Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1381 (14.12.1922)
- Date
- 1922-12-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Donnerstag Wleriep Mdkge«zettüüs^ 14. DezemLev 1S2S mm Wiener Feizwarenmarkt BreitfeSd&Lander, Wien, II. Sperigässe ® (Ä'y 3^2asrf»8»E>4i LTcrhnachen in Anbetracht des Umstandes, daß in der eigentlichen WeihnachtZwoche ohnehin durch die zwei Feiertage eine Verkürzung der Arbeitszeit eirrtritt, voll arber. t e n zu lassen, damit die Arbeiterschaft wenigstens bei der [Auszahlung vor den WeihnachtZfeier tagen volle Wochen«! lohne nach Haufe bringt. Die Vertreter der Industriellen erklärten sich utiverbindlbereis für die Bewilligung dieser Fordeung bei den Mitgliedern des Industrieverbandes einzu- 'eten. . Mechs-SlMM. Äaschkn gegen vir LegkauSre. Prag, 13. Dezember. Zu der Bemerkung des Finanz« Ministers Dr. Ra'chin in seiner letzten Rede in Pardubitz, daß die Legionäre im Befreiungskampf nicht immer nach der Losung „Weder Gewinn noch Ruhm" gehandelt hätten, meldet die „Tribuna", die Führer der Legionärorganisatronen hätten beschlossen, diese Beschuldigung nicht ruhig hinzunehmen. Die Legionäre sähen in den Ausführungen Dr. Raschins einen Zusammenhang mit seinen faszistischen Grundsätzen, aus denen eine natioualdemokrat ische Aktion geboren werden solle, die die Ordnung und Ruhe in der tscheche-slowakischen Republik bedrohe. , Ungar». Die fslschr« Sokumsute des christlichen Kurses. j In -der MoMogsitzung der ungarischen Nalionaltzevsamm- Mng erklärte Mg. Ulain, er habe in der. vergangenM Woche' jgegM die Rassay-Portei die Beschuldigung erhoben, daß sie!vo« tschechischer Seite zu Wahlzwecken Geld er-!Halden habe. Er sei gestern aus.der Regierungspartei aus^e-! treten und stell« mrnmahr -als parteiloser Abgeordneter fest, daß [ec zur Crhart«ng seiner Behauptung' keinen prozessu- ^ellen Bewe iS in der Hand Wa. Er bitte deshÄb das Haus innd die von chm SÄsidigde« AbMvrdneten um EntfchnlsdiSUNtz. . ,! Abg. Raffay gr6t sich mit der Erklärung nicht zu« Frieden und Anterbveitej dem Hause die Photograph!« leiner Quittung, wonach er und ein gewisser Gonda am [19. März 1922 in Wien von tschechischer Seite fiir WcchlMckr der ungarischen liberakn Partei ZM.MO^ tschechisch« Kronen m iCmpstmg genommen hätte. Die Qmrt^ng, die m seine Hände ' gelabt sei, sei eine offenkundige plumpe Fäl« .sch ü ng. Redner fordert die Einsetzung einer parlamentarischen lUn-tersuchüngskormniMoN. Er halte es auch für moKich, /daß iischech ische Beamte mnlEere Geldmampulationon mit dieser igrsälschten Quit-ttmg vor ihrer Obrigkeit decken wollten. Ministerpräsident Gras Bethlen erklärt, daß er schon [seit längerer Zeit von der Existenz dieser Quittung' Kenntnis -habe. Er habe vor einigen Monaden eine» Bericht echÄtvn, womach Abg.^ Rasfah in Wien mit ungarischen GnttgrarüM in der Lschecho-flowalischen Gesandtschaft in Verbindung gebveten sei« 'solle. Es sei seine Pflicht gewesen, Ärse Angologenhert' untersuchen zu lassen. Hierauf se-i ihm die in.Rede stehende Quittung übermittelt worden. Sachverständige im Schreibfache hätten aber .festgestellt, daß die- Unterschriften von Rajfah und Go-nda Fälschungen seiem - / Abg. Ulain -erklärt, daß er an der Herstellung der Fälschung keinen. Anteil habe. A'bg. Nassay stellt