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Wiener Morgenzeitung · 1923-01-28 · Heft 1422 (28.1.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1422 (28.1.1923)
Date
1923-01-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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fc Am Vkn, Sottntag & FebrE ML 'Settr GSdWr»W»TvEv«»N»«W»Ä j LLdL« ««Sl»«»- . L^«E»L«EL»WMW', Der Verband Hebräisch T I I n f)? 211 Eh TM dftS sprechender;Studenten B~ 1 x—Ä,Jr A1i äu flunru uv» „T arbuthV veranstaltet Mittwoch deh3I.Jänner, 7 Uhr abljs., im Zeremo* niensaale dHofburg eine O» machen wäve, wenn der Fürst Personen, die kein Ver-' dienst haben, aber großen Reichtum besitzen, zü sehr aus« zeichnet", ließen^ die Machthaber aller Staaten durch, ein MsgeWetes' System der Favorisierung der Wohlhabendsten gleichsam den Leitsatz ausbilden, daß die vom Herrscher als Repräsentanten des Staates nach Staatsvolkes am meisten als belphnungswüMg anzusehende Betätigung des Juden der' Evtyedb großer Vermögen.und deren Möglichst froigiebige VÄ-tyxstdung wäre. So wurde, dies« Klasse — Wie. die jüdische. Mrschichte der rvMesten Epoche lehrt^ im schroffsten Gegensatz zu den.Anschauungen .des von der Außoiwelt noch , nicht angekränkelten Judentums -7 allmählich mit Notweck»igkeit auch innerhalb der Judenschaft Ne angesehenste: die Verantwortung fürdiese bedenAiche Rmsthichinng der' Begriffe fällt Vor der Geschichte ganz ein-, rvMdfrei' .einer systematischen PöliÄ der ^lmgebimg den" Jüdi n Menuber zu, . . . Ständig, da?' Schlagivort von der historischen Jnbi- Viduklilät und der ■ tradition-ollen Eigerrart auf den Lippen, war die Unrgobung Ver Juden — welcher politischen C-ouftur auch immer folgend — emsig bemüht, die schon durch unvordenkliche Getvohnheit überaus wohltätig Wirker-den moralischen Bindungen außer Kräfte zu setzen und verächtlich zu machen/ ohne im eigensten Jntexefse darübt r machMmken, wie man die gewaltige, jah aufgerisserre Lücke» schließen könnte. Die. Schaffung areligiöser Scheinchrisren wurde mit Eifer betrieben, nur allzu zahlreich und zu bekannt sind die Fasse, ist denen mit verständnisvollem ■ Lächeln dem zaüderudM Juden der Uebertritt»in ein christliches Beienntnis von berufenster Seite als lediglich - formeller, durch die Raison.und die gesellschaftlichen Vorurteile gebotener Schritt mit Nachdruck dargestcllt wurde: so durchsetzt: mäv sich-selbst die Kirchen mit Häretikern^ Die Äfsimilation der Juden wurde in der Zeit, in der sic im SikUe Vex' politischen Ernwicklung zu liegen schien, gsnnerhafi .mit ,einigen 'Phrasen •* bedacht: welche ernste, shstemätische Maßregeln hat die OeffontlichM ergriffen, > nm den'..Juden'diesen Weg zu weisen? Man wartete ihr HcrankomMeN 'äb. kritisierte allenthalbön Richtung und Teftpo Wtr HeMhungen und als' sie allzusehr hrvangekömmervfchiEn,. stieß man'sie' brüsk zurück. Kann man zu irgrnd'einet' Zöit z. B. mn einer erusthäften''Germänisrerung', d-r JMn sprechen? ' GllichzMg tat man den jüdischen Nationalismus, der. mit offeneu Karten spielt, in Achk und Bann. V' Niemand .leugnet baß -die tendenziös liberal gefärt tc;i .'lttscbautinaen d'r V!;iimifaiuni die Auswertung ver Persönlichkeit, das Abstveift« der hierbei hinderzlichen Festredner Erdifnungarede: Herr Qberrabbmer Prof. Pr, C h > i es - Prof. Z. D1 e8e»druck Ausserdem wirken mitft Prof. juliusr Wolfsohn, Kowgfcrtftieistef |o«ef ZwnWer. Ffati Mirjam-Schndbi-Hoefllch u. s. t Restliche Karte« „Wiener Mörgenaeitafig'/ Wie«, ll. Löwit, Fachvereine der „judäa*.. Taboratraase I «StA jüdischen Merkmale den Juden nahegelegt hat: aber wo/ yat die Umgebung dag.'gen getan, da sie es doch nicht billigt? Die Erklärung für ihr. zweideutiges, widerspruchsvolles und jeder konstruktiven Tätigkeit am jüdischen Probleme, selbst im antisemitischen Sinnen dbholven Verhaltens ist nicht schwer All finden, der Antisemitismus ist nicht ein Mittel zur Verbesserung oder Beseitigung angeblich unerträglicher, ans das Judentum zurückgehender Zustände innerhalb der nrenschljchen Gesellschaft, sondern Selbstzweck: rrran wollte von allem Anfang an nicht heilen, sondern strafen, nicht belehren, sondern Scham und Aerger erwecken, ausnützen, was rnöglich.lvar, die jüdische Gruppe, absondern und dann ihrem Schicksal überlassen. Mochte sie(dann zusehen, wie sie fertig, würde. Hier liegt dje moralische VenrÄeilung des Antisemitismus,'' selbst wenn man ihm um jeden Preis VerstäMüs entgegenbringen will. Das Geschrei von dem Plane der jüdisckM Welcherr-- schuft, von der' Versklavung der Menschheit durch die Juden ähneltsomit stark dem „Haltet den Dieb!", die Umgehung der Inden ist numerisch so Scheuteyd, kulturell einheitlich und ausgeprägt, im ° Besitze der Sraatsgewalt, daß ihr die Geschichte, die Verantwortung.. für. die Entwicklung der Judenfrage, ja folgerichtig §uch für. affe Ausschreitungen und Verfehlungen.'die'sich jemals an indische JttdividuLN knüpften, ausbürden wird, denn es.sind Vorgänge innerhalb -der.vonihr kontrollierten Gesellschaft. ' Nur dann könnte sie sich auf die Verstocktheit der Juden ausveden, wenn ihre mit Ernst, Verantwortungsfreude und Wohlwollen unternommenen Pläne an jüdischer Abwehr gescheitert wärest. Zusolchen Planen ist es niemals gekommen,- weil das Problem mit diesen Augen nicht betrachtet Umrde und weil sie dann auch nicht antisemitisch, höchstens , anti-assimilatorisch wären und die Lösung wohl in der reinlichen Scheidung, in.der ehrlichen Verständigung im beiderseitigen nationalen Interesse erblickest würden. SeWinPMr. Das KvutrMoMiifte der WraytierenÄn GMÄen seW! -sie heute vormittags begonnene Sitzung rmchmit-tags rar LökM des Pariser Zwftgbursims des Bölkerbundsekpetürs fort; Dn; Nachmütagssitzurrg nm'chen Experten - 'be»; - - .österreichischen .Honte aber besieht die Politik der Umwelt gegen die Juden darin, ihre Traditionen,. - zu - zertrünrmevn, ihren Nationalismus zu vernichten,ihre Mstmilation. zu ^verhindern, ihr Geistesleben zu verkümmern,' ihr Erwerbsleben zu verdächtigen, ihre Ruhe zu stören, ihre'Ehre anzngreifen, jedwede konstruktive Maßregel peinlichst außer Betracht zu Dr. P a tz a » bergezogen. Dr. .R e i's ch. hafte' vovm>it-iiatz3 Bssiw:chu.MN mit ffchrelv« S»en' Persönlichk-eiten der hrssigen BcmKvÄt./D« BundeskänAer n-nd der Mn-sster'-des Ävußer«. in Begleftüftg des GchaMen Eichhoff wurden vor-nnttagK vom PeWdenie«- :der Dokschtrstrr-,' kcnfcrenz Jules Camhon und a-bends v^ck-'PräfideMen RqmHU, .M i U* ra -n^-eA>pst»ngeA.... Italien für eine rasche Erledigung her österreichische» Fragen .. Rvm, 27. .Zämver.. Me die offiziös Agentur .Dolw erfährt, brschaftige' die. Pariser PwattW. .bewoffestd Ovsterreich dir stalrsttsschrn-'diplomLiäschen.Kresse'.'