Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1356 (19.11.1922)
- Date
- 1922-11-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Weite 4 Wen, Sonntag «»deren Nationalitäten zu durchkrettzen sucht > und die nationale Unduldsamkeit als ihre» Lebenszweck betrachtet. Diese Partei hat .ja das alte Oesterreich dttrch ihre Politik Prtrümmert und versucht eauch jetzt mit großem Elan. dieRdpnblik zu schädigen. . Verwunderlich ist aber, daß die Sozialdemokraten, di« sonst für die großdeutsche Politik nicht in Bewunderung ersterben, auf dem Gebiete des MinoriiatenschulwesenS m Wien die Befehle der Großdeutschen genau befolgen und alles ausführen, was Herr U r s i n und seine Genossen, in dein großdeutschen Organ befehlen. In einer der letzten Sitzungen des Wiener Landtages führte der AbgeordnAe Klimesch Klage über diesrs Verhalten der sozialdemokratischen Majorität. Er wies nach, welches Unrecht ■>en Wiener Tschechen auf dem Gebiete des Schulwesens zugesügt wird, und erklärt?, daß dieser Kampf seitens der tschechischen Mnorität mit allen Mitteln fortgeführt werden >v-ird. Die tschechische Presse belaßt sich seit Wochen in zahlreichen Aufsätzen mit dem Kampf um ihre Schulen in Oesterreich, und auch im Präger Parlament haben bereits mehrere Abgeordnete diese Tatsache erwähnt und daS Brager Außen amt um Intervention ersucht. Im .sterreich^chen Jnteresie wäre rs dringend notwendig, daß iiefe Frage endlich aus der Welt geschafft wird und Vertage enrgehalten werden, die man mit dem Nachbarstaat geschlossen hat.' Jas Mrü>esp«a«Msetz. Gestern wurde die Vorlage über das Bundessinanz- ^setz (Staatshaushalt), für das Jahr 1923 im Nationalst eingebrachi. In dem Entwurf sind die Ausgaben rnt rund 9,98, die Einnahmen mit 4,69 Billionen lLronen veranschlagt, es ist somit ein Abgang von t,29 Billionen voWesehen. Diese Ziffern find jedoch, vie in erläuternden .Bemerkungen" ausdrücklich hervor- .»«hoben wird, überholt. Die Ausgaben sind nach »ent Kurswert« der Krone im September »'/I. imd hinsichtlich des Personalauftvandes, unter ZuzrunL»elegung des für die Septemberbezüge maßgebenden )ndex' ermittelt; auf die im Wiederaufbaugesetz dorgeehenen Maßnahmen zur Verminderung der Ausgaben und Erhöhung der Einnahmen ist noch keine Rücksicht germnmen worden. Auf Grundlage des Finanzgesetzes läßt -ich also die ' voraussichtliche Gebarung des Staatshaushaltes jm Jahre 1923 nicht beurteilen. Formellist im Finanzgesetze auf das Wiedenmfbau- ^fetz bereits Bezug genommen, da es im Artikel 4 heißt, «ß Ausgaben, auch wenn sie im Bmidestibranschlag Vorgehen sind; nur dann gemacht tverden dürfen, lvrnn sie iwmgend notwendig sind, und nichtirn Widerspruch nit den zur Aufrichtung>c-t Staats- und ^olksWirtschaft der Republik Oesterreich »treffenden Maß nahm e n stehen. Mecho-Slowaker. Lar tschechisch'juiwflMMe Moduls. Für fünf Jahre. Prag, 18. Novenrber. (Tfchecho-slowak. Preßburea».) beute wurde der am 31. August 1922 in Marienbad zwischen der tschecho-slowa tische »Republik und Jugoslawien abgeschlossene Alliauzverttag verlautbart. Die einzelnen Artikel haben folgenden Wortlaut: Das am 14. August 1920 in Belgrad, abgeschlosiene Abkommen wird auf die gleiche Zeit wie diese Konvention verlängert. , T-er Großinquisitor heulte: „Lüge! /Wahnsinnige Lüge!" '. ' , ' . .Mekermst du," frug mtt umrschütterlicher. Ruhe der öoftrarr weiter, „daß du davon Kenntnis hast, wie drin Pater mit dem jüdischen Glaubensbekenntnis auf den Lippen starb, da er zeitlebens im geheimen ein Jude war?" - „Das ist