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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-30 · Heft 1367 (30.11.1922) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1367 (30.11.1922)
Date
1922-11-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m ts»ö7 Men,' Donnerstag Wshebung der Postverbokr gegen HÄMche «nd Wische Postsendungen. LMe«rr MviMn-Eutts. ZV. November^1d22 Gstte \ Mr haben bet einiger Zeit berichtet, daß das ameritzanisch-jüdifche Komitee, welches seinerzeit gegen das Befördemngsverbot gegen hebräische und jüdische Druckschriften und Lwrrespöndezerr bei «dem ungarischen Gesandten in Washington eingeschvitten ist, vom ungarischen Gesandten die Mit- -tekLnrg schielt, haß dieses Postverbot aufgehoben sei. In dieser Angelegenheit intervenierte auch der Präsident des amerikanisch-jüdischen Kongresses Stephan Wise zur Zeit! seiner Europareise Lei H o r t h y persönlich. Sonderbarerpeise!ch Liese AufhebungSverordMng auch bis zum heutigen Tage'noch! nicht im ungarischen Amtsblatt erschienen, obgleich sie, wie! uns setzt aus Budapest berichtet wird, tatsächlich erfolgt tft.! ES geht dies aus einer Note deS ungarischen Handelsmimlsteriums an die israelitische LandeSkanzlei in Budapest herj vor, in welcher mitgeteilt wird, daß das am 5. Jänner IM erbasfrne Verbot außer Kraft gesetzt wird. Sesterreich. rke Bevurffnung irr Sasern. Ast Rückzug der Bairernbündler im urederösterreichischen Landj tag. * J Wie wir vor-einlgen Tagen berichtet haben, Seckbsichtigten!^ie christlichsozialen Vauernbündler, in der gestrigen Landiagssitzung des Landes Nrederösterreich an den Landeshaupt-nrann eine dringende Anfrage wegen Entwaffnung der Arbeiterwehren eüMbringen und gleichzeitig anzukündigen, daß sie mit der sofortigen Gründung von 'bäuerlichen Selbstschutzwehren Vorgehen würden, wenn die Arbeitertvehren nicht entwaffnet werden sollten. Es war vorausznsehen, eine hierüber geführte Debatte zu einer großen politischen!Äuseinandevsetzung geführt und gewiß die Frage der OrgeschsOrganisationen in Oesterreich, besonders in Steiermark und jTiral und nun auch in Niederösterreich, ins Rollen gebracht -hätte. Die Auswirkung -einer solchen Debatte wären natürlich, Mch Lage der Dinge, große Skandalszenen gewesen. Das ist offenbar befürchtet worden und deshalb wurde noch in letzter Stunde, unmittelbar vor Beginn der Sitzung, die angMndigte Anfrage zurückgezogen. Wie weiter Erbautet, ist die erwähnte Interpellation auf einen gelegeneren Zeitpunkt verschoben, -bis dis von den eben ^geführten Beratungen im National- und Bundesrat echitzten .Gemüter sich etwas bewhigt haben werden. Die Agrarier und brit ihnen die Christlichsozialen haben twchl einen Rückzug an- -getrsten in der richtigen Erkenntnis, daß Vorsicht der bessere j-Teil der Weisheit ist. Denn der Rückzug dürste wohl deshalb bugstreten worden sein, weil die Sozialdemokraten mit Enthüllungen über Orgssch-Organisatwnen in Niederösterreich erwidert hätten. Re RMÄldemokrateu f8r einen polnifihen -slWüwr. Rchrhel WarschM, 28. Noventber. (Tel. dev ,MenLv Morgenzüinn^.) Die' Nationaldemokräten haben sich mach längLren MubbsratiWgLN dahin geeinigt, daß im . Sejm ei-ne u ubsdingte po-lnisch-e Majorität geschaffen werden «müsse, jedwede Beeinstnssmvg der SÄjmLätigkvit durch die uatio- -rralm Mmderheidsu zu verhindern. Zur Durchführung diesbezü-glicher Verhandlungen wurden dis Herren Abgeordneten G-labinsti, Grabows ki, Zamorskch Sajda und dsr Senator Zn am o w ski ldelWsrt. Me meisten Klubs halben sich Hereits öonjsMrlksrt und chre PrDdien gewählt. Der ukrainische KM hat -an seinem Mubzimmee eine ukrainische Aufschrift angebracht.. Wie verlautet, beabsichtigt die Schnkanzjlai, sie entförnen zn