Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-11-21 · Heft 1358 (21.11.1922) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1358 (21.11.1922)
Date
1922-11-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980438--12909-2999505
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

vl‘> T7.,r.-.pl-....v.r..x,), , . «TT’-"’-*.- -r i \ -. vv^ V*-*.7*? ’*"*'T r< Seite 2 Wien, Dienstag Wiener Morgenzeitung. 81. November 1922 M. ta» - Minister Koerber so Herrliches zv. erzählen wußte — das Bad aus, als Kampfer .für das „deutsche Prag". WaZ Wunder, dich sie jetzt, von rechts und links eingekeilt, zum Schaden dm Spott haben!" Eine Reichsdeutsche Stimme, v Die „Frarckfurier Zeitrmg" bespricht in ihrem zweiten MorgeuLlatt vom 18. NoveqrLer den Streik drr deutschen Arier in Prag und bemerkt unter anderem: „Solange das Deutschem dort drüben nicht imstande ist, unreife Burschen zur Vernunft zu bringen, und solange Teile des akademischen Lehrkörpers derartigen Bubenstreichen sogar noch Rückhalt gewahren, kann nran sich ja wirklich nicht darüber wundern, wenn die nationalen Gegner aus solchen Erbärmlichkeiten Gründe für ihre Unterdrückungs- Maßnahmen gegen das Deutschtum als Ganzes entnehmen". I?e RvteMeffe. Zwischen der österreichischen Regierung und den Delegterieu des Völkerbundes ist am Samstag in Form eines Notenwechsels vereinbart worden, daß der Staat von Sonntag den 18. b. an seinen finanziellen Bedarf nicht mehr durch Inanspruchnahme der N o t e n presse decken werde. Die staatlich e tc Ansp x ü ch e an die Notenbank haben somit-ihr Ende erreicht.- In der achtjährigen Periode, die seit der Suspendierung der Bankakte verstrichen ist, hrtder Staat den Notenbank? redit, wie aus dem letzten Ausweis der Oesterreichisch-ungarischen Bank hervorgeht, gegen Hinterlegung von Schatz sch einen bis zu 1,439.167,8 MMonen Kronen in Anspruch genommen, der gesamte Äioterrmntauf ist auf 2,979.322,9 Millionen Kronen gestiegen. In der nächsten Zeit soll der weitere Geldbedarf des Staates mittels . Ausgabe von Goldschatzschemen bis zu 136 Millionen Goldkronen gedeckt werden, wovon die Banken nach den kürzlich abgeschlosienen Verhandlungen über die innere Goldanleihe 30 MMonen übernehmen. Re Hetattoehrs» de» Herrn Mntelen. Eine stürmische Sitzung des.steirischen Landtages. Graz, 26. November. Nach fünfnwnatiger Pause trat der Landtag heute nachmittags zu seiner Herbstsitzung zusammen. LandeFrat Mach old. (Sozialdem.) ergriff von Eingang in die Tagesordnung das Wort M einer dringlichen Anfürge. Er wandte sich in schärffter Weift gegen die in Judenburg erfolgten Verhaftungen von sozialdemokratischen DertraurrSuiannern, wodurch die Arbeiterschaft in große Erregung versetzt worden sei. Er griff in schärft» Worten die gesamte Regierungstötigkeit des Landeshauptmannes an, der in jedem Konflikisfalle mit der Arbeiterschaft zu den schärfsten Machtmitteln greift, die Heimwehren ausrüste Äem förmliches Machtregime errichtet habe in Steiev- , der Republik des Laiweshauptmannes und Universitätsprofessors Dr. Rintelen. Er kündigte schließlich Vem Landeshauptmann, falls er nicht befriedigende Erklärungen abgebe, den schärfsten Kampf der sozialdemokratischen Partei an. Landeshauptmann" Dr. Rintelen gab zunächst einen Ueberblick öder die Ereigmsie in der letzten Zeit und betonte, daß alle dieft Ereigmsie, besonders mit Rücksicht auf ihre starke Rückwirkung auf den Staotskredit und das Wirtschaftsleben sowie die Sicherung der ffewtt Rechte der Staasbürger, eine energische Reaktion der Staatsautorität verlangen. In