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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-22 · Heft 1359 (22.11.1922) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1359 (22.11.1922)
Date
1922-11-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1359 Men, Mittwoch Wiener Morgenzettung. 22. November 1922 Seite 5 DPI 7“ Dpi 7 I Ei In um -flclss s b mm um m vom einfachsten bis zum fMeg Genre billiger Wiener Pelzwarenmarkt Breitfe!d&Lander,Wien,II.KI.Sperlgasse LsL^j dttfiros LL»» «S^&«4iJL VbL«U»ZL«»L» 43b1ii-^LO ÄöaKi»«*«?# Tagesbericht. SlonWchrs Landeslomttee fkr Lesterreich. Der Parteitag wivd SamStag den 26. d., präzise 6 Uhr abends, kn Saale des Gewerbeveremes, 1. Bez., Esä^wbachg-asse Nr. 11, eröffnet. Die Delogierten werden aufgesordevt, pünktlich zu erscheinen. Die Delegierten wollen ihre Legi:miaiionen in der Zeit von 5 dis 6 Uhr nachmittags am Versammlungsorte selbst beheben (oder ab heute im zionistifchsn Vurea-n). Di« Keren Hajeffod-Kommifsion amtiert heut« und morgen in der Aoit von 5 bis 7 Uhr abends im Buveau des Keren Hajessod, 2. Dez., Taborstroß« 20 a, um allen Delegierten di« Möglichkeit zu geben, gemäß den Beschlüssen dss letzten Parteitages ihrer Keren Hajessod-Verpflichtung nachzutommen. Tagesordrmng d«8 Parteitages: 1. Wahl des Vorsitzenden. 2. Wahl des Bureaus. 8. Wahl des PermanenzcmssHusseS. 4. Referat über die allgemeine zionistische Lage. 5. Generaldebatte. 6. Die Lage der Juden in Oesterreich. 7. Debatte. 8. Keren Hajessod. 9. Debatte. 10. Beschlußfassung Mer das Budget deS folgenden Jahres. 11. Bericht der Permanenzkommisiion. 12. Wahlen. fteten Kairmeth l'Fsrae! lSSdWer RMmal- ' fondÄ. BÄAttenbs Erhöhung der KEmyrekse. I Die Korrespondenz Herzog schreibt: Nach der jüngsten Ermäßigung der Kohlerpreise ist unerwarreterweise mit heutigem Tage eine bedeutende Erhöhung der Kohlenpreise eingetreten, die ihren hauptsächlichen Grund in der Erhöhung der Kohlenpreise ab Grube in Oberschlesien und in zweiter Linie in der exorbitanten Erhöhung der Nebengebühren hat. So wurde die Zuschubgebühr für di-e Lokomotive zur Rutsche von 10 K. auf 4000 K., die Entladegebühr für einen Waggon auf 69.000 K. usw. erhöht. Ab heute gelten folgende Preise: Kohle in Säcken loko Rutsche pro 100 Kilogramm 78.800 K. (bisher 63.200 K.). Kohle in offenen Fuhren pro 100 Kilogramm 73.120 K. (bisher 67.600 Ä.). KokS in Säcken loko Rutsche pro 100 Kilogramm 118.600 Kronen (bisher 90.600 K.). Koks in offenen Fuhren pro 100 Kilogramm 112.900 K. (bishher 84.860 K.). Die letzte Ermäßigung der Kohlenpreise betrug 10.000 K. pro 100 Kilogramm, ist also durch die heutige Verteuerung wieder mehr als wetigemacht, wobei die Kohlenfirmen befürchten, daß der Einkaufspreis der Kohle in absehbarer Zeit neuerlich erhöht werden Wird. Die deutschen Gruben wollen durch Erhöhung der Einkaufspreise für die Kohle den Sturz der Mark paralysieren. Zuzüglich der Zufuhr wird sich nunmehr ein Kilogramm Kohle auf 860 K., ein Kilogramm Koks ans 1200 K. stellen. Cs ist klar, daß die erhöhten Kohlenpreise ihre verhängnisvolle Rückwirkung auf die Industrie, Gas, Elektrizität, Straßenbahn usw. ausüben müssen. Die Landeskonferenz der Keren Kajemeth l'Jsmol-Kmnarisironsdelegienen findet nicht — wie ursprünglich mitge» teilt — am Montag den 27. d., sondern Sonntag den 26. d. tun 3 Uhr nachmittags im Ingenieur- und Architektenverein, 1. Bez., Eschewbachgasse 11, statt, woselbst am gleichen Tage der Zionistische Parteitag stattfindet. Me Delegierten werden ersucht, möglichst verläßliche Daten über die