Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1357 (20.11.1922)
- Date
- 1922-11-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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hrftaamaMüm-vagiai\t.tMiimiex "«>. mmu Iw *mmv / Wten, Montag Mene» Moraeirzettrmg. 2V. November 1922 Nr. 1SS7 >S kn Brüssel zu erleichtern, hinsichtlich der Reparationen Von Zwangsmaßnahmen abgesehen habe. Damit gebe er indirekt zu, daß eine Sanktions- und Netorsious- 1>vlitik nicht geeignet sei, die NeparationSleistrrngen sz« fördern, sondern zu beeinträchtigen. | Gegen die Anschuldigung, Deutschland habe niemals -den aufrichtigen Wunsch gehabt, die Reparationsschnld zu begleichen, müsse gesagt werden, daß Deutschland bisher aus Grnnd des Friedensvertrages an einmaligen und fortlaufenden Lelsturi-m bereits mindestenS41Milliarden Goldmark bezahlt habe. Morgim ln Berlin. Berlin» 19. November Das „Berliner Tageblatt* berichtet, daß Pierpont Morgan, der in Paris unter anderen Bespreuungen mit P o i n c a r 6 hatte, /heute abends oder spätestens morgen in Berlin ein- Treffen werde. Seine Reise 'sei amtlich nicht augekündigt worden. Politische KundgebMLM in Lkriz. eine Rede Seipels. s Linz, 19. November. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Unsere Stadt war heute der Schauplatz großer politischer Kundgebungen. Mit einer gewissen Nervosität sah die Bevölkerung den Ereignissen entgegen. Die Christlichsozialen hatten seit Tagen für die Versammlung, in der neben dem Bundeskanzler Dr. Seipel Präsident D i n g h o s e r sprechen sollte, die lebhafteste Agitation entfaltet. Anderseits hatten die Sozialdemokraten Massenkundgebungen in Aussicht gestellt und so war die Möglichkeit nitt auszu- Mließen, daß es bei einem so mächtigen Aufgebot beider iParteilaaer zu Zusammenstößen kommen könnte. Glück, sticheriveise haben sich diese Befürchtungen nicht erfülltjDie Ruhe wurde nicht gestört und die Kundgebungen jjfab ohne Zwischenfälle verlaufen. Äk chrMch?oM-sroMr»W; B»rfaR«ümz.! In einer von etwa dreißigtausend Personen besuchten, ivon der christlichsozialen Partei und den Großdeutschen unberufenen Versammlung sprachen heute vormittags iBundeslonzlerTr. Seipel und Präsident Dinghofer Über das SanierungsProgramm der Regierung. Präsident Dr. D i n g h o f e r bezeichnte das Genfer iUebneinkommen als die Schicksalsfrage für Oester« jteidj. Der Redner wendet sich sodann gegen die von jsozialdemoklatischer Seile aufgestellte Behauptung, daß jfßine Partei nationalen Verrat geübt und unsere Freiheit Preisgegeben hätte. Die Sanierung, die die, Sozialdemokraten vorgeschlagen haben, hätte nie zum Ziele geführt, ihre Vorschläge seien ungangbar gewesen. Wir wären aber auch vor der G e f a h r d e r A u f. 1 e i l u n g zwischen Italien und der Tschecho-Slowaker gestanden und unsere Freiheit wäre für immer dahin gewesen. Die Bemühungen der Sozialdemokraten, eine Spaltung in die Regierungsparteien zu bringen, waren vergeblich. Bundeskanzler Dr. Seipel, von den Anwesenden lebhaft begrüßt, dankt den Versammelten für das große Interesse, das eine Anerkennung für seine Arbeit und die seiner Mitarbeiter bedeute. Der Redner bält es für eine Pflicht der Demokratie, daß der Bundeskanzler in einer so entscheidenden und bedeutungsvollen Phase nicht nur mit den Parteiführern im Parlament spie he. Der Bundeskanzler erklärt, daß mit dem Genfer Uebereiukommen das Vertrauen in unseren Staat wieder Wurzel gefaßt habe. Die bisherigen Wirkungen lassen sich in folgendem bisher '.Erreichten festste llen: Stabilisierung der Währung, Festigung und Rückgang der Preise, Fallen des Index und die Tatsache, die zum erstenmal in Erscheinung trat, daß der Sturz der Mark keine Erschütterung der Krone herbeiführte.! „Wenn aber auch