Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1387 (20.12.1922)
- Date
- 1922-12-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2979076-2980129-2980467--13220-2999845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fc~ «eite S Dien, Mittwoch Wiener Morgenzeituns» 20. Dezember 1922 Nr. 1887 v:'•1 ' Sesterreich. Set SeneralkommMr. I Der Gäiveralkommissär Dr.Zimme rmann wird -feine Tätigkeit bereits in den nächsten Htgen. ausnehmen.. Seme Bureaus werden sich nicht, wie ursprünglichvorge^' .selben war, kn der Hofburg, sondern in.den RäMen dös iFinanzm inisteriums in der Khattnösgasse tfa finden. v Nndaet-rMschm ««- Krematorium. Bor Feiertagen beeilt sich der Nationalrat ein j-rdesmaü, -ganze Berge von Regierungsvorlagen und Initiativanträgen -zn verabschieden. So hat er auch gestern nicht weniger ütS . sechzehn Ausschußberichte zum Beschluß erhoben. Eine Debatte gab es nur ' beim Budget Provisorium« -Sie war fast zur Ganze von dem Streit um die Wiener Leiche n ei« a s ch e r u ng s h a ll i ausgefiUlt.' ^Die1 Sozialdemokraten ließen tzstrch denAWordneten, Eldersch : -fer*' Klären: Wir werden es uns nicht bieten lassen, daß die Regierung mit Erlässen kommt,' wie man sie vor 40 Jahren er- , gehen ließ. Schmitz beruft sich darauf, ernmffe etwas verbieten, was in den Gesetzen unseres Staates nicht ausdÄcklich :rrlau.bL ist. Es gibt doch auch natürliche Funktionen des Menschen, von denen man auch nicht behaupten kann, daß sie gesetzlich verbotensind. Glaubt der Minister wirklich,' daß sich jemand bereit srrcken werde, sich ntf sein Verbot zu kümmern? Minsster Schmitz: §Der Berwaltungsgerichts« 'Hof!" . Abgeordneter Eldersch: Auch die Zitierung der VerwaltungsgerichtshosentscheiLmrgen ^st nscht maßgebend. /Wenn übrigens der Berwaltu-ngsg'richtshos die EntscheÄung igefällt hat, man dürfe ein Krematorium bauen, so karm man sich doch unmöglich vorstellen, baß er entscheiden werde,' daß Krematorium dürfe nicht benützt werden. Die Diener Ge- Mycheverwaltung hat das Krematorium errichtet und in dem Kremüiorirmn werden dw Leichen verbrannt wehren von Personen, deren Angehörige» es wünschen oder die selbst eine solche testamentarische Verfügung orftoffen haben. Es wird weder Minister Schmitz noch eine andere Gewalt im Staate imstande sein, diesen mäßigen Kulturfortschritt zu hindern. Der Großdeutsche Clessin trat Mckfalls für die .. Leichenverbrermung ein, verlangte jedoch zuerst die gesetzliche Regelung einer Reche von Vorfragen. Jedenfalls bedürfe dir Gemeinde Wien zum Betriebe des Krematoriums eine Bewilligung gnnäß der Gewerbeordnung. , . ,; Abgeordneter Witternigg: Vielleicht auch Noch den, Befähigungsnachweis! T-as Budgetprovisorimn wurde dann in zweiter. Lösung 'Fmn Boschluffe erhoben, desgleichen die Novelle zum ZwangsaMchegeseh. Bon den übrigen Gegenständen der Tagesordnung, die das Haus in beiden Asungeit annahm, seien noch erwähnt': die- Balutenümsätzsteuernoveller die ^Ergänzung des Steuerbe-günstigungsgesetzes vom Jechre 1883, die Swuer-, fteiheit der Weihnachtsremunerationen, die Verlängerung des Spielabgalbesesetzes und die siebente Novelle" zunt PensionsversichevungsLesetz. Ferner würde folgende Regierungsvorlage eingebracht: betrefferw die Uebe^iwng der Geschäfte der Oesterreichisch-ungarischen Bank, österreichische Geschäftsfichrung, auf die österreichische Nationalbank: betreffend die RegÄimg der Ruhe- und Bersorgnngsgenüsse von Angestellten .-kr Oesterreichisch-ungarischen Bank und deren HinterbNcbene» und betreffend die vorzeitige Rüchahlung österreichischer Kriegsanleihen (Kriegsanleiherückzcchlungsgesetz). Nächste Sitzung honte, 11 Uhr vormittags. Sa» Sanmtieaesetz in Frankreich. Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, hat die svan- Msche Regierung soeben Vas- G.arantiegesttz, dir österreichische VolkerbunLunlmhe betressend, in ihrem Par-, lament emgebracht. - Sie Leichenverbremum. Bürgermeister Reumann hctt das Schreiben des Landeshauptmannes in' der Angelegenheit der Wiener Verbrennungshalle ausführlich beantwortet. Er lehnte den Standpunkt der Regierung in dieser Angelegenheit ab und erklärt zum Schluß, daß er nicht in der Lage seft der Weisung des Bundesnünisters Folge zu leisten. In der gestrigen Sitzung äs Stüdtsenates kam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Sozialdemokraten und ChriMchfozialen. Die Stadträte Mvtzko und Rummelhardt beanstandeten während einer. Drbatte üher VaS Bauwesen die angeblich unnütze Bauerei d:s Ävematoriums, die der Gemeinde so unnütze Ausgaben verursacht Hahr. Stadtwt Siegel wies die Angriffe zurück. Sie Borkriegsschulden. Paris, 19. Dezamber. (Tel. der „Wr. Diorgenzeftung") Lsm „JournÄ des Debüts" zufolge ist der Plan der Repaoatwnskommisfion für die Auftorlüng der' sichergestellteu und nichtsichergestellten StEsschulden der früheren ö st e r r e ichi-sch-ungar-ischen Monarchie noch nicht ÄS endgültig anzuschen, da die österreichischen Delegk.vten noch keine Gelegenheit hatten, ihre Bemerkungen hierzu vorzuöririgen oder aus das Wort zu verzichten. Sobald dies geschehen sei, 'werde das offizielle Commumque veröffentlicht werden. 8i« WmMe Sitznag des steittfchen Land' - tages. Graz, 19. Dezember. In der heutigen Sitzung des Land« itagrL teilte in einer dinglichen Äuftage an den Landes- ' Haüptnt-Lnn SaMatzSPräfidsnten' Dr.'- Da«tt i'i n e Mit, dich gestern beim Kreisgericht Leoben eine BerhaMung qege« '4tnl Ä üdap^d wird rm^chrrichtey TeilnöWer -enschiesten. Sehr viele 'trugen ^a8rfchwö^e. OHö" ^>HaSziM und es fiel auf, daß sich unter den Anwesenden' / höhere Offiziere und Staatsfunktionäre in großer AM Mzesnnden hatten. Der größte Hell de-t Er-, schienenoen bestand aus bewitS vereDrg^en FaSziste». Der Einlaß in den SitzlNsjchaÄ war nur nach.peinlichster Legitimierung möglich. Die Polizei war mit großer Beroitschaft ausgezogM u-nd ließ die Reden, durch eigene Sterw- NaMn nachschreiben. Der DöBtzende Eugen Csul^h Mes bn^semer Er- Mmlngsrede die Angriffe sowohl d:r christlichen Parteien als anch der Regiemng uM Är.J^tden Zurück. Die migavische»' Faszlsten wollen 8 e'i'n e' I n d e n -v a r s o l g u n g, sondern kämpfen bloß gegen das wirtschaftliche Nebergewlcht der Inden. Sie wünschen auch keinen Umsturz-der Staatsordnung! erstreben aber die Erlangung der Staatsgewalt auf gesetzlichr GrnMatze. Die Ziele des FaszistenlaMS wurden von Zoltan Horuyanszky auseinavdergesstzt. FaSceS und Brot sei das Losungswort . der im FvSzistenlager vereinigten Bürgerschaft. HeHrlich' arbeiten <md FaSeeS (die Rute) jenen Tleüden, < tde'lche die Arbeitet ungarischer Raffe einer fremden Rasse tributär machen wollen. Man muffe die Just vom Gift'des JkbsvaliSm'Us reinigen und'eine christlich-wirtschaftliche. Diktatur schassen. ES muffen alle seit 1914 cm)stündenfn Vermögen eimr Revision unterMen werden, weil sie allesamt unehrenhaft sind. Wir WbMHWMf ft.' Hess a S mw/ Pr o n a h, ÜstMßgDk^nsti keÄen Führer.Wir dichten' die Röi MviW wW sieHMlich ' ist und'auf nat-iostaler GruMags fHt^MüMP^n jM unerschütterlich alle gegen dis Jnrereffen d:rMtio>^Mb^iW^n<WMktiven^ Elemente sochie -Wenigen, die eine Versöhnung mit den TestrÄtiveN Ätba-hn^n. JWm, der die grauenhafte Vergan-geicheil wieder heraufbeschwören möchte, werden wir das Wort k« der Kehle etsiÄe». Daraus schwören wir, daß 1919 nie mehr in dieses Land / Zürückkehren Ede. " . . Nach den zur