Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1387 (20.12.1922)
- Date
- 1922-12-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wie»! Zum AbholepNE Expedition, II., Tabor8tf»l-3, oder in einer VerschlÄipItel^p (Trafik) monatl. K , 28.000 MitPostveraand färWienu. Oesterr. monatl; K 28.000 Ta e Ke c K o.-SJowa fc.e!; Men.^17. VhKstrn: hlön. K 600.J u g o s 1 awi en: Mo». Dinar 30.: P eien Mon. Mk. 3500. D eutschl and: Mon., Mark .800., r a n k r., Belgien :MonaU.Fres. 8;WG- Na e]iaahlna-jr«a "WW ibti Preiserhöhungen Vorbehalte» »r. 1387 , 20; Lezembtt ISS- Ta eh ttCfio ■SfowflKiliri tschech. K 1.- | Italien: Monatl. 10 linf Rumänien, Bulgarie» Monatl. 60 Lei bezw. Lewa, S .c h w e i z und das übrig« Ausland monatlich Frcs. Si Redaktion «.Administrativ Wien, II., Taborstrasse l-s3 Telepbonft:44-0'38,43-3-19,1 ab o Uhr abends 16-3014 TeL-Adr.; ,Morgenzeitimg-u: Wien Oesterreicbiaehea Postsparkassen - Konto Nr* 150.6951 > 7. W i e,U. L0. Dezember. ' " Do spärlich die Nachrichten aus' Warschau einlayfm^ so zygen.sie' doch eine,'starkc Aehnlichkeit der Vorgänge nach der Ermordung' Rnthenaus - mit Mm mach dem Lode Mrirtowi<tz'> Im, Banne des allgemeinen Abscheus befleißigte sich damals die dcutschvömsche Presse, einen dilken,Strich/zwischeü sich und den Mördern.zu ziehen, das Verbrechen als die Tat vereinMer Individuen zu erklären nyd jeist Gemeinschaft Zwischen 'sich und diesen ■- zu bestverteu. Die Warschauer Organe ttfx Rechten tun ' jetzt: ganz das gleiche: Das führende Orgün der Nationaldemokraten', die„Rzeczpospvlita" - ist vott Entsetzen und Empörung.ob-her Tat eines nnzurÄMuttgsfähigen Fanatikers erfaßt, :„Gazetta LSarszatosta"'. schildert die tiefe Bewegung der Polnischen Oeffentlichkeit, „Kuryer: War-- .szawsdi" sieht den' guten Namen: Polens mit Sckimps mb Schande, bedeckt.: : / r.;.? *; ■ ' : Dieses Bemühen kann ai»er nicht an die! Schuld dieser Presse vergeffen machen, die nicht erst jetzt, : nach der- Wahl Ätnrutowicz', auch nichtunmittelbar nach!dem Erscheinen des MinoriLätenblochs durch ihre maßlose Sprache die. Gemüter vergiftet hatte, sondern schon j über gegen die Juden, überboten hat.' Dabei ist diese : Presse, wieder' mr Einklang mit dem in Deirtschländ ge- 'zuchtetett-Antlsemitismus, nicht'ganz logisch vorgegangeli. Sie bekämpfte mit gleicher 'Heftigkeit-.tzGrqffimilqtorische. [tote das nationale'Judentum/ wähW-cDrr'.ihve.Argu^!mente immer, - entsprechend dem Bedurfttisder:TaKsi - Bestien - sich tiie- Jüden lauf Äes W'"WKtznsver- 'trcch/geirostenLn 'MinpÄMKesKi^MasstW^^Mr--. l stte ihnen, dst Rechtspresse', sie .Mßtchr Msir einDtlickstn \ i nationalen Charäkter ' bß-, Staates; unstrordnet Mr-} -dest. Verlangten die Inden ihr Stgatsbürgerrecht, -^sy,! galten sie Len Ehanvimsten klerikaler Und freisinniger [Richtung als fremde Nationalität. Für alle Fälle hielt!das 'astüjüdifche- Schrifttum' seine Rezepte bereit, die sich!in der Wütorgie nach, den Wahlen zu der Mordparole .gegen alles Jüdische und alles, was nicht in das Horn i der Nationälisten - stieß, verdichteten. Die Krokodils- > [tränen, diejetztfließen, : können nicht ungeschehen - -Machen, daß' Narrttowicz, als er nach/seiner-Wahl das ' Sejmgebaude. verließ, von der'nationaldemokratischen (Äarde -mit Leut tauseudstimmigen Ruf ,Ivd dent Judenpräsidenten" empsangerl und von einer-jungen Dame a.lsJud' insultiert tünche,-Die Schüsse, die.wenige Tage später den Staatspräsidenten trafen, gehören auf das Schnldkonto des Chauvinismus und keine Heuchelei kann diese Spur tilgen. .. .... Der Mörder Nstwiadomski hat im seinem ersten Verhör angeaeben, er habe die politische Schmach der durch die.Juden erfolgten Wahl deL Präsidenten . mit. Blut wegwaschen-wollen. Er ist nicht so exaltiert, wie .ihn! die ersten Gerichte'aus Warschau hinsstllen wollten. Er ist durchaus im: Bild geblieben, das die chauvimstische Presse entworfen hat, und es ist außeroröentlich <har.akierisnsch, daßchie Mordtat nicht van - einem verhetzten Studenten geschäh,. sondern von einem vMhrigen - Dstüme, der sich'über die Smnllisigkdit seines Unterfangens Rechenschaft , geben konnte. Denn' jeder politische Gelvaltakt, Wo, wann und unter welchen Umstanden er immer geschieht, ist nicht bloß ein Verbrechen gegen das Reclstsgefühl, er-ist auch ein sinnloser, Angriff, auf die Logik. Er.Vewtzist. nichts, schasst auch keine neue Situation. Es gibt ' Nichts, was den/ politischen Mord rechtfertigen köftnte, W immer , eine. BaOarei hleibl. Aber er wird in Füllen,' We'dem Warschauer,, vollends unver- Warschim, AS. Dezember. der „Wv. MorgeNztg.") 2lus Küerseh, die dem ermor° .deten Präsidenten' N a * u t o sv Z e z naheftttn-en^ sifind. chZtgeteilt, duck , nach dem Mientni am Säm-stag der, AdZntnnt des gewesenen Stantsch^fs PWWsy L e pt o w s k r und der' 3lhg. K o'W z a l k o w sf i vor dem Ausstellnngsgeväüde der GeinäldeMlerre erste GruPpe von Menschen Mit dem Genera! H,a.t l e r an der '..Sdithe' angetroffen hätten. Die Genannten traten ans den General H.alitp' zn und sägten ihm: „Herr Generäl» in diesem AnengÄiek wurde Blut verstossen. Die Schuld fäsit auf ihr Haupt. Eie sind ast diesem Mord schul d i g." Aus diesen Angriff reagierte General H aller mit keinem Wort, dagegen verbot ein Polizeikommissär, den Generäl Haller zu beleidigen. Es steht auch fest, -atz die Tochter des Generals HM l e r bereits während der Vereidigung einen Ueberfäü aus N <a r nt o w i e z versuchte^ sie wurde jedoch im letzten Augenblicke daran verhindert. Wie aus der VoruntersuchMg zu misehoN ist, wurde das Attentat ätW den Präsidenten AarutoMez stach einem ß AeMi mm t em P LäM bW.' isM kleinste HMik MrchgesüW; Wir'.jÄ»eh^MGM -es.. WDWMtzMatzMaD dM^MMM^Ä'BWstMWjßWMWe'''WW .Delephon funMonierte, - da sämtliche; Dekephondrcihte durchschnitten lparem Der Mörder Niewiädomskr ist, wie die Untersuchung ergeben hat,. Mitarbeiter der nätionaldernv- . kratischen Zeitung „Gazeta Warszawska" und hat in der Warschauer nationaldemoLratischen Hraganisation eine bedeutende Stellung eingenommen. , Je« Mrd im KuMalm. ' Warschau, 19. Dezember.' (TÄ. der '„Wr. MorgenMustg^.) -Dem ,,WboM!i-k" zufolge'-erschien ' N iew-iadomskr <mr^ SamslätziÄn-«SücckL der Bildenden Kü-äste -noch-vor dom 'Ein--: treffen des Präsidenten Narutowicz. Wie die Zeugen