Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-11-19 · Heft 1356 (19.11.1922) · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1356 (19.11.1922)
Date
1922-11-19
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
80% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980436--12894-2999488
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

M. tSÜÖ —— -T Wien, Sonntag Wkener Mv^genzeitung Turnierarena uwzus-sMen. Gestern war besonders hartnäckig die Partie der Großmesirr A 1 j e ch i n—G rünfeld E tagert. Noch einem einleitenden scharten FigurenaepiLnkei brachte ■'M U * A i ti seine Türme überraschend in Drohstellung. Während wohl jeder andere den Kopi verloren hätte, verstand es G r ii n« seid durch umkichiigrs 6p>el den Abtausch des die offene ck.Ne'de beherrschenden feindlichen Turm zu erzw'naen und im W.'ilerhr Verlauf den zweiten Turmes gegen e ne leichte Figur zu gewinnen. Die Partie ist zwar zur Elim de noch nickt beendet, doch Kann ihr Ausgang nicht mehr zweifelhaft sein. Dr. L a r r a s ch gelang es als ersten dem ungestümen Sieges, tauf Dr. LartaKowers Einhalt zu imi, indem er ein YchotlisÄes Spiel zu rsmis führte. Reich an spannenden Momentan war auch die Parlje R u b i n st e i n—V u K o v i ch. Rubinstein spielte in der a'tbekannlen uäd ausqef."Mae Culheon- Variante einen ganz neuen Zug^ (6. g2-gS) und erlangte dar überlegene Spiel. Gleichfalls unbeendel ist die Parlte T p i e l-> -m^nir—S ämilch tn ungefähr gleicher Stellung. A e t i hak in seiner spanischen Partie gegen K in o ch zwar einen Bauer «robrit, er wirb aber noch einm schweren Kampf Kosten, die Paiiie zu gewinnen. Die siziltanifch behandelte Varste W o l f— TaKacr geht ung^sähr gleich. Die Aur'olimg des gestern begonnenen ^amcnkurnier ergab folgende Reihenfolge: 1. Leonore Manzvni. S. Olga Gkilich, 3. Ioiestne Pohler, 4. Gi'ela Kamm, S. Kella Ludwig, 6. Maivine Stern, 7. Paula Kalmar, 8. Kermtne Tauber!. s. Marie Engel. 10. N. Pnboda. Die erste Parjie ia diesem Turnier gewann Fräulein Leonore Manzon, gegen ^rau Pnbvdo, nach einer Dauer von LS Minuten. Gleichfalls siegreich konnte Frau Stern gegen Kella Ludwig debemtz/ Als nächste Veranstaltung zu Ehrender auswärtigen Gäste wird Freitag den 24. d. in der V o! k s v p e r die ,.B ogegeben. Den KV eunnkt des Kongresses wird die gegen Ende November stotifindende Theaierauffichrung bilden in deien Rahmen eingeiitgt drei Schachpartien mit lebenden Figuren susaeiührt werden. Auch am S. Dezember wird eine großgrlige Gchachreunivne .mit lebenden Figuren stattfinden, bei der erslkiasstge Wiener Tarzkiinstier Mitwirken werden. l, 0 oreftiBecg a sse 17 Hr. 16 Verstetgerung«-Ej81 t@HIIfür 14Taqe ISOfflimm der Versteigerungen, wo nichts «Ä IIkn .anderesvermerkt, nachmittags um ** jedoch ab Mo 27. XI. im Ludwlfestorff-Saal täglich von V-3 Ms1.7 Ühr. Täalloh. ausgenommen 22.. 23., 24. XI. Pretiosen ieden Dl Silber u. Chfnasllöer; Ml 29. Xt Brtllantanu. Perlensolimuoki Präzisionsahren Ke'tcn u. s. w.; Do So. XI. Verfallene Pretiostnpfänder der Pfandlelhnnstaiteir I.Winplingersträsse 24 bis 26, 1,. Woilzeile 27 III.. Hintzeratr. 