Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1355 (18.11.1922)
- Date
- 1922-11-18
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 1365. Wie«/Samstag Wiener Morgenzeitrms. 18. November 1922 Seite 8 i Zion. Arbeitspartei „Hitachduth“ Heute. . abends TVUhr Int Saale des zionistischen Landeskomitees, ' II. Taborstrasse 20a, allgemein zugänglicher Ref. Radler Feldman (R’Binjamin): Zur Araberfrage Die ungarische Regierung führt hier wieder eine ihrer Eskamotagen auf. In der Annahme, daß nmn in London, das schließlich ziemlich weit, von Budapest liegt, über die wirklichen Vorgänge in Ungarn nicht genau informiert sei, formuliert sie ein Dementi, das aber nur mit Worten spielt. Es wurde niemals behauptet, daß die nichtjüdischen Fremden in Ungarn nicht registriert tverden: behauptet und Von der ungarischen Regierung nicht widerlegt Umrde jedoch, daß gleichzeitig mit dem Auftrag zur Registrierung der Frernden ein Ge he im er laß des Ministers des. Innern an die zuständigen Unterbehörden erging, besonders die jüdischen Frenrden in Evidenz zu halten und ihre Ausweisung zn veranlassen. Dieser Geheimerlaß war dem Inhalte nach im „Az Ujsag" wiedergegeben nud erst hierauf begann der ungarische Minister des Innern seinem Erlaß uach außen hin eine scheinbar Armlosere Deutung zu geben, in der Praxis aber werden die jüdischen Ausländer aus Ungarn ausgewiesen. geändert hat sich inzwischen hui so viel, daß während nnnlittelbar nach Erlassung der Geheimverordnung die Airstveisung in Budapest und m der Provinz in größerenr - Umsauge durchgest'ihrt wurde, jetzt Einzelaus Weisungen stattfinden, damit, wie es in jenem auch von' uns wiedergegebenen Erlasse ausdrücklich hieß, „d i e I u d e n i m Au s l a n d e keinen Anlaß zum Geschrei haben". Wir sind überzeugt, daß Herr Lucien Wolfs und das Joint Foreign Committee -in Londmr es bei diesem leeren Denrenti des ungarischen Ministers .des Innern nicht bewenden lassen tverden. Pole« und die Zudenauoweisuuge» i» Ungar«. Budapest, 17. November. (Tel. der Wr. Morgenztg.") Der polnische Gesandte Szembek hat sich an das hiesige Außenministerium mit der Forderung gewendet, daß die Juden aus Polen, welche in Ungarn einem regulären Erwerb nachgehen oder eigene Handels- und Jndustriennternehnmngen betreiben, an der weiteren Ausübung ihres Berufes nicht gehindvrt tverden. Dagegen wolle sich Polen verpflichten, die Rückwanderung jener Juden, zu fördern, welche Mittellos oder ohne Bsschästignng sind. Zie Vorgänge ßti d« Prager deutschm Hochschule. Prag, 18. November. „Wr. Morgenzeitnng") Gestern 'nachmittags haben die antisemitischen Studenten dil! Blockierung der Universitätsinstituie anfgegeben. Der akademische Betrieb ruht überall dort, wo sich^die ('deutschnationalen) Professoren dem .Terrorismus der Studenten gefügt chatten. An der Universität wurden Flugzettel verteilt, die aus der Druckerei der „Nordbohnnschm Tagblattes" in Tetschen stammten und folgenden Wortlallt hatten: „Mit Eiirpöruug haben wir zu Ende des 8011111101:= 1 emöfters die Nachricht von der Wahl des Juden Stein- Herz zum Rektor der Universität Vernonvnren, t'wdurch der Male an unserer altehrwürdigen Alma mater ein Jude Rektor wurde. Gleichwie in früheren Jahren dm ^deutschen Studenten jederzeit bereit