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Wiener Morgenzeitung · 1923-01-14 · Heft 1408 (14.1.1923) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1408 (14.1.1923)
Date
1923-01-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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'\ ' ■*' “' ' , te:1408 Steit, Sonntag Wiener: Movgenzerturrtz. Ick JännLr 192L Gelte t\ heven'WtzSeAMick die tapfevstort Römerhevzen mit solchem Schreckenepfüllte, daß düs Treffen schonentschieden war, bevor es noch eigentlich bsgam,. ES war siner der größten AWtzer der Mlt^schichte, .deml.'Vte KrtegshüchiigM bpt besagten Tiere lag gar nicht. m stnbczälstnbürer Wildheit, sondern im Gegentfrl in. einer duxch besondere Intelligenz bedingten -Wtye.n8baMt im DteNste Hs Menschen. Es waren/ die E l ,c.f.ani c u des.Königs Pyr'rhus.' Leider läßt sich die Klugheit getvisser Tiere ans die Dauer ebensowenig verbergen,. tote, bi*. Dmnmheft rnancher Menschen. Und aP die Römer erst einnral daraüfgekmwnej, waren, wtev'vel Weisheit iut5 Philosophie sich in den gigantischen rüsielb^ wehrten Schäddln barg, da ließen sie sich von den ungc-- schlachten Gesellen nicht länger.imponieren und 'um den Lieg bringen^ Tragisches Geschick aller Weisheit rvnd Philosophie -— nicht 'nurbei den Elefanten'. Erst der Weltkrieg wurde wieder durch das liebe Vieh entschieden, ruck auch er nicht durch wilde Bestien, die die Ausgabe hatten, den Feind auHufvrssen, sortdern durch die entgegengesetzt geartete zoologische Spezies, die dem Menschen zur Nahrung dient. Düs für die Mittelmächte schmerzliche Versagen dieser nützlichen Biehgatiung darf uns aber nichts undankbar machen für die ganz unschätzbaren Dienste, die uns andere Vierfüßler im Kriege geleistet haben, darunter solche, für die wir mr Frieden nur mitleidige Geringschätzung übrig hsttien. So sang Ernst D e c s e y als. Kriegsberichterstatter in begeisterten Tönen das Lob des —Karfiesels: „Hoch klingt das L:od vom braven Esel... Ein Esel ist kein. Bezwinger des Lebens, er gibt sich schön zusrteden, wenn es nickt .gar'zü'rvch'rut.: Beschlagen werden ist.immer noch besser, als geschlagen werden; schließlich ist es sein Dienst, das weiß er, und das. nrachtihn eigentlich so synrpat^isch..." Aber bei aller Sympathie w'ar der. Esel doch nur eines der vielen Surrogat«, mit denen uns der Krieg vorlieb zu nehmen zwang', ein durch die außergelvohnlichen Bodenverhältnisse des Karstes enchfohlener Ersatz für das um so viel edlere Tier, das seit undenklichen Zeiten rmt der^ Vorstellung von Kampf und Schlacht nicht nur der Menschen, sondern auch der Götter und Walküren umrennbar verknüpft ist: . „Das Schlachtroß steigt und die Trompeten klingen." Was das Pferd zmn iiwaten Waffengenossen macht, ist der Umstand, daß es nicht, wie Esel, Wefant und Kamel, an bestimmte klinmtische VeMltnisse gebunden erscheint. Es begleitete den Menschen über das ganze Erdrrmd und trug unzählige Kriegergenerationen zu blutigem Ernst und fröhlichem Turnier. An solcher Fröhlichkeit ha! das Pferd allerdings kaum besonderen Anteil, und es ist zu Ivetten, daß Hm ein Scheffel Hafer lieber ist als Hs berühmte blaue Band, mit dem der Hals , des Derby-Siegers geschlnückt wird. Das moralische Moment, das den Menschen irr der Gefahr stärkt und ihm alle Mühen erleichtert, fehlt dom Tiere mg.