Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-01-14 · Heft 1408 (14.1.1923) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1408 (14.1.1923)
Date
1923-01-14
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980489--13464-3000109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

* i ‘ " - 1 ’*y; - » . ' ' 7 ’ ' - . ‘ ’ -jv Sekw8 ©ten, Sonntag ggietter Movgenzektuns. 14. Farme« 1923 3h;. 1408 Ekferm „Kleine Hoffnung auf Genesung." Es kam eine Kömmistiow Mit einem Beamten der österreichischen Ge» 'sandtschaft, um mein Testamennt aufzusetzen, aber ich war Schott imD^lirium. Die Pflege war musterhaft. Ich lag in Iciitem separaten Zimmer am Zahlstock, eine eigene Köchin, -die rituell, kochte, bereitete die Speisen. Ich wurde von ljüdischen Gemeintzestmktienären, Geschäftsleuten und vom iösterrrichifchm Gesandten aufgesucht. Am jüdischen Neujahrs Lag wurde Schofar geblasen und die Gebeke wurden mir vorgelesen. Am Versöhnungstag konnte ich schon Wieder bei meinen Eltern sein. Ein Fabrikant bezahlte mir die Fahrkarte erster Klasse Schnellzug zu meinen Eltern nach Proßnitz. Die österreichische Gesanotschast zahlte die Spitalsrechnung, w:il ich angeblich Mir die Krankheit in Bosmen geholt hatte, die Judengemeinde, zahlte die Extraköchin und d.ie. Kost. . Am Laubhütter.fest wurde ich zur Thora vorgerufen, um das Dankgebet für die Errettung aus Lebensgefahr zu sprechen. Als nreine Mern den Gemeindearzt Dr: Seeliger na'ch meinem Gesundhrntszn stand befragten, erklärte er: „Was wollen Sie haben? Eine Neue Lunge kdnn ich ihm nicht einseLen, sterben muß' doch ein jeder Mensch, ob alt »der jung." TrerKinderwaaen -es Thronfolgers. Meine R'Lkonvalesznkz dauerte fast sechs Monate. Um meine Zeit.nicht ganz totzu schlagen, beschsiftigle ich mich der dem Korbwarerrfabvikanterr Mischer in Olmütz mit dem Tapezierer« der.Kinderwagen, ich mußte alle eleganten Kinderwa^n aufputzen, die reißenden Absatz fanden. Herr Fischer schenkte einen derselben ,dem spanischen Hof für den zu erwartenden König Alfons. Dieser Ist, Wie die Königin Christine mittelste, ausschließlich in dem von rmr dekorierten Wage« susgefahren worden wofür Herr Fiscbcr den spanischen Hoflieferantentitel erhielt. Als aber Ostern heranrückten, litt es mich nicht mebr in der Heimat, obwohl mich Herr Frsiber Nickt ziehen lassen wollte. Ich mußte zurück nach-Paris, zu Gärtners und zu Minna. Da war mein Glück; Minna war *wt<j, schon und reich,, das war mir damals die Hauptsache >/ ...7-- N« SÄrÄben sirbuda Wßeim. Für die Kmrstakademie. Der Wiener DbÄer Jehuü» E.p st e i n hat, wie schon f«t3 berichtet, dem ReLtor der Wiener KunstakodqnÜL ernrn Betrag po» acht Mllionen Kronen ÄS Ergebnis einer Sammlung «Äevmitdlt. Das DegleiischreDen M sotze'rLen, sehr aktuellen I rchaL : ' Euer- MaMif^enz! Als ich von den Schwicrigkeiten evsuhr, mit denen der Lkadynische UntevstützrMMerelu zu kLmpftn.hat, um seinen Schützlin-gen ei» warmes Mittagessen m der Mensa vercckrsichen zu können, erinnerte ich mich, selbst eimnal Modemiker, sÄst Schützling des besagten PMeitzs gewesen zu