Derl-esulig -gelangten Statuten kann Er eine christliche Perso« von' einwandfreiem Vorleb^n Ästitglied sei«. Am der Spitze des Verbandes stcht ein Präftdialrat «Nd «in kleinerer Rat. Die Stelle des Prä- / sidenten des Fasziswnlagers -bleibt vovläusig unbesetzt, da der Name des Führers geh imgehalten werden müsse. Abgeordneter Stephan Friedrich verkündete hieraus den Krieg gegen die Entente, gegen W „Leichenräuber". Es werde in absehbarer Zeit ein nngeheNever Krieg von Hamburg bis Bagdad ausbrechen. Wir müssen unsere Hände jenen reichen, mit welchen wir rm Weltkrieg zusammen gekämpft haben, vor allen 'den Deutschen, den Türken, aber cmch -den 5kcoaten mnd den- Slowaken.- Der gräßlichste Abschn-ist des Weltkrieges kommt erst setzt, es wird ein Krestzzug sein gegen die Entente, «in Kamps aus Leben und Tod. Wir FaSMen wechen alles Mternehmen, um einen Umsturz herbevzuftchren. Als Friedrich zum Schluffe mitteilke, er reise nächstens -nach Rom zu Mussolini, erschollen stürmische Hochrufe <mf den neuen einen sozialoemokrs-ischen Arbeitersekretür und mehrere Arbeiter hatte dnrchgesührt werden sollen, die angeklagt waren, im Juni dieses Jahres die geüoaltsame Sperrung des Geschäftes eines mißliebigen Ku-afmamres in Kapfenberg ins Werk gesetzt zu haben. Znr'Verhandlung seren etwa 2Ü0 Zuhörer', darunter auch' 38 Arbeiter aus Kapfenberg, erschienen. Der-. Leiter her' BerhaMung wollte wegon Raummangels nur 80 Personen in den- Zlchörerraum einlassen. Die Zuhörer, die das Stiegenhaus und die Gänge des Gerichtsgebäudes besetzt hatten, seien darüber sehr erbost gewesen- und hatten ihrem Unmut in drohenden -Rufen Ausdruck gegeben. Da unter, solchen -Umständen, «tne ruhige -DurMhrung her Gerich'svarhantzlung nicht gewährlMet schien, vertagte der Bechanhlungsleiater ik Verhandlung,, wogegen die Erschiewnren neuerlich protestierten. LandeShaupttnann. Dr. Aintelrn bestätigte auf Gmud eines Berichtes der Bezirkshauptmanwschaft Leoben den vom Vorredner geschilderten Vorfall und bellte mit, daß doS Leobener Kreisgericht bevsv'S die Delegierung . des LandeSgerichies Graz zur Durchführung der Strasverhauidlung beantragt habe. Die sozialdemokratischen Abgeordneten protestierten dagegen. daß ans der Anwesenheit einer großen Anzahl Arbeiter im Kvoisgericht Leoben' ein Terror fall foMldemokoatischsr Arbeiter konstruiert werde. Ein gegen den' Abgeordneten Dantine gerichteter Zwischenruf der schiÄdemÄkratische« Abgeordnete« Frau Tan St löste eine minutenlange große Erregung im H«»se auS.' Die Abgeordneten der Grsßdeutfchen und per Sozial, demskratffche« Partei gerieten hart aneinander, und es dauerte einige Zeit, bis sich die Aufregung im Hcnrse legte. Sie Wiener UniverWtsschaa-e. Sptr« der Sptnde« in ÄasÄ. , Der Rektor der Universität in Basel hat an L-sn Reb« tor -er Wiener Umdersität Dr. Diener sin Schreibe« gerichtet, m welchem er Mf die Mitteilungen hinweist, daß der Verein zur Erhaltung der Wiener Universität wegen der bekannten Vorgänge an den Hochschulen die aus dem AuSlarch einlangenden Spenden vorläufig zurückhalten will. Der Rektor der Basier Universität hat erklärt/ daß diese Spenden ausschließlich für die Zwecke der Universität brstimmt waren, und daß er es nicht zulassen könne, daß sie als politisches Druckmittel verwendet werden. Er habe daher über eine Summe von 3ÄD Ftünken, die er auf Rechtmng des Vereines beim Schweizer Bankhaus erlegt habe, vorläufig die Sperre verhängt. EineErttamngProfefforTandlerS. Stadtrat Professor Tandler sendet uns: die folgende Aeußerung: Gelegentlich der Auseimndersetzungen über die letzten Universitätsvorfalltz in den verschobenen Tagrszeitungen würde auch die Nachricht verbreitet, daß ich