Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1415 (21.1.1923)
- Date
- 1923-01-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Gerte I.. GMqz wieder geschehen. Judas Silberlinge tollten, um deutsche Volisgenossenzum Bruderkanr-fMsneiander zu. Hetzen.? Auf Judas Befehl knallten Misch?. Arbeiter auf Hre \ Krujsgenossen. -ÄrbeiteMüt MM fließen,'guMGchutze'i Ps.jüdischen Schmarotzervolkes. Die blutbesudelten Jüden- Dldlinge können ein neues Blatt der blutroten SchHtve -ihrer Zeitgeschichte emfugen, aber eS wird.dereittslzuW^ Ankläger werden gegen den Verführer Alljuva." ' ' : Emen ähnlichen Piopaganda-Ausflug — die Heyejschasten. können sich das leisten, denn die deutsche Schwerirchustrie hat. noch immer Geld genug, so daß auch M Wiener Hakenkreuspropaganda nicht zu kurz kommt ~ Kat neulich die bayrische Hitler-Garde nach Ko bürg Unternommen und . schon beginnen sich dort bk Früchte |3H, zeigen: Jüdische Besucherinnen der höheren Lochter- §Hule werden von ihren Mitschülerinnenange spuckt, m jüdischer Oberrealschüler hat unter der Einlwrrkung steter antisemitischer Beschimpfungen, einen m e l bst Mordversuch unternommen und. auch in den Golks sch u l e n zeigt sich schon der Geist der Verhetzung!’ : _ Daß diese völkische Tollheit zeitweilig' ins Gebiet des" Unfreiwilligen Humors umschlägt, zeigt aber has folgende Knservt im Berliner „Lokal-Anzeiger": „Raunet, 4 h r Run e n!" Rufet die rechten Streiter des Lichtes Herbei! Deutschnationale Männer und Frauen, die an der Rettung gerrnanischen Volkes und.' Weftns Mitarbeiten wollen, finden Aufnahme in deutschreligiösem Orden (Loge z. h. G.). BlutShekenntniS, BUd, Haarprobe und Lebensrauf unter obigen Runen an die Redaktion des Blattes." Das ist der Deutsche Geist", der von jener Seite 'beständig zur befreienden Tat aufgerufen wich und dessen Walten emen großen Teil, der deutschen Jugend feierlich vergiften droht! Wiener Morsenzettung. Jallckr B28 ^ftmy mm»,,«,. . JlflCCD ■Spr:'xu tief t'epuziei'ien Preisen Pelzhaus Cebr. BRAINlfil ' 4S-4 SS. _ ' 3371 I« einer JnÄpellatkäysbeanstvortüiig betreffend die Hakenkreuz-Plakate eMrte dch Bürgermeister, gegen diese Propaganda, nichts, unternehmen..zu. konrren. Dies sei vielmehr Sache, der Staatsanwaltschaft. Wenn man drese wlerpelliert, jo. wird sie höchstwahrscheinlich an den Bürgermeister verweisen. Weshalb aber Mt der Bürgermeister den vö'kiscken Krawallmachern das Rathaus zur Benützung? Etwa deshalb, weil es sich um den deutschen Charakter der Hauptstadt handelt? . ' ' DK Sitzung des Mtterbundrates. Am 28. Jänner in Paris. Lmdott/ 20. Jänner. (Tel. der „Wiener Msrgen- Mrng".) Wie von MaNdtzer Stelle ' mitgeteilt wird, wird der Völkerbund am 26. d' ln Paris und nicht, wie «wsprülltzlrch geplant am 33. d. i» Genf, zujammentrew». M«er (Sitzung am M Hnnttl) Die Wohnbanßener angenomm«. Der wiener Landtag fetzte gestern, die am K , mnene Beratttty über das. noue Wohnbanswuechesetz SN einer mehrstündigen' KtzKMKMß- ."koxi. ^inch nahm Mießkich das.Gesetz in der vytn Werenten vertretenin Fassung an, nachdem über" Wuüsch der Mnotität einige unwesentliche TeMnderungeu vorgenommm worÄn toitit* Es gtzlünM sodann ein Antrag auf Abänderung der Geschäftsordnung für den GeMeinderat d e r S t a d t W!« n und die Gesetzesvorlage betreffend die Kanalräumergebühren zur Annahme, woraus Oe Sitzung geschloffen wurde, Brand im Jnternistteyttßer. ll . Budapest, Ly. Jänner» Ml. der ,Wiener ÄrorgeM Leitung".) Jetiseits der Donau ist. der EisenbahnpeckchÄ seit heute eingestellt. ^Einige sozialdemökrätische Ahgeyrtz-!, nete sind trotz des Schneesturmes nach Zalaegerszeg gelangt.!. Sie erreichten dä§ Lager, doch wurde ihnen der'Zutritt mtt!! her Begründung v e r.w.ekg e r t, daß sie erst die AMyst,' der übrigen Abgeordneten äbwarten muffen. Sie mußten! also auch unverrichteter Dinge noch Brldapest 'zurück-!' reffen., .