Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-11-19 · Heft 1356 (19.11.1922) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1356 (19.11.1922)
Date
1922-11-19
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980436--12895-2999489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Gerte 10 ^. , Wien, Sqnntag - tische Tvaurrllcmd rn berückender Pracht, und tveun noch > »Das Poilische Jirtgel" Jdnetzkis die Kehrseite chassrdischen MarthnirmS zeichnet, so ist es schon Mendele, Dinesohn und vor allem Perez, die im CchassvdisMs einen Urquell des jüdischen Mythos herausftihltem Der Witebsker Maskil, ver inr Russischen Wurzel schlug und einst in einem RevollrtionZljede dem Judentum eine Grabrede hielt, drang ins chassrdische Löben mit dem Rüstzeug eines Folkloristen, und . vre rationalistischen Terchenzen mnschatteten allzu oft das Schöpferisch-Visionäre des Dichters. Voll wühlender Unruhe und .hast erblickte er im Chassidisnms ein Phänomen steter Wandlung des jüdischen Geistes, und das urwüchsige, sprudelnde Leben der Chassidinr wird allzu sehr überwuchert so» einem Sammelsurium religiös-mystischer Gebräuche, > Voimwts mch Weisheiten. Das Verborgenste konnte der Maskil nur mittelbar , erfassen, und so ist es erklärlich, daß An—ski in chassrdischen Novellen, wo es ausschließlich auf bas Intuitiv-Schöpferische imkommt, trocken und lehrmeisterisch wird mvd kaum an das Durchschnittsmaß künstlerischer Reife heranveicht. . Der Maskll kehrte, vom Humanitätsdünkel ernüchtert,;ur Jeschiwrh zurück, doch blieb er an deren Schwelle yafteir. An—M „Tag und Nacht" blieb ein Torso, mrd dessen ,Dybuk" ist oh^c ein bühnewechmsch ausgebautes Epos als '.in Drama aus innerer Notwendigkeit. Auch die Probleomtik ist kaum einheiüich. Das Problem der Buße wird vom Problem der Seelenwanderung übertönt, die kabbalistische Pvaexistenz der Seele wird durch die Lehre einer Bestimmung ins Deterministische verzerrt. Der Zaddik im „Dibuk" durchbricht überlebensgroß das dramatische Gerippe und wächst undernmtet zur zentralen Figur, und der tiefste Sinn der Pogrome in „Tag und Nacht" wird getrHs durch üne Liebe, die in Sünde ausartet. Aber das Ganze ist ein Kolossalgemälde von einheitlicher, herauschender - Lebensfülle. Tiefe Weisheit eines Lebenswanderers und Jubel eitler hermgefundenen Judenseele rrktingen in einer wundervollen Symphonie, die erst im vollen Zusammenklang wirkt. Uralte Judenträume werden «vach, und das Schlugen chassidischer Aielodien ergießt sich wie ein Tränenmeer jüdischen Lords. Im Weltbild An—skis spiegelt sich der jüdische Mikrokosmos. Das „Ejn Sof" des Sobar überflutet uferlos den Mythos eines uralten Gottesvolkes und erzittert ahnungsvoll im entwurzelten Geschlecht wie ein Rauschen ewiger Wiedergeburt . . . - Dr. Z. F. Finkelstein. FestvarMnng der WUnaer Tnrpve. ' Anläßlich des Todestages von Sch. A n—s k i findet morgen, 7 Uhr, eine Festvorstellnng statt. Nach einer einleitenden » Gedächtnisrede gelangt der erste und der zweite Akt aus des Dichters >Tag und Nacht" , und der erste Akt aus „Der Dybuk" zur "Aufführung. Da, die Kartennachfrage außerordentlich groß fit, empfiehlt es sich, ^Karten im Vorverkauf zu besorgen. Zuspätkommende finden erst nach dem Aktschluß Einlaß. Aus dem BmMeater. In: Burgtheater wirb gegenwärtig Fritz v, llnruhs ,.L o u i 5 F e r d i n a n d D o n P r e u tz e n" geprobt. Die Prem'e/e findet Mitte Dezember statt. — Zn den Spielplan der K a mm erspiel e (Akademietheater) wird den:n5chst Georg Kirschfelds