Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1399 (4.1.1923)
- Date
- 1923-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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mi'± 'Men, Donnerstag Wiener MorsenzeitnnL. 4.»«IM <•-• y -«-.,- , 'jau 7 'ÜW'. -WÄ» Wienei* PelzMiapenmprkt Breitfeld & Lander, Wien, i.KI. - KSn V^i^»«AOU fassten a Garantiekomitee, das nach Berlin verlegt werden soll, sowie Maßnahmen der deutschen Regierung, wie Stabilisierung der Märk, Ordnung des Budgets, Kontrolle der Reichsbank, die nicht mehr Schatzscheine ausgeben dürfe. All dies soll durch Gesetz- und Verwaltungsmaßnahmen sestgelegt werden, deren Einbringung und Durchführung durch das. Garantiekomitee überwacht werden soll. Dabei erklärt Frankreich, daß es nicht auf seinen Anteil an der Reparationssumme verzichten könne, wenigstens nicht, soweit die Serien A und B in Frage -kommen, und bringt in seinem Memorandum das schärfste Mißtrauen gegenüber Deutschland zum Ausdruck. . , Zer belgische König in Paris. Paris, 3. -Jänner. (Havas.) Der König von Belgien, der irr Begleitung seiner beiden Sohne seit einigen Tagen inkognito in Frankreich weilt, stattete heute vormittags dem Präsidenten Millerand einen Besuch ab. Er hatte hierauf mit dem Ministerpräsidenten Poincare eine Unterredung betreffend den britischen Reparationsplan und reiste mittags nach Brüssel zurück. Tagesbericht. Ae FmerLestaitungsordimag. " GPern wurde im gememderätlichen Ausschuß 3 die Fsu« er-oesiattunHsordnung und der Tarif, der anläßlich -dsr Ferrerbhstat-tung cm die Geme-ncke §u entrichten ist, beraten und mit drrr Stimmen der Mehvheüsparteien beschlossen. Die Ehi-istlichsozialen gaben die tzrimzitzielle ErAärung ab, daß sie auf chvem aAchnendeu Standpunkt verharren müssen, da nach chrer Weirrung die Gemeinde reicht berechtigt sei, bei dem gegrenwärtigen Sta-nde der GeftMSung eim Feuerhalle $u Äetrsiben. - ■ ‘ Dem Ausschuß lag ein gegerrüber dem MagistratseMvurf irvsof-erne geänderter Antrag vor, als «n §-1 die DÄ^ache, Äütz cs sich nur um -eine stckulbatwe -Äber nicht um eine M-igatorische FcuerbsstÄtung handelt, prazis-rr MM - Ausdruck gebracht wurde. - Dse^e Aenderung besteht daviu, daß die- EMäscherung vorgenommLn werden darf, wenn rvachgewiesen wird, daß sich der Verstorbene die EinSschevuing seines Leichnams , nicht ver-' boten hat, ferner, wenn längstens binnen 24 Sürnden nach dem Ableben der Mchtgeschiedene oder getrennte Ghvgatte oder ein Verwandter m mrs- oder MioigeNder Lime decken Gnspvuch erhebt, _es wäre denn, Haß der BersiochyreAnre. WräHuauck nachweisbar gewünscht hat ödet MWd OMs KsHendÄbxMtmngsdoveMs gewesen ist. - Den Bedenken strafrechtlicher Natur wuÄe ÄqoßeMe Rechnun-Z gÄragen, ms die Emäscherunig von Leichen; die gevichtlich oder sarmtätspoliMich obdirziert wurden, überdies nur Mlassig ist, wenn der Obduzent dagegen SeE Einwendung erhobt. Ferner wurde in die FMeÄestattungsorÄmrng auM- »umMSu, daß dir Dewillitzüng Mn Zutritt in die Beo» brennungsräume einem Vertreter der Verwandten über Wunsch bewilligt rverden muß. Endlich wurde noch, -die BsstrnrinunH im MagssträtSr»^- wurf gestrichen, die die ausmchmsweise Ausfolgung der Aschenkapssl an die Partei vorgesehen hat. Di: Vorlage gelangt am Fveitag in den StÄrffemtt mck wird in der nächsten Woche den Gsm-eiNdsrat beschäftigen. M WMgudeA im ZienstL des AMemMs««« Wir hier bereits gamelDet .wurde, ist in Brody die Mär-e aufzÄcmcht, einer Diensttnagd fei in eineck bestimmreu, einem Inden gehörigen Hause die Mutier Gotte? erschienen.. Die R-o z wo j hetze» 'bemächtigten sich alsbald der ÄttMi-Lgerchei-t, um sie für ihre Zwecke auszunützen und' ik ‘etvanijicäMm iim Reihe antiftmitifcher Bersammlungcn, bei