Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1391 (24.12.1922)
- Date
- 1922-12-24
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Svnntag W Menfrage im VoMchW. Anton Kuh Mer die «euen Wischen Reichet. Anton Kotz, ritt Mschsv Litevat <ms d«N Äwife fter Äatl f SrtiuS-StööaWctt wider Willen, der «ine Wtrterte PorVtede für has. Panckox, Worte jongltenmid, -um Ausdruck bringt, htett Freitag ün mMeren Kvnzerchm»8s-cra.l« e-Msn Bvvtvag Mx '«Die Nvuen jüdischen ReÄhen". KrchS Versuche, «IS Nmwerter jOet Werte z» «schainerr, ein Besinnen, worin «r über dartMiniatuvfovmat rvicht hinaüKtzvlangt, findet man in diesom zBorboaig wieder,, der durch Paradoxien zu veEfftn suchte und -mit Wtzigen Bonmots reich gespickt war, ohne doch, in der Mralyse jüdischen Mesons zu irgend weftrillicheu ErgchmssLn .tommen zu können. Nach einleitenden, nicht mehr originellen Bchaupkungm. sÄbtt Lust und Geld ÄS -motvmsche Kräfte zeichnete der Vortragsche den Reichen altem SchliageS, der vor stimm Geldjfchvank Goethe und Bismarck a-ufgepflanzt und sich mÄ Schlag-!wvrten von Fortschritt «nd LibevaliSmuS drapiert hodL Der Mte Typus des Reiche« nach 1914 höbe bewiesen, dqß eine auSschkeßttche, Sachlichkeit, welche ohne Umschweife ihrom Ziele zustemrt, jener Attrappen «rtdehreu könne. Wer aus der Höhe sihreS Erfol-geS feSen die reuen Reichen ihwm Wege rmtreu geworden und hätten sich dar Ideal zngelegt, Ärch KoAmerzial- KÄe gu werden. Kuh zerpflückte Li« Borstellung vom Drückevergor und Schieber, eim moroüfiovende Wertung, welche -angesichts der allgemeinen Tendenzen der Zeit keine.Berechtigung lhckbe. .Der „Schieber" fei eine rnterSonstssionelle Erscheuumg; ^wgS.de« Mschon Schieber anlange, so sti dessen Weg zum Erstzüg «uL dom jüdisch«, „Tachtesgeist", der talmudischen Ratio- Mirsbck und dem allmächtige« mathsmatssch-logifchen Sinn im Judp» zu erklären, welcher allen „Schwindel" .als solchen M entlarven vermöge. So finde e§ eine natürliche Erklärung, daß — mach Kuh — die meiste« der jüdischen Großschiobertypen iRabbmerföhne. seien! Nach Kuh gibt es .zwei, jüdische EvscheirwnySformen: den „Shylock-Jküen" und den „Nalhcm-Judsn". i(Derr Monolog von den drei Ringen in LessmgS „RathM" wsmt er AechnachtSbeilage der Mauen Fr«en Presse".) Äk-er ave diese Thesen, mit Witz uNd Laune vorgelragen, bleiben an der Oberfläche dör Dinge haftsn. Jüdischem Wesen Lmn man mit kalter Witzigkeit allein wicht beikömnmr. und' überdies sicht der Literat Kuh mir die gewisse Schicht des entjudeten, Ämerlich unsicher gewordenen bourgeoisen GroßstM-Westjuden; den arbeitenden jüdischen Menschen, den im Een Tvaditwnshumus verwurzelten Jüden, die jüdische MystÄ und Expatck kermt er nicht oder will er nicht kennen. Anion Kuh ist gescheit und amüscmt, aber dem Mischen Problem sollte sich ein Jude nur mit Emst und Ehrfurcht nahen, selbst wenn tc es jum Paradox oder Zur Groteske gestalten will. a. f. Jeremias Kreutz' Rezept gü^sn die „Aeherlezenheit der Inden".; ' Im ,Mou-en Wiener TagbÄüt" fchrocht I. 2.: Der bekannte Schvrßsteller OberstMruäÄ a.'D. Jeremias Krelltz, der noch vor Barbusse den Mut aufgebracht, zwei Werke üb-er den Krieg lwahrend des 5drstges Zu vewfstnMchm („Die grohe Phrase" und „Die einfcmc Uammr"), hat den Kckilen Mut airssMbrachi, vor einer illustren, zirmeift aus-G-e ner'aleu hohen Staatsbeamten bestechen^-en Auhörorschaft un Kulturbünde l-iebgewordenen