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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-10 · Heft 1377 (10.12.1922) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1377 (10.12.1922)
Date
1922-12-10
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Wiener Morgeirzettung \ Vene ici Men, Tonmag Paulu zzrs gute Aktibchandkrng und pastose Fapbengebung fallen angenehm auf. Fenver sind Sturm-Skrl«, Zerret sch, S^'ffUt und Ja «es ch mit guten Arbeiteri dertwlon. Gü# Besichtigung -der in dar oberen Etage etablierten Ausstellung der meisterlichen Graphiken von Fmnk Drang-- iv y n, die als G-eschenk der „Albertina" Zufällen, ist so recht geeignet, dm Unterschied von zu friede nenr Selbstgenügen und behcrrvlichem Kmfftlerringen ad oculos zu demonstrieren. Hierüber soll gesondert beratet werden. r. d. Aus dm Arater«. Bolbsoper: Keule o r i » G o d u n o w" mit bm Laste Kerrv Giorgio de Lanskoy in der L telrolle. Dir'gent: Lerr E. WBini. — D-reWor sielix Weingarnln-r wird in der Kommenden Woche zweimal diriaierrn, und zwar Mittwoch »Die Z a t> d e r f l ö l e" und Eamslaq „Die Jüdin" mit dem Gaste Frau Rena PWr-Lo; als Recho. Deutlches DolKsthealer: D'ensiog GrflaujMrunq von Die Namenlose n". Drama in 14 Bildern vcn A. R. Lenormand, deutsch vrn Berta Zuckerkand', mstemerl von Bros Max R e i n h a r d t In den Karip Nellen find Kelene T h i m i g und Ferdinand Onno best.'ält'gt. Raimun d-Thealer: NSckflen Sonntag, am 17. d., 11 Ubr voiMttags. Nestroy-Dortrag. aehutten von Dr.lired M ü N e r, der dadurch besonders inle>eff e'cn dürste, daß die Mi bekann!>slen Nestroy-Dorsleller, und ,mar Adolf F r o e b c« urb Willy Thaller durch D rsl llung einzelner Szenen di- Er'Suterungen des Vortragenden unieffiützen werden. Adolf Froeken und an d estm Vormlllaa noch^ längerer Zeit wieder auf -er Bühne zu begrüsen sein. Äar'e" für tzi->e Deranfiailung sind an beiden Lassen der RamiunL-Theakers erhöttl'ch. Kamwerlpiels: Dienstag. 10 Uhr abends, PrSmiere von Tristan Bernords dreioktigem Cuft»prel „Der Lühnerh o i", deutsch von Julius Llias. mit Hermann T b i m i g als Leonard. Tue übrige Beieturg iji folgende: Emmeline — Magda Gmden: Bert and — Valberg; Iocquelws — Evera; Varina — Wiidt; Frag von Vertat — Froebel; Iima — msten: Arst — Fr edrich: Svmln que - Suaelmann. Regle: L^rl Forest. Da Äerm'fn llhimig auswärttge Verpflichtungen bindekann er nur bis in st r'stve Sonntag in den Lomme^spielen austreim. Rena'ssaneebühnerDie Direktion!'<tt den GastspiLlvertrag mit Remhrld S ck ü n z e I verlang rt. Der Kü Mer sp eil allabendlich die Titelrolle m L»u>s Verneui's- Lustspiel »D a r F r e ch d a ch S". Neue Miene rBühne: F-eitag Vremiermabend-s Gisr'a Merdezirk spielt d-e Kauptrolle in dem Lust,pie .Die Geliebte in Vl o t!- von Alexander Engel und Lulil s Kerst, der hier zur Elstaufführu'-.g gelangt. Neues Wiener Stadtttzeater: J5e!?, halb 3 Ubr nachmittags, zum dtzlen Mal» »Rtgvl; tto". Musikaii-cte Le>mng: Lapllmeister Friedrich Grub er. — Sonnte de» 17. d. zu« ersten Male als Siachmiitagsvorstellung »Wartha*. Theater in derLosefstadt: 8da Roland setzt ihr eric>!g''eiches G fl piel heute und morgen abends rn der Komödie r$ ’ e 3 * f i n* iort. — Dienstag «erd n m S rind-- berg-ZykiuS »Gläubiger* vnb »Mir dem Feuer 1 p 1111 n** gegeben. In beiden Stücken tritt Josts Jarno aus. — Sämtliche Ade-dvorstellungen deinnen um halb 8 Uhr Lustspieltheater: