Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1415 (21.1.1923)
- Date
- 1923-01-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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bet PalaftiM'Wanderimg. : Die Estnivanderungsbestimmungen für Palästina sind Kerart, daßsie weder den Bedürfnissen dieses Lantzes genügen noch der ökonomischen Struktur der Juden in den Sander« Mischer Massensiedlung entsprechen. SeitMhr »ls einurweinhalb Jahren bemüht sich die AlönistW Mßanrsatw», eine Neuregelung der Vorschriften Mchzüpchen, ohne jedoch den gewünschten Erfolg . erzielt zu haben. Mit merkwürdiger HaMackigkeit klammert sich die palästinensische Negierung an diese Bestimmungen, als wenn sie ummrstoßliche Gesetze waren. Trotzdem ist eine merkliche Erleichterung in der Wanderung nach Palästina dadurch.eingetreten, daß die palästinensische Regierung in regelmäßigen Abschnitten der Zionistischen. Omanisqtion eure Reihe von speziellen Einreiseerlaubnissen für bestimmte Kategorien von. Arbeitern zur Verfügung .stellt, mit deren Hilfe arbeitende Element« in größerer Zahl nach Palästina ünwander«. . - Wir wissen freilich nur zu gut, daß-dies nicht unser Ideal fern kann. Unser Ziel muß es sein, eine f 11 i Lvt nbeschränkte Einwanderung zu erlaNtzeft, die nur von der Zionistischen Orgaxi\satiost kontrolliert und überwacht weMn darf, sollen wir wirklich . die BevanÄvürtung für'den Aufbau" eines jüdffchew Pakastina trägen. Dcher ist es gut, wenn wir uns imm^ wiedaran ermnem, wie weit wir noch von diesem Jdealjststand entfernt sind, damit wir nicht in der konsequenten Vertretung unserer Folgerungen erlahmen. Sicher aba^ ist: Seit einten Monaten steht wieder ein- Trll der Palästina-Wanderer unter unserer direkten'Kontrolle, tragen wir für einen großen Prozentsatz '* der Einwandernden wieder die vollste Verantwortung. Wenn aber dies der Fall ist, dann wäre es wohl richtig, zu zeigen, daß wir unserer Verantwortung völlig gewachst» sind, daß. wir nicht nur technisch dir Mrah (Palästina-Wanderung) beherrschen, sondem auch für die Bereitstellung des notyöendizen Menschenwaterials sorgen können. - , : < Technisch die Miah beherrschen, heißt aber nicht allein dir Emigrantentranspörte abfertigen, den ganzen.technischen Apparat der Beförderungsmittel beherrschen, den Emigranten die noiweiwigen Erleichterungen aus der Reise gamntteren und die Ausgaben derselben auf ein Mi- «iMMn heral drücken, um so.am Volksvermögen zu sparen etechnisch dst Aliah beherrsche^ heißt vor allem: d a s do r ha » dr ne E mig t an t en ma terial uh erb l i ck e n u n d d e n mom e N t a n e n B e d ü.r f n i s s e n Palästinas .jeweils' das beste Menschenmaterial zur Verfügung zu stellen. ] i'i: Daher es unerläßlich;. daß die PalästmaamterralS die 'Organe \jit Warwerüng r übä daS. vorhandene: Mü- , terial informiert sind, daß fsti,alle zur Äuswanderustg B ereit e n systematisch erfassen - können. Die Registrierung der Emigranten und ihre Klassifizierung ist also die*erste unerläßliche ' Forderung. Nur wenn alle Äuswanderustgs-- lustigen erfaßt werden können, wich es möglich sein, den Besten zuerst die Möglichkeit der E'mr-ist nach Palästina' Zu geben, wird eine Auswahl nach den wirklichen Bedürfnissen drt Landes durchgeführt werden können. ' Der Austau Palästinas ist heute (bei der beschränkten EinwavderuNg) fast nur eine Frage des Geldes und nicht auch eine Frage der Menschen- Das Heißt: das jüdische Volk stellt vorläufig die Menschen noch in genügender Zahl;md von verhältnismäßig guter Qualität zur Verfügung. Wie.aber, wann die Möglichkeiten größer werdest, wenn in ..absehbarer Zit Palästina ein.Pielfaches der jetzigen