Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1359 (22.11.1922)
- Date
- 1922-11-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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T-rrv, ri"*: *, I '' .'■ Weite 4 Wien, Mittwoch ckviettsr MsMWttWs. ch. isyA tznMK-türkische AnnSherung. Lausanne,- 21. November. <Schw. Dep. Ag.) Dank den Konzessionen, die Lord Curzon gemacht hat, ist zwischen den Engländern und den Türken eine st a r k e E n tspannung eingetreten. Zwischen Mussolini und Turzon ist ebenfalls eine^ Einigung erzielt wordeü. IkeGMhWq einer MMen BMerbmchl!»«. Paris, 20. November. (I. C. B.) Wl! der I. L. B.- Vertreter aus autoritativer Quelle erfährt, ist das Statut für die künftige jüdische Bölkerbundliga bereits serliggestellt. Der Entwurf wird gegenwärtig von einer juristischen Kommission des Komitees der jüdischen Delegationen einer Revision unterzogen und soll demnächst dem Generalrat'der Bölkerbundliga zur Bestätigung vorgelegt werderr. BatiklM rmd Die Faseler Nat. Ztg." schreibt: Ter päpstliche Staats- ^kretär Kardinal Gasparri bediente sich kürzlich eines französischm Journalisten, um die Stellung der Kirche zum> Treuesten Italien zu prLzdsieren. Er sagte» der Faszismusseidurchausbegründetundnot wendig, rmd wäre es nicht zum Umschwung gekommen, so Ware Italien der gänzlichen Anarchie verfallen. Der König habe weise gehandelt, indem er den Bürgerkrieg vermieden und Mussolini als Regierungschef enrgesetzt chrbe. Man kann ohne jede UeLertreibung behaupten, daß diese Aeußerung von außerordentlicher Bedeutung ist. Sie eröffnet neue und unermeßliche Perspektiven. Sie weist über die Grenzen Italiens, hmans. Es geschieht zum ersten Male, daß der Heilige Stuhl öffentlich zur Politik des Königreiches Stellung nimmt. \ ' Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Kirche nun einer Annäherung an den italienischen Staat'nicht mehr unbedingt abgeneigt ist. Tatsächlich fft Italien fast das einzige^ Land, mit welchem der Vatikan' nach dem Kriege ‘ nicht engere Beziehungen anknüpfen könnte. Nicht nur in Frankreich, sondern auch in England ist die Politik der katholischen Kirche eifrig an der Arbeit, in Berlin, Prag, Budapest, Warschau, Bukarest und Belgrad sind neue Nunzraturen geschaffen worden, ein päpstlicher Legat ist i n d e r Türkei tätig und' die bei der Genueser Konferenz begonnenen Verhandlungen mit den S o w j c l S sind Noch m frischer Erinnerung. Nun wird wohl auch Italien selbst an die Reihe kommen, und es ist gerade der Faszismüs, der die italienische Katholische Volksparte! aufs äußerste bekämpfte, welcher diese bedeutungsvolle Wandlung ermöglicht. Der Faszismus verkörpert die Idee nicht des größeren, sondern des größten Italiens. Die Faszisten träumen nicht nur von einem weltbcherrschendrn Rom, sondern sie suchen auch, diesem Ideal praktisch naher zu kommen. And welch besseres Mittel könnten sie dazu finden als die katholisch e Kirche, die heute tatsächlich die Welt.beherrscht, die 460 Millionen Angehörige zahlt und einen Einfluß ausübt, der keine Landesgrenzen kennt. Eine'Verbindung mit dieser Macht kann den Faszismus seinem großen Ziel nur näher bringen, ja es müßte-gar leine Verbindung im herkömmlichen Sinne sein, es würde genügen, wenn das feindliche Verhältnis zwischen Staat und Kirche <mfhörte. Dkser neue Zustand wäre anderecseitSfürdenHelligen Stuhl ein großer Vorteil, ein ungcheuver