Deinhold S ch ü n z e l wurde!rir ein emmalges Gastspiel gewonnen. Dar elbe findet Sonntaa den 17. d.. 3 Uhr «aa m tlag?. Katt. Der Korlenverkauf für diese Vorstellung hat beieiis begonnen. Wotbeirsptelplan der Staatsvper: Montag .Mignon". D>eys!ag »D e r M a s k e n b a l l*. Mrlwoch «Carnaval" — .Schehereznde* — »Iosepsts-Leßenü«". Donnerstag .O t y e t l o*. Freitag »Der Rvsenkuvalte r. Samstag »Der T r o u b u d ou r*. Abends jy lthr Wobltätigkeits- Vorstellung. (Ouoerifcrc zu »D.r Fledermaus", heraus 2 Akt: »Die Fledermaus". W o cd e n i p ' el p l a n des D u r g 1 h ea t e r r: Montag o s e B e t n d". Dienstag .DasMärchen vom Wolf-. Mrttwo^, »Rose D-rn d". Lonnerslag »F o i ch t N S". Fre'laa »DerGrafoonSharolais". Sumslog zpmerstenA.ale »LouisFerdrnand,Prinz vonPreutzen*. Wochenipielpla^des Akademietbea- 1 e r. Montag und M'itwoch »D o k t o r K l a u s". Dienstag und Scmstag «D i e M ü t t e r". Dounerstag nS> o $ i t i i s* tage". Woche nipt elplan derDeutschenVolkrt h e a i e t r. Mcntog »v n d e l T v n i". (Lein Lort.nvrrkaus). Dien'tag »RitterBlaubarts achte Frau". Atiirwoch »Schöne Frauen". Donnerstag »Z L r 1 l r ch- Ke i t". Freitag,SchöneFranr n". Samstag,A n a t o l". (Anatol.- Asttoir Edthofer.) Quartett Wairretrer-Duchsbau«. Mittwoch Len iS. d.. halb 8 Uhr, findet im Grotzen Saale der Urania «m fiuorltiN abend des Arairecker-Buchsdaum-Quartelts mit Werken von Mozart, Beethov n und Laydn statt. AomSdimhaus. Die nerve Operette ist das stetzbe WeÄ drs serstovbenein Komporvisten Heinrich Reinhardit, der emst mrt seinem ,Diißen wert über dve Grenzen Oestervvichs Triumphe feierte. Sein ,Mlückstrom!peter", für den dve Libvet- .tisten Gustav Beer «unb Armin FrieLmann eine ganz vernünftige, von der Schablone abweichende Handlung ersonnen hccksn, läßt m Technik unL' JnstvumenchMvn die Suwdige Hand des oft bewährten OpeMtleniomponisten erkennen und ebenso den findigen Kopf und das fühlende Herz omes varnehnren^ originellen Mufikers vermiss-sn. Einüge Piecen fa-nden stürmöschen Beifall, fo das Walzerlivd »Ihr süßen, ihr reizendrn M«M von Wien" und das Trompeterqucrrtett. Die HaMung gruppiert sich ivm Johann N-epomük Mälzet, den Ersnrder des M-ewonoms, der soeben den Automat eiives Trompeters gefchvffen hat, der auf mechanischem Wege bstasen kann. Diese Erfindung will er zu Gell» m-achen und damit seine Lievlingsnichte verheiraten, woraus sich heitere Situationen und die übliche Liebesgefchich!« ergeben. Aus dem Mechaniker Mälze! gealtete Herr Glawatsch eine kernige, vollfaftige Figur, Otto Glase r als Lehrbub war bei bester Laune» für kväftrgevm Humor sorgten -Hei:r Günther und Merstallinger. Anni Raiu c r als liebende Nichte war frisch und liebenswert wie mtmex unb Frinllein Neubau« c erfreute durch ihre muntere Tanz- Lu.-nst. So gab es «inen rechten Premierenerfolg, an dem auch das lvacker^ Orchester unter Direktor Hell ma n ns Leitung teÄ hatte. fe 10. Dezember 1922 Rr. 13X Roland-Bühne (freie JQd. Vollratiflhne) Ensemble-Gastspiel der W1L.NAER TRUPPE Heute Sonntag. 