sei». Ich rief meine Fvounde mch DeFcmnten um Dffe ^für den Verein an und die Summe, die ich Ihnen hiermitzu - überreichen die Ehr? habe, ist der Ausdruck meiner und meiner Freunde HAfSbe» rerkschaft. Ei^r Mchnifrzens! Schwer lastet auf uns alle« die jetzige Zeit. Fleiß und Ausdauer, Ar!bei!shc«!de und gegenseitiger Ansporn, aber auch Eintracht uNd Hilfsbereitschaft gegeneinander ruen uns noi, sollen wir uns der SchtvierigkeiteN, die uns alle bedrohen, Herr werden, soll die Heranwachsende,e lemende Jugend nicht körperlich und geistig verdorren. Gewissenlose TlurrrhestiftLr aber vergiften das Gemüt der studierenden Jugend» säen Zwietracht und Fsrndschaßt, Unemigkeii und Haß, lenken die Jugend vom Lernen alb und suchen ihr weis zu machen, daß nicht 'Studieren und Fleiß; «icht Charakter und hohes Streben, nicht die objektive Leistung Les Sohnes, sondern die Abstammung des Vaters daS W'ichtWe fei, mit einem drastischen Worts cmsgsdvückt: das Präp-utium allein soll maßgebend sein. Ich gebe der Hoffnung-Ausdrück, daß die . an der AUdemie der bildenden Mnste Studierenden klug genug sein werden, sich keine solch unzuläntzlrchen Wertmesser für die Größe künstlerischer odcr wissenschaftlicher Leistungen 'ausschwatzen zu lasten. Wie im Gestein das edle Ech versprengt-ruht und gehoben und geschätzt wird, -unter welchen.Schichten immer man es aufsucht, so ruht Begabung für Künst uNd Wissenschaft und Sinn für Nächstenliebe im Gemüte des Menschen und ist überall anzucrkcnncn und'zu fordern, wo immer man'es findet. Dieser Gesinnung enffprecher d; habe ich auch nreinen hilfsbereiten Spendern keiiren 'Beweis ihrer Abstammung abverlangt, was ermöglichte, daß der grsaUMrolte Betrag ansehnlich amwuchs, daß ßch sogar der eine oder andere Arier MÄer die SPeyder..mstchte. ' Ich Werreiche Euer Magnifizenz dis bellisgeude Summe von acht Millionen Kronen mit der Bitte, sie dem akademischen AutechÄtzungsverÄn mit der Weisung -u übcrgelben, sie zur LtNdevrmg der Not begabter Akademiker ohne Unterschied der Raste, der Konfession oder der Nationalität zu verwenden. n den letzten Mei Tagen, die MimgstMfe oder So-MorMatko«. - Aus Polen wird die folgend«,' unglaublich klingende Geschichte berichtet: Fm April vorigen Jahres wurde eine Reihe von polnischen Legionären von der Regierung mit Grund und Biden im Kreise N ow o g r o d e k' Mcilt; Unter den 450 Legionären befand sich auch ein Jude rramenZ Figlärz. Er Hog den ihm zug«wlesen«n Grund, ergänzte auö eigenen Mitteln das erhaltene Inventar und begann den Boden zu bewirtschaften. Mt seinen Kameradsn, den übrigen Legionären, lsLte der IM rn MtLM .ElnverNchmeNj bald aber setzten^ ihm diese .chrishrichen.-ÄachVapr' ^,^er., HrMptuck Wevcheien. Ä« ^DeckDmgm-' '«ach- ^MHichwtlg ünd M rr-inn Himnstnan» oder Ranfmaun, ob rr Landwirt oder NrbrUcr ist: \ uns tfl rs em curcs und.sicheres Geschrift: denn man rahlt jetzt Nrsnen ein nnd brllvmmt «tt; 1.3tmi entwederVollar« oder Kronen rnrück; hak eine mehr als 6'/«iae Verzinsrmg; hat Slrurrbegünstigung und Steueramnestie. ^.v Mr unsere Rinder eine rettende Tat, wofür sie uns dereinst danken werden! 