.in höksem Maß:.. Me Sitzungen'seierr' derart angeorÄnLt worden,.'daß. die österreiHssche. Fvage möglichst bschleunitzt evlodiFt werde. Daher trete' hyr-k schon das österreichische/Kvmiwe zuschnmen. : Die .KonLrollkMnusswn habe mit Heu österreichischen, Dckegierten keinen direkten Berkchr x,r führen, sonderi; mir rmL; dorn Gerv'ralkommissär Dr. Zimmerminr». Der ostevveichssche.. Twndeskanzler iverde dom öftervsichifchen Komiw?. die Lwgr liHerraichs drrlogen. Hiesige.Kresse, sind, wie die Agentur BoM weiter nrÄdet,. der Anschmmug, daß sämMche GÄiftr S'.guatarNWchte von größtem Wohkwosien Mgenüber-Ocht^rüL.ichbes-sÄt Mo, daß du:, österrvichssche Hvage ta-ssächlich gMi?.wevde.n wirld rmd daß Deisövgnssse interMtionälen Charakters/ die Äirch die' schwievvM Loge Lesterrmchs. ft GuvoHa ervcht worden ftftn,.erft>chw.mdrn wcTdem . . - . ' ' Men nsd Zrßemich. Rom, 26. Jämwr. „Nuova. Äfttokogiä" v^vösftMcht einen„Italien unb Qesterreich" überschrieheuet^ Artikel des Senators Mäggrorinft'Her'rärrs/ Her^ die H and e ls v e rtr a g s y„e r h and l u n ge n zwjscherr den Heiden Ländern zum AusMngspuukt'nimmt.ftDer Ber«' , sv , „.w (*. - vv v - süsser verweist, auf Italiens Versuch/ die HandelMziehüift 0dw°« «UNte Uii) .a» ff*«» . m und kn in durch di- JCÄ"- v H°"s!u^»Mm,g um. durch j Bcreindurung v°n P - rt ° rn, d >°i°d-r zu^-l°b°n die >« K«chd«r«t skh-nd. . birlier mir eine schr s°!chr°nkte Am-rndnuz i, d-v rm! chr-- M<,M,i«t zu sp»:kn w«d,- Katze m« der M«u§.! g-chmd-n M-n/w^lS num 'zur Politik von Sonderv'ert-r 5 g e n v st n S t a a t. z u 'S tagt über«. Unser Prinzip: Gut Ünd billig 91., Ta&orstraSe 48 . Teloph»» 497»?-7T. Eb grjas 1 ®as öeSai /'IdfeWeft: Bon Dr. Wolfgang Wrisl. ft Im Land der Pyramiden. Bon H tiro führt oin elektrische Straßenbahn über «?ne prächtige Nilbrsicke bis zum Mensn-Hotel. Von dort geht man zu Fuß gleich links in die Wüste zu den Pyramiden. Greise brauchen zehn Minuiett von der Endstation - bis zu dem Sphynx. Die Tramtvahkarte koste! fünf Piastst. (zirka'18.000 K.). Ich erzählst Ihnen das,. weil ich nicht will, daß Sie, wenn Sie einnchl mch Aegypten konrnren, so über's Ohr gehaut.werdest ivie ich. ' Ich k<p » ahnungslos, m Kairo gn. Herr Rödaktenr, §ein Engel var'so rein. . . Eigentlich sollte ich nach Älexandries fahren, aber ich hatte die Ümsteigstation verschlafen. M.st war ich in Kairo, ohne Baedeker, ohne Karte, ohne Bekannte und 'wollte mir die Hauptstvid! dlegyptens anschauen. .Aus W Geographiestunde wußte . ich, daß Kairo am 30. Breitegrad /liegt, aus der dKathematikstunde wußte ich, daß eine P°>wmide fünf Seiten und fünf Spitzen hat, und aus dem wirklichprächtigen Roman Max Ey ths, „Der Karnpf um >re Eheops-Pyramide",' erinnerte ich mich, daß Gizeh hei ÄLiro liege und daß. der Held . des Romans durch den Ml-schwimmen mußte, um in abenteuerlicher Fdhrt nach Bizeh-und zu den Pyramiden zu gelangen. Mit'diLse» Erkenntnissen ausgerüstet, begann ich die VerhandluMn mit einem Dragoman. „In Aegypten tvaren Sie wnd. haben die Pyramiden nicht gesehen?" Nein, das sEse mir nienmnd sagen. Und so ward ich mit dem GayM.von einem Führer handelseins, er habe mich für ein PftMü)zu den Pyramiden und zurück zu bringen, Kamel ursi» alle Trinkgelder zubezahlen üsw. (Drei Pfund hatte er verlangt!) Wiel erstaunte ich, als er einfach eine Tramwaykarte loste und mit mir bis hart an die Wüste heranfuhr. 