im Parlamente,* sagte der Redner fortsahrend, „alles erledigt ist. so ist damit noch nicht alles getan. Wir müssen zur Selbsthilfe greifen und jSparsamkeit in den öffentlichenVerih ä l t n i s s e n wie auch in den P r i v a't Hansihaltungen jedes Einzelnen üben. Dieser Sparsamkeit müssen wir eine geeignete Wirtschaftspolitik hinzufügen. j In der Zeit des Ueberganges, in der das Parlament Ischeinbar ansgeschaltet werden soll, wird die Regierung tauf den Rat aller bören und der Zusammenhang zwischen ihr.und dem Volke wird noch inniger sein müssen. Redner bat zum Schlüsse, über die Parteigrenzen hinaus zusammenzustehen und sich nicht voneinander trennen zu lassen. (Lebhafter Beifall.) Schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der das Genfer Abkommen begrüßt und dem Bundeskanzler sowie der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird. * * * Vaffeni ersammlrrngru drr SU'MMokMk». Die Singet So^-ldewokralen u.ranTlalfefrtt vier kProtestversan.inlungeu gegen das Genfer Uebereiukommen, jbic einen Massenbesuch auswiesen. Als Redner traten ArÜstdent i!i| und die Abgeordneten Dr. Otto Bauer Mv Leuthner auf. Roland*Bühne (Freie jtid Volksbühne) „ Ensemble-Gastspiel der W iLNAER TRUPPE Heute Montag den 20. November I. J. Festvorstellurg anlässlich der Wiederkehr des Todestages Sch. An—skls Zur Aufführung gelangt: i. u. n. Akt aus „Tag und Nacht'* ii. Akt aus »Der Dybuk“ Gedenkrede H. Mato. Tagesbericht. MonarchlstenLemonIttatione« auf der Ringstraße. Oberst Wvlff verhaltet. Gestern vormittags fand in der Kirche am Hof eine von der Partei der „Schwarz-gelben Legitimisten" aus Anlaß des Geburtstages des früheren Kronprinzen Otto veranstaltete Messe statt, welche von ungefähr 500 Personen besucht war. Nach der kirchlichen Feier begaben sich einer insgeheim ausgegebenen Weisung entsprechend, die Legitimisten einzelnen zum Liebenberg-Denkmal, um von dort einen Zug über die Ringstraße zum Parlament zu unternehmen. Die an Ort und Stelle befindliche Sicherheitswache machte sie aufmerksam, daß dies unstatthaft sei und richtete an die Angesammelten wiederholt die Aufforderung, sich zu entfernen. Die Demonstranten leisteten jedoch dieser Ausforerung keine Folge. Vielmehr forderte ihr Führer, Oberst des Ruhestandes Gustav Wo l f f seine Anhänger auf, auf dem Platze zu verbleiben. Oberst Wolfs wurde deshalb nach neuerlichen Abmahnung seitens des kommandierenden Sicherheitswachebeamten angehalten und dem Polizeikornmissariate Innere Stadt überstellt. Die Demonstranten selbst wurden zerstreut. Eine kleine Gruppe folgte in laut lärmender Weise der Eskorte ihres Führers zum Polizeikommissariate, woselbst sie von der Sicherheitswache abgedrongt und zerstreut wurde. Während der Aktion bei dem Liebenberg-Denkmal und vor der Polizeidirektion wurden außer dem Obersten Wolfs noch insgesamt 22 Personen wegen polizeiwidrigen Verhaltens, beziehungsweise wegen E'nmenanug in eine Amtshandlung angehalten und dem Amte überstellt. Die Angehaltenen wurden polizeilich bestrast, außerdem wird gegen sie das strafgerichtliche Verfahren eingeleitzet. Der Franenmord kn Sttakring. Ein Wehrmann unter dem Verdacht der Täterschaft verhaftet. Wie berichtet, ist in der Nacht znm 17. d. M. früh die unter Kontrolle stehende Paula Jedlicka von ihrer QnartieraeöeriN. der Hausbesorgerin Hermine Mach im Bette tot aufgefunden worden. Die Annahme, daß es sich um ein Verbrechen handle, hat sich verstärkt und in der Nacht zum Sonntag ist auch unter dem schwerwiegenden Verdachte der Täterschaft ein Wehrmann verhaftet worden, der sich sehr bedenklich gemacht und sich in unaufgeklärte Gegensätze zu bestimmten, fast nicht anzweiselbaren Zeugenaussagen gestellt hat. Die eigentümliche Stellung, daß die Hausbesorgerin