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Wiener Morgenzeitung · 1922-11-08 · Heft 1345 (8.11.1922) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1345 (8.11.1922)
Date
1922-11-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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^Seite 6 Wien, Mittwoch Schichte und Literatur in Wien. Leute. Vvfiroq -es Lerrn Dr. I. Son-ellin« (Lamdurs) Ober: „Die ttvolutionäre Idee und die Süden-. Ort: Saal der Temswdediblloteek,!!.. ^erdinavdssiraße 28,!. Stock. Besinn 7 Uhr rbends. Gäste willkommen. — Zronistiscke FrauenzruppelX. Die Zioniftilcde Frauengrunpe teilt mtt, daß sie jeden Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends im Lokale der Bezirkrj-Ktion, IX.. Siechtenstelnstratze 11/13 amtiert. — Zoologisches t a n i s Ä e Gesellschaft, Wien. Allgemein« Dersamnttung. heute. 7 Utzr. im LSrsaai 1l des Elek rotechniichen sipsti^uis.' IV.. Gu^ ausstrahe 25. Dr. L. Kandel-Mazzetti: Slatmbildrr aus China, ttl. Die LvSgebira« von Äonwest- Mnnan und des tibetitch-birmapischen Grenzyedir'es. (Mit Lichtbildern, darunter Autochromen.) Eintritt für Mitglieder frei' Br Nichtmiig'ieder find Karten zu 1000 K. in den Räumen und bei Funktionären der Gesellschaft sowie vor dem Dortrase erhältlich. — Sozialpädagogtsche Gesellschaft. Freitag den 10. d.. '/,7 Uhr abends, Anatomisches Fnsiit-t. IX.. >Vä!>nngerstratze 18. 1. Stock. Prof. Rudols Äbck: ^Selbstrrzichung CrwaLlener.- Sonn'ag den 18 b.. '/,? Uhr, XX., k>rnisaaffe 33 (WobllaLttshaus). (Serkart Ksuptmann-Ke'er: Slezitator Sans NeuoeLauer, Redner Georg C chnüedl. Zutritt frei. — Jüdische Tischgesellschaft Landltra ß e. Leute, 8 Uhr abmds. im LofS Ilton. IN. Löwen- Sdffe 89, Vor Iran des Dr. 53. Schiffmann: lieber ^jüdische Körperkultur." Gäste willkommen. Urania. Leute. V,3 Uhr (Großer Saal): Sckälervortrag: Zur Erinnerung an den Geburtstag Schillers. Die Raxttve. 5 Ai',r (Großer Saal): Indien. l/s6 Uhr (Kleiner Saofi: Direktor Karl Ltebleitner: Deutsche Volkslieder fiir valreim. und hie Welt,?. */a6 Udr (Kurssari): Dozent Dr. Felix Beo ch : Physiologie und Kygiene der Smährung un» der ßlosfweckftlr. I. '/.6 Uhr (Kiudsaal): Lermine Neu da: Die Sonatenform und ihre Bedeutung in den Werken großer ^Meister, IV. '/,8 Uhr (Großer Saal): Nestroy. '/,8 Uhr (Kleiner SaaN; Oberst leuinant o. D. Ludwig L e ß h a i m e r: Kreuz und q^er durch den Balkan, III. Albanien und der vchridafee. l/t8 Ukr (Kursfaal>: Prof. Dr. Alfred Ä o e r b e l: Erziehung und Unterricht auf physiologischer Grunöläge, \. 7*8 Uhr (Klubsaal): Moderner Abend. Opernzängertn Lenny Dima-Arlur Kleiner. Zw etgffcll c Wiede n, IV., MitIersteig IS. */aS Uhr: Fm Banne der Rax. 8 Uhr; All-Wiener Quartett SHrsinzr-r. _ Re LebenLMütelmSrkte. Die Gemüftznfuhren auf dem Naschma-rkt waren gestern über Erwarten gut, dcr sehr viele Gärtner mit rund 160.000 ' Kilogramm diverser GärtnÄwaren gekommen waren. Für Sprmtt verlangten sie trotz des günstigen Angebotes 6090 K. lmd auch mehr. Da die Mmcktdssucher um dieftn Preis nichts kauften und Äe Ware liegen zu bleiben drohte, wurde Spinat schließlich um 4000 bis 4400 K. pro Kilogramm ongeboten. Kartoffeln verzeichneten ebenfalls einen Preisrückgang und wavm cms denr NaschmarLt schon um 760 K. zu haben. Auch Weißkraut wurde billiger gehandelt. Butter und andere Fettstoffe frnä> m überreichen Mengen auf den Märkten. Ter Msatz ist aber schr schwcich. Dies gilt auch Kr Eier, die we«n chres hohen Preises von 2800 bis 8000 K. pro Stück wenig Käufer finden. In der Großmcsmhalle