Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1408 (14.1.1923)
- Date
- 1923-01-14
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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’ < ' ' ■- 1 , 1 u "4 SBleit, Sonntag Merter MoWdttMH. 1ä.ILnnsr1d23 Jfc UBL X;0'1' £ '"•fyf'X £ I ''HM ' i gtsse8( Kn Jas Ende her M Mastts^ Einer der historisch interessantesten und schönsten Plätze in der Umgebung von Paris, der einstige königliche Besitz. La Muette, hzx seine Benennung nach dem gleichnamigen^ Lustsch oßchm erhielt, 'ist, wie aus Paris berichtet wird, zum Tode verurteilt. Der herrliche Ausflugsort m der Nahe des Bois de Boulogne wird nach einem ist Stronski Chefredakteur ..des. großen antisemitischen Blattes «RzecKpoSpolita",i die sichin antisemitischer Ber> h^tzjmg kaum dey Rayg ablauftn laßt. Im übrigen aber laßt sich der „Gazota Posnanska" eine gewisse Berechtigung in diesenr Falle nicht-absprechen. Daß ihr 'Herr StronSki trotz feiner hetzerischen Künste nicht „koscher" oder nicht „treft" genug.ist, ist ihre Sache, und über Geschmack läßt sich nicht streiten. , Swonski, mit ftincin früheren Namen Le Win, ist nämlich der Sohn einer angesehcineir jüdischen Familie rn Krakau und ist als" Hochschüler getauft. Er gehört heute mitrschen FVgels' der nationäldempkrvtischrn Partei, obgUch er einer orthodoxen Familie entstammt und seine Mutter noch einen „Scheitel" trug. Beschluß des Pariser Cjoyteinderates parzelliert- und-derzu den entirkarüestew HeshaLtew d«s. -chauvinistischen antise baut weaden. Nach dsn Worischen Aufzeichnungen wurde fttfr—YÄ' '4~* — La Muette im 16. Jahrhundert erbaut mW hatte auch als königlicher Besitz keinen besonders guten Ruf, da dieses Hustschloß, wie aus erhaltenen Dokumenten hervorgeht, als geheimer Rendez-Vous-Ort der Prinzen und Prinzessinnen derruftu war. In diesem Schloßverbrachte- /Ludwig, der a _ , . fA . - -1. .Vi .. . .... SeWhnte mit seiner Gattin Marw Antoinette die Flitter- Aus Budapest wird uns brachtet- In der unganschen Wochen, und zwar h-mptsächlich deshalb. weil sein Bor- W,t neue.SabbLt.ir""b?w7.Mn.i unter den gäWÄ Ludwig der Füuftehnte im Königsschloß, von. Der- ' Bauern und kleinen Landlvirtcn um sich die. wie es scheint, ftrlleZ an. den Blattern gestorben war. Jetzt begann La auch bereits Liefere Wur^l gefaßt har. Ties gehr wenigstens Druette eine große Rolle zu spielen. Hier veranstaltete aus emer Interpellation hervor, die in der Ge- Marra Antoinette lchve berühmten Empfänge und Meindevatssitzungvon Ke:;k 'mct der päpstlich: Prälat hicr. spielte sich auch emr a-ndeve WorM-BegÄenheiL Stephan Rdvesz an den Bürgermeister gerichtet hat., ab,'fcis auf das Wirtschafiöftben vom ganz Europa von so .letzter ^eit — führte d:r Interpellant aus - ist die einschneidender Wirkung war. Eines Tages nämlich ^ah! derjenigen, die nn Alföld und smnit auch in Kezkemet wüche' dem König gemeldet, daß ihn ein ärmlich Mlerdrftr ' eine, ausgedehnte Propaganda zur Verbreitung - der Wchewnnter Mann unbedin.gr sprechen wollen Er wurde ^baftrftrftkie. also emcr ü-xall-ich. Ni,dtanerkannten wiederhol: abgowiesen, da er jedoch MwvHÄt^lich Le- RWön->Meiben,t rm..Avstzigen.begriffen. Ihre 0ttk wüerft, daß er vorn König etwas erbitten wolle,' was für . kemetrr Zentrale befindet sich in der „Wölker"-Kolonie, wo traMrich großen Segen bringen werde, würden ftine -bereis meiere Sr'dusoen ab.'Iericn. Die. Verbreiter itte schließlich erfüllt. Als er 'dann vör Ludwig dem dieser Lehre nützen die Unwissenheit, die Notlage und den SeKrhuren erschien, bat etz dsn'Wnig um vinSkuckMrchft kranLhgfsen Fanatismus der är-nitonVvlks'ch'chten aus Md tzM-^bens, emf wWÄ»' - er eine bisher yr Frankreich hetzm besonders gegen den Klems und die Beamtenschaft^ unbekannte Knollenpflanze züch'en wolle, l indem sie erklären.?daß..der.Stftter der christlichen ReMM MMomg. willfahrte,,.feasem'Wunsch und im daraufweder Hochgeborene noch Exzellenzen gekannt haVeLstiaßs ftlgenHu-JAft MH-8 Frankreich und in Europa zum . .Mse Agitationen . Ms.M. .unfruchtbaren" Bodenfallen? exMr KchMUf^l,? denst '^'ftver^-unhchmich'll heweMM,bWt?