Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1405 (11.1.1923)
- Date
- 1923-01-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wlesi» DoüueLZtag Wiener M^rgenzeituns. -O- 11. Jänner 1923 vom einfachsten »RI 1ÜB eletstJl , II. KI. SperSg asse 8 ( vls-Ms 1 Rotel RsuTmk t!onalsozialistiHen Pogromheher attgHören, eine Feier ab. gehalten, diö die Münchner Presse eine „überwältigende Kundgebung" nennt und in der als Ehrengäste neben Hitler die Herren Ludendorff, zwei- Minister, der Regierungspräsident Herr v. Kahr und der lyrische Ministerpräsident Knilling teilnahmen. Das Schlußwort bei dieser Kundgebung hatte der Pogromhetzer Hitler, vor ihm sprach Ludendorff, Herr v. Kahr, der von der deutschen Treue redete, die ein blinder Wahn vom Throne gestoßen und der wieder zu ihrem Rechte verhaften werden soll. Schließlich betonte nach diesem republikanischen Beamten der bayrische- Ministerpräsident seinen Willen, für die Wahrung der Unveräußerlichen Rechte Bayerns einzuireten, und wies darauf hin, daß eine Zeitkommen könnte, in der dir kräftige Zusammenarbeit Zwischen Regierung und vaterländischen Verbänden notwendig würde. Die Nationalsozialistische Arbeiterpartei ist im übrigen Deutschland wegen ihrer verhetzenden urw antirrpüblikauischen Tätigkeit unter Berufung auf Pas Gesetz zum Schutze der Republik verboten worben, Zu gleicher Zeit feiern die höchsten amtlichen Funktionäre Bayerns mit dem Pogromisten Hitler VexbrüVemnKsrsie." Re okra'mMe Regiernng «eien Mische tzmigration. ‘ Moskau, 10. Janmr. <I. C. B.) Die ukrainische Resirrung ist ^strebt, die jüdischen Repatr Zanten von der Heimkehr nach -Polen Äzuhafteri. Sie hat eine Bekanntmachung der» ofsintlicht, in der die SchwirriMten, die sich den Repatrianten ihrer Rückkötzr nach Polen entgsgeNsttllen,'ausgezählt werden rrrd in der erklärt wird, die ukrainische Regierung habe nicht die Msicht, die ReewaLuation ga stövey, sie halte es aber si)r zweckmäßig, daß die Juden im Lande bleiben. Irr AaflösmiMrorrd der Ld>le« Poale iu Aubliuld. Ans R iga MÄdet I. C. B.r Der Anflösungspr^eß der! iilkken Poale Zion m RuWaud schreitet oapK» vorwärts. Wie Z MneS" «nÄeiK, hat sich die'MmÄstr zMsch-kommuniftffchs.! Partei PoÄr Zion dem Beschlüsse der dritten. Konferenz unter-! worfen. ^chs führende MiWeder wuri^n ansgeschlossi:-, unter ihnen ein göwssenrS MitMd des ZentvoAomüees der r Partei. In BÄU hat sich die gesamte Ovgcmis-Ltwn einstimmig > d^r msiWen .kommunistischen Partei angssch'losien. Auch die Kicwer Oryamsation, die zuletzt nur noch ÖD MrtMeber ge-'! Mt hat, -ist der vussischen Pcrüei beigxt«ten. 'Die EhaÄowsr; •fink Poccke Zion-^vganisation ist nach vinstimckigem Be°! Schlüsse der russischen komumnWchen Partei beige treten.! Hege» die geplante SremdeureMrienms d» Amerika. > v 8. Jänner. (I. E. B.) DaS PrSfidium des! Ordens „Brith Abraham" Vervsftntlicht eine Protest-! r e s o l A t i o n gegen das Projekt des Präsidenten H a rdingi wonach alle in den Vereinigten Staaten lebenden Ausländer sich all iah e! rch von Amts wegen photographieren regrstrieen lassen sollen. Jü der Resolution wird eine >!He Maßnahme als n name rikanis ch bezeichnt. Sie Mkrk «arfchkert. Graz, 