Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1422 (28.1.1923)
- Date
- 1923-01-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1431 Men, Sonntag Wiener Morftenreitnnsc «updö» die ungarischen Hochschulen boykottieren und-würben es die sogenannten.jüdischen Führer ablehnen, ihre Eigenen Kinder durch die HinteMre in die Universität.zu btjngey, so. könnst Gras Klebelsberg ' heute nicht von einer' M Einvernchnren mit den Vertretern deS. Judentums in Ungarn geübten Milderung des Gesetzes sprechen und das noch alS ein Verdienst für sich in Anspruch nehmen, / Bei der namentlichen Abstimmung über den Antrag waten von den 243 Abgeordneten Nur 121 anwesend. Bon diesen stimmten 88 für und 83 Abgeordnete gegen den Antrag. Wävr die gesamte Opposition anwesend gewesen, lo hätte der Antrag' die Majorität erreicht. Für den Antrag stimmten die Sozialdemokraten Und drei Mitglieder' der neuen Gruppe der Parteilosen, ferner die beiden Mitglieder der nationalen Bürgerpartei und schließlich das Mitglied der christlichen Opposition Stephan RakovSzky. Sämtliche sogenannten l i b e r al gesinnten Mitglieder der Regierungspartei, in erster Linie die zur Bankwelt gehörigen Mitglieder, hatten , sich von der Abstimmung absentiert, und — auch das gehört zu dem Bilde dieser Moral insanity — der aus alter orthodoxer Familie stammende, getaufte/Samuel Mandh stimmte für die Beibehaltung des Numerus clausus. Auslandsreisen Bethleus. Budapest, 27. Jämrer. (Tel. der „Wr. Morgenzettung^'.) Me die Albendblatter melden, beabsichtigt Minffterpräsi'oent Graf Bethlen m der nächsten Zukunft rach Paris, Ron» nnd London zu reisen/ um den dort igen maßgebenden Persönlichketten über verschiedene politische Angelegenheiten, darunter die Reparation^ und das Verhältnis Ungarns zu den Nachbarstaaten Informationen zu erteilen. Landaus Mörder will besnMgt werden. Budapest, 27. Jänner^ (Tel. der „Wr. Movgenzeitumg".) Wie bekannt, wurde vor zwei Jahren der MeinhäMer Adolf Landau, ein alter Mann, auf Intervention eines Geschäftsfevndes aus erpresserischen Gründen von Offizieren der ««garischen Nationalarmee verhaftet, in eine Kaserne geschleppt und dort nach furchtbaren Martern« evnor'oet. Der Prozeß gegen die-Mörder wurde aber bloß wegen „Einschränkung der persönlichen , Freiheit" und Erpressung zu Ende geführt, nachdem d« Gerich'.sobdilktwn einen „Selbstmord" sestgestellt hatte. Einer der verurteilten Erpresser, der von/ den Zeugen ausnahmslos als pathologischer Sadist bezeichnete Advokat-Dr. Ka nillo, Sipos, der den Mord'verübt hatte, wur*e gn^fünf Fahren Zuchlhaus verurteilt. Sipos ließ >urm jetzt durch seinen Verteidiger ein Gnadengesuch ausstellen und dem Rorchsvertveft t Horthy persönlich überreichen. Wie verlautet, soll pie.Begnadigung binnen kurzem erfolgen. Je/ Revolver der krwachendeu. Budapest». 2T; Farmen. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitung Bon den 21 Erwachenden Magyaren, denen die Mittäterschaft <m dem Anschlag auf das hauptstädtische Operettenthoater nachgÄviesen worden ist, Wurden 19 a u f fx/e. i e n F u ß ge setzt. Bloß ein Ingenieur, ein« Polizeidrumist nnd ein Hochschüler bleiben voMchand in Untersuchungshaft.' tliMrns Rüstungen. Budapest, 27. Jänner. (Tel. der „Wr. Movgenzeitrmg".) . Jfa Blätte, kündigen eine neue Demarche Rumäniens an. Der rumänische Außenminister D u c a soll nur deshalb nach Rom gefahren fefot, die Einwilligun-g Mussolinis einzuholen, daß Rumänien unter dem Titel der Sicherung von ReparatwrNpfondern Ungarn >is zur Therß besetzen könne. Dma sott erklärt