Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1370 (3.12.1922)
- Date
- 1922-12-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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VS ' \ ' .-r »t 1370 Wie«, Tonntag Wiener Movgenzertnug. 3. De^enlber 1922 Gnie 3 von BOTTUEB HORAK HB. Safiesianergässe 26, Ms mm Beginn df« Verkaufes Montag den »7« Wov. Die Bekämpfung der AffimrLrtwn, 'ihrer Ideen, nicht ihrer meist irregeleiteten, in sie hmemgeborenen Vertreter, darf nicht tnehr aufgeschoben werden; ihre Schäden, ihre Auswirkungen. hrs in die ftiusten Verästelungen des öffentlichen Lebens hinein mit sachlicher Ruhe aufzuzeigen, die segensveicheu Konsequenzen einer natiorml autarken Judenschast bekamt zu gebe::, ist tmsere ernste Pflicht. Wir nmssen ferner die Lücken unseres Programmes ausfüllen, indem wir uns Lvratt Mwöhnon, jede auftauche^v Frage von unseren: Standpunkte aus zu betvachten: Ein Nationalismus, der sich im wesentlichen nur auf kulturelle, humanitäre und Rechtsschutzfragen beschrankt, zwingt den senkenden Juden, zu den Probleinen unserer Zeit selbst irgendwie Stellung zu nehmen, und sich, hiezu in drr Regel von anderswoher Belehrung zu holen; er weist sich so-selbst eine sekundäre Rolle zu und vermag nicht zur LeLensauffassmig zu werderr. Es obliegt: uns, unser Verhältnis zur'Umwelt zu Karen. In ihr^r Glanzzeit besaß die jüdische Assimilation die ZustimmuW gewisser Kreise ihrer Umgebung: Das ist ^as Rätsel ihrer Erfolge gewesen. Der »ichtjüdischen Bevölkerung, über den Unterschied der zwei Woge des jüdischen Volkes für ihre eigene Zukunft aufgErt, wird, sofern es ihr mst -einer Lösung der Judonfvage ernst ist, die Wahl nicht schwer werden; sie würde ihre eigensten Jnterrssen und Bekenntnisse Verleugner:, Iven» sie die Assimilation, vielste als Ken: der jüdischen Kalamität bekämpft, auf Kosten einer Bewegung unterstützen würde, die mit ihrer besten Kraft das würdelose Einschleichen in fremdes Volkstum zu verhinderz: flucht. Wenn wir . diese unvrvmeMiche Entscheidung, die nur in unseren Gynsten ausfallen kann, hinausschieben, so seinen wir. nur selbst die gehässige Unterstellung zu brstachgen, als ob. unsere nationale Bewegung in ihrer segensreichen Auswirkung nach außen hin der Assimilation weichen müsse, und wir zerstören so leichtsinnig emeu ungeheueren Fonds moralischer Werte, dessen, nritreißende Wirkung gewaltig sein muß, gerade auf. diejenigen, die nicht mehr imsimche sind^ die jüdische RenaissanoeWee a n und für sich'voll zu erfassen und einzuschätzen.' Wir müssen den Boden zur jüdischen Renaissance ebnen, die BorausMuuM.W^Mt-Mckst.rö.»seu der jüdischen Massen herstelleu:'dürfest - de):" gegenwärtigen Augenblick nicht ungenützt verstreichen lassen, von: jüdischen seit dem Wiedereintritt unseres Volkes' %>il Geschichte der Dtenschhott. Mcha, Mm Md der zionismus. Von Prost Ssttur Freud. li ' Dem Durchschrtittseuropäer,. auch . dem politisch inkeressierteu, bedeutet noch immer seine kleine europäische Hawinsel, zu - deren absoluten''Wertung,- wo allem dir relative Strichätzung am Platz^wäre, ihrreine falsche, von KulturdmM veranlatzte Opti^erzogen hat, daS Zentrum der : Welt.- Die fernen weiten' Länder des Ostens und des Südens treten höchstens als exotische Gebiete, als Rohstofstesevvotre, als Kolonie:: ui:d neuestens als- Mandatslander in seinen Gesichtskreis. 