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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-16 · Heft 1383 (16.12.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1383 (16.12.1922)
Date
1922-12-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Skr. iS83 Wien, SamStagj Wiener MoeOMzeikÄM, 16. Dezember '16L2 Seite S Zionistisohes Iiändeskomitee für Oesterreich»««^ RHIIIBK5 U Morgen Sonntag den 17. Dezember h Jl, 8 Uhr abends Sophiensale KAMM: « ■ w: » ■ ' S’ Festrede: Pr. Jak?b Ehrlich Mitwirbende: WHnaerTrupps (Erstaufführung „Die Wand“, Oskar Beregl (Mitglied des Deutschen Volkstheaters), Hakoah»Orcfiies«er ■■■■■■■■■«■■ Karten täglich von 9 bis 12 und 4 bis 6 Uhr im Bureau des zionistischen Landeskoiwitees, H,, Taborstrasse LVs«»»,»« Ätetfi zugekommen. Diese Vorschläge habe ich, sagt Dr. Hornik, ohne auf eigene Initiative zu verzichten, zur Grundlage meiner Tätigkeit gemacht. Ich nrochte darauf hintveisen, daß die Tätigkeit des rrichsdeu Ischen Ersparungskommissärs drei Monate nicht überlebt hat. Ich kann bereits auf eine sechsmonatige Tätigkeit zurückblicken und ich hoffe vielleicht den Rekord zu schlagen. (Heiterkeit.) Das Wiederaufleben de5 Erlsparungskommissärs in Berlin zeigt, daß das Bedürfnis nach einem außerordentlichen" Organ sich stark durchgerungen hat. Ich habe unverbindliche Nachrichten aus der Tsch eo -- Slow a kei, daß man sich dort ebenfalls mit der Frage eines Ersparungskommissärs befaßt. Vielleicht werden wir alle drei von einander lernen und einander, unterstützen. Z!eHakenkrru?ler. Die Nationalsozialisten veranstalteten gestern abends beim Stalehner eine Versammlung, in der Dr. Walter Riehl der aus Christlichsozialen und Großdrutschen bestehenden Regierung Ken Vorwurf machte, daß sich kein« antijüdische Tätigkeit entfalte. Dies sei am deutlichsten bei den Verhandlungen über die Mietergesetze zutage getreten, wo den einheimischen Mietern und Hausbesitzern die gleiche Behandlung zuteil wurde wie den Fremdelt, die sich hier im Kriege und in der Nachkriegszeit Hauser erwarben und Wohnungen erschlichen hatten. Bei der Hetze, die^egen den Rrktor der Universität entfaltet wurde, weil sich dieser der bodenständigen deutschen Studentenschaft au nahm und gegen die eingetvanderten jüdischen Studenten ans Polen imK Ungarn auftrat, sei kein einziges Wort im Nationalrat seitens der christlichsozialen und großdeutschen Mehrheit oder der Regierung zugunsten des Rektors gefallen. Dein Bundeskanzler Dr. Seipel möchten wir nahelegen, in der Jud'enfrage kr ine so s ch wankende Haltung einzunehrnen, sondern den Juden zu sagen, sie sollen froh sein, daß sieHre Söhne an der Wiener Universität studieren lassen können. In Jerusalem habe man eine Universität errichtet. Wenn diese sich cinen deutschen Arier zum Rektor nehme, dann wäre auch die Möglichkeit vorhanden, daß ein Jude Rektor an der Wiener Universität werde. Die NationalsoZialisten seien gegen das jetzige parlamentarische System. Die Genfer Verhandlungen haben die ganze Hohlheit des österreichischen Par- , lameniarismus davgetan. Eine Rettung wird nur möglich sein, wenn sich alle arischen Völker Europas zusarrrmentun und sich von ihren Peiningern befreien. Dann werde sich zeigen, daß man keine Parlamente, wie d'ee heutigen mehr braucht rlnd daß die beste Vertretung des Volkes die S t ä n d e k a m m e r n sind, in die das Volk seine Vertreter durch Be-- rufsgruppen