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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-23 · Heft 1360 (23.11.1922) · p. Seite 10

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1360 (23.11.1922)
Date
1922-11-23
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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■- »1 jny miiiwii), will Seite 10 Wien, Donnerstag ___ lf>on ein« Erholung «in, ivelche jedoch nicht allgemein war. f dem Anlagomarite besestigten sich von den Staatspapieren .de Ks ss-enschÄne um 40, bezw. 10 Heller, wogegen sich , der rrs der Atehten-lerhe um Ü,Ä Prozent ermätzAte. Böhmische ivdespcrpie«re üehwupteten ihren bisherigen Stand. Busch- .hraider Prioritäten waren gesucht. D« Haltung des Danken- .a.rktes war nicht eirchvitlich. Vm, Transporttverten erfuhren Enschtiehreder B, Prag-Dnxer und Aussig-Teplitzer Kirrseinlßen. Alls dem Industrieaktieimnarkt waren nantentlich Böhm, lrcker-, Aussig Cdmnsche, Kokben- und ElektoizltcrtSwerte hwächer gehalten. Auch Bauivsete, Textil- und Brmreveiaktien otierten durchwegs niedriger. Auf dem Exotenmarkt waren ^u-lgareu, Crchria und Brümver Maschinen bedölüend höher. $ut >dchaupet lagen Jagodina und Sporoba-nk. Die Schluß- .errdenz war abgeichwächt. Ms dem Devisenmarkt war niäßiges G^chaft bei allge- 'neiner Zlbschwächung der Westdrvrscn vorherrschend. Die Rückgänge bewegten sich im Ausmaße von 0,5 (London) und 7,6 Mmten (Stockholm). Voll den minderwertigen Zahlungsimtelu besestigbün sich die Reichsnrark «m l, Konsdantinohel 1,75, Warschau um OM HeNec; schwächer lag Wie« um 0,35 ulld Budapest um 0,1. ' Schlußdurie: Lütd. Essenbahn-Anleibe 400 Franken 750.—, Bodm. llmondark 389.—, Böhm. Eskomptetank 381.—, Löhm. Lndusirlolbank 45b.—, Zivl ostmska Banka 3v5.60, .ingtovank 44.50. Vesterr. Kredit 15.25. Oeslerr.-Ungsr. Bank —. W»rner. Üntvrbonk 35.- . Wiener Dankverem 13.50, 4t,schji«hroLer Eisenbahn Lit. A —.—, Cif. B 335.—, , erinands-Nordbohn 480o.—, Prag-Duxer i63. , Aujjtg-Teplitzer isendahn 1015.—. Nesiomitzer Zuckenndustrie 940—, Derem. 'ekfrizktät Wun —. Brosche 770.—, Zöllner Sprittus 750.—. önigshofer Zement 8^0.—. Bieitfe'd-DaneK 339 —, Ainghosser 10.—, Slnlmeringer 47.—, DvkhKvsteieter Texitl i6l.—, Alpine tonten 168.-, Pot-'hütie 297.-, Prager Etien 540.—, Skoda -4.—, Def.eit. Berg u. Lücken 1015—, Lntrald 740.—. Ae Lrviseuksrse. Zitrjch, 22. November. (Devisenkurse dok 12 Uhr 40 Win - Atirgeleilt von üer vchwerzerischen,Lredriao statt.) Berlin 0.08^ (0.- 8'/.), Lolland 210.75(210.40). N.'w-Dork 34.75 (533—). r ondvn 24.07 (23.97), Poris 38.70 (39.70), i.atiand 24.10 (26.16), Drüli-l 36.10 (37.10), Lopenhoge, ^8.40 <108.—). Stockholm 143-50 >143^0), Lhristiana 97.60 —), -Madr d 82.— (82.—). Buenos Aires 196.- (194-), rag 17.- (16.75), Budapest 0.22*/, (0.221/*), Bukarest 3.45 3.45), 2igram 2.05. (2.0), Sofia 3.95 (3.90), Warschau '.03'/, (0.03'/,). Wien Geld-.0073 (—.0073), Sesterr. gejt. »troneu wetd —.c075 (—.0075). Berlin, 22. November. (Devisenkurse.) Feiertag (Buß- und Dettag). Prag, 22. November. (Devisenkurse. - Mtl.qelellk vom ^-ünkamte des t,chechv-s vVadiiche» Fmanzmin-HeLlUMs.) Berlin 0.48 10.47). Zürich 591.— (591.—), Belgrad 49.- (49.-). Bukarest —Wien 0.0405 (0.040,5), Warschau 0.15*/« (0.15V,), Agram —(-.