2 u. XI'.» Mandlgasse 3 im Franz-Saal. Ml 22. bis Fr 24. XI. Juwelena.Silößrspeztal-AufcUon Brillanten- und Perlenschmuck. Alt - Wiener Silber, Silber u. Chinasilber. Schaustellung Heute, Montag, u. morgen Di (10 bis 7,6'Uhr) im Karl- Saal. , Fr. 1. u. 8.2. X I. Spoziatauk#»' Ocmälde, Miniaturen, Kunstgawerbe. Antiquitäten. Perser- Tepplohs, Pelze, Kolliers, Muffe Im Karl-Saal. Tflgtloh. Qebraiiehtjeflenetändo Im Ludwlpitorff-, Rossicr- und Kolowrat-Saal, jeden Ml Photo- Apparate, Ferng'ärer, Sohre'b*. ma«oMm>n; Fr l. XU. Blink- ■netrumente. Musikaüen Im Ludwigstorlf-Saal. Hie tägliche Sch a ust.el 1 ung ab 1 Ul>r währt in der Regel mehrere vorhergehende Nachmittage bk Uhr, mindestens jedoch am Auktionslage bis nfr Auktion. Näheres enthalten die „Mitteilungen“ und „Nachrichtenblätter“ des Dorotheum». - ..— - <-- —— ■ - - - - - - l/pru/prfnnncahtclliinn l. Rauhensteing. 8- Verkauf der Rücklassgüter r CI rrCIlullsjouliltilillliy, der Hauptanstalt für Saotidomoblltslarung '2 M! 22. Do 23. XI. Kleider. Wäsche, Schuhe, Decken, Vorhänge, Pelze; Fr 2». XI. Jagdwaffen. Sportausrüstung, Fahrräder, Sattelzeug, Pelze Im Franz- Saal. Jeden Mo u. Do: SohSnea Mobiliar, Persern. Inländer- Tepploho, Ocmälde, Khnstgewerbe im Franz-Josef-^aa'i jeden Dl u Fr Möbel. Kassen. Oefen, Luster, HauagSrkte im Olashof;. ieden Mo ». Do im Decliau - Saal, jeden Dl u. Fr 24. XI. im Hochsaal: Antiquitäten. Gemälde, Miniaturen, kunstgewerbl. Luxusgenenstände, Teppiche. Di 21. bis Sa 25. XI. Vs3 Uhr naohmittag’s: Schönes Mobiliar, Klaviere, Perser- und Smyrna' Teppiche, Gemälde, Kuitslgegewerbe. Janbnlka. Ziergcgenstände: VerrtSigerungasaal V., Strohbachgasse 8. Jeden uo. Fr u. Sa ßüohar Im Fmlngr r-Saah jeden Di, Mi 26. XL, Fr 1. XII. Briefmarken. Fr. 24. Sa 25.XI.Brl9fjnarken-Spozl«l-Aüktlon VI.. Marfahilferstrasse 73. MO 27. bis Mi 79 XI. 335 Kunstauktion. Zweigamtali BADEN, Karlsplatz 6: D» 23.. Mo 27.. Do 30 XI. 9a 2 XII. Möbel, Oemä'de, Teppiche, Kleider, Wäsche, Knnstgewcrbe, ferner Mo 20., Dl 21. u.A, Ml 29 XI.. Auktion bei Daniel, Baden, Rainer-Ring 3. Die Schnchfekttv» Lrr Kabosh konnte bei ihrer Freitag den 16. d. zu Ehren der aurivörtigrn Äongrek- und Turnier« reilnehmsr veranstalteten Akademie im Zermonisnsaale der Äofburg zahlreiche Veilreler des Ehrenkomiiees sowie fümiliche - Großmeister als ihre Göste begrsti-en, so daß die glänZ'Nden Künstlerischsn Leiftunaen einen würdigen äußeren Rohmen.erhielten. Das reichhaltige Prooramm wickelte sich unter der kilnstlenschen Le'tung des Kerrn Fgel klaglos ab und reicher Beifall lohnle besonders die Darb'etungen der Damen Andai iSlaatsoper). Blanko Glosfy, Trenttn (Burgiheaier) sowie der Kerren Kammersänger Moiki. Ludwig Diilh (Staalsoper). Rudi Lamp (Diolinvirluofe) und 'Oherregifieur Dr. Fritz. Am Klavier erwies Aerr Otto Schulhot seßne bekannte Meisterst att und .b»rr Göndör erweckte durch ^«ine grvtze