waren, alles einznsetzen, wenn es die Wahrung des .dtzurschen- Charakters unterer £tm° versität galt, so müssen wir aub h.nue zur Tat lchveilen: Der Streik, das älteste Mittel, der Swvenvmschaft i-rn Kamp; um die Erhaltung iH^rer hechte, ist nnZ auch heute aiuisgezwungen worden. Bedenkt, Euere Hsimat, d a s g^anze Sudeten land, blickt in diesen ernsten Stnutz en auf Euch. Beweist, daß uns kein Kampf zn hart ist, wenn es nm das h ö ch s: e K u l t u r g n r unseres deutschen Volkes geht." Die wohlvorbeveitete Aktion begann am Mittwoch um 7 Uhr früh mit der Besetzung des Karolinnrns, des Klementimrms und aller Jnstikrte. Das chemische Institut konnte noch rechtzeitig abgesperrt lverden. Gegen Mittag . wurde die Universität besetzt, und der Stiegengang zum Rektorat durch deutschradikale Studenten abgesperrt. Eine dreigliedrige Abordnung verlangte vom Rektor seinen Rück- . tritt; Der Rektor lehnte kurz ad. Vor verschiedenen Instituten kam es zn Raufereien. Die Jüdischnationalen, „ etiva 600 Dkann stark, versuchten das anatonrische Institut zu forcieren. Die aufgebotene Polizei zog jedoch etilen Kordon, nur die Straße frei zu halten. Am Nachmittag beschloß der akademische Senat, den Betrieb zu. unterbrechen. - Heute organisierten hie arbeitswilligen Studenten unter Führung der Jüdischnationalen eine Gegenaktion. Während gestern die Zusammenstöße cmf der Straße Zwischen den jüdischen Studenten. und den Antisemiten meist zuungunsten der ersteren verliefen, da die Antisemiten mit 0töcfen' bewaffnet warm, war heule auch die Gegenpartei entsprechend ausgerüstet, so daß die Prügeleien auf der Gaffe gleichmäßig Verliesen. Die Vereinigung ,Ha-- g i b o r" hatte die Taktik, die Streikposten herauszurnfen, und diese Mann f ü r Man n z u. ohrfeigen. Die Studenten mußten sich das gefallen lassen und na hmen d i e S ch l ä g e hin, da sie sich in der Minderheit befanden. , Die antis-emitischen Stn>detrtcn sind nach militärischem, das heißt, ' v nach faszistischein Muster, formiert. Es ist em regelmäßiger Feld di e n st eingerichtet. Die Posten haben sich in den Instituten wohnlich eingerichtet, übernachteten dort und liegen sich durch eigene• Diener aus dem durch j ü bisch es G e l d gegründeten Studentenheim -das Essen zutragen. Trotz der Kundgebung des akademischen Senats waren die Deutschvölkischen nicht von ihren Posten gewichen. Erst als die zur Untersuchung der Vorfälle eingesetzte Prosessorenkomnriffion! die sofortige Freigabe der Universität verlangte, zogen die Völkischen ab. ' \ Die. Mgeor^neten der sozialistischen Parteien hielten heute inr A'bgeordetenhause eine Sitzung ab/ um sich mit dem Streik zu beschäftigen nutz zu beraten, wie rnan die arbeitswilligen Studenten vor dem Terror der Deutschvölkischen schützen könne. Der Unterrichtsminister Bech y n e erklärt, er werde die bedingungslos e A u fnähme des akademischen Betriebes fordern. Sollte Widerstand erfolgen, so werde er mit allen Mitteln di« Lernfveiheit Herstellen. Pichelt billigt alles. Prag, 17. November. Im Abgeordnetenhaus erklärte Abg. Patzelt (deutscher Nationalsozialist) namens seinen Partei, daß diese die Gesinnung, aus der die Bewegung der deutschvölkischm Studentenschaft entstanden sei, billige, da sie einer idealen Ueberzeugung