Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1417 (23.1.1923)
- Date
- 1923-01-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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V'H 'v,'- 3 V< V WWWWW^WWWWMNMVMWM-77'-77'-^ f " ' > ' > > ' ck. ’ ■:/ ■. ftfclJV ' Wien, Dirnsiag Miene» Morsrnreitung« §3. J5nne< Serie 8 - Dep erste' Punkt der Tagesordnung, der die bekannten Forderungen der antisemitischen- Studentenschaft nach der A ü S s ch-l i e ß u n g j ü dusche r. Ges ehrt erb o n d e n Stellen eines Rektors oder Dekans und nach der Einführung; eines Numerns e l a nsus f ü r jüdische Profcssoren und Stützenten betraf, gab zu einer lebhaften Debatte Anlaß. Die Rektoren der Hochschulen hatten bereits am Samstag eine Konferenz abgehalten, in welcher fie sichauf eine gemeinsame' Beantwortung des studentischen Memorandums einigten. Diese A^wort lautet: „M t und 2 'Musschließung der jüdischen Lehrer von dsr Bekleidung akademischer Funktionen): Per in der Vergangenheit unzweifelhaft begründete deutsche Charakter der Hochschulen Oesterreichs verpflichtet die an ihnen wirkende Lehrerschaft» für : die Erhaltung detttscher Geisteskultur an diesen Pflegestätten der Wissenschaft vorbehaltlos einzutrejen. Dieser Verpflichtung nachkommend,. werden die .akademischen Behörden bestrebt sein, den deutschen Charakter dieser' Bildungsstätten n ach.be st e m W r k e n n e n u n d Wissen unzweideutig zu tvahren. "Ad 3 (Beschränkung der jüdischen Lehrer nütz Hörer auf 10 Prozent der Gesamtzahl): Die Erfüllung des, zum Teil auf eine Abändemng der Staatsgrundgesetze hinzielenden Berlanoens nach einem Numerus clausus ist nur in Hzug. auf die Aufnahme f r e m d st a a t l i ch e r B e w e rk e r gegeben. Das Maß ihrer t a t s ä ch l ich e n B o rb'i,ld u n g wird künftighin für ihre Zulassung oder Abweisung entschevdend sei», da die Erfüllung der den Hochschulen in der Pflege der Wissenschaften zukommenden Aufgaben joden abweisbaren Zuwachs an für das Hochschulstudium Ungeeigneten im Interesse einer gedeihlichen Hnterrichtserteilimg a u s s ch l i e ^t. Die Auslese wird auf Grund der bisher gewonnenen' Erfahrungen durch die zuständigen, ihrer Verantwortung vollbewnßten akademischen Behörde «.getroffen werden." Nach der Verlesung dieser Antwort wurde ein Antrag der arffchwolkischen 'Studentenschaft, die Prozent- Beschränkung für jüdische Ausländer ichrzüführen, einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Die Re kto reu und a n wessen drnProfessore n gaben die Zusage,, sich in. den Senken, beziehungsweise Prostssorenkollegien für die Durchführung dieser Forderung in her ihnen geeignet erscheinenden Form e i n- Küsetzen. '' Die Anträge auf A n e r k e n n u n g der Studentenschaften Wurden einstimmig beschloffen und von den Rest iwren g e b i l l i g t. .- ' " 'Nach 'dem: ausführlichen Berichte dis Vorsitzenden der hdütschantisemitifchen ' Studentenschaft der Universität Wien Walter Kolbe, wonach die deutsche Studentenschaft die Vertiefung des Studiums, die EinrichtUM von Pflich.tvorlesungrn für alle Studierenden .verlangt/Durch die der Student deutsche Bildung und. eine t this ch e B e ruf sa u f fassung erkalten sott, erklärte Dekan Professor Dr. Junker im Namen des akademischen Senats, der in einer Kommission darüber eingehend beraten hatte, daß diese Vorlesungen bereits vom Sommersrmester 1923 eingerichtet werden, und sprach den Wunsch aus, daß alle Studierenden aü diesen teilnehme» werden. Als vierter Punkt der Tagesordnung wurde die Notlage der deutschösterreichischen Hochschulen einer eingehenden Beratung unterzogen. In einem Bericht des Rektors der Universität Wien wurde auf die Unmöglichkeit