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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-01 · Heft 1368 (1.12.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1368 (1.12.1922)
Date
1922-12-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mette 4 Bkn. Freitag Wenn Morgenzeltrrng« 1. Dezember 1922 Nr/ tm\ Wiener PeSzwarenmarki 3räitf8ld&Lander,WIen?9i,ICiBSpeHga5se8(,,S,k) Engros - En dcttsa.il ’X'^logsfanaa Eznort, _r ... ■■ - "• ■" ■ ' 1 ■: ' ** ■ "■ N _____ '_'___ PFI 7£»pci 7 I bin Jfa-fflta 1 bbiJHi tüienei* Pelzwarenmarkt Breitfeld & Lander, Wien, SpeHgsisse 8(Ä'lrV) führt. Die Delegation unterhandelte auch mit Vertretern der Sowjetregrerung über die Frage der Erleichterung -er jüdischen Emigration aus Rußland nach Palästina. Wie unser Korrespondent <mß~ . sicherer Quelle erfährt, haben die Unterhandlungen einen g ü n st i g en Verlauf genommen und man erwartet für die nächste Zukunft eine umfassende Organisation zur Unterstützung der v jüdischen Auswanderung aus Rußland nach Palästina. Ae AquMenmg der 8. L S. London, 28. November. (I. C. P.) Wie „Jeiwish Chroniele" meldet, wurde auf her letzten Sitzung der I. T. O. (Jüdische Territorialistrsche Organisation) in London die Liquidation der Organisation beschlossen. Zweck der Sitzmvg tvqr zunächst, die Beziehungen Zwischen der I. T. O. und der- Zionistl-schen Organisation zu fixieren Dr Eder gab eine Uebersicht srber die- Tätigkeit der Zeowistischen OvMrrüsation in Pälä- Mm und kam zum Schluß, daß Pom Stmüqrunkt der Schaffung eines xüdischnatronalen Heims sich in Palästina rsiänzende Perspektiven eröffnen. Lucien Wolfs protestierte g^gen die Forderung, daß sich die I. T. O. auf die Arbeit m Palästina beschränken solle «nÄ erklärte, in Osteuropa Gesinden sich gegenwärtig 250.090 jüdische Flüchtlinge in ßurchtbaver Not, wogegen Palästina Mrlich nur 8000 bis, L6.000 Menschen «mfnchmen, also das PEenr nicht lösen kann. ■ Zum Schluß wuvde^ mit allen gegen die Stimme Kurien Wolffs die folgende Resolution angenommen: „Der Rat der I. T. O. beschließt: Im Hinblick auf die Tätigkeit der Z ro n i st i scheu Organ i* satidn kann die selbständige Arbeit derF. %. O. derzeit ruhen. Der Präsident der Gesellschaft, wird bevollmächtitzt, jeden territorialen Vorschlag, der m Zukunft geanacht werden wird, zu prüfen urch, wennnotig, den Rat rinMbemfen." Bomerckenswert ist, daß sich Lücien Wolff Nicht etwa gegen die Resolution qn sich, fordern nur gegen Die Worte „im Hinblick auf die Tätigkeit der Zionistischen Organisation" ausgöspvochrn hat. Vor Schluß der Sitzung machte I. Zwan-will 3>re Mitteilung, daß er soeben von F. Rothenberg (Chrcago) ein Telegramm «Hallen habe, laut welchem der .Präsident der RepMik-Mexik0, Obreyon, einen neuen Vorschlag über die Bedingungen einer jüdischen Kolonisation in Mexiko gemacht hat, der sich auf 5 Millionen Acres m der Gegend von Chichuachua -ezÄht. Die Einstellung der Tätigkeit der I. T. O. ist eme logische Konsequenz der Entwicklung. Die Aüdffch Terriwria-listische Organffatton wurde vor einigen Jcchrm voy Israel Zwangwill gegründet, der Wohl «in. bedmtender Md Origineller Poet ist, jedoch stets durch den Mangel an politischen FähiMten ausgefallen ist. Die J. T. O.-war eine Gründung etlicher Elemente, welche.ihr Misches Gefühl i... " '-""—w"-1 •u«p>|i wwiLiiwjpi Vorjahre picmistisch bedeutend gewachsen. Doll Innigkeit gestaltete sie Chopins B-Moll-Sonale und brachte den tiefen. Schmerz des TrauermarscheS zum Ausdruck. . Allzu schulmätzig spielte diesmal das strebsame Fräulein Maria Tauszky ihren Chopin, er kam aus den gewandten Fingern statt aus dem Herzen. Auch der Vortrag von Schumanns Klavierphanictftc durch Fräulein Olga Nov-ükovie war seelenlos, war weder phantastisch noch leidenschaftlich, und die Interpretation' der Wanderphantasie durch Fräulein Hertha Rreger hat wöder musikalisch noch pianistisch befriedigt. Mma M o o d i e, die vornehme Beethoven-Interpret!