Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1351 (14.11.1922)
- Date
- 1922-11-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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'Sj '" i > /i* Mendr MvrOeUchsHuyA. ^.. -.—— ..<»^ Düen, Dienstag 14. November 192S ISVs, 58 (BMftMfloMlt MMM w WM Warschau, 11. MvrWe^ Nach de« ÄS. her dem I. L. V. vorliegeMn ZWungeu find fik de« künftige« Test« 8 8 jüdischnationale Deputierte gewühlt worden. Die Aslimilalrten sind überall geschlagen PHPiHt UnferLemberger Korrespondenk schreibtuns unter dem 9. November: Die einzelnen Ergebnisse des Skrutinkums liegen bis heute nur teilweise vor, so daß es noch etwas verfocht ist, ein Gescrmtvesumee Mr das Ergebnis der Wahlen zu geben. Dadurch, daß die Regierung durch eine Reche der Verschiedensten MaßregM in letzter Stunde das bereits -bedeMich gewordene Bandemmwesen in den Grenzgebieten vmdamrmen konnte, ruchmen vxe Wahlen mit geringen Ausnahmen einen ungestörten Verlauf. Obzwar sich das Gros der Ukrainer von der Wahl fernhielt, kam es fast nirgends zu RrchestöDuige«. Ebenso muß anerkannt -verden, daß die staatlichen Organe m den meisten Wahlbezirken As ans ewige unrühmliche Ausnahmen allen Par. teken g^erMer Objektivität bekundeten und sich jeder Beemstuffmig der Wählerschaft enthielten. Wmn man an die bei den österreichischen' ReichsrcMvahlen Vovgekornmenerr Gaffen WahbrrWräuche und an die blutigen Borgange im Wahlb^ick Drohobycz zuvückbenkt, so zeigt das Bechalten der offiziellen Organe in der gegenwärtigen Wahlperiode einen bedeutenden Fortschritt. Bei jenen Wah-. len tonnte eine Reihe von jüdffchnatronalen Kandidaten nur deshalb keine Mandate erlange«, weil einerseits Hunderte jüdischer Wähler nicht zur Urne Melassen, andererseits denn Skrntinimn offenkundige Schwindeleien verübt wurden. Rur diesem Umstande veckarckter^ es ja die sogenannten PolerrWubjuden, daß sie gegen den Willen der jüdischen Bevölkerung jcchreLaug <üs Wortführer des galizischen Urdentums aurftteten konnten. Lharakivriftrsch für den Verlauf der gegenwärtigen Wahlen ist eine gowrffe ÄonsÄidiemng der Wählerschaft nach programmatischen Gesichtspunkten und das vollständige Fiasko aller auf unnatürlicher KomPvomrßmacheveL basierenden, keine emheÄlichen politischen. Gesichtspunkte vertretenden Gruppe», obzwar sich auf diesen Listen die DLcunen bekannter, Mitunter sehr befähigter Persönlichkeiten der früheren A-eva befanden. In dieser Hinsicht ser zunächst <*uf den völligen Mißerfolg der Zentrums- und Staatsunronsliste hMgÄviesen, deren , Liste fast keinen einzigen jüdischen Namen enthielt, oHWar'sie mittels jüdischer Plakate um die Stimmen der jüdischen Bevölkerung tvarb. Diese Liste schielt z. B. im SwdWirk Lentterg kaum 2000 Stimnckn, darunrtev nur sehr tMtige polnische. Das Gros der PolMsch-chrisDchen Wählerschaft in den Städten hat geschloffen für die unter dem Losungswort „Fort mit Pist fudski", „Nieder mit den Juden", und mit Men deinagogischen Mitteln propagierte «ationaldemotvatische Liste gestimmt. Dennoch'Westen die HoffmmKn der Nationaldemokraten ln Hinsicht auf die Erlangung der Majorität iur zukünftigen Sejm dadurch hevcckgsnttndert werden, dich ihnen die Wiios-Partei einen großen Teil der erstrebten Mandate entrissen hat. Sie büßen st am eigenen Leibe für den von ihrem Leader, dem antisemitischen. Hetzpater. Lustos law skr sornerten WMresormentwurf, der durch eine seimrsonnene WcWgemetvie die Juden Ostgaliziens ihrer parlamentarischen Vertretung bermtben wollte und zu diesem Zwecke die städtischen WwhlbeziÄe mit Ausnahme Lembergs durch die umliegenden Landbezirke majorisieven läßt. Einen ziemlich schweren Standpunkt hatten diesmal die