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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-20 · Heft 1357 (20.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1357 (20.11.1922)
Date
1922-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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\ MrÄvMmSrL7vv Wi«n: Zum Abholen in der; Expedition, II„T aborstr. 1 *3, i oder in einerVerischleisstelle j(TrafpO monatl. K 30,000 jMit Postveraand für Wien n.; Oesterr. monatl. K 30.000 Ta ehe e ho*SIowak ei: Hon. K 20. Ungarn: Mob, K 600. Jugoslawien: Mon. Diner 30. Polen: Mon. Mb. 2800. Deutschland: Mon. Mark 600. Frank r., Baigien: Mcnatl. Fr«. 8 BW "WW PrdserhStHipyen Vorbehalt«)» ,••>•>! i-W; Sir. 13S7 ...; .- .-i lener ■nnnmMi Wien, Montag, 20. November 1822 Tschechoslowakei v! tschech. K 1.20 Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl 60 Lei bezw. Lewa Schweiz ünd da« übrige Ausland monatlich FrCs, 3.. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19^ ab o Uhr abends 16-301 Tel.-Adr.: ,Morgenzeitung‘l Wien , Oesterreiehisches Postspap' hassen-Konto Nr. 150.69i 4. Jahrgang Zer Sultan abgesetzt. Prinz Wdnl MedlU» znm Kaftse« rMSHlt. Kon ftau tiuovel. 19. November fKavas.^ Die Nationalversammlung hat den Erbprinzen Abdul Medjid zum Kalifen gewählt. Die Feier der Investitur wird morgen stattfinden. Kouttantiuovel. 18. November. i^Reuter^ Infolge der Flucht d e s S u l t a n s wurde die Nationalversammlung zu einer Sondersitzung einberufen. Die Regierung von Ängora hat von R e f e t Pascha ^luflläruug.en über die Flucht des Sultans verlangt. Man glaubt, daß die Nationalversammlung den prasumpLiven Erbprinzen zum Nachfolger des Sultans wählen wird. Kvrtwantinovel, 18. November. (HavaS.) In musclmanstcben Kreise» wird erklärt, daß der Sultan, durch die Tatsache seiner Flucht allein a!S abgesetzt zu betrachten sei, da die Vorschriften des Korans bestimmen daß jeder Kalif, der sei n e n P o st e n verlasse, um' sich ans christlichen Boden unter iremdl ä n d j s ch e v S ch u tz zu slüch ten, ipsoknoto für ab gesetzt zu erklären sei. BorschKgr im die Türke«. Paris, 18. November. Nach der Beendigung der Pariser Konferenz von Vertretern Frankreichs, Italiens Und Großbritanniens betreffend die Orientfragen, veröffentlicht die ÄMce Habas'eine Erklärung, worin e$; heißt: Die Konfirmz hat die Vor schlüge festgesetzt, die manchen Türken machen wird; die Delegierten haben sich jedoch vepflichtet, u n b e d i n g t e S S t i I lschwe i g e n über ihxe Haltung zu bewahren. Die Agenee HavaS ffüg^hmMi'-He' Bor'chläge w e d er rtn a u da W a r n und werden Iren An(aß zu Beratungen bilden. Wir badendie in der. Resolution vom 23. September 1922 enthaltenen Bedingungen' und die Durchsührun'gsmodaljtättn für ihre Verwirklichung präzisiert und fertig^stellt. Am Schluffe der Zu'ammenkünft, die einen außerordentlich herzlichen Charakter trug, betonte MimsterPMident Poinears das E i n'v e r n e b m e n, das sich zwischen den Alliierte« g e f e st i g t habe. Lord C u r z o'n beglückwünschte sick zU dem Einvernehmen nnd erklärte, er zweifle nicht, daß die französischen und italienischen Delegierten in Lausanne vom gleichen Geiste beseelt sein würden. Marquis 8rewe — Botschafter ln Pari». London, 19. November. (Reuter.) An Stelle Qorb H a r d t n g s ist Marquis C rewe zum B ö t- 'i ch a f t e r i n P a r i s ernannt worden. M dsotschaatioaale« lluiverNAseWsie in Prag. ^enlsche Sludenteu als BstMellee t« ischechrsche» Aedatttonen. Pr g, 19. November. Wie man e führt, sind in den ersten Tagen des Universitätsstreites Deputationen d e u t s ch v ö l k is che r Studenten in den Redaktionen der t s ch e ch if ch r a d ika! en Blätter erschienen, um Beistand für ihre Aktion zu erbitten, wobei sie hervoihoben, daß Deutsche und Tschechen eine gemeinsame Front gegen die Inden bilden müßten. Die Bittsteller wurden von den tschechischen Redaktionen mit H o hu und Spott abgewiesen. Die tschechischen Journalisten machten dtn Deutschvölkischen klar, daß sie für derlei Schamlosigkeit ke'n Verständnis haben. — Das „Prager Tagblatt" bemerkt dazu, die jungen Deutsch« völkischen würden früher oder später doch als Söldlinge im tschechischen Staatsdienst uvterkriechen, sie hätten sich die voreilige Reverenz und die Fußtritte ersparen können. Gestempelte Krone —.0075 ßentlmes. Amzahlnng Wie» — —.8673 krntimes. Sn Zürich notierte die österreichische Kronr... 