«, - war in einem Sonalenabend im ZufammenssM mit dem feinfühligen Pianisten Paul Weingarten «IwaS ruppig und ungeordnet, wogegen am KämmermufikÄbeNi» Oskar Dachs, Julius Stwertka, Hugo KreislerNn Vvahms' E-DUr^ - Tvio das schönste Einvernehmen der ausgezeichneten Musikant«« herrschte. Mit gewinnendem Gc-igengefang, vi«ck Präzision und Ml wenig Affekt spielte Ludwig WitteilS Dvoväks-Viöttnwnzert, durch reiches technisches Können uNd klare durchsichtige Stimmführung bewährte sich Artur' Hart mann, auch. Johann Nilsfon erfreute trotz Indisposition durch warmes lebendiges SpiL Erwähnen wir noch den nordischen Geiger Gösta Björk, der in einem dankbaren Molinkonzert von Tor A u l i n Schwung und Virtuosität bekundete, und dajunge Fräulein Baske B o d o r, die bei aller Begabung für den K^nzertsaal «och nicht recht flügge ist, ' Vcrsa Prihoda errang auch in seinem zweiten Konzert einen sensationellen Erfolg. Voll und Mackeufrei. entströmt der edle Ton seiner Geige, heiß puisiert sein flawijcheS Musikantentemperament, die schwersten Griffe und Äüfe. Pagaflinis W> für ihn nur Kinderspiel und so kan« etfastzu viel für senft jungen Jahre. Gelingt es ihm, die gefährlich? Klappe einsoittger Virtuosität zu vermeiden, so darf ti daS'Erbe ‘ der größten Geiger antveten. Dr. Erwin Felder, «ssasssas»- bem Zionismus zugeführt hatte, die jedoch ihre Mentalität seiner nationalen Auffassung nicht anzupaffen vermochten. Aks der Ziomsienkongreß das englische. Ugandapwjekt verwarf, trat Zwcmgwlll.curs der Organisation aus und schuf die I. T. €>.• Für. die I. T. O.-Leute war der Zionismus stets eine großzügige jüdische Notstandsangelegenhert gewesen, sie verloren die Geduld, auf die nationale und politische Entwicklung zu warten, und gründeten eine'Organisation, welche das ^rlästnta-Programm verlvarf tmb „irgend ebt Territorium^ an die Stell« Palästinas setzte. Boy der I. C. A., der Vertvalterin der Kolonisationsftistung des Baron Hirsch, unterschied sich die I. T. O. dadurch, daß sie dir Fordemng Aach Erlangung "einer' jüdischen Autonoitir« in der zu errichtenden Kolonie in ihr Progmmm/ aufnahm, aber auch durch den Manzel an Mitteln, derrn das jüdische Kapital, auf tvelches man rechnete, zeigte nicht viel Geneigcheit, Zwangwill seine Unterstützung angodeihen M lasten, und die oft dilettantisch annlutende Suche »ach Territorien fürte. über das Studium: der Landkarten nicht viel hinaus. Der Mangel einer ausgeprägten nattonalen Richtung in der ganz auf Zweckmäßigkeit eingestellten Organisation bewirkte, daß ihr di« Gefolgschaft breiterer jüdischer Masten fern Web. Die Leiter der I. T. O. haben erkannt, daß es unter de» gegebenen Umständen zwecklos ist, angesichts der Möglichkeiten, welche die Entwicklung . Palästinas für die ..jüdische Arbeit darbietet, auf ihrem Schein.zu. bastehen, und. haben daraus , ihre Konsequenzen gezogen. Die Liquidierung dieser aus wenigen Personen bestehenden Organisation ist der endgAtige Beweis für die Erfolglosigleit der I. T. O.-Arbeit, tzd»e Zudesdebatte d» vrenbWm Landtag. Berlin, ZV.- November. (Tel. der „Wr. Morgenzektung".) Zn einer Debatte im preußischen Landtag, d« dttrch ein« von den D e u t s ch n a t ro n a l e n eingeb rächte Anfrage über die Einwanderung der Ostjudrn nach Preußen hervorgerufen wurde, kam der preußische Minister des Innern, der Sozialist S e v e v i n g, auch auf einen Artikel des ehemäligen Staatssekretärs Dr: August Müller zu sprechen. Dieser -hatte im BeWner „9 Uhr-Blatt" einen ArtM veröffentlicht, in dem er. auf die Zuwanderung von Valutaspekulanten aus Wien nach Berlin hinqewiosen hatte. Diesen Artikel hatten die deutschnationawn Redner bei her Begründung der Anfrage angeführt. .