Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1367 (30.11.1922)
- Date
- 1922-11-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beite 4 Men, Donnerstag Wiener Mor^enzertung. 80. .November 1922 Rr. 1I6T PELZrPELZ ■SMlmte B43 iom ein- Isünlsn bis 2BRI Wiener Pelzwarenmarkt Breitfeld & Lander, Wien, ILKI-Sperlgasse 8(4^1 B2*a detsail Velephon Tagesbettcht. Ser „erledigte" kinsteln. Wie die „E. V.-Zettung", das Mitteilungsblatt des assimilatorischen Zentralvereines deutscher Staatsbürger judi'chen Glaubens berichtet, wurde auf der jüngsten Akademikerzusammenkuuft in Leipzig folgendes zu Protokoll gebracht: „Die E i n st e i n - T h e o r i e, für welche von jüdischer Seite so viel Propaganda gemacht wurde, kam am 17.' Oktober vormittags zur Besprechung und wurde mangels genügender Beweise mit überwältigender Mehrheit ab ge lehnt." Ob diese überwältigende Dlajorität aus diplomierten Tierärzten bestand oder ob in Hr auch ein starker Prozentsatz vo-n Juristen vertreten war, wird aus diesem originellen Protokoll nicht ersichtlich. Jedensalls ist diese Methode für die Entscheidung wissenschaftlicher Fragen fahr emPfehlenLüvert. Man wird über wissenschaftliche Theorien, welche von der zuständigen Gelehrtenwelt als epochal bezeichnet werden, m Hinkunft abstimmen müssen! Schade nur, dag dieses Verfahren zur Zeit Galileis und Keplers nicht in allgemeiner Geltung -war. Es iväre zu hübsch, durch Zlbstimnmng konstatieren zu können, daß die Behauptung etwa, die Erde drehe sich, „mangels genügender Beweist" abgelehnt weide. Jüdischer Schwindel, mit so etwas kommen zu wollen! __^_' Sr. Schmarjah Scitsltt nnd Sr. Nuppin in Amerika. Wie bereits gemeldet, haben vor einiger Zeit Doktor Schmarjah L e w i n a"s Delegierter des Keren Hajess o% und Dr. Ruppin im Interesse der Propaganda für den Aufbau des jüdischen Palästina eine Reife nach den Vereinigten Staaten unternommen. Am 8. November fand zu Ehren der Gäste im Now-Aorker Hotel Astor ein großer Empfang statt, an dem über 2000 Gäste teilnahmen. Der Vorsitzende Louis Lipskh begrüßte die beiden Gäste des amerikanischen Zionismus tif Worten, welche ihre Bedeutung für die jüdische Sache Wwdigten. Dr. Ruppm besprach die Entwicklung Palästinas seit der Okkupation durch England und w'es darauf hin, daß gegenwärtig Palästina ein breites Feld für gewinnbringende Wirtschaf t s unter n eh mu nge n darbiete, während es vor fünf Jahren unmöglich war. eine solche Behauptung anszuftellen. Dr. L e w i n besprach in seiner Rede die allgemeinen Prob eme des Zionismus und Palästinas und wies darauf hin, daß die Annahme des zionistischen Programms durch die Weltmächte ein Teil der großen Tendenzen in der Weltgeschichte sei, so daß unter diesem Gesichtspunkte zeitweilige politische Gegnerschaften ohne Bedeutung seien. Unter großem Beifall führte er aus, die Frage sei nicht, was England tun wende, sondern was das jüdische Volk tun wepde. Dr. Lewrn hat bereits inehrere amerikanische Städte im Interesse des Keren Hajesiod besucht. Mmdfchau. England gegen Griechenland. Sie Himichtmm der vermteAe» Minister. Athen, 28. November. Gunaris, StratoS, Protopapadakis, Theotokis, Baltazzi und General Hadjanestis sind zum Tode, Admiral Gudas und General Stratigos zu lebenslänglichem Gefängnis und zum Verlust ihres militärischen Ranges verurteilt worden. In den Gründen des Urteils des Kriegsgerichtes wird festgestellt, daß die Angeklagten wissentlich dem Volke die Gefahren der Rückkehr des Königs Konstantin verheimlicht hatten, der schließlich Griechenland um die moralische Unterstützung seiner Verbündeten gebracht und die Katastrophe in Kleinasien herbeigeführt hatte. Den Angeklagten sei nachgewiesen worden, daß sie sich zum Hochverrate verschworen hatten. Die zum Tode Verurteilten sind bereits durch Erich i e ß e n hingerichtet worden. Ar saMche Wandte Mrnttzn. Athen, 28. November. (Havas,) Der britische Gesandte hat der Regierung den Mbruch der diplomatischen Beziehungen notifiziert. Der Gesandte wird abends abreisen. Sie Wirkung in fianfnnne. Paris, 29. