Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1377 (10.12.1922)
- Date
- 1922-12-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Xr/1877 Me«, Sonntag Wiener Moraenzeiiung» 10. Dezemver V3Z2 ©n«“5 r L iiiiiiiniill KLEIDER J KOSTÜME / MANTEL PELZE I,,*KHRNTNER5TRASSE 34 (MAYSEDERGASSE 3) 190 ffcllltng, imt) was er auch sagen mag, es ist das weder die Schuld des Teufels noch der französischen Regverung, noch der Depeschen, die Barthou erhalten hat. Es hangt dies ftdiglich damit zusammen, daß die Ansichten Lloyd Georges mit den realen Tatsachen wenig vereinbar waren. Auch die Orientangolegenheiten haben eine andere Werrdung genommen, als die Konstantin, Gmraris und Lloyd George gehofft hatten, und nichts ist für den Weltfrieden erfopu-licher gÄvesem Die Konferenz von Lausanne liefert heute den Beweis, daß nunmehr zwischen England jmd Frarrkrcich ein vollkommenes Einvernehmen bezüglich dec Ori-'ntpolitiL möglich ist, aber vor einigen Monaten bestand'ein Einvernehmen leider nicht. Kurz, es ist unrichtig, zu behaupten, daß Frankreich in irgendeinem Augenblick den Karantiepakt abgelehnt habe. Frankreich hat bloß verlangt, tafj der Pakt nicht der Wirksamkeit entbehre und nicht als Legengewicht die Whaugigkeit der französischen Politik in Leuna oder im Orient habe. Alle Behauptungen Llvyd Georges abrr rühren offensichtlich von dom sonderbare« psychologischen Irrtum y*, der ft'me ganze Schlußsolgenmg beherrscht. Wenn er tlaubr, daß es in Frankreich eine imperialistische und pttvexiouistische Partei gibt, so erklärt sich vollkommen die Gütung, die er Frankreich gegenüber in Versailles ein- «nonmren Hot, «rtb man muß ihm in diesem Falle sogar Dank wissen, daß er seine Schlußfolgerungen nicht weiter fcttiefou hat. Mit ein wenig Logik hatte er uns einladen Dunen» den guten Willen Deutschlands bezüglich der Abrüstung der Wiedergutmachungen bis ins Unendliche tbzuwarten «und kernen einzigen Soldaten auch nur einen einzigen Lag auf deutschem Boden zu -belassen. Lloyd George, ter ein geistvoller Mann und ein guter Taktiker ist, trollte nicht soweit gehen; er wird aber nicht ruhig schlaft», 1 lange sein Endziel nicht erreicht ist. Es wäre indessen ein- ^cher, sich keine Chimären zu rnachen und Frankreich keinen »lan beizumeffen, den es nicht hat und den es niemals gerbt hat. Wenn sich Lloyd George nur dieser Wahrheit bejoußt würde, würde er die Ruhe seines Herzens wiederlinden und sich der Verleumdung eines verbündeten Lanjes enthalten. Aohd George — Journalist. Paris, 9. Dezember. Wie „Daily Mail" aus Newstork meldet» berichten die Heart-Blätter, daß Lloyd George zur ständigen Mitarbeit gewonnen worden sei. Er wcrd^ seine persönlichen Ansichten über die europäischen iLreigniffe im Verlauft des Jahres'1923 kabeln. Seine rrste Kabeldepesche über die gegenwärtige französische Politik werde Sonntag im „New-Iork Zlmerican" erscheinen. Ile Lmdmer Konferenz. London, 9. Dezember: (Reuter.) Die alliierten Minister find heute zu einer Vorhesprechuing bet-reiffaud das Reparationsprvbl-km »nä> das Problem der Ättevalliierben Schulden M'ammsngetvst-en. Die Bssprvchumg wird morgen rmr 11 Uhr fortgesetzt werden. An drr Beratung haben für Großbritannien Bonar Law, Baldwin und