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Wiener Morgenzeitung · 1923-01-06 · Heft 1401 (6.1.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1401 (6.1.1923)
Date
1923-01-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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WM, GMM'g 6. Zannev M8 ^A^llwkirt Nöbsl. Decken. Vorhänge, ■ Baumroolt- und teinenroaren.. Jas Hllsswerk in Rußland und die EroiCHHAUS^fM | .. Der Führer der asiYrisch-chaMischen DÄe-gation, General AM Petros, hat die Zusage erhalten, daß die iFvage Aflyriens auf die TagesovdMmgder internationalen Muftrenzen kommen soll. Die Assyrier römischen eine volle Lostrennung von der Türkei und auch von Persien und den Schütz einer alliierten Großmacht oder des VMerbuwsdes. Das neue Ässyrien soll eine ScheHewastd zwischen den Christ'n und. den ihnen feindlich Mrxselmanen bilden und die Aufvechterhalt'ung des Friedens im' Südosten des türkischen Reich; Seftemich. Die Anleihe-Nrisen. Wie die „Prager Presse" aus Wien, meldet,'soll Doktor Seipel die Absicht haben, nach seiner Rückkehr van Budapest stach Paris und L o n d o n zu reisen, um die Vevwirktichmrg der Auslandskredrie zu beschlvunigen. Die politische LorbevLitung dieser Reise besorgt AbgeorÄnetsrDoltor Aata ja, der vorige Woche in Paris weilte. Dr-Zimmerma»« reist mch Prag. Wie die Prager Presse aus Wien. meLet,'wird sich -er BMerbündkömm'.siär Dr. Zimnieunann in den nächsten Tagen nach Prag'begeben, um mit den dortigen maßgebenden Stellen Fühlung zu nehmen. Die .Ara" mtS die iödischr AevSllem«, Mßlaadr. _ Der Smxderberichterstatter M I, C. B. in Ru-ßland BELHAliS ihrrk soeben' eine Tour durch das Innere Rußlands beendigt, in deren Verlauf er die StÄlle und Kreise Kiew', Schitomir, Berdisch-ew, Oinnitza, Mmenetz-Tobolsk und Pvösftiröw besucht hat. Er gewann auf seiner Reise dm be- Eindruck, daß die Tätigkeit dev amerikanischen '«M8!?'A? Hilfsattministrattoü „Ara" in Rußland die Interessen notleideilden jüdischen B evölkeru ng in diese in Lande vernachlässigt. Obwohl das amer-lkanisch-jüdische.Joint Distribution Committee der „Ara" 1,25 Millionen Dollar für Kinder- Wfe zur Verfügung gestellt hat, erhalten die menten jüdischen MndechyWwn vmr.der „Ara" , weder Lebensmittel noch BeMväsche, Sogar die wenigen Anstalten dieser Kategorie, denen die „Ara" ihre Hilfe gewährt, erhalten die Leberrsmitiel mW die anderen Gegenstände, nur in ungenügenden Qmmtitäten. Die Kinder in den jüdischen Kinderheimen stnL^ chronisch nnterevstährt und von allerlei Krankheiten heimgesucht und auch die allgemeinen Bedingungen des Wohnungswesens, der Beheizung «sw. sind unerträglich. ' Auch in den von Juden dichtbevölkerten Gegenden versorgt die „Ara" mit LebensrnittÄn in erster Reihe die nichtjüdischen Anstalten In den Gouvernements Wol- .Hh.n i e n rmd P o d o l i e u ' gibt, es überhaupt keine „Ara"-Kuchen, obwohl die Behörden sich bereit erklärt hatte», einen Teil der Unkosten zu übernehuxen. Der Inhalt der von der „Ära", besorgten 10 Dollar- Pakete hat gegenwärtig in der Ukraine bloß den Wert von 5 Dollar.