Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1377 (10.12.1922)
- Date
- 1922-12-10
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ftoefk 4 Men, Gonntsg ,EI-B8-Kö‘ 6aj£j!miiier-EliiflcltlMäM Export nach allen ,, _ staetewi.M fpieliger sei alS das Militär; deshalb bereite ftt Schweiz den regulären Militärdienst vor, WaS für die Tschecho-Slolvakei lehrreich sei. Wie di« Schweizerische Depeschenagentur von infofr ^vierter Seite erfährt, handelt es sich, soweit die Schweiz in Betracht kommt, hier offenbär um einen Irrtum In dem eben jetzt der schweizerischen Bundesversammlung vorliegenden Militärbudget-Entwurf äußert sich der Chef des eidgenössischen Militärdepartements unter anderem wie folgt: Das Milizsystem erlaubt eine verhältnismäßig siMrze Ausbildung und ermöglicht zugleich eine starke Ausnützung der vorhandenen Kräfte. In finanzieller Hinsicht belastet es das Land bedeutend weniger als eine flehende Armee. Wohl sind die Dienstleistungen verhältnismäßig gering, aber andererseits muß das Material, sei es nun Bekleidung oder Bewaffnung oder anderes Kriegsgerat, '«entsprechend der Zah* der ausgebildeten Soldaten bereitjstehen, und diese Zahl ist verhältnismäßig nicht kleiner, tm «Gegenteil größer als in vielen Ländern Mit stehend'n jHeeren. Die Anforderungen an die Güte dieses Materials -sind von denjenigen anderer Länder nicht verschieden. | Der Grundsatz der allgemeinen Wehr-!pflicht fft maßgebend für die Zahl unserer Rekruten «und damit für die Zahl und Größe unserer Einheiten und -Truppenkorper sowie für den Bestand der Armer an Menschen und Kriegsmaterial überhaupt. Die üllgemein- Wehrpflicht Hai ebensowohl militärische wie politische Bedeutung. Sie ist insbesondere eine der «sichtbarsten und wichtigsten Erscheinungsformen der 'Grundsatzes der Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz. Auf ihr allein kann eine Armee ausgebaut werden, die in einem natürlichen Verhältnis zum Volk steht. Nirgendwo «ist ein Gegensatz zwischen Volk und Armee gefährttchei als in einer demokratischen Republik. Wir können diesen Gegensatz nur dann vermeiden, wenn das Volk die Armee alseinen Teil seiner selbst betrachtet und die Armee ihrerseits sich als Teil des Volkes fühlt und sich in seinen Dienst stellt. Wenn es auch vom militärischen Standpunkt aus bei uns möglich sein sollte, eine Armee ohne allgemeine Wehrpflicht aufzustellen, so ist das aus politischen Erwägungen vollständig ausgeschlossen; unser Volk vermöchte eine derartige UrnM sticht zu ertragen. N«jin«!rrüv»»a>. 6, 7«1.42-Sl MtzsteMer CMmord eines Mnchner . 81«-enten. München, 9. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgcnzeltttng".) In einem Hause an der Arcostrahe suchten gestern zwei Studenten einen Kommilitonen — Studierenden der Chemie — auf, machten ihm Vorhalte und ersuchten ihn, zu einer Aussprache. mit ihnen fortzugehen. Der Studierende ging ins Nebenzimmer und erschoß sich. Amerikas wirtfchafMÄe Politik. London, 9. Dezember. (Wolff.) Nach Meldungen aus Washington führte Präsident Ha-rdlng nt seiner Rede im Repräsentantenhaus wach aus, Amerika habe ln voller Kenntnis der allgemeinen Anstrengungen zmn Wiederaus, bau der Wett seinen Einfluß im wetten Matz« dazu der-; m <n m.