mit irgend welchen. Verteilungen vvn eingelaufenen Spenden betraut worden sein sollte. Ich stehe der ganzen Angelegenheit vMommM fttne rmd würde auch diese Rölizett nicht richttgstellen, wenn nicht dep Brief des Rektors der Basler Universität meinen Namen Mit dieser Atvgebegenhrit in Berbrndüng gebracht hatte. Ich erkläre ausdrücklich, daß ich weder um meitte BeveltwAigkeit gefragt Nmrde>.Mld zu verteilrn, noch, weniger aber meine Bereitwilligkeit dazu erklärt' habe. Hrgenttrine Sa M me la k t i oN s ü r d^tMö i e n e r U ni v e M t ä t k>rLe ich 'ebenso wenig eingeleitet. Vielmehr stehe ich seit jehetz'En diesen Dingen serneund häbe mich^um ste-uienvaLS gekümmert. Es ist weiter selbswtrständli^ daß ich auch Niemals von irgendeiner Seite eine Spende für. die Wiener Universität erhalten habe. Das Ehrenboktorat. , Die „Wr. Mgem. Ztg." teilt mit: Der' österreichische .Gesandte in einem der Ententestaaten hat, vermutlich im Wege deS hiesigen Bundesministeriums für Amßeres, die Berkerhung des EhrendoktorateS für einen hervorragenden ausländischen Gelehrten in Vorschlag gebracht. Daraufhin hat das Rektorat den Beschluß gefaßt, daß ein Ehvendoktobat an A n g e h ö r i g e der e h e m a l s feindlichen^Staaten nicht verliehen werden dürfe, Das Rektorat der Wierser Uni-versttät Mt in einem vem-nglückten Dmnenti z-u, ldaß in jüMter Zeit von maßgebender Seitedie AnreTerirg gegeben wurde, zwei .hevvor- . raiMden^^ ausländischen. Äölchvten eine Auszeichnung,, .der Univevsität zu. verleihen und daß der akademische Senat dieser Anvegmrg sdättgegeben hat, ilvpem er Leiden , zu ehrenden GeLchrten das große 'Ehrenzeichen der Universität verliehen hat. Das große Ehrenzeichen wurde bekanntlich für ungelehrte Wohltäter der Universität eipgeführt, um den Spenbeneiser ei tle r Krösusse anzuspornen. DieseÄuszeichnuM.hervorvagenden Gelehrten zuzudilligen, blieb jenem Rektor Vorbehalten, für den eingestandenermaßen die wissenschaftliche QualvfiLation bei der Beurteilung irgend jemandes erst in letzter Linie in Betracht kämmt.. Protefiversammlung. borgen findet im Saale der „Schosse" eine Protest» Versammlung gegen die Vorgänge an der Wiener Universität statt, einberufen vom Exekutivkomitee absolvierter jüdischer HochsHüler. Sie deutscharische NniverWt i« Prag. Prag, 18. Drzsmber. (I. C. B.) Bel der JmMtrika» Nerunß erklärte der Dekan der Medizinischen Fakultät in seiner Begrüßungsansprache, daß die Universität im deutschärischen Geiste geführt wekde, und haß alle Richtarrer bloß Gäste sind, die ihre Gastpslichten nicht zu vergessen haben. Sie Sttasaazeiae arge« die Prager Haie» Aus Prag wird uns gemeldet: Die Hakenkreuzler haben ihre Exzesse an der Universität, wie eruvnevlich, auf den WiiÄ der deutschnatiomrlen Abgeordneten, tttit einem ordinären Hetzausmf abgeschlossen, in welchem Dwhüngen gegen die Juden ausgestoßen wurden, welche als „Auserwählte eines verbrecherischen Gottes" bezeichnet erscheinen. Dlagtsträtsrat Dr. Stein hat mrnmchr in seiner Eitzenschüft als Präsident der ifvaelitifchen Krvltusgemeinde .von Prag gegen die Unterzeichner jenes gemeinen Pamphlets die Stra-fanzeige -bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Prag, 19. Dezember. Das Abgeordnetenhaus nichm diSi ' Dortage^ durchs die die Evmächbigung der Regierung, G emeinden z u s a m m e n z u l e g e n und zu trennen, bis auf weiteres verlängett witt),. an. Der Vertreter der deutschen Parteien und, Mer der Slowakischen! Bolkspavtei sprachest sich, dagegen <mS. ' - -- - Mg.- Spin«' (Bund- -der EandMvte)' sagte, die Deutschen, hätten unter diesem Ermächtigungsgesetz die schlechtesten Er-- [ sahrungen gemacht, (Es fei dazu anSaeacktzt worben. deuMst