- türgemäß. Es blutet und schwitzt für Ziele, die es nicht kennt und. nicht begreift -— ein trauriges Symbol der aufs Schlachtfeld kommandierten Völkemtaffen, aber selbst hinter diesen noch zurückbleibeud — oder, Ivenn man will, sie hoch überragend — durch die Unfähigkeit, eingedrillten Haß zu empfinden. Als blindes Werkzeug fremder, Leidenschaften' geht es in Not und Tod, deren Qualen ihm kern . Durst nach Ruhm verklärt —ein ewiger Kr reg s verliere r! Es gibt aber auch Kriegsgewin.ner unter den Tieren. Tie großen" Tage des Weltkrieges werden von künftigen Geschlechtern wahrscheinlich nur als die Zeit gewertet werden,, „da Europa Verla ust e".. Auch Ratten und Mäuse zu Lärche wie die lieblichen Haifische in, Meere habe» eine ungeahnte Konjunktur gesunden. Unddieser Kontrast zwischen den. edlen Tievm als Kriegsopfern und den — gelinde gesagt — unshmpachischen als Nutznießern des Völkerringens enthüllt uns Menschliches, allzu Menschliches, vom lieben Bich, da§ unsere Selbstüberhebung als Krone der Schöpfung einigermaßen dämpfen müßte. Vielleicht ist gerade in.den Tagen, da Deutschland um seine Gleichberechtigung in Europa kämpfen muß, , auch schon das Tierreich volkerbundfähig . gchvortzen und die Zeit r^if, rn der nach den Worten unseres Propheten der Lowe Gras frißt mir dem Rinde. und der Wolf weidet mit dem Schafe. Vorläufig scheinen die Ansichten hierzu freilich noch trübe und die Tiere müßtest sich, schon gedulden, bis sich wenigstens die.Menschen als Brüder fühlen, was noch gute Wege habendürfte. Löwe mrd Wolf werden sich ja Wohl auch mit der Wartezeit abfinden, bleiben mir Rindvieh und Schaf. Die. sind freilich zu bedauern: Sie. sind die prädestinierten Opfer der Weltgeschichte. . Dr. Hugo Spiegler. * IW,« i.— , - ' (Nachdruck verboten.) . 6ü«WMgen eines jLdiMen Mitteilungen aus dem Publikum. > «r der iterlifiler Bendimd lilzenIeliiSj.il. 1 Wien, U. Untere Augartenstr. 5 — Tel* 45-7-62 MM IS N» MM lMMlM H and in alle« Warben ' . (Fyrifttzung.). In Bosnien. Den Transport übernahm nun Oberleutnant Hvmgswald. Win führen bis Slawonisch-Brod, wo wir die Save überschritten, nach Türkisch-Brod. Wir marschierten dann nach Terveuk. Zum erstenmal waren tote in Feindesland emguarüert. Man traute den Bosniaken nicht. Bier Mann waren in einem Nauru ohne Bett, Stroh oder irgendwelche SchlasgelMnhert eingepfercht. Zu unserer Sicherheit 'steckten wir unsere geladenen Gewehre mit Bajonetten in die Tür, so. daß jeder Eindringling das Opfer seiner Tat gstvörden Ivä«.. Die TKÄen waren uns sichtlich schlinm, gesimft. Am nächsten Tag. marschiertenwirbisDöboj, wo wir am Frieda Spritzer Chaim Kuweit t?swa-Ru3ka. Msgierdtv' ' empfehlen sieh als Verlobte \Ykv% In; JSnnei' 1222 ms STATT JEDER BESONDE.i:2M ANZEIGE JENS mmm . beiiöh mmm GEB. KATZ > EMPFEHLEISf SICH ALS VERMAHLTE Wie«, im Jänner ,9*3 •£#33 Möbelfabrik J. Spira ■ föm 6© ira, IO., SintestBnsjss® 1—3 Woliuuiigseiärichtuiigen. , (Ecke Karl Sciivt^eighofergasse) TEPPICHHAUS DRßCH & Co. V»„ Marlahififers^aSe 79 iss Stets größtes Lager in Teppichen,;Vortiangcti, Tischdecken, Bettvorlegern sowie .echte KtiUpf«-! upd; Smyrna-Teppiche Kultusu.iustiztaSgrs u. Bsrette » liefert in ä^iönst^f’ Aäsf&hrnng die'Tbeäfenrttelie Spezfalflrma-' 135 nifTlfilP ISAVnfVBni ' Zivi!