welchen die gewaltsame Vertreibung der Juden aus- 'dem Wnndechaust gefordert 'wurde. Hiezu schreibt' uns nufer Lem'öerger Korrespondent: Es stellt sich allmählich heraus, daß die Wundergeschicht: in Bnody weniger Äigiosen als vielmehr anttsemilisch-ökorw-mischen Untergrund hatte. Die Rozwoj-Organistllwn scheint den AbergkrubTN der niedrigstM Volksschichten zu vLnp Zwecke ausgenützt M -haben, um durch gswattsawe .Inanspruchnahme des einem jüdischen Bürger gehörenden .'MiusLs für kirchliche Zwecke. Wer Zwanzig jüdische Kaufteüte ■ß ouiLiguen und auf diese Weise bwtws zu rnachen. Die nußgebeniden Kreise scheinen aber emgefeihen zu habendaß die Smhe zu dick Staub auftvivbeln konnte und -haben den RozwojhetzeLN ein wenig abgÄvinkt. . Rolülbe-ne. hat der -wegen ferner lrbera-len Gesinnung brannte, in den Traditionen früherer Zeiten, fühveüde Slaoipfarrer Kraus ansdvüMch - erklärt, er werde - eine ur cineur geraubtem Hause errichtete Kapelle , nicht emwrrherr. Auch verlautet, daß der Änberger Erzbischof B ibc z c w s i i einer Deputation aus Bwdh, die ihn UM Um terstützu-ng in dieser Angolegenheit ersuch^, eine nicht schr gnädige Antwort erteilt habe. Es ist abzuwarten, wie sich L:e ZculrülbehöiÄen zu dieser, mittelalterliche Formen <m- «chnirnden .Hetze vechalten wsrden. . Nachdruck verboten, H SriMrunM eines jüdischen L Handwerkers. Lsn Heinz Hrnnan». Herr Selenik fragte mich, welche Spräche soeben gesprochen. Ich sagte' es ihm, und wie ich überrasche sei, daß die Herren ihre Heimat verleugnen, da sie doch keineswegs Franzosen seien. Jetzt sind sie.es, erwiderte dieser, weil sie schon seit 1867 hier sind. Das'sittd Leute von den österreichischen Militärmnsikeu, , die zur Ausstellung - von damals hierher ckamen und infolge der MusikeÄonkurrenz des Kaisers Napoleon für die Garde des Kaisers engütziert wurden. Ich dankte Herrn Selenik für seine Führung; er versprach mir, sich mit Herrn Fall direkt in Verbindung zu setzen; erst viel später erfuhr ich, daß auch er der Sohn eines tschechischen Musikers war. Die Fahrt nach meinen Geburtsort Proßnitz, wohin meine Eltern wieder übersiedelt waren, legte ich ohne Aufenthalt zurück. Das Wiedersehen war ttief bewegt; alles hatte sich an mir verändert, selbst meine Stimme. ^Sie konnten sich, so stolz sie auf mich waren, nicht mtt meiner Wiederkehr freuen, wenn sie an deren Ursache' dachten und an die Greuel, die man vom bosnischen Kriegsschauplatz erzählte. Ich war kaum zwei Tage bei meinen Eltern, als uns unser Polizennspektor Schnabel besuchte und mich * anherrschte, ich müsse sofort nach Olmütz zur Assentierung. .Sofort begab ich mich zur Bahn. Meine Mutter ließ es sich nicht nehmen, mich auf dieser Fahrt, die nur eine halbe Stunde dauerte, zm bpgleitm, .tämit sie aus erster Quelle die Entscheidung e^ahtt.' Nöch hoffte sie, däß der Pariser Arzt Recht behalten werde. Sie wartete, vor der Tür, als ich um 8 Ühr morgens Hot die KommiffioU in der Franz Josefs-Kaserne in Olmütz trat. Es war eine Nächassentierung für etwa Zwanzig Personen, die aus dem Ausland gekommen rvaren. „Aan häb'ns schon", rief den Wartenden ein Männ zu, „an Pariser. Jetzt darf er kane Lackschuh mehr tragen, jetzt haßt's schwarze Treter änzieh'n." Meine Muttetz erkundigte sich bei deck rohen Gesellen nach dem Namen, des „BckhMenen". „Na, ä JiÜ>, der aus Paris ku'mma is". M MannschästsziMMer, in dem die Äffentieruttg scktkfaNd, war Oberst Käreis von Kareis, Haupttnann Pcibst, Feldwebel Pelikan' und Regimentsarzt Dr. Lust. Der Oberstleutnant hielt , ein Schriftstück Mit dem Staatswappen m der Hand, dessen ParisG-.Whrnst.