Kw'sl als Karckalrinst lebhafteste Heiterkeit. Die Schachsekt'on Kauoah kann mit dem Verlaufe der Abends vollauf zufrieden sein. Die LebensmiMMM. hohen ^Preise bald eine Evmäßiguna epfahvein wevdon. Dies ist aber bisher nicht eingetreten. Die §xhiMw begründen ihr starres FestihMen an den. hohen Preisen nmt mit ben großen Frachrspesen. Eine Bermmderung der Nachfrage könnte auch die Obschwis« ins Schwanken , bringen. Eier wurden um 2300 bis 2800 K. Pro Stück iy großer AM airaeboten, aber wenig gekauft. Die Buttenpreiise, die Won 60.000 K. überstiegen hatten, sind wisder auf ihr früheres Niveau Zurückgegangen. Man steht Butter bei den meisten Ständen mit 56.000 bis 60.000 K. angeschrieben. Ausgabe neuer Frischmilchgutscheine. Die Ausgabe der .neuen Frischmvlchguffcheine für die Zsit voZn 19. November 1922 bis 13. Jänner 1923 (35. bis 32. Woche) findet im zuständiges Bezirksfürsorgemstrtute morgen, Dienstag und Mittwoch statt. Bei der Behebung sind der St-amm^des bisherigen Gutsckemhlatties.. nnd, -.die KindermMkarte vörzuweisen-. Die Gutscheine der 26. und der folgenden Woche, werden bis ans weiteres mit einem erhöhten Betrage, und Zwar die braunen Gutscheine mit 600 K. und die braunen Gutscheine mit rotem Strich mit 300 K. e'mgelöst._ Bühne und Kunst. Sinkende Preise. Die Fleischpreise haben'im Lame der vergangenen Woche Mvc "lbwärtsbeweguug fortgesetzt. Aue Fleischsorten sind durchschniWch um 1000 bis 2000'K. pro Kilogramm «wückgogangen. Schm-alz wurde um 50.0 K. billiger. Da die güustoge Belieferung anhält und Angebot und Nachfrage noch imnttr in einem starken Mißverhältnis stehen, wird dre Rückbildung der Preise für Fleisch und Fileischprodukic in absehbarer Zeit 'nicht zum Stillstände kommen. . Die Großmärkchalle verzeichnet gestern Fleischzuftchven von über 800.000 Kilogramm. Die Halle war stark -beisncht nnd die KMftnst sel)r rege. Im KiemiMrdeil ivuvde. zu folgenden Preisen verkauft: Rindfleisch 9000 bis 30.000 K., Schwsmefteisch 30.000 bis 40.000 K.. Rauchfleisch 30.0YY bis 40.000 K., Sch af fleis ch 8000 b is 12.000 K., Kalbfle i sch 16.000 bis 30.000 K., Schnitzelflelsch 30.060 bis 40.000 K. pro Kilogramm. Geräuchertes Rindfleisch zu 20.000 K., Speck zum gleichen Preis und Schmalz zu 26.000 K. wurde stürmisch verlangt und leicht abgeseßt. ' Zunehmendes Angebot niacht sich'bei allen Verkaufsstellen für Geflügel und Wild bemerkbar. Das Interesse für Wildpre ist in , der Regel ziemlich groß. BevorMt wevoen Hasen und HasenMngcs, deren Preis ziemlich stabil bleibt. Rebhühner sind um 8000 bis 16.000 Fasanen um 15.000 'bis 30.000 K. pro Stück, dann Rehfleisch zu 18.000 bis 24.000 St., Rehrücken und RchMegel um 30.000 K. pro Kilogramm zu haben. Bon Geflügel werden Hühner von 80.000, Enten von 26.000 und Gänse von 28.000 St. aufwärts angeboten. Mindere gefrorene' Fleischgänse bekommt mau auch schon um 20.600 K. pro Kilogramm, dagegen schöne Fettgänse erst nur 42.000 bis -14.000 St pro Kilogramm. y , Seefische werden sehr gesucht. Kabeilfooi und