•* Minister Sövering sagte sir' seiner Erwiderung: Ich bin der Meinung, das prononzievte politische Persöulichieiten.W, was sie in Zeitungsartikeln in her großen Oeffentlichkeit zum Besten gebend auch im einzelnen behaupten und verteidigen müffen. Als vor einigen Wochen nach einem neuen Marksturz die Behauptung aufgestellt wurde, daß Wiener Spekulanten sich in großen Scharen nach Deutschland begeben hätten, wurde unter mrderen auch ^erWcWe'C'a'stigckio«i gMaMI. Dw Behauptung, dtzß hie Werner Schieber nach Berlin kommen würden oder gekommen seien, trat so häufig auf Md wurde so lebW 'weitergetvagen, daß ich -mich b^nüht halbe, einige dieser sogenannten ^Kvprtalshyamn" kennen zu lernen. Sie dürsin überzeugt sein, ich hätte sie g « r n a u s g e w i e s e n, um zu hewoffen, daß die preußische'Polizei Leinen Respekt vor den GÄdsäcken dieser Kapitals-Hyänen Hatz. Ich habe mich telophonffch vpb. brieflich an Herrn Dr. August Müller mit der Bitte gewendet, nnr alles, was.er über Castigliom weiß, mstzuterlen. Ich habe bis jetzt ke i u e A n tw o rt echalten. Wenn man so vovgcht, können leicht Artiktzl geschrieben werden, die eine solche Stimmung oder MiWmmung erregen, aber man trägt nicht dazu bei, dieses schwierige Problem seiner Lösung entgegenzuführen. (Zusümnmng bei den Sozialdemokratem) Uckber die Einwanderung von Ostjuden sagte' der Minister Sedering noch folgendes: Auch die Regierumg meint, daß hier ein ernstes Pwblem vovliegt, aber von Stimnnmg rmv Verstimmung dürfen wir uns hier nicht leiten lasten. Zeitungen wnd Bersammlmtgsrsvner, besonders rechtsradikaler Ovgwnisattouen, machen die Juden für-alles wirtschaftliche und politische Elend verantwortlich. Mer dafür sind nicht Nur jüdische Elemente, sondern auch wasch echte Arier verantwortlich. Sie sütd allzumal Sünder. Die Rogieruusi Md di« Bolksvertreiüng sind verpfiichiet, sich auf einen rein sachlichen Boden zu stellen. 'Jüdische Zeitungen berichten, die ungarische Regierung beäbsichttze, eine große Anzahl Juden auMweifen, uM heißt, es wert« ein großer Teil der AuAgswi-essnen sich-nach Preußen wenden. Ich möchte an. dieser Stelle, den BölkevbMd darauf aufmerffaan mqchey (Lachen rechts), daß Deutschland und Pveußen diesen Wüchtlingsstrom nicht aüfiwhmen Krmem (Zustimmung rechts.) Ich hasche nicht ettva nach dem Beifall des Mrslandes, aber wir haben Ms das Auslandgebührende -Rücksicht zu nehmen. Bei Zunahme der Arboitslofigkeit «werden wir m einigen Jahren MUiönen v«m Arbeitern gur^ Auswanderung gezwungen sehen. Wir dürfen nicht durch Härten uns das Odium der i Barbarei zuziehen. (Große Unruhe rechts.) Das Problem Jfcpi ^44 viwt tutpfäHIn ^iotAjan" (Lachen rechts) zeigt Lesting, daß wir uns wicht zuerst als Christen, J-rrdeu -oder Mohammedaner, sondern als Menschen erkonnen nrüsten.' -(Lebhaster Beifall links. Unru-He rechts.) Lagesbericht. MW-*-! Kleider! . Unterredung mit einern Wiener Gr-tzkonfektisnar. Wer in den lehren Wochen durch die Straßen der initere« Stadt ging und die angeschriebenen Preise i« den Auslagen besah, konnte endlich einrnal,. feit vielen Jahren zum erstenmal, ohne große Entmutigung nach Hause gehen. Es wird billiger! Diese Tatsache ist nicht mehr abzuleugnen, wenn auch die Preisherabsetzungen sich erst nur ganz schüchtern hervovwagten, so als ob die Geschäftsleute sich noch'vor ihren Kollegen fürchteten und vor den Genossenschaften und allen anderen