10. Jänner. „Tagespost" melhet aus Belgrad: Aachrichten aus Thrazien schiwevn di« Lage dort ÄS verschärft. AuS Kleineren längs» immer neue Kontmgent« der märkischen Armee' ein. Es ist nicht ausgeschlossen,, daß es zu ..cuen blutigen Zusammenstöße« kommen werde. Re Lrttolsre in der syrisch« Fahne. - Aus Genf wirik gemeldet: Diesyrisch-palästinensisch» Delegation richtet an die Konferenz em Schreiben, worin sie gegen die Einführung der franzöfischen Trikolore in die syrische Rational sah ne Probeifrcrd;. Diese Maßnahme sei getroffen worden, weil Syrien?»utes svrnzösischenr Mandate stehe. Da aber keim andere Regierung, die Mandat verwaltet, eine ähnliche» den Narivnalstolz verletzende Maßnahme ergriffen Hobe, will die syrische Delegation darin versteckte Annexions- Gedanken sehen, besonders auch deshalb, weil der Bölr'crbundspakt die Mandate nur alH Provisorium bezeichnet, und weil die Unäbhäng'tkeit Syriens bereits anerkannt ist. Me englischen Schuld« an Amerika. London, 10. Jänner. (Wolff.) Die „Times" melden ,-us Washington: Gestern ist eine Erklärung des Präsiyjriea Harding veröffentlicht Wochen, worin es heißt, - rv_A1..U.UA. Skitu <*«** 4*v»rt*rtA,Y»f¥* Crt.. Wiener ztanistisch« Lokaikomitre. Heute um halb 7 Uhr abends findet im Zionistischen Landeskomitee, 2. Bez., Laborstraße 20 a, die Sitzung des Lokalkop*itees statt. Die Delegierten werden ersucht, pünktlich nnd Merlässig zu erscheinen. Anstein in Zaparr. Dean „Berliner Tageblatt" wickl aus Tokio gemeldet: Seit Professor Einstein im November in Japan eingetroffen ist, wurde er hier so g e f e i e r t, w i e tt o ch ni eliralSernEuropäerinJaPan. Er hat eine Reihe wissenschaftlicher Vorträge an dön Universitäten gehalten, so in Osaka und Kioto. Daneben hat er auch einige wenige öffentliche Borträge gehalten. Ich besuchte eine« öffentlichen, populären Dortmg, der von etwa 3000 Zuhörern bchrcht war. Uebrigens war etwas sehr Scherzhaftes Passiert. Allgsnein war das lebhafte Jtttrrffe aufge-ftrllen, das Frauen, vor allem auch junge Mädchen, der Einsteinfche« Relativitätstheorie entgeMbrachten. Ein Verlag hatte die Grundzuge der Theorie ins Japanische übersetzt und die Bestellungen auf dieses Buch gingen massenhaft ein. Als aber die erste Auflage tatsächlich zur Ausgabe kam, entstand unter den Damen Entrüstung, rmd sie wollten die Bücher zurückgeben. Das hatte einen eigenartigen Grund. Die japanische Sprache hat kein Wort für ^Relativität", und so war ein neues Wort gebildet worden. Dieses wurde in seinen Einzelsilben fälschlich so ausgefaßi, als wenn es sich um Beziehungen zwischen Mann und Frau handelte. Tatsächlich hat mich eine Ja- Pämrvn gebeten, ihr ,chre Sache mit der Relativität" auseiüandevzusetzen unh als. ich es ablehnte» weil es^ zu schwer fei, antwortete sie, der Grund würde wohl der fein, daßSache „unpassend" sei. Der Erfolg des Gesehclsn üvur ccher außevordMtlich groß.' ' ' ■f or titint g Stimmung , zu machen, . Aber nein? Hugo Salus, dessen ,'B a t e r d e r Bruder eines Pfarrers" und dessen „Mutter fromm wie 2lnc Nonne war," will mit drm gezückten Opevationsmesser der Judennase zu Lribe gehen. Diese will er ihres Schwunges, ihrer Schärst, ihrer Gdelfotm