10. Dezember 1922, 7*3 Uhr n»cbmittags MB ML MM MB V B MJ ML Dramatische Leg nde von Soh. An—ski. 7 Uhr abend« Tag und Nacht Tragödie in 3 4 Wen von Seh. An—ski. Der „spanische Faust" wie Calderons »Magleo prodigiofo" von «inigen Literaturhistorikern genannt wird, gelangte über Beranlafsung der Calderon-Gesell-- schaft in Berlin zur Aufführung (Theater am Kurfürstendamm). Das Drama, das den Kampf des heiligen Cypria-Ms von Antiochien mit dem Teufel und der sinnlichen Liebe zum Geg.'rftand hat. weist in der Tat viele Parallelen zu Goethes „Faust" auf. Der gelehrte Cypricnrus verschreibt sich tem .Mrndestbaren Zaub'rer", der kein anderer als der Teufel ist, um mit Hilfe seiner Magie die geliebte Justina, die Tochter des christlichen Priesters Leander, zu gewinnen. Er unterz ichnet dm Patt mit dem höllischen Mrsten wie Faust mit einem Tröpflein Mut. Mer dem Mephistopheles Calderons mißlingt sein Plan, er l-bei^ert an dem uübeirrbaren Gottesglaiuben ' 'n>as und bekehrt ans diese Weise auch den Plinius-Forscher Cypoianus. Cyprian und Justina sterben den Märthrertod. — Sehr drollig hat der Dichter als Gegenstück zu dem Herrn zwei Diener gestaltet, die in Licbe.zu dem Kanunerkätzchen Justinas entbrannt siud; hier klangen manchmal recht nniromme Töne in das sonst so ernste Stück. — Die Aufführung war vortrefflich und hatte sehr starken Erfolg. Das zweite Kammerkonzert des Hakoah-Orchefters, das am 19. d. nn Kleinen Diustkvereinssaale unter Leitung des Gastdirigenten Dr. Ernst Bachrich stattfindet, begegnet allseits den: größten Interesse. Auß--r Werken von Händel und Mozart gelangt das Brandenbnrgifche Konzert in D-Dur von Bach, mit den Solisten Herrn Dr. Ernst Bachrich (Klavier), Herrn Heim (Flöte), Herrn Rudi Lampe! (Violiu-e) zur Aufführung. Karten zu populären Preisen im Sekretariat der Hakoah. Eine Ziehrer-Feier. Sonntag den 17. d. um halb (1 Uhr vormittags findet im Fesksaal der Hofburg eine vom Ziehrer- Bund veranstaltete solenne Godenffeier für den verblichenen Komponisten C. M. Ziehrer statt. Eins Reihe hervorragender Künstler Wiens, darunter Gabriele MM, Elsa Stroblendovf, Profeffer Roderich Bas, Franz Glawatsch, Musikdirektor Martin Spörr u. a., haben in uneigennützigster We:se ihre Mitwikung zugesagt Knut Hamsuns Kampf um feine» Namen. Knut Hamsun, der Selfmademan unter den norwegischen Dichtern, ist so stolz auf seinen Nmnen, daß er euch seimn nächsten Angehörigen das Benutzungsrecht d:s gleichen Familiennamens streitig macht. Ms der Dichter noch als einfacher Steinklopftr sein Lebenffristete, trug er den Familiennamen Pedersen. Als seine schrfftstellerffchen Leistungen ihn über das Niveau der Familie hoch hinaus hoben, nannte er sich selbst Hamsun nach dem Flecken, in dem er getboren war. Auch die Namensänderung sollte dazu beitragen, ihn in jeder Beziehung von dem Milien zu befreien, in dem er sein« freudlose Jugend verbracht hatte. Der Dichter empfand es daher als einen Eingriff in seine Privatrechte und in. den Frieden seiner neuen Welt, daß sein Bruder, der als Zollkontrollor in Narwik, lebt, sich den gleichen Namen zulegt«, den Knut in so hohem' Ruhm gebracht hatte. Jetzt hat Knut Hamsum einen Prozeß gegen seinen Bruder angestrengt, um ihm» auf dem Rechtswege das Recht gur Führung des Namens Hamsun abzuerkennen. , Die Liechtensteinsche Gemäldegalerie. Die fürstlich Liechtensteinsche Gemäldegalerie in Wien, 9. Bez., Fürstengaffe 1, bleibt grundsätzlich vom November bis April für den öffentlichen Besuch geschloffen. Sie kann aber in Ausnahmsfällen auch in dieser Zeit nach vorheriger telephonischer Anmeldung bei der Galeriöverwaltung (Fernruf 17.483) in der Zeit von 9 bis 2 Uhr gegen Entrichtung eines Eintrittsgeldes, das für Oesterreicher, ReichSdeuffche und Tschecho-Stowaken 2009 K., für