entsendet. Ern Parlament mit 182 8lbgeordneten, dazu acht Landtage mit so vielen Landeshauptleuten und noch dazu ein Bundes rat, der nichts als Verlegenheiten bereitet, das ist eine unsinnige und kostspielige Volksvertretung. Redner sagt, daß er irr seiner vor wenigen mit dem Bundeskanzler geführten Aussprache, diesem ^klärte, daß Neuwahlen nuc dann einen Sinn hätten, wenn das jetzige Wahlsystem geändert würde. Das Volk . Esse die Führer wählen können, zu lenen es ein Vertrauen habe, aber n i ch t e i n e n Z e t t e I mit Namen, mit dessen . Träger es in gar keinem Kontakt stehe. Das heutige Wahlsystem mache das Aufkommen einer «eilen Partei unmöglich und fei mrr eine Sicherung verkalkter Politiker. Die sozialdemokratischen Vorwürfe, Ach die Nationalsozialisten einen-Umsiurz herbeist'chren wollen, daß sie Pogrottlisten seien und 'mit Mussolini in Verbindung stehen, entbehren jeder Grimdlage. Wirbrauchen keinen Umsturz. Die Dinge entwickeln sich von selber, mit den: Chauvinisten Mussolini haben wir nichts zu tun und Pogroms machen wir auch nicht. Die sozialdernokraüschen Führer brauchen sich nicht zu fürchten. Wir tun ihnen nichts,^ sondern haben vielmehr ein Interesse daran, daß solche * germanische Lichtgestalten wie Aufterlitz> und Genossen för.Sozialdemokratie erhalten bleiben. Mit Mixilttaten würde man den Sozialdemokraten nur nützen. Dies habe sich in Innsbruck gezeigt, wo die Sozialdemokraten den Bundesrat Dr. Grüner schon lange aus der Partei draußen haben möchten und ihn jetzt nach item Attentat als Märtyrer behalten miissen. Kein Wunder, ftifj' sie daher auf die Attentäter wütend sind. Die nationalsozialistische Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten. Sie ringt sich in Bayern, Deutschbämen und auch in Oesterreich durch. Sie ist eine Volksbewegung, wie jene vor 100 Jahren. Und so hoffen wir, daß der Tag kommen wird, wo sich das deutsche Volk von seinen Peiningern befreien wird, wo wir dann jene, die Marburg, Z na im und Südtirol verschachert haben, vor den Stäatsgerichtshof bringen und dort zur Verantwortung ziehen können. Dan wird Wien wieder eine deutsche Reichsstadt werden. (Stürmischer Beifall.) F Nationalsozialist Koller ans Salzburg schilderte die Stärke der Bewegung n Bayern. In München finden nächsten Sonntag nicht weniger als zwölf Massenversammlungen der Nationalsozialisten statt. Auch die Berichte, die ans Deutschböhmen und Schlesien imb Mähren über die nationalsozialistische Bewegung einlausen, zeigen ihr Anwachsen. Die Versammlung war von etwa 500 Personen besucht, - Kein Mcheraurfuhrverbot. Der Hauptausschuß trat, gestern vormittags zu einer Sitzung zusammen. Bei Beratung der Verordnung betreffend Abänderung der Verbotstiste für die Ausfuhr von Waren über die Grenzen Oesterreichs, erklärte Bundesminister Kraft, die Regierung ziehe vorläufig ihren Vorschlag auf Erlassung eines Bücherausfuhrverbotes zurück, t‘«a iwch einige Bestimmungen einer Klärung bedürfen; der Minister Nndigt gleichzeitig die Erlassung einer Spezialvewrdmmg an. ' Die von der Regierung vorgelegte Verordmmg ivurde einstimmig genchimgt. Die Verordnung betreffend Aushebung der Zollfrei heit für Gemüse, Früchte ». dgl. wurde mit Rücksicht auf die vom Abgeordneten Seitz geltend gemachten verfassungsrechtlichen Bedenke» von' der Regienmg zurückgezogen. Die Verordnung betreffend die Erstreckung der geltenden Verordnung über