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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-20 · Heft 1387 (20.12.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1387 (20.12.1922)
Date
1922-12-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Das Stqats- ' Lepartement beschloß, vorlousig keine positiven Mitteilungen .Ätzer da§ Programm -es Präsidenten Hartzmg bekanntzuigeben, da es auf dem Sländpmrtt stcht, dag zwrs'brn der Dimdesregrcrung und den alliierten Mächtenerst eine Prinzipielle Verständigung erzielt werden müsse, bevor das ameri« skamsche Protzramm öffentlich -Mutiert werden könne. Der Gedankenaustausch mit London rmd Paris über. die* ameri- ' ckanijche Anleihe für Deutschland ist bereits im vollen Gange. Ter Pariser Botschafter Harris hat vom Staats > depariemeirt eingehende Justrukttsnen und Aufklärungen er- . halten, die jetzt GeKenstanv ein« detaillierten pevsönlichen Aussprache am Quai d'Orsay sind. Das Schwergewicht des ' IGedankenQuswusches Liegt gegenwärtig in Paris, da Hardmg Vor allem Wert darauf legi, die Zustimmung der französischen -Regierung zu den Bedingungen zu «halten, die die Voraussetzung der amerikanischen Anleihe bilden. w %\t GÄLLMbLrkdeler irr ImMdM Altsna, 19. Dezember. (Dolff.) Wie-amÄich-mvtgLtM wird, hat die Polizei Ln-d^r vergangenen Nacht im Comptoir einer Fabrik 25 Personen unter der Beschuldigung der Gcheimbündolei festgemmMrev uttd sir dem PoliKeigqärrgms -ugssschrt. Dsr Mestat ssf Mjakatt. . - Vertt», 18. Dezember. Das Reichsgericht.hat, nachdem doch«: das Revisionsgesuch -es einen Mörders des russischen Senators Nabokow verworfen worden war, laut der ,Zossischen ZeUung" auch das Revisionsgcsuch des Zweiten Ange- Aegien angewiesen, ft kck dü Zuchthausstrafe^ zu dmen die beiden früheren russischen Offiziere, welche eigentlich den früheren Mi'st« Mrlfükow töten wollten, veruricÄL worden waren, rechtskräftig geworden sind. Wiener rlönWscher Lskallomiter. Ä-nstitcli rung des LvKalKomitees heule, 7 Uhr abe;>ds, rm Sitzungssaal d^s Zionrsi'schen Landeskirm'fee', S. Dez., Taborsiraße SS. Lagesvrdnung: I. K^nsiilUittUng; 2. ScheKel; 3. Evertuellcs. ) 8rlrWtrm«q d;i Wch««imtäMA. Wie wir wiedecholt berichtet haben, ist unter der.Leitung des Stadtrates W e b e r in 4^Nletzten Monaten eine genze Reihe Reformen, im Wohnungsamt durchgeführt worden, die von den WohnungSsucheMn als eine ganz bedeutende Erleichterung empftrnden worden" sind und die zugleich verhindert chäben, daß di« fürchterliche Wohnungsnot zu eimr Katastrophe wurde. Um nun. den vielen berechtigten Klagen über das schwerfällige Tcmschversahren abzuholftn, geht nun das Wohnungsamt ' über Beschluß, des Genreinderatsausschusies für Wohnungsangalegenheiten daran, die Schwierigli'iten beim TaAschverfahrLn an den Leib zu rücken. Eine Handhabe hierzu bietet das neue Anforderrmgsgefetz, welches icine Wohnung für anfordevbar erklärt, wenn der Hausbesitzer' ohne triftige Gründe sich weigert, einem Wohnungstciusch i zuznsiimmen. Es ist also die Möglichkeit vorhanden, die Zustinrmung des Hausbesitzers zn einem Wohnungstausch zu e rzwingen gegeben, und von ihr soll und. wird ausgiebig Gebrauch gemacht werden. Biele Parteien werden daher diesen Weg benutzen, um im Wege des Tausches ihvrn Wohnungsbedars zu befriedigen und es "ist gar kein Zweifel, daß auf dom Wohnungsmavkte eine g7wisie Entspannung eintreten wird, wenn Arbeiter und Angestellte