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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-24 · Heft 1391 (24.12.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1391 (24.12.1922)
Date
1922-12-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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-Seite 6 Wien-Sonntag- Nr. 1391 Änhäriglichkeit <m den Gedanken des Nasserrschutzes angespornt wurden, wir wissen auch, daß die Re-g'vevung zur Deckung solcher Kosten kein Geld -hatte, denn es ist doch ganz klar, daß es mit der sittlichen -Auffassung der Regiemuß unvereinbar ist, Wurden für Geld zu verkaufen. Aber rvir können es auch nicht glauben, daß in Ungarn sich auch nur c i n Jude finden könnte, der, weil es seiner: Eitelkeit schmeichelt, fähig wäre, Me zu rmterstützen, die offen und iverHiimt gegen das Jrrdenürnr Vorgehen. Und verstehen wir es, daß unter nornralelt Verhältnissen ein mit entsprecheirdein Nachdruck cchsamrnelnder Zigeuner auch von solchen einen Obolus bekommt, die sonst keine Freunde der -Zi-acunermmsik sind, damr nrüssen wir es auch 'begreifen, daß wir unter der: Fremrden der ungarischen Hochschulen neben Len begeisterten Aposteln 'des Numerus clarrfuS den ersten Wischen Namen des Lcmdes begegnen. Binders steht die Sache -bei den Auszeichnamgen. Diese werden nicht ohneweiters ins Haus zugostellt, sondern nrarr pflegt döe Betreff-eden erst zu befragen, ob sie ihrem -Geschmacke entsprechen, llnd da erscheint es unmöglich, daß wenn diese Auszeichmrngen Geldpreise haben urrd dieses Geld zur Förderung einer fudenseiMichen PolM benützt wird, sich ein Jude findet, der eine solche Würde annehmen konnte, selbst dann, Ivann die ungarische Krone in Zürich die Verdächtigung der christlichen Presse, durch welche sie nicht rmr gegen den guten Ruf Ungarns sündigt, sondern auch j&te Irrderr verdächtigt, die wir gerne als die ersten betrachten möchten, die aber lvahrhaftig die alle Armen sind, wenn sie wirklich für Geld Auszeichnungen gekauft haben.- Eene Mische 8ti»«e in der National- , Versammlung. Aus Budapest wird uns geschrieben: Im Laufe der DÄaite über das Budgetprovisorium ergriff auch -das jüdische DÄtglied der Demokratischen Partei Abgeordrreter Fabian dos Mort. Er nahm die Jndenfrage zum Ausgangspunkt seiner Erörterungen. Er ging von der These aus, daß es für Ungarn heute nur eine Art nationaler Agitation geben könne, die Propaganda der ungarischen Einheit. Ein Volk, das so schwach au Zahl ist, wie das ungarische, vertrage keine Theorien, die die nationale Einheit erschüttern. Die Statistik des Abgeordneten Gömbös, die eine Unterscheidcmg zwischen Ungarn -und Uu.- garn voul Rasfenstcmdpunkie mrs einuehme, sei unstichhälii-g. Statistische Taten lassen sich für jeden Zweck finden und verwenden und in der Regel des Abgeordneten Gombos hat «§ sich um willkürlich cms dem Ganzen hercmsgerrsieue Daten gehandelt. Was den Anteil der Inden au dem Blutverlust des Krieges betrifft, so toäre es ja sehr einfach, diese. Frage zu lösen. Man brauchte bloß alle Gemeirchenotäre anfzufordern, die Liste der gefällten jüdischen Soldaten vorzirlegen, rnd in ein-r W: che Lore die ganze Frage bereinigt. Redner halte aber -die ganze Sache nicht für wichtig, schon deshalb, weil der Papierstatistik m krrrzrr Zeit eine steinerne Statistik gegenüberstchen wiid: die GederrkktfcCrt, aus denen in allen jüdischen Tempeln die Ncmren der grsallenen jüdischen Mitglieder der betreffenden