- iwuraa*. i ■ öilligung der Lebenshaltung, die sich im letzten Jahr in Palästina bemerkbar macht. Der Hauptgrund jedoch ist natürlich die Geldknappheit der Exekutive. Die Beamten jedoch stehen aus dem Standpunkt, daß die bisher ausgezahlten Gehälter geringer waren, als zur Führung eines selbst bescheidenen Haushaltes genügte. Jetzt, da infolge des Sinkens des Index das Leben billiger wurde, reicht nach Auffaffung der Beamten das Gehalt (wenn er wirklich bezahlt wird) gerade aus. Auf keinen Fall jedoch wollen die Beamten in eine Kürzung ihrer Bezüge einwilligen, wenn nicht auch gleichzeitig die Gehältr der hohen Beamten, der Mitglieder der Exekutive usw. wenigstens im selben Verhältnis reduziert werden, da ja diese ebensosehr von dem allgemeinen Preissturz profitieren. Wahrend nun die Verhandlungen über diese Gechaltsreduzierung ihren Fortgang nehmen, warten weite Kreise der palästinensischen Bevollemng mit außerordentlicher Ungeduld aus die endgültige Lösung der GehaltSfrage es sind das die Geschäftsleute, die den Lehrern und Beamten -Kredit gaben und noch immer geben. Ueber die Bereit- «Willigkeit und Geduld dieser Kaufteute bin ich alS ehemaliger fOesterreicher immer ganz außer mir vor Bewunderung. ES ist hier das natürlichste Ding auf der Welt, daß ftnan in einen beliebigen Laden eintritt, Waren auswählt zund ohne zu zahlen weggeht. Ich kenne Geschäftsleute, die «eigenes Geld eingesuhrt haben. Der Beamte R. N. kommt!zum Beispiel zu ihnen, um einzükaufen und hat kein Geld. Daraufhin wird ihm ein Kredit von fünf Pfund «eröffnet und für diesen Betrag erhält er Geldmarken deS ^betreffenden Geschäftes. Mit diesen Marken.bezahlt er seine «.Einkäufe solange, bis sein Kredit-erschöpft ist. Und dann?. .1'$.''. Dann nimmt er wieder einen Kredit auf. Wo das Geld herkommt, mit dem schließlich doch die. Maren gezahlt werden, ist mir ein vollständiges Rätsel. -Ein Jude in Palästina bargt dem anderere Mttfc M zchr __WitemL MortzMzeltrrn^ bewaffnete Konflikte wenrger wahrschsmlich zu -machen. Es Nüsse Äbvr jeder Nation -gestattet sein,, auf eigenen Füßen vorwärtszugehen. Wir verlangen von niemandem, Me Harding, daß er die Derantiwortung für uns übernehme, und wir übernehmen auch keine Verantwortung, die andere selbst tragen müssen. Ueber den Larff. der als wichtigster Schutz Men den abnormalen. Zustand des Welthandels bezeichnet wird, sagte Harding. nienrand ziehe M Abseitssiehen auf kommerziellem oder .sonstigem Gebiet in Betracht. Zum Schluß erklärte Harbins, daß A m e r i k«, das durch den F r i e d e n zu einer Gläubigernation geworden fei, kein internationaler Diktator werden wolle und sich fteuen werde, an der Wiederherstellung der WLhrtmgSfyfwme Mitwirken zu können. Es wolle den Handel in jeder Beziehung erleichtern, aber nur so, daß Amerika nicht auf die Stufe derer sinke, die es emporzuheben suche. Ae »«werwvehre» fa Bulgarien. Belgrad, 9. Dezember. (Tel. der „Wr.. Morgenzeitung".) Aus Sofia wird gemeldet, daß edort zu Zusammenstößen mit Freiwilligenformationen der Bauern gekommen sei. Nach dept Uebersall von mazedonischen Banden auf Küstendil hat die Regierung die Aufforderung ergehen lassen, freiwillige Formationen zur Abwehr solcher Einbrüche zu bilden. Es meldeten sich sogleich genügend Dienstwillige, die in zwei Gruppen geteilt wurden. Eine Gruppe wurde nach Sofia dirigi-rt. Dort kam es, wie berichtet, zu Zusammenstößen. Die Bauernsreiwilligen zerstörten den Demokratischen Klub und plünderten einige Geschäfte politischer Gegner. Die andere Gruppe zog gegen Küstendil im Verein Mit zwei Bataillonen Regulärer. Die Banden zogen sich hierauf auf jugoslawisches Gebiet zurück. In Belgrad wird die Entwicklung der Dinge mit aller Aufmerksamkeit verfolgt. Amerika genen ei« MiMrbvndnls. Paris, 9. Dezember. (Havas.) Die Blatter melden aus Washington: In feiner Botschaft erklärt Präsident Harding ausdrücklich, daß die Bereinigten Staaten Niemals einen Vertrag unterzeichnen würden, der ein Militärbündnis in sich schlöffe. Die Vereinigten Staaten würden auch jeder Verpflichtung aus dem Wege gehen, durch den Völkerbund die sofortige Ratifikation des Washingtoner Marine-Uebereinkommens fordern zu laffen, das auf alle Staaten ausgedehnt werden solle, damit künftige Kriege vermieden