• '.. . Mpuister des Innern Ivan RakovSzky teilte heMs in einer amtlichen Äeußerung mit, daß . w dem Inter- Uiertenla^er von'Za^aegersze-i heute Feuer ausgebrochen ist, welches die Internierten stifteten, um die Verwirrung des Wachpersonals zum Entkommen benützen zu können. Fünf Internierten gelang es. tatsächlich, zu flüchten. Einer anderen Meldung zufolge/ soll das Feuer d u rchei n.e n. Ä u.r z s ch l u ß.entstanden sein. . . IasAttentat im Theater. Ädorjan bei Hejjas verborgen. D u d <* Ye st, 20* Jänner. (Te^. der ,-Wiener MoraMzeitunst".) Die Polizei übe^- mb fünfzehn Erwachende Magyaren» die an dem Nevolveeanfchlag in dem yimptirädtifchen Operettetttheaier beteiligt waren, der Büdapester St a a tS a n w a lt j ch n f t mit der Mitteilung» daß ste ihrerseits die Untersuchung für abgeschlossen erachte. Die. Schriftstücke, die die Polizei zugleich der Staatsanwaltschaftr Übermittelte, bestehen au«) sechs Protokollen, die dir Aussaaen der einvernommeneu „Erwachendenenthalten. ES waren insgefavit zwanzig „Erwachende Magyaren" festspnommen worden, doch sehte> nran heute fünf „Erwachende" aus freien Fuß, darunter ei n ig e d e r eigentliche« Attent& 1er. Der. Uv hbcr. deS gastzew MnschlageS und Pogrom« planes, der Generalsekertör des Vereines der Erwachenden Magyaren, Alexander A d o rf a n, konnte nicht . fLstgenommen werden, toelt eu «uhclannten «»1*4* h«r*«L M m4-iiftfo »*e tt m in der Umgebung des obersten Führers des Vereines der Erwachenden", Ivan Hejjas, aufhalt. Den Ächerheitsebamten, der zur Zeit des Anrchfaf.rs im Theater Dienst versah, 'hat seine Vorgesetzte Stelle snspeüdiert wett er es Unterlasten hat, die ALtentLter an der Stelle festzunehmen. Er ist selb ft e i n M i t g l i e d de sBereins der „Erwachenden". Ler Terror in Arody. Wmschmi, 1L Fämer. (Tel. der „Wr. Morgviztz.-) D!e jüdischen Abgeordneten f i(enstein, Reitzes und R o s ma r i n intervenierten beim Bizeminifter für Inneres Olp i n §.t i in Angelegenheit der Judenex^ffe in Brody (über die' wir,bereiis mehrmals berichtet haben). £ Der Innenminister versprach, sofort energische Schritte ] einzuleiten, m der Judenhetze in Brody ein Ende zu he- ' .reiten.--. . ' N« PalMm-ÄolmisationMoW der hoMtdWe» sioniften. - In der „WieM Morgenzeituug* vom 11. d. ist cfotf Bericht über das Abkommen des holländischen Keren .Hajeffod-Kuvatoriucks mit dem Direktorium des Keren Hajessott und Dr. Ruppin als Vertreter des Landwirt-? schaftüchen Departements der Palästina-Exekutive ver-) öffentlicht, wonach 40 Pwzrnt von den in Holland aufge-" brachten Kefen Hajeffod-Geldertt für ein noch näher 'sestzusvttendes Spezialkolonisattonsprojekt auf der Basis dev? individuellen Wirtschaft und unter der finanziellen Derantwortungi des holländischen Kuratornrms Verwendung finden sollen. Es wurde daran die redaktionelle Bemerkung .geknüpft, daß dieser Beschluß. ein Entgegenkommen für die unter der Führung de Liemes verfochtenen Grundsätze, bedeute, Wonach^ HO' Privatinitiative in den VordergruNd^ gerückt und die sogenannte nationale Kolonisation be-s kämpft werden Me. . . Bon informierter Seite werden uns hierzudie folgen« den Mitteilungen gewacht: j Das Kuratorium des holländischen Keren Hajeffod ist bald nach der Londoner Jahreskonserenz