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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-14 · Heft 1351 (14.11.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1351 (14.11.1922)
Date
1922-11-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■'.> % ' ’' >i * ' ' ' v . * / - ' 1 ’ '!/ ' ' ElBMlwromerKllOö Wien: ZunrAbholen indet Jjixpedition.-It.Taborstr. 1-3, ederjneinerVerscbleisstelle (Trafik) mona(l; ,K 30.000 Mit Rostvters,and fiir Wien ü. Oesterr. monatl. K 30.000 :• .’ ■ L-! .- Tscheeho^SIowak ei: Men; K 20. Ungarn : Mon. K 600. Jygosfawien: Mon, Dinar 30. 'Po 1 ,e n: Mon. Mkj 2800. Deutschland: Mon. Mark 600.: Fra nk r.. Belgien:.Monatl. Frcs. 8 MF* Nachzahlungen TW bei' Preiierhohungen eorbehalten »u« MUL rsihecno-SlowäKeli tschech. K 1.20^ 11 a 1!e n: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien: Monatl. ,60 Lei bezw. Lewa S cb-wei 2 und däeHbMv Ausland ijionatlich FrCs.3. Redaktion u. Administration Wien, IL, Taborstrasse 1—3 Wien. Dienstag. 14. November 1922 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab o Uhr abends 16-301, Tel.-Adr.: .Mörgenzeitung4* Wien Oesterreichiscbes Postsparkassen-Konto Nr. 150,693 4. Jahrgang Der Zwist in der Entente. —y. Wie n, 14. No*e«ber. Die Orienffrage tritt in ein kritisches Stadium, das chre Elemente, nicht mehr aus das Mittelmeer und den Balkan beschränkt. Die - LoMPerung W Problems aus die türkisch-griechischen Streitfragen ist, wie es naturnotwendig war, mißlungen. und der englisch-sraMösische Juteressengogensatz zeigt .sich ohne jede deckende Hülle. Die Versuche Englands, noch vor der Konferenz von Lausanne, deren Beginn ursprünglich für gestern aWesetzt worden war, eine Viniguug mit Fmnkre>ich und Italien herbeizuführen, sind Mgeschlagen) und es. wird, nun m einer mmcklichen Aussprache mit Poincare angeftrM werden, eine Einheitsfront herzustelten. England widevsetzt sich xeder Isolierung. Wieder einmal vertritt es die Sache Europas, wenn es den maßlosen -türkischen Frwöerüngen den Hillen der gesamten Entente'entgegensetzen will. Die'UneiNiAeit, die bisher bestand, hat eine kaum' noch zu 'bemefftevnde Unruhe erzeugt. Es ist deutlich zu'werken, wie die Türken am Gängelband WoskauZ sich.'in ihren-Ansprüchen hinauflizitierten^ je toeiter die Disferen^'zwischen London und Paris aufbrach. Erst -varen es 6000 Gendarmen in. Ostthrazien, heute hält man bei der Rekrutenaushebnng; in Konstgntmopel Ivollte Ksmal ursprünglich nur einen Vertreter sitzen haben; dann-derlangte - er die Räummrg durch die Alliierten; als idie Unruhen gestihvlich wurden, wollten -hie Ententegenerale >yrit scharfen NtzchttiAnen. Vorgehen.. Wem ein gemessener Befchl -aus Paris band dein fvaUßösischenI Vertreter die Müde - ühd! Kemal'reagierte augtznUWrch mst der Aushveffchig alleroüropaffchenBeaiMten,der Aushebung der Appetit der Hewälisten'uÄ der nüt'ihneu ständiger Vev- ‘ Hindung stehenden islamitischen Ovgänffatronen, .. die. in ihren K'lmdgebmrgen den Ton, der europäischen Manifestationengenau kopieren. -Es. -fehlt - Boeder, das historische Recht noch daS- Kigere SÄbstbostiminchlgsrecht. Sogar die VolksabstinMWlg taucht in einer arabischen Wunschliste auf und wird .Mr Syrien, Palästina und NWpotauüen verlmrgt mit der nach »dM.Ochenburtzer Hejjas-Rezept