Einwanderungsczwte fassen kann und wenn .wir dann nicht die entspreche; rden Menschen hiefür haben? . Wir verstehen nur zu gut,- daß 'diese Frage vor allem eilst Frage d<x zionistischen Erziehung der jüdischen Massen ist, dö ß diejenigen Teile des Mischen Volkes, rn denen der zioristische Gedanke tief verankert ist, auch ein UnerschöpflichiS Reservoir von Menschen für Palästina abgeben. Die i -alastinabereits chaft ist . also das Endprodukt einer intensiven zionistischen Erziehung. Daß daher in erster Linie die zionistischen Verbände wrrwolle Erziehungsarbeit M leisten hawn, ist selbstverstäMich. Aber die Palästmaämter als diejenigen Stellen, die sich vor allem mit Almhsragen beschästigen, wechen den Hauptanteil an dieser seelischen Bo« vreitung besorgen müssen. Es lassen sich natürlich sehr viele Mittel angeben, wie dieses Problek t restlos gelöst werden kann. Wir wollen nur aus zwei Momente Hinweisen. Erstens: Wer sich praktisch mit Palästinaerbeit beschäftigt hat, hat immer wieder konstatieven könwn, daß die Aliahbereitschast eine Art Suggestion ist. Ä l i a h schafft Ali a h. '* Die Tatsache, daß Menschen nach Palästina auswandern, . daß Familien ihre bisherigen BeMhungen abbrechen und sich aus ein neues Leben m einem neuen Lande, einstellen, in dem zu leben immer die Selmsucht der jüdischen Massen war, zwingt Indifferente, Gpötter und Nörgler,' sich ebenfalls mit dieser Frage zu beschäftigen. Wir kennen' Orte, aus denen eine höhere Za fl wn Personen nach Palästina ousgewandert ist und in stene» sich nun fast die ganze jüdische Bevölkerung zur Ausvftmderung nach Palästina förmlich drangt. Das beste MUS l zur Heranziehung weiter Kreise für die Aliah ist «vfo i^e Förderung derselben und daher der konsequente Kumpf um Erleichterung der Einwandemngsbestimmüngep. Ztveitens: .Die Schaffung von. BorbereitungSyentren für Palästina« VorbereitungsMtren, in denen Juden,: vor allein Chalnzirn, für das necke Lehen, in Palästina technisch geschultundseelisch vorbereitet. werden. Auchha hstbenwir bereits . .eine genügende Erfahrung. Heyn ein« Gruppe von EhÄuziman^IrgestiMem Orte Purere Engte lang Wienier' Morrgtztt-ettMtS Sr'..Wn«er rsss ■4l—■ rri’1 Hi'ftJ unter bett F|3JS ■uv.v - MWMMW , Für heute 10 Uhr vormittags ist die große Persamntlmch an>gesetzt,.die H Md stör bM Wiener Rathaus alle 'WMrrWtt'AöchoMMÄAWWHU^W^KMHE' standekommen dieser Kündzebuyg. ist ein großer Werbeapparat in Bswogung gsfetzt worden. An der Spitze strht der aus K. H. Wolf, Jerzabek und Hofmann gebi^ete,KaprpfgMchuß, der in den letzten Tagen ine'Plakat»' Propaganda der.wlwnglsoz'lallstischen Halenkreuzler noch uberbketet. In diesen HäueMlfchlAen, Hie sich Mlch/M' de^Wü-ndSn Ämisg^kÄlldeü findest, Mrd natürlich däst' Judentum für die .gesamte Weltkrise verantwortlich gemacht: und der Anlisenntismus als alleiniges Herlmittel empfvHert. Auf solche. Weise ' soll' der Numerus clausns- Hetze..f ' . ,V * des IöchschNttW; - ' SuKu« geschaffen uttd.»Unwhe in die Masten geworfen, werdest Außerdem verbreitet. der ' völkrsch-aNtiMitifchr .Kvmpfausschuß einen Aufruf an-die Deutschen Männer und Frauen", in welchem Her rüdesten Weise das Gesamtj ud ent ü mb es chimp f t und ein AuSn a h m s g e s e tz gDu - die. Juden gefordert, wird. Die. unter dsm ProMovat'W'-HjWsWlS für arische. Sitten? remheit K. H. Wolf stehenden Gruppen geben sich nicht ----O- .