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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-09 · Heft 1376 (9.12.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1376 (9.12.1922)
Date
1922-12-09
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wen, Samstag Wierree Moesenzett»«-. S. Dezember 1922 Seite L ■—< w i— —n*j B»«»»»»«« * ■ n o * ■ "V! S. S V. IRBBBflB■■■!«*■« 9m Sonntag den 17. Dezember l. J., 8 Uhr abends, Sophiensäle Grosse Makkabäerfeier ir »»■■■in■■■»■■ Karten tSglioh von 9 bis 12 und 4 bis 6 Uhr im Bureau des zionistischen Landeskomitees, II,, Taborstrasse 20 aB Polen. Brief aus Marsch««. (Sott mvsevem Warschauer KorrespondLnte«^ Warschau, 7. Dezember. Das HawMrroblem des Schm bieder derzeit die Frage der Präsidentenwahl. In der Art der Behandlung der Frage zeigt sich bereits die vollzogene Datswhe einer Majorität, dve «mS den Natümaldemokraten und der W'.WS-PartÄ bestcht. Schon >Äie Art mä> Weise, wie «die Besprechungen der Parteien beim Sttvatsches PHudski vorbereitet wurden, 'ktoeift klar, welche DvnÄenz der jetzige Schm «nzuschbagen gedenkt. Der ,-schlaue ^FUchs", wie Wi-to Z allgemein im Schm genannt wird, hat in i'&etont&ter Absicht die Pläne des Staatsche-fs PLsndAi nicht nur >durchLve>uzt, sondern auch dessen Kandidatur unmöglich gemacht. Wenn er auch in s,einem Mub -den Beschluß fassen ließ, die Kan-!didcvtrrr Pvlsudskis zu proklamieren, so tat er dies mir, um den!Bsvspvechungen seiner Partei an die BauWn, keinen Nationalldenuckvaten Jüan Staatschvf wählen zu lassen, gerecht zu werden. ÄndoveHeitrs hat er, wie allgemein in .gut unteirrichteten Kreisen 'vvvlauM, den Mittisterprösideinten Nowak, der eigenrÄich die ÄM^iOon der NationaMeimvkraten mit der Witos-Partei vermÄtvlte, veranläßt, die Besprechungen Pilsudskis derart zu srrrvawgiMen, daß er vor sich eine kleine Majorität erblicken solle, >deven Unterstützung er sicher sein könnte Ans dichem Grunde!h«t es Nowak verstanden, die Besprechungen derart anzuordnen, daß Zn chnen weder die Bsvtreter der nat-ionaken Mmderheißen noch die der Juden und kleineren Parteien, die Me sür Pil-!s«dskr ointveten, eingeladen wurden. WÄos sol'bst verreiste von Warschau, um wicht in die Lage versetzt zu werden, als Chef isLmsr Partei an diesen Beratungen «wilszunehmen und sich so |f2x PÄsudSki engagieren 'zu müssen. Mit einem Wörde, Witos verstauch es, ein schlaues Spiel mit Pilfndski zu spielen. Es ist dccher klar, daß Pilsudski, dessen Kandidatur von einer Keinen ^GAtppe prM-amveÄ wurde, die Schwierigkeiten für seine Wohl iMKarmt uud tS darum vorgezogeu hat, Mcher «allerlei Borwanidvn '«s seine Kandidatur ondgAtig zu verzichten. Me Rede PilsüdskiZ «beim Gmpf<bng der Vertreter der «Parteien ist das Dokument «einer tragischen SÄuiatiou» im 'der es sich seit der Mbernahm-e der Staatspväsidentschast, befunden hat. In Mser einstündigeu Rede erWrtze PÄsuLE die Schwüelivigkeiten, unter denen vr die Staatspräsidentschaift sichren Imutzde, wie auch die MM« für seinen Verzicht auf die Kandi- ^dMuc. Er «cklärte, daß er die -ganze Zeit hindurch bemüht ,war, einen «neutralen StandpuM eiuzuhakten. Das Belvedere \toatc wicht, wie seine Gegner angenommen haben, fern Cigen- Köm «anderer fei ein besserer Experte Ä1 der Frage der «Wahl «eines Stovtspräsidewten, Äs «er, La er sekbst vier Jahre den Dienst des StaotsPväsrÄcmiten versehen halbe. Der ^aatsipväsidemt befinde sich «Ln der unangenehmen Situation, daß er stets «mit stark organisierten Gruppen zu arbeiten habe. Selbst!der Mmisterrat >hat wach amherchin das Recht, seine Miiglieder M eilmn «ümhoU-ichen Vorgehen zu zivmgen«. Me diese Voväusst.tzam«gen «fehlen beim «Staatspräsidenten, der ganz allein sich «angriwvesen ist. Man -Mßw daher bei -der Wahl eines ^Kandidaten, «aus all diese Momente «bedacht sein. Richtschnur für die Vertreter des Staates und dessen Volk müssen die Be-- stömmLMgen der V«evsirssung sein. Schon die Bestimmung der Worftrssung, daß^der Waatspräsident in nriliitärischen AnHvlegen-- heiten der Vollstrecker der Beschlüsse 'des Sejm -sein soll, zeigt, daß der «eigentliche Amnoe-Besehlshaber der Se-jm ist. Dieser stl-mstand allein erschwert die Situation des Staatspräsidenten. Pilsudski stellte fest, daß -er allzu -oft Obfekt verschiedenster Angriffe geüvesen sei. Er habe alle di«ese Angriffe kurz „Stinkbomben" gsnannt, die ihn «ersticken sollten. Aus all diesen Gründen habe -er «den Entschluß «gefaßt, von seiner Kandidatur «abMfchen. Er sehe es ein, >daß seine Person n«icht über jene Attribute vovsuge, die der Staatspräsidmi-t haben soll. Er könne .nur raten, nicht für ihn zu stimmen, sondern euren Mann zu wählen, der einen viel schlvcreren Gang und eine leichtere Hand haben wird. Man müsse einen Mann wählen, der zu Kom pronnssen geneigt ist, denn mir auf dieseim W«ege würde eine Znsamurena-vbvtt zwischen dem StaatZpräsidenten und dem Sejm möglich wenden. Er vat«e daher nicht, Kandidaten von aus gesprochener Pavteizugehövigkeit Lmszustellen. Zum Schluß dankte er allen Men, die während se'm-er vierjährigen Tätig, kort iihin hilssbevoit zur Seite standen, und rmhm Abschied von den Versaimmelten. Zurzeit ist es noch unbestimmt, wer der eigentliche Kan bifoat fein wird. Aus «dom ganzen Vorgehen Witos ist zu er. sehen, daß er die Absicht hat, selbst der Nachfolger Pilsudskis zu werden. Witos wird bereits von vielen als Präsident der polnischen Republik angesprochen. Witzige Abgeordnete nennen ihn der „neue Präsident ohne Krawatte", und es wird in gut nnterichteten Kreisen als nicht ausgeschlossen betrachtet, daß die von ihm begonnene Kulissenarbeit gelingen wird. Die Einflüsse der von Witos -bereits dtlrchgesührten Koa kiÄorr mit den NativlEemokriaben lasse sich überall spüren. Nicht mrr die Frage dev Präsidentenwahl allein, die ganze Stimmung im Sejm und Senat beweist, daß gegenwärtig in diese beiden Körperschaften der gut christliche Kurs einen Anlauf öu nehmen beginnt. Charakteristisch ist es, daß be! der Verlesung der «ersten Ircke-rpellation des Jüdischen Klubs in Angr^ genhöit der Studentenkrawalle auf der ganze» Rechten ein Hohngelächter ausbrach. Als in einer späteren Sitzung Abgeordneter Grün bäum in AngeLegenhcit der Wahlmitzbräüche und der Schikanierung jüdischer Wähler interpellierte, wurde auch diese Interpellation mit einem stürmischen Gelächter auf der Seite der Nationaldemokraten und der Witos-Gruppe ausgenommen. Für alle Fälle belveisen diese zwei Tatsachen das Verhältnis der antisemitischen Majorität zur Judenfrage im Staate. Sie wollen die Judenfrage weder mit Argumenten noch mit sachlichen^ Debatten «evlädigen, sondern glauben, daß es ihnen gelingen wird, die ganze Frage mit einem Gelächter abzutun. Nicht besser ist auch das Vorgehen der Nationaldemokraten im Senat.in der Frage der Wahl des jüdischen Vizemarschalls zu qualifizieren. Insolange noch die Tatsache ber Koalition der Nationaldeinokraten mit der Witos-Gruppe nicht sicher war, hat zumindest die linke Partei, in der Annahme, daß «es chr mit Hilfe des Jüdischen Klubs gelingen wird, die Majorität $it erlangen, Annäherungsversuche an den Jüdischen Klub unternomnlen. Als jedoch bekannt wurde, daß Witos bereits mit den Nationaldemokraten zufammengehe, stellten die linken Parteien ihre Annäherungsversuche ein. Um nicht im Senat für einen jüdischen Vizemarschall stimmen zu müssen, hielten es die Sozialdemokraten für besser, sich der Wahl zu enthalten. Allerdings befindet sich