Crew, für Frankreich Poinoare» de Lastcyrie und Perwui della Rocea, für Italien Mussolini, March-cift della Torvetta und Conti Rossi, für Belgien Theunis und Iafpar teA-genomnvM. Als Dolmetsch fungierte C-amevlynk. | veu mtwlem (»Restaurant <fc Trance ttlien, 1. Sebettetirina r * (Zentrale verdinanng nach alle« Kkktnnaea) Bocbzeiien * Diners Ueranstaltangen y»rr«glle»tizacl>». Eigene Kenait«reu.Rt erete» Wntainnner, PratSttfle Zivile Preiset Divektftv: BanAv e Ls. Ae Umsturzgesetze in llugum Sie Standgerichte in Permanenz. - Knesing der Sppssttion. Besuch Zr. Seipels. (Von «nftrem Budapest« Korrespondenten.) Ser Die gesamte öffentliche Meinung Ungarns steht unter dem Eindruck des von der B e t h l e n-R e g i e r u n g einbrachten Gesetzentwurfes über den erhöhten Schutz der öffentlichen Ordnung. Gibt schon der allgemeine Gesetzentwurf, wie er auch im Auslande bekannt wurde, zu den schwersten Besorgnissen Anlaß, so wird diese Besorgnis noch erhöht durch die Tatsache, daß die Regierung zur selben Zeit noch vierzehn andere kleinere Gesetzentwürfe unterbreitet, die dazu bestimmt sind, sämtliche absolutistischen Kriegsgesetze, deren Fortdauer bisher im Verordnungswege gesichert wurde, durch ein Gesetz sortwirken zu lassen, So wird im Gesetz das Standgericht in Permanenz gesetzt und die Annullierung der Geschioornengerichte sestgelegt. Auch die militärische Gerichtsbarkeit gegen Zivilpersonen erhält durch einen der Gesetzentwürfe dauernde gesetzliche Rechtskraft. Die Opposition der Regierung ist sich dessen, bewußt, daß sie durch diese Gesetze zur Ohnmacht verurteilt ist, und es ist leicht verständlich, daß die oppositionelle« Parteien nicht leicht schlüssig werden können, ob sie diesen Hieb der Horthy-Regierung durch einen geeinigten staken Ansturm oder durch Niederlegung der Mandate parieren sollen. Jedenfalls sind heftige Sturme zu erwarten. Die Regierung ihrerseits sucht bis zur Verhandlung über den Gesetzentwurf sich wenigstens die Legitimisten zu sichern und auf diese Weise den oppositionellen Block durch die Entziehung des rechtsstehenden Teiles der Legitimisten zu schwachen. Mitten in diese Verhandlungen Hütern fallt der wiederholt verschobene Termin des Besuches des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Seipel in Budapest. In eingeweihten Kreisen wird darauf verwiesen, daß der gegenwärtige Moment der psychologisch günstigste für einen Besuch Seipels in Budapest sei. Wohl sprach man schon zur Zeit der Bündeskanzlerschaft Schobers davon, daß der österreichische Bundeskanzler den Ersuch des ungarischen Ministerpräsidenten in Wien mit einem Gegenbesuch fct Budapest erwidern werde. Schober hatte jedoch in Budapest keine besonders gute Presse, die Stimmung in den die Regierung unterstützenden Kreise war gegen ihn, ni&* nur, weil er in der Burgenlandsrage einen iütranstgent österreichischen Standpunkt ernnahm, sondern auch, Heil von ihm bekannt war, daß er der in Ungarn herrschenden politischen Richtung innerlich fremd gegenüberstehe. Die Wahl Dr. Seipels zum Bundeskanzler hat eine gründliche Aenderung der Stimmung in Budapest hervorgerufen. Schon sein erster Versuch, die Sanierung Oesterreichs im Wege eines engen Anschlusses an Italien herbeizusühren, hat