die Erhaltung des Arbeiterstandes in gewerblichen Betrieben bis zum 39. April 1923/wird einstimmig angenommen, ebenso die Verordnung betreffend die Weiterzahlung der KinderznsHüsse nach dem AbbLWchtz, Pslm Serbe« «rü> Wlaate». Belgrad, 13. Dezember. Gestern, hielten die hiesige» Universitätshörer in einem Saale her Hochschule eine Ber-- sammlung ab, um die Delegierten zum A l l s l a w i s ch e n Kongreß in Prag zu wählen. Im.Saale ivaven die Sttrdenten gleich zu Beginn der Versammlung i« ztver Lager geteilt. Anlaß dazu bot die Gegnerschaft bezüglich der Wahl des Präsidenten sowie die <frage, ob man zum Prager Kongreß auch bulgarische Delegierte ohne die bereits verlangte EÄärung ihrer ' Loyalität für das Slawentum znlassen solle. Die Kommunisten waren dafiir, daß man die Teilnahme der Bulgaren am Prager Kongreß ohne diese Erklärung bewilligen solle. Der andere Teil der Studenten stellte die kategorische Forderung auf, die bulgarischen Studenten mögen Lintvandfrei erklären, ob sie Slawen oder gar Mongolen seien, wie sie sich während des Krieges ausgedrückt hätten. Nach heftigen Debatten kam es zu einem Zusammenstoß zwischen beiden Parteien, der auf beiden Seiten eine Anzahl blutiger Köpfe zur Folge hatte. Als der UniversitätssÄretär Spasojevic mit großer Mühe in den Saal gelangen konnte, sah er, daß sich eine Partei mit den Möbeln eine B a r r i k a d e errichtet hatte, über die allerlei Geschosse, wie Stticke von Sesseln -und dergleichen, hin- und herflogen. Im Namen des Rektorats schloß der Sekretär die Dersanunlung, worauf die n a t i o n a l i st i s ch e Studentenschaft die Trikolore entfaltete, in die Stadt zog und dort die xote Fahne der Kommuniften mit Füßen trat. Hierauf ging der Zug zum Königspalais, wo patriotische Lieder abgesungen wurden. Sodann zerstreuten sich die Studenten. Die Zahl der Verletzten istnoch nicht sesigestellt. c ßuglMd gtutoliert dem PkWrnte« Ranrtovikz. Warschau, 15. DeFmGer. (Poln. Tel.-Ag.) PräMm Noruwwicz erhielt durch' Bevmittlmvg des britischen Gesandten ein Glückwunschschreiben des britischen A u ß c n m r n i st e r Z. Das Schreiben gi-bi der' Hoffmurg Ausdruck, daß Polen während der AmtsPeriüds-MrntowicZ Frieden, Fortschritt Md Wohlfahrt gerrießen werde.? Thugut, deffMierter M«WerprMe«t? Warschau, 14. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.^ In der nächste» Sejmsitzung lverdeu' die linken Parteien zu -den letzten Demonstrationen der Nationaldenwkra-ten schärffte Stellung nehmen und einen Dringlichkeitsautrag ei'nibringen, wobei heftige Zusantmenftöße zwischen den rechten und linken Abgeordneten erwartet Werdern In der Bevölkerung herrscht große Anfregrmg wegerr der schandlicherr Vorfälle, die durch die NatimraldenuErawn nach der Wahl Narutowrcz herdvMrufen wurden, Gegenwärtig beschäftigt die politischen Kreffe die Frage der nerren Regierung. Die Erledigrmg der Frage dürfte erst nach .den Weihnachtsferien erfolge». Bis dahin wird die Regie-- nung 'loeiterkhin in den Händen des Mirüstevprästdr'r' nr Nowak und seiner Kabirrettskollegen verbleiben. Wie in maßgebenden Kreisen verla-niet, dürste der Präsident des „Wyzwolonie"-Klübs, Abg. Thugnt mit der Mission der N-woildslng des Kabinetts betmut iverden. Mrs neue Kaibmett wird Vora-Msichtlich vmr sLuMchen linken Parteien unterstützt werden. Witos wird angesichts der letzten Er. eiguisse um den linken Gruppen zufammoMhen. . Mch den