Vorurteilen «uigegenzrc-' iuim. Er formulierte die Frage: ,Mi-r wird man die IleZeriegeuhrit der Juden auf allen Gebieten Los'?" Kreutz unte-rschisd hierbei die pharaomsche „Vernnü- LiinasmethodL" und die babhlmri-sche ^Nutznirßungsmsthodt". ^cißenolge der einen, gute Erfolhr drr anderen 'töutden au T-vchlrercherr Beispielon der vergleichenden Bölkergeschichte darcrj;m. Je urehr jüdische' Kinder Pharao ertränke, desto zaMrtzrcher wuchsen fle*nach. Je mehr -JlLen die Inquisition ver- Äraniris, desto fester Wurde das Jr:deirtMN mr Glauben. Je mchr jüdische Ak^Eren von Römern geschlossen wurden, desto MlvSicher «Sffneten sich solche in Babylonien. Je mehr Tchi- Mit4'5äiche vskbranrrt wurden,' desto 'gieriges laS LlrHer E „Äcwöäla", Deren Einfluß aus die luthsrische BAi dis in 'Goethes „schrust" strahlte. Je mehr daS MjtÄätter die Juden vom vsfentlichen Leben ausschloß, desto Wissenschäftkicher wurden sie. Die modernste soziale ZurücksetzungÄmchede Hai d«en Zionismus geschaffen. Mit pcharaonischen Methoden, so meint Kreutz,'werde man die Neberkagercheit der Jwen riÄcht los. Um den angÄlrchen .Mrsprung" der Juden wirchrm <ch-! pfyrdiü, schlägt der Bortvagenden daS Mtel der Ko «n ivtnz 'vor. Konnivenz >nvache gleichwertig. Um die BsgMrngen ihver - jüdischen .Krieasgesangenen für Den vigrmn Staat auSzumitzen, halfen bobylon-ische Herrscher Misch« Ako-demsen gründerr. Die Glanzperiode deS Bichybonrfchen Reiches sei die Kvnn-ivench' pw'wdr zwischvrr B«ckylonö«l und Juden gewesen, die Glmiz-- ip-wiode der mauvischsn Zeit die Komrivenzperiodd der Mauren ^mi! dem alteren KulturvaK der Juden. Wois man gsmein^lich 'die „Usberlsyenheit" der J«dön nennt, fei gegeben durch rhvrn tausendjährigen ,Fulturvorspnnrg". Zn Zeiten, als die G«r° m-rnen die Runenschrift noch - nicht kannten, lasen bevsrtS Lee .Kinder der Juden die Bibel. Jedes Volk habe seine« gebotenen Geckns. Je rnehr BNEerkampowenten durch gute Konnivenz znssrnmeNschmelM, desto gwßer sxi die .Krafietefultcmte der Naiimr. Die angeborenen Eigenschaften Hree engi-isikM, deutschrn» holländischen, französischen, ÄÄimischm, spanischen» schwach-, vcj> rmd gelLrassigen Mtbürger schufen die Vebevlogenheit der amerikanische« Nation. %ti diessmWune, so ftihrte Kreutz «ls, wurde Einstei« zu emöm Ältivposten de» japanischen KuAnMenS, da» }& (gegen den ein Wotdplan in Deatjchländ wvrlag) dort durch BotkHnWil Sprache bereichere. Märe der Wwrdplon gegen Eit^teinS Deibe« ^lurigLn, so würde DeutfchÜnid in den Augen JäpanS Pttn MbMnvM him^bgesunken'feln. . . IwpUitatCiiiwB Aap^Rt^OMcii.f, nach 94, Dezeinher 1S28 Export SMWM-klMllMii; . . fl«d »llMÜlchsS 8870; tnatUlatio »Mtztlev» dn Staatonl ....: atehnta.- ,i Der bekannte Afftzrivkoge Prof. Friedrich Delitzsch ist itt Deutschland im- 72. LsbenSjahve geswrbem. •, Delitzsch wurde in jungen Jähren Professor für semitische Sprache uuür Assydiologi-e an der Universität Leipzig «üd wibkt« später m der gleichen Gigewschaft «n den Hochschulen von Bre»° Lau und Berlin. Delitzsch H«t «ckf dem Gebiete der AfsyMlogte verschiedene Merte verfaßt und^ namentlich die Koilschvist- /erfovschung gefördert, ferner eine Geschichte Babyloniens und AssyteenZ, ein Werk über Hwb und eine Schrift „Wv Lag das Paradies" geschrieben. Einten werteren Kreise wurde Deliitzsch durch soiuen zuerst unter dem Protektorat WÄhelmS deS Zweiten gchcktenen mck später in Buchform