Gemeinen verewigt sein werden. Im übrigen habe die Regierung nicht inrnder den Inden gegenüber den Rassenstandpunkt eingenonrmeu. Es sei unmoralisch, im Auslande anders zu sprechen als zu Hause. In den Akten der Friedensverhandlungen befindet sich eine Robe der ungarischen Regierung, in welcher festgestellt wird, daß die Juden vom Rassengesichtspunkte aus keine?tassr. andern nur Ungarn seren. (Abgeordneter Horvath: In Paris sind-sie keine Rasse, in Hod -Mez 5 vajarhelch sind sie es. Abgeordneter Drozdy: Dienstag stinrnrt es, Mi-beoch nicht.) Mgeordneter Fabian fortsahrend: In-Paris wurden die Juden von der Zahl der Ungarn nicht in Abzug gebracht, hier aber erkundigt man sich in SteuerfatierungZ'bogen nach der Religion einer Aktiengesellschaft, und wenn sie eine solche nicht hat, nach dm d s Direktors derGesellschaft. Auch erkundigt man sich bei den pensionierten öffentlichen Beamten nach ihrer Rasse. Werm in einem Nachfolgestaat gegen Inden vorgegangen wird, so meldet die -ungarische Regierung Grausamkeiten gegen die Ungarn, hier aber weiten dieJudn; von A>nts wegen als Bürger Dossier Güte -behandelt. Ist das nicht ein verwerfliches Spiel? Redner beschäftigt sich dann niit den offiziellen Blättern der Regierung, besonders mit dem extrem antisemitischen Blatt „A Rep", gegen welches sogar die Regierung sMst Vorgehen nlußte, während sie diesem Blatte zu gleicher Zeit große Subventionen zukommeu läßt.. Diese Blätter machen mit ihr«« 2lntiseimtismn8 das verwerflichste Geschäft. So wies Fabian darauf hm, daß imNetz" auf der ersten Seite ein Leitartikel stand, der sich in schärfster Weise gegen die, Juden wendete, aus der letzten Seite jedoch Inserate /der Firma Josef Stern, des Juweliers Reumann, der Firma Josef Onarz und die bekannten Anzeigen der Firma Gutmann enthalten waren. (Abgeordneter Drozdy: Auch der Jude, Jer dort inseriert, steht a:rf keiner besonderen moralischen Höhe. — Abgeordneter H o r Val h: Die christlichen Blatter bedienen sich zur Anwerbung der Inserate jüdischer Agenten.) Abgeordneter Fabian schloß seine Rede mit -einer 51 r i ti f d e r G r r ichte und verlangte, daß die Verürochelr, die rm Wege der Presse begangen werden, strenge bestraft werden und daß die Regierung diesen Blättern, wenn sie sich -nicht uni den Aufreizungen id^-tisizicren will, die Subventionen ' entzrche. . Bor einer 8esemevol«tto« in GriecheklMd? Malis, 23. Dezember. (Reuter.) Nach avs Tl th e rr hierher geLaugten MeLLuttge» stehe Grrecheyksnd am Vorabend großer It it? u Xy c A. Es feien gewisse Anzeichen einer G e g e n r e v o l « t r o n vorhandsn, tzie sich nicht gegen Le« König, sondsrrr gegen die Militarrfteu wende. Die angesehensten RevoLutionäre solle« Grieche«- tand Verlassen. We AWaft des PaMes. Rom, 13,. DeZchchch. (Stvfani.) Der Prpst hat eme ' EnzhkLa ,,lPr SVM-o de;" erlassen, worin er die Nottvendigteit der WiederrmMchUmg und Pcrzisrzwvrmg der Ges-ellschaff betont. Der Papst gM seiner besonderen F-wude Ausdruck, daß bemache alle Volker fast eifersüchtig den Willen -bekundet haben, freundschaftliche Beziehungen mit - dem Heiligen Stuhl zu ürrteHLNen. Aber man sehe, daß . in diesem Verein der Völker Italien, sein teures Vaterland, fehle, das dou -Gott^als MittelPtmkL der gesamten christlichen Welt ausevwälhlt worden sei. Der Papst eruenert bei diesem Anlasse die ErAamngen feiner Vorgänger. Aegypten «»L Angora. - Aus London wich uns chevichtet: Wie Reuter M§ Ko'ira