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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-26 · Heft 1363 (26.11.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1363 (26.11.1922)
Date
1922-11-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Teile 4 Wen, Sonntag Wiener Morgenzettrrng« 26. November 19&* Slr. r Okkasions Verkauf von Kleidern, Kostümen, Mänteln, Abendtoiletten 60TTLSEB HÖR AK 181. SaBesianergasse Z8, kelie Beginn des Verkaufes Montag den 27. Nov. Wenn jede ßrnshrsngsmkthode /elsagt, verordl et derArrtOvomatiim. b fte' e d msEe n, Milcb, Kllao und Bsiilz x rakt. 843 Min. Offene Tür für alle/' Lausanne, 25. November. (Schweizersiche Depejchenagentur.) Die Heu i e Vorm'Ltagfttzung der Kommission für terr toriale Fra en dauerte bis 1 Uhr irachm'lkcrgs. Die t ratsche Grenze ist noch acht rcst eic-ät. Chrid erllirt im Namen der amerikanischen De?e ai'on, daß die früher u ner den G o'Mächten getroffenen Vereinbarungen in bczig auf die Errichtung von besonderen E nflutzzorren in der Türkei (wie zum Beispiel das Al kommen von San Nemo) sich mit dem Grund atz d"v wirtschaftlichen Gleichb2rechtizunq ß't eindarrn lasse. Amerika verlange off.ne T^r für alle. AnflSsmq drr Mimischen KEmer? Rom, 25. November.- (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Uzbet die Absichten der itrÄrnischen Regierung auf innerpolirischLM Gebiet» verlautet, daß die Kammer nach der für beut« Ssm-tag erwarteten Bewilligung der Vollmacht für die Verwaltung und Steuerreform bis 19. Jänner vertagt werden soll. Einer Aeußerung des Generalsekretärs des Ministeriums des Innern zufolge besteht die Möglichkeit der Kamme rauf lös ung, doch fordert die faszistische Partei-» leituug die Provinzverbände auf, die Vorbereitungen für Neuwahlen nicht in den Vordergrund. ihrer Tätigkeit zu stellen, sondern aus den Wiederaufbau und die Versöhnung hinzu-- aröeiten. Fusion der enaUchrn Liberalen. London, 25. November. (Wolfs.) Wie verlautet, sind nicht- ^sftielle Besprechungen zwischen den Führern der Nationalliberalen usid der unabhängigen Liberalen im Gange, die die Vereinigung der beiden Parteien zum Gegenstände haben. immer nur das dekadente Frankreich des Geburtenrückganges g<ehen —, muß es uns mit Staunen erfüllen, und gerade uns, den nationalen Juden, die Möglichkeit eines Aufstieges zeigen, aus einer bloß rationalistischen, mechanistischen und werteverneinenden Daseinseinstellung zu einer attivistischen, kollektivistischen und wertebejahenden Grundstimmung. Ist die Parallele zur müden Assimilation und dem lebertsfrischen Nationalismus gar zu wert hergeholt? Oder zeigt uns diese Entwicklung in Frankreich nur die ewige Notwendigkeit der seelischen Erneuerung im Völkerie'ben? Allerdings wird gerade in Frankreich diese Wesen- Hafte und an sich tvertvolle Neugestaltung in böswilligster Weise für Sonderzwecke mißbraucht. Diesen Menschen — Bar res, Poincare, Clemenceau, sind nur einige Namen für viele —, sie haben den neugesundenden Nationalwitten nicht in erster Reihe zur Liebe des eigenen Volkstums hingelenkt, sondern zum Haß gegen ein anderes Volk, in diesem Falle gegen die Deutschen; morgen werden es wohl die Engländer sein, tveil sie nur aus tiesiter Seele hassen, nicht wahrhaft zu lieben vermögen. Bleiben wir bei der Geistesgeschichte, um den Verwickelten Winkelzügen der Politik auszuweichen, so zeigt der Gang etwa von Maurice B a r r e s' Schaffen die entwürdigendsten Nachtseiten des Nationalismus. Er dnrchmißt die typische Entwicklung seiner Generation mit ganz besonderer