'Die gerstige Einstellung, die das Verhältnis des Europäers zum' Asiaten und Afrikaner lediglich als jenes der geistigen, menschlichen und kulturellen Uvber- und Unterordnung zu sehe:: vermag,. hindert den Europäer völlig, einen Blick hinter die Kulissen zu tun, welche kurzsichtige Interessen- und Machrpolitik eine falsche Erziehung in menschlicher uM Politischer Hinsicht und der durch die'wirtschaftliche Vächkriegsnot noch verschärfte Marrgel an-Berichterstattung'zwischen ihm und der übrigen alten Welt errichtet haben. - Man sieht tat Europa noch immer viel zu wenig, daß die Völker in Asien, und sogar in Afrika in ein Stadium innerer Gärungeingetreten sind, welche einerseits die geistige Berührung mit der europinscha: Gedankenwelt, die Teilnahme von Tausenden am Kriege und andererseits die bolschewikische Propaganda in Asien yervorgrrufen haben. Von diesen Tatsachen macht mau sich vieb zu wenig klare Vorstellungen Man rechnet damit, daß Japan eine modeme Großmacht geworden ist, die ihr Recht, im Rat der Weltmächte tniizusprechen, zähe m Anspruch nimmt, aber man macht sich keine Gedanken darüber, cher weiß es einfach nicht, daß 'z. B. das gegenwärtig m zwei feindliche Lager zerklüftete chrnesischeRiosttrreich einer: höchst bemerkenswerten Modernisierungsprozeß durchmacht, daß die gleiche Erscheinung in Persien zu konstatieren ist, welches bereits, ein Parlament besitzt, eine moderne Armeen organisiert hat und mit Sowjetvußlantt 1921 einen Vertrag unterzei chmte, der neben der Aushebung der russischen Konzessionen ein Klausel enthält, wonach die RMen wieder in Persien entrücken könnten, falls eine andere Macht persisches Gebiet besetzen sollte. Persien macht selbständige Politik, ein Umstand, dem England, das in Persien nicht nur wegen der Oellager, sondern auch infolge der indischen Nachbarschaft starke Interessen hat, Rechnung trage» mußt:. Achnlich liegen die Verhältnisse ttt Afghrrnsswn, sowohl was die Beziehungen zu den SowjetS^als.,zu Errglaud anlangt. Auch hier.hat England, um den -russischsn Einfluß zu parierenwelcherseine Propaganda tn Indien den Weg über Afghanistan strcht, 1921 einen Vertrag in Kabul Kaufhaus Wien Tefspschhaus „KfiBltierhof“ g Wien, |.r K L 15« a p h ofe asaa, ,-8£ unterzeichnet, der den Afghanen . weite Zugeständnisse. nracht und ihnen die Freist läßt, . mit Rußland und andrren Mächten in freien Verkehr zu treten. Eine ähnliche' Entwicklung ist auch in anderen Landern und Kontinenten fesiKnstellen.. Bekannt ist die sogenannte Ghandi-Bewegung. m Indien, zu deren Unterdrückung . England energisch? Maßnahtnen treffen mußte, das Protektorat Wer Aegypten ist aufgehoben und dieses zu einem tmhezu souveränen Staat erhoben vorden, wobei, sich natürlich England dl? für die Erhaltung seiner Weltstellung und die Sicherung' des Seewegs nach Indien, notwendigen Garantien geschaffen hat. Italien, welches die Zyvenasta und Tripolis schon, feit Jahren formell annektierst hat, ist durch den WDerstand der Eingeborenen gezwungen worden, mit dvesen in friedliche Verhandlungen zu Irrten, und das Resubwt tvar die Anerkennung einer Autonomie für die Zyrenaika. mit eigenem Parlament — dieses erste arabische Parlament wurde im Jahre 1919 Är Benghasi eröffnst — und eigener Ortsverwaltung, während Italien -nur die Souveränität und die wirtschaftlich kulturelle Durchdringung für sich - in Anspruch nimmt. Auch daß im Jahre 1921 ein Negerkongreß, allerdings anscheinend von Frankreich inspiriert, auf europäischem BiHen tagte, gehört in den Rahmen, diese? Erörterung. . - m Das Schlagwort von den 14 MMen Wilsons, beten Verwirklichung auch in. Europa noch m ziemlicher Ferne steht, hat bei den Weißen nicht haltgemacht und man weiß sich feiner in der arabischen und auch in der Negerivelt bereits zu brdre«en. Auch der letzte Vorstoß'der Keumlisten, die kotrsequente Folge ihrer bisherigen gegenüber der europäischen Politik eingenommenen