Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1417 (23.1.1923)
- Date
- 1923-01-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'■■* Mit t' — Wien, Dienstag AettM DechaftUWen. An che n, 22. Mnnev. (Wolfs.) Heute wurden der Leiter des Finanzamtes Aachen Z Oderregierunasrat Semvach und fein Stell. Vertreter Negierungsrat Dr. Basten ans AD ordnung der BesatzüngsVehÜrde verhaftete weil sie erkl8rLey, daß sie nur den WeisMM der deutschen Behörden folgen würden. Darauf haben sämtliche Beamten und Angestellte des Finanzamtes ihre LiitigkeiL eingestellt. Keiue LrUmchme Polens an den KmMchen EMWmv Polen vnd die Memel-Frage. Warschau, 20. Jänner. (Tel der „Wiener Morgen- Hortung".) In der letzten Sr^lrng der Äußevkommiffion erklärte Außenmlnrstcr Sf t z y n s k t ruf die Anfrage des sozialdemoSrat'rschen Abrwmdnetrn ÄLtsdzralkows'ki, daß vorläufig die M e m e l-A f's 5 r e keinen Grund, zu irgend welchen Befürchtungen bieten Polen könne in keinen HonslA hmüngezerrt werden, da die Nachbarn Polens keine mikr.tarischen Konzenträtionen vornehmen. Es werden von ihnen auch keine Unterhandlungen^ die gegen, Polen gerichtet werden, konnten, geführt. Die in der deutschen Presse verbreiteten- Gerüchte, wonach Fraukre ich Polen den Vorschlag gemacht haben soll, an den.Sanriloste n tettMnehmen, feien irnrichtig. Niemand sei an Polen mit einem ähnlichen Vorschlag herangetveten. Auch in der Angelegenheit Memel habe Polen keine Vorschläge erhalten. Die polnische Regierung befinde sich nur in der Rolle ermS Zuschmlers. ' M KntweMm der ReichsmaU. Nach Zweitägigem Stillstand hat der Enttvertungssrozetz der Reichsmark wieder eingesetzt. In- $ ü t ich fiel die Devise Mm von 0,0287 auf 0,0250, soll sich allerdings später nach Mitteilungen des Schweizerischen Bankvereins (Geld 0,0230, Ware 0,0245) aus 0,0287 wieder erholt haben. Der Amsterdamer und die nordischen Devisen» Plätze verzeichneten durchweg? einen erheblichen Rückgang der ReichsMÄ'rck. So siel , in Christiania Zahlung Hamburg Von 0,0350 aus 0,0250, in Kopenhagen . von 0,032; aus, 0,027. In BkAin vollzog sich von neuem eine stürmische Austvärtsbewegung der fmrntstn Zahlungsmittel, -die durch das Emporfchrellen des. Pfund von Y5.785 aus 104.488.12, deK DLÄar VM 1S.7W2 auf'W.Z44 gekenNzeichnrL ist. "jl Sitzung -esSioMifchenMism RüStrttt JdbottnsM , Aus Berlir totrb uns gemeldet: Das Attionskomrlee führte eiste mehrtaPge politische Debatte durch, nach welcher hie heveits gemeldeten Resolutionen mit höerwiegender Mehrheit angenommen wurden. .D:r Sonderstandpunkt Jabotinslys vermochte sich nicht durchzusetzen. Es wurde-diesbezüglich auch festgelegt: Das AktionskomÄee erachtet als selbstverst^Mich, daß mit politischen Aktiv ne n' nur diejenigen - Mitglieds der Exekutive benaut sein.können, die die politische Grundlinie der Maj« ritat vertreten und sich auf den Boden ihrrr Beschlüsse stellen. . , - . ' -1"' Ein weiteren Beschluß besagt, daß dir Exekutive alle' Mittel ergreifen wird, die Forderungen des W a a d L e u m i (jüdischer Nationalrat für Palästina) betreffs seiner Legalifierung usw. gemaßdeU Beschlüssen des letzten Kongresses durchmsetzen, urch drückt .seinen Punsch^ aus. daß die politische st Aktionen des Waad Lemni im EiN- ÄerrtehÄreu Nit dem politischen Vertreter der Exekutive geschehen, welche die Funktionen der Iewish Agency übernommen hat Mit der Ar-nahme dieser Resolutionen. erttärte Vas MttvnZkomit« alle' anderen eingebrachten politischen Resolsttionen, darurster dir Jabotinslys, als abgelehnt. Die meisten Diskusiicusredner verurteilten - Me'" Sonderpolitik innerhalb der C^Eutive und verlangten eine homogene Leitung. Obwohl mehrfach der Rücktritt Jabotinskys gefordert wurde, erklär!