hingewiesen, für den Bedarf der Institute mit de» st a a t l i ch e n D o ta t i o n e n das Auslangen zu finden. Es wurde die Notwendigkeit einer Selbsthilfe betont. T.as dutsthr, Volk in Oestrreich muffe selbst größere Op-er als bisher flir seine Hochschulen, seinen wertvollsten. Kulturbesitz, bringen. Um diese Selbsthilfe zu organisieren, wurde „De utsche Hilfswerk für .die Ho ch- - s ch u l e n £> e st e rreich s" gegründet. Die Versammlung nahm diesen Bericht zur Kenntnis und setzte an'Stelle der bisherigen provisorischen Leitung einen H a u p t a u ss ch n ß ein. - - / . Nach weiteren Refemtrn über die G l e ich stelluyg deutscher Ausländer,.die den Rekvoren zur Begutachtung übermittelt wurden. wurde die Tagung in den stsiten N-endstanden geschloffen. . Arischch-ckademrsche Schnorerei sudetenländischer Germanen. En» Vertretung "der deutscharischen.Hochschuljugend kn der Ächecho-Slowakei erläßt einen Aufruf an die Aüslanddeuttchen ,^!n Ruf aus der ärgsten Not, wachrüttelnd die Gewesen und warnend allen bewußt germanischen Menscher*. Dieser Schnorvaufruf, mit dem man sich, schamlos genuA ans Ausland Wendet, während, wie da^ Schriftstück sagl^ „an vier Millionen stammestreuer deutscher Mensches in die Grenzen eines stets abgelehnten Staates LingezwäkPt würden, die jedenfalls nicht die Stammestveüe aufbringem, umihpe notleidenden Studenten zu ^unterstützen, b»!zeichnef die Tschechen als „mit Haßeifer dienende Werkzeug unter W rassestemden eigeütlichen Lenkern dev ’ Welt". ^>rr AntistmitisnM soll dtn' Deutsches im'AuSlande das Schnorren schchackhüjter machen. , Was aber, hie.selbstlose Hilfe des Judentums für die notleidenden Hochschulen und. Studenten anlangt, so' heißt es: "Ja, die Beteilung an' der wirtschaftlichen Hilfe durch jene fremvölkischen Leute, deren Söhne in Massen oft mit erschwindelten Reifezeugnissen sich zu Pen deutschen Hdchschulen drängen und den deütscharischen Studenten, den Kindern der uransäffigen Deutschen die Plätze Wegnahmen, hatte für die einzigenGewinnsrdes Weltkrieges» in deren weitgeöffneten Weltbankentaschen der Großteil aller Kriegsanleihen aller Völker und , die ungeheueren Nachkriegszahlungen geflossen sind und silHeti, Nur den einen Zweck, aüf die Gesinnungsfreudigkeit der deütscharischen Studenten, und Professoren einen Druck zugunsten der Aufnahme der Juden in die deutsche Stüdentenschaft auszüüben.' In Ausnützung der durch die hauptsächlich verursachten Not wollten und wollen die Verdeiber der Menschheit der Ehr- und Wahrheitsliebe der deütscharischen Studenten und Professoren das Rückgrat brechen mit einem Bruchteil jenes Geldes, das sie kurz: vorher durch . Kriegsnot und Wucher ^erpreßt haben" ' ' 7 .777" 7' " 77. Mit dieser antisemitischen Mmemheit verbindet man bie größte Weitherzigkeit im Schnorren. De germanistischen Töne, werden angeschlagen, die Schicksalsfrage der deutschen hoen Schulen im.Sudentenlande angerufen und erklärt: »seines Deutschen Lohn darf außer Ändes gehen, um an der Valuta zu gewinnen/wähernd durch sein Fehlen denk», fche Hochschulen mit der Auflassung bedroht werden." Bis zu den deutschfreundlichen, germanischen Völkern soll der Nuf erschallen. Die Sehnsucht der arischen Akademiker „grüßt der Urväter heiliges Land. Der Edda hohe Lieder singen in unseren HerM"..Das Wunder des Blutes leuchtet auf durch die Jahrtausende —' und das alles weil es in deutschböhmischen Options-Oesterreicher , die Wolf, ^W^ber und andere mit der Aufgabe betrauen, -den Hochgedanken der sudelenländlschen akadenüschen Arier im Lande der Cdid zu verbreiten! tzinberufym des Mlkerbundrates «ach Park.; llbrch einem gestern vom Generalfekretariat des Völkerbundes aus Genf eingetroffenen Telegramm erscheint der Völkerbundrat endgültig für-den 29. d. nach Paris einberusen. Die Sitzung des österreichischen Komllses wich vomussichtlich am 26. oder 27. d. stattfinden. Je nachdem die Entscheidung über diesen Termin, ausfällt, werden der Bundeskanzler und der Minister des Ärußern morgen oder übermorgen abends die Reise antreten. 