lassen, da man -im Schn Aufschvisten in den Sprachen der nationalen Mmdöchsiten niM toilerisven will. Konstituierung der Mische» Klubs. Warschau, 28. November. (Tel. der „Wiener McrMz-i-- kurrg") Der jüdische Klub hat seme Konstituierung vottzagerr, Zirm Obmann wurde AbgsordMtsr Dr. Thon gewählt, M MmilSrer BemÄeMg in Lembeks. jvfl'T ftt t| Wj W““ <*¥wTfiy w Lemberg, 27. November. (Tel. der „Wiener Moogew Sritung"). Am 36. d. fand hier im Rathaussaale eine allgeureine Beamten- und Lehrervevsamnttung statt, die zu den seit Monaten unerledigten Postulaten der Festbesoldeten Stellung »rahm. Aus allen Teilen Polens waren Delegierte erschienen, mch viele-schriftliche Zusttmmungskundgsbungen gelangten zur Verlesung. Rach einem Referat des Rates Dr. Markowski über die prekäre Lage «der Beamtenschaft mrd der Pensionisten gelangte «ine Reihe von Resolutionen an die Adresse der Regierung und der nmgewähltten paMnentarischen Korper- Mfften zur Annahme. Bon den Leüdberger Schn-Dchutterien war bloß der stidischnational« Abgeordnete Dr. Leo« Reich erschienen, der, vom Vorsitzenden begrüßt, die wärmste Unterstützung dee gerechten Postulats d«.rch die Mischen Deputierten OstgelizienI «zusagte. Die BevsamMnig nahm-diese Erklärungen mit gwßem Beifall entgegen.. - Lemberg,. 28. Äkovember. (Tel. der ,-Wiener Morgeriztg/0 Nie die „RzeezpoSPolita" berichtet, fand am 23. November in Mlrsch-cm ein allgemeiner AkadvmMrtog statt, der nach An- Die Sozialdeinokraten Wen es also durchgesetzt, daß sowohl die Genfer Protokolle, als auch dvs Wjedevaufhaugesetz nochmals den Nationalrat beschäftigen müssen. Da, wie erinnerlich, im Bimdesrate keine Mehrheit für die Genehmigung dieser beiden Vorlagen vorhanden war und Mm sich' auch nicht dazu entschließen wollte, die Gesetze einfach ach t W o ch -r n l i e g e n zu lassen, in welchem Falle baS Einspruchsrecht des Bundesrates erloschen wäre und beide Gesetze automatisch in Kraft getreten wären, so mußte man gestern den einzigen Ausweg, den die Opposition noch offen gelassen.hatte, betreten: die Rückverweisuyg an den Nationalrat, d^er, wie die Mehrheit hofft,-nunmehr in.kurzem Verfahren seine ursprünglichen Beschlüsse wiederholen wird. Dann werden, ohne daß der Bundesrat sich mit den Vorlagen neuerlich zu beschäftigen hätte, die Genfer Protokolle und das Wiederaufbaugesetz nach den Bestimmungen der Verfassung in Geltung treten. Die gestrige Bunvesratssitznng wurde gesterrr mittags unterbrochen,, um Zeit. zu Parteiverhaudlungen zu gewintreu. Alan entschied sich schließlich dafür, der Opposition ihren Willen zu lassen, diese habe Rückderweisungsanträge zu stellen, währendie Mehrheit zum Zeichen'des Protestes den Saal verläßt und sich an der Abstmrmung nicht beteiligt. Dieses Vorgehen wurste schließlich auch ganz programmgemäß eingehakten. Der Nationalrat wird bereits morgen um 12 Uhr mittags zusammentreten, um die Genfer Protokolle und das Wrrderaufbaugesetz in Beratung zu ziehen.' Mau hofft, sie längstens Sonntag erledigen zu können. Mittags war im Parlament der französische Völkerbunddelegierte A v e n o l erschienen; er konferierte mit dem Führer der Sozialdemokraten Seitz und dem Bundeskanzler Dr. Seipel. Das einzige Zugeständnis, zu dem sich die Sozialdemokraten verstaMn, war die Stellung der oben erwähnten Rückverweisungsanträge, andernfalls hätten die Gesetze noch acht Wochen liegen bleiben muffen, was eine Gefährdung des ganzrn Sanrerungswerkes bedeutet hätte. Eine Erklärung Dr. Seipels. In der B»mdesratssitzung versuchte 8er Kanzler den alarmierenden Eindruck seiner Sonntagsrede durch neue Erklärungen zu verwischen. Er hob hervor, daß dir Sanierung auf das Vertrauen des Inu n - Auslandes gestellt sei. Wie keine Gruppe der