ans-.' sagen, :jvqr'NkwÄchomslkiM 'sthr'Mt'er-'Stammln^ ruhig und nivtechiest sich tuftig mA' stülen BÄanMen.' Als' Prafildent Na« rutow-icz im'ersten Ansstellungsafulo erschien, trat-der englische Ges[antzte m W-arschau, Max Müller, mrt seiner: Gemählin an den PräMwien heran und sagte §u chm: „Ich [ war lecher während Jhvürr Angelobung krank. Nehmen Sie,; bitte, jetzt meine 'herKichstsn GraMätiorren entgegen." Der : Präsident! antwortete:'„Beileid' wäre richtiger." J-w». zwischen drängte sich der Mörder an den Präsidenten heran,' stellte sich hinter. den' ehemaligen - AWristerprasidemen Nowak. und gab Ws eimom untorpn linken Achselhöhle versteckt ge-: haltenen -Devocher gegen den^ Rücken -,des Präsidenten drei! Schüsse ab, die alle Eich waren. 20 Sekunden nach-dom Ge-! sprach, mit 'dom eng-lischen' Ges-andren-.war Präsident Namto-. wic'z"Veveßs'chm. - - - ' Wie-in den Wa-rvdelMngen des Parlaments hcki'de dN> Nantote, sollder-ernrordete-Präsiderrt Naru-tow>:cz in den letzte»! Lagen vier Br-stst Mit - .Z^chrahnnTtn'.>eHMi^.^'h^ >)dach^ Mr. Attentate' - entständ --i-m Me - unbeschreMiche. Ber» - wrtruttg, ch de-r. der Mörder zu entkommen versuchte. Er würde ' j^diH wön Mem'^ Adstrtanten vHrMuMM'PMidenten ststge-'; nömnUw. -Ni.etoiadämM' war"sernetzeit/ eiü PäH^ar' Mstar-' rwihlrKH# ei^nr^»V üirtfe’: ä^n^-W«»ttomü":Mi!ir-; schilt' OHcvnesMomed' Pyvanny^ ürch' ÄynHe-WieezMH^Msy- WiüdotnÄi' Mafstte sich inziemlich' rage als Kunst-;. . kMikar in PepiMschm ZÄschviften.^' " '. Der Präsident ist e^inordet, aber die Verhältnisse,' die zu seiner Wahl führte-U,.' sind' unberührt ge- Mben. Die Minoritäten bestehen in Polenwie - in anderen Staaten wefter.iunp tyeder'-M Hauvmisstsche Rvbulistik noch der/Knällefsekt des Revolvers kann diese Tatsache aus der Welt schassen. Es ist lediglich der Pe-. weis geführt-woMn, daß dev Antisemitismus nur zerstöre ich,., verhetzen!) .und mörderisch.tptrsi, -nie.ma.ls aber -eine-.Positive Hateim Hinue - eftler.höhchcen .pöMsckM EtttwiMyg :setzen kqnn. Er.-ist:einMj?rbrechen an sich und .muß als solches.Mtoertet und beksimpst wevden..Sem politischer Inhalt ist gleich Null, weil.er väs/Jubeytum^ das er pogromierey'will)sdürch -niWMMveistiges'et-' .setzen kann. " ,.V ..; I , Warschau, 18. Dezember. (Del. der Morgenztg.") Im Seniorenkonvent des Sejm .beantragten die Führer der sozinldrmokrati- Men Partei, die Nationalversammlung sei zur Wahl des neuen Präsidenten dev' Republik diesmal nicht nach Warschau, sondern nach Krakau einzuberufen, weil die persönliche Sicherheit der Mitglieder der Nationalversammlung in Warschau arg gefährdet sei. . Der Obmann der „Wyzwolenie"-Bauernpartei L h n g u t unterstützte diesen Antrag, den! die?Obmänner der natioualistische« Grup- ) Pen Dr.-. Glomb i n s k i und D o m b o w sk i mit der Begründung bekämpften, durch : den ZusanrmeNtriLL der Nationalversammlung antzerhnlb Warschaus würde die Wahl des neuen Staatspräsidenten verzögert werden. Der SejunPräsident Rat ap drang da? rauf, das; die PräsidenLenwatil trotz aller.Bedenken in Warschau: vorgenommen werde, wobei er versicherte, daß die neuernannte Regiernng die umfassendsten Sicherheitsmatzregeln gLtrofsen habe. Im Sinne dieser . Ausführungen entschlotz sich der Konvent,! die ursprünglichen Anordnungen hinsichtlich! der Wahl des Staatspräsidenten ausrechtzuerhalten.