fest, daß er in Wien bloß mit Ernst Garami (Riefe bei -den Sozial^mokradein: Hoch Garam-U Widerspruch auf der Rechten) und Martin Lovafsh in Der- - .bindung get-veten sei. Die Lärmszenen, die zur Suspendierung dar Sitzung geführt H-Mn, sind dadurch entstanden, daß während der Rede des Abg. Rassay, dar in persönlicher Sache das Wort ergriff, die Opposition, durch einen Zwischenruf des Abg. Ulain veranlaßt, forderte, daß Main den Sitzungsforck verfassen müsse. Abg. Hnszar (Vizepräsident der Nationa-lversammlunig) sprach eindringlich aus U-la-rn ein, der «sich jedoch trotzig der Opposition gegenüberstellte. In diesem Augenblick eilte Abg.- Gömbös -ans Hnszar -z« und es enistand zwischen den beiden ein heftiger Wortwochsel, während dessen Ulain -dm Sitzungssaal vevlietz. Da der Lärm immer mehr nm sich griff, suspendierte der Präsident öle Sitzung. Nach WiLderaustrcchme -der Sitzung forderte Mg. Naffah den Ministerpräsidenten Grafen Bechle-ic auf, die der Regierung zngegangon-en Wiener Berichte über seinen dortige« Aufenthalt und ftin-e - angeblichen VerhaMungm mit den Tschechen dem Hause zu' urtteirbroiten. Mimstvrpräfident Gvaf Bethlen erklärt«, baß.er gegen -den Abg. Rassay kein« Beschuldigungen erhoben habe, daß -er sogar in der gestrigen Sitzung in bezug auf die vom Abg. Ulain erhobenen Beschuldigungen dem Abg. Rassay volle Genugtuung MU-ben habe. Er protestierte dagegen, daß man ihn für Aenße« MNM eines jeden Abgeordneten vevantworEch mach«., Er sei. jcdcch bereit, die vom Mg. Rassay. gewünschten Betuchte schone morgen 'dem sbarlamewte r« gehhi-vrsutSidiLn^ vvrLuläam, Abg. Stephan Friedrich M hierauf an, daß gegen ihn im vergangenen Jahr Beschuldigungen erhoben wurden, wonach er aus hochverräterische Weise mit d«m Präsidenten Masaryk in Verbindung getreten sek und diesem wichtige Men übermit-M habe. Redner fordvvt, daß man.ihn vor das zuständige Gericht stell«. Der Ministerpräsident erwiderte, von dieser Anklage n-kvmckls gehört zu Habens Ws Wg. Friedrich anläßlich des Königs" pntscheS vechaftst worden sei, fei dies geschehen, wett man ihn der nnbe-fngt-en militärischen Anwerbung beschuld-igt«. Abg.- Gömbös erklärte, in der heutigen Sitzung mit dem Zfbg. Hu-szar eine Auseinandersetzung aus dem Grunde gehabt zu haben, weil er annahm, Hnszar wolle Ulain zmn Verlassen, des Sitzungssaales bewegen, was er vechmdern^ -vollte. Da sich Redner inzwischen von seinem Irrtum überzeugt habe, tue e8. ihm leid, Veranlassung zu diesem Zwischenfall gegsben zu haben. Nachdem noch Abg. Rassay erklärt.hatte, daß er sich damit Fnfvreden gebe, daß die auf feine A-riHelogercheit bezüglichen Be-, richte in geschlossener Sitzamg vorgelogt werden, wurde die nächste Sitzung suf,movgsn andsraumt. . , Pole«. AMsanwtt Ramrswiez» Marsch«. 13. Dezember. (Poln. Del.