werdem Reichskanzler Snno Wer Ae Rheiniandfrage. Berlin, 9. Dezember» (WoW Dr, Cuns fuhrde vor Vertretern rheinischer Zeitungen über die Rheintandsfrage aus, die Reichsregierung bleibe unbeirrbar bei ihrer im Reichstag abgegebenen Erklärung. Die Preisgabe des RheinlandeS wäre das Ende deSReicheS. Im Rheinland selbst hätten auch die großen Parteien alles Trennende hinlangesetzt. Man brauche nicht zu verzagen, wenn eS noch solche treue Standhaftigkeit gebe. Möge man auch in französischen Kreisen diese Gefühle der rheinischen Bevölkerung würdigen und erksnnen, daß eS unmöglich ist» in die rheinische Bevölkerung mit ihrer bodenechten Kultur einen Keil zu treiben. Wenn im Elysee hinter geschloffenen Türen beraten werde, angeblich über die Besetzung des Ruhr, gebiete-, so sei man daran seit zwei Jahren gewohnt. ES sei Pflicht der Regierung, gegenüber derartigen Meldungen, ruhig und entschlossen zu bleiben. Auch daS Rheinland solle stch nicht nervöS machen lassen, denn die Regierung verharre unzweideutig auf dem Standpunkte, daß das rhemisammen haben sogar noch Geld übrig, um es ln die Ukraine zu schicken und um Verwandte auS dem Ausland Herkommen zu lassen. Keiner hat Geld und alles lebt. Wozu sind sie denn Juden? Zum Schluß noch Mi kleine Erlebnisse. Nummer eins: Ich war am Tischo de Aw am K o t e l Hamasriw (der Klagemauer). Eine stemalte Spaniolin bat mich um eine Gabe und ich antwortete ihr wahrheitsgemäß, ich hätte leider keinen Piaster bei mir. Daraufhin siegln ^Ton deS tiefften Mitleids: „Ach, du bist wohl ein Nummer zwei: Tiner meiner Freunde, Doktor beider Rechte und k. ü. k. Artillerie-Oberleutnant d. Res., derzeit Bauarbeiter, ging zum Waad Hair, um für die palästinensische Staatsbürgerschaft zu optieren. Sturze Hosen, nackte Beine, Leinenhut. „Name?" „Dr. N. N." — Der Jüngling im Waad Hair stutzt und fragt: „Was für ein Doktor?" „Doktor der Rechte." „Und waS tun Sie jetzt?" ,Lch arbeite hier am Bau." — „Nebbich" erwidert begeistert der Schreiber. So denkt hier das Voll über den Idealismus, der dazu gehört, um Lehrer oder Chaluz zu sein. Und nun noch eine Bemerkung. ' Ich bekomme in letzter Zeit Briese auS Wien, in denen meine Freunde mich fragen, oh ich eS für klug halte, die ungeschminkte Wahrheit über Palästina zu erzählen, ob ich Nicht fürchte, damit Eüttnutigung zu erregen usw. Rein, ich fürchte keine Entmutigung. Wir haben fünf Jahre lang in Palästina gearbeitet und fünf Jahre lang nur Siegesmelduutzen in die. Welt geschickt. Das Ergebnis ist die ernste wirtschaftliche, und die noch ernstere politische Krise, in dtt wir UNS befinden. DaS jüdische Voll glaubt . nicht mehr heg Siegesmeldungen, wenn keine Details bört. 10. Dezember W22 Nr. um PELZ Mäntel Fuchse Jacken Verbränuingsfeüe sowie alle Arten PeliWaren zu fiel r»adiislei*teit Preisen PelThaus Cfebr. B RAIN IW Wien,!(■ Glockeng.S. Werkstätten: ll.Rueppg.37 sche Gebiet zum Deutschen Reich gehört. Der Reichskanzler schloß: Die rheinische Treue zum Reiche soll mit der Treue oes Reiches zum Rheinlaude vergolten werden. Poinane gegen Llotzd George. London, 9. Dezember. (Havas.) Gegemäber den Be» hcuptu.tgen deS von Lloyd George im „Daily Telegraph" veröffentlichten Artikels hat der französische Mi nisterprästdent Poincare dem Vertreter der Agenoe Havas folgende ErlarungeU abgegeben: k Die Argumentation Lloyd Georgeswird für alle Franzosen eine große Uobermschnng bilden. Sein Ausgangspunkt ist so nnrichbrg, daß man sich fragt, wie ein so erfahrener Politiker einen so sonderbaren Irrtum begehen kann. Der englische Expvenner gibt vor, es gebe in Frankreich eine bedeutende Partei, die die Absicht hege, das linke, Rheinufer zu annektieren. Diese Partei hat immer nur in der Einbildung Lloyd Georges 1 