-Zch. sofort. Vermutete. Er M laut'aus dieseck' Prötokoll W, daß ich von der AssentkomMission der Botschast in Päris taüglich befurchen worden war, daß aber der Regimentsarzt Doktor Wertheim anderer Meinung gewesen wär. Ich wurde befragt, ob ich düs Schreiben verständen habe. Nachdem ich dies bejaht, sagte der Oberst: Jetzt Werden wir uns überzeugen, ob die Herren in Paris korrekt vorgegangen sind. Der Regimentsarzt stellte mich unter das Maß (170), rief dem Feldwebel zu 185, kräftig und gesund, tauglich. Was sagen Sie jetzt, rief der Oberst, mir scheint, den Doktor Wertheimer hat jemand bestochen, der Sie losschwindeln wollte. Ausgeschlossen, beteuerte ich dem Oberstleutnant, der mir eröffnete, ich werde, gleich beeidet werden. RekrutenM. Da ich warten mutzte, bis alle dreißig Nachzügler abgefertigt waren, ging ich inzwischen zur Mutter hmaus. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, auch als die Leute sich unaufhörlich über, sie lustig machten. Ich verstand aber den Schmerz der armen Frau. Ich hatte meine Eltern in letzter Zeit tatkräftig unterstützt, und dann — , es war das 54. Infanterie-Regiment, dem ich zugeteilt war; in Bosnien arg mitgenommen worden, die Neueingeteilten mußten die Lücken.vor dem Feinde ausfüllen. Nach Mlegung des Fahneneides durfte ich mich entfernen. ' r^ldwebel Weiß riet mir, schon früher einzurücken, damit ich am 1. Oktober mtt der Rekrutenabrichtung vollständig fertig sei. Feldwebel Fritz Husserl wollte mich für die Kanzlei zurückbehalten, aber ich wollte nicht, daß man mir Feigheit vorwerfe; ich wollte kein „Tachenierer" sein. Ich folgte dem Rat von Weiß und meldete mich sofort' zum Dienst, um-die Abrichtungszeit so schnell als möglich hinter mit zu haben. Weiß gab'Mir die Möniür und nahm meine ZiviMAüng im Empfang. Aus Anchß der jüdischen. Feiertage bekam ich ftei und dürfte auch schon in Uniform aüsge'htzN. Im weißen WaffeNröck paradierte ich bei meinen MlävaNdten in Olmütz. ' Glücklicherweise hatte ich tzinen sehr'braven Abrichter, Zugsführer Riedl, später Kassier der FShrkürtenauSgabe des Wiener Nördbahtthofes. - Er behändelte mich sehr gut; am Tage, da'alles eimücken mußte, war ich bereits ausgebildet. Am 15. Dezeckber sollM wir mäch: deck Okkttpationtzsgebiet befördert werden. Zwei Tage ' Vorher besichtigte unser Divisionär, General Dumoülins, den Nachschüb. Er ging voll' einem Mrnnschasts^ zickcker zück' anderen, ließ'die Mannschaft antteteü und fragte jeden nach NämeN, Beruf, Borbildung. Er-wär vom ganzen'Offiziersstab begleitet. Ich nreldete mich: Heinz Hermann, Dekorateur. „Wo haben Sie gearbeitet?" ist > seine Frage. „In Paris." „Sprechen Sie französisch?" ^Jawohl, Herr General." Der, verwunderte General ftagtt nun meinen Kompagniechef, Oberleutnant Pdbst, ob lch auch grobe Arbeit mach«. Verlegen gab der Oberlcuinaw ' die Frage an den Feldwebel, dieser an den Zugsführer weiter, bis die bejahende Antwort kam. Jetzt sprach der General laut seinen Tadel aus, daß kein Unterschied gemacht werde; zur groben Arbeit seien genug Geeignete da, es fehle aber sehr an Unteroffizieren mit Intelligenz.-Hier^ auf wurde ich zum Avancement vorgeschlagen. Am anderen Tage wollte der General dem Exerzieren der Rekruten beiwohnen. Um 6 Uhr früh standen wir schon in Rech und Glied am Exerzierplatz; Erst um 8 Uhr erschien der Dv visionär, kommandierte: Doppelreihen, rechts um! AlleL stob auseinander, das Unglück war geschehen, - Die Xtittci =* offiziere hatten vergessen, die Züge in Rotten einzuteilen, und so entstand ein Wirrwarr. Die Offiziere wurden zur Verantwortung gezogen, gaben den Unteroffizieren die Schuld, diese ließen ihren Zorn an uns aus und ließen uns bis zur Bewußtlosigkeit Nachexerzieren und wir. wurden wegen dieses Blödsinnes buchstäblich gemartert. Emigc Tage mußten wir uns dieses