- -r^ ■; .? Warschau, 19. Dezember. M. der „Wr. Morgenzi-/1! Die Leiche des ermocheten Staatspräsidenten wurde heute i m . f e i erlich e n Z u g " vom- Belvedere - nach dem Rittersval rot Schloß geführt. An der Spitze des Zuges r'üien Alanen, ihnen folgten hinter dem'Sarge-die nächsten Angehöri-gen, alsdann Landtag und Senat und die Mitglieder der Regierung, das diplomatische Korps, die Mitglieder der Generalität und der-Behörden. Zu beiden ten des Sarges schritten Fackelträger tmb Mitglieder der Regierung und des Genevälsta-bs trugenden Sarg zum Schlöffe. Der Sarg . wuÄ im Schlöffe drei Tage, ausgestellt sein und alsdann der Fatnilie zur Beisetzung übergeben .iveridem Die' Leiche soll rm- Krakauer W a w.e l beigesetzt werdem - AntMische Sxzeffe in PamereKen. K Warschau, 18. DLMrdLr. (I. C. B.) Der jüdische, Sejm» klub. «Hielt eilte Meldung über schtvere LNtijüdische Ausschr-eitungen/ die in der Nacht.v»m Dienstag auf Mittwoch im. Städtchen Bru-dnica (Pom-erellen) vorgekoinmen sind, Hnligans überfielen die.'Ersendahnstat'wn, holten die jüdische» Fahrgäste aus dem Zug- und schlügen sie blutig. Dann stüvvlten sie das in der Nähe des Bahrchoses befiMiche Hotel, mißhandelten -die jüdischen Gäste, rissstr ihnen die. Kleider« vom tzeibe. Cs wurde bemerkt, daß 'sich die Eisenbahn-' '8edi'e«stet'en an -dem Pogrom -beteiligten. Die Polizei vevhvelt' sich passiv. Wer jüdische Sejm-- -klu'b-hat die erforderlichen Schritte eingelettet. '.; Die W i t o s - P a p t e l evlietz eine kläouns, 'sn welcher festgestellt wivd, daß die Hchu/d äh tzestr verguHnäst BlUtp nicht NU« 'dest Wö^dev NiewistdomM trifft, spudern '.uhch' stikke'..'j-'öN.L,/ die der öfsenllichen Meinststg. eiste Atmysphsixe -es. Mtentäts '.VVLchestestyt.'hüben. Eistä„ ähnliche Epflärustg veWsesttlicht auch ' die^: W st - w o i c n i'r- Gruppe. •' r . nnt'. im ganzen EstUde; die geotze, Erbittepustü über das . vollbrachte Attentat cheritzscht> tst Ls- .mit Ausuähche : vvn :C zL-tt» st^oH NN' und^K r nFst:«>?r wo die Arveiter- ,chaft einestM nnl estOns r k Nelt^mrsends rN Myruheu gekommen« Warschau, 18. Dez-ember. (H. C. B.) Die Letzte Tat w* Imvenmilniister K am i e nski vor. sVMer erMunHemen De« Mi'ssion war em Zirfttlar an alle Woiwodschaften -und an 'den Wavschcnl-er Regievüugs^ommissär, daß. alle nach dom 12. Okjvber1621 in Polen ein-getroffonen F l ü chtli n g e a u § 3t:i ß-- lastd.W spätestens I^Marz 192Z aus.Polen-z»t ent.fLrnev sind..Das',Zi-rckklar KaMienskrs betrifft auch solche WuchtLmge hiö.'sich auf Grtlnd der WerordM-ng des Jnmemninistors vop schrrstsmaßig -^gistriext. «haben, aber erst nach dom 1. Marz 192$ ihr Ämvri^-BisMt schallten. Warschau^ 18. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ Ineiner Abendhandelsschule wurden Zettel mit -der Aust fordermtg: „Schlaget und tötet. Hst jüdischen . Schüler!^ verteilt. Dst Folge war 'ein - allgemrmer stebersqll auf' dH -d«' WWich'^Schüler verlaffen mußten,. /