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Äie Abberufung des englischen Gesandten in Athen L i n dl e y hat nicht nur in der griechischen Hauptstadt große Befürchtungen hervorgerustn, sondern auch in Lausanne bei den Delegattonsmitgliedern einen geradezu niederschmetternden Eindruck gemacht.. Deniz.elos, der bereits Mitteilung von der dollzsgenen Hinrichtung der Exminister erhalten hat, ist für niemanden zu sprechen. Die griechischen Delegationsmitglieder versuchen krampfhaft, den schlechten Eindruck, den die Exekution allgemein hervorgerustn hat, zu verwischen. Man verhehlt sich keineswegs, daß dieses Urteil einen Ansgang der Friedenskonferenz herberführen könne, der für Griechenland äußerst unangenehm sein wird. Die Abberufung des englischen Gesandten wird in Lausanne dahin ausgelegt, daß England als Protest gegen die Hinrichtung nicht allein die diplomatischen B.ezehungerr abgebrochen hat, sondern sich auch von Griechenland zurückziehe n werde und den Widerstand gegen dir Türkei aufgeben wolle. Man befürchtet auch, daß England und Amerika jede weitere finanzielle Hilst' für Griechenland einstellen werden. ‘fnfwflEe ftihrt ns# London. Pari-, 29. November. (Havas.) Da Premierminister Bonar Law den Ministerpräsidenten Poineare verständigt hat, daß er im Hinblick aus die parlamentarischen Verhandlungen außerstande sei, vor dem 15. Dezember nach Paris zu kommen, daß er sich aber glücklich schätzen würde, sich mit dem Mnisterprasidenten Poincare vor diesem Zeitpunkte in London zu besprechen, hat Mrmsttrpräsident'Poincare den englischen Premierminister wissen lassen, daß er bereit wäre, in der nächsten Woche nach London zu kommen, um mit den Premierministern Englands, Italiens und Belgiens in Angelegenheit Konferenz von Brüssel zu konfer irren. Sie kSMchen SÄMe«. Lausanne, 29. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) In der «x-ftcigen Nachmittagssitzung der Finanz- und WsrtschaftS- 7Lmiss:vn erklärte Jsmet Pascha, die dkationalversammllrng von Angora lchne die volle Verantwortung für die ottomanische Schuld ab, weil sie das ganze ottomanische Reich betroffen habe und sie die Beteiligung aller Nachfolgestaaten der ehemaligen Türkei verlangen müsst. Die Türkei verlange von Griechenland die Gntmachung der verursachten Schäden. Beniselos erklärte dies für unzulässig. Die Türkei fei die Schuldnerin Griechenlands, welche bereit sei. die Schuld zu erlassen und hiermit die Angelegenheit zu erledigen. Barr«re legt dar, die Alliierten konnten keine Reduktion der ottomanischen Schuld ohne vorherige Befragung der privaten Gläubiger vornehmen. . Die weitere Behandlung des Gegenstandes wurde der Unterkommission Angewiesen. in Lausanne. Lausanne, 89. November. (Schweiz. Dep.