herrschte lebhaftere Nachfrage nach Fleisch, das wie immer m mehr als bedarsdeckender Mange vorhanden war. Preisveräudevungen sind nicht eingvtreten. Seefische haben, nachdem ihr Preis infolge der stetig zunehmenden Nachfrage sehr lange eine Austvartsbewegung verfolgt hatte, eine Preisermäßigung von etwa 2000 K. pro Kilogramm erfahren. Trotzdem laßt die Nachfrage in den letzten Lagen zu wünschen Ädrig. Billige Flußfische finden mebr Amlcma. VÄldbret, insbesondere Hasen» und Rehfteisch, daun auch Rebhühner und Fasane, werden vielfach a-ngeboten, begegnen aber keiner Kauflust, was wohl auf den hohen Preis zurückzuführen ist. Auch der Absatz auf dem Geflügell-marA ist andauernd sehr flau. __ BW«e mrd Kunst. Dur Kml> und dar Theater. Wir haben jetzt in Wien ein paar Thearerkinder. Richtige, kleine Schauspieler, die sich auf der Bühne zu, bewegen wissen, ihre Rolle nicht nur auswendig gelernt haben, sondern auch wirklich zu sprechen verstehen. Insbesondere ein kleines Mädchen — ich werde mich hüten, einen Namen zu nennen und die Aufmerksamkeit noch mehr auf dieses Kind zu lenken •— leistet Hervorragendes! und bildet das Entzücken des Publikums. Denn natürlich ist man entzückt, luv raus folgt, daß fingerfertige Autoren sich die Chance zunutze machen und bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit eine Kinderszen« einschiBen. Diese Kinderszenr ist zumeist sirnpsütz und von jener schmierigen, butterweichen. GesühlZdnft>: durch trankt, die man in Wien für Gemüt li'ilt. Will man sir wiedergeben, so fallen einem beim testen 2vu ni nur .Vergleiche von der Speisekarte ein — pappig mie Hafergrütze, süß wie Sacharin, breiig und zerflossen wie Grießkoch. Aber die Zuhörer ertaoeu sich an den altklugen oder gefühlvollen, immer aber ganz uriwahcen Reden, als wären es Erzeugnisse edelster Dichtkunst. EL ist nämlich so „reizend", diese kleine Kerlchen aus der Bühne herumhüpfen zu sehen, jede Mutter und jeder Eaör denkt an das eigene kleine Volk daheim und weift -sich vor Begeisterung nicht zu fassen. L^er keine von den Müttern denkt daran, wie es wohl in der Seele einles. Kindes aussehen mutz, das im zartesten Alter dazu angehalten wird, den Ausdruck dev innigsten Gefühle. Liebe zu den Eltem, Freude. Trauer, Jubel und Enttäuschung zu mimen, das, noch in den Kinderschuhen, dazu angehalten wird — Kcenödie zu. spielen. Jedes Restchen. Ehrlichkeit, jedes Fünkchen Unbefangenheit, verfliegt bei diesem Beginnen, das schließlich nichts anderes ist als eine Prostitution der Kirtdlichkeit. Wären wir uns der Schädigungen bewußt, die unsere Laune über die jungen Geschöpfe bringt, wir würden wohl alle, statt Beifall zu klatschen, - jede Kinderszene mit Zischen begrüßen. Denn die kleine Freude, die wir .^Qtteken. ist teuer beäMt,.^ bezahlt, mtt dev .Ehrlichkeit Wiener Morkgenzeitung. 8. November 1922 Nr. 1345 Roland-Bühne (Freie jfld. Volksbühne) Ensemble-Gastspiel der WiLNAER TRUPPE Heute Mittwoch den 8.November 1922,7 Uhr abends Sondervorstellung Svbwsrzu rein «in lud Komödie von Schalom A.ejchem. Freitag den 10. November 1222. mm I Male* BSiersaebt von Arzib&schew einer jungen Seele und es wäre höchste Zeit, mit dem Verbot des KinderaustretenS endlich einmal Ernst zu machen. Höchste Zeit, denn die kleinen Schauspieler ziehen auch kleine Güste heran. Man hat bei uns die Kinder immer viel zu früh und viel zu oft das Theater besuchen lassen, aber nie hat man so viel kleines Volk im Schauspielhaus gesehen wie jetzt. Dabei oft genug bei Stücken, die dem kindlichen Fassungsvermögen keineswegs