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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-12 · Heft 1379 (12.12.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1379 (12.12.1922)
Date
1922-12-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Rr. 1379 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 12. Dezember 1922 Seite $ :..Zionistisches Iiindeslsontitee für Oesterreich Sonntag den 17. Dezember l* J. , 8 TJfir abends, Sophiensäle Programm: Wilnaer Truppe, Oskar Beregi, Halcpdh- Orchester Karten täglich von 9 bis 12 und 4 bis 6 Uhr im Bureau des zionistischen Landeskomitees, II, Taborstrasse 20a( Polen. Jemkinstrallonen gegen den PrWdenten. Marschau, 11. Dezember. (P. T.-A.) Heute mittags föit/b eine Sitzung der N-ationalveosammlung statt, m der der nmgewählle Präsident der RepMik Narutowicz den durch die Verfassung vorgeschriebenen Eid leistete. j Nach der Sitzung begab sich der Präsident in die Mij nistersalons, wo er die GlnckSvünsch des diplomatischen Korps, des Präsidiums des Sejms und des Senats sowie von Deputationen der einzelnen Abgeordnetenklubs entgegenn-ahm. Wahrend die Nationalversammlung tagte, sammelten sich vor dem Sejmgeibwude einzelne Gruppen von Anhängern der Rechten, denen sich Straßesöbel anschlotz, und demonstrierten gegen den Präsidenten. Mehrere Abgeordnete der Linksparteien wurden nicht in das Gclbäude eingelassen, einige sogar tätlich insultiert. Der Minister des J-nnern hat im Zusarmnenhange mit diesen Vorfällen den VolizeÄormnandanten von Warschau vom Amte suspendiert. Wiederaufleben der Nonrottyetze. Warschau, 19. Dezember. (I. C. B.) Der antisemitische Rozwoj-Bund in Polen gibt umt erneut die Parole des Boykotts jüdisHer Waren aus. In einem vom Lodz er Rozwoj-Bund erlassenen Aufruf wird darauf hingewiesen, daß von den 16 Millionen Juden in der ganzen Welt sich allein tit Polen vier Millionen befinden. Dabei wird unterstrichen, daß in Polen die Zahl der Juden das Fünffache der jüdischen Einwohnerschaft Palästinas beträgt. Ferner wird daraus hingewiesen, daß die Juden 70 Prozent des polnischen Handels, 86 Prozent der Industrie und 62 Prozent des Handwerks in ihren Händen haben. In den polnischen Städten soll die Zahl der Juden die der Nichtjuden um 750.000 übertreffen. Die Nuwerur clausus-Proftaganda. Warschau, 10. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg".) Einer Delegation polnischer Studenten, die wegen Einführung des Numerus clausus für die jüdischen Akademiker an den polnischen Hochschulen vorsprach, gab der Unterrichts min ist er K u m a n i e z k i den Bescheid, daß eine Beschränkung der Ausnahme neuer Akademiker aus technischen Gründen im Bereiche der Möglichkeit liege, daß aber ein einseitiges Vorgehen gegen die jüdische Studentenschaft als konstitutiv ns widrig ausgeschloss e n sei. ' Die antisemitische Studentenschaft bereitet eine Aktion vor, die daraus hinausgeht, die Frage des Numerus clausus vor das Parlament zu bringen. Die rechten Parteien haben versprochen, im Sejm für die Durchdringung eines Numerus clausus-Gesetzes einzutreten. ' Abg. Thon führte denr Unterrichtsminister eine Delegation des Zentralverbandes der jüdischen Hochschüler vor, welche diesem die Begründung des Zentralkomitees der jüdischen Hochschnlinstitutionen notifiziert und verlangte vom Ministerium die Zuerkennung eines enffprechenden Teiles der Subventionen, die der Staat den akademischen Hilfsorganisationen zuweist. Ebenso verlangte sie die Zuweisung von Gebäuden zur Unterbringung von jüdischen Hochschülern. Der Unterrichtsminister versprach, die Wünsche der jüdischen Hochschuljugend bei.der Erlegung des ganzen Fragenkomplexes der Staatshilse für die studierende tzochschuljugend zu berücksichtigen Keine Neuwahlen in Wolhynien. Warschau, 10. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie bereits gemeldet, haben die Nationaldemokraten die Annullierung der Wahlen in Wolhynien verlangt« Wie Ihr Korrespondent aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat die Hauptwahlkommission beschlossen, den Protest der Nationaldemokraten n i ch t zu unterstützen, da neue Wahlen in Wolhynien kein anderes Ergebnis zeitigen würden. Auch das Innenministerium ist nichts geneigt, die Annullierung der Wahlen zu Lefiirworten, da eine offizielle Kommiflion an Ort und Stelle festgestellt hat, daß die von den Nationaldemokraten erhobenen Beschuldigungen wegen angeblicher Bestechung von Wählern unbegründet erscheinen. An Wisches Gymnasium in Dubno. Warschau, 10. Dezember. (I. C. B.) Das Unterrichtsministerium gestattete die Eröffnung eines achtklassigen jüdischen Gymnasiums in Dubno mit polnischer Unterrichtssprache. Beendigung des Streiks in de« Tarbnth- Schule«. Der Lehrerstreik an den Warschauer hebräischen Schulen der Organisation „Tarbuth" ist beendigt. Der normale Unterricht in den Schulen hat bereits begonnen. Ungarn. Sine Anstage an Bansiy. Budapest, 11. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg".) Der Demokrat P a k o t s brachte in der Nationalversammlung eirre Interpellation in der Frage des Numerus clausus ein und begründete dieselbe unter anderem wie folgt: Ich stelle an den Herrn Unterrichtsminister die Frage, ob es e chte Kultur ist, wenn Gelehrte von europäischem Ruf von ihrem Katheder weggejagt werden, nur weil sie jüdischen Glaubens sind. Ist es echte Kultur, wenn der Eintritt in die Alma mater einem Teil der wißbegierigen Jugend untersagt wird, nur weil sie Juden sind. Der Nu-- tnerus clausus ist deshalb gefährlich, well dieses Schmachgesetz unsere Behauptün'gen Lügen straft, daß wir in kultureller Beziehung den Nachbarstaaten weit überlegen sind. Wir muffen mit Bedauern.sehen, daß im Ausland dieses Gesetzes wegen gegen uns gekäinpft witd. Daher stelle ich die Frage an den Herrn Minister des A e u ß e r n: wie äußerte er sich, als man ihn vor dem Völkerbund in Genf in der Sache des.Numerus clausus befragte? Dem Deputierten wurde aus seine Interpellation keine Antwort erteilt. Banffy ist inzwischen zum ungarischenGesandtenin Paris ernannt worden. Ae Spfer der rote» Revolution. Aus Budapest wird uns berichtet: Im Selbstverläge des Kvonanwaltssubstitnten Dr. Alexander Vary erschien dieser Tage ein 176 Seiten starkes Heft, in welchem der Verfasser die authentffche Liste der Personen, die in Ungarn dem bolschewikischen Terror zum Opfer gefallen sind, zusammengestellt hat. Danach wurden zu seiner Zeit in Ungarn 587 Personen ermordet, darunter von Tibor S amuely allem mehr als 100. Die Opfer sind gemeindeweise angeführt und bei jedem Namen ist auch der kurze Tatbestand