erschtenemn^ Bortvag über ^Babel und Bibel" bokamtt, welch« eine Fülle von Entgegnungen hervorrief und die Gelrhrtenwelt bange'beschäftigte. In diesom unternahm Delitzsch denmißglückten Versuch, die jüdische GthK der BMl ihrer Originalität zu entkleiden' und sie l^rglich «LS Nachahmung der Lchren geLten zu lassrn. welche --ch m den Gesetzestafeln -des Hammvrabi vorf-inden. Die Widerleger der Thssen Delitzsch', welch Stztere van offen «wt versteckt Mischer Seite auf dte Fahne gehoben wlirden, konnte^ mÄ LsrchbvgteÄ rvschweifcn. wre wenig sich Delitzsch von rein wissonschaftlichen Gesichtspmckten loiten ließ und wie leichtfertig er in der Kritik gogobener Dcktfachen verfuhr. Dte aMjudische Tendenz, welche' alte wissenschaftliche Objektivität za ersticken drohte, der Geist eines engherzigen Nationalismus trat in Delitzsch' späteren Schriften immer unvechüllter hervor, und fein letzter Werk, „Die große Täuschung, Kritische Betrachtüngen zum alten Testamont", die hauptsächlich den Propheten und Psalmen gelten, hat vollaw 8 dm Charakter eines traiurige» Pamphlets. Geboren mir echtem, deutschem Hakenlkreu^evgeist» untevnmmrt er den Versuch, die Bibel zu diSkrÄrkveren, den Gott Israels, als ,>Scharrdgotzen", die Propheten als Narvrn hmzuftellen, und ampfte-hlt da» Alte Testament aus Schute lind — Kirche zu verbannen. Friedrich Delitzsch war der Sohn eines als Gelehrten rmd dorniehmm Dtttkers Keich -.'u Vaters. '' K«e UuwrrM. die lich vsr WrÄMm Mt Mcht-t. In Hmrnen 'ö^s'lRsktürS D 'dner »ft ein Schreiben, enkhalterch folgÄtde Resolution; emgelangt, die in der au» 89 Ländern bo» i schickten Oxforde^r ^int'ernätionalen Versammlung von studentischen DeWtzrten gefaßt MM: „Die Ozfvrder -mternatronole - DersamMlüng 'mßchte Hstze' tiefste ShmpHhle mte Oesterreich in seiest jetzigen unglücklichen und schwierigen''Lrge"zum Ausdruck bringen und ihre zuversichtliche Hoffnung,'^ daß die nächste Zätkünst den internationales guten Willen der Abhilfe stärken ryöge, so daß er mächtig genug würde, da§ Land von den grausamen und zermürbenden Bedingungen zu.befreien; gleschyMZ bring; die Versammlung ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, daß unter 39 Delegterten der Mitglieder kein Oe st er Lei cher vertreten war, eine Unterlassung,'di« baldmöglichst bchoben werden, sollte. Es besteht die Hoffmrng, daß Oesterreich' feine Studenten nach Oxford sende, um dort die GchLstMndschmr an der Universität zu genießen." In dem Begleitlchveiben wurde dem Wunsche Ausdruck Mgsben, bte Resolution mögltehst weitgehend den Studenten Porr Oesterreich zur Kenntnis zu bringen.?tzss»!«r HrMi?«qMcher. D«r -Welte Band. Der Mite Btznd von Lhwdor HerzlS Tage.bü.ch«rn erscheint, wie. uns der Jüdisch« Verlag, Berlin, NW. 7, Doroch L^traße 33, mitteilt, noch ,m Laufe des Monats Dezember In dem zweiten Band wird unter änderten über den erste», den zweiten nnd dritten Zioiristenkongreß, über Empfänge Staats'ekretär d. Butk'ir., d»m späteren Reichskanzler. bei dem damaligen Reichskanzler Fürst Hohenlohe und über Berhänidlungeu mit dem Wiener Botschafter Grafen Eulenbürg berichtet^ Er folgt dann enre außerovdterMch lebendige Schilderung der rtste» Audienz bei Wilhelm tem Zweiten in Konstantinopel, dann Auszeichnungen über die -reise nach PMsüna «nd. den 'ffizteNen . Empfang vor Jemsalem durch den deutschen Kaiser. Bon zronistrschem Jntevesse stnd die Auszeichnung über die Äriirchung der Jüdischen Monial'bab^ M HHMuWn, über die. Äönipfe mtt den HeraüSHbeMl M-FH'ter'.Presse'-'..fptegelv'..dix und SchteievMiteh die ' - "'"WüeötePsstUen' ' unnridrhtW M Slächmrv'kraukungtn mid HalSent-Lu^nusr« Sj.