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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-18 · Heft 1355 (18.11.1922) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1355 (18.11.1922)
Date
1922-11-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 Men, Samstag Wiener MornerizeitnnA. 18. November 1922 Nr. 135b hm mm feinsten Mm g|f 9l8-ä-Vi« 1 m^MtW W <8-8ß London, 17. Novettwer. Das Reutersche Bureau meldet aus Konstantinopel über die Flucht des Sultans, der Sultan habe General Harrington Mittwoch abertds geschrieben, das; er sein Leben in Gefahr erachte und um britischen Schutz bitten müsse. Er beabsichtige jedoch nicht, den Palast vor Freitag zu verlassen. Alle Vorbereitungen icicu daher gestern getroffen worden. Heute morgens frchr ''in Kraftwagen mit dem stellvertretenden Dragoman der britischen Botschaft und dem Adsnkanten des Generals parringion vor einem Seitemingang des Palastes vor. Kahrend die Wachmblosuirg stattfand, be«-ab sich der Sultan 'ml feinem Sohne Prinzen Mehmed Ertogrul und sechs Oingtiedern des Palaststabes in den .Kraftwagen urrd fuhr '.ach dem britischen Marinestützpunkt, wo General Harl-ington und der britische Oöertommissär Henderson den Sultan empfingen. Ter Sultan ging, ohne daß sich ein Zwischenfall ereignet und ohne daß jenwnd die Flucht bemerkt harte, an Bord des „Malaya". Hier ttznrde der Sultan von Vizeadmiral Brock empfangeru ' Henderson begras;te den Sultan namens des Königs. Ser Sultan versicherte, daß er sich unter den! Schule Großbritanniens sicher fühle, und erklärte nachdrücklich, wß er nicht abdanke, sondern sich nur aus der Gefahr be- >;^cbc, die ihn unmittelbar bedrohe. Die „Malaya" xsing sofort nach Malta ab, wo Anweisungen bezüglich des AufmchaltZortes des Sultans emtreffen werden. Nichts rechtfertigt daher eine möglicherweise von 'cmalistischer Seite geäußerte Vermutung, daß der Sultan inter britischem Drucke geflohen fei. Der Sultan beiürchtete wahrscheinlich für heute ein Attentat anläßlich;es Selamliks. 'Bern, 17. November. (Schweizerische Depeschenagen-!nr.) Der französiische Botschafter in Bern begab sich in Begleitung des italienischen und des britischen Gesandten Mte nachmittags.zum Bundespräsidenten Haab, um >on der Einberufung der Konferenz von Lausanne amtlicy ln Kenntnis zu setzen und den Bundesrat zu ersuchen, »ines feiner Mitglieder zur Präsidierung der Eröffnunaslitzung der Konferenz zu delegieren. Der Bundesrat hat die Einladung angenommen und den Bundespräsidenten haab zum Vorsitz der Eröffnungssitzung der Konferenz zbgeordnet. Die englische Delegatim. London, 17. November. (Wolff.) Wie verlautet, habe 8ord Eprzon im gestrigen Ministerrat die neuesten Deveschen ans Konstantinopel mitgeteilt und endgültige Weisungen für die Lausanner Konferenz erhalten. Die britische Selegatisn wird, wie die „Times" melden, nur aus wenigen Personen bestehen. Außer Lovd Curzon sei noch der iSbertommissär 1 in' Konstant'mopel zum Delegierten erbaut wurden. Ihnen würden dev Unterstaatssekretär im ruswänigen Amte, Tyrrel, und mehrere Sachverständige oeigegeben werden. KesienMNkrise in Nentschland. Berlin, 17. Novernber. Wie die „B. Z. am Mittag" meldet, hat sich das Zentrum zur Kabinettsfrage bisher nicht geäußert. Man glaube, aus diesem Schweigen eine . gewisse Mißstimmung über das Fallenlassen Dr. Wirths hcrankzulefcn, die aber wohl zu überwinden sein dürste. Die Hauptschwierigkeiten der Kabinettsfrage Liegen in der Berücksichtigung der rechten und linken Flügel der Sozialdemokraten und der deutschen Bolkspartei. 