entspreche und eins Abtvehr des jüdischen Eroberungsgeistes bedeute, den sich mit dem Gastrecht an den Hochschulen nicht begnüge, sondern sie beherrschen wolle. Der Kampf gelte keineswegs der Person des Rektors, sondern sei der Ans druck einer grundsätzlichen Anschauung. Polen. MinifterprSsident Rowvk und AußrmniMer Aawtowikr Wer die Wahlen. Aus.War schau wird den „Polnischen'Stdmmen" beruhtet: Mimsterpräsidvnt Nowak erklärte einem Mtarbeiter des ,„Kurier Porauny, die Wahlen feien tut ganzen Lande in vollster Rrche. verllru.serl. Mau darf aber nicht etwas fyl-ant&enr, daß dieser: rlihigc Perlairf auf eine Gleichgültigkeit oder gar politische Apathie ^der Bevölkerung Hinweise. Daß sine solche Schlußfolgerung durchaus unberechtigt wäre, erhellt aus der außergolvöhnlich sta-rken WahMeteMung. .In einzelnen Wahlkreisen erschienen.100 Prozent der Wähler, in vielen 80 Prozent. Auch.die Tatsache, daß die Wähler nicht polnischer Nationalität sich überaus zahlreich an den Mahlen be-, teiligtsn,: nvüß als.' ein sehr g ü nst i g e s Sympto m bewertet wenden. Jedenfalls wird es dagn. beitragen, allsrllüi - Legenden^ die;von. polenfencklicher Seite inr AuÄlande verbreitet Werdern, zil zerstreuen. Die Regiermvg hat in einwandfveier Weise ihrer Pflicht Gmüge getan, indem sie allen Wählern die Möglichkeit «ihrer freien Mermmgsänßerrng sicherte und , überall für die Mfrechterchaltn-ng dar Ruthe und Ordrmng Sorge tmg: Sie wird nunmehr dis zur Wahl des Präsidenten di« Staats-g-eschäf>te. lvviter seiten und svdcnm ihre Demi s s i o tt , gehen.; Auch Mßeimmnister N a«rntolwiez äußerte sich M der letzien Pressekonferenz über den Berlmff der Wahilon, die, wie er bewirte, im dlilslonde aitifc größtem Interesse verfolgt werden. Die'polnische Bevölkerung hat jedeufalls einen sehr erfreulichen Beweis ihrer politiischon Reife geliefert, denn wo-'st noch selten sind irgendwo -in so Nlusteuhastcr Riihe und Ordmmg die Wahlen vollzogen worden. Muh die starke B«eteilignng der nationalen Minderheiten ist eine sehr erfvonliche Tatsache, denn sie beweist, daß die ganze Bevölkerung unseres-Staates der lohasen H-alinng der polnn schen Rcgi-evung . Vevtvant. . . . Die Seuatrwichlen und die Miuoütste«. Voraussichtlich zehn jüdische Senatoren. Warschau, 16. November. (Tel. «der „Wiener Morgenzeitung.) Von den 111 Senatssitzen hat die Rechte 53 erobert; Lt Mandate entfallen ans die Bawernparteien, 9 auf die Ark>citerpartoien, die Minoritäten verfügen über 26 Mandat«. Warschau, 16. November. (Del. der'„Wiener Morgenzeitung".). Laut bisherigen Feststellungen hat «die Liste der Minoritäten in acht Woiwodschaften zehn Senatoren durchgosetzt. In O st g a «l i z i e n..sirr>) z w ei j ü di sch.e S en a t o r e n gelvählt worden. .Auch von den restlichen Mandaten soll eine. größere Anzahl auf den Rdinoritatenblock entfallen. Zn den bereits gemeldeten jüdischen Senatoren kommen 'hinzu:. Rafael Szeresze'wski (Bankier),, Adolf Trusk i e r (Präses des Zentralverbandes der-jüdischen Kaufmannschaftin Warschau). Wie denr „Moment" gerneldet wird, sollen noch folgende, jüdische Mandate gesichert sein: Rabbinär R ubenstein aus Wilna, Moses Deutscher, Rabbiner Kowalski mid Dr. Bien«vnstockk. Mische Hausbesitzer für die polnische« Mfentttett. Warschau, 17. Novemberl (Tel. der „Wr. Morgenztg") Wie aus. verschiedeiren Provinzen getneldet wird, haben viele. Hausbesitzer ans Gegnerschaft gegen den Mieterschutz für die Antisemiten gestiuunt, welche ihnen versprochen hdben, im neuen Sejm das Mieterschutzgesetz ab-> znbauen. . « NllMMieV. Die Mische MinorM i» RnmNien. Bukarest, 15. November. (I. C. B.) Der Berfassungsausschuß des rumänischen Parlaments beschloß die Juartikulierung der Rechte Ver nationalen Minderheiten in Rumänien auf Grund des Fricdensver-- irages. Der Sonderantrag des Premierministers Bratia n u, bei dieser Jnartikulierung die Rechte der Mische» Minderheit ausdrücklich zu^ betonen, wurde angenommen. * Litauen. Die Verteilung der Mische« Mandate. Kowno, 16. November. (I. C. B.) Die Won der Hauptwahlkonml.ission als gewählt bezeichneten drei Mischrn Deputterten gehören alle der Zionistischen Partei an. Es sind dies die Herren Dr. Brutzkus, Dr. Joses Berger und Garfunkel (Zeire Zion). Laut einer Abmachung unter den jüdischen Parteien müßte aber das dritte Mandat an den Vorstcher der „Achduth"-Organisation, Dr. Rachmilewitsch, abgetreten werden. Da sich aber die jüdischen Parteien darüber einig sind, daß der Sejnr zu boykottieren sei, hat dir Frage der Mandatsverteilnng jetzt noch kein aktuelles Jrrlereffe. . - Bermchrte kinwaudekung ameritanischer Fade». Jerusaleiii, 15. November. (I. T. B.) F« der letzten' Zeit hat sich dir Einwanderung amerckanischer Jttden in Palästina vergrößert. Hauptsächlich kommen aus Amerika Unternehmer ins Land, die hier neue Handels-, und Industrie-Unternehmungen organisieren wollen. Mit derr letzten Dampfer trafen aus Amerika 21 Emrgvanten enr, die alle dauernd in Palästina zu bleiben und eine umfangreiche Tätigkeit zu. entwickeln gedenken. Kine tschecho-slowakifche gndastrie-m-stekmig in Jaffa. Aus Prag wird geineldet: Nach offiziellen Angaben des Handelsamtes ist gegenwärtig eine umfangreiche Aktion der tschecho-slowakffchen Regierung für den Handel mit Palästina im Zuge. Unter Mtwirkung der Pvager Regierung haben mehrere tschechische Firmen (darunter die Skoda-Werke, Roeffemann und Kähnemann usw.) eine Ausstellung von Jndustrieerzeugniffen in Jaffa beschloffen. Die Waren sind bereits eingelangt; sie wurden unter besondtrren Einfuhr- und Zollerleichterungetr ein-- gestihrt. ' - - Rundschau Flucht des Euttims. Auf einem englische« Kriegsschiff. Konstantinopel, 17. November. (Havas.) Ter Sultan hat sich an Bord eines b r i t i sch e n Panzerschiffes gestuchtet, das sofort, nach Malta abging. Der Schritt des Sultans war schon seit einigen Tage» zn erwarten. Seine Palastgarde war unzuverlässig ge» worden, weshalb der Sultan sich in der vorigen Woche unter den Schutz des englischen Generals Hamilton wellte. Das Palais wurde von britischen Matrosen bescht. Konstantinopel, 17. November. (Havas.) Als sich dev Sultan mil-seinem Sohn, dem Prinzen Mehmed Ertogrul, einschifste, erklärte er, er danke nicht äh, sondem er reise einfach mit Rrlckstcht aus die drohende'Gefahr ab. \ miämmimmmiiS Amugstoffrein Wolle, 140 cm br. K 49.000 DoublO-Raglans, rein Wolle . . « SSV.000 Regenmäntel. I a K 168.000 H.; Taborstraße 48 ' Telephon 47-1-70 En gros En detail iraOT. --r -iv:••?-yr. -: »•/ eunr.r frwfnxi rnamri7r^x:^drvitm 4'if 1 >»!