Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1418 (24.1.1923)
- Date
- 1923-01-24
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Mitstvoch Wiener MorsenzeitttttK. «5 84. Jänn-r 1933 Seite 3 Btutmfjenen in der Nationalversammlung Budapest, 23. Dünner. Wahveüd der Rede des Abgetzrdnrten Bogya in der heutigen,Sitzüng'der Nationalhersamrnlung kam es zwischen diesem und den Sozialdemokraten zu einer Reihe von siüMischMÄonlrovetsen. Abgeordneter Bbgya beschuldigte die Sozialdemokraten, daß sie eine. Politik machen, die Wasser aus die Mühlen der?leinen Entente leite. Abgeordneter Bar n ay (Sozialdemokrat) rißf dazwischen: Sie lügen und verleumden in unglaublicher Weise! Der Zwschemuser wurde von: Präsidenten,' zur Ordnung gerufen. Abgeordneter Bogya führte weiter aus, daß die Aktionen der Sozialdeuwkörten stets ein Echo in der feindlichen Presse des Auslandes gefunden haben. Rufe bei dev. Sozialdemokraten: Verleumdung! Abgeordneter Bogya: Auch im Kriege sind unsere Soldaten Niemals besiegt worden, sondern Verrat hat . unsere Front erschüttert. (Lärm bei . den Sozialdemokraten.) Als Abgeordneter Bogya mit Bezug auf die Soziay»emokyateu die Bemerkung machte: Wir stehen einer zielbewußt arbeitenden Maffia gegenüber, und es wäre notwendig, den inneren Feind zu besiegen, kam es zu stürmischen Widerspruchskundgebungrn. der Sozialdemokraten und zu großen Lärmszenen, in deren Verlauf der Praßdent fast alle anwesenden sozialdemokratischen Abgeordneten zur Ordnung rief. . Die Barader Glasfabrik adaebrmmt. Mtökolez,. 23. Jänner. (Ung. Tel.-Korr.-Bureau.) Die B o r a d e r- Glas sa b r i k, eine der größten Glasfabriken Ungarns, ist bis auf einige Nebengebäude heute nachts g ä n z l i ch a b g e b r a n n t. Die Ursache des Brandes ist noch nicht festgestellt. Der Schaden ist sehr groß. Zionistische MirRssfeRäoB LeopoidstoHt■ Jeden Donnerstag zwanglose Zusammen* ■ künfte lür Mitglieder und emgelührte Gäste g 4 * 4 44*4*44 4 4* •♦ ♦♦• 4** 44444 *4**4 ■ g ' . r . .» Mo'gen Donnerstag den 25. Jänner, J 8 Uhr abends, Cäfd Fetzer. Iln Praterstr. ■ VORTRAG: j OBMANN OBERBAURÄT ROBERT Die Begienmgrerklänmg im Sejm angenommen. Warscha«, 33. Jänner. (P. T. A.), Im. Sejm. wurde heat» vi^. Debatte, über di« Regierungserklärung zu Nrde geführt und der Antrag, die Regierungserklärung des Ministerpräsidenten' Sikor.skL zur Kenntnis zu nehmen, wh großer Majorität angenommen. Im &*u|« der Debatte wies Abgeordnetsr Strckermamr (Deutscher Verband) die VorwmHe über die Illoyalität der Deutschen in Polen zurück. . Aibgeovdnet-er K o r f a n.t y sprach sich lobend über die Energie des .MinMvpräsidenten Sikorski aus, - wandt« sich jedoch gegen die. Zusammensetzung stines , . Kabinetts, -uS Welchem Gn-nde Redners Partei die Beranpvortüng für das KiabliPt' nicht,'übmrchmen rmmte. . mit anschliessoiidop Diskuss llll•lBllallllls■fallRllllllll>B Der Vertreter der 1Hraine, Pater Jlko, gab namens seiner Partei eine Erklärung ab, in der es heißt: Bärdie Wahl gestell-t, zwischen Rußland und Polen wählen zu müssen, ziehen es die U kra iner vor, sich an die ScÄe der Polen zu stellen, weil die -demvkrat'ische polnische Republik ihnen die .Entwicklung nationalen Eigenart garantiere. Warschau, 22. JänNer. (Del. der ,Mr. Morgsnzeitung") In der Sejmsitzung griff der Sprecher der. Nationaldemokraten Dr. Glombinski. in der Debatte über das Expose des Ministevpräsidenlen das Programm der Regierung schärsstens an. Glombinski wirst dem Min'.sterpräsidentrn vor, daß er kein klares