Intensität, von der ausschweifendsten Dekadenz („Vom'Blut, der Wollust und dem Tode"), und dem eisigsten Individualismus („Die Verehrung des eigenen Ich"), über einen erklügelten .Kollektivismus und seelenlosen Totenkult bis zu einem eigenen System des Nationalismus, in dem Revanche- Militarismus, Kriegshetzern und RheinpolM die stärksten Stützen sind. Und wenn wir daran denken, daß eben dieser Barres eine so beklagenswert wirksame.Rolle'in der Vorkriegszeit, dem Weltkriege und noch heute spielt, dann wird uns verständlich, wie hier wieder einmal mit einem heiligen Gute der Menschheit, dem nationalem Gedanken, darum so freventlich umgegangen werden konnte, wril «scheinbar im Namen von wahrhaften Idealen gehaßt und geschürt wurde. Dem ewigen Ruhme Frankreichs um den Nationalismus steht seine ewige Schande gegenüber, ihn von Barres den viel zu vielen anderen seines Sinnes, zum Haß und;um Unglück Europas hera^enen zu Wien, der englischen AMmg von AMomkomttees — Heranziehung von BerWrknnge« ans der Provinz. London, 25. November. (Wolfs) Der Ausschuß der Arbeitslosen hat gestern eine Erklärung verbreitet, in der es he ß», daß die demonstrierenden Arbeitslosen in London bleiben würden, bis der Premierminister bereit sei, ihre Deputation zn empfangen. Die Arbeitslosen in der Provinz werden ersucht, B e r st ä r k « n g e n zu entsenden, um einen größeren Druck auf die Reg erung ausznüben. End ich wird zur A b h a l t u n g von Mussrnversamn,Lungen und zur Bildung von Aktionsausschüssen aufgeforserr. kine Rede Krmemeaur. Boston, 25. November. (Havas.) Clomenceau hielt im Tremont T-omple vor einer überaus zahlreichen Zuhörerschaft, unter der.sich sämtliche hervorragel.den Persöulichkevten des Staates Massachusetts befanden, einen Vortrag, worin er sagt«, Präsident Wilson habe erklärt, daß Amerika in den Krieg mit der Hoffnung einz-etreten sei, eilte bessere MM der Gcrech-tigM und der Frechen zu-schassen. Redner frage, tvas die Amerikaner zu tun gebeuten, um die, begonnene und unerledigte Aktion fort-- Mfetzen. Wir hoben, sagte N-emenveau, >den von Wi'sion vorgeschlageueN Wafsenstichtand abgeschlossen und einen Vertrag ge« macht, in dem so viele Destinmtuu-gen bezüglich der Rechte der Well von Amerikanern stammen, und dennoch haben Sie ein Land im Stiche gelassen, das Gerechtigkeit verlangte. Für Frankreich giÄ es zwei gmrnd-teger.de Fragen: Die der Wiederg'.llmachungeu sowie die 'der Sicherheit. Nichts steht gegenwärtig der Möglichkeit selbst freundschaftlicher Bezi-elMtgen mit Deutschland entgegen. Aber man hat diesem Laude vom ersten Tage an Zugeständnisse gemacht, die Amerikaner in Geschästssachen niemals gemacht hätten. Frankreich ist nicht das anspruchvollste. Land gewesen und heute zahll der französische Steuerträger 45 Dollar, während der dmllsche Steuerträger 15 Dollar zahlt. Redner erinnerte weiter daran, daß Lloyd George und Präsident -Wilson sich verpftichtet hatten, die Sicherheit Frankreichs am Rhein -§u gewährleisten. Heute müsse Frankreich diese Sicherheit ganz allein aufrecht-evhMen. Wenn Frankreich die Gewißheit hätte, daß es nicht das Opfer eines neuen Angriffes würde, würde es sein Kriegsbudgat noch vermindern und die Mvlitärdien'tpflicht noch weiter herabsetzen. Frankreich will nicht mehr, das Opfer einer Invasion fein. Indent es den Rhein verteidigt, verteidigt es Puvopa. Redner verglichscdaM die Budgets dev verschiedenen Staaten, in Dollar ausgedrückt. Während die mMärischen Ausgaben der Bereinigten Staaten im Jahre 1921 eine Milliarde Dollar überstiegen und. jene