« dieser mch Ablehnung seiner. Amendementszur pölitij hen Resolution trotzdem m der Exekütwe weiter Verbleibes zu wollen, um dort für seine Ansichten zu kämpfen. Am nächsten Morgen erhielt jedoch die zur- Unte.chHung de: Affäre Jabotlysk^-Slawinsky (Petljuva) eingesetzte Kommission, der Iabotinsky ErÜärungen. versprochen. ratte, von diesem-die Verständigung, daß ev' tms der Exekutive und der Zionistischen Organisation aus trete untz deswegen 'nicht erschein«. Außerdem richtete Jabotinsky ein Schreiben an. den Präsidenten des AktionLkömtt-ees, worin er seinen Austritt aus der Organisation damit motivier^ daß die Ablehnung seines Pwgvanrms die Aufgabe der. zionistischen Prinzipirn bedeutr. Der Vorsitzende Dr. H a n t k e und der Refennt der Kommission Abgeordneter G t ü n ba um wiesen die Bor- Würfe Jabotinskys als gänzlich ungerechtfertigt und Unbegründet zurück. < - , V . */' Aeber den Pstläftina-Weltkongveß referierte namestß kussion wurden in dieser Frage folgende Resolutionen angenommen: - ' ■ ‘ - ‘:jy V-Vv i-r ' i > Pas' Aktionskomitee; beauftrag die - Exekutive/ -ln lveiterer Vorbereitung des-jüdischen WMongr-eM-M den Ausbau Palästlnasz _Wiener Mokgenzeitmrg. . j a) bk notWenWn SchxlK^bbi'.i^r' hrittschen Negierung gemäß - Art.. .4'.'M'.MWna-MülÄeK zu unler» nrhnren; , /' b) eine breite STgitetio# snr pie Idee ^de§7?Palästina-. gresseZ in allen Hv.derN Pentfältenr ., c) rinen W UW o d,u s.für' den pestkotttzWß inr ElttveWeihmen Wt 'Mfc'',J3&ntie#dcdanifa<MKeiL' ten und der nHstenEWitzung. d^s MvrÄkömtteeS. zur Bescktigung vorzulegen^,..' - . Die ganze Vorarbeit rmiß in dem Smiw verkiwfrn, daß - als Resultat, schon vor' dem. Kongreß gewisse B o rau s s e tz,u n g e n . ssir. eine nachträgliche. ständige organisdtorische Zusackmen'äsiüng writrster Kreise des' jüdischen Volkes zur MitwirMg am Palästina-Aüfbau Mchaffen werden. Auf diesem Wege wären bott; wo das für zweck- 23. Jänner 1023 hi.tm iüäßig erachtet wird, die Landeskottferenzsn für de« Auf« btM Palästj-rD, einHjstiwn. ' ' ' - - ' - - Dpr Wöstkongreß soll n i ch t s p ä t e r tt l S i ch? Jahre 19'84 statisinden.' > - ' .Uebr^r düs B^Wt referierte Herr. Dr. HalPeru,- wbväuf folgende'Refhlution angenommen würde: " . ..Da hie bisherigen Eingänge dem festgesetztE Budßet n i ch L,e n t spd e ch e n, und um eine weitere Der» schuldüng ln Palästinaaufzu^aLten, bevollmächtigt dass Aktionskomitee die Gesamtexekuiive, solange als die Ein»- nahmen nicht das. angenommene Blwget erreichen, dw' m ö g l'i ch st e n E r s p a r n i f f c vorzunehmeu und . dig Der teil« ng der - ein ge h en d en Gelder . aH die verschiedenen Ai'britszweige den Erfordernissen - eU?* sprechend durchzuWren. - - 10.000 Teilnehmer. ' Anv Sonntag -: vormittags /fand die >große völkische Heerschau der WieOr b^denMb'gen Antisemiten swtt. Die Arrangeure hattest, .um sich einen'stärkeren Zuzug zu sichern, die Parole mit dem Fwnzyseneinmarsch in das Ruhrgebiet gekoppelt und tatsächliche Wirkung-erzielt. Es fanden sich etwa 15.000 Teilnehmer, die in geschlosiener Aufstellung vor dem Rathaus sich sammelten. Die Bokksha^le im Rathaus wurde von etwa 600.0 Menschen besetzt. Hier führte Karl Hermann W o l f den. Vorsitz. Er besprach den Zweck des neusegründoten ,,KamPfüusschufles". Theoretistert haben wir - längs genug und wir brauchen heute keinen Schuhladenantifemitismus' mehr, der sich dann verbirgt,' wenn e§ zu