Bild einer Regievungsreform gezeichnet halbe. Die Nationalidemokraten vextrodrn nach wie vor den Standpunkt, daß über das Los der RepMik nur eine polnische Majorität entscheiden könne. Sie spvechn den Minderheiten keinesfalls die Rechte ab, sie wollen jedoch ans Polen kein zweites Oesterreich machen, Gegen diese Aeußerung protestieren die jüdischen- AbMÄneten durch Zwischenrufe, in denen Glowbinski Provokation Vovgeworsen wurde. Er verlangt die Aushebung dcs AuslösungSbe-ßchlcs der Rozwoj- und der HallerkOrganisa-tionen,. -di«, seiner EMgrung toa^ Sßartei m« gegenwärtige RegseWitz 'NWWMstStzrti.'Er vetldntztz Mß. der Ministerpräsident' p« RegieWvgsmacht m die Hand deS Präsidenten zurücklege. Ministerpräsident . Sikor § k i e« klärte in seiner Antwort, er habe sich.bestrebt, ein« Majorität zu schaffen, di« eine fesw Regierung bilden soll. Er habe'auch mit'den Vertretern der rechten Parteien diesbezügliche VM«, Handlungen geführt. ' ' " ■’ ' > Abgeordneter T h u g u t t Märt, daß '.seine . Partei dies« ' Regierung, obzwar sie keine Regierung der Bauernpartei sdi, unterstützen werde, weil an ihrcr Spitze ein Mann stehe, der sin der Republik Ordnung schaffen will? < Der Iüdische Klub hat mehrstündige. Veratmtgech über seine Stellungnahme zum Expose .abgchÄten. Die end>, gültige Beschlutzsaffung wurde jedoch verschoben. i Die ruthenilcheN Abgeordneten aus Ost-, galizien haben Schritte, -imgeleiwt. um die. Anerkennung der? Semester der geheimen vrivcvten Universität in Lemberg, wie auch 'die Erteilung ehwr Bewilligung zur Rückkehr der I ukrainischen Emigranten aus der Tschccho-Slowakei und Wien > zu erlangen. In der hwtigm Senatssitzung hielt MiMsterpMtzent Si^ korSki sein Expose, welches vom Zentrum■. und der Linken, mit Beifall ansgenomen wurde. Die Dribätte Mer > das Expose, wird erst in d:r nächsten Sitzung abgeführt werden. Die rechter Parteien bereiten, ähnlich wie im Schm «me Opposition' vor. MMriM RegMemWk». . Warschau, 28, Jänner. (Tel. der „Wiener Morgtzyq zei ung".) Die Registrierimgen der Jahrgänge 1882. -bi-D 1899 werden fortgesetzt. In Warschau fandbereits eine Sitzung der militärischen Verwaltungskommission unter Beteiligung der Delegierten der Militärbehörden statt, um die technische Durchführung dieser.Registrierungen zu besprechen» Allerdings verlaute^ daß die Registrierung, nur Äs -vorbereitender zur Durchführung der . sogenannten K o nt r o H v e r s a m m l u n g e n dienen soll. Es wurde beschlossen» daß sämtliche Männer der oberwähnten Jahrgänge au . be» stimmten Tagen persönlich mit sämtlichen Dokrtmenten bei dm Registrieruugsbehörden 'zu erscheinen haben.. An den Mauert sind bereits Ankündigungvn mit der Aufforderung Mr .Stellung erschienen. ' - Witt« vom PrSsiüium du! DoMaNei zuM» Warschau, .88' Jänner. Gel. der „Br. MorgsnzestMg*^ Das neueste politische Ereignis' fft -der Rücktritt WisioS', von derPräsidentschaft seimes Ksiubs. Wie'verlautet, wuÄe ' Witos vdn der vadikÄen Äom'bski-MrupPe s'eines Klubs zuur." Rücktri't gezwun^n. O^war ihm der Klub das. BertrEns- Votum erteilt«,.müßt« Mlos lWlge' de^Atigriffe dieser Gruppe ' die, Präfidentschasi meberlegen. Die Partei, wird nunmehr de«' ««hüten können. ' '' ' .;’' .