geforderten Bestimnümg, sie sei erst nach der Repatriierung der im Ausland weilenden.Einwohner vörzunehuwn. Dieses Postulat stellt sich als Ärve niedliche DeWhnWg 'aller interessierten Eu-voparnächte dar Änd entspringt zweifellos der Moskauer Hexenküche,. rn der alles von Demokratie trieft, wenn vöjl anderen Staaten die.Rsde ist. . ' ' ' In diesem Schachspiel antwmtet' die Augoratürkcr 'Zug um Zug der Entente, die <mf allen Punkten in die Deftnsrve ^gedrängt - ist. An: stärcksten ist' der. Eindruck in. Lyndon, wo - sich- -heute, knapp. vor den Dahlen, alle konservativen ÄlLÜve'-»'««-. Kandidaten.,'sragM>- .weshalb eigentlich Lloyd George habe gehen müssen, dessen Poliük durch den Lauf der Entwicklung desMgt wird. Weder in den Orienifvagen noch Ar den euMpäifchen Problemen kann Bonar Law andere 'Woge gehen, und selbst wenn die Wahlen ihm eine große Majorität brächten — Ivas heute schon sehr fraglich geworden ist —, ist eine Neuorientierung unmöglich. Dazu sind die Dinge zu weit' gediehen, und heute ist Englands Prestige'bereits - so stark engagiert, daß es eine BerücksichHungftiner Interessen auf der Laufamver Konferenz unter'' Äen Umständen' dirrchsetzen muß, selbst um den Preisder Spvengmpg der Entente. Es fft anzunehmrn, daß gerade W verspannten Forderungen , her ' türkischen Nationalisten,-die sich schließlich auch' gegen Frankreich Und Italien weMn, die Basis füp d..'rjMe - Asienppogrämza: bilden werdest, wennschon w einem^ anderen Sinne, alZ man in Moskau , hofft. Denn auch in i Frankreich istman heute nachdenklich geworden' und der ,MemPs" führt eil« sehr eiudeMge-Spvqche gegen Angora. . ' 7' Die Unklarheit der Situation nicht mehr lange dauern. MörM ivebden in Englandcchie. Wahlen: stättfin-- den und dW/ivick 'dke'/eWffWPKE 'wie-dirn Form und Farbe annchmen^können.- Hchw' WMre,'^ dieser- Tage nach London kouünt,', bringt »sicheDch den besten Willen zu einer GktiglM nüt, Er hgt'daheim k^ine güten Tage. Die Opposition gegen seine, PolsMWchst.^ Für die einen childei die an die Maxk.den Gegenstand dtzt Beschwerde,-für die anderen ist die Orientpolitik der Punkt des Widerstandes. Läßt Mu.die Türken zu viel fieöcit, so ist Frankreichs Position in Syrien, aber auch in Algier ituö TunisM Währ.' Die Einigung 'wird komnren. Die Kow KÄ^nen für Fmnkvejch WMWM-Wrw ' All Mt mch London getze». Paris, 13. Novernber. . Dse Agence Havas meldet: Nachrichten aus London stellen die britische öffentliche Meinung als sehr besorgt über die Haltung -der französischen .Regiemng in der Angelegenheit des nahen Orients dar und sprechen sogar von-einer Krise in den Beziehungen zwischen den beiden Läuderm. Her Grund der Spannung läge insbesoudeve dariü, daß Mnisterpräsident Poincare den Wunsch Curzons aihgelehnt hat, mit chm vor der Lausanner Konferenz. zusanrmenzutveffeN, die um 23. September von den Verbündeten beschlosseir worden war, ohne daß damals' von einer vorbereitenden ZivsainmenLunfi die Rede gewesen wäre. In der vevgailigeuen Woche hat das englische auslvärtige Amt PMcare ersuchen lassen, zu einer Besprechung mit. Curzon nach London zu kommen. Der englische Botschafter in Paris Hardingß nmchte heute vormittags einen neuerlichen Schritt.in diefenr Sinne. Poincare willigte ein, bemerkte jchoch, daß er vorher den Abschluß der Kammerdebatte über die auswärtige Politik der Regierung abivarten niüsse; andererseits kiüwe er in Abwesenheit des Vertreters Italiens keine offyielle Besprechung abhalten. Mussolini köüne nicht nach Lorcholi kommen, wäre aber beveft,. nach., einem weniger eNtfernk gelegenen Orte, nach Genf, oder Lausanne, zu kommen. -Poincare stimmte einer BesPrechmH'/wst MrZon und Mussolini in der Ueberzeu-- MMM7W,MWÄ-^u.