Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1377 (10.12.1922)
- Date
- 1922-12-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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% 'S 9fe 1377 Wien, Sonntag Wiener Morgenzettung. 10. Dezember 1922 Seite 9 •ItlllBRliaiHlB Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich ■; . . . 9910 « ] Sonntag den 17. Dezember f. J„ 8 Uhr abends. Sophiensäle : I Grosse Mekkabäerfeier 1 St . . . ,Aj 1 G' ■■■■■■■!■■■■■■ Karte» tflglioh yon 9 bis 12 und 4 6 Uhr km Bureau des z!onisfi*chen Landeskomitees, If, Taborstrass© LO s, Sesterreich ~ tionaüchve Deutschlands sei durch, diesremden Elemente in den. Schmutz gezogen worden. In den zur Versammlung ausrusenden Plakaten wird der Führer der bayrischen Sozialdemokraten Auer beschuldigt, daß er sich vom internationalen, jüdischen Börsenkapital taufen ließ, um gegen die nattonalsozial istische Bewegung KU Hetzen und das , Volk von den wahren Schuldigen abzulenken. Die Verordnung der abgetretenen deutschen Regierung, daß die verschiedenen deutschvolkischen Trutz- und Mordorganisattionen, deren System wieder durch den Prozeß gegen die Scherdeiuann-Attentäter eine Illustration erfährt, aujzulosen seien, hat die Deutschnatiorralen verschnupft und in 'der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 30. November stand eine deutschnatiorvale Anfrage über diesen Gegenstand zur Beratung. Der deutschnationale Interpellant von L^i n d e i n e r verlangte di e Rückgängigmachung der AuflösungsdeLvete und behauptete, diese Vereinigungen feien einzig tvegen ihrer antisemitischen Propaganda verboten worden. Die deutschvöliische Bewegung dürfe aber nicht ihres antisemitischen Charakters wogen unterdrückt werden. Das Gesetz soll« zum Schutz der deutschen Republik und nicht dem Schutze des Judentums dienen. Der Minister des Innern S e v e r i n g erklärte, daß es bei dem Verbot des Jmigdvutschen Ordens und des DeutsArölkischen Schutz- und Trutzbundes bleiben werde. Der sozialdemokratische Redner Rabols führte aus, der Rathonau-Mord habe klar bewiesen, daß der deutschvölkische Schutz der organisatorische Rückhalt der deutschnationalen Mörderzentrale ist. Große Sensation ries die Mitteilung Rabols hervor, daß der Hauptattentäter auf »Harden, der noch immer flüchtige Ankernrann, 15 Stunden nach dem.Attentat sich auf denr Bureau der Deutschnationalen Volkspartei gemeldet und gesagt habe, er habe' befehlsgemäß Harden erledigt und verlange Reisegeld,' Der deutschnatwnale Abgeordnete Koch behauptete gegenüber diesen Mitteilungen, man habe rm deutschrratio-' malen Parteibureau den Attentäter Ankermann abgewtesen und ihn sogar der Polizei angezeigt. Es täte auf je-den Fall not, daß sich die Behörden ernstlich um den dokumentarischen Nachweis mühten, welcher Art die Beziehungen der deutschnatronalen Parteien zu den MörÄevgruPPen sind; derm was man bisher erfahren hat, läßt Liesen Wunsch durchaus begreiflich erscheinen. Friedrich sucht Derbwdete. Budapest, 9. Dezember. Nach einer Meldung des „Uj Nemzedek" wird sich der Abgeordnete Friedrich demnächst Zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach Rom begeben. Er plant von dort aus eine Reise nach Konstantinopel imd Angora. Re Auftelluug der österreichischen Dorlriegsfchulven. Paris, 8. Dezember. Die Reparation skomm! s s U n hat heute über die Aufteilung der o st e r r e i ch i s ch - u n g a r i s ch e n S t a a t s