nicht wahr! Das ist rinv satanische Verleumdung!" stammelte-mit heiserer Stimme der Großinquisitor. ,Aun, so wollen wir Ew. Emirrenz etwas nachdrücklicher nach der Wahrheit befragen," meinte gleichmütig der Zwerg, und die Henkersknechte erfaßten auf seinen Wink wieder den Großinquisitor, zogen ihn an dem Seil in die Höhe. Diesmal aber band man an das rechte Bein des in der Lust Schwebenden einen Holzpflock... Der Großinquisitor röchelte wie ein zu Tode Getroffener, aber dazwischen schrie er immer: „Lüge! Verleumdung! Wahnsinn!" Da brachte einer der Knechte eine mir Feuer gefüllte eiserne Pfanne, auf welche Schwefel gelegt lvar, und hielt sie -ihm unter die Nase ... Da brüllte der Priester: „Laßt mich los! Ich will ja alles gestehen! Ich will die Wahrheit bekennen!" Man ließ ihn bevaßMnd ließ ihn Zeit, sich ein wenig zu er hol-eu ... Er NM aber noch nicht fähig, 311 sprechen . . . Vielleicht weniger vor Schmerz als vor Wut. ' „Ew. Eminenz sind doch nicht.so verstockt wie die Juden, die wir jüngst verbrennen sahen," meinte freundlich der Zwerg. Die haben bei den ersten Graden noch, immer geleugnet . . . Auch noch als man ihnen die kochend heißen Eier unter die Armhöhlelegte.. . . Und bann noch..." ‘ , . „Genug! Genug!" schrie der Großinquisitor, dem schon das Nennen dieser ihm. offenbar, woblbekanrrten Prozeduren, die Haare zu Berge steigen machte . . . „Ich will alle^ bekennen." m t _ .U.np e.r/L«K.aud^l lcs- «lener Mörsensettnng. --....tw Verbrämungs elle sowie alle Arten Pelzwaren VF" zu tief reduzierten Preisen Pehhaus G&ebr» BRAININ Wien, II.Gleckeng.Ö. Werkstätten: ll.Rueppg.37 Die Vertragsparteien nehmen die politischen und militärischen Verträge und Abkommen zur Kenntnis, die einerseits, die tschrcho-slowakrsche Resmblik mit Rumänien, Oesterreich und Polen und andererseits das Königreich S. H. S. mit Rumänien und Italien abgeschlossen haben. Die Bertw-aSParteien werden sich bemühen, allen wirtschaftlichen, finanziellen und Verkehr s b e z r e Hungen eine feste' Grundlage.zu geben und hierbei die engste Zusamnrenarbeit zu sichern. Zu diesem Zwecke werden sie in diesen Fragen ein Arrangemem treffen. Insbesondere werden sie sich über Handelsverträge mit dem genannten Ziele einigen. Beide Vertragsparteien verpflichten sich, einander überhaupt alle politische unddiplomatische Unterstützung in ihren internationalen Beziehungen zu gewahren. Für den Fall, daß ein gemeinsames Jnteresie als gefährdet betrachtet werden wiirde, gehen sie die Berslichtung ein, sich über Maßnahmen zum Schutz dieses Jnt e r e s s e § zu einigen. Diese Konvention bleibt füufIahre vom Tage des Austausches der Ratifikationsurkunde in Geltung. Nach /Ablauf dieser fünf Jahre kann jede der beiden Parteien diese Konvention kündigen, indem sie der anderen Partei hiervo sechs Monate vorher Mitteilung macht. Die Regierungen der beiden Staaten haben den Völkerbund um die Registrierung des Allianzvertrages zu ersuchen. Irr Kries gegen de« Rektor SteMerz. Prag, 17. November. Wie die „Bohenria" erfahrt, hat Nnterrichtsmimster Bechyne aus Grund eines ausführlichen Berichtes des Rektors Steinherz den Zeitpunkt für di« Wiederaufnahme der Vorlesungen. auf Mittwoch den 22. d. verschoben. Sollte bis zu diesem Tage die Wiederaufnahme der Vorlesungen nicht erfolgen können, so werde der Unterrrchtsmmister die S t re i ch u ngdesWintersemesters für die deutsche Universität beantragen und alle weiteren Maßnahmen ergreifen, um die Ordnung an d e r H och sch ule wieder herzustellen. . Nach Meldungen