länge nicht gespieltes Stück „M ü t t e r" ausgenommen. GastsW Paul Wegener. (Renaissaneebühue.) In Sndermanns „Raschhoffs" setzte PcmL^ Wegener fern. Gastspiel fort. Seine prachtvolle schauspielerische Leistung als kerniger ostelbischer Landbaron haben wir im Vorjahre gewürdigt. Auch die sonstige treffliche Darstellung des schlechtest Stückes, um die sich in den Hauptrollen die Damen Garden und L v o vs k i sowie Herr Archer besonders verdient machend Wegener wurde wieder sehr gefeiert. Im Carl-Theater feierte gestern Kalmans siegreiche Operette „Die Bajadere" die 360. Aufführung. Ls gab Btumenspenöen, ungezählte Kervorrute und Wiederholungen der beliebten Geianpsnummern. '• Haruach, Vereinigung jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler. Am Montag den 20. d., 7 Ähr, findet im Rahmen des Gastspiels der Wilnaer Truppe anläßlich des Todestages Sch. An—skks eine Fe st Vorstellung statt, zu der die Mitglieder eingeladen werden. Es gelangen zwei Akte von „Tag und Nacht" und ein Akt des „Dybuk" zur Darstellung, denen einleitende Worte des Direktors M. Mazo vorausgehen. Preisgekrönte Chor-Kompofttionen. Die fünf Preisrichter des Wettbewerbes' des Oesterreichischen Musik- und Sangesbnndes für Mannerchor-Kompositionen haben vier Ehrenpreise und sieben ■ Anerkennungspreise zuerkannt. Es liefen 188 Chorwerke ein, von denen die folgenden mit Preisen ausgezeichnet wurden: „Stimmen der Nacht", für zwei Männerchöre, Soli :md Orchester, Dichtung von Fritz Lampl, von Dr. Anton Gatscha (Wien), 1. Preis: 100.000 K.; ,Jupg Dietrich", Gedicht von Franz Goltfch, Ballade für Männerchor, Soli und Orchester von Heinrich Müller (Wien), 2. Preis' 60:000 K.: „Ode an den Tod", Text von Hölderlin, für Männerchor und Orchester von Felix W o y r s ch iAttona), 3. Preis: 40.000 K.; „Mein Trinklied", Gedicht von R. Dehmel, für Mannerchor, Soli und Bläserorchester von Fidelis F. Finke .(Prag), 4. Preis: 20.000 K.; Anerkemiungspreise (je 10.000 K.) wurden zuerkannt: Karl Siebet' (Brunn aM Gebirge), Gisela Selden^Goth (Berlin), Eduard Funck (Flensburg), Karl Sleinhauer (Obechausen, Rheinland), Heinrich Schöny (Wien), Rudolf Krause (Wien), Gustav Grube (Wien). ' Am de« Theatern. * > 3m Burgtheater gelangt am Dienst: d i o ifgehobeuem Sohresobonnement zu erhöhten Preisen die dramatische Ltjtorie^verjünge Medard«»" von Artur Schnitzler _Wiener Morgenzeitrurg.___ Roland-Bühne (Freie }iid. Volksbühne) Ertsemble-Gasfspiel der WILNAER TRUPPE Heute Sonntag, 19. November 1922, 7,3 Uhr nachmittags Schwer zu sein ein Jud Komödie von Schalom Alejcliem. 7 Uhr abends DER DYBUK ‘ä Dramatische Legende in 3 Akten von Sch. An—ski 9822 zur Äuffilhruna, Sn diesem Stück wirkt sali das gesamte Solopersonal mit. Anfang 6 Uhr. s Im Akademietheater wird morgen der Schwank „DerRaub der Sabine rinnen" gegeben. Anfang V,8 Uhr. In der Dolksoper geht beute „8 o f) e n fl 11 n“ in Szene. Dirigent: Dr. Wei'ich. Morgen gelangt unter musikalischer Leitung von lk. Maffini ,T v s e a" m t Kammersänger Rickard Taubex von der Dresdner Swalsvper als Cavadarvifi zur 'stuffükrung. Fm Deutschen Volkstheoter wird als nächste Neuheit S. R. Le>ormands Drama ln 14 Bildern »Die Namenlos ni“ unter Brost ssor Mar Reinhard!