Manöver gefallen lassen, daun wurden wir nach Bosnien abtransportiert. Am selber^ Tage langten 4000 Kriegsgefangene, Insurgenten und gulän türkische Truppen, in Olmütz an.. Das Au-ffchen war ungeheuer und die von Schmutz starrenden Truppen erregten einen unausstehlichen Gestank. Am Bahnhof verabschiedeten sich meine Eltern und meine ältere Schwefle, von mir, die in Olmütz bei Verwandten in Stellung war. Man sah nichts als Militär. Wir dampften erst um 11 Uhr nachts ab. In Prerau, wo wir eine Stunde Aufenthalt hatten, beschenkte mich der Bahnhofvestaurateur, Her, Löwonrosvn, reichlich mtt Geld, und Lebensmttteln, aber a§ dies wurde mir auf der Fahrt gestohlen. Um 2 Uhr war der Zug in Wien, wo wir im Traust porthause am Heuckarkt untergebracht und „abgespeist" wu-vden; dämr ging äs weiter nach Esftg; in Bukolvar mußte der Züg wegen eines furchtbaren Hochwassers, das die Weitersahrt verhinderte, aufgehalten werden. Durch du starke, vorzeitige Schneeschmelze war ganz Slawonien heimgesucht. Wälder und Felder standen unter Wasser, der zerstörte Bahnkörper drohte jeden Moment einzusinkew Mr blieben bis März in den Viehwagen einquartiert. Endlich konnten w'rr bis Ess-eg fahven. MV 11 mm M£M Me septzardvchen Juden und der Kcrirn'HMöd. tt Aus London meldet I. C. B.: Die Pröpagatldareist Dr. B e n z i o.n s für den Keren Hajessod in den Länderii des nahen O st e n s hat sehr gute Resultate MvaM Alle sephrrdischen Gemeinden in den Orientländern bezeugten Hre Synchathven für Äe. Institution des äkerer Hajessod und übernahmen es als Pflicht, die Arbeit für den Keren Hajessod selbständig fortzuführen. Ein sephardi. scher Jude hat in seinem Testament dem Keren Hajessod 30.000 Pfund vermacht. ' ., , , _ Amerika für den Keren Hajessod. Während der Monate September, Oktober und. No^ vember wurden vom amerikanischen Keren Hajessod 259.490,54 Dollar nach Palästina übersandt. Trotzdem diese Summe rm Vergleich zu derjenigen der korrespondierenden Monate sehr günstig ist, so muß doch festgest-ellj tverden, daß der amerikanische Keren Hajessod wahrend -des Novembers rmr einen Teil Vrs pro Monat bestimmten Mnimums rmch Palästina zu überweisen in der Lvgr tvar, weil zahlreiche Zeichner mit der Abführung, ihrer Beträge gezögert haben. Nur mit Mühe gelang es, der drohen- -den Krise in Palästina zu steuern, ganz besonders bezüglich der Schulen, deren Schließung drohte, was nur dadurch verhindert wurde, baß der Keren Hajessod Zeinen für diesen Zweck besonders bestimmten Betrag nach Palästina überwies. Die organisatorischen Ausgaben in Palästma wurde bedeutend engeschräckt; so wurdenvon Juli bis- November von för Zionistischen Exekutive 20 Beamte entlassen, wodurch eine monatliche Ersparnis von 400 Pstind erhielt wurde. Die administrativen Ausgaben in Palästina machen nun nur mehr 5,5 des Budgets aus. Das Hauptbuveau des Keren Hajessod für Amerika berichtet, daß nn Verlaufe per mit dem 30. November zu Ende gegangenen Woche 44.807 Dollar für den Keren , Hajessod emgegangeu sind, sonnt zusamimn lmt den frühe- "ren Summen 2.451.673,6 Dollar. Die neue grüße Kam-- pagne wird nicht vor Februar 1923 mtt voller Kraft ein* setzen. Dr. A. Ruppin hat in der New-Aorker „Tinres" eine Reihe von Artikeln über Palästina veröffentlicht und bereitet noch eine Reihe von illustrierten Artikeln vor, Dr. Ruppin, der sich bereits an zahlreiche Vereinigungen einflußreicher jüdischer "Gruppen gewendet And auch mtt Mrenden jüdischen Geschäftsleuten verhandelt hat, wird in Boston erwartet, von wo aus er nach Kanada gehe« wird. Die Anwesenheit Dr. Lev ins in Chicago in einer Reihe von Brrsammlungen und Besprechungen mit verschiedenen jüdischen Körperschaften ist günstig ausgenützj 1 worden.