existiert. Niemals hat in Frankreich ein Minister oder ekntz Regierung oder mach nur ein Senator oder Abgeordneter einen so unvernünftigen französischen Herrschaftsplan entworfen. Lloyd George erzählt, daß er, wenn er im Jahre 1919 Clemenceau einen britischen Garantie-Pakt angeiboten habe, dies getan habe, um dlosem im Kampfe gegen de^ ftauzösifchcn Chauvinismus beizustehen. Diese ErNarung ermangelt nicht der Pikanterie, aber ich bin ganz sicher, daß sie keineswegs dem Gedanken»' gang ClemenceauS entspricht. Als im Jänner dieses Jahres Lloyd George in Cannes nemrlich den Entwurf eines Garalttiepaktts vorlegte, war der Text, den er auSgearbeitet hatte, gänzlich illusorisch. Er hatte vor allem de» Nachteil» einseitig zu sein und demzufolge jeden Bündnis- und Gleich-, wertigkeitschavakter ausztrschließen. Lloyd George dchcmptet^- wir hätten.dann eine eigentliche MUitärkorlvention der-« langt. ES ist wahr, daß wir eS ganz natürlich gefmtdeck hätten, unter den Auspizien der Bölkerbmtdkontwlle eine gleichartige Konvention zu haben wie jene, die vor denr Kriege zwischen England und Frartkreich bestand, so daß für den Fall eines deutschen Angriffes die Zusicheruna« britischer HUf« zu bestimmter Zeit hätten. Da Lloyd George diese cfanietM trre Garantie verweigerte, willigten wir in die Fortsetzung der Besprechung ein, indem wir verlangten, daß der Pakt eine ständige Fühlung zwischen den GeuemlstLben versehe^ und schickten am 1. Febvltar 1922 ein Memorandum nach London, worin wir unsere Gedanken genau darlegten, unr zu verhindern, daß der Pakt, statt eine Garantie zu sein, «ine Mystifikation und ei» Köder werde. Lloyd George gab uni damals zu verstchen, daß die Unterzeichnung deS Paktes bis zur Herstellung eineS englisch-französischen Ein-. Vernehmens über die Konferenz von Genua» die Oviend? frage und die Tangerfrag« hinausgeschoben werden müffr, DK Tangerfrage blieb in Schüvebe. Die Konferenz vont Genua brachte dm Wünschen Lloyd Georges keim Ev, Und so will ich denn in meinen Briefen erzählen, wie man hier lebt, worüber man sich freut und ärgert, wach man befürchtet und erhofft. Dann wird man mir hoffendes lich glauben, auch wenn ich Gutes berichte. Und der Schlußsatz jedes Briefes soll sein: 1 „Die Schwierigkeiten sind sehr groß, die Lage ist feW ernst — aber wir müssen siegen, wir müssen den Traum HerzlS verwirklichen, denn sonst geht Israel M gunde." * . ■ - Wir haben schon diel erreicht. DaS Hebräische tetity 15.000 Arbeiter bilden eine kleine Armee, die nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch politischen Wert hat, in Jerusalem und TiberiaS haben wir die Majorität der Bevölkerung, in Jaffa und Haifa sind die Juden beinahe schon daS ausschlaggebende Element; der Küstenstrich zwischen Jaffa und Haifa, die Bahn von Haifa zum Jordan lauft an den wichtigsten Strecken über jüdischen Boden. Aber alles, was wir erreicht haben, ist ein Anfang. WaS wir geschaffen haben, ist unfertig. Wenn die Unterstützung der Galuth ausbleibt, bricht Erez Israel zusammen und die Arbeit von 40 Jahren wird zugrunde gehen. Juden Europas! Schickt neue Menschen nach Palästina! Einwanderer mit Kapital sind das Wichtigste. WaS sie treiben, ist gleichgültig. Palästinas Bevölkerung ist von der Nachkriegsvorstellung gründlich kuriert, als ob hier kein Luxus anflommen dürfe. Im Gegenteil: ohne Luxus und Luxusindustrie kan» sich Palästina nicht entwickeln. Reiche Juden! Gebt, wenn ihr nicht wollt, keine Spenden für zionistische Zwecke. Aber dann kommt hieher, baut euch hier Palais, haltet.euch Autos, besucht hier die jüdischen-Theater. Den, Luxus, den man euch in Europa vorwirft, wstd man hier segnen — denn er wird Geld in ein Land bringen,' das Geld ebenso sehr braucht Witz. Menscher^ . ,