Zahl der Juden ihres Sprengels mitzuibrmgen, da diese die Grundlage für die neue Kont Ingenbievung bilden wird. Die ■ Delegierten wollen entweder bis inTusive Freitag dm 24. d., spätestens aber eine halbe ®taui©c vor der Tagung ihre Beglaubigungsschreiben m-vtbringcn. Es wird nur Pünktliches Erscheinen ersucht. Die Lmtdeslommission des Keren Kasemeth l'Jsrael. Vom Keren HajeffoS. Dr. Nahmen G o l d m a n u sprach Montag im Klubheim, 8. Beg., Bennoplatz 1, als Gast der Vereinigung zionistischer Bankbeamter vor einein äußerst zahlreichen Publikum über das Thema „Warum find wir Zionisten?". Heute nach so langer zionistischer Arbeit müßten eher di-e Gründe untersucht werden, weshalb es heute noch Nichtzionisten gibt, zumal doch Zionismus keineswegs ein Parteibegriff ist, sondern das Judentum in seiner prägirantesten Form ansdrückt. Unsere Bewegung biete dem Einzelnen weit mehr, als er geben kann, dorm in einer Zeit des allgemeinen Mederbruches, wo jeder Begriff von Moral und Recht geschwunden ist, biete er dem jüdischen Menschen ein sittliches Ideal. Darum genüge es nicht, wenn «wm seinen Zionismus mit ein paar Kronen dokumentieren wolle, sondern nran muß mit.seinen: ganzen Wesen bei der Sache sein. Das ist die Psychologie der Chaluzim, die freudig die schwersten Entbehrungen leiden und sich glücklich schätzen, daß es ihnen vergönnt ist, ihr physisches Leben für ihr seel-ischeS Herl .Vi opfern. Wer Zionist ist, muß sich glücklich schätzen, für seine psychische Rettung vergängliche Werte opfern zu dürfen. Der geistvolle Vortrag wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Dr. Nahum Goldnran spricht morgen um halb 9 Uhr abends über Emladm^ der Zionistischen Ortsgruppe Graz im Festsaale des Hotel „Erzherzog Johann" über „Palästina und v»ir". « # Die Keren Hajessod-Kvmrnission wird Herste und morgen don 5 bis 7 Uhr im Bureau, 2. Bez., Taborstratze 20 a, für die Elegierten des Parteitages, welche ihre Pflicht für 1922 noch Sicht erfüllt hacken, zwecks Regeümg ihrer Leistungen zu sprechen t«n. ÄtemÄigMe BaktrriologMksnfereW. Paris, 21. Nobembckt. (Wolfs.) Hier ist gestern eine Konferenz von Bakteriologen Deutschlands, Frankreichs, Oesterreichs, Belgiens, Dänemarks, der Beveinigten Staaten, Großbritanniens, Japans, Polens, Rumäniens, Rußlands uitid der Schweiz unter Leitung der hygienischen Organisation des Völkerbundes eröffnet worden. Die Konsereirz wivd sich mit dem Serum für Dysenterie, Diphchcrie, Starrkrampf. Lungenleiden und mit der Serum- Diagnose der Syphilis beschäftigen. Gründung des Echnhverdimdrr der Gas- und Ztromverbrancher. Die Praktiken der Gemeinde Wien hinsichtlich der fortwährenden Erhöhungen des Gas- und Strompreises und dir bereits geforderten unerschwinglichen Vorauszahlungen haben die Gründung eines Schuhverbinecs der GaS. und Stromverbraucher hrvorgerufen, die Yen:" in der Bolkshalle erfolgte. Die nsue Organisation umfaßt oerer.s durch den Anschluß zahlreicher bedeutender wirtschastlick^r Körperschaften mehr als 40.000 Mitglieder. Es wird zunächst Aufgabe deS Sll'"tzverbandes. so führte ein Reim.-r aus. sein» durch eine Festftell.cngsklage gegen die Gemeinde een rechtlichen Inhalt des seinerzeitigen Gemeinderatsbeschlusses hinsichtlich der Vorau8-abi un-> gen festzustellen. Bei der vorgenommenen Konstituierung des Verbandsausschufses wurden g'wählt: Sektionsrat Dr. Scheimpskug, Gewerüebunddirektor Dworschak, Prokurist Hübner» Vertreter Mildner, Privatbeamter Schilber, Kanzleidirektvr Baumgartner und Privatbeamter Waller Usw. Der JahresmitgliedSbeitrcvg wurde von 3000 K. aufwärts, nach Sekbsteiuschätznng, bestimmt. Zuschriften an den Schutzverband, 8. Bez., Josesstädter* [trage 29. 