-Ag.) Der tschechouMüaiiidj-e Minister des Aeußern Dr. Beneskh ist in Lausanne eingetroffen. Er frühstückte heute mit dem rumänischen Delegierten Duca und mit dem jugoslawischen Vertreter. Minister des AeuLern Dr. Nincie. Seir IWache WedemM« m l. Nezemb«. Infolge der erhöhte« Kaualräumergebllhren. In einer gestern abends in Weigls Altdeutschem Saal abgchaltenen Hausbesitzerversammlung erstattete Direktor G e rhold über die Erstellung des Mietzinses zum 1. Dezember 1822 im Hinblick auf die von der Gemeinde Wien vorgenommene enorme Steigerung der Kauälräumergebühren ein ausführliches Referat. In ihrem ziffernmäßigen Effekt 'bedeutet diese Gebührenevhöhung bei Berücksichtigung des Umstandes, daß bei der Zinszahlung im Dezember 1922 für die abgelaufenen Monate Oktober und November und für den laufcndedn Monat Dezember die erhöhte Gebühr eingebracht werden muß, nachfolgendes Ergebnis: bei Häusern mit Rohrkanälen den 52,2fachen Borkriegszins, bei schliefbaren Kanälen den 74,4-fachen Borkriegszins und bei Senkgruben den 149,4-fachen Porkri^SzinS. Da sich die Hausbesitzer diesem Preisdiktat der Gemeinde nicht entziehen konnten, sind sie gezwungen, diese BetriebSmehrauslage durch «ine Ziuserhöhung einigermaßen zu decken, die bei Monat spar teien durchschwittbich da s Fünfzigfache des monatlichen BorkriegszinseS beträgt, so haß für diese Parteien unter der Annahme einer ZinSforderung zrnn Novembertermine im hundertfachen Ausmaße am 1. De^mber dar 180-fache deS BorkriegszinseS als a conto- Zahlung zur Einhebung kommen soll. Gleichzeitig wäre von den Vierteljahresparteien zum 1. Dezember 1922 auS demselben Grunde eine ErganKungSzahlung lm durchschnittlichen Betrag« de- 2L-fachen Bierteljahrs-VorkriegSzinsts zu verlangen. vom Keren Haleffod. Lme Donnerstag 9 Mf abends. 1 ri i flerr $r. Rabiim Soldmann iBeriin) als Saft btt Sektion 16/17 in deren Lokal«. 9. Benyoploh 1. Wiener Fntemationaler Schachkongreß. In d-r gestrigen Bunde hatte D r ü n f e l d in seiner, Partie geeen Bogvljubow en Kienes Fe'erwerK abzubrennen. Grünteid beendet« nach Ka> m einer Stunde d e Partie durch tiübiives Opserlpiei. Svteimonnund^r.Tarta- K n w e r Ipleiien 'vmi«. Die Iunqmeister K m v ch und König bekund>ien tbr« Friedenzliede dmch ein baldiges remis.! S ä m i i d) brachte lieft gegen Bukovlch in böchlter Zeit-! not durch ewige nicht ganz durchdachte Züae um isine gute Siellung und Muhle d'e Initiative feinem Gegner überlassen. Ein Tamenbaue ipiel brach'e M a r o c z einen klemen Stellungsvortril. Wolf wird noch schwere Betteidigungsarbeit leisten müssen. Sl.'ichfallr unbrendet blieben die Partien T a k a e s— Dr. Tarrafch und R u d i n tt e i n—A e t i. Von dem «urgang dieser Partien bongt es ad. ob Vubmftein erster Preisträger wird, denn er ist nicht mrhr zu überholen, falls er sie oewinnt oder auch nur r«mimacht. Stand vorder Pause: Rubinsietn 9 (ll). Leimt^ Wo'f 8 (»). Grünield 8 (»). A'srchin 7»/.. Maroew 7 (»>. Reli 6'/, (H), Tarrach 6»/„ Sp elmann. Pvgo!- sudow 6, Bukovich, Sämisch 4, König 1'/-, Kmoch 1. Takacs (2H). Paarung für henk e: Tarrasch—Grünfeld. Vukovich-Takacs, Ävniq- Säm.s», Vud-.ostein- Kmoch. Tartakower—Rei. Maroezy-Spieimann. Aljechm—Lemrlchi Wolf. Bo-?oljubow frei.! Stand im Kongretzturnier: Müller 5. «Ifk d Wolf 4",. Lolwvnz 8 («). Sauer, s. Dr. Mandler 3.: Beutum 2, Jmvel 1. Si'ebih '/, (H). Mi ller Kat feine Sange-: puiie gegen Prozessor Stiebitz dadurch gewonnen, d >h letzterer in emer r«wi«.Stellung 2>:e r'cht'ge Fortsetzung versäumtes -- i * Lord Ludlow gestorben. In London starb dicstr Tag«! eines plötzlichen tragischen Todes Lord Ludlow, durch dessen Ableben die Baronie Ludlow in männlicher Linie erloschen ist< Lovd Ludlow stammt von der jüdischen Familie Lopez ab. Begründet wurde diese Fmnili« in Ungarn durch SW Manafle Lopez, der im Jchre 1766 in Jamaika geboren wurde' und sowohl er selbst, als auch sein Vater Mordechat Rodriguez Lopez im Jahre 1802 zum Christentum übertraten. In dem-i selben