Seelachs werden am häufigsten gekauft. Auch Meißsische nnd tote Karpfen, die ungefähr so viel wie dü'Seefische kosten, werden gern genommen. Der Naschmarkt bot Gärtnerwaren aller Art «kn reich- Licher Menge,' dbch war der Marktbesuch trotz des Wochenendes verhältnismäßig sehr schwach. Die Zuftrhreu an Gävinergemüse übe-vstiegen 200.000 KilograiMn, an KartofleLn 900.000 Kiilogramm. Eine PveisändeVung ist nicht erngetvot'ou. Man rechnot aiber damit, daß in kürzester j&eit eine Preisermäßigung nnvermeidlich fein wird, weil die lagernden Borräte, die'täglich «och ergänzt werden, le-ilweise vom Bevdevben bedroht sind und nach raschem Abverkmif drangsn. Die gleiche Erlscheinung ist bei Obst festzustellen, das andauernd in großen Mengen auf ä e ' ' ^'0 zwar großer als für Äärtnerwaren, immachiu konnte in Anbotrachl der ü'bermS günstigen Ernte erwartet werden, daß. die anfänglich sehr ,EI-Be-!Co‘ Bad8zlnimer-Einriotitußpß Kxpori’ nach allan Zch. An-fki. . (Anläßlich seines dritten Todestages.) Ein Bannerträger der „Naroduaja Wolja", der in der chassidischen Romantik Endete. Ein Mnscheualter verzettelte er an allerlei pnWizistischem und literarischem Tand in rusiischer Sprache, und kaum hatte er am Lebensende ins Jiddische Einkehr gehalten, wuchs er zur Dichtergröße. - Er ging, den Weg ä rebours- Während Mendele, Dmesohn, Perez und all die zeitgenössischen Schöpfer der jiddischen Literatur zeitlebens im jMschen Volkstum verankert blieben, und aus ihm zu den Giebeln -europäischen Künstlertums heranveiften, verschwand An—skr im ersten Ansturnt' her Haskalaih in den Fluten russischen Geisteslebens, in dem er das Heil der Judenfeele suchte. Doch allmählich verklang der berauschende Klang von Liebe Und Weliverbrüderung. Die Haskalah eines Lebensohn und Lilienblimt mündete schließlich im Naüonaleu der Pmski und Smolenski, pnd als die Pogromwelle des neuen Jahrhunderts das russische Menschenmeer. zu schütteln begann, da wurde auch der jüdische Sekretär Lawrows in die Witebsker Jeschiivah zurückgeschlendert. So blieb er schreckensstarr an der Grenze zwischen Avei Welten stehen., Mit einer entzweigerissenen Seele und einean Flammenmeer kaum begonnener Träume, die nach Einheit rangen. Da erstand in An—sti die chassidische Welt in dichterischer ÄerkläMng wehmütiger Jugenderinnerungen. Der schöpferischen Judenfeele, die plötzlich die Leere an der Grenze zweier Kulturen verspürte, erschien die religiöse Inbrunst der Chassidim wie ein Hohelied eines einheitlichen Mischen Geisteslebens, das aus den Urtrefen des Volkes hervorsprudelte, mrd im Wetterleuchte^ kosmischer Begebenheiten mündete. -M Der Maskil verlvandelte sich in d^r gläubigen Romantiker. > Die seelische Erläuterungunter dem Einflüsse russischer Gottsuchergab dieser Wandlung Nährboden, mtV Pevez' „Goldene Kette" wies den neuen Wog. An—sti schuf das erste Universaldrama des jüdischen Volkslebens. Die jüdische Volksmenge, -die als aktiver Träger geschichtlichen Wachstums seit Jahrtausenden nur im Verborgenen hindä-mimrte, leuchtet mit visionärere Gelvglt in einem Leben auf, das von Leidenschaft, tragischen Konflikten und überschäünrender Aktivität biS .an den 'Rand gefüllt ist. Johe Gestalt ein Thhus^ jede? Thons der Nieteipahl Blae £ Ce, Wien, II. AspernbrUokeng. 