berauben, welche nach dem Aussprüche ernsthafter Physiologen von Konzentrationsfähigkeit des Denkens, von Gewandtheit des Geistes, vom Edelsinne des Charakters zeugt. In d^r Tat weisen sehr viele Bildniffe arischer Herren, Papste, Herrscher und Denker die am Juden geschmähte Hakennase auf, die bei jenen als physiognomischer Beweisfür ihren Genius ge> wertet wird. . ' Hugo Salus aber hat seine „s ch l i ch t e A r r e r n a f e" in eine kitzliche Sache gesteckt. Durch manche seiner Dichtungen aus früheren Jahren hat er den Anschein -erweckt, als sei et. selbst den: Judentum entsprungen. Er möge allen, die in diesem Jrrturn befangen waren, denselben verzeihen. Es wird niemand, der die „Wiener Journal"-Presse kennt, an dieser oder den vergangenen Entgleisungen Salus' Anstoß nehmen. Der entgleisende Assimilant sucht Halt und Stütze, wo er solche zu finden glaubt; er nennt seinen ungebörnen Sohn Wolsgang, weil es einmal einen Wolfgang Goethe gegeben hat, und seine ungeborne Tochter Riccarda, weil es eine Riccarda Huch in der Literatur gibt. Wir aber nennen einen solchen Anlehnungsbedürftigen ganz einfach: Schmock, es auch Schmocke unter den Schreibenden gibt. Rahel Edelstrin-Friedmann. Mt ZvstSnde in der NolW Air erhalten folgende Zuschrift:. „Vevchrliche Redaktipn! Mit B^ugndhntt auf die vön der Mic-ner Morgenl zeMng" gerügten Mißstände in der Roland-Bühne erklärt die geftrtigte Gesellschaft, daß sie zum Direktor Roland- S^chmergel derzeit,' in keinem Bertragsverh ä l t n i s s e stcht und daher für die Ausschveitungen desselben, die die Gesellschaft ebenso bedäuert, Leine Verantwortung trägt. Für die „Jüdische Künstle Mhne, Ges. m. b. H" Dr. Fittkelstern» Dr. Sternberg." Hngo Sakm M Philanthrop. Der Prager Dichter Hugo Salus hat eine neue anatomisch-chirurgische Entdeckung gemacht, welche er zum Hrile der gesamten Christensowohl als Judenheit in einem in die Länge geratenen Auffatze im „Wiener Journal", diesem Stapelplatze der Flachheit und Fundgrube fiir alle Seichtigkeiten, langatmig auseinandersetzte. Er hat entdeckt, daß sich der Sitz des Hasses im menschlichen Riechorgan» in der Nase, befindet und daß sich im befondern der Judenhaß in den geraden G e s i ch t s v 0 rsprüngen der Arietckl,"in diesen „ungeschnörkeltey, ehrlichen, tapferen Ariernase», die so-soldatisch und chrldenhast sind", entwickelt, Mit Notwendigkeit entwickeln muß. Diese geraden Ariernasen fühlen Abneigung, Ekel, Verachtung uüd Haß gegen dlnHaken-, Krumm- und Geiernasen" des Judenvolkrs und der „Thoradulde^, „denn Rassenhaß fft.Nasenhaß'-. , Und nun empfiehlt der dichterische Chirurg der arischen Aerzteschast, sie wolle den Vorschlag prüfen und aussühren, durch nmfvsiende und eingreifende Nasenoperationen sämtliche zeitgenössische Nasen in die gleiche Form zu bringen, wodurch nach einigen Jahrzehnten schon die. Verschiedenheit der Nafenformen verschtvunden und eine einheitliche Benasung von Jud mch Christ dm länge ersehnten Konfesiions- und Rassensrieden als einen Nasenfrieden herbeigeführt haben tvürde. SaluS vertraut in dieser Sache der' Zukunft, die seinen „Nanten , mit dankbarem Griffel in das Buch der Ewigkeit einzeichnen wir^. Eine