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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-03 · Heft 1370 (3.12.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1370 (3.12.1922)
Date
1922-12-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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yf'm Zkr. 1370 Wien, Sonntag Wiener MorgenzsitLns« 3. Dezember 1922 Seile 5? vom ein .Wien, II. Kl. Spertgasse 8 UÜU Ae Zllkrastsetzmg der Genfer ProtokMe. Der Verlautbarung der Genfer Protokolle im Bunde sgesttzblatte steht nun nichts mehr Wege. Damit sind sie trotz des Einspruches des Bundesrates rechts gültig und r e ch t s v e r b i n d l ich geworden. 5der Nätionalrat hat gestern seinen ursprünglichen Beschluß wiederholt, womit der Einspruch des Bundesrates hinfällig geworden ist. Das Wiederaus-baugesetz wurde in zweiter Lesung unter Wiederholung des am 24. November beschlossenen Wortlautes gegen die Stimmen der Sozialdenrokvaten angenommen, womit ebenfalls der Einspruch des Bmidesvates unwirksam geanacht wurde. Es fehlt nur noch zu seiner Gefetzwerdmrg die Formalickt der dritten Lesung, die in einer, fiir chmte, 9Uhr vormittags, anberaumten Sitzung des Natümalrates erfüllt werden wird. Die Dchcllte Mer beide Gesetze war ganz kurz. Abgeordneter Dr. Ellenbogen brachte das Anwachsen der Arbeitslosigkeit zur Sprache. Er bezifferte die Zahl der Arbeitslosen in Oesterreich mit 91.200, davon in Wie n allein 85.345. In'1090 Betrieben der Metallindustrie sind etwa 650.000 Arbeiter zur Kurzarbeit verurteilt; ähnlich liegen di-e Verhältnisse in anderen IiidustrieFweigen. Die Jndustriekrife werde noch durch das Verhalten der Banken verschärft, welche geradezu den Industriellen dvn Kredit sperren. Was gedenkt das Ministerium zu Am, mn die Banken daran zu erinnern, daß sie doch auch eine spezielle Funktion haben, nämlich die Industrie aufrechtzuerhalten? Schließlich verlangte Dr. Ellenbogen die Ausdehnung der Tlübsitslosenunterstützung von 30 auf 52 Wochen, Erhöhung der Unterstützung auf täglich 10.000 K. und SchutzbastÄmnungen für die Kurzarbeiter. Minist« Schmitz verwies auf den Zusammelchang Kölschen dem Anwachsen der Arbeitslosigkeit und dem Sinken des Markkurses. Die Markkätastrophe fei die Hauptursache der große« Industrie- und Wirtschaftskrise. Die Regierung bereite Notstandsmaßnahmen für die Arbeitslosen vor und wolle gewiß alles tun, um deren trauriges Los zu mildern. , Abgeordneter Han us ch stellte, schließlich noch einen Antrag Mlf Gewährung eines - Mietzinsb« itr ages für Arbeitslose, der von allen Parteien unterstützt und den; Ausschuß für soziale Verwaltung zugÄviesen wurde. Me Fnnsbrurker Hakenkremlertat. Innsbruck, 2. Dezeilnber. Wie die' Blätter melden, ist nunuiichr auch der Schmiedgehilfe Jen de, der sich als letzter von den fünf wegen des Ueberfalbes auf Dr. Grüner Bechasteten noch in HLftbesand,ge>gen Erlag einer Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Ungarn. Lar ArteU im Landau-Prozeß. Budapest, 2. Dezember. (Tel. d. fßBt. NLorgenztg.".) Die gestärckigen Mörder des , : -xrben die volle Grrade des Militärgerichtes erfahren. Das Urteil, das heute gefällt wurde, ist eine zynische Verhöhnung Ms Rechtsempfindens. Der Oberleutnant D a n s k y, der die scheußlichen Folterungen anordnede, echiÄt sechs Wochen Zimnierarrest; seme Gesellen, der Un-teAemtnmrt Paul Liskovsky undder Kadett-Stellvertreter Ladislaus Gouda, je zwei Wochen Zimmerarrest. Die Strafe ist mrch die llntechrchrmgÄhast verbüßt.. ZugoslMen. Sine WirMastskonventlon mtt der Tschrcho. Slowalek. M Aufhebung des AchWrideckages. Belgrad, 2. Dezember. (Dschech.-flow. P.