« Leitung und mit Kelrne Th'mig und Ferdinand Onno in den führenden Rollen vorbereitet. Es haben sich bezüglich dieses Werkes Zensurschwierigkeilen ergeben, doch wurde dasselbe slrichlos. aber mit Ausschuß des Besuches von Jugendlichen unter 16 Fahren zugelaffen. Sm R a i m u n d»T h e a t e r gelangt heule das Schauspiel „Der Schatten" mit Tilla Durieux zur^Aufführung. Nachmittags, 7,3 Uhr, wird im Rhmrn der Wiener Kammeroper „Rigolet t o" in Szene gehen. — Die nächste Aufftihrung von Eerhart Kauptmanns Schauspiel „Die Weber" ist für Mittwoch den 22. d. angesetzt. In den Ä a m m e r s p i e l e n beendet Ferdinand Äonn sein Gastspiel heule Sonntag in der Börsenkomödie ,,S i m» s o n. Morgen und Dlenstag gelangt das Lustspiel „D i e beiden Zerren der gnädigen ^rau" »ur Aufführung. — Als nächste Novität wird die Komödie „Kleine Sklavin" von Diehentä midi oordereiiet. D;e weibliche Hauptrolle spielt Kilbe Wagener vom Berliner Lessing-Dheater als Gast. Im Theater in d e r I o'f e f st a d t oerb'etbi das Lustspiel „C a s a n o o a s S o h n" auch die kommende Woche allabendlich auf dem Spielplan. Nur Di.msiag den 21. d. findet erne einmalige Unierbrechung iiait. Zur Dafllellurq gelangt im Eirindderg-Zyklus „Mutterliebe^ und „G e s p e n st e rs o n a 1 e" von August Sirindberg. Fn der Aenaissaneebübne findet Dienstag den 21. die Uraufführung von Ludwig Kirfchfelds Thea'erst'ick „Spiel der Sinne" iiatt. In diesem Stück eröffnet Reinbold Schün>.el ein Gastipiel. — Paul Wegener beendet sein diesmaliges Gastspiel an der Renaiffancebiihne morgen Montag in „D a t e r" von SIrmdberg. Im Carl-Theater gelangt heute Sonntag nachmittags 3 Uhr. bei ermäßigten Prei en C. M. Ziehrers populäre Operette „Die drei Wunsch e". neu einstudiert, zur Aufführung. Im T h e a i e r a n d e r W i e n beginnt morgen eme zyklische Aufführung iäm licher Loha.-Dperetlen mit Lutie Kariousck, Betli Fischer. Lubert Marischka sowie den Gasten Maria Redl, Maria Ferok und den Kammersängern Albert Oestvig, Richard Tauber und Louis Treumann. Erster Abend Luftige Witwe" (Betti Fischer, Kubert Marischka). In Wiener Komödienkaus findet heule um 7,3 Uhr nachm'itags mit Doktor Josef Bergauer eine Ausführung des Volksstückes „Mein Leopold" von L'Arronge statt. _ Mchereinlauf. Max Brod, „Franzi" oder „Eine Liebe zweiletr Ranges"/ein Ronran. Kurt Wolsf-Berlag, München. Hoffmanus Erzählungen, die Vorlagen zur. Lfier Offenbachs, cin'geleitet von Max Mell. Donau-Verlag, Wien. Sippurim, Prager Samnt lung jüdi scher^ Legenden, in neuer Auswahl und Bearbeitung. R. Löwit- Verlag, Wien, und Leipzig. ’ Zar Worischr «iMm. (Zur Uraufführung der „Siegerin" im Stabttheater.) Vorige Woche hatte Wien den Sensationserfolg eines Stückes aufzuweisen. „Die Siegerin" behandeltnnt einigen dichterischen Freiheiten den geschichtlich bekannten Aufstieg des livländischen Bauernmädchens Martha zur Zarin Katharina der Ersten, der Gattin Peters des Ersten. Die Darstellern: der Titelrolle, Frau Erika Wagner von: Deutschen Volkstheater, hat hier znm ersten Male den Sprung zur Operettenbühne getvagt. Aber nicht nur das ausgezeichnet Spiel von Frau Erika Wagner, Frau Olga Bartos- Trau und den übrigen Hauptdarstellern hat dieses Stück zu seinen: großen Erfolge geführt, sondern vor allem auch die ganz ailßergewöhnfich schönen historischen Kostünde, welche von entern unserer führenden .Häuser geschafferr wurden. Der Laie wird sich kann: einen Begrifi davon machen, wiaviel Eindringen in die Kulturgeschichte jener Feit notwendig fit, um ein solches historisch richtiges und zugleich hannonisches Gesamtbild zusammenzubringeu. Frau Lisa Bojko, /eilte der jungen (ifc. ' Uten des Hauses und ehemalige Schülerin wes akadenüsch: Malers Professor Friedrich, entwarf mit Zuhilfenahme der rei^.'altigen