Quartiersrau einer Prostituierten war, die Frau Mach vor den Hausparteien und selbst vor ihrem eigenen Sohn zu verbergen suchte, hat es mit sich gebracht, daß durch ihre unzutreffenden Angaben die Nachforschungen fast ans eine falsche Spur gelenkt wurden und die Sache so ausfah, als ob der Mörder im Hause zu suchen wäre. Frau Mach stellte nuit ihre Angaben dahin richtig, daß sie in der Nacht zum 17. b. M. der Jedlicka den Schlüssel hinausgereicht und als sie die vom Hofe in die Küche führende Türe gehen hörte, habe der Hund zum Knurren angesangen. Sie habe ihn beruhigt, damit nicht ihr Sohn aufwache. Sie hat sich dann wieder ni.dergelegt und nichts mehr gehört. Den Schlüssel habe sie am Morgen nicht in der Küche auf dem Brettl gefunden, sondern als sie zum Haustore.gegangen war, habe sie dar Tor unversperrt und den Schlüssel von innen im Schloß st eckend gefunden. Nun war es klar, daß das Verbrechen von einem der nächtlichen Besucher der Jedlicka verübt wurde. Durch Erhebungen wurde festgestellt, daß Paula Jedlicka iu der kritischen Nacht bis 1 Uhr früh im Cafe Neuland in der Brunnengasse, Ecke Thaliastraßr, geweilt hat und an einem Tische mit einem Wehrmann gesessen ist. Er wurde auch später in Gesellschaft der Jedlicka gesehen. Im Kaffeehaus hatte auch dle Prostituierte Judith Seifried geweilt. Diese war um etwa halb 2 Uhr von dem Wehrmanne angesprochen worden uud er hatte sie in ihre Wohnung begleitet. Er hat die Seifried gefragt, ob im Zimmer nebenan jemand wohne und ob vielleicht junge Burschen im Nebenraume seien. Weiter fragte er, ob sie ihm eine 50.000 zKrorien-Note wechseln könne, was sie verneinte. Schließlich habe er ihr, um sie für den Zeitverlust zu entschädigen, ohne eine Liebenswürdigkeit zu verlangen, 20.000 Kronen gegeben. Der Mann ist dem Müdchln so eigenartig mit den Händen über Gesicht und Hals gefahren, daß sie sich eines unheimlichen Gefühls nicht erwehren konnte und ihn schließlich abnsieS. Dieses eigenartige Benehmen ließ den Mann sehr verdächtig erscheinen. Es wurde festgestellt, daß eS der Wehrmau» te.3 Inst Reg. N.. 4 R chard Berger, 1881 zu Wi n g-borci», BrÜsselgas'e 49 wohnhaft. sei. Sonntag früh, 4 Uhr, ist er verhaftet werden. In das Slchcrheitsbureau gebracht, stellte ec schieden in Abrede, die Tat begangen zu haben. Er gab bloß zu, daß er die Jedlicka in der kritischen Nacht auf dem Gürtel getroffen, sie in das Cafe Neuland begleitet und dort für sie einen Kognak bezahlt habe. Er sei aber nicht mit ihr nach Hause gegangen. Sie habe ihm Vorstellungen gemacht, daß er sie um ihre „kostbare Zeit" gebracht habe Und darauf habe er ihr eine 10.000 Kronen-Note geschenkt. Nun ist aber sein Aufenthalt zwischen halb 2 Uhr uirb halb 4 Uhr morgens nicht. aufgeklärt, denn um diese Stunde ist er erst nach Hause gekommen. Besonders schwer ins Gewicht fällt die Behauptung Bergers, daß er in der Zeit vom Verlassen des Cafes bis zu seiner Heimkehr weder mit der Jedlicka noch Mt einer anderen Prostituierten in der Wohnung gewesen sei. Mit aller Entschiedenheit bezeichnet ihn die Seifried als dm Wehrmann, der in der kritischen Nacht bei ihr war, Zer internationale ZchMkongreß. In der Sonntagsnmde wurde fast durchwegs erst« klaisstges Schach geboten. Bogoljubow, -er sich seines niedrigen Turm«-' standes zu erinnern scheint, bot seine gewaltige Spielktast gegen seinen LandZmanu A l j e ch i u auf, der im BestrHxM, seine gestrige Niederlage gegen Grün seid wieder gutPlmachcn, scharf auf Gewinn spielte. Bogoljubow wehrte jedoch albe AngrifsSversuche mit mwii'chüttevlicher Ruhe ab und erzwastg im?). Zuae r(m? du -ch Zugwiederholung. Das Damengambit Grünfeld-Wokf vevlief im ruhigen Bahnen. Zwar errang Grünfeld etwas Stellungs- Vorteil, konnte ihn aber, da er in Zeitnot einen