Äerbimdchn jrber die üM7ft)gä^die^'BeÄ^trgEHKIWn'W mit der'Tü-tkek' e-ili.EMtMeMeit 'KpW^erßM'; ''..Die. ."öffentliche MemuM'-GnFarWsoll' auch - davon pnulich .überrascht gewesen' ferm daß - der französische ObeükoniMrssär' in Konsta-nü-nopA Generäl Pelle den Auftrag ^gehabt, hätte,, sich, der eventuellen Proklamieruüg des PeftlgeruugszustLlrdes in Konstantinöpel nur zögernd--und unter der Bedingung anzuschließen,-daß sich daraus keüwrlet Aktion gegen die Türken, echehen'-dürft. -Der wiMche Sächverhalt ist, daß die französische Regierung a-m'7. November um halb. 12 Uhr vormittags, noch bevor sie die' Beschlüsse der Kabinette von-London und Rom kannte; an General Pelle'ein TelMannn Mllchtet^ hat/worin sie ihm die formelle Erruachtigung.erteilt, die niit den allnertett OLerkormniffären vereinbarten Maßnahnren zu ergreifen und den BelageumMustand.zir veMngen, wenn diese Maßnahme als uckrÄüßli-chevachtet.-.wüÄe.l Dieses.'Telegramm, gelangte infolge einer Unterbrechung des Gglischen Kabels nach Syra erst am 9. November abends rtach Konftantinopel. Poincare, der am 9. November chön dieser Unterbrechung verständigt -wuÄe, wendete sich -Kwermal an die TeleMphenbehörden in MalM mn Ausküifft -und bat sie, die Telegramme nach Konstantrnopel auf'drahtlosem Wege cibzusertigen. Sie gaben jedoch keine Antwort. Poincare ließ hierauf das Telegramm mit der EÄrächttgung zur Verhängung des Belagerungszustandes rmd -die anderen nicht an das Ziel gelangten Telegranmre durch den -Pariser Direktor der Eastem Cable Eompanh telephonisch nach London abgsben und auf diese Weise konnten die Tehegrmmne nach Konftantmopel übermittelt werden. Die französische Regierung ist also nicht verantivgrEch für die 48stüu.dige Verspatrmg, die in der Uebernnitluug der Weisungen an General Pelle emgetveten ist, toelche Weisungen Poincare am 8. NovWb^dchSWta^ - Tatsächlich ist . der' Mk^rüngs^WK'.-U -KöWlrtinopel nicht verhängt Wochen, und zwarnicht infolge)des r Piangels von Weisungen an. Gsneml PMe, sondern, mit!' -WDcht-MjM UneinMüt der DrtrÄÜr' Ser-ÄÄbWÜeftn . MWch.wKevs^tiK-^,-,,^E^\'•/' j ZLas schließlich oim ÄeMelle Wft-n gMnchie Tuchen! anbelauht, so ist es nicht zweifelhaft, daß, weNn die Türken ' - den Vertrag von Mudania vÄtetzten und die Verbündeten Truppen in. der Etralen Zone augriffen, die srmrzösische i Regierung dies nicht dulden.'würde.. | Aus all dem geht hervor, daß die Haltung der französischen Negierung die Nervosität nicht erklären: kann, die sich in verschiedenen britischen Kreisen gezeigt hat und die nach; erfolgter Aufklärung schwinden wird. - . -Berlin, 13. -November^We^ uiehrere Büstter melden,- hat derMörstand. dar Deuischerr Polkspartei beschlossen; dem- Reichskanzler MitzuteiLsn, daß er nicht in der Lage sei, sich an - -dsn Verhandlungen über die Regierungsumbildung weiter zu beteiligen. Für die Deutsche Volkspartei käme rm-r eine offizielle oder gar keine Wteiligungmn. der Regft- - rungskoalitorr in Frage. Der. Pyrteivorstand wolle deshalb, auch dem ReichÄkanKer keinerlei Vorschläge bezüglich der Besetzung der freien Sitze inr Kabinett macheu. Nacheiner AMeilung der „Vossischen' Zeitung"^ habe die durch die ablehnende Haltung der Deutschen Volksparter geschaffene Lage in Zentruniskreiftn trotz aller Bankendew Gedanken' eiver -Auflösung des -Reichstages.