halben,, daß'die rumänische Regierung das Gutachten' der Budapester^ interalliierten 5Lonirollkommisfio^ wonach Ultgärri seine Truppen an der rumänische» Arvnze zurückgezogen habe, nicht anerkenne, wett in dieser K'ommissior Rumänien nicht vertreten war. Diese Aeußerung geschah bf.r dem gesamten diplomatischen Korps m Bukarest. Eiße audsve Äeußerung Dueas erfolgte dem Bukarester jugoslawische» Gesandten gegenüber. Diesem soll. Außenminister Duea mihselvilt höben, daß die militärische Kontrollkommiss'on ihre Ueberprüfüng der ungarischen MobUisierungsm-aßnahmen an.der -umänisch.-imgarischvn Grenze gewissenlos und oberflächlich erledigt habe und nur so sin der. aüthonttschen rumäniskften Jnsorrnat-ionen widersprechendes Gutachten »5« geben lohnte. c^ppueMcutsSne^etSauF fa&fims 63Ö30o£rkj& 28. Februar 1923 SeHift Är BollsMwm. London, 25. Janmr. (J.^C^Bi).Jn. Richtigstellmyz der Mitteilungen des KoloNialmittisteriums vom 11. Jänner wird auf Grund der endgültigen Ergebnisse der in Palästina vorgenomnrenen Volkszählung stsiststellt, daß die allgemeine Zahl der Bevölkermch im Lande 757.182 beträgt, worunter 590.890 Mohame-dan^r sind. 8as SchkSsal Riewiadomsklr. Wä«°fchai», 27. Jäimer. (Tel.!»er „Wiener Morgen- Mung^ ) Am Donnerstag nachts ist die Frist für die eventuelle Berufung gegen das Todesurteil, das über den Mörder des Präsidenten Narutowrez ausgejpwchen wurdeabgelaMy. Niewiadontskt übersandte dem Bezirksgerichte ein Schreiben, worin er erklärt, daß er nicht beabsichtige, den Staatspräsidenten um seine Be-' gnädiglich zu bitten, »aber verlange, daß dem Präsidenten die Prozeßakten überreicht werden. Am 30. d. wird entschieden werden, ob. das.Todesurteil ausgefühvt oder oh Niewiahymski begnadigt wird. IieAekmteneknrücknogeit. Le'ssiberg, 27. Jänyer. (Tel. der ^Diener Morgm- §eitun< ) Die Militärbehörden dementieren die von der gestriges „Gazeta poranna" veröffentlichte Drahtnachricht aus To'nopol von einer plarnnäßigen Retzolte. der neu eingezog. neu ukrainischen Rrkrnten m mehreren Bezirken der Tavopoler Woiwodschaft und/einer, zu diesem Zwecke uhge?aL»»«eu illegalen RÄrutenversaMmlung in der Ge» gend v«n ^.apu.>l. In. Wirklichkeit handelt «s sich um Ausschreitungen einer Bänditenbande, deren verbrecherischem Treiben bereits Einhalt getan wurde, wobei ein Soldat-getötet, und Wachleute verwundet, wurden. Im allgemeinen soll sich die Einrückung der Rekruten aus den Jahrgängen 1900 und 190i überall ruhig vollzogen haben. — Das obgenannte Blatt, wie auch die gestrige „Gazeta codzienm" wurden wegen Veröffentlichung dieser Nachricht in ihrer ursprünglichen Form beschlagnahmt. gfa ReneM, Aus Lemberg meldet I. C. B. Der der natkönaldenrökratischen Senaissraktion angehörende Senator Orlinski, der noch vor wenigen Jahren Jude war und P i tz e l e s hieß, unternimmt jetzt eine Agitattonsreise gegen, die Juden in den ostgalizischen Städten. In einer in Z b o r o w abgehaltenen Versammlung trat er für den einheitlichen nationalen Charakter des polnischen Staates ein und forderte die Bevölkerung auf, dafür zu sorgen, daß > sich nicht Juden und Ukrainer der Gewalt in Polen bcnlächtigeu. Im.Dorfe Zagrebie bei Tarnopol agitierte er unter der Bauernschaft dafür, daß sich aye polnischen Parteien in Polen gegen die Juden vrrermgen sollen. - (Orlinski war vor Jahren Gymnasiallehrer rn Brody. und ließ sich aus Rücksichten der Karriere taufen. Als Professor war er im Sinne der Assimilation tätig und demw zierte stets die zionistischen Studertten.) Morski und die Mm. (Bon unserem Warschauer