/dy^ÄeM^spr^chter'der ZinMW Man» war. «wM^rch^MweyrrÄS'.sHa r rne n t ie r, d« "KoWssipnen von HMÄMst'Pe''rsönen^nfit^dtck"EntsWffe die KMcM,in MMpa eiHßrgexte, , , [, a^siesuD werden,.. uuszutrHen.-mchM"Sabqtariern' . - WrKtzehM.KH^Mn^t SDsprger W BetMsenden auf. daß Hefe RHiGM.,vW Staaje persylgt werde? erklären ste,.s daß^ Ke--Mw?'ronMonshs7 mMu' würben.. Es sei nicht unwahrscheinlich, ja Lieft Erscheinungen lassen die Schlußfolgsrung zu, daß hinter der Maske der Sabbat-! a-x^r..konnin^i'^he FWyerl veyb^raen.Wn, um' b'e Behöcken. irxezuführen und die Staatsordnung auf sokchel Weift zm epchüttern, ''Dep.Interpellant' fordert nnst, daß! I gegen bisse Agitatoren, ob sie' nun Kommunisten oderl z Sab-tarwr seien»., mit aller Strenge Popgegangen' werde, da! eine solche Agifation' U ljebeni- 'Hllehie leichtgläubige krankhafte Phantafrr vergifte. und die Denkungsart der! : ungarischen Rafft vererbe.- Die Sabatärierbewegüng hat \ eigentlich in Ungarn niemals völlig geruht und der hochtyüchige., Ppälqt Stephan ReveSz mag recht haben, wenn! er von der krankhaften Phantasie ftiner Bolksgertossen,! spricht, denn zumindest er ftlbst leidet unter dem Wahn, daß'! jede Bewegung,' die! sich ist Ungarn tzegest den, Klerus und j dft Horthy-Beam Ln d. h. gegen dir Schuldigen an der heu- > tjgen BeMeMmg richtet, .yon den.'Kommunisten auchehe.. Im Fähre 1820 ging. & Muette in den Besitz, des berühmten MavrexfabrchlNten E r a r d Wr 'uich.. war.. solstugr es im Besitze dieser FamNe war, der Mittelpunkt'der MusiKvelt jener,,Zeit. Ein«: .Schwester,.des. Begrüuders der.Erard-Fwörik heiratete nämlich den italienischen Kompvnrsten Spontini, der französischer Staatsbürger würde und in dem Schloß glanzvolle Musikabende der- \ anstaltetel an denen Halevh, Ander, Goünod, s Rossini, Meyerbeer, Berlioz, Massenet j häufige Gäste waren. EiMnal ersch'en - auch Richard Wagner an eiivenr.solchen Abend, bei welchem^Anlaß er das erste Exenchlar seiner Ta n uhä u se r - Pa r t i t u r mit eigLnhänd'^r Mdnmng der Gastgeberin zum Geschenke machte. Nun ist dieses berühmte Schloß und der j ganze schöne Flecken verurteilt, vom „Bauch von Paris"! verschlungen zu werden. Blätter, und in erster Reihe der „Emes". betonen, ha,E sich hier im Gegensatz. zu den , voMvolutwnären Sprach forschungen auf den vmversitäten um eine von jeder PolitH unabhängige philologisch»vnsse>Nischlaftliche Arbeit Jede solch Lehrkanzel hat/ihveu eignen Lester, eme Art Direktor, ..eine^ Wisienschafbliichen Senat und ÄsPrvanten, die in diesem sich zu Sprachforschern hevanbWe'en. -? DaS Kolleg für jüdische Sprachforschung ist noch Nicht, vollständig ausgebaüt. H-ftr arbeitet.vorläufig nur der Wisch Philolog A. Za reckr, ihm zur Sorte steht Prof. E. Kag» r o w, Wohl kein Jude» aber sin Philolog. der ein andere- Kolleg leitet und sich nebonibei auch' mit jüdischer Sprach forschun-g befaßt. Zareeki halt m seinem'Kolleg Vorträge übe, dis veisch'.sdenm Zweige der! jüdischen Spvachforschung,' Vor> träge, an welche sich sine'Diskussion des Auditoriums M