—), Budapest 1.27 1.28'/.). Sugvfiawrsche —.— Oefierwichische gestempelte .uone 0039 (01-4), Polnisch« —(-.—-, Ungarische —(—«—)« Lvdaxefi» 22. November. (Kurse der Devisenzentrale.) Amsterdam 928.— b'S 943.—. Bukarest 15.50 bis 16.50, Kypenyagen 475.— vis 486.—, Ehnfiiowa 433.— dis 443.—. London 10.6(0.— bis 1VL00.-, Berlin 0.4V bis 0.45, Stetten 109.— bis 114.—, Puns 168.— bis 174—, Prag 76.— bis 79.— Siockho'm 63bis 645.—, Zürich 440.— bis 455.—, Wien 0.0330 dis 0.0345, Sofia 17.50 bis 18.50, Agram 8.40 dis 8.80, Aew-Bork 2310.— bv 2425.—, Warschau 0.i5*/4 bis 0.16*/*. Agram, 22. November. (Devisen.) Wien 0.090'),, Berlin i.iv, Budapest 2.60, Prag 198.- New-Vork 61.50. Warschan» 22. November. Dollar 15.610.—, Wien 0.22. Belgrad, 22. November. (Devisenkurse.) Prag Loo.—. Wien 0.098, N-tv-Vork 61.75. 23. Novettlber M2 5t*. 1360 Wiener Morgenzeitung. FOba«. Ae Ge-Mtel in der AmuMffe. Betrachtungen. Jeder Futzballinteressent hat sich bereits daran geivohnt, daß in der Zlnnagasse, wie es so schön in der Diplomatik heißt, Spannung herrscht. 3)-ur die Gemüter der Akteure sind däboi in Aufregung versetzt, die abseits ft.hende Masse der ausüdrnden Sportleule und ihrer Anhänger ift hingegen viel ruhiger, da die Erfahrung gelehrt hat, daß die Krisis iinmer noch überwunden wurde, bsvor der Kriegszustand eingrtretsn wa^- Die anfangs als unüberbrückbar erschienenen Gegensätze ^vgcvben ständig Momente der Annäherung, so daß das ärgste imni^ hütet werden konnte. Die Kampfesstimmuntz im Futzballverbänd reicht aber viel länger, als seit hem Auftreten des B. A. Zurück. Meist bekämpften einander erstklassige Vereine, um di« sich Fremrde gesammelt hatten; es gab aber auch Palastrevol»ltionen, in denen die kleinen Klubs gegen die großen Sturm liefen. Funktionäre, die von der Presse als verständig hing-, stellt wurben> sorgten dann für den Ausgleich der Gegensätze, wodurch das Funktionieren des Verbandsapparates zumindest auf die Dauer keine Störung erfuhr. Diesmal stehen einander der B. A. S. und der Schutzverband in Kampfesstimmung Segeuüber. Die eine Partei, und zwar der Schutzverband, hat die Beziehungen bereits abgebrochen, so daß mau scheinbar den Aufmarsch der Streitträft« stüMich erwarten kann. Wie wir bereits berichtet, hat Herr Lubowiecki, der Sekretärdes Wiener Amateursportvereins, bei einer zwanglosen Besprechung des Schntzverbandes die Aeußerung gemacht, daß seine Partei nach Anncchme des Seipslschen SanierungsprofctteS gegen die Ar-- beitersportler zum Angriff übergehen werde. Herr Dr. Weixelbauin, der Wortführer des B. A. S., hat in der Generalversammlung des N. F. B. diese Aeußevung zur allgemeine Kenntnis gebracht, wobei er den Redner Hertn Dubowiecki mit dem Vorstand des Schntzverbandes identifizierte. SÄbftverständlich war die Bekanntgabe der Rede des Herrn Lubowiecki für die Vereinigung der Erstklassigen sehr peinlich, da sie zahlreiche Arbeiter in chreu Reihen hat. Weiters beinhaltet diese Körperschaft alle möglichen politische» Parteigänger» wodurch «uh der Zusammeirhang und derMusammerchalt des . Schutzverbandes ein künstlicher und sehr lqn ist. Durch die unüberlegte Aeußerung des Herrn Lubowiecki konnte der^ Schutzverband unter Umständen in Brüche gehen, da einerseits die Arbeiter, die den erstklassigen Vereinen angehören, einen in dieser