-Ag.) Staaisches Pilsudski wird am Donnerstag dem Präsidenten der -RepMik Navutowicz die Amtsgewalt übergeben. Rundschau. Zer WeMedMÄongerß. Amsterdam- 12. Dezember. (Wölfs.) In her gestrigen Nachmit'.agssitzuntz. des Weltfriedenskongresses führte der Vertreter der französischen Liga für Menschenrechte, Professor Puifson, ans, daß dir Liga den internationalen Generatstveik als Abwehrmitßel gegen einen neuen Krieg gucheiße. Der Völkerbund sei eine unvoMommene JnsMution. Die Menschheit fei reis, um sich von dem Verbrechen des Krieges fveizum-achen. Das Heranwachsende Geschlecht müsse-im Geist der Brüder^ lichkeitund Fr ei he i t «msgezogen werden. An Stelle des abwesenden Professors Quid d e sprach Hellmuch von Gerlach, der vorschlug, daß aus Bertvetem des Bureaus des iuterwattonalen GewerkschaftSbundes vr Amsterdam und anderer internationaler Organisationen mit den gleichen -Zielen ein ständiger Ausschuß gebildet werden solle. - ' Aufstand im Sudan. London, 12. Dezember. Das Reutersche Bureau meldet cmS Kairo: Im Sudawist ein Aufstand ausgrbrachen. Die Eingeborenen haben eure Anzahl von Polizisten und Kcmfleuten ermordet und die Hauptpolizeistation in Seda angegriffen. Sie wurden aber zurückgeschlagen.' Die Stväsmaßnahmeir sind rin Gange. Meutat auf de« mnMMchm Kons«! in Malta. London, 12. Dezember. Das Reutersche Bureau meldet aus Malta: Der amerildntsche Konsul MDtchell ist von einem Unbekannten durch Änen^ Schuß verletzt worden. Dem Angreifer ist es gelungen, zu entkommen.. deffimirmns Sei de« tiiMchr« Nationalist«^ Angora, 12. Dezember. (Havas.) Musiass Kemal Pascha erklärte, daß zu .seinem Bedauern kein Anzeichen dafür vorhanden sei, daß die Konferenz von Lausanne den türkischen nationalistischen Standpunkt annehme. Die nationa-liftrsche Presse - ist wenig optimistisch. Ae Morkaner ASWnnsüonsrrenr «eschettert. HiWgso«, 12. Dezember. (HavaS.) DK MosKmer Abrüstungskonferenz ist g e s ch e i t -r r i, da sich die Rüsten weigern, «inen Nichtangriffspakt vor Abschluß eines Uebereinfommens' bezüglich der Frage der Herabsetzung der Rüstungen zu unterzeichnen. Faszisten-Prapaganda. Krakall, 11. Dezember. (Tel. -er „Wiener WrgenPitung".) Der bekannte Antisemitenfühver, der Täufling Adplf Neuwert Nowaezynski sollt« hier eine Vorlesung über den Faszismüs, besten EinfülMng er in Polen propagiert, halten. Als Nckoaezinbki im Bahnhof angekommen war, wurde er von einem Studenten berpKgett. Bei der Berhäftung gab der Student an, daß er Nowanczynski wegen fe'mev Angriffe auf Pilsut^ki verprügelt. habe. Als am selben, Nachmittage Nowaezynski seine Vorbesung im alt«n Dheatersaal bvgimren sollte, erhöh sich ein fchvecklicher Tumult, wobei das elektrische Licht' abhedreht wurde. Daraubin müßte Nowsr-wMchiue Vor- ' MMveLe«,. Skr Äenwahl«! im Gremium der MM Kanfmmmfchaft. Antisemitisch« Agitation. Heute Donnerstag den 14. d. finde» in -er Zeit zwischen 4 und 7 Uhr abends die Wahlen in die B«rtretvngskörpcrschaften . deS Gremiums der Wiener Kaufmannschaft statt. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft ist eine der wenigen Körperschaften, die ausschließlich die Jnteresten der Kaufmannschaft zu vertrete» hat. Es ist daher für die jüdische Kausmaa«- s ch a s t von allergrößter Wichtigkeit, daß ihr in in dieser Körper» schast jener Einfluß «ingerSumt werde, der ihrer Starke und ihrer Bedeutung im kommerziellett Leben znkommt. I« der letzten Zeit hat eine Gegenagitation eingesetzt/ die versucht, auch beim Gremium der Wiener Kaufmannschaft antisemitische Erregungen in die Wahwewegung hineinzutragen. ES ist Wohl von allergrößter Bedeutung^ daß ein« so hervorragende kaufmännische Körperschaft, wie.