Bevölkerung von den Opfern verschont bleiben werde, so müßten auch alle Gruppen an der Hilfsaktion für das Volk Mitwirken. ,^ch v-rrstche es sehr gut, wenn die Vertreter der verschiedenen Stände natürlich zugunsten der Jrttereffen, die sie zu vertreten Wen, verschiedem Stellungen einnchmen. Ich habe-selbst solche Empfindungen, wenn auch der Bundeskanzler über den Parteien stehen muß. Doch dort, wo ein. parlamentarisches Regime eingefichrt ist, ist auch der Bundeskanzler Parte im a n n, und deswegen beurteile ich gewiß in erster Linie den ganzen Sanierungsplan danach,' daß er möglich Macht jenem Teil des bodenständigen Volkes, dem ich selbst entstamme, zu Helsen. Damit ist aber nicht gesagt, daß wir es irgendeiner Gruppe vembeln, wenn sie mit derselben Entschiedenheit auf die Sache der ihrigen bedacht ist. Die Mehrheit dieses Hauses, hörung der Vertreter, der akademischen Jugend in Lemberg, Krakau und Warschau -eine fast einstimnvig angenommene Resolution faßte, wÄche die Herabsetzung 5>ce Anzahl der jüdischen Hörer an den Leniberger Hochschulen aus 10 Prozent der Gesamtzahl forderte. Gegen die Resolution, deren Beschluß einen demonstrativen terroristischen Charakter trägt, sprach der jüdische Akademiker Weinstein und der Sozialdemokrat Barlicki. PalMm. PrwawirtschMWe Isvestimmgev. In einem dem Korrespondenten der Londorwr „Jewish TÄnes" Chasanowitsch gewährten Jnljerview gab Dp. Ruppin vor seimr Abreise nach Amerika einen interessanten Ueberblick Wer die großen Möglichkeiten für privrtwrrtschaftliche Unternehmungen in Palästina. Er nehnre mit sich, erklärte Dr. Ruppin, zahlreiches statistisches Jnfornulttonsmaterial, Las die Möglichkeiten für lohnende Anlagen in.Palästina Wustrieren soll. Die Haupttnstitutiomn, die diese Möglichkeiten bieten, sind augenblicklich die Palestine Lan- Development Company (P. L. D. C.) und die HypothekenLank (Palestim Mortgage Bank). Erstere ist das einzige Podenkcvufsinftrnment und hat ^i der .Änsiedlung von 30V0 landwirtschaftlichen Kolonisten und 4000 Bewohnern von Gartenstädten mÄgewirkt Durch ihre Mithilfe -hat sich der jüdische Landbesitz um 50 Mozent erhöht. Äe machte ferner Landspeku- Lrtionen unmöglich, da beinahe jeder Laudrrwerb in Palästina vermittels der P. L. % C. erfolgt. Für das .Jahr 1921 ^-22 schüttete s^ 6 Prozent. Dividende aus. All dies wrlrde erreicht obtvohl die P. L. D. C nur über ein Kapital von 84.000 Pfunh verfügt. Die P.. L. D. C. mußte ihr .Kapital aus mindestens 100,000 Pstrnd erhöhen, um ihr volles PrvMmm durMhvölr zu könnrn. Ebenso wie die des Nationalrates und die gegenwärtigs t^ gierung wünschen sich nichts mehr,' als daß sich niemand abseits stelle. Ich verstehe es, daß ein harter Kampf geführt werden mußte, doch ich hätte in der ' vergangenen Woche gewünscht, daß dieser Kampf etwas anders, etwas wenig erpersönlich von der Opposition geführt -worden wäre. Es wäre dann auch.das Echo etwas anders ausgefallen. Aber das ist vorüber, wir mußten diesen Kampf führen. Ich habe ihn schon in Gens in meiner Schlußrede angekündigt. Ich bitte Sie nun, beschließen Sie möglichst Wd in einer solchen Weise, die der Durchfühmurg der Sanierungsaktiorr nichts mehr in den Weg stellt unv in einer Weise, die imstande ist, auf das Ausland so einzuwirken, daß dieses nicht eine Ausrede bekommt, sich von seinen Versprechungen zurückzuziehen, sondern daß es sich förmlich gezwungen sieht, vor der ganzen Welt W-M zu halten, wie wir Wort zu halten entschloffen sind." Nachdem das Uebereinkommen zustande gekommen war, begründete der Sozialdernokrat Klein den Einspruch gegen die Genftr Protokolle damit, daß diese das freie Eutschließungsrecht Nr Republik m wichtigen Fragen seines innerstaatlichen Lebens aufheben, über den