- Bon den geleisteten 10 Dollar zicht die „Ara" 2^ Dollar firr ihre eigenen Ausgaben ab.. Da die erwähnten Pakete größtenteils von den arnerckanischen Juden für ihre Bertvandten in Rußland und. der Ukraine geschickt werden, setzen sich die Einnahmen der >,Ara" in bedeüterr- Vzm Aiaße aus jüdischen Geldern Zustummen. Das knlShnmgsamt verschwWÄ sMSMg. f DüS.Ernährungsqmt ist Kwar schon seit lauWrem ' ptfgelöst, doch, blichen noch einige. Abteilungen bestchm ü«ö' Waren Wn Bundesmiuisterium für Jnmves angögliedcrt. tonrifi & dem E r s'p a r u n g s k o mmt ff ät gäungen, stuch diese restlichen Stellen'des Ernährun,gsamtes vollftäMg abzubauen. Die Wmachmgen zwischen dem Foint «nd der Sowjetregienmg. > Die BeziehunM-.dDS.- I.P-ii-n.ZHst.Het. haben sich, besonders seitdem. IoWBertreter Dr. Rosen in Rußland eixlgetroffen ist, freundlicher gestaltet. Sogar die sonst jüdischen Sektioneninnerhalb bet "Kommunistischen Partei stehen her' Iöini-Tätigkeit wohlwollend gegenüber. Der Vorsitzen^ des Idg e s kom Maudesberg hat in emrm GeMäch mit d'ttn I. C. B.-BeÄreter feinet Befriedigung über den liberalen Geist mid die Toleranz, mit der der Joint seine AuslandZaktion Mrt, Ausdruck gegeben. ' ' Der Joint hat eine Mnmchuug mit der Sowjetregie- Mng unterzeichnet, ' wonach Re Regierung den: Joint 1600 Waggons Kohle für die Beheizung der jüjdischen Kinderheime in der Ukraine - zur Verfügung stellt. Die' Kohle wird frachtfrei geliefert. Als Entgelt, eröffnet Joint . in N c w-D ork der Sowjetrcgxevung - einen Kredit von 200.000 Dollar zwecks Anschaffung für die Kohlemndustrie nötiger Maschinen. Es'v'erlqrrtet, dvß der Preis der in Rußland geförderter Kohle um 40 Prozent' niedriger ist als derjenige der importierten Kohle. / Die Vereinbarung des Joint, mit der Sowjetregierirng für die Wieder« u f b a n a v b e 11 ist endgültig ratifiziert worden. Auf Grrmd dieser"Vereinbarung erhalt Joint das Recht, selber die Gebiete zur Führung der Hilfskation zu wählen. Die Vereinbarung sicht eine Kündigungsfrist von 60 Tagen vor. Im Falle der Kündigung' verpflichtet sich die Sowjetregierung/ dafür zu sorgen, /daß das gesamte Personal sowie das Inventar des Joint ungchmdert Rußland verlassen kann. . Der HmMktost i« der Mrame. Die ukrainische. Regierung, hat eine S t a t i st i k der. Hungeropfer in der Ukraine im Jahre 1921 veröffentlicht. In. dem genannten Jahre'sind in der Ukrarrw 126.000. Personen Hungers gestorben. 1 Million Erwachsene und 800.000 Kinder in der Ukraine sind noch gegemvärtig hilfs bedürftig. .Unter den vielen tausenden in den Mischen Kmdcrhelmen in der Ukraine untergebrachten Waisen Nürd gegenwärtig eine. Umfrage Veranstalter, welche unter ihnen Verwandte in Amerika besitzen. Die Enqüet: bezweckt, die Personen ausfindig zu machen, die den Kindern in der Ueberführrmg nach Amerika rrnd sonst ^behilflich sein könnten. Es wird eine besondere Aktion m AmeMr projektterr, die die Adoptierung der ukrainischen Waisen durch amerikanische Frmnde und Bevtvandte in Amerika in die Wche leiten soll. Der HMger in der KÜm. Das Gebiet der. Halbinsel Krün ist .yeuechin^s,. von einer fchweven HuNgert'rrsrZl betroffen tvorderr.! Unter den'Folgen der Hrmgersrwt leidet.'die Halste der; gesamten Bevölkerung. Die Regierung hat bloß .0,25 Millimren' Pud Getreide für Hilfszwecke zur ' Verfügung \ stellen können. - .■;, ■. II., TaborstraSe 48 TeBephOH 47^-7® Ew gffos Ew d^tat. ReWMer aus Wlien.? Bon Liibwig Bato.. l. Die Fahrt yach dem Süden. — Bettedig. , Hinaus aus -dem naßkalten, nebligen» winterlichen Wien, nach -sonnigen Süden! Schnauberw und-pustend wst der Zug durch die finstere Rqcht, die nur durch die Ser der Bahnstrecke erhellt wird/Schnee liegt auf den er», gespenstevhaft schimmern im Dunkeln die -weißen en der'Alpen. Der Zug ist halb leer; die Aköglichkeit, venr südlichen Nachbar einen Besuch abzustatten, ist den Meisten genommen. Mit vnrom japanischen Diploruakn teile PE mein Aibteil. 