alexander M a r m o r e k, das Kadüischgebet sprach. Die zionistische Exekutive an die Witwe Nordaus. Die Witwe Max Nordaus hat von der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London folgende Depesche erhalten: „Die Exekutive der. Zionistischen Wellorganisarion gibt dem riefen Schinerz, den die Zionisten;« der ganzen Welt anläßlich des unersetzlichen Verlustes Lmpstnden, den der Tod des geliebten Altmeisters des Zionismus Dr. Max Nordau uns verursacht hat. Sein unentwegter Kampf für die Freiheit unseres. Volkes wird ».»vergeßlich in der jüdischen Geschichte bleiben. Unsere Harzen vereinigen sich »Mt Ihnen in der Trauer, im Einklang mit der ge j a m tenIudenheit und der übrigen Menschheit.^ Eine Gartenstadt in Palästina zum Andenken Max Nordaus. Das Hauptbureau oes Jüdischen Natioualfonds in Palästina hat sich telegraphisch an die jüdischen Organisationen in allen Ländern mit der Aufforderung g-elveirdet» zum kommenden Purimsest großzügige Sammlungen für den Bau einer Gartenstadt in Palästina zum Anden len au Max Nordau durchzuführen. Bekanntlich wurde schon aus Anlaß, des 70. Geburtstages Nordaus beschlossm. ihm zu Ehren eine Gartenstadt in Palästina zu gründen. Die angeordneten Sammlungen :<"lleu eine Fortsetzung der vor vier Jahren begonnenen Aktion dar. Nordau-Gedenkfeier in Berttn. Berlin, 30. Jänner. (I. C. B.) Am Sonntag den 23. Jänner fand in Berlin eine große Trauerversannulung nach Max Nordau statu Die Feier wurde durch Absingung von Trauerliedern durch Chor mit Orgelbegleitung eröfsrrct. Dann ergriff der Vorsitzende der Versammlung Professor Otto Marburg, der frühere Präsident der Zionistrschen Weltexekutive, das Wort, um dem tiefen Schmerz Uber den Verlust des Führers Ausdmck zu geben. Der jetzige Vorsitzende der Zionistischen Weltexekutive Nah» m Sokolow entwarf tn einer längeren Rede ein Bild von Nordaus Leben und Arbeit und hob besonders hervor, daß Nordaus Hauptverdienst.in dsr Ze-rftörung des Alten bestand, desjenigen, was die Hegemonie der jüdischen Assimilation au^machte. Der Redakteur des „Hoalam", Herr Ch. Grünberg, schilderte die Bedeutung Nordaus fit den Zionismus und des Zionismus für die Persönlichkeit Nordaus. Dr. S. Grone mann betrauerte den großen Führer im Namen der deutschen Zionisten. Unter der großen Volksmenge, die sich zur Tvanerfeiev cirigefunden hatte, herrschte tiefste Ergriffenheit. Ein Bvief Nordaus an Adolf Stand. Einen bemerkenswerten Brief Max Nordaus all! den verstorbenen zionistischen Führer Adolf Stand stellt uns eine Dame zur Verfügung, der Adolf Stand seinerzeit' dieses Handschreiben Nordaus als Andenken überließ. Es betrifft eine Herzl-Feicr, die im Jahre 1910 in Marienbad stattfand mrd wegen ihrer Tagesordnung besondere Bedeurung hatte. Die Begrüßungsrede hielt Chachaur Baschi Rabbi Meir aus Saloniki, über jüdische Kultur- Probleme sprach Rüben B r a in Tn und Adolf S t a n d, damals österreichischer Reichsratsabgeordneter, hielt einen seiner berühmten Vorträge über das Lebert und Wirken Theodor Herzls. Max Nordau, der in Karlsbad weilte, wurde von Adolf Stand eingeladen, an die Versammlung ein BegrüßuUgsschreiben