«.. WfKtztLM; 4RRtf#pp0.3Y "TM&ük. v.. Alsühgc mOtä.». Kerzl zu ÜbevHimden . hatte, wiedx^i tzevzlß' AuWchnunge, Über die erste Hpager Friedenskonffretzz zvbgen unter aydetev die hereitS vanralS beginnende politische Jsoltevung Deutsch, ' landZ 'in der Wett. Die''MlreiWr UnterredunKn, die HerK mit dem WtMen üsteryeichffchech HinlstetpMhenten Msto, Koer beihalte, SWtgen bemeikenSwert« ÄuftchKsse 'W, ZterreiHWe Verhältnisse, Auch in neuen Audienzen ' deich Gvoßherzog Friedrich von Baden werden Her Mt« MM MgSstSe und Ereignisse berührs und di« MW erfolgten Mtteibimgen^ sind «och heute von Interesse. Geh, amüsant wich. W. erste Bekanntschaft HerzlS mit Professo, Hermann Dambery geschildert, der Herzl den Empfang durch Sultan Abdul Hamid vermittelte. Derzweite Band erscheint in der gleichen AllSstattnug und in denselben Ausgaben wte der erste. Ein Bild nach einem bisher fast unbekannten Oelgemälde des in den Dagebüchex» <»r«Shntrn Makers Koppr; i« farbiger, orrginqsgeirener Wiedergabe ist dem Bande beigegeben, -MS Grundzahl für den Preis des broschierten Exenchlsr- «st A M.. für die in Ganzleinen gebunden« Ausgabe . Ä E festgesetzt. Dich Grundzahl ist mit der SchlüssÄM Mdie Werke deS Jüdischen Verlages, die. zur Zeit 300 beträgt, zu multiplizieren. . VMsekkled. Don Leopold Kompcht. , , DichS aus dem Jahre 1888 stvmmsnS« GMK KomchrtS, dessen M. Geburtstag im Mai dich» JahveS gefeiert wurde, schvint uuS deMostchig/«» ftin. W zetet, wte auch im Herzen. Metz Borkämtzfers der Judenemanzipation die Schnsucht mch PoWma, nach erdgewachftmern Ddsschch B<mevütm» glühte. Sink, gdldgeS Korrt! in die schwarz« Scholle Und .steig' hervor als volle - , Gesegnet« Achvewast! ' - Alw wen du in hem warme» Gtdreich mit zarten Atertete Die Dürztekn geborgen -hast --- ' Mch'. goldnes Komt! ' -' Sink*, goLneS Kornk Mein Dator war Mn Bauer. ' Am Wirtes Hanfes Mauer Gäh* et ganz «wer« GM. -yf; Ich hV* däs Roß vSgtewt, 'f Das w dde yurch« teat.^- Blüh'. goldnes Kam»! f . SWk, gowneS Komik "v'; V , ’ 'fe FMM «ch gemahnch: VS hftüHen meine Mne» Im Äuwe Kanaan! < . . Äm KÄtec «md mn DttMyr, Bon Beevsobä SiS Daa! Blüh', gvllmeS Korn! SE, goldneS Kornl , Einst schäumt' im «ü0tmt Becher Dem pÄästw'schm Zecher Der Rebe feurig Naß! , ■* " Äer Bode« war srm cklgm. Wie scholl vom EmterLigeqr Die Höhe ErlboaS! —- •, goldneS Körnl goldnes Kom! . Nun ist das Land gestörte«. H un ist der Wem verdmche«, Im trocken , zerrissenen Schiwuch! Die Hand,, die immer kvamet, Die . Hand ist mrS erlahmet, . Berührt von grft'gem Hauch. — Blüh', gownes Korn! Sink', goMeS Korn!' Der Enkel nulß euch pre'rsen, Sirch Ahnen, euch die WeiM, Ihr Schläfer, daß ihr teil Er, der asS Knecht gewandelt, Sr baut mcht — er erhandckt Gottes gesegnet Brot! -— goldneS Korn! - Sink', goldn-eS Komi Doch gcht «in frisches Wehen, Ein Hasten und Erfichm Durch die weite, weite Welt! Dis Hand, die nicht mehr market, Dis Hand ist mir erftarketf Mein Acker ist bestellt. -- Muh', goldnes Korn! Svnk',,Mldn«S Korn! Sink' in die. schwarze Scholle Und steig hervor als volle, Gesegnet« Ashmrwst!- Und wemt du in dem warmen Grdveich mit zarten Armen Die Würzlein geborgen Haft — Korn!