Zuwachs an effektiver Macht: v der noch immer vergebens, um die Gunst seines Publikums wirbt. Fräulein Grete Hinterhofer hat sich im Konzertsaal längst eingebürgert. Lebhafter Beifall ihrer zahlreichen Verehrer umbraust sie und ihr temperamentvolles wohlgepflegtes Spiel. .Die F-Moll-Sonate von «Ärjabine brachte willkommene Abwechslung in ihr Programm. Die Leschetitzky-SchÄerin Eleanor Spencer, die wir erst im Vorjahre gewürdigt haben, verstand sich wiederum auf Stimmung und. Modulationsfähigkeit des Tones, Fräulein Helene Lewizkh, eitte sehr begabte junge Anfängerin, veranstaltete einen Klavierabend zugunsten der Hungernden in der Ukraine: Sie besitzt gute musikalische Grundlagen -und zeigte sich in einer Beethoven-Sonate wie im „Präludium, Choral und Fuge" von Cesar Franck schwierigen pianistischen Aufgabengewachsen. Starkes Interesse darf der Genfer Pianist Johnny Ändert, der einen Schumann-Abend veranstaltet^ für sich in Anspruch nehmen. Er vermeidet die ausgetretenen Pianistenwege und überrascht durch Ke Koloristik des Tones, durch die Elgenwilllgkeit^heS Rhythmus, die richtigen Voraussetzungen für Schumanns Klavierromantik. Die holländische Geigerin Alma Moodie bereitete mit dem Vortrage des Beethovenschen Violinkonzerts ihren zahlreichen Hörern einen erlesenen Genuß. Man würde der zarten mädchenhaften Erscheinung, gar nicht anmerkcn, welche Fülle von künstlerischen Energien sie in sich birgt, welch jünglingshaft herb-süßen Ton sie ihrcr prachtVVVen Geige zu entlocken vermag. Jedes geigmdeMädchen, das ein Konservatorium absolviert hat, wagt, sich. heute an Beethovens Violinkonzert. Aber kaum eine von allen Konzcrtspielerinuen vermag das Larghetti» 'mit so vM Stilgefühl und Seelenadel zu singe» wie die jtmge Alnm Moodie- Dr. Grwin Feld»» 22. Rövenibet medizinisch-sanitären Zu den brennendsten und wichtigsten Ausgaben, denen ' da^ Jüdische geftllschastliche Komitee (Jdgeskom) 'vom ersten Moment seines Entstehens gegenüberstand, gehörte die Organisation der ärztlichen Hilfe für die jüdische Bevölkerung in Rußland und in erster Reihe für die von den verschiedenen Pogromen he'nnMuchten jüdischen Volksmassen. Schon im Jahre 1016 wurden 160.060 Fälle von Flecktyphus in Evidenz gehalten.- Diese Zahl wuchs bis zum Jahre 1926 in progressiver Steigerung an, so daß in dem Zeitabschnitt von 1918 bis November 1920 6 Millionen Falle von Flecktyphus zur Anzeige gelängten. Im Jahre 1920 alleinals di« Epidemie ihren HöhePAckt erreichte, wurden in ganz Rußland cinschl'eßllch Sibirien, dem Kaukasus und der Ukraine 8,213.829 Fälle vvg'striert. Die Zahl der Falle von Ä ü ckfalltyphU 8 betrug im Jahre 1920 1,572.460. Die Sterblichkeit unter den Flecktyphuskranken belief sich unter der BeröMnmg auf 9 Prozent und unter den Aerzten und dem arztNchen Hilfspersonal auf 15 bis 25 Prozent. Erst Ende 1920 machte sich ein Abflauen der Epidemie bemerk» bar. Dank der ungeheuren Energie, mit welcher der Kampf ausgenommen wurde, ist die Epidemie von 463.325 Fällen im Februar 1920 auf 16.847 Erkrankungen im September desselben Jahres zurückgedrängt worden. IM Jahre 1920 brach besonders in Südrußland auch die Cholera aus. Bis zum 1. November 1920 wurden 24.597 Cholerafalle verzeichnet, in demselben Zeitabschnitt aber, sind auch 279.803 Fälle von Bauchtyphus und 269.565 Fälle von Dysenterie verzeichnet worden. Bon den sogenannten sozialen