Form heranfbeschwovenen Bruderkamps kaum ausgefochten hatten, andererseits der tschechischnational orientiert« Sportklrck Slowan die Wege, die der deuschnational« Ober-St. Beiter Sekretär gewiesen, nicht befolgen würde. Der Schutzverband, der sofort die Gefährdung seiner Existenz erkannte, toatf also gezwungen zu der Aeußerung, die in Ar6eiterkrersen viel Aufsehen erregt hatte, Stellung zu nehmen. Seine erste Döt bestand darin^daß er, Herrn Lubowiecki isolierte, wobei prominente Vertreter dieser Körperschaft wenig schmeichelhafte Ausdrücke für den Sekretär der Amateure fanden. Der Schutzverband, der Wert darauf legt, der Oeffentlichkeit kundzutun, daß er nach wie vor unpolitisch bleibt, läßt Herrn Lubowiecki einfach fällen und verlangt, daß Herr Dr. Weixelbauni die Unschuld des Schutzverbandes Merkennt. Der Präsident des N. F. B., Herr Doktor Abcles, jucht nun die streitenden Teile zu versöhnen. Er hat für morgen Donnerstag eine Sitzung einberufen, an der drei Wer-, treter des V. A. S. und drei Vertreter des Schutzverbandes teAn-chmen sollen. Wie wir in Erfahrung gebracht , haben,, erklärte sich der V. A. S. bereit, diese?Äusgleichssitzung zu beschicken, doch ist es uns nicht bekennt, welche Stellungnahme' sich der Schutzvevband vorbehält. Sollte der morgige Tag keine Dersöhmmg bringen, dann wäre es laicht möglich, daß der Schutzverband den ihrn angeschlossenen Vereinen den Auftrag gibt, keine Spieler für die beiden Auswahlmannschaften, die am Sonntag unfiwe Farben zu vertreten Ija&en, beizustellen. ,Der Verbandskaprtän wäre dadurch in die unangenehme Lage versetzt, mit den Fußballern von Admiva, Hakoah und F. A. C., denen er poch einige der zweiten Klasse beigesellen könnte, sein Auslangen finden zu müssen. ' An diesen Streit lassen sich interessante Betrachtungen knüpfen. Herr Lubowiecki wstrdc von vielen Seiten als radikaler Deutschnationaler hingestellt. Selbst die politisch wenig geschulten Staatsbürger wissen genau, daß die Gruppe, der Herr Lubowiecki angehören soll, mit den Hakenkreuzlern identisch ist. Wir können es nur als bezeichttend hiirstellen, daß dieser Herr Sekretär des Amateursportverems ist, der m der Majorität Israeliten zu Mitgliedern hat.Bedeutend interessanter kann die Inkonsequenz des Devbandspräsidenten Herrn Dr. Abebes germnnt werden. Ms der Jüdische Sportverband in der Generalversammlung des N. F. B. dtzu Antrag einbrachte, daß man chn offiziell anerkennen möge, erklärte Herr Dr. We° les, daß der Fußballverband keine Parteien kenne. Er schützte die Verbandssatzungen vor, wobei er sich zur Behauptung ver-' stieg, daß auch der B. A. S. und der Schutzvevband vom Österreichischen Fnßballbund keine besondere Berücksichtigung erfahre. Herr Dr. Abeles hat nun seine damalige Aeußerung sofort vergessen, als es sich um die beiden, mächtigsten Gruppen handelte. Er denkt jetzt wohl nicht mehr an die Berbandssatzungen und eilt als Retter in der Not l-evbei, um das brüchig gewordene Verbandsgefüge wieder zusamrnen zu leimen. ESwurchert uns sehr, daß gerade Herr Dr. Abeies die Praktiken so vieler Mächtiger befolgt, die den Kleine» unterdrücken «nb vor dem Großen repektvoll den Hut ziehen. Wenn eS sich um B. A. S. und Schutzverband handelt, dann legt der Bevbarcks- Wünschen des Jüdischen Sportverbandes. , Wünschen