gegründet wordm und bat die Veschlüsie der Londoner Jahreskonserenz zur Grundlage seiner Sammlungen genommen. In den Londoner Beschlüsien war bekanntlich eine prozentuelle,' mi'" MIT»«M.lWgM»pr-i H.' aus * y*(Om OhIAiiN ewi - - B-N «wOTvtg TBWh 1 ■ *'* ' ' ' » '* m. Der Man», der dem heutigen Italien das Gepräge Oerlecht, fein ganzes politisches und wirtschaftliches Lehm -bcherrschtundHch nicht etwa mit der Rolle eines ^rähtziehers itt Hintergründe begnügt, nein, mit der Geste eines Äikatorischw Napoleon wickt, wobei er sich zur ' Abwechslung auch in der Pose des Kalifen Harun al Raschid HefAltz ist. Sckve ENellenz. B e n i t s Mussolini. iJn allen Auslagen steht man sein Bild die Weißen Gasnaschen Mrftn memüls fehlen das einen durchaus nicht ljhmpachisch wmmLet. Er macht dm Eindruck eines KmöffchausPreR''rs, wie er damngcht, eiwm Intriganten M MiMen^ Streng und düster blickt er dich an, mit gerunzelten Brauen, wie es Remhold Schänzel zu tun Pflegt. Diesem Mesichtsausdruch sei er.mm echt oder gekünstelt, entspricht Lwlüommen seine Politik, die die der starken Hand ist. Als D vor swige« Monaten mit, sewen braven Faszisten von Aeapel auf Rom marschierte, in die Ewige Stadt, da die Urmee nicht den Mut hatte, dem populärsten Führer des Kandes Widerstand zu leisten, als Sieger einzog und den Aonig Viktor.Emanuel zwang, .ihn zum Kabinettschef zu reryKMen, schickten sich — ungosichts ds dadurch erfolgte« ^nMheuren politischen Unksiurzes,. -« vornehmsten .Der». ßrM des alten Regimes an, ihren Mschied zu nehmen. < Mmister, Staatssekretäre und Gesandte gaben ihm Htm McktviLL bekannt. Und nun trat Muffolini in Aktion: et befahl allen in einem Tone zu bleiben, der keinen Wider- Kwuch duldete. Und die ^D^ver,.M.'feWew-poWchen^. 'System vollkouunen abhold sind, büebm. Kit Whm Os lauf den heutige« 'Latz,-.eingeschiWett durch Hk -WatÄrtjche'' Beste des neuen Mipoleon. , * j Natürlich vergaß er auch seiner?Mitstreiter nicht —- in DLalien erzäM man sich, Mussolini sei ans Ruder gelangt. idurch die Gewalt der Waffey und tzih SrueuüunWekvete» 'die er im borhlnein untetstrW haM und sie erhielten djviel« einflußreiche Stellen. W kluger Hann hatte er aber ibas Bestreben, die alten hewHrtett. MMonäre der 8 ÄS'-VLS LÄW.W aber wahrhaftig kein MenWMtNer zu sei», um zu wissen, daß Giölitti, NM und'.De Facta mit dem neuen Diktator des'Lindes ÜLMlöglich einverstanden sein können. MussolinL.'giNg vor allem daran, sein nationalistisches Programm in. die Tat uwzusetzen,'wie maü durchaus anerkennen muß,' daß er — zumindest m der Zeit seiner staätsmännischen Wirksamkeit -^ durchaus Nicht willens war, Waffer in seinen Wein zu gießen. Was er vor allem' anstrebte, ist die vollständige'Gleichstellung Italiens in'der' Entente: mit England uÄ Fvankwrch. Dies wsr auch dev Grundton seines - PvcAeämrnes auf der ÄMsanner Konferenz. Um dies zu erreichen, glaubte er, sich an Frankreichenger anschließen zu musstn^'„und'^ Macht nun die ganze? reaktionäre und militaristische Politik der großen lateinischen Schwester mit. ..Kein sanzes.