s ch u l d gemäß Artikel 203 des Ftiedensvertrages von Samt-Germarn entschieden. Der Bericht des Expertenkomitees über die Austeilung dieser Schuld wurde entgegengenommen und dessen Anträge genehmigt. Die GesamtsHüld beträgt 8650 Milliarden. Wie verlautet, werden von dem auf die ehemals im Reichsrat vertretenen Lander entfallenden Anteil Oesterreich 36 Prozent (3114 Milliarden) nnd der Tschecho- Slolvakei 42 Prozent (3633 Milliarden) zur Last geschrieben. Die übrigen 22 Prozent (1903 Milliarden) verteilen sich auf Jugoslawien und Italien. Von den Staatsschulden der ungarischen Reichshalf le trägt Ungarn 50 Prozent, lieber die Bewertung des altösterreichischen Staatseigentums in den Nachfolg-- staaten ist noch keine Entscheidung getroffen worden und auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Die Delegierten des^ österreichischen Finanzministeriums setzen die Schatzung im Einvernehmen mit der ReParationSkommission fort. Achechs-SloWM. Ass V«d»et im Betrat anqeiwmmsn. Prag, 9. Dezember. (Tschecho-flowakisches Preßbureau.) Der Budgetausschuß des Senats hat in seiner heutigen Sitzung das Staatsbudget sowie das Budget der staatlichen Investitionen und da§ Finanzgeseh für das Jahr 1923 in der Fassung des Mgeordnetenhauses unter Ablehnung sämtlicher Abändemugsanträge angenommen. Sanierung der wohMigen Stistvngk«. Prag, S. Dezember. Der BndgetauSschuß deS Senats nahm eine von tschechischer Seite gsstellte Entschließung an, m der die Regierung mlsgef-rdent wird, sich um die Sanierung jener wiMättgen Stiftungen p. kümmern, die Kriegsanleihe gezeichnet hüben. Mndscha«. MeSrMmng der bnlgarischeaGesaMschE. Die Kmglich bulga-vrsche Gesandtschaft ersucht, nritzutLilen,? daß nach den ihr zugrgangLrrvn amtlichen Nachrichten rn B uS-s garien vollstättdige Ruhe herrscht und daß alle in brat letzten Tagen verbreiteten anderslautenden Midtsilungen, die: sich an die Nachricht von dorn Einbruch mazsdvnischer B-andrn in das Gebiet von Küstendil knüpften, maßlos übertrieben worden sindi Jnsbefonidere 'ist es v v l l st ä. n d i g u n r r ch t i g, daß w Sofia das Gebä-u-be der französischeü Gesandtschaft in irgendeiner Weise insuLtiovt woüden U9t für ja übschallpt ksm Grund doicha-ichen gewesen wäre. Dagegen ist es richtig, daß DruckereimÄschinen der Zeitung „Preporec" von einer in das ZeitUiNgSgebäude nach Mttevnacht eingedrungsnen Schar von 12 bis 16 Personen beschädigt wur-' dem. Wahr ist ferner, daß nach der Meldung von dem Einbruch makedonischer Banden in KÄsteirdil, die Regierung im Ausübung -ihrer Pflicht alles getan Hst, um die Beisetzung bulgarischen Gebietes durch Angehörige eines fremden Staates zu verhindern. Da sie infolge , der Beftirwm-ungmr des Friedensvertvages von Nauilly über die. dazu notwendigen Militär- und Polizeikräste nicht verfügt, -war sie gczwnngerr, die Bevölkerung selbst aufzubieton» und durch sie die Polizei zu verstärken, die ohne Blutvergießen die emgübrochenen mazedonischen Banden zum Rückzug nach jener Gegend zwang, ans der sie gekommen waren. Diese Zeit, w der Sofia von Militär nnfb Polizei vollständig entblößt war, machten sich bsu-tolustige ClomMte, die in bett Verzeichnissen der Polizei als Marodeure seit langem bekannt sind, zunutze, um ziovi Gsschaftslädsn in der Vorstadt zu plündern. Diese bodarverlichsn Ausschveitringen. hätten -sich nicht ereignet, wem: Bulgarien in der Lage wäre, jene militärische Macht unter den Waffen zu