zu senden. Er antwortete: „Hochgeehrter Herr Abgeoxdüetcr! - ..Durch die Schuld der Post echielt ich Ihr wertes Schrei« den erst heute früh. Ich furchte, für das Begrüßuugsschrvibeu rst es nun zu spät. Denrwch will rch nicht unterlassen, Jhn<'u' meine Freude darüber auszusprechen, daß das zionistische Leben in Marrenbad rege gmug ist, um die Veranstaltung einer Hcrzl-Foter zu erinöglichen, deren Programm dem, der ' es richtig zü lesen weiß, eine gedrängte UÜbersicht der großen Dienste bietet, die der Zwbismus schon bisher dem Judenimn erwiesen hat. Ein stphardischer Rabbiner nimmt das Wort neben einem askenasischen Schrif-'steller, der in hebräischer Sprache den breUen Strom westlicher Kultur in den Osten hinüberleitet, und einem Abgeordneten, der im Reichsrot das jüdische Volk glänzend vertritt. Die Ueberbvückung, des Vielhmvdertiährigen Rrsses zwischen Sephardim und Aschlerasim, das stolze Bekenntnis eines hervorragenden Po-(- litikcrs zur jüdischen VoWangchövigkeit sind das. Werk des Zionismus utt'ö wären vor ihm nicht möglich gewesen.' Ich Werve mich herzlich freuen, Sie, sehr geehrter Herr' Abgeordneter, hier zu sehen. Inzwischen bin ich Ihr hochachtungsvoll ergebener . ' Max Nordau." j. Nachruf im SsLerreichifch-ziouiftischeu S'äim vesksmitee. In der letzten Sitzung des Zionistischen Daudeskomi« tees fand eine Trauerkundgebung für Dr. Max Nordau statt. D-pr Vorsitzende hielt einen längeren Nachruf, M dem. er^die Bodeutnng Nordaus für die zionistische Bewegung würdigte. Das Landeskomitee faßte den Beschluß, sämtliche Bczi.rkWtio.nen anfznfordern, in der allernächsten ZM N o r d a u - T r a u e r f e i e r n zu vermrstalten. (Ein Londoner jüdisches Blatt hat vor etlicher Zeit die 'Nachricht vom bevorstehetwen Rücktritt Weizmanns gebracht.) ' VerMaMW der MfaimwlMea. Paris, 30. Jänner. Der Völkerbundrat beschloß die Einberufung einer internationalen Konferenz znr Vereinfachmtg der Zollformalitäten. Auch mehrere Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, werden dazu eingeladen wevden. Berboteire HakeMe«r»srswm«lm«en. Berlin, 31. Jänner. (I. C. B.) Der Hakenkreuzl'erführet und Abgeordnete W u l X a wollte von Königsberg auZ eine Vortragsreise durch die Ostmark unternehmen.' Sämtliche LZersammlungen. die zu diesem Zweck von der Deutschvolksschen Vollspartei einberufen worden waren, sind jedoch inzwischen verboten worden. MrischastsksAgretz der paiMMsMe« Arober. Jerusalem, 31. Jänner. <J. C. B.) Die palästinensischen Araber berufen einen Kongreß ein, der über die Organisierung der wirüfchü-füicherr Kräfte der Araber m«d über die M<ege zur ökononrischen Entwicklung vor arabischen Bevölkeoung im Lande beraten soll. HauptpuM Äer Tagesordnung wird die Erörterung der L a n d w i r t f ch ä ft in Palästina sein, die jetzt insoferne eine Krise durchnvacht, als Getreide aus anderen Ländern, pnt Beispiel aus Kanada, in Palästina billiger verdaust werden kann als das heimische Getreide, i Der wirtschaftliche arabische Kongreß soll ain 11. d. eröffnet werden. 