-Bestreben geht dahin, das Prestige Italiens im Attsland zu hehen.' Eine.Umwälzung, in der äußeren Politik Italiens bedeutet auch stin Derhaltms 'zum Vatikan. Es ist ja allgemein bekannt, daß bis zum Kriegsausbruch die Lenker der italienischen Staatsgefchäfte an de» liberal-radikalen Uebsrlieferungen des Risorgimenw und des Jahres 1870: int großen und ganzen seMelten und durchaus nicht geneigt wave-n, der MitanM Kirche entgegenzukommen. Dieser Umstand hatte auch zur Folge, daß sie Papste ihre Zustimnmng' zur Gründung einer italienischen klerikalen Partei stets verwertzerteu/ da sie den Anschein vermeiden wollten, als ob sie selbst aus diesem Umwege bas Zkv.nigreich Italien anzuerkenuen gesonnen t^iren. Durch den . Krieg erfuhr, dieses gespannte :Verhältnis einigermaßen eine Aendernng. Es kam wohl tveder zu einer offenen Versöhnung zwischen Vatikan urid Quirinal —> kann doch der ^pst „Porters.wWpMw^ der MlMchen Macht, nicht, entsagen noch wurden offizielle Beziehungen zwischen^ den beiden Teilen angeknüpst, aber ofstnkuMg italienischfreuMich war die Stellungnahme des - Vatikans m Weltkriege. Sie führte auch in einem Taumel der Begeisterung, dazu, daß der Papst, von - seinem intransigenten Standpunkte abgehenw der- Gründung einer italienischen klerikalen Pürtei, dem „Pürtito ^polare^ , kurz „Popolari^ genannt, feine Zustimmung nicht versage»- Mnte... Die Popolarr. waren schon aus politWen Gründen Gegner des Msew". V: - - 4v ‘t , ^MMiM Mt^ mm in.ABchmmg i an die Politik M '" Mit gahm «inen weiteren Schritt getan und scheint dm st Mßändig M W gewonnen Eben Atzölari ad-. spenstig gemacht zu haben. Die armen Klerikalen stehen nun ohne Papst da. Bei den Wahlen soll es ihnen aber noch ärger evgehen, dr Musiolini an eine radikale Aende* rung des Wahlgesetzes denkt, indem er an der Perhaltnis-, wähl auf Grund von Parteilisten wohl sesthält, dagegen! drei Viertel'der Mandate in jedem Wahlbezirk der Partei zu sprechen 'wlll,die die Majorität der Stimmen, erhalten hat, während ein Mertel der Mandate unter die übrige» Parteien auszuteilen wäre. Daß die Faszisten die Majoritäterhalte», dafür wird schon ausgiebig gesorgt werden. - j Der nme Bundesgenosse des Papstes erweist sich nicht undankbar. Erst vor wenigen Tagen ging durch vre Presse die Nachricht, daß die italienische Regierung bk; staatliches Eigentum bildende überaus wertvolle Chitzi-! Bibliothek dem Papst geschenkt habe, die nun. der VatikanL., schen Bibliothek angeschlofsen wechen soll. Sehr bedeutsam ist auch die Mitteilung, .daß sich die italienische Regierung' ernstlich mit der Absicht trage, in hen. Schulen den obligaten -, Religiönsuntervicht wieder einzuführen. V i' Man spricht.auch offen davon, daß Mufloliui in kow, seqüenter Befolgung seiner franzosenmid papstfveündlkchen! Politik mit den „faszie-ähnlichen Organisationett des; Auslandes in Verbindung stehe. Es ist ja bekannt, datz .es! hellte in der ungarischen Kammer unter den Horthyanem! keine populärere Persönlichkeit gibt als Benito MuffMst,' Zu vedüuer» ist. allerdings, daß all diese reaktionären B?r-, bände bti ihrer" Jübenhetze Mussolini als ihren Berbün-, deten ins Treffen führen, wozu sie gewiß nicht berechtigt^ sind. In Italien ist man sich bei dem Herrschechen strengen Regime, das vor allem der Presse, den Maulkorb auffetzt, überhaupt nicht klar darüber, wie das Ausland den Fazismus bewerte. Daß er sich nur in reaktionären Kreisen einer Beliebtheit erfreue^ wissen die Italiener, insbesondere die saszistenfteundlichen JÄen nicht, und wenn fle es erfahren, meinen sie, es Ware ein Mißverständnis. Mussolini ist trotz seiner Würde als Ministerpräsident auch weiterhin sichtbarer Chef des Faszismus geblichen, dessen er sich mit, Vorliebe bedient. Seinen dankbaren Gefühlen gqv er, Msdxuch als er den König veranlaßte, neben den bestehenden zwei italienischen Orden „Corona d'Jtalia" und „Sänti Maurizio e Lazzaro" --. einen dtft^ len-zu.gründen: den „Faseio littorio", den Orden dch LHoMbüchel. Damit ist der „Faszio" gewissermaßen eMMMU EinAchtung Mvchem' > ' "; ' ■ v: (' . \ . ‘ „ t . ,