ihm die Sympathien der Bethlen-Regierung verschafft. Sein hartnäckiges Verhalten gegenüber jedem Plan eines Zusammengehens mit den. Sozialdemokraten hat diese günstige Stimmung noch erhöht, und sein letztes Bekenntnis im Parlament, daß sein ganzes Sanierungswerk als eine Rettung des bodenständigen christlichen deutschen Volkes gedacht sei sowie die im Gefolge dieser Enunziation zutage getretenen antisemitischen Student euuwruhen ließen ihm die Herzen der Budapefter Anhänger des christlichen nationalen Kurses nur umso hoher entgegenschlagen. Gelingt es Bethlen, bis dahin auch noch mit den Legitimisten seinen Pakt zu schließen, so wird Seipel in Budapest einen Empfang finden, der dem Verbrüderungsfest mit den Italienern in den vergangenen Wochen in nichts nachstehen wird. Es ist allerdings nicht-ausgeschloffen, daß der Termin für den Besuch Seipels abermals wird verschoben werden müssen, weil die große Erregung, die die jüngsten Gesetzentwürfe der Regierung hervorgerufen haben, leicht eine Situation schaffen kann, die sich für den Empfang eines so gern gesehenen Gastes, wie es der christlichsoziale Bundeskanzler von Oesterreich für Budapest ist, schlecht eigne» würde. Sie Anden in Griechenland. Mitteilungen eines griechischen GroUaulmmmrs. Ein derzoit in Wien wrtlendsr griechischer Großkairfmarm . hatte die Freundlichkoit, eiiwm unserer Mttavbrirtsr die folgenden Aonvmisch-polÄischen Mittvilumgen iMU Standpunkte der Juden 4» Griechenland' zu machen, welche durch die derzeitigen Ereignisse besonders aktuell find: Nach zehn Jchvon Krieg ist GrfochenlanL heute nach einer m der Geschichte böi-spieKas-em militärischen Katastrophe in einen politischen Abgrund gestürzt, aus welchem Auswege um so schwerer zu finden sein werden) als dieses ausgesprochene Import—Exportland katexochen in seinen wirtschaftlichen Bedingungen ans das Ausland gestellt ist, 'dessen kommerzielle Interessen heute dem Gegner, nämlich der Türtai, gellten. Es ist sicher eine wichtige Frage der Völkerpsychologie, wieso es ivohl kommen mag, daß dftfts PsWge und gescheit« Volk, das m Sprach« «und ästhebischom Schönhebtsgefühl durch-- aus als Kind des klassischen Helkueu>tums «^gesprochen werden kann, in seinem pMrffchen Leben so fchr entartet ist, daß es sich seit Jahren -m zwei Gruppen gsgonWerstcht: Für Konstantinos und gegen DenisÄos -und.umgekehrt. Ohne jedwede Logik politischer Gedanken, lMglich auS Hen Afftkten der Sympathie und des Hass-eZ zu KonstanBnos, dezw. Boniftlos, boftP-en sie sich bis aufs Messer: eine Tatsache, derön letzte Folge in dem vergangenen Tagen die kuLtivierte WeW in Entrifftnng versetzt hat, als die durch den letzten Umsturz ans Ruder gelangte OffizisrZkamaMa das frühe« Ministerium erschießen Keß, nachdem e§ sich noch die Farce eines HochvermtDvoFesses gab. Ai« steht es nun heute mit den in Griechenland? Um dies klar Mn BerstmckMs M brrngon» muß man dir TriMräste des heuKgm griechischen Lebens vevanschauilichen. In SaloniLi leben bei hundevttauftud spanwlische Judsn, in Korsu zirka achttausend, in JcmrriM, PatraS, ^lithsn, Dolos, Kovalla und aus Zcmte sind größere Gemwindeu. GriechsUlantd fld&t fast MSschLi^ßkich voon Handel. Es ex. porKert