mitgeteilt. Ein Anhang enthalt die alphabetische Reihenfolge der Namen der Märtyrer und ein volles Narnensverzeichnis der Volkskommissare. Der Verfasser dieses Heftes, der übrigens in dem Teil, der von der Räteregierung handelt, sich einer ziemlichen Objektivität befleißigt, ist sicherlich über alle Zweifel einer Judenfveundlichkeit erhaben, Zkber gerade diese Objektivität läßt ihn zunn Zerstörer der chrrstlichnationalen Legende .werden, daß die bolschewikischen Volkskommissare während der 133 Tage ihres Regmdes sich nur christliche Opfer ausgesucht und hmgemovdet hatten. Unter den 587 Opfern sind nicht weniger als 35 Juden, die in denr Heft Dr. Barys gleichfalls genairmt sind. Die jüdischen Opfer sind: 1. Dr. Robert Bandor und 2. Frau Dr. Robert Bandör (Buda-pest), 3. Moritz Baradi (Budapest), 4. Gustav Szigcti (Balatonkenese), 5. Franz Glaser (Gyoma), 6. Wolfgang Rubin (Debrecen), 7. Fviä>rich Reiß (Dedes), 8. Julius Man (Dunapataj), 9. Wilhelm Klein (Dunapataj), 10. Wilhelm Groß (Dmrapaiaj), 11. Josef Schwarz sDunapataj), 12. Ignaz Wett (Ghöughos), 13. Ignaz Krammer (Györ), 14. Michael Weiß (Hodmezövasarhely), 15. Heinrich Weiß (Hodmezövasarhely), 16. Heinrich Hadas (Hodmezovasachely), 17. Fvang Blum (Budapest), 18. Josef Kalman (Kalocsa) (irrtümlich ist im Verzeichnis Dr. Barys Joses Kalman als Katholik bezeichnet, in Wirklichkeit ist er Präsident der Kvlocsaer Mischen Kuliusgeme'mde gewesen), 19. Max Friedlander (Karcag), 20. Max Adler (Mezotur), 21. Samuel Ausländer (Nyirbakta), 22. Moritz Schwarz (Oer), 23. Julius Kodacs (Peeel), 24. Paul Lederer (Pußtakengyel), 25. Albert Berger (Szolnok),'26. Andreas Mellinger (Szolnvk), 27. Ernst Rots Molnok), 28. Alexander Grmßt (Szolnok), 29. Dr. Alexander Engel (Szolnok), 30. Aladar Spiller (Szolnok), 31. FerdiMwd Oesterveicher (Szolnok), 32. Nikolaus Sugar (Szolnok), 33. Albert Rosenthal (Szolnok), 34. Geza Rosenbevg (Szolnok), 35. Sanmel Pfeiffer (Ujdombovar). Es wäre sehr zu wünschen und von nicht geringerem öffentlichen Interesse, wenn der ungarische Kronanwaltssuibstitut seine Arbeit fortsitzte ud eine ähnliche Arbeit über die Zahl derjenigen Personen veröffentlichen wollte, die feit dem Zusammenbruch der Rätediktatur ohne Gerichtsverfahren ums Leben gekomrmn sind. Zur Statistik Barys sei noch bemerkt, daß die Berhältniszahl der Juden zur Gesamtbevolkerung in Ungarn etwa 5 Prozent betragt, während die Verhältwiszahl der von den Bolschewiken ermordeten jüdischen Märtyrer zur Gesamtzahl ihrer Opfer sich auf nahezu 7 Prozent beläu-ft. Ein zweites Heft Barys über die jüdischen Opfer des weißen Terrors wurde elm noch un/vevhättuismäßigere Ziffer ergeben. lMpMRaiCi.,Hia,R. K/ *» Toi.4»öS> w .El-Be-Ko' Exp o r. t nach allen Staaten! osm Schließung der medizinischen FMlM. Aus Klausenburg wird uns berichtet: Da die antisemitische Gruppe in der hiesigen Studentenschaft trotz der energischen Mahnungen der Regierungsbehörden die jüdischen Sudenten am Besuch der Vorlesungen zu hindern sucht, entschloß sich der akademische Senat im eigenen Wirkungskreis gegen die von den Budapester Horthy-Agentett verhetzten Ruhestörer mit den energischesten Maßnahmen vorzugehen. Das Profefforenkollegium ließ die. renitenten Studenten wiffen, daß wenn die Ordnung nicht unverzüglich wieder eintritt, die