alle anderen Ausländer 10.090 K. per Person betragt, besichtigt werden. Der Reinerlös aus dem Verkauft der Galerieeintrittskarten ist für wohltätige Zwecke bestimmt. DaS Ehrengrab Leschetitzkhs. Heute um halb 12 Uhr vormsttags findet die feierliche Beisetzung der Asche des unvergeßlichen Pwseffors Theodor Leschetitzky in dem ihm von der Gemeinde Wien büvilligten Ehrengrab auf dem Zentral« sriedhofe statt. Zu Lhuuukllah empfehlen wir aus unserem reichballizen Lager nachstehend o-mekührte Geschenkwerke: Pros. Dr. Ä. rot Dolk»Mm'<che Geschickte der Juden. S. Auflage, S Bände. Kalbleinen SO.OßO Ü., Ganzleinen 120.000 Sk. — Eh. N. Btakik: AusaewSHIte Gedickte, ^ebrrirageu von Ernst Mll r. Pappband 20.0 O Ä. Gausteinen 27.500 Ä.. Kalbleder 60.00 »K. — ®. Levi: Dos Bu» der jüd'sche^ Weisheit. Fabeln. Parabeln vud Legenden aus Talmud und Mldra cb. L Bände, gebunden 25.000 Sk. — Dr. Lugs Zuckermann: «edi Ne. r. Auslage, geb. 12.000 L.. LuxusariS'ade. Sanzleder 6 .i'OO ü. — Oftn « be l e r- Genesung. Gedich e. Gehun''«n 8000 ck. — Für diejüdischeIugeno: Irma Singer: Dar verschloffene Buch. ILb'sche Märchen, illustriert. Gebunden 15020K. — 6 ip pur im: Plager Sammlung indischer Lecenden. Gebunden 21.000 K. — D a r j Ü d i s ch e Jugendbuch- Lrsg. v. M. Sleintzardt. Ä. Loewe und E. 2. Klötzel. Illustriert. Gebunden 24.000 Sk. — Mvaus z u r.: Sin Ehonvkköhbuch. Illustriert 12.000 Sk. — Adele Sandl e r: Südis-'es Bilderbuck. Unzeneitzbqr auf Kartost 18.000 «. - Adele Sandler: Palästin, Quartett 12000 Ä.» PaSfttna Rei'eip'el 20.000 A., Levräiiches Lotto 20.000 $. — Prelle fett bis 15. d. Alle Bücker können ohne Lau»ziväng ln der Jüdischen Buchhandlung, R. Löwit, 1. Bez.. Rolenrurmstrgtze rr. eingesehe» «erde». o Billigstes Kaufhaus der Stadt Wien =z Teppichhaus „K8linephof<‘ Wien, Köllnerhofgasse ® s86 Gerichtssaal. Ser keusche Kesselschmied. Der Kesselschmieid Franz Hadrabe erstattet,: di« polst» zerüch-e Anzeige, baß die Anna K. stets cm feiner Wohnung vorübergohe (es war Spätsonimer). bloß mit einem Hemde bekleidet. Durch biefes Derhalteu. dll'rch bas die sittliche Entrüstung der in Frage ko-nimenden Pevsonelr hovvorgrmfen tvorden sei, fevcn in erster Linie seine fünf unmündigen Kinder betroffen. Twtzdem ihr BorstellunMn über das nugeziemende Benehmen gemScht worden feien, habe sie. ihr Verhalten fortgesetzt. Er stellte -auch den Antrag, sich als P r i v a t b e t «i l r gter dem: Strafverfahren anzuschließen, da seine Kinder durch den AnAick der in einem Hemd hernmgÄMlden Fvcm in sittlicher Beziehung Scheiden gelitten ha'b-en. Die Ängellagte erschien vor dem Richter mit einem Packele, in welchem sich oaS beanständete He and befand. Sie donronstr^ierte das Hemd und erklärte, daß dies kein Hemd sei, sondern ein sogenanntes „Hemdkleid". Das Hemdkleid sei ein hemdartiger Ueber- Wurf, dar über dem Hemde getragen werde; ein Ueberkleid mit zwe-i Trägern an den Achseln; der Stoff sei undurchsichtig uni) mache die Körperteile unsichtbar. Die Zeugen-agnoszierte,: das vorgeZoigle Hemdkleid Äs dasjenige, das die Angeklagte getrogen halbe. Der Richter fällte einen Freispruch, da solche Hemdkleider zur heißen Jahreszeit sogar auf der Straße ge tragen wurden. Der Antrag, sich als Privatbeleiligter dem Strafverfahren onzn-schließen, wurde cvbgelehnt mit -der Begründung, daß sittliche Gefährdungen solcher Art nicht in Geld nmzuwerten seien. Zee heramMlockte Strasakt. Unter