Jahre wurde Manasse Lopez Mitglied des englischen^ Parlaments, wo.er den Wahlkreis New-Romneh vertmt. Drei Jahre später erhielt er die Baronie. Bei den darauffolgenden! Parlammtswahlen Wunde Sir Lopez wohl wieder ins Parlament gewählt, jedoch der Bestechung von Wählern angeklagt und schuldig befunden und schließlich zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 1060 Pfund Sterling verurte-ilt. Dos Wiederaufnahmeverfahren endete gleichfalls mit seiner Verurteimng und er mußte schließlich die Strafe absitzen. Merk-, würdigevweise hat Sir Manasse Lopez trotz alledem auch später eine pülitische Roll«: gespielt und wurde in verschiedene Körperschaften gewählt. Sir Manasse starb im Jahre 1831 und sein Erbe in der Baronie war Henry Charles Lopez, der es als Jurist znm Lordrichter am Appellationshof brachte und als Lord Ludlolv zum Pa ir erhoben wurde. Er wählte diesen Titel, weil er mütterlicherseits der Ludlow-Familie entstammt«, welcher auch der Königsmörder Ludlow angehörte. Sein Sohn, der eben verstorbene Lord Ludlow. war der zweite Baron und starb, wi« wir sehen, ohne männliche Nachkommen. * Die jüöischekr Lochlchülee versammeln sich -'Ute, Donnerstag den 30. i>. um bald 9 11 ft r v o rm i t t a g s. in solqendm Lokalen: 9. Bez.. Glasraass» 4 und Türke straße 9 und 6. Be»., Bennoplak 1 lstait Zimmermannv atz 8). Tagesordnung: Bericht über die La^e. Erscheinen oller Pfli^t! " Geständnis des Raubmörders Ritschl. Aus Bukarest ist heute dem Siche-rhettsburrau eine Depesche der dortigen Polizeipräsektur zugekommen, die kurz besagt, daß der auf Ersuchendes Wiener Sichecheitsbuv"ans dort unter dem Verdachte des Rbubnlordes an dein Techniker Roberts Standacher verhaftete Mechaniker Gustav Ritschl ein Glltandnis o.&ncfeat bat und der Staatsanivaltschast Mergöften wurde. Das Auslieft- « rungsverfahren ist schon Än Züge. * Die Urania-Uhr.. Die an den Außenseite des Urania-- gekäubes (Uraniastraße) befindliche Uhr ift wegen einer dringenden Reparatur außer Betrieb, wird aber voraussichtlich btnn?n wenigen Tagen wieder in Gang sein. Die telephonische Abnahme der Urarna-Zeit wird hievon nicht betroffen.. * Verkehrseinstellung aus der Strecke St. Anton— Bludenz. Wog-n Lcyvinrnfälle wurde der gesamte Verkehr aus der Stelle St. Anton—Bludenz vom 29. November angefangen bis aus weiteres e i n g e st e l l r. Ans der Strecke St. Anton-- Landeck verkehren nur die Personenzüge Nr. 11,14, 17 und 18. Es en! fallen auf der Strecke Innsbruck—Lindau die Schnellzüge Nr. 207 und 208, auf der Strecke Salzburg—Innsbruck- Buchs t>*c L-Schnellzüge Nr. 209, 210, ferner auf der Teilstrecke Bludenz—Bregenz die Züge 19 und 20. Im Güterverkchr wurde vorläufig 48stünvige Rückhaltssperre verhängt. Auf Grund neuester Meldungen dürfte Annahmesperre nicht zu vermeideu sem. * Erste Hilfe. Das Wiener Freiwillige R-ötbungsinstiitut hakt durch seinen Chefarzt Dr. mc«d. Kawl Pattes ch ulvder Mithilst eitriger Demonstratoren, 1. Bez., WMpvetmarkt 8, t>hsoretisch-praktische Vortrüge: Morgen wird über „Erste Hilfe 6ci Epilepsie und Hysterie" vorgetragen. Beginn 7 Uhr abends. Eintritt frei ohne Karten für jeden Evwachsenen. * Helmsührungen von Gefallene» aus Italien und Bolen. Die Ent-gegennähme von Amneldungen für den nächsten GruppenheimIvapSPott vosi Kriegevleichen MS Jtailien und^ Polen wird am 20. Dezember geschlossen. Hingegen können Anmeldungen für ZustattdAbeMte, AusschmuüuWen unId Lichtbildern von Kri-egsgräbern in Italien bis Ende Jännör 192Z bsinr 2 Goweralstkvetär des' astevroichrschen Schwarzen.KreriKrs, Wien, 1. Btt.. Herrenaass« 81. eriolaen. %