der Jüdische Klub gegenwärtig -in einer schweren Situation. Auf der «iä«nen Seite -eine giewastige Majorität mit stark ausgeprägten christlichkatholischen Zielen, die alles daransetzt, um über die jüdische Vertretung im Sejm zur Tagesordnung überzugehen; auf der anderen Seite unentschlossene linke Gruppierungen, die nicht aus prinzipiellen, sondern rein taktischen Gründen, nur dann, wenn sie es für ihre Zwecke benötigen, mit dem Jüdischen Klub Zusammengehen wollen. Die linken Gruppen haben bisher noch nicht dm Mut aufgebracht, offen und klar ihre Stellung zur Judenfrage zu präzisieren. Aber eine Frage ist es noch, ob die christliche Majorität hn Sejm den richtigen Weg e-inschlägt, wenn sie die Judenfrage durch Hohngelächter und durch Uebergang zur Tagesordnung orledigm will. Auch diese Majorität darf nicht vergessen, daß man die Forderungen einer drei Millionen starken Bevölkerung in dieser Weise nicht wird lösen Wnnen. Sache des Jüdischen Klubs wird es eben sein, dm Sejm zu einer anderen Erkenntnis su bringen. Kette Kommission för Wische Frage«. Warschau, 7. Dezember. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Irr der letzten Sitzung des^Seniorercko-nvents wurde dir Frage der Einsetzung einer jüdischen Kommission für jüdische F-ragen «beraten. Die Wgeovdnetsn Dr. Thon und Dr. Reich sprachen sich gegen die Einsetzung einer solchen Kommission aus, da diese außer chrem Namen mit der Judensvage nichts Gemeinsames hat. DtandpwE der jüdischen Abgeordneten wuÄe von den versammelten Abgeordneten gebilligt. Numerus clausilr-^etze. Warschau, 7. Dezember. (Tel. b. „Wr. Alorgerrzeitung*.) Das Exekutivkomitee der nationaldemakratischen Studentenschast hat eine Mtton bei den Sejmgrnppen wnternommen, um ihre Unterstützung zur Einführung des N'umerus clausus zu erlangen. Die Abgeordneten der nationalen Arbeiterpartei beab-- sichtigen, diese Forderung im Sejm aufs lebhafteste zu untevftützen. Me Assentterungen in SAgalizien. Lemberg, 7. Dezember. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung^.) Wie schon berichtet, ist mrr 5 Dezember ganz unvermittelt die Verlautbarung des Gesamtünirristerimirs betreffend die allg«enveine Nekrrrtienmg im Bereiche der Woiwodschaft Lemberg erfolgt. Die Verfügung bezieht sich auch auf die Woiwodschaften Stanislau und Tarnopol. Sämtliche in den Jahren 1900 mvd 1901 geborenen polnischen Staatsangehörigen » h u e U n t e r s ch i c d d e r K o nf e s s i o n u n d N a t i o n a l i t ä t haben zum festgesetzten Tevmin vor der Assentkommission zrl erscheinen, von der sie im Falle der TauglichkeitseErung für kurze Zeit beurlaubt werden. Die Einlberusung zum aktiven Militärdienst dürste im MonatJänner erfolgen. Obüvohl bisher auch bie hiesigen Einwohner polnischer Nationalität in formell'': Hinsicht blvß f r e i w i l l i g e n H e e r e 8 d i e n st leisteten, wird durch die neueste Ktvndmachung die MilitärdienstpflichL t-er Ukrainer und Jltden züln ersten Nial offiziell ftstgestellt. Man muß annehmen, daß die Warschauer Zentralregrerung, indem sie nach Durchführung der Sejmwahleu in der Festlegung ihrer SouveränitätsrechlL übe?. Ostgalizien einen bedeutenden Schritt nach * rvarts gemacht hat, auch dieses Fait aceompli nicht ohne ri< gewisses Einvernehmen mit den maßgebenden Kreisen d« Ententemächte geschaffen hat. Mndschau. Ae Londoner 8ntrntebesprechungen. Paris, 8. D^omibev. (Havas.) Mnisterprasident Po in ca re und Finanzmimster de Lasteyric find heute mittags nach London abgereist. Mfter will selbftittdtt bleiben. Belfast, 7. Dezember. (Reuter.) Die «beiden Kammern des nordischen Parlmnents haben einstimmig die Antwort adresse auf die Thronrede angerwmnleu, worin es abgelehnß wird, Ulster der Herrschaft des irischen Freistaates zu unterwerfen. Prinz Andreas von Griechenland. Rom, 7. Dezember. Prinz Andreas voll Griechenland sprach in einem Interview mit einem römischer! Journalisten England, dem Papst und Italien sür seine Lebensrettung den Dank aus. Der Prinz ist nach London abgereist. Rußland und PaMina. Der Smider-berichterstMter «des I. C. B. in R>!lßl«Dn«d ki> gvaphiert: Der höchste wirtschaftliche R-at der russischen Regie- Mng (S-owncrrchos) hat dem russischen Zemcnttrust vvrgLschlagen, eine Filiale in Jaffa zu -eröffnen. 