- nnd LTiiiforniBdiiieider RUDDLr uDJLDSTEin Wie», U. Taborstr. 54. Tel. 45-6-29 Gegründet 1866—Grosse Auswahl feinster Stoffe f. M > snbesteltangen öbemehme-alle Arten von Handstickereien zum Vorpausen und zum Sticker« Handgesfickte Vorhänge in allen Preislagen stets lagernd! fcoloman Steinsr, II. 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Dädfttich waren meine Füße.so. geschwollen, daß ich es vor Schmerlen gar nichl: aushielt.' Mir Mt®&/ TiidEftS die Schuhe mit dem Messer aiuszuschnerdeu. Im fckben AugeuAick .ltouM/PeiAatter;ttlg..'grbla^n-./ - Ich konnte unmöglich imit ^run VevsammlstitgZPlatz, die Füße waren ganz blau, ich schrie fast vor Schmerzen. Da holten mich vier Mann ab. wickelten die Füße in Fetzen und trugen mich zum Platz. Oberlerünant.Hinigs'walv befahl, mich sechs Stünden an einen Baum anzubinden. Da erschien Offiziersstell^rtreter Jaquet und machte mir guttnütige Vorwürfe, daß'ich mich so.habe bestrafenvlassen müssen. Ich zeigte aus meine Füße. ‘ Jaquet schüttelte den Kops, ries den Regimentsarzft der mich vor der ganzen Mannschaft und einer Menge von herbei-- gelauftnen Neuglerigen imtersuchle. Er erklärte es firr ausgeschlossen,' daß ich. tzoeitermarschieren könne; ich sei kein. Simulant nutz verdiene, keine Strafe. .; . So durfte ich für den weiteren Weg einen Wagen, benützen. Mein Wagenlenker erzählte mir, daß er Pole.fei, schon im zwölften Jahre beint Twin diene, für Weib und Kinder, zu sorgen habe. Mit einem Male ' schlügen die Pferde aus, wurden scheu und stürzten mn, glücklichertveif» gegen den Felsen: wie groß meine LebensMrfahir war, kann man/doch darmts ernressen, daß der'Wagen mit Pulver, beladen war. Ter Pole war tot, er war überfahren. Ich; zitterte au Leib-und Seele. Der Weg war nun gesperrt. Da kletterten Oberleutnant Hönigswald und der Wachtmeister von eiuem Wagen' znnr anderen, bis sie die. Unglücksstätte erreicht haften. Als der Oberleutnant mich' sah, schrie er: ,L'ch Hab' mir's gleich gedacht'. Wo a Jud'^ dabei is, is immer «irr Unglück!" Um den Weg. frei zu mache,:, nnrßten die beiden herrlichen Pferde getötet und Mit dem Wagen in die Bosna,geworfen werden. Das Pulver, die Patronen und Reserven,äntel wurden auf die übrigen Wagen verteilt; ich mußte, aber-in verbundenen Füßen mit meinen Fetzen marschieren. •; Vor Sarajevo erwartete uns Musik; trür zogen mit Kingendern Spiel in. bi« Hauptstadt ein, wo tote vier Tage rasten durften. Dann mußten wir werter. Wir machten in Pale, Praca, Gorazda und Foca Etappe, wo uns wieder Musik erwartete. Oberstleuftwnt Groller, übernahm rmn die Führung', Oberleutnant Hönigswald meldete . seinem Vorgesetzten, ich habe ihm „tnc! ^chweirteveien verursacht^. Der 'Regimentsarzt, verteidigte 