'Es heißt, daß die Soz'a-demokraten als einzigen parlamentarischen Mmjster der deutschen Bolkspartei den Zlbg. v. Raumer ertragen würden. Für Herrn v.R-umer bliebe nur daS Finanzministerium, denn der freies.atz im Wiederaufbauurrnisterimn scheine dein Vertreter der früheren Unabhängigen Dr. H i l f e r d i n g zugedacht zu sein. Berlin, 17. November. Da Geheimrat Cuno erst heute nachmittags von Hamburg nach Berlin zurückkehrt, hat die Frage der Regierungsbildung seit gestern abends im allgemeinen keine Veränderung erfahren. lieber die Haltung des Zentrunts gegenüber der Kandidatur Ennos für den Posten des Reichskanzlers sagt die „Germania", ftir das Zentrum komme a ein. ein Regierungsprogramm in Frage, das in se ren Grundzügen nur dasjenige der bisherigen Regierum, sein könne. Tie .Haltung der D e u t s ch n a t i o n a l e n Volk spartei wird, wie der „Lokalanzeiger" schreibt, in erster Linie durch den Inhalt des neuen Programms bestimmt werden. Da ment in ihren Reihen in der letzten deutschen Note einen wesentlichen Fortschritt gegen früher sehe, dürfte der Gegensatz der Deutschnationalen Bolkspartei zu einem Kahmett Cuno - zum. mindesten kein scharfer sein. Viel hänge allerdigs von der Frage ab, ob Geheimrat Cuno sich die These seines Vorgängers: „Der Feind ft e h t recht s" zu eigen machen werde. Berlin, 17. November. Wie die politisch-parlamentarischen Nachrichten . Lei Redaktionsschluß Mitteilen, wird Reichskanzler Cuno noch im Laufe des heutigen.Tages versuchen, ein Kabinett zu bilden. Er beabsichtigt, die Minister der Negierung Wirth bis auf den Reichspostmini-- ster Giesberts, der ans Gesundheitsrücksichten scheidet, zu übernehmen. Für das Wiederaufbauministerium ist Dr. Hilfserding in Aussicht genommen. Dir Sozialdemokraten verlangen jedenfalls noch eines der bisher freien Mnisterien. i Wie die politisch-parlamentarischen Nachrichten weiters erAhrerr, hat der sozialistische Abg. MMer.der gestern mir Cr;no verhandelte, ausdrücklich darauf hingewiesen, daß dichgroße Koalition, gegenwärtig für htz Sozigldemokratie" uniragbar.. sei. Leipzig, 17. November. (Wolfs.) Bor dem Reichsgericht wurde heute im Kriegsschuldigenprozeß gegen den mehrfach vorbestraften Schneider Karl Grüner wegen Rückfalldiebstahls und Plünderung verhandelt. Der im wesentlichen geständige Angeklagte hatteirw..November 1918 in einem Lazarett in Charlewi die Brieftasche «ines Unteroffiziers mit Ausweispapieren und Geld, unterschlagen ■ und war hierauf desertiert. Angestiftet durch elneu belgi»! schen Gastwirt, verhaftete er zusammen mit dnem lucht ‘ ermittelten Helfershelfer den Belgier D^nis Grotzenken, artgeblich auf Befehl der Kommanoantur, und raubte ihm ' gewaltsam eine Brieftasche mit 8000 Mark. Der ^"geladene Groizenken war nicht erschienen. Der Angeklagte wurde von der Anklag-- des Diebstahls freigesprochen, dai feine Straftat als eine durch die Llmnestt» erledigte Unterschlagung anzusehen sei. Wegen schwerer Plünderungen ' wrrrde der Angeklagte zu zwei Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft von drei Monaten, zum Verlust der bürgerlichen Ebrenrechte für fünf Jahre und zur Entfernung au§ dem Heere verurteilt. Da« Blutattell «egen Fechenbach. München, 17. November. In der heutigen Sitzung des LandageS beantwortete Justizminister Gürtner di« Interpellation der Sozialdemokraten über daS Urteil im Fechenbach-Prozetz. Es fei kein