- I I , ,, arischen Edelrasse gegervübcrzustmen, das Judentum wird dort \ "••• , . ' . - - mit der^Ratte verglichen, die auch ein Geschöpf Gottes sei, deren Bertilaung jedoch nichtMunmoyrlisch erscheinen: könne. In dieser Infamie fehlt aber auch die landläufige antisemitsche Be-- xufung auf diß. jüdische» G^e s e.tz b ü ch e r und : dey Talmud s Nicht, m derxn Geiste ausnahmslos jÄ«r M-e erzogen äve'rde und aus - welchen feste' g e f ä l schtkn Zitat e abgedruckt-wechen^HeM feit 200 Jahren gwn- Rüstzeug der ankrsem'rtlschen Dtze^^ ^ehorem Man kann sich, leicht die Wirkung auf naive Gonrifier vorftellen, wenn Sjeit Masten .weirgemücht wird,Hn Hbn 'Mischen'GeseMcherrk lverde die 'Afionratische Uchewotierlmrg des - Christen jedem Juden v ■ ■ Dieses SchandprchM der vAkischeir. 'NaffchHchehildet eine ei'z u n g Wen' eine, Wimmte B^ eine Beleid'guna einerswatlich anerkannten Religion, es ist geeignet, die öffentliche Rühe zu sivrest uM Kie düuWsren'Instinkte gegen die-JMn wvbil zü MÜchen. Anläßlich solcher' VorÄonMniste mliß 'man wohL dke Frage .. ''' ' ' att die Mändigen Behörden richten, ob solches mh^ gedMet: .werden urch oh'erst ganzer Bevölkerungstell diesem, scha'mlosm Mißbrauch Her repstbl.iLamschen.Freiheit whNe Ablvehst durchdie ' bsrufenen Stellen preisgegeben 'weHen darf. Die völkische Riwalwordpreste packt die-Sache VVst'' .einer ander««. Seite a«< Sie gibt der härttgen BerfaM-mlung neben denr' Zweck des antisemitischen Schnnchkampfes auch noch eine mofe Beftiimmu-ng. Sie gedenkt deS ' - GM-rsches der Franzosen in das Ruhrgebiet. Zwar Nnne das.Qs-maHjoußchtüm in diesem WeltpoMschrnGeschehen nur eür wehrloser Spielball sein^ aber es habe doch c ine Möglichkeit, Mmlich.die des Kampfes gegen das noch wchrlosere 'JüMtum. .'tzu loderndem Haß gegen die Feinde und treues Liebe für daZ deutsche Volk wird der Krieg gegen das Judentum geführt. „E i n e r s P ä t e t e n, aber nicht mehr fernen Zeit wird es Vorbehalten sein, in allen. Ländern die weltumspannende Macht d e S I u d e n t u m e s z st b r e ch en, dann wird auch die Gewaltherrschaft jener Nation Msaimmensturzon, als deren Exponenten die Vertreter des:Wischen Freimaurertums tätig sind — die Macht Frankreichs." Das ist eine verrückte Logik^ aber der Zweck, der das Mittel heiligt, hilft den Arvctttgchtve«< . über alle, Widersprüche .hinweg. Auch darüber, daß sie im Dienst der französischen Expansionsidee an dem Unglück des deutschen Volws. mftar- Seiten., ' . Unter den bodenständigen Hackenkreuzlern, - die ihre Gesinnungsgenossen. zur Teilnahme an dieser Manisestalandwirtschaftlich. tätig ist oder in einem bestimmten Spezialfach .utMwpwßrn.,Klxw.H!!lÄp bekomnlt die jüdische Umgebung eiste Harke Einstellung aus Palästina.- Sie-versteht allmählich, daß es nicht genügst eines schönen Tages den Entschluß zu fassM Wch. Palästina auszuwandern,1ondern da^ der Auswanderung stach Palästina eine gewisse SelbsterziHungsarbeit vörangehM muß, eine bestimmte Einstellung auf dieses eigenartige Land, der Wille, doist zu leben, auch wen» die ökonomischen Bedingungen schlechter sind als in jedem anderen,. Lände..Palästina braucht -in den schweren' Jahren erster Aufbauarbeit nur Menschen, denen es'micht gleichgültig ist, üb sie nach Palästina öder näch chnem andere» Lande äüswandern. Nur - diejenigen Menschen sind für Palästina geeignet, die dieses Land ohne 'BWsicht7?o«f^s^^rMvMWr?'La^::a:uO^jeiR-a'A.':iW';»M&M ZA am ge Wer Mt Swählktt. c .. i-.