Ä.) In den letzten Tagen fanden hier eifrige Beratungen über die Teilnahme der Tschecho-Slowakei an dem wirtschaftlichen Zusammenarbeiten mit Jugoslawien . statt. Für die Regierung.des Königreiches S. H. S. nahmen an den Beratungen mehrere Minister mit/den Fachreferenten und für die TschechoMowcüei Gesandter. Ka» l i n a und Dr. S ch e in e r ans Prag teil. Die Verhandlungen wurden Dienstag durch ein wechselseitiges U-sbereinkonmien abgeschlossen. . ' Belgrad, B. Pezonriber . (Del. der „Wr. Mvvgsnzchung".) Wie berichtvt, wurde dm Achtstundentag in ^ugoiflowion außer Kraft gesetzt. .Die Mveffende, Bewchnung pkvtMt-unter om° öderemfobgßinlde. BestimmMgen; -Dos' Gesetz -Über deck Avboi^- schrrtz schveM für die. ^SchweMduswie und die Bergwerke-div achdstÄchi-gv ArbeitsM por; es läßt töe rEGeWAngv^.-Ar-. beitszei't in den Bergwerke« auf neun Stunden mw in der tz-vdü'M'/'Glf/. Hn^HWidvn - apf llängstWS dvsi .Mo-nat« M. Mm ^vjer MtzWs'ter? nrung dafür eiwtreten. In kleinen Boi-vieben, GeivrrLen und bei Handwerkern ist dir Beftmmvmvg der Arbeitszeit dem Minister für soziale Fürsorge überlasten, der sie zwischen acht und zehn Stunden halten wird, je nach der Schwere des Berufes. Diese Entscheidung ist nun «gangen. Die' Bsiviede werden in drei Gruppen geteilt. Für die'erste, nrit schwerer Arbeit, gilt der Achtstundentag, für die zweite (nicht allzu schwere Arbeit) der NounstlMde-ntog, für die dritte (leichtere, nicht rmunterbrochene Arbeit) der Zehnstundentag. Pole«. Aa«drrHtsMBe argen ukrainische EAdeute«. Binnen drei Stunden Vollzogen. Lemberg, 30. Novouiber. <Dol. der „Wr. Morgeuzöitung".) Nach zwcktägiM Vechcmdliung fällte das hiesige Standgericht gestern ‘i>a§ Todesurteil über zwei wogen Ermordung des Lehrers Lanowy Mge-Nagte-ukrarnischeStudenten, lden 26j<lhrigen Nmnan Lueejko und den etwas älteren Wcvsyl K r >ü p a. Der Mord, hatte öinen polMchM Untergrund und stand in Verbindung mit der abgeschlosseneu Wcchlkämpaglre. Die'auf telegraphischem Wege von den Verteidigern erbetene. Begnadigung wurde vom Staatschef verworfen, so daß das Urteil bereits drei Stunden nach erfolgter Verlautbarung vollzogen wurde. Die AngeMagton verabschiedeten sich von ihrM Vevtoidigern durch Kuß und Händedruck, bewährten bis zuan letzten WlgeMick Fass-mrg ruid riefen innnittelbar -vor Wgabe der Sälve: „Hoch die unabhängige lltraiuet" Bulgariens AnßenhoM. Sofia, 2. Dezenlber. <Brul-g. Del.-Ag.) Mnisber des Innern Daskalow, der in , Abwesenheit des Ministerpräsidenten die Geschäfte leitet,, erklärte auf eine Interpellation .Wer di«' äußere Politik fo-I-gendes: Bulgarien verfolgt auch weiter seine auf eiaren friedliche-n Ausgleichs gerichtete PylNk. 'Diese F r i'ed e n s pol i t i k' hat. bereitZ ^zu -den besten Ergebrsissm 'geführt.- Unter 'antzevolü, UMrde.:^'''lKÄspi!Ä.',die Beteil-ignng Bulga.rienS an der Lausanner Konferenz gsstattet, wo es Gelegenheit hatte, sc-ine Rückforderung-en zu »MterbrertAr. 'Di; Regierung betrachtet dies in der Hoffnung der Berücksichtigung ihrer Ansprüche bweits Äs einen Erfolg. Bullgavien Wt daran fest, emen Husgang zum Aegäi-- s che n M e e r $u erhalten. Das kann nach Ansicht der bulgarischen Regierung nur,so verwirklicht werde«, wenn -das bulgarische Thrazien, über das der Korridor führen würde, eine internationale Tlutouomie erhielte. De« Mnisterpräfidout ibchsichnetedie' Gerüchte, als ob Bulgarien eine Annäherung an die russisch-türkische . Gruppe oder an irgendeinen Staat, der den Frieden auf dem Balkan stören wollte, anstreben würde, Äs uubiegründet-und ten-> denziös.' Das Ware >Mve«oiubar nnit stner Politik/ der Neutralität, did von der bulgarischen Ote-giernug loyal befolgt werde. Es sei jedoch seine, Pflicht, zu erklären, daß, solange fope berecht'igtestsn Wünsche Bulgariens nicht befviedigt würden, der Friede auf dem Balkan nicht als endgültig gesichert angescheu werden könne. . Ier reichsdmMe Me Berlin, 2. Dezember. (Wolff.) Die Reichsindexzisfer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Heizung, Beleuchtung, Wohnung und BeMtdung) ist rur November gegenüber der Reichsindexzifser vom Oktober um 102,2 Prozent gestiegen. mumm] KLEIDER i KOSTÜME / MANTEL : PELZE 1 KfiRNTNER5TRR55E 34 (MAYSEDERGASSS 2) : Itv .. LnpH Bte & Ca.. Web. II. $ ßadezlmmer-Ei™rlchtUD§en Sin Pogrom in Mhilew? Kowno, 30.. November. (Del. der ,Mr. DkorgenMung".) Hier