> ll., Taborstra8e 48 Telsphon 47-1-78 ' Bittres End«tail ar Max Rordau als Philosoph und Politiker. ES «dar . einer dev großen Erfolge, von Theodor Herzls «rfter zivnistischer.Tätigkeit, daß es ihm gelang, sjeimn Freund Max Nord au für die zionistische Idee zu gewvnven. Es mußt« Herz! viel daran liegen, sich die öffentliche Zustuttmung, Md auch die' Mitarbeit eines -SchvfftsErs. von AnsShen, M sichern, zu pmer Zeit, da 'sein PuAcku-m,.', die westjüdlsche Jütelligenz- und "Geld- 'üonrgeoisie, an', ihrem' LiMing, tzern Autor glitzernder, sentimental-psychologischer Feuilletons zu zweifeln oder gar dessen normalen Verstand in Frage zu stellen begann. Max Noevau wür der erste, der Herzls Programm durch das Gewicht feines Namens vor dem westeuropäischen Judentum beglaubigte,.'ohne fveillch dessen Widerstand mw Abnelgnml überwinden zu können. .. Max Nordau war zur Zeit des Erscheinens von HerM ,>J u^d e'n st a a t" ein hochgeschätzter europäischer Schriftsteller. W . war geistig aus d«r Schule dipe rationalistrsch-weltbürgerlich gefärbten Assimilationsära hervorgegangen -und hat seine Zusammenhänge mit der WeltavsclMMvg des ' Liberalismus niemals ' verleugnet. Ja, Nordau sist -der ausgeprägteste geistige "Vertreter des liberalen Nationalismus geworden und er hat desses^AnfchauunM mit! der > seinem Wesen innewohnenden Folgerichtigkeit bis in die Letzten Konsequenzen verfochten und ivas sein' litewtnr- und kunstkritrsches Schaffen anlangt, so Lönnbr man ihn nahezu den Mkölai seiner Epoche pennen. Nordaus Ideen waren'durchaus intellekdualistisch bestimmt; ' der' Rä'tioalist katexochen; iwr ' sich' an dkr '-positiviftischm':ßlhllöjlophie^ gedildet hatte,, tritt in jeder Zeile seines literarischen Wirkens -hervor^ Er war ein Polyhistor und sein' geistiger Horizont« umfaßte Naturwissenschaft, wie ' Soziologie, Philosophie- und - Welt» littzratür,' GefchHte und Politik. Aber er' war, - Arzt von Beruf,' von der Medizin qusgegangon ' und s als Schriststeller erschiieu/er stets 'im Bride des /Ehirüvgen mit -dem scharfen Messer? Der - scharfe, ' ätzende, . Mit Kraftworten nicht sparende' Stil feiner' glänzond anfgebauien, Aufsätze uüd Mcher gewann^ ftine besondere Stärke im Stürzen 'überlelbter Götzen^ oder dessen; ^was Nordau für solche hielt. . Sein - hochtzntwUettes AitisÄM Empfinden- Mächte-, i den MVßcn>Zraüonalisssn zu eiNE MnwMwBij«ver^? g^ v-' Als Nordaü feine Schriftstellerlaufbahn begann, ent-! wickelte sich in En wpa jene Richtung, die man damals als „Dekadener" bezeichitete und auf sie stürzte sich Rordau mit voller Wucht. Eine überragende, herrschende philosophische Anschauung fehlte, der Materialismus begann zu wanken und der Kampf^um hie Lehren Darwins wogte hin und her. So wandte sich Nordau m gleicher Weise gegen Individualisten und Skeptiker, gegen den'Naturalismus und Symbolismus in der Kunst. Hatte er es unternommen, in größanyel«gten - sozialkrUischen- Schvfften, wie den ,^konv«ntione kl e n' L ü g e n de r Kulturm e n s.ch h e i t7, den „P a r a d o x e n" und anderen vom Standpunkte des Vernunftgemäßen ans die scharfe kritische Sonde an die Erscheinungen der Zeit zu logen, so ging er in gleicher Art gegen die Mnstlevischen Erschewmrgen der Zeit . los. Es kann keinem Zwerföl unterliegen, daß Nordau diese von einem überlebten Standpunkt aus beurteilte und so war eS ihm nicht möglich, ihnen gerecht zu werden. Er übte Kritik mit den klassizistischen Mechobzn Lefsings und wollte erbarmungslos die Axt 'an alles legen, was nicht als gefsund schien. So rannte er mit währÄ Wirt gegen Nietzsche und Tolstoi, gegen I b s e n und Z o l a an und fand für den Naturalisinus und 'feinen prominentesten Vertreter Hauptmann Worte der schärfsten Mehnnng. Erst nach Zolas Eintreten für Dveyfus hat Nordau seinen Standpunkt zu ihm zu revidieren