ihren Arbeilsftätten werden nachzi>.hen können. Helfet den Wische« BsttMchen. Die Not der Zeit ist auch an dem Verein zur Errichtung von südischen BolMüchen nicht spurlos vorüL-ergHgangen.'Der Verein, dep auf eine segensreiche Tätigkeit ZurückÄicken kann, die sich bereits über 52 Jahr« erstveät, und der inlden Äriegsxa-hren allein mehr als 16 Mrlri-omn Portionen» davon den yroßren Teil gvaLis, abgegeben hat, verfügt nicht'üM dle-Miltel, die angesichts der gr-ßen Teuerung und der Ms wachsenden Ansprüche nötig sind, um seine Botribe aufvcch'-zmrhalien, und sieht' sich daher gezwungen, an die Oeffenllichkert mit der Bitte hevanzuv treten, selüe rm gegebenen Augenblicke besonders wichtig Tätigkeit durch Spenden in weitem Maße zu fordern. Es bedarf keines besonderen Hinweises, welcher Schaden Tausenden von Menschen erwüchse, Leuten aller Berussklassen, darunter Familien, die. durch den Wechsel der Zeiten aus. besseren Verhältnissen in Armut geschaudert wurden, wenn der Verein gezwungen würde, seine Volksküchen zu schließen! und die Ausgabe, von Mahlzeiten zn billigsten Preisen oder' ohne Entgelt einzustellen. Das Kuratorium, denr Oberrabbiner Dr. CHajes als Ehrenpräsident vorstehi, gibt sich alle Mühe, um die Krise zn bannen, aber alle seine Anstrengungen wär«n vergeblich, wenn ihm. nicht die jüdische Oeffentlichkeit in entsprechendem Maße förderich zur Seite träte! ' (Die „Wiener Morgenzektung" ist gerne bereit, Spenden^ für den Verein zur Errichtung jüdischer Volksküchen^ entMenzunehmen und in ihren Spalten auszuiweisen.) Eine WunLrraMr; in MM. Aus Lemberg wird gemeldet: Die Stadt Brody und deren Umgebung steht seit einigen Tagen unter v»m Eindruck einer mittelalterlichen Wunderaffäre, deren psychologischer Untergrund antisemitischen Beigeschmack aufweist. In einem dem jüdischen Bürger Kristiampollev gehörigen Gebäude, in dem zu Zeiten Joseph des Zweiten ein säkularisiartes Kloster untergebracht war, will man jüngst die Erscheinung „der Gottesmutter wahrgenommen haben. Unmittelbar darauf drangen mehrere hundert Männer und Frauen in das Haus, entfernten die dort befindliche Kinoeinrichtung und schmückleu die Räume mit Hüligenbilderu. Seit jenem Augenblick haben die Leute das Haus nicht mehr verlassen und verbringen die Zeit unter Gebeten und Gesang von Kirchenliedern. Es wurde ar:ch eine Geldsanrnrlung eingeleitet, um das Gebäude vom jüdischen Besitzer zurückzukaufen. Hierzu wird Uns nock) bevlchtei: Die religiöse Erregung der Bevölkerung Brodys hat bereits zu Ä u s s ch r e i? tun gen gegen die Juden geführt. Als am 15. d. aus dem Ringplatz Streitigkeiten zwischen Rekruten ausbrachen, wurde ei^r Bauer ermord et.. Der jiMche Kauflnann RösenbUn di'näherte' sich ,dem . ErMügewen, um ihm Hilfe zu bringen. Er wurde sofort verhafte t mit der Begründung, daß die Juden den Mord begangen hätten. Gegen 10 Uhr vormittags wurden in der rT^in»" , »i . j. Ksmerte. Nach Jahren der Trennung gab es ein-Wicherfehm gilt Oskar Nedbal, V?r einst in seiner frohen Sorglosigkeit als Beherrscher des Wiener TonkünstlerorchesterZ den^ Taktstock geHwnngeU hatte und nun das Wiener Symphorneorchester m seiner gleich ünpetuosen undissermzierten Musikantenart zu einem Erfolge führte. Er kam sölbstverftandljch mit slawischen Musik, mrt Tschaikowskys E-Mvll-Symphonie — §mn wrrvielirn Male in dieser Wiener Saison? —, die stets ihrer Wirkung Pcher fft. In ihr fanden wir den altenl Nedbal