- mch.^ Per. Ausschveibüttg von Neuwahlen aufiauchen lassen. , Wr „Lckalartzeiger" will wissssen, daß. man.auch in schialdemÄratischerr Kreisen -mit diesem Gedanken ANgehe^ Wlenken dM MMeMkratsn. Berlin, 13. November. Wie in Pa rla«nentarischen,Kreiftn in letzter Stuude verlautet, soll die Sozialdemokratische Partei einen Beschluß gefaßt habest, der dahin ausgelegt ti^rden^önne, -daß'sie sich im Prinzip mcht'abgeneigt zeige,' in vr-jre große Koalition mit der .Deutschm Bolksparteieiu-' zütvetem Sollte-diese Nachricht-bestätigt ^werden, so hätte damit die gegenwärtige, aufs höchste gesteigerte Krisis eine bedeuteuche.Entspanpung erfahren. , Die KemMen und der.Wuismus. Konftanttnovel, 10. November., (I.. C. B.); Der Mrtreter der Zioniftischen Weltorganisation in Hoystantmopel, Dr. Cal e b, hatte mit dem Kommissar,ber A n g o r a-R e g i 11 n n g in Konstantinopel eine Unterredung; während welcher der türkische Kommissär die Erklärung abgab, die kemalistische Macht werde die Zionistische Betatigung in keiner Weise stören, da Pal äst in a nicht zu jen e n Gebieten gehört, a n welchen die uene T ü r k e i i n t e ressiert ist. Auftellungsphlmtafien. ' . Bor einigen Tagest lvar durch die Amtliche Nachrichtenstelle :ein Artikel der ,InnsLrucker Nachrichten" auszugs-' weffe mitgeteilt worden, in dem mit Bezug auf emen AMel des Mussolinischen „Popolo dItalia" aüsgefiihrt wurde, daß! bei den ffchechisch-rtalienischen Verhandlungen in Venedig die Teilung OesteMichs verabredet worden sei. Der Unsinn , dieser Meldung lag auf-der Hand. Dem: es war nienmnj dem mcklar, daß. weder die Tschecho-Slowaker noch. Italien! heute, wo die für zwei Jahve errechnet Sanrexnngsäktion . noch kaum in der Entwicklung stcht, ihre Politik' festlegen zu können. Für alle Fälle aber P es gut, daßcher gewesene Minister S ch a n z e r in einem Telegramm au den „Abend" dieser Legende entgegentritt. Er telegmphieri:- . , ,>Fch schließe irr der errtschiedensten Weffe aus; daß . in Venedig zwffchen Hervn Benes ch'und m ur vön einer . allfälligen Teilung (eventuale spartiziosti) Oesterreichs gesprochen worden sei. Wir waren im Gegenteil völliß einig darin, die Nnabbangigkeit und Unantastbarkeit d e s ö st e r reich: s che n Gebt et es als eine wesentliche Forderung seiner und meiner Politik zu betrachten. Schanzet," MchHorthy dementkelt. Budapest, 13. Novernber. Das Ungarische Tel.?Korr.» Bür; stellt fest, ' daß die von: „Jorrrnal des Debats" gebrachte Meldung, womch der Vieichsverwe'ftr Horchy und der. italienische Minffterpväsident Mussolmi ein Üohevsin-- konmren zwecks Aufteilung Oesterreichs getroffen hatten, ebenso auf bloßer Erfirrdung beruht wie die Nachricht, die i von emeur gegen Iugoflawien gerichteten Mga-risch-italiei nisrhen Abkommen zu berichten wußte.

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