Bibliothek des -Hauses sämtliche Danlenkostünte, an-gesangen von den schmucken Trachten der livlärtdische:: Bauemmädchen bis zu den prunkvollen Gesellschaftskleidern der Herzogin von Livland/und Zarin. ‘ Ein unendlicher Charm eignet doch diese:: Stilkleidern. Wollte man zwischen,dem modernen Gesellschaftskleid u::d dem der Schönen zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts eine Parallele ziehen, so fiele der Vergleich zu ungunsten uuserör jetzigen Mode aus. Ter Reisrock,' der als Alltagskleid der modernen Frau undenkbar ist, wirkt, wie man sich diesmal überzeugte, bildhaft schön und ist so recht die Folie weiblicher .Jugend und Anmut. Man denke bloß cn: das reizende Zosenkloid, das Frau' Partos-Trau im zweiten Akt trägt, eint einfaches Taftkleiochen i-n zartrosa Pastellton, mit schmalen, goblinblauert Samtbändern in.Längsstreifen llenäht. Die Effekte, die Frau Erika- Wagner in ihrein Schleier-' kostüm erzielt, sin-d von unbeschreiblicher Schönheit. Aeußerst interessant ist, zu beobachten, wie eine Dame von Welt atls der frühen Rokokoepoche ausüeht, wenn sie ' ihren Geliebten evwartet, wie und in welcher Toilette sie die Honneurs rnacbt. _19. November 1922 _ Nr. 1356 wie sie von Stufe zu Stufe steigt, bis sie ihr Lebensziel erreicht. In einen: wundervollen, veilchengetönten C.npfa«gS-. kleid aus dem seidigsten französischen Gewebe, dem sogenannten Fulgurant, singt sie die Barearole. „Sündige glühende Päonien". Den Höhepunkt bildet die flitterizhersäte weiße Brokattoiletie des dritten Aktes, ein prunkvolles Königskleid, dessen goldbortierte Panmers besonders interessante Linienführung zeigen. Es ist ein großer Erfolg den Chefs des Hauses C.. Bojko, welcher auch von nicht zu unterschätzender Volkswirtschaftlicher Bedeutung ist. Schon heute sind zahlveichß Bestellungen ausländischer Bühnendivektoren eingelangt, so daß dadurch trotz der sonst allgemeinen Stagnation für eine große Anzahl Arbeiter dieser Branche reiche Beschäftigung geschaffen wird, ganz abgesehen davon, daß auch die Privatkunde natürlich viel lieber dorthin geht, wo sich moderner künstlerischer Geschmack mit der Technik harmonisch verbindet. , o Gerichtssaal. Der gekaufte Taufschein. Der Bautechniker Karl Gstettner hatte im Dezember 1Y18 unter dem-falschen Namen Robert Popp, Straßenbahner, ein junges Mädchen "geheiratet, das er kurz zuvor in einem Kino kennen gelernt hatte. Bei der Trmmng in der Pfarrkirche in Hernals hatte -er einen am Neubaugürtel gekauften Taufschein auf den Namen Robert Popp vorgewiesen. Als er nach zweijähriger Ehe plötzlich^ verschwunden war und die Frau bei der Polizei nachfragte, erhielt sie die Adresse des Straßeltbahnangestellten Robert Popp, entdeckte aber, d^ dies ein ganz anderer Mann war und daß ihr Gatte sich seiner: Narnen und seinen Stand angeeignet hatte. Sie brachte daher eine Klage auf Ungültigkeit der Ehe ein, da ihr Mann nicht derjenige sei, den sie zu heiraten beabsichtigte, daher auf ihrer Seite ein Irrtum in der Person vorliege. Der mittlerweile wieder aufgetauchte Gatte beantragte die Abweisung dieser Klage. Er wolle wieder mit seiner Frau leben und dieser könne es egal sein, ob er Karl Gstettner oder Robert Popp heiße. Er habe sich den falchen Namen nur deshalb bergelegt, weil er minderjährig war und sein Vater zu dieser Eheschließung seine Zustimmung nickst gegeben hätte. DaZ Zivillandesgericht erklärte die Ehe für ungültig, weil di« Braut sich in ei::em Irrtum in der Person des Bräutigams befand und weil