schließt. DaS jüL-ische Kolleg, welches erst seit Februar vorigev IahreS reguläre Arbeit leistet, hat bis jetzt noch keine große» Ergebnisse erzielt. Außer einem allgemeinen Arbeitsplan wurde ein Bortvag Zareckis über die K ö n j u g a t i o n, die. befehlende Art und das Definitiv. in der jüdische» Sprache durchbevatM. Pwf. Kagorow wies in einer Strödt auf die Unhallbarkeit der bisherigen.,wisie,rschaft>lnchen Auffassung über-die-Satzlehre der jüdischen Sprache hin, und stellte fest, daß manche Erscheinungen, welche hebräischem und flämischem Einfluß zugeschrivbm weiden, eögenMch auf die Einwirkung des Mittelhochdsutschen' zurückzusühren seien. Eine weitere Arbeit Zeveckis behandelt das Zeitwort, Hebraismen in der . jüdischen Sprach^ und chre Cthymologie, femer.die Phonethik und Morphologie der jüdischrn Sprach«. Noch nicht durchbevaten U ein Entwurf Zareckis für ein jüdischer Wörterbuch, aq welchem auch der Lexikaloge Pros! K. Zele.nin mstgeavbeiftl hat. In Borberdtung sind ferner. Ärbsiten von Kagorow und Zarect'k über die jüdische GvammatÄ und dft philologische.ErfovschMg der Hsbvaismen in dtt Miflchon' Sprache. Menschllches .. , . M kwtge FM. ' - . Die antissmitischs Hetzmechode bedient sich in allen Lätldern stets der gleichen Mittel. Was unbequem erscheint oder als schädlich hrnMtellk werden soll,'wird mit &m jüdischen MÄMchen umhüllt, um auf solche Weift jede Bewsgung oder T«ldenz, die den Antisemiten nicht psßt, verdächtig zu machen. Beispiele für dieft dummdreiste Methode lassen sich stündlich in reicher.Fülle, sammeln. Der siehsrche Pol hr der, Erscheinung-. Flucht hleibt der jüdische Anrhoß, aus den der Klünftl losdrischt, und mit ein wenig Evsindung kam-n man schließlich^ je-dsvmann, auch den Papst m'Rom, zmn Juden öder Judensiämmlmg stempeln. Ein Mftrckrcuzblqit der Nätionalsozialiften in München bringt einen Leitartikel über die Parser Konferenz und die Haltung- Frankreichs, Englands und Italiens. Da man aber doch „momlisch" verpflichtet ist, irgend ein antisemitisches Hctzwört einzuflechten, so beginnt man den rm übrigen rein poMischen Anssatz mit folgenden Worten: „In Paris sitzen gegenwärtig die Beauftragten des -internationalen Kisten Bank- und Börsenkapitals — ihrer amtlichen Be- FtzjH.inng nach sind es Staätsmänmr der westländischen Demokratien Ku-sammen. um ivgendom neues Schächtnngsritual des Jahres 1923 für das deutsche Volk auszuLruteu." Damit ist dem Progranw des antisemitischen eeftrum censeo Genüge getan. , . Im Zeichen dieser Gesinnung treffen sich auch solche Tcdftlrrde wie deutsche .Hakenkreüzler und polnische Chauvinisten. So 'bespricht -das Poseuer Hetzblatt „Gazetä Posmmska" in. einom längeren Aufsatz'die Entwicklungs?! fäden. -des europäischen Nationalismus ünd führt Klage darüber, daß der MvoMche Nationalismus nur - von Iud e n geführt wird. So fei. M n s so l i n i, her Dhrep der nationalistischen Faszisten, ein Iub e, ja selbst der Fsthrer der polnffch-rdaüonalistiWn Politik in Polen 'ft!'s - Stanislaw Stronski. Wie bekannt, \ :' In Charkow besteht seit ohüger Zeit ein von der KrÄtürkomMission der Sows-etveg-ierung -errichtetes pHAol-ogisch-wiflen-. schaMches Kolleg, welchem die Aufgabe zustcht, Forschuugs-' . arbeit auf allen Gebieten - der FaHwissenschäft zu leisten. Eine Abteilung'.dieses Koll-egs bi'ftet eine eigme Lehrkanzel für die -Erforschung und den wisimschaftlichen Aufbau der jüd^ scheu Sprach e. Mi« hie der Sowjetregierung nahest-chenden Künblwrisek -. »usx«vtattetes ftdrhuest UerLusgeber: Dr* MarHus Krämer (Czernowitz) Ueber 40 Beiträge brdralepder {Solcher Autoren QfossrumRntena tnjd des Auslandes in deutacher, rtimShiselier, Iiebräiacher und jüdischer Sprache {darunter Oberrabbiner Dr. Gliajcs, Dr. Max Soloveitrehik, Max Brod, )tto AbeJrs,. Dr. Mojer Ebner, .Dr. MarJnis Krfimeri Klicse^- ^teinbertr, Ch." N. ßjaiik,' Dr 'Solomon' Köasheiv ObÄrrobbiner Nfertiirover f*--’-“1-“ Prof. Julius Wolfwhn, Df. Max. Diamant, OberraJjbintr Glasoer [Klausen^ > bwjtj. -Pioktlrteio).. .;.'v - - -A .. . Erhaimch . in der XdministrLtftn dk^N^.' en^r MorAänzeilunst''.! II, TaoQreträssc.l,. « in der ßucnhvidlüng R.. 16 wi t, ■ l. KoftnItuMsIrssstz! i;:r4» Frei« ÄrftgSgelyrnntt «vd KtkegSoPftL - d'e großen Peränderungen, die -ex Sftr MepschheitOn Politischer, sozvaler nnd' ,sitttiDr .W zieWg'WWchtD^^ schon g^gMsppWnu^ bbn worden.. Vftlleicht ist es zur Abwechslung nicht mpfa ftressomt,' auch Ns Schicksal jenes Reiches ins Äuge zst ftsftn, dcks trotz fttnvm totalen Desinteveflement an jeglicher Politik noch nie neutral bleiben konnft, so oft menschliche Stnaten gegeneinander die Waffen erhoben:, DÄ Käegsgeschlck des Tierreiches. ' .'j Schon in den Heerhauftn der v 0 rge sch i ch t l t ch e st Menschheit kämpften Buntdesgvnoflen aus diesem Reichs mit. Die ältesten auf uns gekommenen KrimMrichtc fry* Mitteln uns den Begriff der „Schlachtlöwe-n". Diese auf die Feinde lvSgelasftuen Bestien bildeten sozusagen di« Artillerie der Bot^ett, die mit unserer modernen Artillerie bereits den Grundgedanken gemeinsam hat, die Urgewalten der Natur in den Dienst des systematiischen Mopdens zu stellen. Nur mußte die damalige Menschheit, noch unkundig, dis gobrnrdcnen nwchanffchm und chemischen Energien! aüs» findig und sich untertan zu machen, diese Urgewalten in der Fovm nehmen und gebrauchen, in der die Äatur 'selhst sie schon fertig als „lebendige Kraft" darbot, das tvar in der Gestalt , der wilden Tiere. Hatte dftft „Artillerie" den Vorteil, nicht erst künstlich erzeugt werden zu müflen unÄ« so die bedeutenden-Kosten einer'Rüstungsindustrie auszuschalten, so wies sie doch andeverftits' einen Nachteil auf, der ihre Mitwirkung den prähistorischen Heerführern bald un-evwünscht erscheinen ließ. Dieser Nachteil lag in der UnfähiMt dev Löwen, Tiger, Leoparden und anderer liebens-- Wüchiger Vorläufer unserer schweren Geschütze, in einem Dickwanst von vielversprechendem Nährwert den ^Kameraden" zu schonen und dafür irgendein schepperndes Knochengerüst mit erschreckend geringem Fleisch- und Fettgehalt als ^Gegner" zu vertilgen, bloß weil der . eine blaue und der andere eine grün« Rüstung strüg. Diesem einzigen Unterschewlmgsmrttsl zwischen Freund und Feind gegenüber .mußte die tierische Intelligenz versagen, denn es hat schon eine höhere Weisheit zur Voraussetzung; die menschüche , .. : , Deshalb finden wir schon in so alten .Menfchheitsdokunrenwn, wie ,der. Bibel und dm homerischen Epen keine Erwähnung von der geschilderten lebenden Artillerie mehr. Nur die Schlangan des Laokoon stellen vielleicht.eine verblaßte Erinnerung an dieses älteste Rüstzeug der mensch-' lichen Waffenkammer dar. Erst in der Kriegsgeschichte des späten Altertums und just bei dem Volke, das an der Spitze der MtiM)WKifttftn.-m-ffchierft, nä.nüich',Lel den! alten Römern, sollte oer Schrecken, den furchtbare Tiere in der Schacht verbreiten, wieder eine Roll« spiolen. In ihre« eigenen Reihen führten die Römer natürlich keine Bestien!M ^-dazü'War"rhve.KrftgStechnU schon zuhoch-entwickM^ '-aber eiüer ihrer zahlreichen Fcinids. brachte lebendige Un-' geheuer von nie gefthener Große aufs Schlachtfeld rnft. / 144