sind Nachvichterr erngetroff-en, daß vor eLwi-gsn Tagen Soldaten der Roten Ärnree in Mohilew einen Judenpogrom veranstaltet haben, bei welcher GÄogeuheit sechs Inden getötet und 31 verwundet wurden. N>m dank der Intervention von GeMchen erreichte der Pogrmr keinen größeren Umfawg. Exporl nach allen Staaten! . itii Irr baychche MuistrrtzrMient i« Berlin. München, 2. Dezember. Die Korrespondenz Hoffmawn nrekdet: MiMsterprasident Dr. d. KuÄing reist nächsten Montag nach Berlin, wohin der Reichskanzler die Ministerp'räsiderrien der Läicher für den 6. d. zu einer Aussprache eingeladen hat. Der- Ministerprasident wird Dieus-täg die Angelegenheit der Sühnefordevwng der interalliierten MAitärkontrollkommissvon mit den zuständigen Reichsstellen besprechen, nachdem er hier bereits die notwendige Fühlung mit dem Landtage genvMnten hat. Die Entscheidung der bayrischen Regierung wird sofort nach der Rückkehrdes Mimsterpräsidenten getroffen und der Oeffentlichkeit mitgeteilt werden. ' Der Thron FMuls wankt. Paris, 2. DezeM-ber. (Wolff.) Nach einer Nce'ldnng der „Chicago Tribüne" aus KonstlMtinoPÄ verlaute dort, da^ ür Klemasien Unruhen auZgebvochen seien. Die Kurden sollen eine neue Regierung gebildet und das vor ernigeu Mmraten von England geräuMie Sulimanieh besetzt halben. Der arabische Kongreß soll eine Erklärung abgegeben haben,' K ö n r g F a r s u l habe, gegen die Voraussetzungen verstoßen, unter denen er den Dhron bestiegen habe. Die Bevoltevung verlanrge die Wahl eines neuen Königs. Bon den geistlichen Häuptern werde erklärt, König Faisal habe den Thron erschlichen. Die Unruhen kn Thrarken. Sofia, 2. Dezember. (Bulg. Tel.-Ag.) Die Zahl der ans WeWvazien einireffenden Flüchtlinge wachst von Tag zu Täg. Sie bestätigen die Nachrichten der bulgarischen Presse, daß in Westthrazren Unrnhen ansgebrochen sind. Die bulgarische ReBemug fft, wie die Bulgarffche TÄegraPheu-Agentnr erfährt, fest enffchlossen, sich in. die Eveigmsse, die sich mr dtachbavstaat absPÄen, nicht einzu- Mischen. Sie hat die Grenzwachen verstärkt und angeordnet, auf stde Person zu schießen, die bewaffnet die bulgarische Grenze überschreiten sollte. . Tagesbericht. AimMnsen eines Mischen Handwerkers. Von Heinz Herma«». ' ■ Nachdruck beröc/oit. IV. TeuchelMger und Opern-Eleve. Ich erstattete meiner Mietter wieder-über alles recht betrübten Bericht, ft: fuhr am nächsten Tag, den 6. September 1872, nach Brünn zurück. Ich tvohnte einstweilen bei Brülls. Wer schildert meine Verzweiflung,, meinen Zwiöspalt, ob ich Maler, Sänger oder Handwerker werden solle. Da besuchte ich am ersten Samstag meines Ansenrhcrltes den Tempel im zweiten Bezirk. Da sieht mich ün Chorist des Tempels, 'L i b a n, der später in Berlin Opernsänger wurde. Er kannte mich mrs Brünn, ruft mich bei Namen, stellt mich denr Oberkantor G o l dst e i n vor, der mich-sofort als Sopransolist cmfnimmt und mir eine große Zukunft in Aussicht stellt. . . 'Rgch einitzeü Wochen horte . der Oberkäntor der Seitenstetitengasse, der berühntke -Proftffor Sulz e r,, von der Erwerbung seines Kollegen Goldsteiu. Er lud mich zu sich m seine Wohmmg. Er machte den größten Eindruck ans mich; wie stolz war ich, als er meinen Gesang lobte; ich mußte mich verPflichtLN, seinem - Chor anzugehörcu nnd dem Oberkäntor abschreiben. Beschäftigung hatte ich nun genug. Vormittags waren die .Opernproberr, nachmittags Unterricht in Musik und GefäiE abends war ich irr der /Oper '.beschäftigt; ich sang Im Tempelchor irr der Ärtenstettengaffä Sonntag vormittags sarrg ich im Chor der griechischeu Kircheanr Alten Nerschmarkt sind nachmittags war ich wiedexbei jüdischen AMnMr.in.dev»SeMlstettmgasse beschäftigt.. . .Aber trö^ ustedem konnte ich mich weder 'verköstigen, geschweige denn kleiden, mein, ggnzes' Einkomnren betrnß 30 Gulden im Monat. . - ' - So - mußte ich zu meinem größteir Schmerz von der Wd dvch, UM DndwKTk ^greifen, /, '.'c:l. D2^A 178945 0891558

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