7 c AWerÄMMnMd SkMNMSM. 7 Die Tagesordnung für die; zweite Sitzung,des außerordentlichen Kabinettsmies am 25.' d. wird. durch einen Antrag der Bundesregierung' über die Abäüdemüg einiger Bestimmungen des- Bundesgesetzes vom 28. Jänner. 1922^ betreffend die -Bündesangestellten (Besoldungs- Nachtmgsgrfttz), ferner durch einen Antmg der Bundesregierung über die Auflassung der Berghauptmannschaften ergänzt. , Ar kinstellmnr der Penjione«. DerhaMungen, die Mist mit jeder der teiden Grichpe«^ gesondert.und dann mit briden gemeinsam geführt wurden,! gab der Präsident des Lohnkomitees der Unternehmer, die Erklärung ab, daß die Intervention drr Regierung die von' ihm vertretenen Arbeitgeber veranlaffe, die für den. 27. d. beabsichtigte Maßnahme der Lohnkürzung um 15 Prozent, um eine. Woche zu verschi^n, um Gelegenheit. zu Ber^ Handlungen über bk definitive. Regelung im Laufe dieser Woche zu bieten. Die Vertreter der Kleingewerbetreibenden und der Fachgruppe der Eisen- und Metallwa-renerzeu-z ger erklärten sich mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lügr der von ihnen. vertretenen^Arbeitgeber außerstande»'sich dieser Erklärung anzrrschließey. ..! Die Vertreter der Krbeilnehmev nahmen diese Erklä-? rnngen zur Kenntnis. Damit sind die Hindernisse» die bis-! her unmittelbaren Bevhündlungen beider Teile entgegenstanden, beseitigt, und es werden diese Verhandlungen über die endgültige Regelung der Lohnftagr mit aller Beschleunigung, zunächst ohm Teilnahme der. RegierunL»! geführt werden. . Ile Arbeitslosigkeit. Der Bundesm'mister für soziale Verwaltung Schmiß hat für heute um halb 10 Uhr vormittags eine Sitzung des Beirates zur Bemtung der Maßnahmen zur Eindämmung der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit einbrrufen. '7 7. 7 Heute nachmittags tritt int Parlament der Unter« ausschuß des sozialpolitischen Ausschusses neuerdings zusaynmen, um über die Angelegenheit der Erhöhung der Arbeitslosenaushilfe zu bemten. Daß bisher noch keine Einigung, erzielt werden konnte, ist darauf zurückzuführem daß die Arbeitslosen eine Unterstützung vrrlangen^ die dem Kaufpreis vrsn 16 Laib Brat entspricht. Sie verweisen dabei davaüff,'daß im Jänner 1-922 die.wöchentliche; Arbeitslosenunterstützung gleichfalls die -Kaüflrast. von 16, Laib Brot hatte, daher ihr jetziges - Verlangen nur billig sei. 4 7 Die Regierung erklärt, daß sie. in Anbetracht deffen,, daß die Notenpresse ringestellt ist und sie nicht über' so viele Geldmittel verfügt, eine wöchentliche Arbeitslosen-! rrnterstützung von 100.000 K. nicht bezahlen könne, jedoch bereit sei, die Ärbeitslosenuntrrstützung von 70.000 auf, 80.000 K. pro Woche in der Höchstklaffe zu erhöhen. In! parlameÄarischeü. 'hofft maü, daß es gelingo»o> werde» ein Kompromiß zustaM zu bringen. In einem Teile der Bundesbeamtrüschast haben die Nachrichten über bei beabsichtigte Novellierung des Bramienabbaugefetzes Mißstimmung hervorgerufrn. Es wird eingewendet, daß man sich von' vornherein darüber klar fein mußte, daß der Abbau große Sumnren erfordern werde. Der außerordentliche Kab'mettsrat wird sich in den nächsten-Tagen mit -dieser Angelegenheit besaffen.