2er RommMrMeNer al« Rnbrecher. Die Ausstellung tu der Zelle. Wie die Korr. Wilhelm berichtet, ist dieser Tage ein junger Mensch verhaftet worden, der unter den: Verdacht steht, eine ganze Reihe von Einbrüchen im Cottageviertel deS 18. und 19. Bezirkes verübt zu haben. Es ist dies ein angeblicher Münchner Romanschriftsteller namens Hermann.Reisenbich l e r, der mit einer Cinbrecherbande in innigster Verbindung steht. Auf der Polizei kam Reisenbichler ins Reden und erzählte, er. sei der Sohn einer „Brettelhupferin", einer „Künstlerin", die in W a n d e r z i r k u s s e n auftrat und langst gestorben ist. Dos Stehlen will er schon als Knabe von seiner Mutter gelernt haben. Er habe eine ganze Reihe von Romanen und Gedichten versaßt. Einmal in Hast, kannte er keine Zurückhaltung und bekannte seine Verbrechen offen ein. Größere Einbrüche zahlte er dreiunddreitzig ans. An Gassen und Hausnummern konnte er sich nicht erinnern; aber er wollte die Kriminalbeamten überall hinfiihren. Tatsächlich führte er an drei aufoinanderfolgeniden Tagen drei Kriminalbeamte an die Stätten seiner Tätigkeit, bezeichnet« genau Haus und Stockwerk. Auf alle mögliche Art hatte er sich Zutritt zu Wohnungen, Böden und Kellern verschafft. Vom Gange stahl er aus den Speisekästen Oel und Kondensmilch, von den Hausböden die zum Trocknen aufgehängte Wäsche, in den Wohnungen was ihm sonst in die Hände fiel an Hausrat, Juwelen, Wäsche und Kleidern. In keinem der 33 Fälle betragt der Schaden unter Millionen; in den meisten Fälle ist er sehr bedeutend und für die Betroffenen unersetzlich gewesen. In einer Zelle im SkcherheitSbureau ist eine ganze Ausstellung der durch die Mühe der Polizei zustande gebrachten Beuiestücke Reisenbichlers und seiner Bande installiert. DaS meiste ist schon agnosziert, doch sind noch viele Sachen darunter, deren EigenkLmer man nicht kennt. Das Prunkstück bildru echte Perserteppiche, dann sieht man Nickelgeschirr, eine niedliche Puppenausstattung, Gobelins, zahllose frisch gewaschene Wäschestücke, krertvolle Niridsledcrkoffer, Ständeruhren. einen Tennisanzug, s viele andere Kleider, Danrrnhüte, 23,6 Kilogramm Kaffee, Blei- ' stifte in Kartons, Damasttischtücher, K' ider, Schuhe usw. Gestern hat in der Ausstellung der Besuch seitens der Bestohlenen begonnen. Biele Leute erkannten hocherfreut ihr verloren gegebenes Eigentum. Schulleiter und religiöses Bekemitnis. Verfaffuugswidrigkeit des tz 48 des ReichsvolksschulgesetzeS. Nach der Bundesverfassung steht jeder Landesregierung das Recht zu, Bundesgesetze als verfassungswidrig beim Verfassu-ngsgerichtshof anzi'ßechten. Dieses Rrchl gilt auch gegenüber solchen ehemaligen Reichsgesetzen, die durch die Bundesverfassung rezipiert wurden. In der gestrigen Sitzung des Stadtsenates ÄS Landesregierung beantragte nun Stadtrat Speiser dieses Anfechtungsrecht gegenüber den Bestimmungen des § 48 des Reichsvolksschulgesetzes in der Fassung des Gesetzes vom 2. Mai 1883 (Schulgesetznovelle) und gegen die darauf beruhenden § 111 und 112 der definitiven Schul- und Urnerrichtsordwung vom 29. September 1905 anzuwenden. Es handelt sich da um jene Bestimmung des durch das Gesetz von 1883 emgesngten zweiten Absatzes des § 48, in welcher festgesetzt wird, daß zu Schulleitern nur solche Lehrpersonen bestellt werden können, die auch die Befähigung zum Religionsunterrichte jenes Glaubensbekenntnisses Nachweisen, den: di« Mehrzahl der Schüler