8i« lettischer Bertreter in Rußland emordÄ. Riga, 8. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Als Folge zahlreicher Artikel in der Sowjetpvesse, in denerr die Ausrottung der in Rußland lebenden Letten gefordert wird, ist der S e k r e t ä r d e S l e t t i s ch e n K o nsulats «r Peters^burg Ochzolim auf einer Station durch einen Messerstich ermordet worden. Jir Petersburg sind sechs Letten, unter demn Mitglieder des Roten Kreuzes und des Bureaus für Außenhandel waren, verhaftet und nach Aboskau transportiert tootben. Muttrobe bei kttwMderem in Ameritt. Ein Gesetzentwurf des Staatssekretärs Davis. Aus New-Aork wnÄ uns berichtet: Staatssekretär für Einwandemngsweseu Davis hielt vor kurzem in Los- Angelos (Kalifornien) eine große Rede über die Einwau-ü' rung und die Einwanderungsgesetzgcibmlg, in welcher er aui>; sichrte, daß das.gegenLvärtige Paßshstem in Verbmdnug Mt dom Gesetz über die 30pwzentige Einwaivderungsguole' eine komplizierte Manipulation zur Folge halbe und den onie- rikculsischen Bedürfnissen nicht mehr entspreche. Er habe vielmehr einen Gchchentwurf ausgwrbentet, welcher die Einwandevnngsfvage in Amerika radikaler zu lösen berufen fei.; Werde der 5wngveß, dem er diefts Gesetz unterbreiten werde, seine Anträge annehmen, so werden die Einwanderer in Hinfttmst einer genaueren physischen und Psychischen llniiersnchui,^ unterworfen werden. Von jedenr Einwanderer tverde eine B-lutProbe genommen werden, um bezüglich fwua* Gesundheit, seines geistigen Zustandes und seiner GhavaiktereigLuscha-fteu sicherer zu gehen. Amerika brauche rächt viel Enrwcmdever, sondern in des- Wortes wahrstem Sirrne erlesene EinwarÄerer. Diestm Bedürfnisse Will «Sekretär Davis durch sein Gesetz entweche«, ^. ■ t Set „Ku-KtttMyn". Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Nach neuerlichere pescherr aus Washington hatte dcr Gouverneur von Louisiana eine Gehannkonferemz mit Präsident Harding, deren Gegenstand der Emfluß des Ku-Klux-Klan Wdete; Seusationslustige Verbvoiteten das Gerücht, daß «der Präsident bcaHsichtiae, die vertbüudeten Truppen in 'diesen Staat zu schicken. Wenn ainh in Wahrheit kein Anlaß zu ei neun demciige n Einsih reiten versiegt, so ist die Macht dieser Organisation doch «bereits kräftig genug, .den Staatsbehörden von Louisiana ernste Sorgen zu bereiten. Diese Orgmrisati-vn, die einen hundertprozentiger Amevikanism-us vertritt und sich gegen „Katholiken, Juden, Einwanderer und Neger", wie sie selber sagt, richtet, entstand in Louisiana, verbreitete sich aber schnell . in den anderen Staaten. Eine vom Kongreß veranstaltete E:>.- quete ergab, daß der „Klan" Auhmiger unter Staatsmännern, Depattierten, Fina«Wnännern und Arbeitern hat. Polizei und Behörden scheinen die Vasallen des uusichibaren Regimes zu foin, denn s«eime Opfer können keinen Schutz vor dieser gefurchte, ten Organisation finden. In seiner Rede, die der PrÜsideM der BILLIGKEITSREKORD Aniugitolle, rein Wolle, 140 cm br. K 4 V90 BflublS-Reglans, rein Wolle . . K5Ö .090 Regftnm»nfcl, la ... . K163.000 [Schiff mann I!., TaborsiraOe 48 Teienhon 4M*78 En sros En detail mmmmmmuemmm \

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