5, rej. 43 jM SifiA&fBllI. Erschlag einer Epoche, * unidie WM-Epoche tziu.Glich. iS. Növemver WZ2 Mnc 7» einer endlosen Ahnenkeite, deren Alltag seit Urzeiten vom höchsten Ethos religiöser.Inbrunst .goiveiht ivar. Mt genialem Swichsrnn erfaßte der Dramatiker die Universalität des jüdischen Seins. Schicksalsschwer taucht ans der Versenkung der Welt der Kabbala und Hagadah mit ihren ß-ebräuchen, Träumen, Liedern und ihrem tiefsten Weh und strömt einen berauschenden Odem echten VolkslabenZ ans. Der Mensch, den der Sohar ans den Tiefen scholastischtalmudischer Verknöcherung zur Krorw der - Schöpfttng emporhob, wird hier ins Getriebe des Weltalls verankert. ' Im „Julius Cäsar" ist die römische MetDe itul' ein Rahmen für Bmius und all die handelnden Helden, in „Faust" dämmern kaum die Umrisse des Volkes im Schatten dvaniatischer Geschehnisse. Nur m Hellas' klassischem Drama ward das Volk zum Träger dramatischen Werdens, und von der uie'wersell-kosmischen Einstellung des Griechenvolkes führen auch so manche verborgene Pfade zur Götternnd Geisterwelt der Chassidim. Alltagsmenschru sind's, die An.—skö vorführt, Und eine Durchschnittsmeng-e, die zur Trägerin der Tragödie wird. Die Seelen der Menschen iveiien sich jedoch von den himmlischen Sefiros bis zur Unterwelt, und hinter der leidenden und kämpfenden Ntenschemnenge flutet dunkel mrd rätselhaft das „Ejn Sofl' der Kabbala: Das Eltd^und ZMose des Uralls. Ein Mißverständnis lagert sich um An—-fkis „Dybuk"^ und droht Werk und Künstler zu ^verschütten. '. Was fürstliche Judenseelen einen heiligen Schauer greifbarer, heute noch fortwnckender Realität bedeutet, das wird im Nachahmungstrieb westlichen Literatentums zum Passionsspiel tande-lnder Symbole oder ein Tmmnelfeld MaeterWckscher Rrgiekünste. Während der Folklorist und eher reproduktive als schöpferische Dichter einen echten und lebenswahren Querschnitt >der chassidischen BolksgemeiUde geben wollte, wird durch eim verfehlte Regie die allumfassende kosmische Lehre eines Balschemtow zur schwülen Erotik herabgedrückt, und die wundewollen Jrrgänge der Kabbala erstarren im Sinnbild des Schir-Haschrrrm. Nicht Menschenpuppen stnd's und keine „holzschnittartige" Schemen, die hier ewigen Gewalten trotzen, sondern kampfende, himmelstüvinende und im tieflten -Leid der Kreatur ersterbende Efftaüker, die an der Grenze zweier Welten irmherwandeln. Es durchglüht sie die Schehinah der Allgvttesnahe nnd es schüttelt sie ahnungsvolles Todesgrauen, aber lebensstrotzende Menschen sind es, die des.Tages Fron verrichten. Wie der Sohar hinter jeder Silbe der Thora verborgenen Srrw witterte, so versuchte die Phantasie des Volkes auch im grauen Alltag dre Phänomene des Seins zu durchdr'MM. Jede Handlung erhielt einen