meldü, hat sich e-ine dreigliedrige Delegation der ext-rern-nai-io-, naKstischen Avghpter nach Angora begeben, um dort geMN jede Politik der Verhandlungen n-nd der Vevstärrdigung mit, EnMud Stellung zu rvehmen, währeivd es im vergangenen Mo«- nat geheißen habe, daß infolge der ^wrAilung des gewesenen Khedive in Lansemne eine BevständiiMlrrg zwischen den Nation rvalisbe-n und der Parte! Zaghlu'l Paschas zisitaube gekomn«n sei. Es sei mmnrehr zu einer SpaLtrrng zwischen toen ibekdeu Delegationen gedvanmen, roelche ans das ilntransigente Verhalt ten de-x Extremisten Kuvückzusühren sei. Znm Verstarldvis der Situation muß -davanf hingewicherr werden, daß zu Anfang Dezember das sin März «ach dveinrowai--, licher MMisterkvrse ernannte Ministerium Sarwat Pascha znrückgetreten ist. Sarivat Pascha hatte gegemrber den vevschiJ denen oppositionellen Gruppen, welche volle Urradhängisikeit fordern, einen schweren Standpunkt. Boson-ders sichlbar anachtc sich die OPPoMon der Extremisten hinter Zagh-lul, welcher sei-t den Unvu.hen des vorigen Jahves außerhalb des Landes interniert ist. Es scheint, daß die Vergeblichen Verstlche der Zaghl"». listen, seine FreiÄassnng zu -erwirken, ebenso die Ablehmmg.de^ Forde nrng nach Abschaffung der englischen -Kriegsgerichte und -schließlich der Gegensatz in der Frage des Sudan, den Rück--: tritt des Ministeriums Sartvat veranlaßt haben. Mährend^ nämlich Llegypteu die EiwbLzi>chnng des Sudan in das wtc' .Königreich Aegypten fordert, -ist England bisher nicht ibereit ge»- wesen, diesem Wunsche zu entsprechen. In der letztM Z-eit -h«-t! der König von Aegypten nach verschiedenen BlättermÄduiMU^ für die Exirvmisten Partei ergriffen Tewfik Pascha andre Spitze der Regierung bornfen, welcher als Zaghlillist cruge»! sehen wird. Da? Hervortreten des Königs, welches den letzten! Anstoß zum Rücktritt des Kabinetts Sarwa-t gegeben zu haben^ scheint, wird von der englischen Presse auf kemolistiiche^ Treibereien znrückgefi'chrt, D«» EtavisbUgerrecht der oftsaWchM MMer in Kanada. Die westukminrsche Preffeagentur Meldet ans Wcnm«, -peg: Die kanadische Regierung hat «im, Ernvevnchmen mit, der Regierung Gvoßhritanniens «rngeordnet, daß alle Kmrada wohnsnden Ukrainer aus Ostgalizien als Staats*- lbürger der Ententemächte zu betrachten fatb. Diejenigen^ die in ihren Dvffmrenten als polnische Staatsbürger einge-.- tragen sind, haben sich zwecks Vornahme einer Korvektirrj hei der Natrlralisation Bvanch iw Ottawa zu melden.- Die BerhetzMg. Aus Warschau -meldet I. C. B.r Aus der Specke -Lodz-Warschau übersiel em Trupp Soldatendie jüdischen Jahrgaste eines fahrenden Zuges. Als die Soldaten Mieue machten, mit ihren Sabeln den jüdischen . Fahrgästen dir Bärte äbzuschneiden, zog ein Reisender^di? - NoLLeme-rmd brachte den Zug zum Sichen, so daß die Sol-' Haien - vechastet werden konnten. -Die Bahnpolizei kannte^ . nicht^unchm,-mit dm jüdischen Misenderr wegen des Ziehens der Notleine ein Protokoll aufMn-ehmen. — Posen -; ist seit Tagen der Schauplatz au-tijüdischer Exzeße. Die . liLtionaldemokratrschen Studenten haben „Patrouillen^? bildet, -welche lbi-e Hotels cvbfuchen, die jüdischen Gäste uttß - handeln und siezwülgen, dre Stcidc mit dem nächsten Zug» zü verlassen. eines jscksn bewussten ckucksn ist es, 6sn Fehsksl zu kaufen u«cl dadurch seinen Willen zur Mitarbeit für unsere Heimstätte in Erez Israel kundzugeben »■; 'Jj! 1 009045

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