Hebamwendemonftratisn. Die Hebamtnen Maus veranstalteten gestern «inen Demonstrationszug vom Rathausplatz über die Ringstraße zum Parlamente, wo sie Ausstellung nehmen wollten; die Mache beweg sie aber zum Weitergchen. Der Zug dürfte zirka 600 bis 700 Hebammen umfaßt habeftP Eine Wochr nnng mit der PräMntin der Reichsorganisatron der Hebammen Oesterreichs begab sich unter. Führung des Abgeordneter F 0 r ft n er ins Parlament zu Bundeskanzler Dr. Seipel und Minister für soziale Verwaltung Schmitz, denen sie ihre Forderungen vortrugen. Diest bestehen hauptsächlich in der Gewährung eines Existenzminimums, Maßnahmen zur Bekämpfung des Pfuscher!nnenwesens, Heranziehung der Hebammen zur Mutter- und Saug-! i n g s f ü r s 0 r g e, Errichtung' einer H e b a m m e'nk a m m e r ustv. Die Abordnung erhielt die Zersäg«, daß ihre Wünsche 'Gcg^'.siand der parlamentarischen BehaMung sein werden. Da» Krematorium. . Im Kvenmtorium wird die erste Einäscherung heute nachmittags erfolgen, und zwar wird als erste die Leiche der Staatsbeamtenwitwe Tintner feuerbestattet werden. Interessant ist, daß die Verstorbene römisch-katholischen Glaubens war, jedoch aus Wunsch ihrer Angehörigen noch altkatholischem Ritus eingesegnet werdon wir'?.- -L—... . y Die Angst der Halenkreuzler. Aus Salzburg, 10. d., wird gemeldet: Veranlag durch eine Mitteilung der österreich.schen Gesandtschoi. in London, in tvelcher darauf verwiesen wird, daß inftls.' der Anschauungen für und g e g e n d e n F r e m d e nverkehr im englischen Publikum eine gewisse Unklar -heit*herrsche, ob die österreichischen FreMdenverkehrsori..' -Heuer für den Besuch in Betracht kommen könnten u:;o wie sich die österreichische Bevölkeru'n/> hiezu stelle, hielten Vertreter der Lgudesvogienuder .HandÄskanrmer, des Handelsgvemmmss des Landes- Verbandes für Fvenwerwerkchr, der Avbeiterkämnrer, Gewevkschaftskomniission, der Gasiwirtegenosscuschaft,' -d-'r Festspielhausgemevnde und der Stadtgemeinde eine B-. sprechung Wey den Fremdenverkehr im heurigen Jch:^.' und -die im Zusammenhänge damit zu ivefsindeu nahmen ab. In der Besprechung traten s6rntsio<-'F.-,'y.' für den Fremdenverkehr ein. ». .. .. y t . Urch nun sollte jeder logisch Denkende nrernen, Saulus' f«. ««WÄMfc > B-r,chl-,g^icht« sich gm. di-Art tom Rosen, Me er selbst -d, Sitz des Judenhasses rezeichnei, die als» abiwrnml, äu r-ff-«.»-?,»-« - dem Haß ist Kmnrheit - demnach W, Patten £*&.:; °p°«ati°nsbchürstig bämt, gegen dieMierngsen; und wir richt in Vorschlag bringen. Hoffentlich werde der Kongreß müßten es ihm selbst überlassen, bei seinen arischen Stama r 4 M n it ' u m Re Ämregelmg der NeaMM«. Zwei Gesetzentwürfe für den Wiener Landtag. Mit dem 1. d. sind 'Wu Ländern und Gemeindon d.>. das W^dsraufbaugefttz die Reasitsnern gänzlich Werla- . worden. Hindurch 'hat, sich Hr. Wien die Möglichkeit evgel)-^ diese. MHEmviMchattiK Materie vollständig neu zu ' v Das geschieht durch zwei Ärfttze, die gestern Nachnüttag^SZi' - grvmeister Reumann in 'einer.ad.hoe omberusiuen ü:, , fore^z den Obmännern der Parleit'wbs des Wivuer Gemeind/ - dje nächste Daß wesin:« , ... Erläuterungen-Doktor Danne berg s folgendes: An Stelle des ü-bLrans 'kochlV