des Mischen Sportvevbandes. Aus dem derzeitigen Streit kann auch der B. A. S. Lehren ziehen. Er hat in der Genevalversammlnng des N. F. B. die jüdlschnationasen Antragsteller in keiner Weise unterstützt, sv daß die berechtigten Wünsche der letzteren wenigstens bisher unberücksichtigt gebpeüen sind. Hätten die Arbeitersportler für den Antrag der Hakoah und ihrer politisch Gleichgesinnten gestimmt, dann wäre der B. A. S. nicht in der unangenehmen Ätge» derzeit allein und kontrolios in der Annagasse regieren zu müssen. Wir glauben in der Feststellung nicht zu weit zu gehen» daß es im Interesse beider sich ständig befthbendcn Parteien gelegen wäre, wenn ein unpartiischer Dritter mit die Verantwortung bei allen Entscheidungen tragen würde. Fritz Baar, (5. Fortsetzung.) Joseph, der ZraMer. Bon I. Zangwill. „DaS ist nicht seltsam, Signora, ganz einfach ist es — wie eines Kindes Gedanke", sagte er und' begegnete ihren klaren Augen mit seinem tiefen, mystischen Blick. Groß und schön war sie; eher eine jener griechischen Statuen, wie sie die Bildhauer der Zeit nrchcchmten, als ein römisches Mädchen. Li« einfaches. Kleild aus weißer Seide verriet die feinen Linien ihrer Gesteckt. Durch das - gyrße Erkerfenster, m dessen Nähe sie standen, umspielte kaltes Sonnenlicht ihr Haar und schuf Lichtflecken auf den streifigen Tierfellen, die den Boden bedeckten, und auf den herabhangeniden T^rpichen an den Wänden. Die Gemälde und Elfenbsinschmtzereien, die Manusknpte ruck» Büsten, alles trüg dazu bei, das Gemach zu einer havmomschm Fassung für ihre edle Gestalt zu machen. Als er aus sie bückte, bebte er. „Was soll fortan dem Leben sein?* fragte sie. * -„Ergebung, Opferung", sagte er, hold flüsternd. „Meine Eltern haben recht. Joseph ist tot. Sein Wille gehört Gott, fern Herz Christo. Mein Leben soll «n Dienen fein." „Wem willst du dienend „Meinen Brüdern, Signora." „Sie verstoßen dich." „Doch ich verstoße sie nicht." Einen Augenblick schwieg sie; dann ries sie leidenschaftlicher: »Aber, Ser Giuseppe, du wirst nichts ausrichten. Hmdert Generationen kormten sie nicht aufvütteln. Die Bullen aller Päpste ließen sie unbeugsam." »seiner versuchte es mit Liebe, Signora." „Du willst dem Leben wegwerfen." \ Er lächelte bedeutungsvoll: „Du vergißt, daß ich „Du bist nicht tot — der Lebenssaft fließt in dernm Adern. Die Frühlingszett deS Jahres naht. Sieh, wie die Sonne schon am blauen Himmel geint,. Du sollst nicht sterben — du sollst dich an, der Sonne und der Ochonhett der Dinge freuen." „Der Sonnenschein ist mrr das Symbol der göttlichen Liebs, die aufbrechenden Knosten sind nur das Sirmbild der Auferstehung und des ewigen Lebens." „Du träumst, Giuseppe mw. Du träumst, mck» doch sind deine wunderbaren Augen offen. Ich verstehe nicht beim Liebe, die sich von irdischen Dingen abwendet, die demem Vater rmd deiner Mutter das Herz zerreißt." Seine Augen füllten sich mit Tranen. „Geduld! irdssche Dinge sind gleich Schatten, die schwinden. Dü gerade träumst, Signora. Fühlst du nicht dte Vergänglichkeit der Dinge — ja, selbst dvefer wetten Erde, die von Dauer z« fein scheint, des sie überwölbenden Daches und der schonen Lichter, die daran strahlen, zu unserer vergänglichen Fvoude? Diese Sonne, die täglich am Firmament dahmzieht. ist nur ein gemaltes Trugbild, beglichen