halten, die mmmganglich nötig ist, um einen wirksamen Schutz seiner Grenzen bei g^ichzeöti-ger Aufvechterhaltung der Ruhe und Ordirmvg im Innern des Landes durchznführen. Die bulgarisch« Regierung hat -deshalb auch sofort ihren aus der Konferenz von Lmrsamve wellenden Chef StombusiZkpj ermächtigt, die nötiger: Schritte bei den Vertretern der Großmächte zu «nternchnven, damit sie Bulgarien, dessmr pazifistische Haltung bekannt ist, gestatten, im Rahmen des-Vertrages von Neuilly eine durch AushebMg rekMtnerte Armee «nfzustellen. , . ... Sie Sottelle dr, MMMemr. Ber«, 9. Dezember. Der Verteidigungsminister der tschecho-slowakischen Republik Udrzal hat rm Budgctausschuß des Senats erklärt, daß die Heeresverwaltung eifrigst die Miliz frage studiere, daß jedoch die Berichte der ins Ausland entsendeten Fachmänner niederschmetternd lauten, da die Miliz unökonomisch und kost- EINZIG IN WIEN!!! Chiffon per Meter K 9.890 Damenhemdeh K 24.890 Httmohfihdeli K 49.800 IM Schiffmann II.. Taborsiraßs 48 Telephon 47*1-7$ Gn «ros En «leialt ■ Brief am Femsalem. Von Dr. Wolsgang Weisk. 7. Növetnber 1922. Es ist noch immer wunderschönes Sommerwetter in Palästina und die Nächte sind von einer unbeschreiblichen Herrlichkeit. Der Himmel leuchtet und strahlt des Nachts in märchenhaftem weißlichen Blau vorn Widerschein des •an - iit *o s ark, das; nur ganz wenig Sterne in. den Nächten des Eheschwan ihr Licht gegen den hellen Aether behaupten können. Es ist wunderschönes, warmes Wetter — aber der Winter macht sich doch schon im Leben Palästinas bemerkbar. In rin, zwei Wochen wird es zu regnen ansangen und deshalb stellen, die Bauunternehmer, langsam die Bauarbeiteu ein. Die begonnen Hausbauten werden noch weiter geführt und so sehr als möglich beschleunigt, aber die meisten Arbeiter finden doch nur bei der „Chafirah", dem Ausheben von Erde für die Grundmauern und bei dem Aüfführen der Hausmauern Beschäftigung. Ast erst das Haus soweit / i- >:aß die Mauern stehen, dann braucht man nicht mehr viel Hände. Und nun sind leider die meisten Hauser, deren . Bau vor zwei, drei Monaten begonnen wurde, so weit. Bor vier Wochen waren in ganz Palästina keine hundert . Arbeitslose zu finden, aber schon jetzt gibt es ein paar hundert und im nächsten Monat wird wohl leider die Arbeitslosigkeit mit ihrem ganzen Schrecken für noch weit mehr Arbeiter emsetzen. In Arbeiterkreisen. befürchtet man, daß in den Winteruronaten wieder über tausend Chaluzim arbeitslos sein, tverden ..... Die wirtschaftliche Lage wird übrigens, nicht nur für diese Arbeiter ernst sein. Aust die anderen Schichten der neuen Jischuw, vor asiem die Lehrer und. die Beamten, sind durchaus nicht auf Rosen gebettet. Haben die einen keine Arbeit, so erhalten , die anderen kein Geld. Man spricht in der jüdischen Oeffentlichkeit so oft und so viel über unsere Beamten^ man meint, daß an unlerer finanziellen Situatton zum großen Teil die hohen Gehälter Schuld trügen, die wir unseren Beamten auszahlen. Run, ich glaube jetzt nach einem halbjährigen Aufenthalt in Palästina sagen zu dürfen:-Es ist. zweifellos, daß man einige Beamte entbehren kann —» vielleicht zehn Prozent, sicher nicht mehr. Es ist sicher, daß man vor allem in der „Hadasiah". der Organisation medizinischer Hilfe, für die im Jahre 5683 45.000 Pftlnd bndgetiert und die ungefähr 70.000 Pftmd im verflossenen Jahr gekostet hat, durch bessere Ausnutzung ihrer Aerzte und Schlvestcrn