Korinchm, Fsiym, Haftlnüsft, Dem«, Tabak, Del«, Häute und Erze und importiert alle LdbensrnSUel, Holz, Erson, Kohle, Papier, Stoffe, ChemiMivn und Fertigsabrikatr. Ae Industrie fft unlbedentand nutz umfaßt lediglich emsachste Betriebe wie DrahtWtvsäbrÄen und SsiftnerTeugung. HingegM find LandeSprvdujMlM und Hanbrt -gut orgamHert, indem die ertvagveichstan Provinzen ihre ProdEo« mff den dort gerade am besten gedaihewdW ArtÄÄ spezvolffiert^ haben, wie z. B. -er NordPelopvnneS auf Korinthen, cder Agrinion auf Tabak. Die Hauptstädte dieftr Provinzen sind p«n ebenso spezialisiert. So Lebt zum BeisPÄ die ganze Stadt Pttvas vom Kormthenhcmdel. Freilich gibt es noch Handwerke-r, andere KausleuLe usiv., aber die Basis P der Korinchonexport. E-me Unmenge von KornrthM-expovt-euven, -Händlern und -BermitLern, Spediteuren, Lranspovtverslcherungs'agönl'en usw. Das Gros der griechischen Städter sind «t-affüchlich die Dettwittler. Da es also trotz der -ganz nroderrmr Lebensformen in dsr Städten verschwindend iverrig große Betvi-ebe gibt, hat bisher den Griechen — abgesehen von den -remAM Fabürksarbeitem choe Persönliche Schlauheit im Kampf ums Dasein genügt, ohne txnsMvn in «in politisches Pvvdeiprogvamm einznglieder-n. Durch den BaWanbvieg hart sich Griechenland mÄ dem Epims und Mazedon-im sSailmM) bedeutend vergrößert. Aber den Juden und Salonikon war dieser Wechsel durchaus nicht willksmrnm, da sie mit den Türken gut gelebt havtarr und von bene Griechen für sie nur Schlechtes kommen könnt«. Die Juden, bilden eine geschloffene nakioncKe EirchM. In alle» Bsvustu sind sie boschäfliigt, sowohl als Handwerker, als Fuhrleute, Boo-tislLUte am Hafen, Mnwist aber Kanfleute, und zwar wohchabeiiÄe und auges-chem« K-anfloute, wobei sie im Großrabbinart von Sa^lomki eine anionomie GememideverwaliANg und GevichtIbartvÄ hatten, die sich bis au>s den heutigen Tag auch nntur der: Grvech'vn sich bewahrt halben. Aber die Griechen ftrtb die KouöurvAttLN, ßvelche min dis Regverung erbangt haben. Der Arrtiftmittsmus der Gviechen ist zwar heimlich — mau würde sich schämeu, chm einen politische Ausdruck zu gelben —, aber doch fMmtisch! Und gerade bei diesem aldsn, reinvafflgen Volke (die Behanpt.umg, Laß die hontigon Hellenen nicht die richtigeu Nachkommen der ölten Gvdechinr sind, «ist ein Unsinn) ist Slnt-isemÄismus nicht Raffenhaß, gerade bei diesem HamdÄLvoU ist der AntisenMsm-us nicht KonLnrvonznÄd, sondern Religion sh aß. MvgMds gibt es so View HcÄigvnsoste wie im orthodoxen Griechertl-and. Wie die Heiden der Antike -an chre« Hausgöttern, so hängen di« Griechen von hont« an den HeiligenibMderin -ihrer Wohnung. Und mit der ganze» verhaltenen Kraft ihres religiösen Fanatismus Haffen sie die Juden. So gehört der krasse AutisomLismus doch mchr der Masse des kleinen Volkes an, welches vor ftinsn Printern devot rm Staiche liegt» wenn auch die gebMeteren Schichten sich noch von früher her eine nicht geringe Povtiion von Irrdenl>aß bewahrt haben. -Wges-che« von ein-em jüdischem Fi-n-amMlüe, das in den letzten Ministerien eine große Rolle spi-ckte, und die ZNXMgsanle-ihe auSavbeitete, haben sich die Ju-den niemals in der griechischen Politik betätigt. ÜV«usmrö cltlga&r «mm BooiBfl Hektik«, A 43974567921440 ^41449686^34 ^206