'stellung des Tpullevseewerles, ab, das Lereits Anfang IM voll», enSei fern wird. Die erste fextiMstellte lKobirgsschnellzugS-» lorMotibe ermöglicht es, daß - der e'ektvische Angsverkeihr aus der gasten Arlbevgstrecke von Innsbruck ' bis Bludcnz iac Jalwe 1W4 anfpenommen werden wird. >Noch im heurige«! Jahre wird auch die Salzkammergntlinie elektrisch.befahren Werdern- Jur Vollendung des 'gesamten Elektrisizierun>gsplaneÄ. ist noch ein Zeitraum von vier Jahren erforderlich. Der Geld-» aUlvand che^rägt nn'er derzeitigen Lohn- und Materialverhält-i nisten zirka 117 Millionen Goldkronen, also etwa 30 Million mri Gmdlronen im Dauiahr. Der bisherige Bau stellt sich aus 13T» Millionen Goldkronen. Durch die Elektrifizierung der vor-» aenonn^n vier Balmstrecken von 051 Kilometer werden zirka, 400.000 Tonnen Kohle jahvlich erspart. Morgen um halb 7 Uhr abends findet lm Zionfftbschen Bureau die Sitzung des Landeskomitees statt. Mne Keren Hakffsd-Me^oMn nach KmM. Eine sperielle zionistische Delegation, bestehend.auk' den .Herren Oberst ß atterson und Dr. Goldster rr^ wird demnächst nach Kanada abreisen. Sie wird die Füh« rung der am 1R. d. beginnenden Keren Hajess o d»- Kampagne übernehmen. FMelenMm de« Keem KMflgd.v , Die >>rr Ai.nist'sllM ®ej‘r&TcTti<)n S* ersucht alle Frauen, die sich durch eine Gold- oder Schmuck« spende an der I u W e l e n a k t i an beteiligt babrn^ ib« Gedenkrinae znverläll'a Mittwoch den 17. d. -Wischer 5 und f» Nbr im Sekti-ouslokale. 9. Vez., Liechten« steinstraße 11, Tür 13, abholen zu wollen. ->./ AufenthMsvoMMen M Fremde In KMe». Rom, 13. Jänner. (Tel. der „Wiener Movgenzeb tung".) Der. König unterzeichnet« ein Dekret, das Vor«, schriften für den Aufenthalt der Fremden in Italien ent«; hält, um die Handelsu n d F r e m d e n v e r k e h r 8».' s ch w i e r ig ke i te n zu beseitigen. Bezüglich der Pa ß«' Visa hat der Minister des Auswärtigen bereits die ge«; «eigneten Schritte - bei den Versch'vdenen auswärtigen. Negierungen emgeleitet. In dem Dekrete werden die Frem^ den verpflichtet,, innerhalb drei Tagen nach dem Eintritt«: mS Köttigreich vor der Behörde persönlich zu erscheinen^ um. dort -ihre Personalien und den Zweck ihrer Einreise! nary Italien bekanntzuaeben. Bon dieser Bestimmung, sind jene Fremden, die in Hotels und Pensionen ufw. absteiien, befreit. Dies gilt auch für Fremde, die m Erziehungsheime, Unterrichtsanstalten, Kuranstalten' oder religiöse Gemeinschaften kommen. Wird die Aufenthaltsgemeinde getvechselt, so muß die Anmeldung in der neuen Gemeüide wiederholt werden. los, FiglarZ blieb Jude und wagte es sogar, sich mit einer Jüdin zu verloben. Dies schlug dem Faß b«n B 'den aus. Als MrsDräng-n seiner Nachbarn vergeblich blich, beriefen diese die Bezirksverteilungskommistion, welche in den Juden drang, sich taufen zu lasten. Als er auch weiter standhaft blich,,fällte die aus drei Mitgliedern bestehende Komznistlon ihr Verdikt: Figlarz wurde angewiesen, den Ort zu verlassen, und es wurde die Konfiskation des ihm zuLewiesenen. Grundes samt lebendem.und