unschuldiger Mann von einem ungerechten Urteil betroffen worden, sondern einen gefährlichen Schädling des ganzen Voltes habe , seine verdiente Strafe erreicht. (Lebhafte Zustimmung rechts und irr der Mitte.) ■ Tätlichkeiten in derHeMchr StÄtversümetenversammlma. . Berlik, 17. November. (Wolff.) In der gestrigen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung kam es bei/Beratung eines dmtschnationalen Antrages, wonach der Magistrat ersucht werden solle, für die Sicherheit der Dersanimlungsfveiheit Sorge' zu tragen, zu großen Larmftenett, die einen Augenblick sogar zu Tätlichkeiten ausarteten. Ter Stadtverordnete Kube, der den durch die . blutigen Zusammenstöße vor dem Zirkus Busch veranlaßten Antrag begründete, wurde von kommunistischen Abgeord-; neten so harr bedrängt, daß seine derrtschnationalen Parteige,lc-ssen zur Abwehr schritten. Die Sitzung mutzte auf! eiue Viertelstunde vertagt werden. Dann konnte Kube seine Rede unter andauernder Unruhe beschließen. Die lkilfeeatMemr irr DeuKchlM. BrrÜ«, 17, Novernber. Der Ndchsteg hat heute in zweiter mtd dritter Lesung die Änderungen-bezüglich der Jnselxilenstener angenommen, die der Ausschuß befchwssen hatte. Es bleibt also dabei, daß von der ersten Million Mark des innerhalb des Kalendervierteljahres vereinnalMte Entgeltes eins Ermäßigung auf 0,6 Prozent,.-von de« nächsten Million auf 1 Prozent, von der nächsten MNvn Mark auf 1,5 Prozent und Von den darüber hinaus gehenden Bsträgen auf 8 Prozent skrtritt. DaS Gesetz tritt mit Wirkung vom 1. Jänner 1928 in Kraft. Der Reichstag beschäftigte sich dann imt den Aendemn-gen deS Gesetzes über die' Gewerbegerichte inw Kaufmannsgerichte und beriet schließlich die neue Geschäftsordnung für das HauS. der amer8a«Wsn Wir wir an anderer Stelle berichten, hat das Joint Distribution Coumlittee für die Fortsetzung der Hilfsaktion für §>ester''eich 50.000 Dollar zu spenden beschlossen. Der Wortlaut des von Herrn Marburg an' den Bomyenden der American Relres Admuisstratiou Mr. Herbert Hoover gerichteter Schreibens ist folgender: Sel»r gcobrter Mr. Hoover! Captain Gardner Richardson, der Leiter der Anrerikan Reite' Administration nr L esterr. '.ckh hat mn u-'S kürzlich wegen Gewährung einer Widmung von 60.000 Dollar zur Fortsetzung der Hilfeleistung für die Intelligenz 1 und den Mittelstand u Oesterreich konferiert. Das amerikanisch-jüdische Joint Distribution Committee ■ hatte sein Hilfsbudget für Oesterreich schon überschritten. Wir hatten uns der Hoffnung hingegebcn, durch die rm verflossenen Winter gewährte Zuwendung von 100.000 Dollar Vt-c unhaltbare Lage der österreichischen In- -tclligenz uwb des Mittelstandes bis zum Beginn einer Besserung der wirtschaftlichen Lage zu lindern. Nun sehen wir jedoch zu unserem größten Bedauern, daß diese Wendung bis jetzt noch nicht eingetreten ist. Wie in Amerika wißen die ausgezeichneten Eigenschaften des Mttelstan'des und der Intelligenz als Staatsbürger zu würdigen. Wir anerkennen, was Bildung und Kultur d'eser österreichischen Stände für die,Welt bedeuten und wir sind uns' dessen wohl bewußt, was Oesterreichs Kunst, ganz besonders seine Musik, wo immer sie auch gehört wird, z^ bieten hat. Die große Not dieser Stände in Oesterreich ist nns^nicht unbek^.mt und wir freuen urisckn der Tat, in der Lage zu sein, dem Ersuchen um einen weiteren Beitrag von 60.000 Dollar Nachkommen zu können. Nach unseren Informationen wird die ganze Spende, gemäß den Vorschlägen des österreichischen