gewiirwbrMgen- .den TurmauZtaujch unterließ, gegen die eiser-ne Ruhe fernes Gegners nicht zum Gewinn verdichten, so daß die Partie ans Vorschlag Grünfelds remis gegcken wurde. Dr. Tarrasch eröffnet« gegen Maroczy mit dem Damenbauern und operierte auf den Königsflügel. Dar Ungar verstand es jedoch durch ein Gegenspiel am DamenfliMl seinen Gegner zu beschäftigen, sv daß sich der deutsche Meister zu einem allgemeinen Figurenabtausch genötigt sah, der AemiS besiegelt«. '! DaS Damengambit Takaes-Spielmann vrachtzL> dem Anzichenden anfänglich eine gut« Stellung» u>olch« er jedoch nicht zu behalten verstand und in der Folge auch verlor. Die Sensation des Tages bildet der Samifch **bet Ret i. Sämisch benützte einen fehlerhaften Zug R e t i S, um diesen vor die peinliche Wahl eines sofortigen R^ts oder Wehrverlustes zu stellen. R e t i entschloß sich, einen Durm für eine Figur zu geben und leistete noch längeren, wenn ouch Vevgeblichen Widerstand. Wenn sich nicht wieder eine Ueberraschnng ergeben solltz, wird die Partie Bukovies-Dr. Tartakower droht mit dem Siege des Erstgenannten enden und somit eine zwei» Ueberraschung bringen. Ihrem endgültigen Aüsgauge tvvrd mit großer Spannung entgegengesehen. Unbeendet blieb Äe Partie Köuig-Rubinster«. Rubinstein gewann m einem Bierspringerspiel eine« Dauern und lenkt« folgerichtig in ein Endspiel ein, vessen Gewinn für den Russen nur eine Frage der Zeit sein kann. Stand nach der sechsten Runde: Tartakower 4,6 (H), Aljechin, Grünfeld, Maroczy 4, RulbrNst^rn 4 (H), Wolf 3.5 (H). Spielmonn 3,5, Reti 2,5, Bukovie & 2 (H), Sämisch, Bogoljubow, Dr. TatraschL» Kö"nig 1 (H), TakacS, Kmoch 0. Heute um 2 Uhr nachmittags wird der Großmeister Aljechin im Messepalast gegen eine unbegrenzt« Anzahl von Teilnehmern ein Masienspiel "Veranstalten, zu dem die Spooler ohne vorherige Anmeldung zugelassen werden, * Nohum GoldwMn aus Berlin, der in Wien etrvgetroffen ist, spricht heute um 8 Uhr abends vrn Saa^ 8. Bez^ Benno-Platz 1, über das Thema: „Wozu sind wir Zionisten?" * Aus der Praxis der Wabersche« Justiz. Ein Freund unseres Blattes teilt uns den folgenden Vorfall rstit: Ein armer Flüchtling namens Chaim Niemand aus Galizien, der seit dem Jahre 1914 mit Frau und fünf Kindern *n Wien ununterbrochen wohnt, wurde auf Grund der bekannten Polizei- Praxis auf fünf Jahre von Wien abgeschasfi» Nachdem er Jahre hindurch wie ein Freiwild gehetzt und durch allerlei Schikanen der Beamten geplagt wnvde, et stch endlich in seiner Verzweiflung auf und fuhr nach Galiz'>«u, um dort für sich und seine Familie ein neues Heim andfindig zu machen. Nach einiger Zeit Uchrte der arnre Teufel noch zurück, um sein Wiener Elend zu liquidieren und «nch Bolen zuvückznkehren. Was geschicht nun?! Der Verbrecher. OP seiner Familie zurückzukehren wagte, wird von der Polizei gegriffen, dem Bezirksgerichte Favoriten überstellt u** **<y» verbotener Rückkehr zu l4 Tagen strengen Arrests verurteilt. Man kann sich mm das Schickal der Frau nrir fü«f Kindern vorstellen, denen noch dazu im Gericht« fiebere^ wurde, daß ihr Ernährer nach verbüßter Strafe nerierlich dk» nbergeb-cn und an die Grenze zwangstveise abrtcschoden w«-ede» soll. Solche Justiz wird Testerreich keim twwftwt. Aber der Geist WaberS ist stärker als alle Billigkeit. * Orthodoxes Aniijudentum fr» KarpnihornhIlML. A«4 Kavpcvlhovußland wird uns geschrieen: Seü Huiftei' besteht im.Unserer Provinz ein hebräischer Schudderet«, der es sich zur Artsgabe gestellt hat, in rnqerer kuliurell zurSckU gebliäbenM Gegend hebräische BolkSschul«* « «** BILLIGKEITREKORD AnxugstoffQ, rein Wolle, 140 cm br. K 49.000 0öubl6>83ag8ansf rein Wolle . . K 593.000 Regenmäntel, 2 -a K1S8.090 i Schiffmann II., Taborstraße 48 Tetenhon 47-1-7V En gras kl» detail