'der sich im Diai in seiner Hemmt emgeschifft hat, um eijre Reise um vre Welt zu -unternehmen. Sie gcht .rmn zu. Ende und er kehrt'jetzt über Italien und Aegyptesi-in das geheitmusvolle Japan zurück. Das obligate .Lächeln lagert ständig auf seinem Antlitz, das mir — vielleicht ist «es nUr em Bomlirteil —- Iveuig offenherzig und tobt eine rätselhafte Maske erscheürk. Tavvisio! Italienische Grenze. .Der Friedensvertrag, Kvr di« Grenzen Italiens in das. Herz Kärrrtens vortrug, Ädrnwchte es nicht, .der-Landschaft einen südlichen Anstrich zu verleihen. .Schnee auf den -Hängen, charakteristische deutsche 'Mpenhäusor rm Tale. Was an den Süden Lvinnert, sirch -die rmpoleorchaften Kavabineri rurd die ZMvächter mit ihren Florentiner Iägerhüten. Dann gchW WfiÄer, - iurmer dasselbe Bild, X£rft . nach der ehemaligen .^eichsgwnze,- älls dtzr Zug bei Ponlafel in Benezirn eintvüt, ändert sich allmählich das Bölp. Und nun verschimndst die Gegenwart, die Seele kchrt m eiM naheliegende und doch so Unsäglich grauenvolle Besga.ng!enhrizurück. Jeder - Fußstapftn. der G^^-'«vi>NMrt.-Mr.- -an-, den Krieg. Sorgfältig bestellte Felder, reiche, gepflegt Obstgärton, neue und-ün Bau befiMiche schlllucke Häuser säunreir den Mg ein, und doch begegnest du auf Schritt imo Tritt, den Spuren mörderischer Waffen. Hier ein großes, tkfes Loch im Erdboden, dopt vagen die .rußigen 'Mauern eines - eingeäscherten. HÄffes mpofnu .. '; Min«: .das Hauiquartier der Mlhsuischm Armee, MchM^-des.woMchsMien Cadorm. Beim Shchlick des altertümlich aMNutenden Stadtbildes gehen »reine Gedanken von der. jüngsten Vergangenheit in alte, alt« Zeiten zurück. . Eine .starke jüdische Siedlung blichte in diesem Orte, aus Hem um die'Mitte des 16. Jahrhunbrrrs Doktor Schelomo Aschkoimsi seinen Aus-- gcrng nahm, um emiM Iähre später der Leibarzt des großen Sultans Selim 7(^sem Ruhm möge erhöht werden!") und durch das Vertrauen seines Herrn ejner der mächtigsten und einflüßreichsten Diplonraterr seiner Zeit zu werden, der der Türkei großen Nutzen brachte «mib .MeruiemÄs verisärnnte, in dien verschiedensten Europäischen Ländern zuglmffcctt seiner bedrängten Brüder ernzu-Freifen. Nock?eüunäl nmßte ich -wühvend rneines jüMten Aufenthaltes in Jtalickr seiner gÄreicken, als ich vmr Freunden «in im Jahve 1574 in Venedig erschionenes Exemplar, des jüdischen . Kodex „Schuilchan Ar.uch" erhielt. Am SWch'e des Buches dankt nach danmligLr Sitte der frvnwrr BuchdmcLr.seinem Schöpfer, Dnß er ihrr die BeendiAmg des Druckes habe erleben lassen. diesen Tagen — heißt vs weiter — -^befindet sich hier der Fürst wkf der bevschmte Arzt Schelomo den Nathan ^lschkenasi aus ber -heiligen lÄLmeinde Udüre-, Gesandter^ des - gwßen Königs Sultan Selim bei der hohen ReprM'ck Venedig, dein hi^r die Herrscher Ehren an-iate», wie sie rrnsere Väter nicht gefächen und.sie seit der Zevstorrmg unseres Heiligtums einem Juden nicht mehr widerfuhren." Mit dem Wunsche, daß „wir bald das Komnren des Maschiachs erleben mögen, Amen!" schließt das Sprüchlein. Es -laßt sich denkeü, daß die .Herren Patrizier m Venedig, die