ganz merkwürdigen Unlstanden hat sich vor einiger Zeit der dem magistratischen Bezirksamt in Floridsdorf zugeteilt gewesene Amtsdiener Leopold Wolf einer Handlung schuldig gemacht, deretwegen er sich dieser Tage vor einem Einzelrichter des Lalldesgerichtes 2, Oberlandesgerichtsrat Kahler, zu verantworten hatte. Der vom Staatsanwalt K n o t t e k vertretenen Anklage zufolge hatte der Angeklagte eine größere Anzahl erledigter Akten aus dem Wiener Nathans, abzuholen. In dem betreffenden Aktenbündel befand sich auch ein Akt bezüglich der gewerbebehördlichen Bestrafung des in Floridsdorf etablierten Händlers. Deutsch wegen Ueberschreitung der Sonntagsruhe. Mit diesem Akt ging nun Wolf zu Deuffch, den er von ftüher kannte und dieser wußte ihn zu bereden, sich den Strafakt aus seiner, des Amtsdieners Rocktasche eskamotieren zu lasten. Bald darauf wurde der Abgang des Aktes im Amte festgestellt und der Amtsdiener zur Verantwortung gezogen. Nach längerem Leugnen gestand nun Wolf den geschilderten Vorgang bei Deutsch, und er gab auch zu, daß ihm Deutsch damals für die Gefälligkeit 5000 Kronen heimlich in die Tasche gesteckt habe, die er erst spater zu Hause fand. Deutsch, als Zeuge vernommen, erklärte, er habe-nicht, wie ihm vorgehalten werde, die Absicht gehabt, dm Akt verschwinden zu lasten und dadurch der Strafe zu entgehen, sondern wollte bloß einem Kanzleibeamten beweisen, wie leicht man sich ffr den Besitz eines Aktes seiner Kanzlei setzen könne. Tatsächlich hatte Deuffch schon früher dem magistratischen Bezirksamt die Anzeige gegen Wolf erstattet. Aus diesem Grunde auch wurde von einer strafgerichtlichen Verfolgung des Deutsch Abstand genommen. Der angeklagte Magistratsdiener war geständig und bekundete tiefe Neue. Der Richter verurteilte ihn unter Berücksichtigung verschiedener Milderungsgründe bedingt mit zweijähriger Bewährungsfrist zu einer Kerkerstraft in der Dauer vonzweiMonaten. Roch eine vemrteitte LelehhoWin. Bor dem Cinzelrichter Hofrat Dr. Hotter hatte sich gestern wieder eine Osfiziantin der Telephonzentrale, diesmal ans der Zollergaste, Sophie Bader, wegen Verbrechens der GeschenkannahE in Amtssachen zu verantworten. Mit ihr war der Kaufmann Ernst Tibold, Chef der Firma Tibold und S z a m e k, 1. Bez., Heßgaste 7, wegen Verleitung zum Mißbrauch der Amtsgewalt angeklagt. Der'Strafantrag legt der Telephonbeamtin zur Last, daß sie sich im Jänner 1922 durch das Versprechen eines Geschenkes seitens des Ernst Tibold verleiten ließ, die Anmeldezeit bei Vormerkungen für Ueberlandgespräche auf der Linie nach Budapest zugunsten des Tipoli zu korrigieren, damit die von ihm angemeldeten Gespräche ftüher zur Erledigung kommen. Die von Dr. Valeirtin R o s e n f e l d verteidigte. Angeklagte bekannte sich heute schuldig und bekundete große Reue. Traurig erklärte da^ Mädchen, sie habe sich nur ein einziges Mal von Direktor Tibold überreden lasten, für seine Firma die Minutenzeit auf^rei oder wier Vormerkzetteln zu korrigieren und sei daber gleich erwischt worden.^ Herr Tibold habe ihr wohl ein Geschenk versprochen, sie habe aber gar nichts von ihm bekommen. Der Richter erkannte die Angeklagte schuldig und verurteilte die Sophie Bader zu einem Monat Kerker, den Ernst bald zu einem Monat Arrest. Börsen-KommissloiisgaschSft und Wechselstube MAGID ft Co. Wien, I., Hohenstaufengasse 11 <orr «s

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