dem Bestände, der Heimwehren liege keine gesetzwidrig? Einrichtung; die Heimwehren dienten vielmehr dem Zwecke, die Staatsautorität in der Aüftechterhaltung den Ruhe und Ordnung zu unterstützen. Während der Rede des Landeshauptmannes kam es zu'stürmischen Zwischenrufen der Sozialdemokraten, auf die der Landeshauptmann erwiderte. Die Rede wurde seitens der bürgerlichen Parteien mit großem Beifall ausgenommen. Landtagspräsident Regner (Sozialdemokrat) beschuldigte den Landeshauptmann durch seine Unterstützung . der Heimwehren, die ihm bei ihr^n Paraden ein förmliches Tveugelöbuis Megen mußten, eine Pflichtverletzung begangen zu haben. Der Antragsteller Landesrar Machold erklärte in seinem Schlußwort, daß feine Partei sich mit der Jnterpellationsbeantwortung des Landeshauptmannes nicht zufrieden gebe. Damit war nach mehr als vierstündiger, tellwerse außerordentlich erregter Debatte die Angelegenheit beendet und der Landtag konnte um dreiviertel 9 Uhr abends in die Erledigung der Tagesordnung eingehe«. Von verschiedenen Sitten kommen'Nachrichten über; die von den türkischen und arabischen Delegationen ' in j Lausanne geplanten Vorschläge über die Abänderung des vom Völkerbund an England gegebenen Mandats zum Zwecke der ErrichMg des jüdischen Heimes in Palästina. Nach einer Version wünscht die Angora-Regierung, die sich ursprünglich für desinteressiert erklärt hatte, jetzt sogar die Uebertragung des Mandats an dir Türkei und sie hat auf die Konstanttnopler Rabbinatsversammlung einetr Druck in diesem Sinne versucht. (Wir haben bereits mitgeteilt, daß der Oberrabbiner von Konstanttnopel Chaim Nahum, ein Zögling der Alliance Jsvaesite, mch London und Paris gereist ist.) Nach einer änderen Lesart, die wir gleichfalls verzeichnt haben, steht die Veranstaltung einer Volksabstimmung in Syrien, Palästina und Mesopotamien auf dem Programm der Forderungen. Die vom 'König Hussein repräsentierten arabischen Separatisten erheben ihrerseits die Forderung nach Vereinigung aller arabischen Länder uitb zeigen sich mit Emir Abdullahs Haltung in London sehr wenig einverstanden. Ske erinnernihn ziemlich unwirsch an seine Rolle bei der Schaffung des großarabischen Prograrnmes. " Alle diese Nachrichten beweisen, wie tvenig geklärt die Beziehungen zwischen den Türken und Arabern sind. Unter den Streitfragen zwischen ihnen ist die Palästina- Frage eine der wichtigsten, aber es nicht emmal der Ansatz zu einer Einheitlichkeit mrd zu einem politisch brauchbaren Vorschlag an Europa, zu merken, das durch den Völkerbund bereits gesprochen hat. Wie maßgebende englische Politiker über dir Frage denken, zeigt, eine Rede des südafrikanischen Mnisherpräsidenten Generals Smuts, die er am 9. November bei ' einem in I oh r n n e s b u r g stattgefundenen Bankett gehalten hat. Die Formel „Jüdische nationale Heün statte" — erwarte ex — sei. ein Bestandteil des öffentliche-.. Rechtes geworden..Durch die Vorgänge im nahen «Osten, deren Rückwirkung in Europa und in der mohanunedanischen Welt, nicht ausblerben könne, sind in Kleinasien neue Probleme aufgerollt worden. Er sei jedoch überzeugt, daß Großbritannien an der'MandatZpolitik durchaus ftsthalten werde. Im Interesse des europäischen Friedens und in Erkenntnis der Gerechtigkeit der jüdischen Sache, werden auch die Nachfotzer Lloyd Georges dieselben politischen Anschauungen vertreten Müssen. Sv sei überzeugt,daß Palästina in zunehmendem Maße die wahre nationale Heimstätte der Juden werden wird. Dir mrs^ zugehenden Meldungen besaM: La» Mandat für die Mrken.' London, 