angehört, sowie jene, welche di« Pflicht des Schulleiters und der Lehrer zur Ue-berwachung der religiösen Uebnngen ausspricht. Die erste dieser *3'"’.ungen, führte Speiser aus, steht im Widerspruch zu Art. 7 des Bundesverfaffungsgesetzes vom 1. Oktober 1920, wonach alle Bundesbürger vo^ dem Gesetze gleich und Vorrechte des Bekenntnisseausgeschlossen sind, sowie mit den Besti-mmungen deS rezipierten Staatsgrundgesetzes vom Jahre 1867 über allgemeine Rechte der Staatsbürger, welchen auch der ursprüngliche Wortlaut des Reichsvolksschulgesetzes vom Jahre 1869 vollkommen en'tspvach. Erst durch das Gesetz vom Jahve 1883 wurde dieser Wortlaut ins Gegenteil verkehrt. Di« zweite Bestimmung, führte Speiser in seiner weitere^ Begründung des Antrages aus, widerspricht dem Art. 14, Abs. 3, des Staatsgrundgesetzes über die allgemeine« Rechte der Staatsbürger, wonach niemand zur Teilnahme an kirchlichen Handlungen oder Feierlichkeiten gezwungen werden kann. Eine solche Verpflichtung kann daher auch nicht für Schulleiter und Lchrer bestehen. Die Begründung 'des Antrages hebt ausdrücklich hervor, daß das Gesetz von 1883 selbst in seinem § 75 die Geltung de§ angefochtenen § 48, Abs. 2, für Galizien und Dalmatien ausgeschlossen hat, wodurch die Tendenz zur Begünstigung einer bestimmten Konsesiion klar erwiese:: sei. Sie fcnnÄ« übrigens seinerzeit, wie Speiser hinzufügte, seitens des Antragstellers (des Fürsten Sapieha) rm Herrenhause ausdrücklich zugegeben. Schließlich beantrage Speiser formell, die angeführten Gesetzesbestimmungen als verfassungswidrig und die darauf beruhenden Bewüdnungen als gesetzwidrig anzufechten. Die christlichsozialen Mitglieder des Stadtsenates erklärten, daß sie zu dem Anträge die Stellungnahme der Partei einholen müssen, und verlangten zu diesem Zweck« die Vertagung der Defchlußsassung. Ihrem Ansuchen wurde Folge gegeben. Wiener Znternatwmler Schachkongreß. Siebente Runde: Nach dem Montage-Ruhetas stand die geslrige Runde im Zeichen der ungestökim Angriffslust G r ü n f e l d lieferte wieder eine Glanzpartie gegen Spielmann. Der Dorkämpfrr Wiens widerlegte in vorbildlicher Weiie das Angriffssystem Spieimanns und zertrümmerte des Gegners Stellung. Diese Pariie, an dcm Geburtstage de, Siegers gespielt, wird als eine der feffelndsien und theoretisch bedkuisamsten des Turniers einen Ehrenplatz in-der Schackgeschickte behaupten. K m o ch geriet in einer stzilianisch verteidigten Partie geffen S ä m i s ch in eine üble Stellung und gab noch vor Eintritt der Pause auf. Maroezy undDuKovies lieferten sich ein uw entschiedenes Treff-n. Biel aufregender gestaliete sich das Treffen Wolf- B o g o l j « b o w. D-r Wiener widerlegle die von dem Russen etwas gcwalttam behandelle Aljechin-Verteldigung und erdrückte nach einem Bauernsturm den schwarzen Damenflüget. A l i e ch i n—T a r r a s ch. Aljechin behändeste die Damenbauererbffnung gegen Tarrasch in seinem eigenartigen liste«, reichen» krasivollen Stile, sodatz sein schlittzlicher Erfolg «ohl keine Urberrasckung sein wird. Unbeendet ,st noch die französische Parste D e t i-T a k at: welche zu einem Endspiel ausgereift ist. in welchem Rest auf Grund des Mehrdejihes eines Bauern auf Gewinn spielt. Dr. Tariakvwer verstand, es in seiner Partie gegen König die Verwicklungen herbelzuführen. m denen er allein sich rrohl lühtt und die er wie kein anderer zum Sieg auszunützen versiebt. Das Sviei vnirde zum Bedauern der zadlreicke« mMMBwig.JMMM ix-n.w.. jJuuumM>ma'jatmuwmiMi.wuiLLarwjtl C7C 52

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