Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1358 (21.11.1922)
- Date
- 1922-11-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Die türkische Friedensdelegation ist von dem festen Willen beseelt, mit den anderen Delegationen 311 einer gerechten Verständigung zu gelangen. , Bundespräsident Dr. Haab dankte den beiden Vorrednern für die freundschaftlichen Worte, die sie an die Schweiz gerichtet -hätten, mnd teilte mit, daß die nächste Sitzung der Konferenz Dienstag um 11 Uhr vormittags im Schlöffe von ^Ouchy stattfinden toerde.! Onchh, 20. November. Die Besprechung zwischen Poinc a r e, Lord C! u r z 0 n und Mussolini wurde heute fort- , gesetzt. Nach dem Schluß der Sitzung wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben: Poiucave,, Lord Curzon und Mussolini oben Montag: vormittags im gleichen herzlichen Geiste der Verständigung den' Meinungsaustausch abgeschlossen, den sie Sonntag begonnen haben. Sie beschäftigten sich auch mit den Fragen, .die auf. die Organisation der Konferenz und deren iZeschäftsvegloment Bezug haben. Ae KrSsfmmgdes englischen Parlaments. London, 20. November. Seit den frühen Morgensiundenwar das Unterhaus in lebhafter Bewegung Schon AM 5 Uhr früh trafen die ersten Unterhausmitglieder ein, um sich für die gegenwärtige Session einen Platz zu sichern. Nachmittags schritt das Haus zur Wähl des Sprechers, zu dem wieder einstimmig Whitleh gewählt wurde. Sodann jleisteten die Abgeordneten die Angelobung. Das interessanteste Moment der heutigen Sitzung war die UebernahMe der Führung der Opposition durch den Führer der Labour Party, Clynes. Als der neue Premierminister Bonar Läw sich in traditionellem Zuge ins Oberhaus begab, um die Glückwünsche des Königs für die Wahl des Sprechers des Unterhauses entgegenzunehmen, forderte der Führer der Liberalen, Asquith, Clynes auf, als Führer der Opposition mit dem Premierminister zu gehen. Dadurch hat sich Asquith des Anspruches der'liberalen Partei auf die Führerschaft der Opposition begeben. Lloyd George war in der heutigen Sitzung des Unterhauses nicht erschienen. ' ' Ae deutsche Kabinettskrise. Berlin, 20. November. (Wolfs.) Der Reichspräsident hat Dr. C u n 0 erneut mit der Bildung des Reichskabinetts beauftragt. Dr. Cuno hat den Auftrag angenommen. Er beabsichtigt, ein Geschäftsministerium zu bilden, und hofft, morgen diese Aufgabe zu Ende zu führen. , . Verfolgung ausländischer Balutaspelulanten in Paris. . Paris, 20. November. (Wolfs.) Die „Chigago Tribüne" gibt einen Bericht wieder, wonach mehrere ausländische Pankiers in Paris, von ftanzösischen Gerichten wegen'angeblich unerlaubter Handlungen auft dem Wechselmarkt zur Verantwortung gezogen werden sollen. Es werde ihnen der vor einigen Tagen erfolgte Sturz des Frankens zugeschrieben. Der Pölizeipräfekt habe mit dem Finanzminister darüber verhandelt, und es verlaute, daß Verhaftungen bevorstünden. '_ Tagesbericht. Vom Keren Haieffod. . , Heute abends, halb 8 Uhr, spricht Dr. Nahmn G o l dilatut aus,Berlin als Gast der zionistischen Sektion 10—11 im gwßen Saale des Arbeiterheims, 10. Bez., Laxettburgerstvahe 8, über: Paläsii nann d w i r. mm ßinigung über das Lamerungswerk. Mn Brief des Bötterbunddelegierten Fansen. Gestern ist endlich ein Kompromiß der Parteien des ' Nätionalrates in dve Wege geleitet worden, das ersparten. läßt, daß alle das Genfer Sanierungswerk bildenden Vorlagen der Regierung bereits am Wochenschluß vom Nationalvat verabschiedet fein werden. Bundeskanzler Dr. Seipel hat heute von der provisorischen Delegation des Völkerbttn-des folgendes Schreiben erhalten, das er noch im Lauft des Tages den Präsidenten des Nationalvates und dm Führern der Parteien zur Kenntnis brachte: „Die Delegatimr ist mit größtem Interesse den Dis-, kussionen gefolgt, welche ü-ber das von der Regierung niedergelegte Programm stattgefunden haben, ebenso wie jenen, welche das endgültige Projekt betreffend die „Vollmachten" gemäß Arükel 5 des Protokolls 3 vorbereitet haben. Bei ihrer Ankunft in Wien hatte die Delegation den Wunsch ausgesprochen, daß die m Rede stehenden Gesetze bis zum 4. November verabschiedet werden mögen. Sie ist jedoch ftrn davon, zu bedauern, daß sich die parl<ft> mentarischett Debatten bis zumr gegenwärtigen Tage - in die Länge gezogen haben. Die Delegation hat sich in der Prüfung des Projekts, das ihr von der Regierung vovgelxgt worden war, freiwillig darauf beschrankt, zu prüfen, ob die Bestimmungen des Pwgramms zur Erreichung des Hauptzweckes geeignet sind; und sie hatte geglaubt, daß die Frage der Verteilung der fiskalischen Lasten auf die verschiedenen Steuevkategorien und die Wahl, der Bosteuerungsmethoden ohne ihre Intervention verhandelt werden sollten. Hingegen halten wir es für unsere Wicht, Eure Exzellenz <mf folgendes aufmerksam zu machen: Eine Zusammenkunft der Vertreter der Signatarstaaten des Genfer Protokolls ist fürdiese Woche ernbernftn, ' ' «in eine einheitliche Garantieformel ftstMstellen, welche den Entwürfen der Gesetze erntzuschalten ist, die binnen kurzer Frist den verschiedenen Parlamenten vorgelegt werden sollen. In der Tat würde gegenwärtig jede Verzögerung die Gefahr hewüfbeschwören, daß die Beschlußfaffung über die Garantiegosetze bis über die letzte Sitzung der Parlamente in diesem Jahre hinaus verschoben würde, was eine Bersch rebwng auf einen'ft men und unbestinunten ZeitPuM bedeuten könnte. Die Vorbereitung und Vertvirllichung der Anleihe würden danach schwer gefährdet werden. Insbesondere -hat die Delegation Nachrichten aus London -erhalten, denen zufolge das Gefttzprojekt nur dann in parlamentarische' BehaMurvg gezogen werden könnte, wecku es. vor dem 27. d? du Hanse der Gemeinen eingebracht würhe. Gerade das Hevarmahen dieser Daten macht % uns nun zur Pflicht, Sie auf die Gefahr aufmerksam zu machen, welche aus der Verzögemng der Debatten über das Progratnm und die Vollmachten entstehen könnte. Mau könnte nicht hoffen, daß die fremden Parlamente in eine sofortige Diskussion der Proftkte . der Garantiegesetze einwilligen werden, wenn zu ihrer Unterstützung nicht die Gefttze betreffend das Progvamnt und die Vollmachten, die vom österreichischen Parlament beschlossen wurden, vorliegen, tot nur dann dargetan Ware, daß die erste Etappe auf dem 'Wege zur Erfüllung der im Protokoll 3 enthaltenen Verpflichtungen innerhalb der vorgesehenen Frist zurückgelegt wurde. v In dem Bestreben, die schweren Gefahren zu vermeiden, welche aus der Verspätung der Entscheidungen der fremden Parlamente entstehet könnten, lenkt die Delegation in ernstester Weift die Aufmerksamkeit Eurer Exzellenz auf die dringende Notwendigkeit, den' interessierten Regierungen spätestens bis zum 26.. d. die österreichischen Gesetze, die rm Protokoll 3 vorgesehen sind, mitzuteilen. Jansen, m. p., Präsident der Delegation." ' Unter dem Eindrücke dieser Mitteilmtgen erklärten sich die Führer der M-ehvheitsparteien sofort bereit, eurer ' termingvmäßen Erledigurrg der Getrfer Sanierungsgesetze zuzustimmen. Die Sozialdemokraten machten zunächst noch Schwierigkeiten, aber schließlich gute Miene znm bösen Spiel. Die Mchrheitsparteien und die Regierung erleichterten ihnen ihren Rückzug, indem man ihnen u.,a. züfagte, daß der außerordentliche Kabmettsrat, der während der zwei Sanierungsjahve die Regierung kontrollieren soll, nicht das Recht haben werde, in der Verfassung inartikulirrte Gesetze, wie beispielsweise das Bundesfinanzverfaffungsgefttz, zu ändern. Was am Wiederaufbaugesetz noch strittig sei, sei zurüüzustellen. Heute und morgen roerden n?ue ParteiverhandLmgen diese Streitpunkte aus der Welt zu schaffen trachten. Demgemäß schritt der Finanz- und Bckdgetausschuß bereits gestern zur Abstimmung, über das Wiederaufbaugefttz. Beim Kapitel Bundesbetrreibe wurden drei Punkte zurückgestrllt, vom Kapitel Hoheitsverlvaltung ebenfalls