19. Novnnber. (I. C. B.) „Jewish Chronic!e" weiß aus autoritattver Konstanttnopler Quelle gtt melden, daß sich die Angora-Regierung durch ihren Konstanttnopler Vertreter Hamid Bei an den Obervabbiner der Türkei mit einer vertraulichen Bitte gewandt hat, in allen Orten der Türkei, ht denen Juden wohnen, Volksversammlungen mW andere Manifestationen zu veranstalten, tu welchen die gemeinsame Losung ausgegeben werden soll» daß man die Türkei mit dem Mandat über Palästina betraue. Wie ,Jrwish Chronicle" tveiter "schreibt, geriet dadurch der Konstanttnopler Rabbinerrat-in eine schwere Lage. Er tvar sich einerseits bewußt, daß die Organisierung solcher Aiauifestattonen die türkische Judenheit in Korrflikt mit dem allweltlichen Judentum bringen würde und auch als eine Demonstration der türkischen /Juden gegen Großbritannien aufgefaßt werden könnte; andererseits aber wurde eine Verweigerung dieses Verlangens vielleicht von der Angora-Regierung fasch gedeutet Wecken und für das türkische Judenttmr umngenehim Folgen haben. Der oberste Räbbinerrat in Korrftairtinopel hat der Angora-Regierung in stirer offiziellen Anttvovt zu verstehen gegeben, der Räbbinervät habe sich bisher niemals in Politische Fragen eingemischt, da nur religiöse Fmgen in seine Kompetenz fallen. Es wurde aber als wünschenStvert angeregt, daß sich eine Delegation der türkischen Juden nach London begebe und von der brittschen Regierung die Uebergabe des Palästina-Mandats an dih Türken verlange. Bis jetzt hat der oberste Rabbinerrat in dieser' Frage " keinen festen Beschluß gefaßt und es ist ftbr zweifelhaft, ob eine solche DelegationItach London^ abreisen wird. 1 * „Jewish Cbronicle" schließt: M ist bekannt und so verstehen es auch alle Konstantinopeler Kreise, daß sich die Palästinensischen Araber mit den Türken dahin verständigt habett, daß die Engländer aus der Türkei, zu cntftrnen sirrd.> Ser „Rationale Ina“. Püris, 19. November. (I. C. B.) Der Hauptdelegier. der Angora-Regierung fiir'die Orientkonferenz in Lausamre» IsmetPascha, äußerte noch am selben Tage gegenüber Vertretern der Pariser Presse, die Türken werden tu Lausanne auf den im „Nationalen Tag" von Angora nieder-- gelegten Forderungen bestehen. ' Bekanntlich hat die Nationalversammlung in Angora in ihr im sogenannten „Nationalen Tag" ausgestelltes Programm auch die Forderung eingeschlossen, daß d i ejenigen arabischen Länder, die früher unter türkischer Herrschaft gestanden haben, jetzt ihr uneinge-. schrünkteS. nationales Selbstbestimmnn^^s. re ch t erhalten sollen. UeAMrabftimmM». London, 19. November. (I. C. B.) Wie ans Rom imgeaphiert wird, soll die Angora-Regierung die italienisck^e > Regierung von ihrer Absicht verständigt haben, in Lausanne ' eine Volksabstimmung in Syrien, Palästina und Mesopotamien zu fordern, in welcher über das Schicksal dieser Länder enffchieden werden soll. Die arMchen Fordemnaen. Jerusalem, 18. November. (I. C. B.) Wie tmn bekannt " wird, hat der Präsident der arabischen Exekutive vor seiner Zlbresse nach Lausanne einen Brief .des Vertreters der- Angoa-Regierung in Paris, Ferrid Bey,^erhalten, in! welchem dieser mitteilt, daß seine Aeußerung über die Beziehungen der Kemalisien zu Palasttna und Syrien nrchk richttg wiedergegeben ist. Er erklärt, daß seine Regierung dem von der Nationalversammlung in Angora angenomnre - rien Programm mit der Fordemng nach voller Freiheit für alle von Arabern bewohntey LaM, der, ihr Schickst nach dem^WillenHttr Einwohriev zu M sttnnnen, treu bleibt. " kine dtöffntiM Äünijt HnWirs Jerusalem, 18. November. (I. C. B.) Die