- In den bisherigen' Besprechungen verwiesen die Vertreter der Bramlenschaft auf die Tatsache, daß den bis zum 31. Dezember 1922 aus dem Dutt'desdienst Ausgeschirdenen die Vorteile des. Abbmrgesetzes im vollsten Maße zuteil^ wurden, während nun der übrige zum Abbau bestimmte Teil der Angestellten sowohl durch die Äbbaunodelle als auch dlttchdas PeNsionsstillegungsgesetz unter Umständen eine beträchtliche Benachteiligung erleiden solle.. Allerdings setzt letzteresauch diejenigen ^Bündesa'ngestellten in Nachteil, die Pensionen der Abfertigung v o r g e z o' g err haben. Die Organisationen werden in den nächsten Tagen mit Vorschlägen an die Regierung und an die Parteien des Nattonalvates hevantreten. Ser Lohnabban in der MetaNndyfirie. Am-Sonntag hat sich der Vierzigerausschuß der Meta klarbe.iter in einer Beratung, die im Verbands- Heim im 5. Bezirk statffand, Mit dem zwischen den Metaümdustriellen und der Arbeiterschaft bestehenden Konflikt besaßt. Auch die Einladung der Regierung zu der gestern - vormittags beim Vizekanzler Dr. Frank stattfindenden Besprechung bildete den Gegensstmd drr Erörterungen. Mch einer Debatte über taktische Fragen wurde beschloffen, der Einladung der Regierung Folge zu leisten und an den Bespreuungen mit dttn Vizekanzier teilzunehmen. Die: Besprechungen, die aus Sruud des Eingreifens der Regierung heute vorm '.ttags unter dem Vorsitze des Vizekanzlers Dr. Frank mit den Vertretern der Arbeittzcher. und der Arbeitnehmer' der. Metallindustrie ' stattfanden, haben ein besrledigrydes Ergebnis gebracht.. Nach längeren Zwischen den, drei bestehenden monarchistischen Par-7 te!gdq>W, d«i schwarzq-WDLMtimist-»» MWKWm . Monarchisten und. der österrerchflchen Staatspartet/ habenbereits fett längerem Verhandlungen wegen Vereinigung' dieser drei Gruppen stattgefunden, die aber bisher ergeh-! nislos blieben. Wahrend , bereits in der leMn. ZM, eine! Annäherung der Legitimisten und Monarchisten erfolgte/ gelang es nicht, auch die österreichische Staatspartei/ rnfolge! der' persönlichen Diserenzen zwischen Oberst VZ o lsif/nM Kuno H o y n i g g/ mit, den beiden übrigen Gruppen M vereinen. Nunmehr ist auch dieser Zwist begra-Rß 'worden und in in.den /-letzten.Tagen^ geführten Verhandlungen' würde beschloffen, alle drei monarchistischen Parteigruppen zu , einer österreichischen Monarchistenpartei zu vereinigen,! deren Leiwng die bisherigen Führer der drei Gruppen/! Oberst Wolfs, Schager und Kuno Hoynigg über/ .nehmen. Der offizielle Titzl der neuen Partei ist noch nicht bestimmt. Ser Zustand Sr. Rafchiur. Prag, 22. Jänner. Der Abendbericht über den Ge«? su'rdhcrttzustand deS Ministers Dr. Raschin besagt: Gcsundh"itSzustand gegenüber früh unverändert. Temperatur 37,7, Puls 120. - . . - Tie Aerzte Dr. Raschins veröffentlichen eine Erklärung worin sie entgegen anders lautenden Nachrichten dev letzten Tage, feststellen, daß das Projektil das Rückenmark durchbohrt Hab . . Sie Sebatte Wer da« RegiermlgrrOosL Warschau, 22. Jänner. (Poln. Tel.-Ag.) In der heutf» gen Sitzung &:§ Senats wurde die Debatte über das' Re-- gierungsexpösee durchgeführt. . Der Antrag des Senators P o s n e r, der namens der Sozialdemokraten die Absetzung der Debatte von der Tagesordnung verlangte, würde abgelehnt. Die Redner der drei Rechtsparteien unterivarses das Rcgierungsprogramm einer abfälligen Kritik. " - Senator B i a l y gab namens edr Vol-ksparter eine Erkärung ab, worin ausgeführt wird, die Partei * anerkenne die Notwendigkeit/ .eines parlameniar'schcn Kabinetts, aber solange die Bedingungen für ein solches nicht-gegeben seien,' werde sie für die Unterstützung des grgenwärtigeu Kabi.ntts eintreten. Damit war die .'lusjpräche zu Ende. Warschau, 22. Jänner. (Poln. D f.-Ag.) 'Bei Fortq. setzi.ng der Debatte über die Rcgievmg^.cllürung im SeM WWM II., TabörslraSe Telephon?47r1 <79 . in gros:, En dntsnt.