0.0073 , (0.0073 am 18 Nov.) die Wer?, gestempelte Krone. 0.007S. <0.0075 am 8 Nov.' die lschöchische Krvne . . .1720, (17/85 am 18 Nov , die Mark. . . . ä . . bO?jt { 0.07V« «n 18 Nov.) Anrom ... . .SIS, ' <LlS am 18 Pdp. Ä ftorsst . . » ° . 2.45/ .s?J50 am lSlffibo.) Sofia;• * . . L85 " ’( 38$ •' am 18 Nov. Budapeft . O.sSV, (0.321, am 18 Nov. i Marschau./.^,.. . ... . . 0.02'L <0.0SV. m 18.Nov? Sie einige Mente. SU Wimmrnkimft MMoM-Lsrd Kukron-Poimare. 8m Geiste herzlicher FreuadMaft... Lausanne, 19. Dezeucher. (Havas.) Cnrzon und Pomoare sind um 6 Uhr 25 Mi«, abends hier angvkommon und wach' oiitet halben Stunde "nach Tervilet wÄtevgeveist, wo sie um 8 Uhr abends emtrasen. ,Die M in Per wrvrld-en im Bahnhof von .' Mussolini begrü^t. Nach einer Privatdespnechun-g der drei Mi- > mstcr in den Gemächern A^rssolmis trat die mtevallnert-e KonfeDLnz' in Anwesenihett der- Dellsgatiomn zusumm-en. Die drei Minister werden sich noch, abends nach Lausanne begeben. Poincane, Cnrzon und Mussolini find um 11 Uhr 15 Min. nachts ans Tevritet in LÄrfanne eivgvtroffxm. Nach Abschluß' der ersten Besprechuagen in TevrÄet wuivde fo^mides Communique veröffentlicht: Poruocrxe, Cm'zon und Mussolini bestätigten den gemeinsamen Entschluß, im Geiste herzlichster Freundschaft und auf der Grund-, läge Vollkommener/Glerchheit unter den Alliierten alle Fragen, die auf der Lausanner Konferenz zur Behandlung gelangen werden, der Regelung zuzuführen. Die drei Minister werden noch am 20. d., vormittags, wahrscheinlich m Ouche, eine sprechung haben. Jas britische Memorandum al« GwMWe.^ Territet» 19. November. (Havas.) Ministerpräsident Mussolini erklärte vor der Zusammenkunft mit Curzon und Poincare gegenüber Pressevertretern: Wir werden zunächst das Problem der Entente erörtern und vornehmlich die Stellurrg Italiens in der Entente. Ich werLe an der Eröffnungssitzung der Konferenz nur teilnehmen, wenn nach französisch-englischem Meiuungsauswusch ein Einvernehmen unter den Mirerten erzielt wird. Das britische Memorandum bildet die Grundlage der Einheitsfront der Entente, aber gewisse Punkte bedürfen der Klärung. Mussolini ist dafür, daß Rußland zu allen Arbeiten der Konferenz zugelasfen werde: Die Bedingungen der Türken werden sorgsam geprüft , werden. Italien hält sich an das Abkommen von Mudanio. Zum Schlüsse betonte Mussolini, daß die abends statt findende Unterredung von höchster Bedeutung für den Bestand dei Entente sein werde. Sie RegiemngsMse in SeutschlaM. Kuno neuerlich mit der KabiAettsSildung bettMt. Berlin, 19. November. Anschluß an die Ueberreichung ^MeM'^SchMkWS GiWMat5 C u n o,. wie die Blätter berichten, eine'Unterredung mit dem Reichspräsidenten, in der die Möglichkeiten erörtert wurden, nnter denen C u n o noch m a l s d e n V e r s u ch e i n e r K a b i n e t t s b i l d.u n g machen solle. Es Wurde beschloffen, die Parteiführer zu ersuchen, einzelnen Mitgliedern der Parteien, wenn das Anerbieten zum Eintritt'in das Kabinett an sie ergehen sollte, ihre Stellungnahme freizUgeben. Diese Frage hat bei den Besprechungen mit den Parteiführern eine besondere Rolle gespielt. Während die Vertreter der bürgerlichen Parteien im allgemeinen damit einverstanden waren, wies Hermann M ü l l e r.als Vertreter der Sozialdemokraten aus den bekannten Fraktionsbeschlutz hin, mit der Deutschen Volkspariei nicht zusammenzugehen. Die Entscheidung müsse der sozialdemokratischen Fraktion Vorbehalten bleiben. Die Vertreter der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft machten ihre endgülttge Stellungnahme von dem Programm der neuen Regierung und der Politik, die sie befolgen wird, abhängig. Die Besprechung endete mit dem offiziellen Ersuchen des Reichspräsidetzteu an Cuno, den Versuch, ein