rsitt stnom owigen Fels, der Liebe Chrisü." „Deine Worte sind klingende Zimbeln meinem Oh«, Ser Giuseppe." „Sie sind die Zimbeln deines Glaubens. Signora." „Nein, nicht meiues Glaubens", rief sie heftig. „Du weißt, im Herzen bin ich kein« Christin, noch ist einer unseres Hausä ein Christ, obgleich sie sich dessen kaum bewußt find. Mein Vater fastet wohl zur Farstenzeit, doch der Heide Aristoteles erfüllt seine Gedanken. Rom betet settte Rosenkränze und murmelt ferne Paternoster, aber dem schlichten Glauben der Entsagung ist es längst entwachsen. Unsere PrünkauMge und Prozessionen, unseve glänzenden Feste, unsere prächtigen Gewänder, was haben sie mit dem bleichen Erlöser zu tun, dem du törichterweise nacheifern willst?" „Darm gibt eS ja . selbst unter den Christen eure Aufgcche für! mich", sagte er mild. . „Nein, du wurdest tmt Unheil amichten rftit diesem seelenlosen Glaubensgespenst. Die Künstler sind ^s, die der Weckt die Freude wiedergebmcht, die die Seele der Schönheit vn allen Dingen entdeckt haben. Obschon sie vorgeblich. die hellige Familie, die'Kreuzigung, den toten Heiland und das heilige Abendmahl gemalt habendes Lebens Lieblich* teit war es^ die ihre Kunst begeisterte. Ja, seit dem andächtigen Giotto ist es ein Preislied des Lebens, die Erhabenheit der menschlichen Gestalt, die Fvoude an der Farbe, die Würde des Menschen, die Berohrung der Musen. Sind denn nicht unseve Edlen selbst als Apostel gemalt worden, haben, sie nicht ihre Bilder in heiligen Szenen anbrmgen lassen, haben sie nicht verstanden, wofür dies« religiöse Kunst ein Vorwand war? Ist Rom nicht voll von heidnischer Kunst? Wurden nicht Äokoon, Kleopatra Md , Venus im Orangegatten des Vatikans aufgestellt?" „Dennoch malten eure Maler am liebsten die Madonna mit dom Kinde." „Nur Venus und. Kupido in anderer Gestalt." „Nein, dieser Spott paßt nicht, zu der edlen Signora de Fvanchi. Du kannst nicht blind sein für das gottlidjc Sehnen, das eine Madonna Sandro Botticellis verrät." „Du sahst, nicht seine Fresken in der Billa Le'mmi bei Florenz, die köstliche Anmut seiner Gestalten, die bezaubernde Farbe, sonst würdest du" begreifen, daß es nicht geistige Schönheit allein war, die seine Seele begehrte." „Aber Raffael da Urbmo, Lionardo . . ." ^ionavdo?" wiederholte sie. ,^Hast du seinen Bacchus gesehen oder sein Schlachten-Fvesko? Kennst du die spateren Werke Raffaels? Und was sagst 'toi zu unserem Fra Filippo Lrppi? Fürwahr, ein christlicher Mönch! Was sägist du zu Giörgione von Venedig und feinen Schülern, zu dieser Blütezeit des Liebreizes, zu unseren Bildhauern und Baumeistern, zu unseren Goldschmieden und Musikern? Ja, wir haben das Geheimnis Griechenlands wieder entdeckt. Mr lieben Homer, Plato, die adle Einheit des Sophokles. Unser Dante sagte Unwahres, wenn er meinte, Birgil wäre sein Führer gewesen. Der Poet von Mgntua führte nie die Sterblichen in jene Regionen'des Schmedes. Er singt von .Herden und Bienen, von Vögeln und sprudslnden Bächen und von der einfachen Liebe' des Schäftrs. — Und wieder lauschen wir ihm und atmen die süße Lcnolust, die dem Gemüt wohltuender ist als jettet Höllendunst, der für Jahrhunderte das Leben vergiftet. Apollo ist Gott, nicht Christus." > (Fortsetzung folgt.)

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