handeln «gilt. Wir müsien zum tatberettW Antisemitsmus geäugen, der sich kn der GesiWbNng pvrkkifchen Ausdruck verschafft. Dir Forderung nach dem Numems clausus, die zurrst von den Studenten erhöben wurde, muß im ^Parlament durch enlspvecherrde GeseheSänderungen verwirklicht werden. (Beifall.) ' ■ -v-r* */ : ’ Ihm folgte dann der seweserw christlich germanische BurgtheaterdiMoL - ^' - '; / '^MLa^MMvich^ -■ ■/■; ■■■ Etz sägt«, daß,'dH.WWMich.W»ch.. dem Mmerus. rläusus keine AngeWnheiL M,m% Ü u t J> iy H ochsH ülbr H treffe. Das ganze BÄk Msse daran AnM Nehmen^ Ml es ihm diä. .VochsM^EWWWeDE^M>-Wr find, die einst die leitenden Stellen' 'ein>nehmen' sollen. Deshalb hat sich das d s u-t s ch-e V o l k wo n W ien heute z'jsammengesundrn, um in der Stunde,, da der Wutsche Hochschuttag abgW holten wird, die Studenten in ihrer Forderung zu unierstützen und, um aber qnch gleichzeitig die Fovdemng zu ev» ^00«,''^ -er'Nun«r«s-ÜnukUr- ' nicht nur auf die Hochschulen beschrankt bleibe, sondern a u ch a u f d a S öffentliche Leben Auwrndstng sir.de. Wie die Studenten den Juden zwr ein Zehntel her Hörer zübillrgen, dafür aber verlangen, daß Rektoren, Dekane und . Universitars- Uamte .feine Juden fein diwsen, betonen auch wir, daß wir üus^ ... jWsche Richtttund jüdische Verwaltungsbeamte nicht mchr gefallen kaffen. (Stürmischer Beifall.) Die Forderung nach hem Rmnerus claufuS wird von den Gegnern als u nmoral lfch, bildu ngSseindl ich und u Ng ös ertz l i ch .bezeichnet. Rrhnfr sichrw daMgen .jwß sich die Deutschen nicht von Rasiefremden' deren „Mora.^ aufdxängen lassen,M stch'MharLlich'weigern, i.h^re G e s e tz e i ns^ De u t.sch e zu übersetzen:Md darüber Aufschluß zu geben wie weit sie für dre.. ernzelnen Juden bwdäH sind. Äildungsseindlich ist die Forderung schon aUS dem Gmsthe nicht, weil sie 'im Hegemgil von dem Gedanken getragen ist, di: deutsche WiUnschyft Und die. deutsche- Bildung bor dun verderblichen jüdMeu Einfluß Möglichst zu schützen. Die gogenwärtigen' Gesttze- -Wst/ den RunnvUS eläusüs allerdings nicht vor, doch kon-mrn und müssen sie eben, geändert wepden. Im übrigen könne, schön aus DvuO. der jetzt geltenden Gesetze und aus Grund. oes ' - StaatsvertragcsvonSt.-Germain der den -Begriff- Raffe- Änd Äätionale Mlndeoheft kerm-t, manches an praktischM ÄntikemitiSmus geleisict werden. Eeuerticher.Beisall^-^ ' ' " Dtzr'Redmr verMst.fydaun. Lme ' EntMetzuug.' ' ' m der mAr auderem fötzestde Forderungsn - aufegesteüt -werdend y ' AmEnung^ der -Iuhm > als eigenen, nicht deutschen Bostsstymm; Rücksichwahme äuf die Raffenzugehöxtzkeit bei ^der Wichswu..'BoÄHMn^Md zwar habe die Bölkszahlung so lauge zu uuterbleMr, bis die dazu uotwendigen BoraMten gv-eistet - sind; M n g ü l t i g k e i t Ser k l 8r u n g. aller StaatsbürgerschaftSeMarungen, die dem Best» tM von St.-GermaiN und den ftmerzeittgen Verordnungen widersprechen;. Prüfung '.der alten GesetzeSstrllen über die . Stäatsbüvgerschast- und. HemsttsestklävUngj, sötzie Heren MMchG'Uach^BexMlniWtt-in. DTutschostervekch; Be- WtftÄKM M-MWHW Msi Wä^MKstUWWeiM,- beider^ Vergebung von UMtsmWchkeiten und Unter- ' Mort M ÄMSHOM? EWriiS / her KM'-etttspvechinb M MMnf'An«:-BDL.ki-aHU HM Fostderustaen zu epküllerr» Diese Entschließung wurde am Schluß der Versimmb' lmvg-mit großem Beifall einstimmig ängenymmem Abg. Dr..'.Zeih.(er übermittelte' der Bersammlunydie Grüße d<'Hroßdoutschsn Bolksparte'r und zitierte aus' seinem Zettelkasten - einen angeblichen Ausspruch Mett t e r n i ch s aus hem Jahre 1949: „Die Juden -werdest über hre DWschett einen furchtbaren Tag bringen," doch aber für sie selbst ein noch furchtbarerer'Morgen, sotgc^. Wird. - J... v v:: Im erstsn. Ml. des Ausspruches hat sich Metterlu^ als ^phet gezeigt; machen wir auch den zweiten TU M Wahrheit! .