Korrefpondeitten.) > Warschau, 25. Jänner. Bor der Abstimmung über das Bertmuensvotum für die Regierung erklärte Ministerpräsident S i k o r s k i in einem Gespäch mit einem. jüdischen Senator, daß es ihm genehm tväre, wenn der JMsche Klub gegen ihn sttzpiW^'würde, da .etz ihm >. als Regierungschef, der von den Nationaldemokraten aufs schärfste, bekämpft wird, unlieb wäre, stets von den Nationaldenwkra'len als ein von Juden unterstützter , Ministerpräsident bezeichnet zu Werdern- In seiner Antwort auf die Rede - des Abgeordneten Dr. Thon hat Sikorski feine Stellung zur Jude nfrag e, noch schärfer, als vn Expose selbst besprochen. Er führte aus: ,Lch Witt nicht mit dem Deputierten Dr. Thon in derselben effektvollen Weise eines, t a l m u d i st i s ch e n Sch a r f s i n n s wetteifern^ sondern als Arier vom reinsten Blut frage ich: Wie hat die Neutralität d-rr ostgalizischen Juden zur-Zeit des Krieges ausgesehen? Ferner: Ist die Forderung nach Schaffung s e p a r a t e r G e m e i n d e n nicht ein Belangen nach einem Prwilegium? Schon der Umstands wie die Juden jeden geringsten Exzeß in Polen als Pogrom! ausvufen, ist an und fiir sich rin Privilegium." Sikorski wandte sich sodann gegen die seinerzeitigen Angriffe von Georg Brandes zur Zeit der Judenpogrome, die Si.-- korski Allerdings nur als geringfügige Exzeße auffaßt. Er spmch auch ganz nach d rm Muster der Nationald e m o k r a t e n von einer angeblich a n t r p o l n i s ch e n Aktion der amerikanischen Juden. Zum Schlüß wirft er dem Jüdischen Rationalrat in . Polen vor, daß er fortwährend für die, in Polen lebettden russischjüdischen Flucht l i n g e interveniere, was der Ministerpräsident als staatsfeiMichen M zu betrachten geneigt ist. Der Jüdische Klub hakt in seiner letzten Beratung beschloffen,, angesichts der Stellungnahme Sikorskis den Juden gegenüber in die schärfste Opposition zu treten. Abfahrt von Palästina-Emigranten. Aus Lemberg schreibt man uns: Sonntag den 21. d. erfolgte vom Hauptbahnhof die Abreise von 80 Chalüz i m, denen rmch längerer Wartezeit durch Vermittlung des hiesigen Palästina-Amtes die Einreisrbewilligung nach Evez Israel gewährt wurde. — Die meisten der Ausivanderer stammten aus der Ukraine, ein Keiner Teil bestand .aus Galizianern. . ' «egen die Mschetz MMNen. Kovmo, 24. JLnner. (I. E. B.)^ Jn Wauen bestehi eine Gruppe Chauvinisten, die. sich - den Kampf für die Reinheit der litauischen Sprache zum Ziele gesetzt hat,, aber in ihren Pechoden die antisemitischen Praktiken nicht verschmäht. Diese Gesellschaft fühtt.in ihrer Presse ernennt» pagne gegen die jüdischen Aufschriften/'an den Geschäftsschildern. Ihre GesirmunqsgenWn,. m der Stadt P o njewetsch zogen daraus die Konsequenzen,daß sie in einer Nacht sämtliche jüdischen Schilder iy. der.A^adt beschmutzten Md an die Häuser Zettel lleMN,) m.l.h^chen ein Komitee zur Bekämpfung der fremden Hpicachen" die Einwohner warnt, sich and«'rer als lttauisD^ Aufschriften zu bedienen. Einige. Tage später^ wurden-huch - in K o to n o an zahlreichen jüdischen GeschäMäden Schilder hr-?. schnmtzt. Las hebMche WSUerbuch BeK ida».' Fernsälem, 83. Jänner. (I. C. P:) Unter dem Protektorat des. L>berkommifsärs Sir H e r b e r t S a m u e l hat sich, hier ein Komitee gebildet,, welches die Vollendung und weitere Herausgabe des.großen wissenschaftlichen Wörterbuches Ben Jehudas ^Thesaurus totiu4 heb ra r ta t is" sich zum Ziele gesetzt hat. Dem Komitee gehörerr unter .andereman:- A cha d Hack Nr, U s s r s.chp 1 bin mckDavid Aellirr» 7 7 M bayrllchen