bis zu 30 Prozent ersparen könnte. Es ist sicher, daß man weitere 1500 oder 2000 Pfund jährlich ersparen könnte, wenn man die hohen Gehälter ganz toeniger Personen rücksichtslos reduzieren wollte. Aber die jüdische Oeffentlichkeit Netzt immer nur üiese Einzelfälle und kennt absolut nicht die Lage der großen Mehrheit unserer Beamten, unserer Lehrer, Kindergärtnerinnen. Aerzte usiv. Seit vier Monaten sind die Beamten der Zionistische« Exekutive ohne Gehalts seit fünf Monaten die Lehrer und Kindergärtnerinnen'! Seit Monaten leben Hunderte von Familien, die im Dienst des jüdischen Volkes stehen, vom Schrrldenmachen. Ich kenne Lehrer, die oft nicht einen Piaster bares Geld im Hause haben, die auf „Pump" kaufen müssen, so lange man ihnen eben borgt — und da schreit.die Opposition darüber, daß man zu große Gehälter bezahle. (Nach den letzten Meldungen würde ein drohender Lehrerstreik beigelegt, indem den Lehrern der rückständige.Gehalt ausgezahlt wurde. Die Red.) O, liebes jüdisches Publikum beruhige dich! Von vereinzelten. Ausnahmen abgesehen, die man an den Fingern herzahlen kann und die öeshalb auch immer wieder hergezahlt werden, zahlt die Zionistiche Exekutive in Palästina ihren Angestellten ztyat .wenig, dafür aber.desto unpünWcher. , , Ich kenne.znm Beispiel einen hebräischen Kindergarten in der Altstadt Jerusalems, dessen drei- bis siebenjährige Zöglinge aus den ärmsten Schichten der marokkanischen, grusinischen,^ tunesischen, jemenitischen Juden des „Maidan"-Quartiers stammen. Für das Milieu, ans dem die Kinder kommen, ist charakteristisch, daß viele von ihnen auf die Frage nur den Beruf von Vater oder Mutter angeben: „er (oder sie) sitzt bei der Klagemauerum zu betteln, versteht sich. Diese Kinder sollen wenigstens einmal rm . Tag ein anständiges Essen bekonemen nutz so sammeln denn die Lehrerinnen in ihrem Bekannicnlrcis Leute, die sich verpflichten, 50 Piaster monatlich zur Verpflegung ihrer Kinder Leizusteuern. Aber außer dem. Essen braucht man noch Seife und Zwirn und Papier und Farben und bunte Tücher. Für diese Artikel bewilligte die Exekutive 2 Pfund monatllch pro Klasse. And die Lehrerinnen kauften diese Lehrmittel zwei, vier, fünf Monate lang — von ihrem eigenen Geld! Denn monatelang ivar der Waad Hachinuth nicht imstande, auch nur diese Anschaffungen den Kindergärtnerinnen zu ersetzen. Verstehen Sie, welcher Heroismus, welcher Idealismus dazu gehört, unter solchen Umständen nicht den Posten zu verlassen, aus den man gestellt wurdet Schweigend, ohne zu klagen es hrnzunehmen, daß von Zelt zu Zeit verlautbart wird: „jenen Lehrern (oder Kindergärtnerinnen usw.), deren Situation besonders prekär ist, wird , für ein paar Monate rückständiger Gehalt ausbezahlt" — so daß der Empfang des Gehaltes beinahe als Gnade, als Vorzug vor weniger bedürftigen Kollegen erscheint. Und dennoch entgehen auch diese unsere Lehrer, die oft buchstäblich hungern — die Lehrer der „Fachkernonischule" in Jaffa haben in der Tagespresse veröffentlichen lassen, daß sie den Unterricht einstellen müssen, wenn man sie nicht endlich bezahlt — dennoch entgehen diese unsere Lehrer nicht den iünwnÄigsten' Angriffe^.' ' So ist es denn auch kein Wunder, daß man vor kutzep Zeit den Beamten ankündigte, man wolle, die Gehalter äßet Beamten, die weniger als 85 Pfund bekoyrmen-' das sind.90 Prozent der Beamteuschast — um. 20 .Prozent kürzen, .Betzriinbet wird dies mit der wefentlichen. Ber^