der. Blätter aus Bvünn ist die deutschvölkische Studentenschaft der Brünner deutschen Technischer: Hochschule heute in einen dreitägigen Sympathiestreik getreten. Prag, 16. November. Au der Universität herrschte heute Ruhe, Die „Prager Abendzeitung" meldet, daß der Unterrichtsminister an die deutsche Universität einen Erlaß gerichtet hat, worin er die baldigste Austrahme der Vorlesungen fordert. Mach der „Prager Abenöpresse" bestehe Aussicht, daß sich die beiden Studentenschaften einigen. Die prinzipielle Forderung, daß Professor Steinherz Rektor bleibe, stoßt nicht auf unüberwindlichen Widerstand seitens der deuLschvölkischen Studentenschaft, ivährend deren Forderung nach Mitbeteiligung der Studenten-, schast an der Wahl des Rektors auch von der liberalen Studentenschaft angenommen werden dütste. Nun sollte der Großinquisitor das B.'kenntnis mit seiner Unterschrift bestätigen. -Er zögerte. Da sing' rr den Blick auf, mit dem sich der Hofnarr zu einem der Folterknechte wandte, und er schrie: „Ich unterschreibe! Ich unterschreibe!" Er tat es. Hieraus befahl der Zwerg: „Führt ihn ab! Er kommt in die Zelle, in der die Juden waren." Das Verhör hatte, kerne zwei Sturtden in Anspruch genommen. . * ■ 1 Wieder [taub der Hofnarr vor vent verstörten König. Er war hinter einem Vohange Zeuge der Vorgänge gewesen. ' . Endlich begann er: „Dn hast dem Wort gehalten. Aber säg', konntest du wisien, daß der Großinquisitor, diesem starke, kvafwölle Mann, nicht alle Qualen erdulden und überdauern werde, bevor er sich zu - diesen Lügen bekennen würde?" 1 ,,Lügen? Majestät- Lügen? Woher wisien wir, daß es nicht lautere Wahrheit war, die er bekannte? . . " S „Nun. . . Doch lasien wir . das. . . Ich will nur wissen, wie du den Mut fandest, deinen Kopf zu wagen?... Und wenn er standhaft geleugnet;. . und lieber unter der Folter gestorben wäre, wie andere, wie selbst schwache Frauen?" „Majestät, ich wußte nur eines: der Großinquisitor ist stets ein grausamer Mann gewesen, dem die Schmerzen anderer Wohltaten. Zum ersten Male Ware ein grausamer Mann nicht auch.ein' Feigling gewesen . . .„Du meinst, er ist M? . . ' ^Gewiß, Majestät/" UM der'Zwerg schlug Wiener sein lautes Gelächter an. „Feig, sehr feig. Er wäre imstande gewesen, äuS lauter Feigheit;aü.ch das zu bekennen,. Äiß "er die - Hostien auf Befehl Ew. Nlajestät geschändet -hat . . ." ' - Und der Narr lachte /v. lachte . . . bis daß der .König nicht Mehr wußte, ob er auch lachen oder zürneu solle. , G. E—n. 19. November 1928 ftt, 1S&6 Bor einem neuerlichem Streik lrer l7^n:ischen KoMulirbeiter. Prag, 18. November. Die Blätter meiden, dam die Verhandlungen zwiHen den Arbeitgebern und Arvsttnehmern im norvwestböhmischen Braünkohlenrevier, an denen auch ein RegiernngSvertreier teilnimmt, bisher zu keiner Einigung geführt haben. Man befiirchtet, daß es Montag zu einer Arbeitseinstellung im ganzen Revier kommen dürfte. a v SrWpfrmg der tzmigrante«Pwte in de« polnische« Randgebieten. Warschau, 17. November. (I. C. B.) Nachdem die-Emwanderungsquote aus den polnischen Ran d g e bieten sowie aus O st g a l iz i e n nach den Bereinigten Staaten für dieses Jahr erschöpft ist, wird nunmehr die Ausgabe von Amerika-Visen an Emigranten aus diesen Go bieten zoitzpeilig eingestellt. Rundschau. Ins Sndergebllis der englWen Wchlen. London, 18. November. (Tel. d. „Wr. Morgeuzettung".) Von den fehlenden Wahlergebnissen sind inzwischen noch folgende Ernzelresultate bekannt geworden: 1 Kandidat der Arbeiterpartei, 3 Liberale Lloyd Georges und 1 Sinnseiner