polnische» Sozialdemokraten Auch sie halben üisolge der in den letzten Jahren angewachsenen chauvinistisch-antiseMittschm Strömung eine erhebliche Anzahl von Anhängern, insbesondere in den Eisenbahnerkreise«, an die Nationaldemokraten verloren. Airckererseits hät Wen der Mische ,Pund", ohm selbst irgend welchen positiven Erfolg erzielen zu können, mehrere lausend jMfche Stimmen MveMg gemacht. Mit Mühe gelang eS Wen, je sin Mandat in den Wahkb^irken Lemberg Äadt und Bezirk, PrzenchSl und Stchj zu erlairgen. Die Listen der linken und rechten Poalezronisten fielen mit einer lächerlich geringm Anzahl von Stimmen Lesterreich. LA Wiener Lmcktrg gegen den Raanzplm. Im Mittelpunkt der gestrigen Sitzung des. Wiener Landtages stand eine Resolution der Sozialdemokoaten zur Verhandlung, welche Einspruch gegen den emsMg der Industrie und den Städten ungeheure Lasten auferlegen den Finanz plan enthalt. Die Nesolut-ion betont,, daß dieses Vorgehen einseitig die Landwirtschaft und die Dörfer schone und geeignet sei, schwere Krisen.und furchtbare Arbeitslosigkeit heranszubeschwöxen. Es wird Verlangt, daß die. 'im Abgahenteilu.«gsgesetz de-, stimmten.Pcrs.onalkosicnzuschüsse sin Länder und Gemeinden womöglich nicht. innerhalb /zweier Jahre, sondern innerhalb vier I a-h te' a b g'cöa «t iv e rd cm.' ■ ■ '* Eine Gas» und I.^o,H^Mer dWj als Bundes-! durch. Man kasiit ffrdiesem' Fallenncht eiwrlal von'Z L h st .!a ndidaten sprechen. Gänzlich von dev. poMschen Bildsiäche verschwunden sind, vorarlssichtlich für alle Zukunft, die jüdischen Assimilanten. > ' Jhve im' September MWandene Konferenz'war ein letztes Aufflackern der erlöschenden, Kraft dieser Schädlinge, die jahrzchiüelau-g die Seele des'Müschen Volkes in unserem Lande durch ihre gesnrnungslose und servile Politik vergiftet halben. Einige aus ihrer Mitte, denen man ehrliche Gesimnmg nicht, absprechen kann,/hatten es im Bev» laufe dieser Tagung deutlich Herausgesagt, daß Ae Wortfiihrer der Assimilation durch ihr passives .Verhalten in den, schwersten Taigen das Vertvaueir der jüdischen Oefftntlichseit eingeibüßt HaÄn. , . Die jüdische. Wählerschaft hat sich endlich aufgerafft und am 6.- November über ihre bisherigen polttifchen Vormünder Gericht gehalten. Die Herren Löwenstein, Stemihaus^ Gall, Rauch et conserteS dürfen eMich auf. ihren Lorbeeren ruhen, auch der Abgeordnete des ehemaligen 3. Wahlbezirkes Lemberg Dr. Herrnarm Diamand ist im Wahlbezirk Strhj durchgefaWn und wird sich vielleicht mit einem Mandat aus der sogenannten Stadtliste begnügen muffen. Die Kandidaten des WahMocks der vereinigten jüdischnationa-len Parteien in Ostgalizien, , die -in der Stärke von 16 bis '16 Mgeordneten in den Sejm entziehen, sind sich der großen-veVanÄvortungsvollen Aufgaben, die ihrer harren, voll und ganz bewußt. Gestützt auf das Vertrauen und die aufrichtige Zuneigung der breitesten jüdichen Kreise werden sie Me ihre Kräfte daran setzen, durch ziMewrlßtes, bssommres und unerschrockenes Auftreten die arg bedrohten Juteressen der jüdischen Bevölkemng zu vertreten u-ttlb zu schützen. Sie werden es auch vers-chen, sich die Achtung und WertschätzMrg anderer Parteien zu erwerben, vielleicht auch die Mittel finden, um früher oder später eine ehrliche Vechändigturg von Volk zu Volk anztchahnetl. Leon Aeich siebenmal gewiihlt. Lemberg, 11. November. (Tel. der „Wr. Morgeuzeitu^.) Der Präsident der Zionistischen Organisation für -OstMtzien Dr. Leon Reich wurde in .sämtlichen sieÄn der Pesiätigu-ng limvch Än PrMrat' da§ LMbertzer Mandat armchmen. ANtzst'me Äelle dürsten nachstehende von den Lowählten Kandidaten, treten: Wahlkreis Stzrnislau: Dr. Rosmarin; Tarnopol: Prof. Dr. Hausner Wrsvachi); Swmbor: Rabbiner- Aron Lewin; Zloczo w: Heinrich Reiz es; Lemberg, Bezirk: Dr. S chr t i- Iber, eventuell Dr. Federbus ch (MiSrachi); Siryj-Drohobycz: Dr. R i n g e l, everttuell Redakteur F r o st i g; Przemysl: Redakteur F r o st i g, eventuell S e e l e nfceund. Unter den Gewühlten, bezüglich deren die Wahlkreffe noch nicht festgestellt sind, befinden sich cu Frau Rosa Melzer (Fmuenorgalnsittion), Karl Eisenstein (Äauftnannschaft), Dr. Silberschein und Heller (Httachduth) und Dr. Sommerstein. Kein jiivijcher Sozialiit.' . Warschau, 11. November. (I. C. B.) In der Fraktioll der polnffchm Sozialisten (P. P. S.) befindet sich kein einziger Mischer Deputierter. Wie bekamtt, zählte die frühere stzialfftrsche Sejmfvaktron zu ihren Mitgliedem drei Juden: Dr. LieVermann, Dr. Diamand und Dr. Perl.. Bon diesen sind Liebermamr rmd Diamand bei den Wahlen durchgesalleu, wählend die Kandidatur deS Dr. Perl Mt wieder culfgestollt worden ist. Sie Httllchduth. /Warschau, 11. Noveinber. (I. C. B.) Me bäannt, hat sich von den links gerichteten Gruppen in Polen nur die' zionistische Arbertssvaktion Hrta chhuth deni Block der ^rationalen Minderheiten cmgffchlossen. Bon dieser Gruppe sind nur drei Deputierte aus der Liste des Minderheitsblocks gewähltrvovdön: Lewinsohn (Lodz) wurde im WohÜMr Wahlkreis, Dr. S i l b e r st e i« und Z. Hel l e r wurden in Ostgalizien getvahtt. In den Kreisen der Hitachduth rechnet man auch mit der Wahl eines Vertreters dieser Partei in den Senat. st euer nicht m Anspruch genommen, stndtzm nrutz '-wie bisher den Ländern und Genwinden zum AuSban Mechalb der durch die wirtschaftlichen VerhattMe gegebenen Grenze« überlassen werden. Nach dem' Wiedevausbaugesetz soll die Gemeinde Wen die Lu xuswaren ab gäbe vertiieven, ivelche dem Ertrag nach die zweitgrößte Steuer ist, die sich in unausgesetzt omf* steigender Richtung entwickelt. Der Einstige Anteil an der Warenumsatzsteuer, der genau in dem gleichen Maße' allen Ländern Und Gemeinden zukommt,' bildet, wie die Reststtiön betont, keine E n-t s ch ad i tz u n g für den besonderen Cntgang, den Wien erleidet. Die geplant« Dertetlung. der . Warenumsatzstouer . ist ^cine außerordentlich' ''fchÄ'rre Benächt'eil-igung' 'Wiens. Im "allßMei- I ifen per Teil der Warenumsatzsteuer, der vom Bunde den' ' anderen Gebietskörperschaften überlassen wird, mit 60'Pro- Schließlich wird festgestellt, daß der KNtzvzpstft in seinem ersten EntwM die.-Ander Gemeinden MWn Wollte, im Jahre st e«e i, auf S Prozent, im Jahre 1924 auf üWroMt des FriedenSertrageS in Gold- > krönen zu-, e r h Ent^^f^ ist diese Besttm« mung aüs dst -'B^Wfach^ng,- HezichtrngSwetse Berneun- 'fachung des g^nz upbedeütenden Ertrages vom Jahre 1922 herabheckUdert^ M-' H. 'chevHmchauS kein Schutz der Meter vor hoher Bestouevung. Der Entwurf verkürzt dieden Ländern und Gemeinden als Ersatz für die in Wegfall kommenden Bundeszuschüsse oingeräu-mten StmerertvagSanteile gegenüber dem ersten Plan außerordentlich. Dadurch wächst selbswerstSMüL das Defizit. . Der Wiener Landtag, so heißt eS in der; Entschließung, stelü fest, daß die Verantwortung, eine hohe HauSzinssteuer, welche die Wohnungszinse stark in die Höh e t rfe i b t, die Bundesregiemng tvifft, denn sie zwingt die Gerneinde Wien, wie alle anderen Gemeinden, auf d'cse gehäsiige Steuer zu greifen, ohne die, wenn der Finanz^! Gesetz wird, auch nur fiir die Befriedigung der wichtigsten Aufgaben der Gemeinde nicht vorgssorgt werden kann. — Die Resolution, die gestern im Stadtsenat beraten wurde, wird hente dem Landtag vopgelegt, ME Nachfolger Segar». Unanzminister Segur wird sich noch längere Zeit Schonung ausevlegen müssen und hat deshalb den Wunsch geäußert, daß das