(Beifall.) % . Oberst Hiltl sprach mmrenS der Pier ReKimenter Frontkampf«, die vor dem Rathaus Aufftellung genommen hatten. Dkf deutschen Studenten können jederzeit ..der vollen Unter» stützung der Fxvntkämpser sicher sein. Alle Mann an Bord für Wehr' und Ehr' des deutschen Bösff H 3 i n Oe st e r r e i ch. (Stürmischer Beifall.) Dr. Riehl sprach namens der NationalsoziaMeW Er verwies darauft daß die Jrtden die Nationen Und W Klaffen üntereinämrer verhetzen. Eine Folge davon ist dH Terror, der heute, viele Metallarbeiter'zwingt,.. .. n-< mttWchen Bartest , v, an der Versammlung leilzunchmen, weil ihnen demokMWen'Spitzel- Äuflauern.- .Latmenschen>und7Held^ sind di«! Straßenbahner und - NordbahnLediensteten, - -dH heute rn Uniform, rnr Demonstrationszug- Initmarschlerech (Beifall.) - ' ' . . : -V. Herr Klausster. sprach für die Innsbrucker Sturmttuppen der Raiionalsozialisiett» ' Ierzabek begrüßte namens der christlichsozrake» Parß Lei und als Obmann des AntiftmitenbundeS die- BersaMm^ lüng. Der heutige Aufmarsch beweist, daß das deutsch^ B o l k P i e M die Unterdrückung durch die Juden nicht nur nicht nrehr ertragen kann, sondern auch nicht mehr est! tragen will. Nur ein degeneriertes Volk, das dem Verfall entgegengeht, könne eine Fremdherrschaft auf die Dauer er-t tragen. Wir Deutsche in Oesterreich fühlen aber noch in unS die Kraft, mit der unsere Ahnen die asiatischen Hotzden abtz wehrten, und wir werden auch mit diesen Horden, diä gleichfalls aus dem Osten kommen, fertig, werden. (Großen Beifall.) .; ' ■--.■.■v..-,- . Dr. Htntze sprach namens der deutschen Studentenschast Wiens und Oesteireichs. . . . - Mt der Absingung des LiSes „Wenn alle untreu werden . .fgnd die Bersammlung in der BolkshaÜe ihren Ahschluß. - / . v! An die aus dem RathauZplatz Stehenden wurden'Reden der gleichen Art gehalten. (Siegen 11 Uhr wurden die Versammlungen geschlossen und es rangierte sich ei»'De*' monstvatiönszug, rder über den Ring marschierte. Au dH Spitze wurde' eine r o t e H a k e n k r e u z f a h n p getvrgerft Ihr folgte eine Kcchell« von uniformierten Straßenbahnern, dasty.Ätivstalsozialisten, Frontkämpfer, Studenten und W-hrMastster. Es wurde in Viererreihen nach S^gnülen vbn Trompeten und Kontmandorusen und unkep Trommelfchall marschiert, was aus die Äervielen Zuschauer einen sehr angenehmen Eindruck machte. Einige in den Zug eingriellle Kapellen spielten unausgesetzt alte Mlitarmärsche, so daß schließlich der militaristische Charakter der BevanWtuNg üherwog. Zwischenfällen ereigneten sich nicht. Die- Poltzei' hätte 7000 Mattn m Bereitschaft gestellt, .v.- Vizekanzler Fink beim Hochschultag. Numerus rlgnsu). für jüdische Ausländer. - Sömttag. vormittags begann M hafb 10 Uhr im Senatssaal der Universität der zweite deutsche Hochschultag/ an dem die Rcftoren fämtlicher.Hochschulest Oesterreichs, die Vertreter der deutschen Studentenschaft dieser Hochschulen und als .Gäste zahlreiche Profefforen dev Wiener Hochschulen und der Vorsitzende der allgemestw» deutschen Stu-entenschgst teilnahmen. Vizekanzler F r a n k .wohnte dM Verhandlungen während des. BormMgs bei. einer BeWWNtz'Mrch W Wtör. der ÜnivetsW Ptöfeffor Diener, wuchü die Leitung des Tages als Ehrenvorsitzender Rektor Diene r; als Bor- ^ochschule, Wiel«): gls .SchriMhrer Student F ra njft «MMW .. . --\v. ' .n> k>v■