wieder, der in seiner äußeren Ueb'erlebendigkesi und in seinem inneren musikalischen Erleben kaum alter geworden ist. Die „Arie, Zwiegesang und Zwischenspiel" aus Nedbals neuer Oper Kruder Jakob" zeigt in ihrer Jnternationalität eine Abtebr vom vem flämischen Element, eine weitere Novität, ^Ouvertüre zu einem Puppenspiel" des Prager Komponisten Jaromir W e i n h e r g « r, der in Jthaka — nicht, im Lande Homers,, londern in Amerika — als Kompositionspwftffor wirkt, offenbart groteske Einfälle, Mckliche Betonung des Scherz- und Maskenhaften und bedeutet als Arbeit eines Siebzehnjährigen trotz mancher Ungleich- Wertigkeit eine sehr starke Talentpro-be. Mit der gleichen Heftigkeit wie Nedbal, nur ohne dessen rundüche Gesten, p-itzer Md unvermittelter dirigiert Bern- . Yard Mittel in fernen zyklischen Konzertem In Strauß' Alpenfymphonie loar zt ein nüchtern verläßlicher Wegweiser durch die majestätische Alpenwelt, bei gefährlichen Ausstiegen schritt ec seinem Orchester.sicher voran und erwies' sich als ein e'csahrener musikalischer Bersührer, dem es weniger aus das liebevolle Genießen der musikalischen Rat-urschonheiten ankommt. Paul von Klenau dirigierte mit gründlicher Sachkenntnis Schumanns „Manfred" und hatte dabei rv Ludwig Wültner mit seiner melodischen Wortsprache einen hochwertigen Buiidesge» . nvssen. Wüllner faßt seinen Helden schärfer an als eS im Borjahre Beregi tat, gleichwohl - erscheint hier die Tonfpwche Schumanns in den Farben stark verblaßt, wenn es nicht gelingt, ihre lyrischen Grundfesten in helleres Licht zu rücken. Em Abend, den Wiener Verlag Carl Stephön« son veranstaltete, war der mittelalterlichen Lyrik gewidmet, und zwar den. Dichtungen untz MelMen des bayrisch- .Sstsrreichrsch'en Minnesangs, die .der rnhrme Veelag in drei Bänden des „Taghorri" he«ükStzah.'M: PerNhakd Paumsartner, dev die Dichtungen auf Grund Ver alSen Melodien musikalisch bearbeitet hat, hob in seiner Ginleitung den'ursprüglich engsten Zusammenhang, die »Koinzidenz" von Wort und-Ton der Gesänge hervor, und betonte sein Bestteben, nicht nrusikhistorische Vergangenheit, sondern lebendig« Wirklichkeit in den Liedern zu gestalten. Nach einWgigen Rezitationen von Relly Hoch-' wald sang Herr Du ha,n in seiner feinfühlig ritterlichen Art bald höfische, bald derbere Lieder aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Die Gegenwartswirkung war durch §ahl-. reiche Monotonien beeinträchtigt, das historische Mitgeken war wiederum durch die Klavierbegleitung, durch das Hervortreten moderner Tonalität und Kädenzierung erschwert. Nur selten durste rnan sich der freieren Rhythmen unv KircheGvnarten des Mittelalters erfreuen. Ob es mcht doch besser gewesen wäre, die Lieder historisch möglichst getreu mit einfachster Begleilung durch ein mittelalterliches Saiteninstrument dem historischen Interesse nüberzubringen, statt' durch gut gemeinte, Krnnpromisse Wetter Bergang enheits- Noch Gegen Wartswirkung erzielen. , Fvcm Lucy SüJe.ib.t, tteren mächtige Stimme sich allmählich zum echt hochdranmtischen . Organe vervollkommt hat, ist in ihrem eigentlichen Fache in der Oper kaum mehr zu horew. So muß man mit ihrer machtigm Isolde, ihrer Toska und Alceste im Konzertsaale vorlieb nehmen und freutsich Port ihrer strahlenden Höhe untt ihres groß dimensionierten Vortrages, der selbst aus einem Liede wie Brahms' „Von ewiger Liebe" eine dramatisch bewegte Zwiesprache schaffte Auch