Korporationen, die mit dem Hinaufrmmerieve» so rasch bei der Hand waren, aber jetzt mit dem Aufgebot aller Kräfte und alteit Kapitals kämpfen, um den Wbau der Preise nur so lange als möglich hintanzuhalten. Auch diese Zeiten sind vorbei. Wir erhalten von einer Seite» die als autoritativ gelten kann, die nachstehenden Mitteilungen, die den erfreulichen Beweis dafür liesenr, -daß nunmehr auch der Mittel Händler anfangen darf, an die Anschaffung ei'mer neuen Hose, eines Winterrockes oder Anzuges zu denken, Projekte, die früher gar nicht erörtert werden durften, so'aussichtslos stand es um chve Verwirklichung. ■ .\ In den letzten Tagen hat. sich i» der Bekleidungsindustvie ein Ereignis vollzogen, das in der breiten Oeffenilichkeit gar nicht beachtet-wurde, aber doch ebenso typisch wie bedeutungsvoll für die' momentane Situation genannt werden darf. Der KvllektivVertrag zwischen den Äonfektionssirmen und den StücknMstern ist gelöst worden, ohlve daß er durch einen neuen ersetzt wurde! Verhandlungen wurden wohl geführt, aber da es zu keiner Eiirigmig kam, Meiftt die Festsetzung der Stücklöhne für jbie; verschiedenen - Konsektnmsarbeitep nunmehr der /f r tzi e n V e r e i n bä r u n g zwischen den Firmen und» den Stückmeistern vopbehallem Damit tritt vor allem im Detairlhattdek eine Verbilligung von 15 Prozent ein, da her Aufschlag, den dve DetaMndler bisher den Eirgrosfirmen in dieser Höhe bewilligt hatten, numnchr gleichzeitige mtt der Auflösung des Kvllektivverwages außer Kraft gesetzt wurde. Aber dieser Umstand, so berichtet «ns unser Gewährsmann weiter, ist es nicht allein, der eine niicht geringe Verbilligung der Konfektionswaren herbeiführen wird, zum. großen Teil bereits herbeigeführt hat.'Die große Konkurrenz, die die billigen Preise in Deutschland bedeuten, die fast yollstäMge Absatzstochung im Inland, die völlige SustMgkeit im Geschqftsbetvisb, Vre nicht einmal jetzt unmittelbar "vor Weihnachten zu weichen beginnt, tragen reichlich dazu bei, daß sich die Firmen mit bem Gchanken vertraut gemacht haben, sich mit geringeren Gewinnen zufrieden zu geben, ja auf diese überhaupt zu verzichten, um nur wieder Kapital flüffig zu machen. Es ist ksqr, meinte unser Informator, dqß die rapilde Preisentwicklrmg, die bei uns nach auswaws erfolgt«, jetzt den fiir die Beteiligten recht unangenehmen Rückweg hinter sich bringe,r muß, aber es ist zur Gesundung der Derhältniisse unbedingt notwendig, daß die notwendigen Opfer auch gebracht werden^ Hand in Hand mit den geschilderten Zuständen wird natürlich auch ein Abbau der Lohn« erfolgen müssen, soll nicht die ArbeÄslosigkört auch von Men der KoufMicmsbvanche ins UneMiche gesteigert werden. Schon unmittelbar vor * Weihnachten wird, so glaube ich behaupten zu könmn, «irre noch deutlicher fühlbare Perbilligungswelle eintreten, die . ja im Jrvtereste des Mittelstandes und aller erwerbenden Kreise sicherlich mrr auf das fveudigst« zu begrüßen P, —ner. Bom Kem, HÄeffod. Die A. V. Kadimah vevcmstaltet heute, pvazisi« 7 Uhr abends, in dm Räu>mm der Zionistischen Bezirks-- MÄN b--8 emm fvei zugänglichen Vortragsabend des Herrn Dr. Naihmn Gokdmann über das Thema: „Pal a st i n a u n d w i r". Legitimation mikbrmgen. Die Erfolge der ueuen Keren Hajestod-Kampagtte in Amerika. New-Fork, 27. November. (I. C. B.) Das amerika« nische Keren Hajestod-Bureau hat im erstett Monat der neuen KampuM, im Oktober d. I., 119.000'Dollar für den Keren Hajessold gchmmAt. In dem gleichen Monat des! vürigen Jahres wurden bloß 44.000 Dollar emfgÄbracht 3io»Wsches Länderkmit«. Die konstltn.isrenide Sitzung findet MvBcvg Um 711ht titexüß Statt

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