tieftven Sinn, jede Gefühlsregung eine höhere BÄeutung, jeder Ort ward durch Gottesnähe geheiligt, und das FluÄuim des Rätselhaften dnrchzttterte jedes MenscheMud.. So war auch der „Dybuk" Wirklichkeit des Alltags,'^ie tausend Geister, die um die Jeschiwah flatterten, waren greifbar nahe, und auch die Seelen, die im „Gilgul" ins Uferlose dah'mfloflen, hatten Körpergestalt und Mten den Alltag von Gemrationen aus. Was-sich für späte Nachkommen zu einem Mythos forutt, war hei dessen Schöpfern blutwarme' Wirklichkeit, und in der schwärmerisch-ekstatischen Seele der Chaffidün floß Schein und Wirklichkeit harnunisch zusanl-men. Der Chassidismus war eben die grandioseste Ueberwindung des Alltags im Selbsterhaltungstriebe der jüdischen Volksmenge. Nur im Mtag lebte sich die chassidische Hitlahawuth aus, und. in den grauen Mtag wurde der chassidische Gott herabgeholt. Ein Heldenepos -der Wirklichkeit wollte An—fki geben, und statt j>ic Romantik einer schöpferischen Volksmenge lebensecht aufleuchten zu lasten, bleibt die Äutleeve Gestalt eines Chonou, der in ersterbender Erotik das Hohelied hinausstöhnt, im Weltenramn haften. Der gotteSfreudige Meschulach huscht unwesenhast und gefpenstevhast vorbei wie ein leibhaftes Gewissen, und die Kacharsis der Tragödie zerflattert in den Zasdbertünsten des ZaddikD . . . Vom „Ejz Ehajim" (Lebensbaum) Bitals an der Wende des Mittelalters über Balschemtoiv bis Perez führt >der Weg zu An—skis chastidischen Dramen. - Der erste eroffnete in einem gewaltigen Werke die <§efilde kabbalistischer Mystik, die bislang tcut einige Gingeweihte betreten dursten, der zweite durchglühte mit dein Femr religiöser Erneuerung die Volksmenge, der dritte schrieb Novellen, die wie der Schrei ejner sterbenden Welt., in die Ewigkeit hmübertonen . . . An—ski gebrach es an srhöpftvischer WUcht, er reichte kaum an die visionäre Glut eines Perez heran, und sein an-. gekränkelter Glaube qnilst nicht aus denr Jnsttnkt eines kindlichen Genrüts. Es fehlte die absolute Hingebung eines echten DvamatÄers. Letzten Endes war es die eigene Tragik einer schiffbrüchigen Judenseele, die im ChastidismuS Aust Wrung ünd Erlösung suchte. Im „Dhbuk" ist es das PrMeur einer letzten Liebe, die am einsamen Menschenkinds wie ein verhserendes Fmrer zehrte, in „Tag mrd Nacht" sindes die Pogronre, denen An—ski im ZaddiE Sinn und höhere Zweckmäßigkeit verleiht. So nmugelt es An—skis Gestalten an triebhafter Frische eines Perez, seine religiöse Inbrunst erstickt oft in klügelnder ^Problematik, und was freien Willen der chassidischen Seele bedeuten soll, schlägt oft in eine Zwangslage sxlstiver Existenzen uni. Es ist B^enntnis eines VlaskilS, der um die Romantik der Jugend ringt. Erst die jüdische Literatur, die ans bem Bolksbvwnßtsein der Menge zü schöpfen begann, offenbarte das chassi- GssUndheit ist das beste was Sir desii-en. Eme Tasse Ooomalime hilft sie Ihnen bewirhi ea, . Wt. sie.ätzLen MtedriLNtzMmn! \ . nr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.