RMmWaliAe«. Ruhe in München. . München, 27. Jänner. Im Lause der Nacht und vrS heutigen Tages fand zwischen der Negierung und den Führern der N a t i on also z i ä l i ft e n Verhandlungen statt, als deren Ergebnis-mau mit Zuversicht einerr ruhigen Verlauf des ngtiortülsoziaListischen Parteitages erwartet. Infolgedessen hat die Regierung von den zwö^,angekündigten nalionalGschen Versammlungen sechs in g es ch l 0 s s «ne n Ra um e n gestattet. Die F a hn % n» w. > ih e, die ursprünglich unter , freiem Himmel hätte stattsinden sollen, findet ebenfalls in einem g e f ch l 0 f s e» neu Raume, im Zirkus Krone statt.; Wie die Blätter aus LudwtgöHafen mellren, werde dort seit zwei Tagen die Abrttse französischer Fa" mitten aus er Pfalz beobachW Von Ludwigshafea seien fast Amtliche Offiziersfamitten ^nach Frankreich abgerüst/ während die Familien der. Unteroffiziere noch dort. verblieben sind.-Der Grund der Abreise '.der fra-nzösischen Offiziersfamitten'ms Frankreich sei> unbÄannt. - M PstfchMne der HMer-Lewie. , München, 27. Jänner. Der Minister des Innern Dr. Schmeyer besprach gestern abeMs in einer Presst" konferenz die Gerüchte, dir sich'auf eine gewalisame Umbildung der Regierung. wä'hrqrch des nafionattsttschen Parteitages beziehen undsagte, , daß Hittler selbst zur Verdichtung dieser Geriichtr beigetragen habe, weil er ihnen nienrals wiedersprochen habe. Die Hittler- Bewegung, die schon sängere Zeit ein Stein des Anstoßes in Bayern war und von der Regierung manchmal Zurückweisung erfahren hat, ist in den letzten Wochen unter dem E inslu,ß d er B 0 rgä ng r in Italien stark angeschwolleü. Der -ersst Satz in der -Hittler- Belvegunß ist: Bekämpfung des Marxismus. Dieser Satz ist zu hilligen, wenn auch die Mittel, welch; angewendet werden, von vielen verworfen werden. Die Einstellung der Hittler-Bewegung gegen! inks ist aber weniger von außenpolitischen als VM i n n e r p ol i t ischeu Erwägungen dikticht. ' Vorgestern bin ich nun dringend iw die Pfalz berustt worden, sagte der Minister weiter, es fand eine Zusammenkunft der Pfälzer mit mir in> Mannheim statt, bei der alle Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Parsti. verirrten waren. Die^Berhältnisie in der Pfalz Hatzen sich als sehr xrnst gezeigt. Sämtliche hohen Beamten der Regierung sind ausgew.resen Wörden, mW es mußten Maßnahmen für dst Zukunft erwogen werden. Auch in der Pfalz legt man den allergrößten Wert auf die E i n h e i t v e r F r 0 n t. im Volke. Nicht nur in den Arbeiterkveisett ist die Erregung Wer ^-He 'HW^, Brsvegung groß und eine entschiedene Halttmg der Regierung wird erwartet. Nach seiner Rückkehr aus der Pfalz sei der Ministes rat zu einer längeren Konferenz zusämmengetreten üttd habe, da die Nattonalsozialisten.ttnfölge des Verbotes voy Versammlungen unter freiem Himmel vjfr der Abhaltung von Umzügen mit Gewalt ^roht ^aben, den Ausnahmszustand beschloffen. ' : - ' Die sozialistische „Münchener Post" meint, die Vev hängling des Ausnahmszustandes 'wäre überflüffig gewesen, wenn diebritiM' Regstrung"ü - Gesetze' zum Schutze der Republik . zur . Attwenbung hätte bringen' wollen. ' •; ' ) . rar Proaramm des BMerbundmter. . Rom, 26. Jänner. Wir die -Agentur Votta erfährt, werde der Völkerbund rat bei feiner gegenwärtigen Tagung, in Paris, außer der Beratung über die Durch rung des G e nfe r P r 0 g r a m m s für Oesterreich/-die den wichtigsten Punkt der TaMordnuNtz bilde, noch' die Tätigkeit der Kontrollkommiffion für A l b a n i e n und ihr! Bechleiberr im LgÄe W Zur Dntstnduny des von Alba--