5kstine romantischen Flüß'übergänge, keine Abenteuer — dürch ^s yeberschwl'muntngsaebiet des M' fährt, auf einer prachtvollen Ehanffee die Elektrische und am Rand der lybischen Wüste steht ein amerikanisches.Rieserchotel, überragt von dem gelben Berg der Cheops-Pyramide, .den: gewaltigsten Bauwerk,der Welt. . Wenn Sie nächstens nach ,AegMen kommen, kaufen Sie sich einen Baedeker,^ mein Herr: Es ist zwar abenteuerlicher, auf's Geratewohl in einem.fvemden Land hermnzuwandern, ohne das rote Reisobuch in der.Hand zu haben, aber es kommt doch, billiger, wenn Sie sich einen Baedeker anschaffen. Glmrsten Sie mir! Aegypten.'ist das Land der Gegensätze. (Bergl. Baedekers .! . ^enn Sie Won der Spitze der Pyrckmrden ans die rmgoheure Weite übevblicken, dann erschauern Sie beim Blick nach Westen unter dem Eindruck des etMen, stummeir Todes. Endlos. gelb, endlos eintönig dehnt sich die Wüste Afrikas , tnit ihren schattenlosen Sandhügeln zu den Füßen der Pyramiden, der gewaltigsten Denkmäler des Todes. . . Und nach Ostest gewandt, nach Norden schauend, erblickt man den lebensspendenden Nil, die blanschimmernden Flächen des Üeberschwemmungsgebietes, die weitgedehnien Palmenwälder südlich der Haupfftadt und das riesige Steinmeer Kairos, der Herrin des Rils. Gegensätze . . . Die Pymmiden, den Totentempel König Chufrus, bewacht der S p h y n x,. halb begraben vom Wüstensand. Und zwischen seinem Pranken lauert ein Amber, der alle Fremden überfällt, um sie zu photographieren. Drei Photographien für ein Pfund. Das Kamel/ mit dem Tmrristen in kühner, Rviterstellung. im Vordergründe, bescherest ettvas rückwärts der Sphynx ünd als Staffage — um die Größe des Kamels und , seines Reiters rdcht deutlich zu machen — die ungeheure, geheimnisvolle Pyramide König Chufrus, das großes Geheimnis von vier Jahrtausenden. , . Es war wirklich nicht nur. der unverschämte Preis, der mich das Anbot des PhotogmMn ablehnen ließ. So wenisi Siimmungsmensch ich sonst auch sein mag — ein Photo-?; graph an >er Bmst der Sphynx ließ mich schaudern. Aber,' solche Verzweiflung sah ich in meinem Leben nicht, wie sie dieser Fettah zur Schau tmg, als . ich . seine Einladung zuruckwies. Er war sichilich entsetzt. „Mer, Herr, ein Andenken' <xk die Sphynx, an die Pyramiden/" Ich. schütelte. den Kopf. „Wie viel wollen Sie, zahlen, Herr? 80 Piaste^? Für die Pyramiden, für die Sphynx, mitsamt Ihrer» Kamel!"; Ich meinte, der Sphynx fei ohne mein Kamel rm! ohne mich viel, interessanter. Er-verstand die Ironie rächt und sing von neuern an: „Andenken für zu Haufe, Brmü, Frau, Mutter,..Kinder ... /ft ft ' Unterdessen hatbe sich ein ganzes Rudel Awber dom blutdürstigen Stamme der Fremdenführer um uns versammelt und tvartete teilnehmend auf. den Ausgang der Wechselrede. Ich fühlft mich im Mittelpunkt des Interesses und antwortete geistreich, man werde mir „zu Hause" glauben^ daß ich hei den Pymmiden. war: ich für meine Person, brauche kein-Andenken, ich würde .auch ohne BW nie die Pvramide vergessen. '. '; . - Das sicher sehr, nett gesagt. ' : . r \ - Der Araber nickte. zu stimmend ^und sagte ernst: „Also. Sir, dann lassen Sie., sich phstographiereu" — mckr er wuchs, mit seinen Worten —..„zum Andenken an. mich!" . Ich war geschlagen,-total geschlagen! ... -, Ich verspracht ihm zwar, ich ".iyürde-auch seiner i& vetgessen, aber das wap doch.nur eine Wiopecholuug einer Phrase. Mein Gegner fand die Antwortmatt, zuckte ver > üchtlich.die Achseln nnd. entsernete sich würdevoll. D)e um-' stehender: Araber hatten sichtlich mehr, von mir ertvartek und waren sehr enttäuscht. Selbst nrein Kamel -schüttelte mißbilligend den Kopf — das europäische - Prestige hatte eine neuerliche Einbuße in. Alegyptew erlitten. Ein Araber evbot sich, für zehn Piaster statt mefttef auf die Cheops-Pyramide hinaufzuklettcrw und in sieben Minuten wieder unten ..zu.sei«. Ich könne-mitder Ähr m der.Hand aufHn tvarten. W sei'dies pillige.r zmd bMrem^ als. '.wrny'' ÄiE' .KnmMkege. . ft

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