10.080 Pfund für Hnuftrda« in Haifa. Die B a t h Galim-Gesellschaft hat laut Conmrcreial-Bulletin von der Pale st ine Mortgage Dank vin Darlehen von 10.000 Pfund für die Dauer von zwölf Jahren erhallen. Das Darlchen wivd mit 8 Prozent verzinst. . Auswanderung persischer Juden nach Palästina. Wie «us Mesopotamien berichtet wird, passierten unlängst in Begleitung des Präsidenten der persischen Zionistischen Organisation 30 >F a m i I i e n aus P e r s i e.n auf dem Wege nach-Palästma Bägl«ad, umsich in Palästina dauernd niederznlassen. Sie berichteten, daß es in Persien noch weitere zahlreiche reiche jüdische Familien gebe, die nach Palästina a-uswandern möchten und auf Mitteilungen über die wirtschaftlichen Verhältnisse uröd Berdi.'nstmöglichkeiten im Larwe warten. mm Unser Prinzip: llfares- Shamesch War. Nicht viele unter den Juden de§ Westens, rmmenM-H -unter der jüirgeren Goneratiom kennen noch diesen TeorninuS technicus, dar das hsbräische Zahlwort „fünfzehn" bedeutet,' nn Laufe der Zeit aber zum Bögriffsuamen für den IS. d-es jüd'.schen Monates Schcwor, ernenn FvLwontag in Israel, den wir heute begehen, garoobdsn ist. Nur toenigenehmen sich die Mühe, den Ursprung des Cha-mesch Afsar und fein« Geschichte^ zu verfolgen, un: ein Bild seiner Größe und Beden-i iung ftir das jüdische Volk gewinnen zu können. l Für uns soll der Ehamefch Afsar me^r. sein als' ein bloßer Freudlmtag im alltäglichen Sinne, wie er es fm GaLNh gÄvorden äst. Ist er doch der erste FrÄylwgstog in Eroz Israel An diasem Tage hört dort die Regenzeit auf, die BauMfruchb reist und ndue Säfte, frische Kirospen.Magen, durch. Er galt als Stichtag für die Einhebung des Maasser (Zehom) „der. Baurnfruch^, ur,d die Zeit vorn Chamesch Afsar Beschewat bis Zum 1-5. Adar, einen ganzen Monat hindurch, als Pflanzungszeit für neue Bäume. ' Unsere Weisen, deren geistigem - Äuge mtf-er natürliches^ Leben eines Ackerbau- und LaMvrrtschaft treibenden Balles in Palästln« vorschwebte, wußten die Bedeutung dieses Tages richtig emFuschahen. Sie verewigten ihn in der Mischnah,-indem sie ihn Zum „Neujahrtag der Bäume" krön'en, Wn ihn: dadurch ein weihevolles Gcdenkerr Zu verleihen für spätere, bessere Zeiten, wenn wir wieder ins Land zur-üMHren und in die glückliche Lage konnneu, als schaffendes Volk ' auf eigEr Scholle ihn in seiner ganzen nadürftchen Schönheit srohgenrm zu feiern. Sic iatvn dies in weiser BovauSficht. Konnten alle an.- deren unserer Feier-, Fest- und Gedmktage mit uns irrs Exil toandern — Chamesch Asiar, als. reines Bodmfejst, als Fest des auf Viesern Boden wivischaftendMr' Mischen ÄoKes, kmrnte es nicht, und so war es in der Tat lange Zeit vergessen worden, bis man im Galuth selbst, viel später erst, sich seiner erinnerte, allein, wie es auch anders nicht möglich war, ihm ein ganz anderes Aussehen gab. Er ging poesielos aus, imbeschrieben und.unbesungerr. In Synagoge wie in der'Familie kam er nur negativ zur Geltung durch Wegfall von Buß» gebeten, und weist nux ein'Positivum auf, den Genuß von Baumfrüchte-n. Es schein^ als teilte er getreulich das Schicksal des Bodens und des Volkes, dem er. entstammte Palä- II., Isborrtrske 48 Telephon 47-1 >79 o gvo* 'Er eSÄtai««.

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