-,. . -< tton des bodenlosesten Haffes aufmftn, befindet sich in der! Gesellschaft des Rationalverbandes deutscher»Offiziere,, der SWmNkest DstMärkev'Md so weiter, auch der .? Deutsch« Schuldere!». Die Bereinsleitung richtet auf Seite 4 der „Deutschösterreichischen Tageszeitung" vom,2V. d. an die Ortsgruppen und Mitglieder 'die Auffordevnntz/ an der Hetzvex^ sammlung teilzustehmen. Es ist ja noch in- Erinnerung, daß die Vorstandsmitglieder dieses Vereines im öfterreichifche» Abgeordnetenhaus seinerzeit für die Numerus rlalrsus-Resolution Schnirdt gestimmt habe».. Sie hleibeu, also m ihrer Tradition, von der sie nur - abweichen, wen» sie bei de» Juden, besonders jemn i n de T-f ch e ch o» Slow a k e i, - unter Berufung auf den nnpolitischerr tzunürnitar-kulkurellen Zweck des Schulveremes um Geld- und Kleider schnorre». Wir hoffen, daß es sich jeder Jude , in Zukunft verbitten wird, von dieser Gesellschaft belästigt zu werden. ' ' Eine Demonstration gegen Nolierre. Wie aus Innsbruck telegraphiert wird» versuchten dort Freitag o&feitbs Häkenkreuzler die A u f f ü h r u u g der Molierschen Stücke >,Der Tartuffe" und „Die Sezierten" im Stadttheater durch- Tumult zu verhindern. Die Polizei drängte die Demo»- stoackten soDrt histasts. DaS Publikum nahm gegen sie Stellung. Nach einer Ansprache des DirekwrS, der'das Publikum fragte, ob es der Aufführung zustimtne» tod'l' mit allgemeinen Ja beäntwortet würde, ging die Aufführung ohne Störung vor sich — Der Innsbrucker Theaterdirektor und so!« Publikum hat die deUtsrK Nation vpr einer^ Blamage bewahrt. . - Ein antisemttisches Zwischenspiel kn der Pariser Kammer Da.«H...dM'..BchmtpdWM^^der uneMvogken Raffe«-. anÜ^niten-jM^Wie, dieser ÄerweltslückenbWr stäK', dem. arischen Rezept, an jedem' Unheil die Tagen..!» her gssc'' bis Wien Heft V w[.yw.»™j Plach^e des — r ——, Mjudentums.^ DeMMgestübei verschlMts nicht/ daß 8er, e t ftjfe,. vek' «tr^t .MriseL.'' Äammtzr energisch gegen 8&j französische GewÄtpolftik auftrast ^dee--jüdische Abg^ ordnete B l u m Ääst-der seinen Protest sticht mir M' Rinnen der PozwUtest^ sonder» auch Jm Namen Vrelev Franzosen und deS Landes" einbrachw. Da eS aber auch in der Darier' Kammer Gesinnungsfreunde der HackeM kreuzler gibst rief man Blum von der Rechten -Lf n d e"l zu. Blum: „Sie tvÄlen mich beleidigen; aber da ich Jude bin» halte ich Ihren Zuruf nicht für eine 8>j sch im pfung." Dev Royalist de Perneuil ruft: „Gchen. Sic Squerkraut fressen!" (Stürmische Entrüstung ei vielen Abg-sördneten.) Die Sitzung wirdauf ge--? hoben. Nachdem sie wieder ausgenommen ist, protestiert'' dex Äbgeordn^te A r ch r m b a u d - gegen die Zurufe des Royalisten, und der Präsident bittet in sehr höflicher Weifst, „koüfessionelle Fragen" nicht in die Debatte zu? ziehen. Dann erst könnt« Blum seine -Rche --sürtsetzem-'-Die! Häkenkreuzler aber werden sagen, BlnmS Borfwß sei nüst ein maskiertes Manöver des nach zwei Fronten kämpfet den Judentums. Dies bestätigt ja ihre von Ludendorfs approbiert« Bibel '— „Die Geheimnisse der Weisen vonj Zion". :■ . ' ■ (• *; - Die Schutkmttmiffion deS polnischen Gejw gegen Lutoslawski. Warschau, 20. Jänner. (I. E. B.) In der Ksm^ nnffion für Dildungswesen des polnischen Sejm verteidigtede'r bekannte Hetzantisemit Pfarrer Lutoslawski ble; Dringlichkeit der Auträge der Natio.naldemokra^ Len auf Einführung des N u m e r u s e l a u s u s fsir die Juden an den . polnischen Hochschulen. Nachdem die jüdischen Deputierten Dr. W y g o d z k r u-nd Hausner sowie der Sozialist.Smialkowskr gegen den Antrag, ausgetreten waren.' wuche die Dringlichk-eiL a-h? gelehnt. ’ Nebm mtensivtt 'zionistischer Erziehungsarbeit schaffst die kontinuierlich fließende Aliah und die systematische Erziehung bchiMmter Gmppen den geeigneten Boden für die Gewinnung . deS entsprechenden Menschettmateriüls. Juliän Silberbusch (Czenwwitz). , MM«g des 8«temationalea Sewechchaftsbmde». Mdon, 20. Jänner. (HavaS.) „Morning Post" mÄdei auS ÄMstetLaM^ der Ist t e r ft a t i onale G e w e r fchaftsbcrhand ha^ die AstSschüffe der Internationalen.in. L ondystund Wien gestern «mgeladLn, am28.d, in A m st e r d am ' zusammenzutretenx um die Lage im W ....