Englands 840 Millionen Dollar betrugen. Hätten sich jene Frankreichs nur auf 435 Millionen Dollar belaufen. Redner schloß; Die Vereinigung der Demokratien muß beginnen. Nehmen Sie an der Konferenz von Lausanne teil und übernehmen Sie dort die Führung. Ihne Anwesenheit in Europa wird allen den Beweis erbringen, daß man nicht für Herrschaft, sondern für Gerechtigkeit arbeitet. Die AusfühMngen der Redners fanden begeisterten Beifall. Die Brüsseler Konferenz. London, 25. November. (Tel. der „Wr. MovgenzMmg".) Der Pariser Mitarbeiter der „Times" schreibt, infolge verschiedener Erörterungen, die in Paris stattgefunden hätten, scheine die Brüsseler Konferenz in Frage gestellt zu sein. Die belgischen Minister scheinen unentschieden M fein. Der gesamt« Plan hängevon einer vorherigen Vereinbarung zwischen Frankreich und England ab. Das reine Moratorium, für welches die Bankkreise Eintreten, dürfte nach wie vor für Frankreich unannehmbar sein. Vielleicht werde der Völkerbund ersucht werden, bei der Vorbereitung genauer Ziffern bezüglich, der europäischen Schulden seine Unterstützung zu gewähren. Natürlich werde auch die Reparationskommissiou bei allen Maßnahmen, -die «beschlossen werden sollen, einen tätigen Anteil nehmen. - - Gegenwärtig findet' zwischen den Kabinetten von Paris, London und Rom ein Meinungsaustausch statt zwecks -Festsetzung des Zeitpunktes für eiM Zusammenkunft der Ministerpräsidenten und der Außenminister von Frankreich, England, Italien und Belgien, auf der im gemeinsamen Einvernehmen die Grundlagen für die Brüsseler -Finanzkonfrrenz bestimmt werden sollen. Schatzkanzler Ba-ldwin hielt gestern eine Rede über die, Reparationsfva-ge, in der er sagte, bevor der . Handel im ganzen Lande und in der ganzen MM wieder auflMn könne, müßten stabilisierte Währungen geschaffen werden. Es -würde vollkommen zwecklos sein, in naher Zukunft eine Regelung zu erwarten, wenn nicht unter den Alliierten ein engeres Einvernehmen bestünde, als es in den letzten Jahren -der Fall gewesen sei. Dir jüdischen Flüchtlinge in Konüantinopel. Konstantinopel, 24. November. (Tel. d. „Wiener Morgen« zeiiung".) Dr. F. Nansen, der jetzt den nahen Osten bereist, um an Ort und Itelle die Lage der Flüchtlinge in Anatolien zu studieren, empfing eine unter Führung jüdischer Notabler bei ihm erschienene Deputation, der jüdischen 1 Flüchtlinge in Konstan tinoHel. Die Wordnung schilderte die ernste- Lage; in welcher sich die jüdischen Flüchtlinge dieser Stadt befinden, die noch durch den Zustrom anderer ^Flüchtlinge aus Sowjetrußland verstärkt werden. ^Eülick» k»* HUfsmaßnahlmn wurde das Hauptgewicht ans die schleunige Beseitigung der bestehenden Einwanderrmgsschwierrgfeilen in Palästina gelegt. Dr. Nansen sicherte seinen Beistattd in dieser Angelegenheit zu und seine Bemühungen hallen bereits den Erfolg, daß 156 Familien nunmehr die Einreisebewilligung nach Palästina erhalten habeiu Der alte klemrmea«. Der Parcker Korrespondent der „Timers" hat den 82jährigen Clemenceau kurz vor seiner Abreise nach Amerika ausgesucht. Clemencau, versichert er, sei nicht leicht zrr interviewen. Entweder rücke er mit der Sprache nichtheraus, oder aber äußere er sich so rücksichtslos über andere Personen, daß es unmöglich sei, seine Aussagen wiederzugeben. Er saß an einen) hufeisenförmigen Tisch, den er staudie mit den Fäusten bearbeitete, als wolle -er seine ungcschnlälerte Kmft beweisen. „Mein Kopf ist so gesund als je, aber ich bin mir wohl bewußt, daß diese Reise nach Amerika meine letzteöffentliche Fahrt bedeutet. Man