Medizinische Fakultät ohne Jndexvidierung geschloffen werden wird, so daß die Mediziner das Semester verlieren würden. Herbert Samuel und der vorMrige Mer« fall aus Petach-Mwah. Jerusalem, 10. Dezember. (I. C. B.) Der Oberkommiffär Sir Herbert Samuel enrpfing in der letzten Woche einige arabische Deputationen, die an ihn die Bitte richteten, den Bandenführer Abu Kischk zu begnadigen. Wie bekannt, wurde Abu Kis chk im vorigen Jahre zu sünfzehnJahren Haft verurteilt, weil er der Hauptschuldige an dem Uebersall auf die jüdische Kolonie Petach-Tllwah war. Sir Herbert Samuel sagte den Delegationen zu, er werde die Angelegenheit untersuchen und sein möglichstes nach dieser Richtung tun. Die Einwanderung «ach PalSstina. Während des Monats November trafen in Palästina 1100, in der ersten Woche des Dezember:' 800 Emigranten ein. Verhaftung arabischer Agitatoren. Auf Grund einer Verordnung der Regierung wurden in der Umgebung von Beerscheba einige Beduinenscheichs verhaftet, weil sie den ihnen unterstehenden Stämmen v erböten haben, sich zur Volkszählung registrieren zu lassen. Die Winierarbeitssaison in Palästina. Nachdem der in der Regel drei Wochen andauernde palästinensische Winter vor der Tür steht und etwa 3000 jüdische Bauarbeiter der Gefahr ausgesetzt sind, beim Aufhören der Bausaison ohne Beschäftigung zu bleiben, traf die Zionistische Exekutive Anstalten, die jüdischen Bauarbeiter während der Wintersaifon mit anderer Arbeit zu versorgen. Alan hofft, die hierfür nötigen Mittel ausbringen zu können. Jüdisch-ukrainische Waisen nach Palästina. Dank den Bemühungen des Rabbiners K u k übernahm eine Gruppe jüdischer Kanfleute in Jerusalem die Bestreitung des Unterhaltes für hundert Pogrom-Waisen aus der Ukraine. Einer der Jerusalemer Rabbiner begibt sich demnächst nach der Ukraine, um die hundert Waisenkinder von dort nach Palästtna zu begleiten. -; Ser Schiffsverkehr de« Lloyd Triefltno. Wie bte] Lloyd Triesti 'v mitteilt, wurde eine Agentur dieser Gesellschaft in! Lerusalem eröffnet. Gleichzeitig wird vom Lloyd Triefiino mitge-" teilt, daß von nun an der Schiffsverkehr nach Palästina in grö«' ßerer Regelmäßigkeit wie bisher stalifinden wird, und zwar, abwechselnd einmal wöchentlich und einmal 15t3g!g. Alle von Triest' nach Jaffa via Aegypten gehenden Schiffe weiden jeweils Katja anlaufen, von wo sie dann weiter Beirut, Tripolis»! Smyrna. Aegypten und Konstant in op et! anlauien. Die aus Konftantlnopel via Syrien kommenden Schiff, des Lloyd Triestino laufen Laisa alle 15 Tage an. Ae Konferenz von Lausanne. Lausanne, 11. Dezembev. (Tel.-KompH Heute vormittags trat ^ie Unterkö-lmniffirnl für Kapitulationen umd nachmittags die Koinmissron für finanzielle Fragen zusammen. Die VerhaMnngen zwischen den alliierten und türkischen Sachverstärrdigen werden fortgesetzt. Die Russen sind nach wie vor von den Verhandlungen ansgeschloffen« Ae Anstellung dertürkischen Vorkriegrschulden Lausanne, 11. Dezember. Die Aufteilung der öffentlichen ottomanischen.Schuld, die bei der gegenwärtigen Konferenz eine besondere Konuniffion. beschäftigt, ist von EINZIG IN WIEN!!! Chiffon per Meter K 9*800 Damenhemden K 24.800 Herrenhemden K 49 800 dilihSCf WM ne II»» TöbOrStTößB 48 i acnir f mann a*»,

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