'mich' aber und v'eranlaßte sofort nreine Ueberführuug ms Marodetzhafts, Ivo ich vierzehn Tage verblieb, bis ich wieder zur 8. Hompagnie einrückte. Ich bemerkte, daß es in ganz Foca ^Me. Das Militär war mit der Verpflegung höchst rntzüfrieden, geschriebene Plakate Waren in serbischer nnd^ hüMcher Sprache ü« allen Ecken und Enden angebracht, das Militär zun, - Ungchorfack aufgefprdert ilnd zur Stellungnähme gegen hi«! Offiziere,, Da kam der Divisionär, forschte nach der UrsaA' de< Meuterei,'«ntsetzte Mkst die sö^rdigLn' Henagepffiziere und schickte diese und noch andere unbeliebte OMztere stach Olmütz zur AburteilMg. Dann war-RHe.^Älus- Anlaß.der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares war Foea illnmmiext. Statt der Kapelle, gaben Mannerchore ein Konzert. Jeder Bosniak wurde gezwungen, vor seinem/Hanse zwei-OM bäume zu pslauzen. . ' Mein neuer KmnPagmekoWM'ndant Oberleutnant Suchan, gleichfalls streng, aber gerecht, befreite mich vout Eisenbahn-. und Straßenbau .sowie vom Reinigdn der Quartiere, mutzte aber Wache-- und Ordonyanzdienst versehen. So oft ich bei ihm Dienst hafte, mußte ich Hm französischen Unterricht «rteilen. So ging es mir in Foca eigentlich nicht schlecht, seitdem der Divisionär dort Ordnung genracht hatte. Hoch war meine Ueberraschung groß, als im Regimentsbefehl verlesen wurde, daß ich auf Grund einer Reklamation meiner Eltern zu beurlauben sei, weil ihr zweiter Sohn, der Berussoffizter sei, für mich weiter diene, und ich die .Eltern erhalten müsse. So wurde ich am Fronleichnamstage entlasten und nach Olmütz zurückgeschickt, wie fteute ich mich ans das Wiedersehen mit Eltern und Geschwistern! Frohe Hoffnungen. — Böse Tage. — Jüdische tzerzeu. Am 1. Juli 1879 trat ich wieder die Reise nach Paris an; iäf harte an Fräulein Minna viele Briefe geschrieben, aber seitdem ich in Bosnien war, keine Antwort n,ehr erhalten. Ich war sehr besorgt und konnte die Abreise kaum mehr erwarten. Ich blieb einen Tag in Brüw,, wohnte bei Nreinem Bruder' u,rd fuhr an, nächsten Tag nach Wiem Schon t*ei meinem Eintritt ins Bahncoupe im Westbahn- Hof fühlte , ich mich unwohl, flchr aber' trotzdem äb. In ÄmhachE pastterte ich noch die Gepäckrevision, aber in München mußte ich schon aus dem Waggon gehoben werden. Ich nahst, eine Droschke, stchr in ein Hotel und .verlangte einen Arzt.-Es kam aber niemand. So schleppte ich mich am nächstem Tag sin ein AmLtftatormm, in dem .der. Vorraum .dicht-gedrängt von Warte,cken war. Als ober ein Arzt die Tür öffnete und mich anblickte, ließ er mich sofort eii,treten und konstatierte LmrgenentzüDmng uuL Kapftypyus, Jch wurde sofort in das Spital der Bannherzigen Schwestern gebracht, wo ich alsbald das Bewußt sein verlor. So lag ich acht Wochen. Der Münchens Rabbiner Dn Perles telegraphierte an seinen Proßnitze» Amtsbruder: „Habe. Herrn Hermann geseyem Gott sei'ihn! gnädig^. Die Direktion des Spitals telegyMierte an mein« Noci,!°!n° IM zu naltszuunmöfi' für Anzüge, Motfehds&b " *- Kleider v. Mäntel geeignet, Bl.f linkt, . rM 4L W M

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