mehrere Bestimmungen, und im übrigen ließen sich die Sozialdemokmten überstimmen. Der Genftr Ausschuß, der die Ratifiziewng der Genftr Protokolle vorzunehttren hat, ist beretts einberuftn. Frei-' tag und Sarnsiag wird der Nationalrat den ganzen Komplex der Sakniertmgsvorlagen in zweiter Lesimg erledigen, und wenn die Dnrge glatt von statten gehen, wird das Wochenende die Perabschvedumg der Genfer Gesetze bringen. Dann allerdings werden erst die Parlamente der die Kredit-' garantft gewährenden Staaten das Wort haben. tzinsteim Fapanreise. London, 20. November. (Wolff.) Nach einer Meldurvg der „Times" aus.Kobe fft Proftffor Einstein aus Schanghai dort erngetroffeit. Eine große Menschenmenge bereitete ihm einen begeisterten Ernpfang. Proftffor Einstein begibt sich direkt nach Tokio. Abbm». Es wird abgebaut, das Büspiel des Staates findet Nachahmung. Im Handelshaus und in der Fabrik, in: Comptoir und ^>n Gasthausbetrieb, in der Werkstatt und im Modesalon wirb die Zahl der Arbeiter eingeschränkt, wird die Umschaltung zur Sparsamkeit mit Macht vollzogen. Der Fremdenstrom hat sich verloren, der Rmnsch-Berkauf unserer Waren ist vorüber, die Konjunktur flaut ab. Und schon setzt die Bewegung ein, die den Arbeiter aller Kategorien mit dumpfer Angst, mit stillem Gränen erfüllt, das er sich ftlbst kaum eingesteht: der Abbau. Wirre Gerüchte durchschwirren die Arbeitsstätten — in dem Betrieb sind flinfhuüdert Arbeiter entlaffen worden, in jenem dreihundert, und dazu sechzig Beamte. Dort wird man nur die Fannlienversorger behalten, so lange es noch geht, dort soll es nächste Woche anstmgen, dort wartet man noch das Weihnachtsgeschäft ab. Der Arbeiter vor der Maschine, die Knnststickerin im großen SchneiVerateliet, der Buchhalter bei seinem Schreibtisch — sie alle überläust ein Grauen. Arbeitslos, jetzt, in. Vieser' Jahreszeit, mit dem Ausblick auf den langen, langen Winter, mit dem Ausblick auf Not und wahnwitzige Teuerung. Anklammern möchte sich jeder an seinen Pkttz, sich ftstschmivden lassen, nur nur das bißchen Sicherheit zu bewahren, den fußbreit ftften Boden unter den Füßen nicht zu verlieren. > Es wird abgebaut. Langsam kriecht die Angst an den Erstarrten empor. Mart möchte den Barm abschütteln, weglachen, wegscherzert. Scheu fliegt der Blick zum Nachbarn hinüber, ob der nicht mit einem lustigen Wort alle Befürchtungen wegschiebt. Und begegnet demselben Blick der Bangigkeit, der Qual, der erlvachertden Verzweiflung. Es wird abgebaut. Me Freunde fragen einander gus der Straße. Und jeder geht mit der Sorge weiter: was wirst du tnv, wenn es auch dich ttffft? Du bist tüchtig, du öfft fleißig, wirst geschätzt, der Chef will dir wohl — aber es hat andere erreicht, die sich „mtentbehrlich" glaubtet:, Was dann, wenn du an die Reihe kommst? Umsattelnl Der Rat ist leicht. Aber selbst, wenn die Ausführung gewagt wird, erhebt sich die weitere Frage, welcher Berits jetzt aussichtsreicher ist. Es wird ja überall „abgebaut" im Handel und int Kleinhartdwerk, in der Großindustrie und nn Kttnstgeiverbe. Auswandern? Es gibt überall mehe Hände als Arbeit, die Mittel reichet: nicht zur Reife, und an die Wahrscheinlichkeit, im fremden Lande zu erreichen, tvas in der Heinrat mißlungen, könnten nur Toren glatte ben. S^adtflacht? Das Großstadtkind vermag sich kaum aus dem. Lande einzuleben, mit Mißtrauen und Widerwille^ wird es ausgenommen. Die ganz Jungen mögen es, zut Sommerszeit. v»^'n^c-n, Was^ oher soll aus den Aelterell werden, was soll arts den geistigen Arbeitern, was soll aus. den „Raffefremden" werden, denen sich taufttxdfacb^ Hinderniffe in den Weg stellen? ' Es wird abgebaut. Zu Hause sitzen die Frauen, tvar^ ten 'und zittern, zittern und warten jeden Entscheidungstag von nrnvm mit bebender Angst. Wird er Mann wie- «Mkkye per k^eter K 9.800 . Dam«nhem(i(in K 24.800 * ® H»rretih*iwd«»i K 49.800 II., TaborstraSe 48 Telephon 4T-1-79 En gro» 6n detal] D+/B