neues Kabinett zu bilden, w e i t e r z u f L h r e n. Die Sozialdemokraten w» mcht mit. — G» MstMches Kabinett. Berlin, 20. November. Wie die Blätter melden, hat gestern eine Zusammenkunft führender sozialdemokratischer Politiker stattgefunden, die zu dem Ergebnis kam, daß die Sozialdemokraten die große Koalition nach wie vor ab-< lehne n. Ein solcher Antrag soll der heute um zwei Uhr nachmittags abzuhaltenden Fraktionssttzung unterbreitet werden. Sollten die Sozialdemokraten an ihrer ablehnenden Stellungnahme weiterhin festhalten, so werde, wie die „Montagspost" berichtet, der Reichspräsident einen Führer der Arbeitsgemeinschaft der Mitte mit der Bildung einer Minderheitsregierung betrauen. Der „Lokalanzeiger" berichtet, haß noch im Laufe des ' gestrigen Abends, als das Ergebnis' der sozialdemolratischeu Sitzung bekannt wurde, die Führer der bürgerlichen Parteien. sich miteinarcher in Verbindung gesetzt hätten. Nach dem Ergebnis dieser Be-jpvechlmgen sei anzunchmen, daß. zwischen der deutschen Bolkspartei, der bayrischen Volks-' Partei, dem Zentmm und den Demokraten ein Einverständnis darüber erzielt werden wird, ein bürgerliches . Kabinett der Mitte M bilden.' Ob es' sich um^ein üöerparlamentarischeS oder ein Politisches Kabinett handeln würde, laste sich noch nicht sagen. Es stchs fest, daß' Gehermvat Cuno der Zusimmmna drefer Barteisv sicher fein Vnne. DmMlimd aa Polmarr. ' Bern«, Ä. NÄ-inirr. (WoW I« eimrWM deutschen Widerlegung der Behausungen des französischen Ministerpräsidenten Poinearerüber die verschwenderische deutsche Finanzpolitik heißt es unter anderem, die Zahl der Beamten sei hauptsächlich infolge her Durchführung des Friedensverträges und durch die Schaffung des Ausgleichsamtes und der Diehablieferungskommrssion außerordentlich gewachsen. Außerdem sei ganz automatisch durch die Umwandlung der Eisenbahnen in Reichseisenbahnen und den Ausbau der Steuerverwaltung eine große Zahl früherer Landesbeamter Neichsveamte geworden. Immerhin sei die Zahl der Beamten in der letzten Zeit erheblich vermindert worden. Trotz der Erhöhung in Papiermark seien die Beamtengehalter ständig zurückgegangen. Derselbe Beamte habe im Fahre 1914 7290 Mark, gleich 7290 Goldmark mit einer inneren Kaufkraft von 7200 Mark, im Fahre 1922 dagegen 840.000 Papiermark, gleich 1100 Goldmark mit einer inneren Kaufkraft von 2200 Mark erhalten. Die Steuern seien immer eingehobeu worden, und zwar im Fahre 1918 beinahe 6 Milliarden Paplenyark, im Fahre 1922 bis 31. Oktober beinahe 188 Milliarden Papiermark. Me Festbesoldeten bekämen sofort 10 Prozent vom Gehalt abgezogen und alle Steuerpfltchtigen müßten auf Grund der vorjährigen Verrnllaznug Vorschüsse zahlen. Der deuffche Handel sei im ersten Reparationsjahr 1821-22 mit 1,9 Milliarden Goldmark passiv gewesen und habe auch Yen Weltmarkt nicht wieder „erobert", denn die Ausfuhr betrage ein Drittel der Vorkriegsaussuhr. Wenn die Arbeitslosigkeit in Deutschland verhältnismäßig gering sei, so komme das daher, daß viele früher vorteilhafter im Ausland gekaufte Waren im Inland hereestellt werden mußten. Trotzdem nehme die Arbeitslosigkeit zu, weil die deutsche Industrie die Rohstoffe und die A r - e i t s k ca st e nicht mehr be-ahlen könne. Die Einfnhreinschrankungen würden durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages, durch Las Loch im Westen und die Deutschland ausgezwuugene c..bJci* tige M'.'is1beaünsiiglrng unmöglich gemacht. Uebcr die „s k a n d a l ö s e P r o s p e r i t ä t" der deutschen Fpdustrie sei zu sagen, daß im August 1922 die durchschnitilicheu Kurswerte der deutschen Aktien 837 Milliarden betrugen, ihr Goldwert dagegen 3,25 Milliarden mit einer Durchfchnittsdüidmde von 20,38 Prozent Pa, iermark, gleich 1,85 Prozent in Goldmark, gegen serbs Pro-ent vor dem Kriege.! Gegen die Legende vom „absichtlichrn Bankrott" Deutschlands habe schm Loucheur im „Homme Libre" geschrieben, daß diese falsch sei. Weiterhin erlläre P o i n e a r e, daß die ftanzösische Regierung mit Bückückt aui Belgien und um die Lö-

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