gerade daran gingen, die' Jchen zu vertreiben, nicht mit vollem .Herzen dabvi rvaren,' als sie dein Gssandten Aschkenasi große Ehren zu erweisen -besmßigt warem ' - . Der Zug saust weiter, bald verla^gsaurt er schach die Fahrt. Wir ÄsfinÄen -uus Ms einer Brück! über.einsm endlosen Flußbett vockr Schotter, W vollständig trocken dalihgt. Im HmterylLnde winken die.Julischen Alpen, deren schneebcheckte Spitzen uns. darüber belehwn,. daß es zur Zeit der SchueeschntAze hier, .lvohl anders zugehen mag. Davan haben auch die «n Tale kämpfenden Soldaten glau-" den miissem.Es ist der Taglismenw! Und noch zweimal, dasselbe BW: 'Livenzo und Piave. Auch die Namen der StWe, die-wir passiexen,' erfteueu. sich' m "Hen Ländern dev'ehv-- MckigM' ^Monarchie' allgerneinex B^kamrtheii: das schoue, dyn Aypvesien tWschafteie, stolze' Gemona am BeMhaüg (du lieber Gott, da war doch mrno dazumal ein guter Freund. Bahnhofkommandaut!) und tiefer imten im lieblichen 3xite: Csnegliano, ebenfalls sehr gut bekarmt aus den Generalstabsberichten, aber/auch aus der jüdischen Keschichte. Es rvar die'Vaterstadt eines .anderen Wischen Diploniateu uM Arztes, Dr. Israel Conegliano, der ebenso wie sein Laichs-, mann Aschkcrrasi,, ür türkischen Diensten stand. Das Mteil wird' 'inzwischen lebendiger. In Villach steigt «in junger/Italiener ein, inr Knopfloch em rot--weiß-' grünes Äbz-eichen, Ar desien Mitte der „sasciv" abgöblldet erscheint.-Es ist dies der altrömischr Fasees, der mich au die ftlige GhnmasWstenzeit-eriU'Nert. Unter den spärlichen Resten einstigen, kateinischsn Wisserrs hat sich zum. Glück noch di« Kenntnis von diesem FaSces erhalten, einem bei den Rö» m-ern üblichen Rutenbündel, nitt cfotcnx Beil in der Mitte, das von den Liktoren den Königen und ssuiter den Konsulen vovangetrngen wurde. Dieses „Jxscio", das italienisch auch ■ Verband, Bund bedeutet, hat Benito.Mussolini.—vielleicht auch -in Eri-rm-ern-ug an den Umstand, daß es seinerzeit als' Zeichen bei Gsivvlt über Leben und Tod galt —zum Numen und Synxbol der von ihm ins Le'ben gerufenen Belvegrmg «vkoren.' Der junge Faszist liest eifrig in: „Pvpolo d'Jtalm", das .nuter dem Titel' in Riesenlettern die Auf' schrift trägt:-'^Gegründet von Benito -AcussÄmi." In dieser Tageszeimu-g hat der heutige -Ehef des italienischen Kabinetts nach A-uÄüruch des Weltkrieges Tag für Tag eindring-« licher und entschiedener, von/der lombardischen Schwerindlvftrie.auss tatkräftigste,uMMitzt, Hie Teilxrcchme Italiener' dem Waflengmrge >der Völker gefordert. Ich schiele hi-n- Äber und sehe gwße' ArMM'GÄschrifteir, wie: „Attßexovdeniliche Rührigkeit dos' MimsterprästdLN'ten^,' wie ruau sie früher rmr in den italienischen Witzblättern fand. Außer dem Jünger Menssolims rst noch ein Wisches.Ehepaar amK Bielitz da, das sich m einem etwas vorgerückten Alter eine Italien-- reise vergönnt, unN ein schwedischer Herr mit semrr Dann'-. Die Bielitzcr sehnest sichin bewegten Worten /nach denx lÄteu. Oesterreich zurück, dessen Zerfall sic nicht Veüvrnden können. Der schwedische Herr, deffen Lebendgewicht ich auf 110 bis 120 Kilogramm schätze, Mrt.nach. Venedig.Md von.dprt nach Sau Reuw und gesteht offercherzig, von' Italien keine Ahnung M habest: Bollblntthpus -des -neuen, Reichen, der aber nickt urrshmpathisch wirft.- Nur der -Gedanke -stimmt

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