Regierung des Königs Hussein von H e tts ch a s erläßt im Zusamtllen-' hang mit der Londomr-Reffe des Emirs A b d u l l a h eilte Erklärung, in welcher gesägt wird, die Regierung von Heb - schas werde von chrem Programm: volle Bestimmung^- freiheit der Araber und V e r e i n i g u n g a l l e r a r a b ischen Länder, nicht lassen. Emir Abdullah, heißt es Wetter in der Erklärung, werde ebenfalls, an dies ein Programm festhalten, da er einer seiner Schöpfer ist. Der traMordMschr Staat " London, 19. Noveprber. (I. C. B.) Nach längeren Verhandlungen mit der englischen Negierung hat Emir Abdullah von Transjordanien London verlassen und ist über Wien nach Hause gereist. Wie das I. C. B. seinerzeit zutnelden wußte, finb die Grenzen Transjordaniens noch NM festgesetzt. Nur so viel ist klar, daß di^ englische Regierung der Schaffung eines u nabhängigen, t ran sjordanisch en S taat c s> auf konstitutioneller Basis mit Zustimmung des Völkerbundes sympathisch gegenübersteht. Vor seiner Abreise aus London hat Emir Abdullalr ein Schreiben an die „Times" gerichtet, in welchem er als die wichttgsten noch der Lösung harrenden Fragen bezeichnet: Das Problem der Einfuhrzölle, die zwischerc Palästtna und Transjordanien verteilt werden müssen, dann die Frage der G r e n z f e st s e tz u n g zwischen diesen Ländern und endlich die Frage der Eisenbahnen, au welchen Palästina und Transjordanien zugleich interessiert sind. Tschecho-Slowakei. Die Zudeuausweksuugen am Ilngam. Prag, 20. November. (Tel. d. „Wr. Morgenzettung".) Bor einigen Tagen hat der Präsident , des jüdischen Nättorralrates, Dr. Ludwig Singer, beim Außenminister Dr. Bene sch dorgesprochen, um die Mfmerksamkoit der tschscho-slowÄkischen Regievung aus die. AüstreMng seit Jahrzchnten ansässiger jüdischer. FamWest, aus Üügarn und auf-die Brutalität^ des hierbei geübftn 'Berfährens zu Achten» Minister Dr^ Penesch iMyessftrft sich lebhaft fiir diese Mitteilungen und erklärte mit aller Bestimmtheit, daß er — insoweit hierbei tschecho-slotvakische Staatsangchörig-e betroffen sind —, bei'der ungarischen Regierung die erforderlichen Schritte unternehmen werde. Streik im noMöhmischen Revier. Prag, 20. November. In den Revieren vop Brüx, Dux nnd Komotau sind die Belegschaften heute in den Streik getreten. Die Zahl der Streikenden beträgt zirka 30.000. Die Wahlen. Sejm und Senat. Bei den lehken Sejnr-Wahlett in Polen sind W jetzt endgültig, gewählt und auch bereits offiziell be»!ststigt folgende 86 jüdische Abgeordnete: die Zionisten i.GrüMum, De. Thon.. Hartglas. S)x. Mosenblatt^ Dr. Wygodski, Dr. Goitlieb, Dr.. Schwarzbarth, Dr. Reich, Dr. Rosmarin, Karl Eisenstein, Dr. Ämgel, Dr. Schrei-, ber, Redakteur Frostig. Dr.' Jnsler, Dr. Emil Schmorak und Frau Pomeranz-Melzer, die M i s r a ch bst e n Fabstein, Dr. Feldmann, Hellmann, Rabbiner Brodt, Dr. Federbusch, Dr. Hausner; Hilqchduth: Advokat Levinsohn, Zwi Heller und.'Dr. Silberschein; die U.upar?eiischen: Dr. Weinzieher, Wislitzki, Reizes; der Poale Zionist Dr. Schipper; die Agudisten: Kirschbraun, Rabbiner Schapirg, Sirkis, Münzbera, Stempel und Rabbiner Lewin und Folklist Prhlueki. Nach den Ergebnissen der Senatswahlen erscheinen trnter den 26 gewählten Senatoren des Blocks der nationale» Minderheiten 12 Juden. Es sind dies: Dr. M. Brande, M. Deutscher, Ing. Koewer^ Rabbiner Rubinstein, U. Mendelsohn, Rabbiner Kowalski,- Szereszewskr nnd Adolf TruSkier. Für Oltgalizien Dr. A!. Bienenstock, Dr. Julius Wurjel, Dt. F. Rotenstveich und Jakyb Bodek.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.