in einem Wahlkreis von Ulster erscheinen als gewählt. DaS Endergebnis der Wahlen stellt sich somit, wie folgt dar: 346 Konservative, 138 Mitglieder der Arbeiterpartei, 54 Nationalliberale, 52 unabhängige Liberale und 16 Mitglieder der verschiedenen kleinen Parteien. Eine Uebersicht über die Wahlevgebnisie zeigt, daß 135« . Mrtglrsder des alten Hauses unterlegen sind, danntter Ms gewesene Minister. Im Parlainent haben die Konservativen eine Mehrheit von 87 Stimmen, was aber nicht bedeutet, daß das Land überwiegend konservativ ist. Das englische Wahlsystem hat zur Folge gehabt, daß das Land vorläufig tabsachlich von einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung regiert wird. Im ganzen fM* 14,039.562 Stimmen abgegeben worden, darunter 5,377.46s für die Konservativen, 4,102.425 für die Arbeiterpartei. DaS Stimmenverhältnis zwischen Konservattven und Arbeiterpartei ist also 100:76, während der Prozentsatz der Sitze . 100:40 ist. Ferner stimmten rund 2,600.000 Wähler für die unabhängigen Liberalen und 1,600.000 für die Kandidaten der Partei L l 0 y d Georges. Besonders den Liberalen ist es bei der Verteilung der Sitze schlecht ergangen. Die beiden Flügel dieser Partei erhielten etwoS mthr Stimmen als die Arbeiterpartei', sie erhielten dagegen 32 Sitze weniger als die Arbeiterpartei. (§(8 entfielen auf sie 70 Prozent der für die Konservativen abgegebenen Stimmen, aber nur 30 Prozent der an die Konservativen gefallenen Sitze. Es ist denn auch lein. Wunder, daß die Liberalen einen Feldzug für die Proportional v er t r e t u n g ankündigen. Man nimmt an, daß das neue Parlament w seiner Montagssitzung auf Vorschlag des ältesten Mitgliedes des Hauses O'Connor die Wiederwahl von I. H. Whitley vornehmen wird. Die eigentliche Parlamentssession wird Doü- - nerstag eröffnet werden. Sie wird mit der Verlesung der Thronrede beginnen, die sehr kurz sein wird, um dem Unterhause die rechtzeitige BechaMung des irischen Frichertsvertrag-es zu ermöglichen. . Me brave Kanmer. Pom, 17. November, (Siefani.) Die Kammer hat der Regierung in namentlicher Abstimmung mit 306 gegen 116 Stimmen das Vertrauen ausgedrückt. . Siae Autisenntenfraktion im Imtsche» Reichst««. Berlin, 17. Nvoember.' (I. C. B.) Die Antifenntm v. Graefe, Wulle und Major v. Henning, von welchen der letzie bekanntlich vor einiger Zeit ans der deutschnatioualen Fraktion ausgeschlossen wurde, haben u-un dem Reichstagspräsidenten Loebe offiziell mitgeteilt, daß sie der deutschnationalen Fraktion nicht mehr angehöveu und sich als eine eigene Fraktton konstituiert haben, wenn sie auch noch, weiter Mitglieder der Deutschnationalen Partei sind. - Etz ist dies die erste Fraktion im Reichstag mit einem ausgesprochenen antisemitischen Hauptprogramm. Sowiettrapven an der rumSnWea Gren;e. London, 18. Noveuiber. Wie das Reutersche Burcau auS Riga meldet, sollen die Sowjets unter dem Vorivande einer Demonstration starke Truppen? 2.n i i ng e u t e au die rumänische Grenze geschickt haben. (Man vergleiche die Mitteilungen des Wiener Sowjetvertreters über die beßarabische Frage. —D. Red.) S GM«ri» z«m Tod verarteilt. Graz, 18. November. Die „Tagespost meldet aus Belgrad: Nachrichten aus Athen besagen, daß das Revolutiynsgericht den Generckl D u s m.a n i s und den gewesenen. MiMerpräsidenten G u n a r i ß iM seine Genossen zum T0de verurteilt habe. Die Freunde und Anhäriger der verruÄeilten Minister und Generale haben bei den alliierten Mächten und in Belgrad eine Mion zur Milde-. run§ dieses Urteils jmserlioMMer!.