«sj das Gremium der Wiener Kanfmannschast ist,, wo bisher in nationaler und konfestioneller Hinsicht stets volle Harmonie herrschte, nicht der Tummelplatz antisemitischer Agitation werde. Um dies zu verhindern» muß unbedingt jede« jüdische Kaufmann heute nachmittags im Haust der Kaufmannschaft, 4. Bez., Schwarzenbergplatz 16, zur Wahl erscheine» und seine Stimme nur für die ossizielle Liste ahgebey. AS Legitimation ist die seinerzeit alle« Gremialmitgliedern'zugegangene Wahlkundmachung oder im Falle deren Verlustes ein die Identität des Wählers beweisendes Dokum tut (Gewerbeschein, Gremialbestatigung» Straßenbahnzeitkarts mitzubringen» Firmen, denen die Wahttegitimatio» nicht zugekommeu sein sollte, erhalte» im Gremium der Wiener Kaufmastnschäst ein Duplikat, bas sogleich abzuholen ist. Kein jüdischer Kansman» darf heute bet der Wahlurne fehlen! > , . An idsr Spitze der „rassenrei-nen Bodensiä-A»' di ge»" stcht KaMnstrmt Jung, «der in der OeffeMchleL' durch seine Agitation für die hohen Z< -tu e -n i.z o! I für die Erhöhung der Lagerplatzmieien und Mietzinse sattsrm. bekarnct ist. Den Beweis für.-feine BodsriständMit ist er all^rdingS schuldig gc'bl'^borr, da er sich e r st w ä h r e n d d e s K r! v\ tzSs als selbständiger Kaufmann etMierte. Eine' zweite Gegenliste wird' vom der so^ialdem o-->- kratischen Kauflout« rmd , GlärerbeiveSäenderr .propagiert.! Jntereffant ist es, daß es über Dctre-i.-en Juirgs zu Becha-nd-- . lüu-gen zwischen den ChristNchso'sia! en u n 4 önt: Sozialdemokraten kam, die sidoch an dem Widerstand' der Sozürldemokraten gescheitert sind. Zas MiüneOudsrt der fc Arrsgaben: 1,288.442,090.000 5tronen. — Keine neuen Steusick^ Der Vovanschlga der Gemeinde Wien für das Verwal«! timgsjahr 1S23 zeigt ein« Ansgabens nmme von! 1,288.442,M.Mi Kronen. M«h r als 12L8 Milliarden! Kronen kommen im Verlaufe des konrmendey Jahres zurj Ausgabe, obwohl überall -im GemeindehauZhalte ciuschneidLNde! Streichungen vorgenommen worden sind. Im letzten Friedens«! jahr war das Gesamterfordernis 345 Millionen Kronen, iirr> Dezember 1921 wurden für das lausende Bsrwalinmgsjühri S1 Millionen Kronen vevanschl-agt, im Zug« der Grldeniwertung ist nup die Gemeinde bei eineinviertel Billionen Kronen angelangt, und es ist von Interesse, zu Erfahren, däß die Be?», waltung der Gemeinde' hofft, o h n e E i n f n h r n n g n e u o r' Steuern ihr -Anslangen finden zu können. 2lnch die besteh enden Abg-aben sollen, wie Stadtrat Breit ner Pressevertretern gegmüber sich geäußert bat. soweit in Prozenten ß.sigesetzt sind, öeine Steigerung erfahren. Nur sine Abgäben, bei denen im Dezember 1921 die Abgabe in Krorun.- betragen bestimmt wurde, müssen dem veränderten Geldwert angepaßt werden', das sind die Hanspersonal-, Antoinobil--, Pferde-, Hunde-und Konzessionsä-bga-be. Die Gesamteinnahmen -der Gemeinde sind mit 1164 Milliarden Kronen veranschlagt. Es ergibt [tu) Älso ein / ' Fehlbetrag von 123,9 Milliarden Kronen. Hnwon sollen ßO Milliarden Kronen durch eiue, Investitio-nsanleihe aufgebracht werden, ein Betrags -der zur weiteren Ausgestaltung der städtischen Werke, benöjüZi wird. 46 Milliarden Kronen will die Gemeinde an Per«! sonalrusgaben ersparen. Die Persönalkosten. sind mit 874 Milliatden errechnet. Zugrundegelegt si,w dem. BorayschSirg^-iet im Monat ÄMW .äuSgezahlten Eczüge» Lei. -LvwstÄtz' Kvei neMive JMWern C7C