gesucht..Weder Wilde, noch Bandelaire, weder B e r l a i n e. noch W a g n e r fanden Gnade vor seinen Augen. ' Nordmrs philosophische Anschauung, in seinem kulturkrrtischen^Schvisten niedergelegt, gcht von, naturwissenschaftlichen Erkenntnissen aus.' Die. menschliche Anlage .istlvyn Natur aus böse, aber,die physiologische-Beschaffenheit 'des Menschen weist ihn auf das Zusanunenleben und entwickelt stine soziale Rawr und die im Naturgsrnäßen begründete 'Gesellschaft - soll durch die Entwicklung der Vernunft die rohe Natur überwiüdeü. Bon diesem Gesichtspunkt^aus kämpfte der Rationalist Nordaü gWn die ^pdlitische^ Forderung der Gleichheit^ aber auch gegen alle Lützen der Konvention in Gesellschaft: und Politik sowie gegen Engherzigkeit und Reaktion, "ö ' Wnes seiner bekanntesten-Werke . sind h!« a r ädoxe".und es war ein Paradox semes Lebens/ daß sich i der kosmopolitische Änstlävrr-'dem ZioniSiMs' zuWaü. Lt. Ssi«xJüsÜntt^wieS-r.ffch-'MMMS iseine so gischÄltze' Btzi:- nünft,msld)Md?trat er ick dickDefftntlichkeiMüd' liHeder BewoMq im KaurPse Men dw AgimMMt und H«. Feigheit die Schärfe seines Wortes Mw seiner Feder, Seisre. Aufsätze sind in den „Zionistischen Sch.rifte n" gesammelt, die noch heute , nichts von. ihrer Frische eiiygebüßt. haben.. Dezr.ZiomstenkonMssm. gaben seine großangelegten Reden ihr Gepräge, die als mehr, zu wertm sind,. denn als.bloße rhetorische Leistungen. Er war es, .der dA SESbtt vom jüdischen ,Mstmsnschen" prägte, das Wo.rt. von der Mtlicheü Judennot, die chitterer ist als die leWche, .weil^-sk.hkher.^MvMzierte,.^ fernere Menschen, heimfucht^,.er hatte hon Mut, die "Lüge der Emanzipation autzudecken,! und von vhm starmütdas Wort: „Dia Minner von. 1792 emanzipierten uns ^aus Prinzipien-' reiterei." Im Zionismus war Nordau der starrste Verfechter des ^wwMtz^.-WWkens^.sywieihn in der Bewegung ,haupssachlich'.' Mo-urxnt interessierte. MS Achad Haam seine bekaiuwe ablehnende. Kritik an H e,r z l S „Al tue ulü n d". übte, in welcher er -die EiNsoitrgfeit von Herzls'. Anschauung, darlegte, 'dererst allmäWch von der äußeren Betrachtung der Jrchenftage als eines reinpolitifchen Problems zur Erkenntnis .der geistig-. nationale» Jnhaite deiS ZiomsmuS gelangte,, da .waWe sich Rordau. mit einer Vehemenz gegen Achad Haam, die ihm in weilen zionistischen Kreisen verübe-lt wurde. Als nach Herzls Tode,ünü dem Scheitern des UgLnda-Prpiekks sich die evolutlMrstrsche und synthetische Anschauung im Zionisrnus immer , stärker durchsetzte, tzin-z Rordau in Opposition. Er. konnte sich bis mr sein Lebenselche mit dep Terchenz nicht aussöhnen, welche das ziimistische Ziel auf' deni Wege der Schaffung realer Stützpunkte für',die.,polKtischen. Endjpcherrmge» anstvshte. ZMtzt zeigte er feine oppositionelle, Haltung , auf der zionfftischeu Jahreskonförenz in London im Juli 1920. Mit Max Noxdau ist, eine der repräsentativsten - Figuren der ersten zWrstlWn Epoche dahmgegängen. Ein Schriftsteller von großen 'Format, ein Geist von umfassender Bildung, einer 'der entschlossensten und glänzerldsten Vorkämpfer der'zionistischen Jdee Pükt Mit ihm ms Grab. ' Er ist cä ihrer Wiege gestanden» hat ihr Programm in Basel formuliert und an der SchaMyg'ihrer politischen Ideologie in hervorcageudE Mäße mitgewirkt. Er hat als^^ SchriMWr^Wie' M Ziäüist. viel Verehrung und Pe-. WüMvuWMer 'auch' stärke Gegürrschast erfahren. In der EchiW^^ches MftPehepdel^^denh^ sich eMdäÄrndes DeükWl^esetzt und fein » Name wird ge- iüv;- .... t<y" .wtw" [' \ii>,. ■}.(<* ‘:-Uti- «.i.i