unparteiisch wirkenden Komitees verteilt lveöden. Dies findet nicht 'loß unseren Beifall, sondern drückt gleichzeitig unseren aigeneü Wunsch aus. Es ist unsere Absicht, daß dieses Geld lediglich nach Maßgabe der Bedürftigkeit verwertet wird. Wir sind'desien gewiß, daß eben unter, der Leitung des Captain Richardson und unter beratender Mrthllfe des aus hervorragenden Oesterreichern bestehenden Komitees, welches im vergangenen I bruar vom Bundespräsidenten Oesterreichs eing-csetzt worden ist, ' die Hilfeleistung diesen Grundsätzen gemäß vollzogen wird. Gezeichnet: Fest; M. Marburg, Vorsitzender des , amerikanisch-jüdischen Joint Distribution Committee Haitis, 17. November. (Wylff.) Nach einer Meldung der «Chicago Tribüne" ans New-Körk verla!-'"t"aus Pr- : kiirg, -daß der chinesischen Regierung von den Bereinigten Staaten England, Frankreich und Italien ein Ultimatum zngestellt ivorden sej, worin'die Freilassung von zehn durch eins MlnestHe BaE ftMhaftMn WWndern'' RWu einer Woche verlangt werde, widrigenfalls die Mächte Ehirtg öffentlich als e i n e v o n Räubern b e- LerrfchtH unverantwor^ich« - HathsA u'üäudu»würden. ' 8« stelchm des Salenkrenzes. Aus Frankfurt a. M. wirv gemeldet: Die Klinikerschaft an-der Jenaer Universität hat einen --Beschluß gefaßt, daß in den klinischen Hörsälen die ersten vier Bankreihen für Studieretlde rrin germanischer Abstammung zu. reservieren sind. Der Block republikanischer Studenten hat gegen diesen Beschluß, in welchem er einen Verstoß gegen die Reichsverfassung erblickt, da auf diese Weise Studenten zweUer Klaffe geschaffen und die staatsbürgerlichen Rechte vrr jüdischen Kommilitonen verletzt werden, bei der Universitätsbehörde protestiert und die sofortige Suspendierung dieses Beschlusses verlangt. * Sie bleiben sich eben überall gleich —, die deutsche»t Kommilitonen", was auf deutsch etwa Mitkämpfer bedeutet. Nachdem einmal der berühmte „Dolchstoß von hinten" erfolgt ist, der ihren glorreichen Taten ein Ziel gesetzt hat, haben sie den Kampf nach innen verlegt und suchen das, waS in jenen Kreisen Gesinnung heißt, an den Juden zu betätigen. An der Universität in Jena hat eiurml ein gewisse Schiller den Geist der Humanität gelehrt, heute treiben dort die Hakenkreuzler ihr unsauberes Spiel. Ihre Art- und Sinnesgenossen in Prag aber betveisen, wie rrnst es ihnen um die nationale Freiheit der Minoritäien ist, indem sie durch wüste Radauszenen den Lehrbetrieb an der Universität hindern, weil der Jude Stein herz zum Rektor gewählt wurde und sich mit jüdischer Hartnäckigkeit darauf versteift, diese Würde auch tatsächlich auszunben, während seine jüdischen Vorgänger aus der Aeva der Monarchie mit der Wahl vorlieb nahmen,^unl in verständnisvollem Eingehen auf die ah> demische Komödie in demselben Augenblick zu resigniere^r Die deutschen Studenten aber bleiben die Blüte der Nation und aus diesen Kreisen rekrutieren .sich die Element', welchen Nechtssprechung, Verwaltung und sonstige verarüwortungövolle Obliegenheiten anvertrant werden. Wie sir übrigens zu den eigensten- Fragenihres Volkstums stehen, beweist die folgvude Meldung des „BerUtlor Tageblattes"» „Der Ausschuß der Berliner Studentenschaft hat w M«r Sitzung eiytz öffizielle Beteiligung an der Gerhar« Hau p t mg nft-F e itz r in der Universität mit Hehr, heit äbgelehut. .Ein Redner führte aus, daß Hauptmanv ^öiK Wlte» “* Äljc berloren |ci6c (!) und' m Itejzublikäner

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