Avruhm. Warschau, 14. Dezember. (Del..der „Wr. Äkorgenztg.") In Warschau ist bereits vollkommene Ruhe emgetreten, doch -haben die Nationaldemolraten den Kampf gegerr Na■? rutowiez nicht eingestellt. Generäl H a ll e r erließ euren Auftuf, in dem er die polnische Gesellschaft aufforderr, im gegenwärtigen M-omenite, wo die Nation durch innere Kämpfe zersplittert ist, keine Exzesse, die die Staatsordnung Bansftz MrLÄEe»^ ,; Budapest, 15. Dezember. (Ung. Tel. Korr.Mft'.) Mriisler des Aeußer-n Graf Banffy ist gemäß seiner seit längerer Zeit gehegten Absicht von seinem Posten znrückgetreten. Mit der provisorischen Leitung des AEvartwe Arittes hat der Michsvevweser den Jnstizminister D a vuv a r y betraut. Banffy geht, wie berichtet, als Gesandter nach Paris, nur dort im Sinne der Kriegspolitik Ungarns zu wirken. Es verlautet, daß Graf T ele k r, der Mrnister- Prasiderrt des Exkönigs beim Putsch, zum Leiter ArHenamtes ernannt werden soll. ■ „ein Polen für die Polen". sei, zu arbeiten. Di-?. Parttilemung der Nationaldemokraien fordert -ebenfalls zur Ruhe \ sm<f und appelliert an die polnische Oeffentlichkei-t, an der Stärkung des nationalen Lehens und der Vevwirklichurch der Grundsätze „Polen firr die Polen" miizuavdeiten, da es?, für jeden klar gÄvorden fei, „daß die Juden, die seit Jahrhunderten, den Handel, das Göwerbe und die polnischen Städte bcherrschen, gegenwärtig an der Spitze fremder Nattonalitäten curch die. Regierung der ReMblik irr Besitz nehrnen^ wollten. Gegen diese Ziele müsse die polnisch« Oeffentlichkrüt den Kanrpf archrchnren, rmr die polnischen Städte, Gewerbe, Schulen und Universitäten wie die Herzen und Gemrüter der polnischen Arbeiter und Bauernschaft, die im Lager der sozialistischen Volksparhei sÄhen, ans dem' W der Ach« z« , . - ZeMnstratimM in Lemberg. Lemberg, 13. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgen- Zeitung'^.) Die Nachrichten über den Verlauf der gelegentlich der Eidesleistung des neuen Staatschefs- Närutowicz von seiten der polnischen Nationaldemokraten in Szene ge fetzten Denronstrationen-vor dem Warschauer Sejm haben auch die hiesige öffentlich: Meinung in Mitleidenschaft gezogen. Während die meisten Tagesblätter die Taktik der per-- sönlich im Hintergnmd stehenden Pvirteiführer auf das Schärfste verurteilen, bringt das „Slowo polske" täglich enehrere Brandartikel mit der Spitze gegen die nicht Polinscheu Minderheiten, wobei es mit nicht nüßzuvrnstehender Derttlichkeit durch Verdvehrrng der Tatsachen in erster Reihe die Juden für den Mißerfoh; der Rechtsparteien vemntworttich macht. Die Folgen dieser konsequent betriebenen H?.tzkam< pagne der rxttionaldemokratischen Presse machten sich in einer gestern von den allpolnischen Studenten vor dem M i o tiewicz>-Denkmal veranstalteten Kundgcbuucs Lust, bei der nach Absingung eines Natioualliedes P f u t u it f e anf PilsuVski, Närutowicz und die Inden erfolgten. Eine im Anschlüsse an diese Kundgebung von den hiesigen Allpolen einberufene Protestversanrmlmrg gegen die Wahl Närutowicz' wurde in letzter Sttlnde polizeilich verboten. Es ist nur den überanL umsichtigen und energischen. Vorkehrungen der Polizeidircktwn zu verdanken, daß die Demonstration so .Ziemlich glimpflich ver« laufen ist. ' von unserer besonderen i Billigkeit erzeugen Sie siel_ m nla nft TdborslrBßs 48 mann-— g« gros kn detail .M«

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