totem Inventar — auch jenem also, das er selbst angeschafft hatte — ausgesprochen. WMlrWenmg d« BuOrsWnck. , Bis 1928 vollendet.; In a.inem Vortrag über das österreichische Verkehrswesen im- Verein Reunion teilte Bundesminisier Dr. Odehnal über -den, Stand der WÄtrifrziernng der Bundesbahnen folgendes wtt: ...... ,... "" . Der elektrische Betrieb soll wockögtzch iM Verlaufe eines Zestrchrmes auf folgenden S^ckch ausgenommen werden: Arlbevchahn, Vora-rlbergbahn, -Salzkchnmevgutbahn, Tanembchn und die Vestbahnsivecke von, Salzburg bis WorA Halbjahr .1929 wich' durch -den Ausb-.u des Ruetz«. WMs Mch die ElektÄsiziLvung der Strecke- Jnstsbvttck--Eslfs , M-ÄkVerDchnmißlich sei«, dann bi-' Landsck ^owsgedehnt'i-. ''■veSwifr »...unwaen teiäakfoist -BLutem tiwat üm der ÄLLtia» 1 Ne Lenckerger Kulwsgemeinde. ÄuS Lemberg wich uns gemeldet: Seit mehreren Jahren ferrert.die hiesige jüdische Oesfentlichkeit die Neuausschroiiöung der Wahlen für die Ku-ltusgemeittde, an deren Spitze, wre m den meisten Gemeinden Ostgaliziens, ein Regierungskommissär stej^. Daß diesen anormalen, die Entwlcklmrg des jüdischen Gemamdeltzbens lähmenden Zuständen keineswegs prinzipielle Ursachen zugnmde liegen, erhellt zunä^st daraus, daß in mehreren Gemeinden, wo die bctreffen-- d>'U Lczirkshauptleute den Forderungen der jüdischen Bevölkerung entgegcickommen, wie zum Beispiel in Drohobyez, die Kuttusgcmemdewahlen stattfanden oder in nächster Zeit sla'itfinden sollen. In dieser Angelegenheit hat gestern beim h'wiigea Wolwoden eine Deputation des Zionistischen Lokalkomitees vorgesprochen, die aus die Unhalkbarkert der heutigen Zustände. h'nwieS und um möglichst rasche Anordnung der Wahlen erfischte. Der. Worwode versprach, sich mit dom Sachvechalt -bestens vertraut zu machen und nach Tunlichkeit ans die Beschleunigung der Wahlen hinzuwirken. Es wäre jedoch eine Intervention bei den Zentralbehörden erwünscht, um ein ernhett'kches Vorgehen aller in Betracht kommenden Bchovden ,tm ganzen Lande zu erzielen. Die Deputation nahm auch die Gelegenheit wahr, um beim Woiwoden über die. immer brutalere Formen annehmenden Umtriebe der R o z w o j - Organisation Böschwcvd« zu führen. , '' MaffenaumMm-ren Aus Kownö meldet I. C. B. Die in Litauen öor^ einigen Monaten in großem Maßstabe begonnen, dann aber wieder gemilderten Äusweisungen von ausländischen Juden haben nun wieder mit besonderer Härte eingesetzt, trotz der Versicherung des Innenministeriums,^ daß Personen. die ans dem Wilnagebirt sowie aus Yen anderen- Teilen des sogenannten „okkupierten Litauens" stammeir. ferner solche, die in Litauen schon längere Zeit wohnen und hier eine dauernde Beschäftigung haben, von den Zwangßausweifungen verschont-werden würden. Die Behörten weisen sogar Personen aus. di? nach Dilna -zu« "ständig sind, aber, iw den jetzigen litaui'chen Gebieten seit Anfang des Krieges wohnen und hier Geschäfte oder dauern, de Posten inne haben. Alle Appelle, Bittgesuche, sogar-die Interventionen dch Mschen MmjteriumL blieben fruchtlos - .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.