Krankheiten, wie Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten, und dergleichen mehr wurden gleichfalls überaus viele betroffen, da' diese. Krankheiten im Kriege und in der allgemeinen Erschöpfung einen günstigen Nährboden fanden. - Es braucht nicht erst besonders hevvovgehoben zu ^werden, daß die jüdis'che Bevölkerung sich der Epidemie gegenüber in einer noch ungünstigeren Lage befand als die übrige Bevölkerung.'Hunderttau-sende Juden wurden erst durch den Krieg und dann durch Re Pogrome aus rhven ständigen Wohnsitzen herausgeriflen und waren gezwungen, mit ihren Greisen und Kindern in die.-größeren Städte zu flüchten. Dort mußten sie entweder obdachlos im Freien kampieren oder in eiligst zusammettMimmerten Baracken oder i-O improvisierten Maffenheimen Unterschlupf suchen. Man lebte hier in Schmutz und Nässe, man schlief auf harten Bänken oder auf dem bloßen Fußboden, zugcdeckr mit Lumpen. Unter den Flüchtlingen war eine große Zahl bereits an Flecktyphus, Rückfalltyphus und Bauchtyphus erlranjt. Diese Kranken schliefen in einem Raum mit den Gesunden, und die Flüchtlingsbaracken waren wahre Epidemienester, aus denen, viele Zehntaüsende * der zermarterten, unsteten Pogromopfer hincheggerafft wurden. - : . Die Pogrome, die von dm grausigsten Qualen bereitet waren, zeugten auch ei^e große Zahl von > . psychisch Kranken. RamslA Macdomld — gfiljro bet enalifdjeit Arbeitertzartek. London, 21. November. (Wolff.) Ramsay MacdhMd ist zum Führer dev Arbeiterpartei gewählt worden. Sir Alfred. Mond rns vnterk aus gewMt. i London, 19. November. (I. C. B.) Bei den am 15. d. in England stattgefündenen Unterhauswahlen wurden mehrere bekannte ^jüdische Persönlichkeiten, deren'Kandidatur von verschiedenen Parteien aufgestellt wurde, in das Unterhaus gewählt, so der frühere Minister unter Lloyd George WrAlfred Mond, bekanntlich Vizevorsitzender der englischen. Zionistischen Föderation. Die Wahl Sir Alfred Monds ist deshalb symparhisch, weil: die antizionistischen Kreise in England besonders 'gegen ihn eine scharfe Agitation geführt hatten.- „Times" prophezeite noch vor Wochen die Niederlage MoydS, weil er gegen sehr starke Gegner zu kämpfen habe. Lloyd George hatte sich pev.onlich für die Wahl Sir Alfred Monds eingesetzt. Pstib, 20. AoveMM.< Gigen den ehemaligen Minlslrrprästvenlen P a \\\ l e ve Häbm l76 ehemalige Mititargeistliche die Anklage wegen BerleNiNdüng und HsradsetzUttg deS katholischen KlernS cthöben. Painlere hatte in einer Rede diöHaltttNstderGeistlichkeit während de- KriöaeS einer herben Kritik ünterWn. Ter Staatsanwalt hat döm Klagebcgehren^ stättgegöben und vom Parkeimente jdieAnslieker^dtsichcpmligeriMülijtcchrDdcnten.tvcl- Die Zahl der vergewaltigten Frauen erreichte viele Zehn» tausende. Eine nur teilweise und durchaus nicht vollkoMmcm Statistik hat im Kiewer Gouvernement 1798 und rm Minsker GouveryemeUt. 1516 Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen festgestellt. Tausende Fälle von ansteck e n d e n G e s chl e ch t s,k r an k h e i t e n. werden eruiert und der Kampf gegen diese Krankheit gestaltete sich schon deshalb besonders schwer, weil die Meisten Betroffenen sich schämen, die ärztliche Hilft aufzufuchen. Das Jüdische gesellschaftliche Komitee, das den Kampf gegen diese körperliche und sozial« Verelendung unter den N Juden in Rußland zu führen sich anschickte, arbeitete wie auf allen anderen Gebieten auch hier, im engsten