Finanzamt nttt einem neuen Manne^ besetzt werde. Die Mehrhätsparteien Wen sich geeinigt,^ den BimdeSrat Dr. Viktor Kienböck zum Fittaltzminister zu wählen. Dr. Kienböck ist von Beruf Advokat und gehört dem streng katholffchen Mügel der CchristlichsoMen an. Seine Partei hat ihn seine-Mit fiir die BundeSPräsidentenstelle kandidiert, doch lehnten ihn die Großdeutschen ab, da seine Mutter eine getan ste Jüdin war. Im Haupkausschuß wird heute der Bundeskanzler DMollung vom AurtSvetzichst Segurs machen, worauf die MehrheitZparteien den Wahl- Vorschlag für den Natiomlrat erstatten wecken. Dr. Kimbock wird auch bereits in der morgigen Nattoncklwtssitzung zltm Finanzminfftev gewählt wecken, « Der schleppende Gang der Verhandlungen über - daß Wiederaufbaugesetz im Finanzausschuß hat den Bundeskanzler Dr. Seipel veranlaßt, mit dem Führer der Sozialdmrokraten, Präsidenten Seitz, Fühlung zu nehmen, damit die Sanierungsgesetze zeitgerecht erledigt wecken können. Gestern schloß -er Finanzausschuß die Genevaldebatte über das erste Kapitel des Wiedercmfbaugeisetzes und begann die GeneuaDvbatte der beiden.folgenden Kapitel (Abbaunraßnahmender Hoheitsverwaltung und der Beiriebsvertvaltung). Mt der Frage der Abgabentellung zwischen Bund, Länder und Gemeinden lvMe ein Subkowttee betckrtt." Me die KovrePoEnz Hocket meldet, haben die Frnartzdcilegierten des Völkerbundes bei den Verhandlungen mit der Regierung Äbe-r bas Noienbankprojekt ursprünglich die Forderung gestellt, daß die Subskription der Aktien dieser Bank bereits mit 20. d. beginnen soll. Im.Verlaus der Beratungen ist einvevmhrnlich mit der Regierung der erste Dezember l. I. als dev Tag des BegnmeS der Subskription' festgesetzt worden: Die rechtzeittge Erledigung des Notendänckgesetzes und des Rotenbankstatuts im Nationalrate, .wo mpMn in die zweite Lesung der beiden BoMgen erugogangen wick, und wo am Donnerstag die dritte L^ung durchgefühck tvecken soll, ermöglicht nun die Einhaltung dieses Termins. Die, BechaMungen.mit den BaMn sind bereits formell zum Abschluffe gelangt. Die neue Notenbank wird noch in der ersten D^emberwoche ihre Tätigkeit aufnchmen können, nachdem die Mchnung der Halste deS AktteickaPiialS genügt, um diese Baick ins Leben zu rufen. Der AustrM Redlngers aus der deutsche» NMonalpaüe?. Prag, 12. November. (Tel. der „Wr. Movgenzig.") Die deutschen politischen Kreis'M stehen jetzt unter dem D.mck des Austrittes des Abgeordneten Dr. Med'inger aus dvm packamentavischen Verband. Dr. Medinger, der Vorsitzende der deutschen VÄkerbuMiga, hat sich zu seinen: Schritt veranlaßt geschen, um in derMernattonlen .Politik freie Hand zu behalten und nicht durch Rücksichten aus taktische Fragen bchindert zu sein. In dem Schreiben an den Vorstand der Deutschen Nattonalpartei gibt er jedoch eine über diesen Rahmen hinausgehende Begründung,, die zugleich zu einer scharfen KMk t«r durchaus haltlosen Polittk der Deuffchen wick. Er erklärt, daß die Haltung feine* Partei mit den ihm in der BMevbmrdliga erwachsenden Aufgaben unvereinbar seien. „Ich' könnte mevrer Ausgabe nicht gerecht wechen, wenn, »nir, die Divergenz zwischen meiner p o s i t r v e u.. Ha l tun g auf Kongressen mit der Negation naöjgewrqeri wücke, die nun einnral nach der Lage der Dinge der Deutschen Nattonalpartei als.Rolle zugesMn ist".Das ist eine.sehr Peinliche Bemteilung der Politik der Deutschen, die in ihrem negättver^ Radikalismus vollkommen in eine Sackgasse geraten sind und ihre Ärffprilche aus dvn SMtz der MinovrtätsbesttürUmngen nirgends gelAck' Mchen köüM. 'Di^r inSbesondeve auf der Metter-Tagung der Jnterparlamerüarffchen Union zutage, wo Dr. Medinger stlbtt die KdffnuUgSIosigkeit dieser WM MWy WMe. .. Hl