mutet mir die tollsten Pläne zu, den Wiederernritt ins Parlament, das Streben nach dem Portefeuille des Ministerpräsidenten. Es ist, wie wenn sie Angst hätten. Natürlich ist alles falsch. Ich weiß nicht, in welchem Zustand ich zurückkehren, tverdr. Diese langen Eisenbahnfahrten!" rief er, und hob dabei die stets von grauen Handschuhen bedeckten Händr. „Immer heißt es, der Krieg habe mir nicht geschadet, und doch war ich sehr erschöpft und am Ende meiner Leistungsfähigkeit, als ich aus dem Amte schied. Mein Körper ist ja rüstig, aber der ganze Betrieb war für mich fast zu viel. Als ich vor zwei Jahren meine lauge Re'o'e antrat, war ich müde, und nach der Reise war die Müdigkeit noch größer. Ich weiß, daß diese Amerikafahrt für mich persönlich nicht ratsam ist, aber ich fühle, daß ich die Wahrheit verbreiten muß. Das andere kümmert mich nicht." Clemenceau geht gewöhnlich um 8 Uhr zu Bette, schläft bis'Mitternacht oder 1 Uhr morgens. Dann schveibt oder liest er, bringt seine Papiere in Ordnung und um -6 Uhr legt er sich noch einmal ein bis zwei Stunden schlafen. Vormittags empfängt er Besuche und verbringt die Nachmittage allein. „Ein aktives politisches Leben wäre nicht mein? Sache, und ich könnte mich schwerlich den Anforderungen der Kammer anpaffen. Hätte man mich zum Präsidenten der Republik gewählt, so hätte ich nrich gefreut^ Ein paar Jahre hätte ich die Arbeit in meiner Weise schon noch besorgt und mein bewegtes Kämpferleben schöir abgeschlossen. Aber sie wollten mich nicht." „Ein Politiker," sagte er in anderem Zusammenhang, „der Dank erwartet, kennt sein Metier nicht und hat seinen Beruf verfehlt." Auf die Frage, ob Fvankreich militaristisch fei, will er sich gar nicht einlassen. Hätte Frankreich 1914 keine Soldaten gehabt, so hätte es auch nicht bis zur Ankunft der Amerikaner standhalten können. Wie könne es jetzt, nach allem seither Durchgemachten, ans seine Verteidigung verzichten? In der Reparationsfrage wird Clemenceau nur an die Tatsache erinnern, daß die berühmten vierzehn Punkte und die Waffenstillstandsbedingungen Reparationszahlungen vorsahen. Hätte Frankreich 1918 bezweifelt, daß seine Vrrbundeten ihn beistehen würden, so wäre es unter Umständen nach Berlin marschiert. Um Ueberanstrengungen zu verineiden, wird der greise Wanderredner seine Vorträge in Form von gemütlichen Causerien halten. Sein Interviewer ist überzeugt, daß der Mann mit den hellen Augen, den ung-erun^elten Wangen und den buschigen Augenbrauen seiner Aufgabe gewachter ist. Dieses große graue Haupt, das rosige Antlitz weifen keine Alterssymptome ans, wenn Alter gleichbedeutend mit Zerfall. Die breiten Schultern und die weite Brust zeugen von der Kraft einer alten Eiche. Wafsenttanspstt der MonarchUen. - Gestern wurde bei dem Polizoikommiffariat Jose-fftadt die Anzeige erstattet, daß ein mit Kisten beladener Wagen vor dem Haust Jostssgasst 4 abgela-den wurde, in dem ein Waffentvansport vermutet wurde, da auch eine Anzahl von lLewehvenaus dem Wagen gesehen worden ist. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß die Kisten und Gewehre Eigentum des Monarchistettführers Kuno Hoy-uigg sind, -der mit -der Kanzlei der österreichischen Staatspartei vom Heibigenkreuzerhof in die Josefsgasse 4 übersiedelt ist. Daraufhin wurde in den neuen Kanzl-eiräumen eine polizeiliche Hausdurchsuchung nach Waffen und Munition vorgenommen. Die Gewehre sind angeblich alte Jagdgewehre Kuno Hohniggs. Die L>aus-durchsucbug förderte keinerlei Niaterial zutav»

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