Haltung ist unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten. Kemal Pascha ist wohl drr heutige Repräsentant dev jmrgtürkrschen Richtung- und', seine Haltung in der Furge des Kalifen zeigt die Züge der bekannten Geistesverfassung der Juugkürken, die, mit europäischer Halbbildung ausgestattet, rationalistische Zweckmäßigkeitserwäguugett auf Gebieten wirken lassen ^wollen, wo die Instinkt.gewordene alte Traditüm allem den Ausschlag gab. Aber wenngleich der gegen Sultan und Kalifat geDhrtr Schlag wahrscheinlich die Wirkung haben wird» Nie Sympathien dev Millionen indischer nck> arabischer Moslüns für die kemalistische Sache in ihr Gegenteil zu verwandeln, der Wkderstcmd der Keuvalisten - gegen dir DurchfichMng des SevriK-VertrageS,- der im Laufe der Zeit dank der fvanzösischen Uuterstützung zu der heutigen Machtpolitik Hemyls geführt Hai, .ist aus dem Gefühle entstarwen, die^ Völker Vordrrasrens hinter sich zu wissen und sich auf die. Empfindnngen des großen , Hinterlandes zu stützen. Das asiatische SÄbstgefühl fft im EINZIG mmsm Chiffon per Meier K 9.800 Damenhemfen K 24.000 Herrenhemden K 49.600 II.. TaborsfraBe 48 Telephon 47*1*79 Engros En detail Zemfalemer Mef. Von Dr. Wolfgang Weist. ‘ 8. November 1922. Die Hitesrachttth, die Option für die palästinensische StaaMürgerschast, ist zu Ende. Die Palästmenftsche Gesellschaft ist um ei» herrliches Gesprächsthema ärmer — ar den letzten Wochen wurde nämlich jede Konversation mit brr stehenden Phrase begonnen: „Änd Sie schon . . Darauf antwortete dann der attfcece, je nach der Lc^e der Dinge, stolz ,Aa" oder weniger stolz „Noch nicht" und tat dann die gewichttge Gegenfrage: „Na, und Sie?" Waren beide beteiligten Personen bereits Palästinensee geworden, so war eS dann das Natürlichste, über alle Leute der Bekanntschaft zu schimpfen, die noch nicht „Esra* ch i m"-Büvger deS neuen Palästina, geworden waren. ■ Jetzt ist dieses Gesprächsthema zu Ende und dafür kommt die ebenso interessante Frage zur Erwägung, wie viele Juden.wohl Esvachim geworden sind. Gestern erfuhr ich' die inoffiziellen Ziffern für I e r u sal e m allem. Hier haben 6600 Fannstenhäupter für Palästina optiert, «dag etwa 9000 Seelen entsprechen Da :mn ein sehr großer Teil der Jerusalemer Juden schon früher die ottoumnische^ StaatsMrgm^chast erworben hatte n:ch infolgedessen eo ipso die' palästinensischr Staatsbürgerschaft besitzt, so ist dieses Ergebnis ein recht gutes. Wer in Europa hat man keine Ahnung, wie viel Schweiß und Arbeit in Äeser relativ doch nur bescheidenen Usfer steckt, wochenlang war Jerusalem nrkt Plakaten in allen Farbe:: übersät, die die Vorübergehenden förnrlich am Kragen packten: „Halt! Was bist du? Bist d»: ein Gakuth-Juds odche ei» Palästinenser?" Der Spaziergänger macht einen erschreckten Sprtrng M Seite und flüchtet in einen Gefrorenesladen. Er setzt sich nieder und schm: schreien ihn blaue und rate Zettel an: Mas wirst du am Tage der VoMzählung antworten?" Und varundev leuchtet gleich die» eindrin^li^ Antwyrtr„Ern Hebräer bin ich, Erez Israel ist mem Vaterland und Hebräisch meine Muttersprache." .So viel Suggestion hält ein mmder widerstandsfähiger ^r^aMl seine „GeRda^ (EiscvMch, wankt auf die Straße und rennt über ein neues Riesenplakat: „20.6M Juden haben die Staatsbürgerschaft ertvor- Äen. Und d-u???" .Jetzt ist seine Widerstandskrafi zu Ende. Er packt seine 1 sieben Dokumente zusammen und nrarschiert' zum Waad Hcrir (Stadtrat), um den Palästineusischen Bürgereid abzulegen. Was 20.000 Juden treffen, trifft auch er...! 