das Aufgebot fehle, denn ein Aufgebot unter falschem Namen sei so viel wie gar teil: Aufgebot. Die dagegen eingebrachte Berufiu:g des Ehebcnrdsver- ». teidigers Dr. Adolf E t t i n g e r stützte sich bei der gestrigen Verhandlung vor dem Oberlandesgerichte darauf, daß nur ei« Irrtum in der physischen, nicht aber in der bürgerlichen Person vorliege, dein: sie sei mit ihrem wirklichen Verlobten vor dem Pfarrerr erschienen. Der Berufungssenat (Vorsitzender, Hofiat Dr. P a w l i k) bestätigte das erstrichterliche Urteil, weil sowohl ein Irrtum der Braut in der Person -des Brautigcin:s als auch Mangel des Aufgebotes vorlag. Das Aufgebot unter falschem Namen entspreche nicht den Erforderwissen des Gesetzes. " ' Raubmord an eitterßeörerin. Vor dem Schwurgerichte des Lan-desgerichtes 2 begmni morgen vornüttags ein für zwei Tage anberamnter Prozeß gegen einen in Ungarn garnisoniert gewesenen Wehrmann, den 23jährigen Franz W e r h o s ch aus N-euhodis im BurFLn>- land, der beschuldigt erscheint, am 18. Februar d. I. auf der Straße zwischen Weiden und Neuhodi bei Oberwart die Volksschullehrerin Josefa Holzmann durch einen von rückwärts abgegebenen Pistolenschuß gelötet und die Leiche des Bargeldes und der Schuhs beraubt zu haben. Dm Vorsitz in der Verhandlung. wird Vizepräsident Hoftat Dr. Biziste führen. Die Anklage vertritt. Staatsanwalt Dr. Jocham, als Verteidiger fungiert Dr. Hans Anton Kraus. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaale des Landesgevichtes 1 statt. Der Schmnü der Frau MNer-Mchholz. Im Hause des Großindustriellen Mller-Aichholz wnrZx am 4. Juni ein großer Einbruch verübt und Schmuckgegeusiände im Werte vop über 80 Millionen Kronen entwendet. Der Verdacht, an dem Diebstahl beteiligt zu sein, richtete sich sofort gegen die bei Frau Miller-Aichholz bedienstete Hausgehilfin Auguste Wallensdocfer, mtb nach anfänglichem Leugnen gestai:d sie, daß ihr Geliebter, der 28jährige Klavierspieler Josef Marek, der Täter sei. Auguste Wallensdorfer behrichtcte. aber, sie habe den Diebstahl nicht geplant. Marek sei eines Tages, während Frau Miller-Aichhholz einige Tage von Wim: abwesend war, in die Wohnung gekommen und habe sie unter Drohungen veranlaßt, ihn: den Aufbewahrungsyrt für Schmucksachen zu verraten. Cr habe dann die wertvolle Beute fortgetragen. Bor einen: Schöffeusenat unter Vorsitz des Hofvates Dr. Kubesch hatten sich heute Josef Marek wegen Diebstahls, Auguste Wallensdorfer wegen des gleichen Delikts, die Frau des Marek, Helens Marek, wegen Diebstahlsteilnehmuüg und Veruntreuung, der Schneidergehilfe Emst Enderle wegen Be« tritges, der Golparbeiter Karl Läufer, -der Privatbeamte Bemhavd Singer und der Uhrmacher und JuwelenhäMer Otto Singer wegen Hehlerei zu verantworten. Die Verhandlung wurde in später Mendstunide zu Ende gefiihrt. Das Verfahren gegen die nicht erschienenen Auge, klagtei: Bernhard Singer und Karl Läufer wurde ausgeschieden. Der Angeklagte Otto Dinger wurde freigesprochen, die übrigen Angeklagten wurden verurteilt und zwar: Josef Mare» wegen Diebstahls und Veruntreuung zu ' sechs Jahren, Auguste Wallensdorfer wegen Diebstahls zu sechs Monaten schworen Kerkers,. Helene. Marek wegen Dieib stahlsteilnehmung zu fünf Monaten einfachen Kerkers, welche Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurd^ Fva-nz Enderle wegen Veruntreuung zu einem Morrw - Arrest, bedingt. Auch diese Strafe erscheint als durch dß Uutersuchungshast verbüßt, - - *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.