Vertrag von Saint-Germain hinaus das A n s ch l u ß-. verbot verstärken und somit die staalliche Souveränität Oesterreichs mrfs ärgste gefährden. Die Debatte über das Wiederaufbaugesetz war ganz kurz, der Sozialdemokrat Ofenböck beantragte die Rückverweisung mit der Begründung, daß das Wieder-, aufbaugefttz eine ungerechtfertigte Verteilung d e r L a st e n zu u n gü n st e n d e r st ä dtis che n Bevölkerung bedeute. Finanzminister Dr. Kienböck meinte, eine gleichmäßige Verteilung der Opfer sei. äußerst schwierig. Das. was er dem einen gebe, müsse er dem anderen wieder nehmen. Peinliche Maßnahmen seien gewiß nicht zu vermeiden. Dr. Drexel gab hierauf nanreus der ChriMchsozialen und Großdeutschen e i n e E r k l ä r u n g ab, worin er die Unrnöglichkeit schilderte, einen positiven Beschluß des Bundesraies herbeizuführen; es gebe nur noch den Ausweg, daß das Gesetz wieder an den Nationalrat zurückgelangt, wo die richtigen Parteiverhältuiffe deutlich und klar zum Ausdruck kommen. „So werden wir denn" — schloß er — „den Saal verlassen und damit der Minderheit des Hauses die Gelegenheit geben, ihren Einspruch durchzusetzen und .so auch dem Natronalrat .die Möglichkeit, die Gesetze wirklich zu Gesetzen zu machen und das große Hilfswerk durchzuführen. Wenn wir wieder aufbaüen wollen in Oesterreich, muffen wir.mite-inander an die Arbeit gehen, s/nst wird auch dieser Versuch wahrscheinlich schlecht enden!" ~ Die Christlichsozialen und Großdeutschen verließen hierauf den Saal und die Sozialdemokraten beschlossen allein die Rückverweisung der beiden Gesetze an den Nationalrat. Vorher hatte der Bundesrat emstimruig das Gesetz über die Generalvollmacht und den außerordentlichen Kabinettsrat genehmigt. Die Hypothekenbank We die besten Aussichten für ihve weitere Entwicklung. Bon dem nominellen Kapital von 200.600 Pfund wurden seitens dev Iewish Colonial Trust 60.000 Pfund gezeichnet. Auch vom Keren HajeM wurde eine bedeutende Summe Leigesteuert. An der Spitze der Bank steht Herr P-olrakow, ein hervorragender Sachverstärchiger, der früher in Rußland eine große Hypothekenbank gebettet hat. Die siebenpvozenttgen Obligationen dieser Bank können als gut» und gesunde Kapitalsaulage bezeichnet werden. BeMlich der allgemeinen Situation der Mischen Kolonisation in Palästina verwies noch Dr. Ruppin auf die große Blutung, die er sich von den kürzlich errichteten Versuchs stationeu verspricht. Die ganze Zickunst der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation hänge von der prodrcktiven Arbeit des Landes mehr a-ls von irgend einer anderen Sache ab. Hierin liege die große Anstzabe der 3kr suchsshationen, WiedekeMeirle« des Jerusalem ,26. Novembrr. (I. C. B.) Die Ieruhate* urer hebmische Tageszrikrng „Haa-vez", deren Erscheinen vor einigen TaKN zeitweiKg eingestellt wurde, begann mn wieder als kooperatives Unternehuren zu erscheinen, an. welchem die Mitarbeiter, Setzer usw. beteiligt sind. Der neue Redakteur des „Haawz" ist dev Wannte hebräische Krnalist Dr. Glück s oh.n. . W . Ne ArrsMmg kMscher ÄWriftrWh«. Jerusalem, 26. Nodernber. (I. C. B.) Die Ievilsale- -es ersten Kursus zur Ausbildung jüdischer Touristenführer in Palästina wurde in Jerusalean durch eine solenne Feier begangen. Die Einrichtung Mischer Führerkuvse ist bekanntlich^ darauf zurückzuifühven, daß die Araber das Touristensührer« wesen für sich in Mono pol genommen und zu einer systematischen, antizi.onistischen. und anttjüd.ischen Propäganda auSgenntzt hatten, . Ansugltorfe^ rein Wolle, 140 in br. K 4T.6ÄS DOBblifRaglaiiSi rein Wolle . k 590.000 “ - .v..jlLStAÄ: IL, FaborstraBe 48 ToitphOn 4M-r«. J Ba ifinlalt :'. ,.T-.'».«'»WH*'.» iOixm

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