Berta Kiurina ist in der Oper lan^e vermißt Wordene Nun sang sie sich wieder in die Herzen ihrer Zuhörer. Weich und waren, glockenhell und glockenrein zieht der Ton dahin, ein freches Gleiten auf den Fluten der Melodie. Der ganz vollendete rührend innige Liedgesang Richard Mayrs &6at[ ebensowenig muer' Worte des Lebes wie der theatralisch lebendige Vortrag des russischen Kammersängers Dmitrij S m i r n ow mit seinem ganz prachtvollen Teiwrmaterial. Der junge Hans Fidesser ist mit ferner kleinen lyrischen Bariivnstimme, die angenehme Formen wahrt, auf dem rechten Wege. : Ms Mairecker-Vuxbäum-Quartett.bvüchtr ein Stveichquartett -es. * Wiener Kornponrsten Eniil T o ch,.der einst im Bösertdovser-Saal seinen ersten Erfolg als MMEonWttisi ektGimst«^ ^M/niöues Quartett, dcks ssn-MhiM' WDtrr Mit^ch^Mnsars^äiOeh^ uttd Nach VrMm, ÄWlvgesaug detzb uG MrMW. schlsißt,- H iü - her'K-rm Ar, M W TM» gMW, E W Wo- W rechte Eigenleben in der Thematik wie in der Durchführung. An einem Sonatenabend GertAw Weis; und Primarius Rud.llf Fitzner hätten sich zwei gute Musiker zu gut abgetöntem ZufammenspiÄ gefunden.' Walter Kleinecke evtvies sich mit seinen klangreichen virtuosen Cellovortragen neuerlich als Stütze des Opernorchesters, Maxim SchaPiro aus Moskau interessierte durch die Farbigkeit seines Chopin-Spiels, das bei gründlicher.pianistischer Ausbildung des. Konventionellen entbehrt. Mary W i g m a n, die von einer ' geschäftstüchtigen ReElame als größte deutsche Tängerm und Fürstin des Tanzes gepriesen wird, bietet in den männlich markigen Aorcherrmgen ihres schönen, anscheinend turnerisch durchgebildeten Körpers eigene Werte. Die Erotik des Tanzes liegt ihr sserne, mit ungewöhnlicher Energie, aber auch in ungewöhnlich scharfen Bewegungen, die vom > Körper in die Arme bis m die Fingerspitzen ausstrahlen und sich in sonderlich kantige etwa kubistische Formen umsetzen, wird der Rhythmus machtvoll aufgebaut, während die Bewegung der Melodie, ihr ständiger Fluß uud ihre mannigfachen Ans» dmtungen im Tanze weniger Beachtung finden. So möchten wir ihre Kunst weniger als Tanz, denn als verlebendig!« Plastik werten. ' « Die gegliederte, rhythmisierte, singende, sprechende Wie» lddie ist Äerster Reiz und oberster Ausdruck der Tonkunst ~~ so ungefähr lesen wir mit warmer Zustimmung in einem Aussätze über Debussys „Pelleas und Melisande" von Jülius Korngold aus dem Jahre 1911. Vor uns liegt Korngolds Feuilletvn-Sammttlnz „Romanische Oper der Gegenwart", die er im --Nikol a-Der!ag seinen! „Deutschen Opernschaffen" hat folgen lassen. Neben italisnischrn und französischeN'Werken begegnen wir hier auch einer WüMgung de« tschechischen, südslawischen und holländischen Opevnmusik der Gegenwart. In ihrer gründlichen ^Xirchdringung -des Stoffes, in ihrer historischen und vergleichenden Rkethotte, in ihrer analytischen und ästhetischen Betrachtung 'bieten diese Studien einen wertvollen, Merlässigen Fühvex durch die moderne Oper.^Die Aufsätze, die , im Dienste der Tagespresse für den Augenblick geschrieben wurden, sind zeiigemahe Bekenntnisse eines kritisch scharf-' sinnigen ErkeMtnisvermögens tznd veranschaulichen, mit! welcher Sachlichkeit un-d Sachkenntnis der musikalische^ MBMW An Mn Seiten Mtachtet unir durchleuchtet wechen mußte, M' M^tj^W^enlMnahMen' ..kvotz-^ Wan-! M der Zeit imt^ der Mode als-Porträts von bleibeMm 'HrwMMbep

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