'WyMch, ich habe eine Reihe sihr interessanter Beispiele beobachtet, wo Juden, die im Anfang der Kampagne fest entschlossen waren, ihre Staatsbürgerschaft nicht aufzugeben, durch diese unausgesetzte' Propaganda dann Lbch mürbe gemacht wurdem Uno das Lustigste — und dabei Rührend-Schöne — war immer der verschämte Stolz dieser Menschen, wenn sie dann nach lmrgen inneren Kämpfen eMich mit den: palästinensischen Buvgerschein in der Tasche nrit ihren Freunden zusam'mentrafen. Wie eine alte Jungfer chre Verlobung zaghaft nntteilt, so ließen dann jene ihre Umkehr vom Losen Weg der GÄluth mehr erraten, als daß sie ihn laut erzählten.. Be! manchen, vor allem.bei den Westeuropäern, die mit ihren StiefvateÄänderN seelisch staÄ verknüpft sind, war wiEich der Entschluß, ihre alte Staatsbürgejschaft aufzugebrn, em schwerer. Eurer meiner Freunde, ein österreichischer Chaluz, ging dreimal zum Einbürgerungsamt und kehrte dann dreimal wieder unr, ehe er bemr vierte» Male die Kraft aufbrachte, sein Oesterveichertum über Bord zu tverftn. Anders als Lei den Westeuwpäern ging es bei den andern JrrLen zu. Dieft hatten im Anfang AnM wenn sie erst einmal die StaaMürgerschaA erworben hätten, müßten sie zum ÄWär entrücken. MS nmn - diese Angst Wstreut hatte, optierten sie m hellen Schpren. . . Ach sah. chmwl.: .einen. - Zug'.'.bjM-. M.':WnschM, MM Wagd Hast marschierten, mn Pie Mnbürgrrüng^ a^a*.. rnMrn. Zuerst kamen etwa 80 . Chaluz!m, Eine lmwumwundeu« blatv-weihe Fahne wehtg povauH, und hinter der Fahne maxschierten die jungen, braun gebrannten Burschen. unid- MMtzen in Reih und Mich, Arm in.Arm,, in Men Thaluz-Henchen mW nttt nackten Beinem Mstig, erklangen die.AMft-Mrder. aus Hst. der Staatsbürgerschaft schien für sie der An f ern g des. neuen Lebens zu sein ... . Und hinter ihnen kam ei» zweiter Zug. Juden aus Buchara in langen seidenen Gewändern, mit schwarzftidenen Fes und PelManteln über den Kaftanen. Auch dielser Zug trug ein« Äau-Weiße Fahne voraus und hinter der Fahne zog eine/ ganze Mlsikwpelle einher, dir orientalische Marschwersen auffpielte. Die Bncharer Juden aber märschierten nicht wie die Chaluzim; M eine kleine Ärmer, die geschlossen ebenso ztrr ^»itesvachuth" geht wie zur Arbeit, die Bucharev Juden tanzten hinter der Fährte einher, sie sangen, sMrchzten, warfen die Arme zum Himmel, und als ich endlich die Worte ihrer Lieder unterschied, da waren es MlMN, die sie sangrm Veralte heWge Sang. ,Ms Gott belvirkte die 'Mrrckehr nach Zion- Mreu wir wie Träumende," klang es durch , die Straßen Jeru-- salems, als ob der^ Tag. der Erfüllung da sei, als oft dev ewige Gott sch«: seine Verheißung eingelöst, als ob er schon jetzt die Vertriebenen Israels henngefichvt haste in rhr Land.. ' " Urrd cB ich die seligen, stvahlerwen 'Äugendieser alterr, bärtigen Männer sah, dir die Abessinierstraße hrnauft tanzten in der frommen Freude ihres Herzens, da verstarw ich zum ersten Male den Vers: „Hajirm kecholamim . » (Wir waren wir Träumer.) Und ich verstand; auch das Woitt unserer Weisen, die lehren: „Pier Ellen zu gehen in JerüschaWm ist Lessetz M M fburwenhe Welt." Denn Jemschalasim fft bis an den R«G gsfkM mit hriRgen Errnnewngen an unsere Vorzeit. Sie warten nicht!, bis man sie ruft. Sie kommen von seNst und sprechen zu uns, wie sie zu unseren Vätern gesprochen hcchen. Der Saug der aus Babylon heimkehrercheu Juden klingt, als > ob er heute Md z» Ehren dieses gqnz bestmmrten. Erlebnisses geschrieben wprden wäre, und ebenso gewinnt jedes Wyrt unsrer. Gebest hier tieftxen und Wmn Mn, M «8 in der Galuch besaß. . ... <.. . Nu», will ich Ihnen row noch rasch etzahkük, ddss M von Ben J e hu da ausgehende Bewegung» hebräisch?- . M sstst der M.W-MM: anMnehMy, K- 9u(«-ii»Mynz»«uM>nni 'ümanmntomm