Kontakt mit den maßgebenden Regrerungsorganen. Auf dem Gebiete der ärztlichen Hilfe war dieser enge Kontakt und die gemeinsame Arbeit noch notwendiger wie auf allen anderen Gebieten. In der praktischen" Hilfeleistung gibt es keine besondere jüdische Medizin. Der Gesundheitszustand eines Teiles der Bevölkerrmg übt naturgemäß seine Wirkung auch auf alle ümigen Bevölkerungsschichten auS. Dieser Skandpunkt leuchtete auch den Organen des amtlichen GesundheitskEmisiariats ein, 'welche in den Bezirken, wo die jüdische Bevölkerung in Massen lebt,, die Hilfsarbeit de§' „JdMkom" unter den Pog'romflüchtlingen in weitestgehendem Maße förderten. Am meisten haben unter den Pogromopfern die Kinder gelitten, da sie gegen Hunger, Kalte und Krankheiten am wenigsten widerstandsfähig waren. -Von den 1,200.000, jüdischen Personen, die von den Pogromen unmittelbar betroffen wurden, fvaren mehr als 300.000 Kinder, die zusammen mit den Erwachsenen all die entkräftenen, nttt Entbehrungen verbundenen Wanderungen, und ungesunde Lebensführung mitzumachen hatten. Das Jüdische gesellschaftliche Komitee hat auf allen diesen Gebieten ,eine großzügige Hilfstatigkeit entfaltet, welcher es zu danken ist. haß allmählich normaleye Berhältnrfse heröeigeführt wurden. Eine große Anzahl medizinischer Hilfsstationen, Spitaftr, Ambulatorien, Röntgenrnstitute und anderer Hilfsstellen sind an den wiKtigsten Punkten tätig. Heute, ist das Jüdische gesellschaftttche Komitee auch 'aus dem.besten Wege, durch BolkSaufllävung prophylaktisch zu wirken Gegenwärtig richtet sich das Hauptaugennmck der medizinisch-sanitären Abteilung deS „Jdgeskom" auf die Schaffung eines ganzen Netzes von Anstalten zur Bekämpfung der Hautkrankheiten und der Schwindsucht. Besonders stark ist die Tuberkulose. ' ' unter den jüdischen Kindern verbreitet. In einzelnen Gegenden, zum Beispiel im W o l h yn i e t Go uve tu e« ment, erreicht die Zahl der tuberkulösen Kinder 60 'Prozentl in den verschiedenen Kinderheimen in Witebsk find 30 Prozent der Kinder tuberkulös und davon 17 Prozent rm akuten Stadium. Das Jüdische gesellschaftliche Komitee perfngt leider nicht über die Mittel!, um sein Programm zur Bekämpfung aller dieser Volkskrankheiten im dosten Umfange durchführen zu können. cher jetzt Abgcsrbneirr ist, verlcngt. Die Kammer hat behufs PnUuug des Begehrens eine elfgliedrlge Konunif-- fion eingesetzt. Zas neue Kabinett Kuno noch nicht Berlin, 21. November. Die neue Miwifterllste war bis in die Mittagsstunden noch nicht abgeschlossen. Unentschieden ist noch.unter anderem die Besetzung der Ministerien für Aeußttes, Inneres und der Wirtschaft. Nach dem „Lokalanzeiger" rechnet man in ParlamentabifckM Kreisen damit, daß die endgültige Ministerliste fMMens heute abends vorliegen kann. Das „Tageblatt" glaubt sogar, daß das neue 5dabin>ett sich schwerlich am Donnerstag werde dem Reichslag vorstellen können. Wie das-Blatt weiters mitteilt, werden die Kommunisten nach der Regiemngsrrklärung ein MißtraueuSootuw gegkn da« neue Kabinett eiubrlngön. Berlin, 81. November. (Wolss.) Der Polizeipräsident hat mit.Rücksicht darauf, daß nach den Ermsttinngen der Polizei während der nächsten Tage eine planmäßige Stes-' gcnmg der PlüttdernngSoktlonen zu befürchten, ist, bis auf »vcitercS alle Berfa mm lu n ge n, U m z'ü g e, A üf« Tit w I Mit nt« und ftde Art vorr BcrauftalUuWN mttine krcM Hlmpm v e r h o t e ( laa^üü mam