angepaßt find. Beim „Vierten Gebot" erschien eine ganze Anzahl Acht- bis Zwölffähriger — vielleicht waren die Eltern, durch den Titel verführt, der Ansicht gewesen, daß in diesem Stück der Respekt vor Vater und Muttetz besonders wirksam gepredigt werde. Man sieht Kinder in Operettenvorstellungen mit' sehr gewagten Episoden, und bei einem Stück gegen den Mutterschastszwang sollen auch Vertteter des ersten Jahrzehntes anwesend gewesen sein. Wagt rnan über diese pädagogischen Mitzgriffe Vorstellungen, so heißt es immer: ach, die Kinder verstehen ja doch nichts davon. Das aber ist ein großer Irrtum. Kinder ve^stthen alles. Nicht immer mit dem Verstand, aber immer mit dem Gefühl. Das Tatsächliche vermögen ste vielleicht nicht zu erfassen, den Spitzigkeiten undFinessen der Wechselrede nicht zu folgen — aber die Atmosphäre, den Geist, den letzten Sinn nahmen ste auf. Und ein unverstandener, gewagter Witz ist vielleicht noch verderblicher, als ein verstandener, weil er zum Nachdenken anregt. Aber die schädigende Wirkung des verfrühten Theaterbesuches erstreckt sich auch auf jene Kinder, die ' das Theater gar nicht besuchen dürfen. Ihre kleinen Kameraden erzählen nur allzu viel und allzu eifrig von dem, was sie gesehen und gehört. Je unbestimmter und un-! klarer der Bericht, umso interessanter ist er. Außerdem wird natürlich, der Anregung folgend. Theater gespielt. Nicht „Häusel und Gretel" oder die, „Gouvernante", sondern möglichst erwachsene" und ganz „wirkliche" Stücke. Und da natürlich jedes aufgeweckte Grotzstadtkind, namentlich jedes kleiiie Mädel Theater spielen kann, keimt das Entzücken der gesamten Familie keine Grenzen. Daß das aber eine sittliche. Schädigung bedeutet» nicht nur, weil es die Kinder „vom Lernen ablenktt^, sondern vor allein deshalb, weil es dazu beiträgt, für sie die Grenzen von Wahrheit und Trug, von Aufrichtigkeit, und Verstellung zu verwischen, ist eine Tatsache, die Menschen mit pädagogischem Feingefühl wohl kaum bestreiten werden. Darinn Bitten alle wahren Kinderfreunde dahin wirken, das Kind wieder aus denr Theater der Erwachsenen zu verbannen. Bei Stückerr, die dem FassungÄrermögen des Ki^deS nicht zugänglich find, oder nicht feilt sollen, sollte man sich nicht vor der scheinbaren „Rückwärtserei" eines BesuchsverÜotes scheuen. Was im Kino möglich ist, wird auch im Theater nicht auf unüberwindliche Hindernisse stoßen. Die Kinderszenon aber sollten mit eisigem Schweigen ausgenommen werden. Damit'man uns doch! glaubt, daß es uns in Wien wenigsterrs mit dem moralischen Kinderschutz ernst ist. K. M. NmMWte-Mhnr. m (Gastspiel Maria Fein.) Als Vorfeier von Hermann Bahrs sechzigsten Geburtstag sein Wiener Stück ,M)er Star". In dieser wehmütig Msttingeuden Komödie ru§ dem Kulissenleben gibt es neben grobem, gröbstem „Theater" zarteste Stellen, und das Schicksal des Bühnelfftars. allMbäusig aus die Bretter gebracht, ) geht uns IHer näher als sonst. Die große Schauspielerin, Skkas vin des Publikunls und des Ztampelckichts, bereitet sich ein bürgerliches Glück im Winkel, erbost die Gesellschaft und muß zurück „in die Manege". Tief gedemüfigt, herzenswmtd, aber gewiß bald wieder im Gleichgewicht, weil sie dort oben, wo sie der Deifttll umLrandet» doch chre Heimat hat^ Maria Fern findet für das Menschliche dieser Gestalt echte Töne, die dafür entschädigen, daß das Lokalkolorit, der Lokalhnmor („Ein Wiener Stück"!) verloren geht. Kindliche Einfalt, verschüttet durch die Veologenheidcn des Theaterlebens, bricht insbesondere nn zweiten 'Akte wunderschön und ergreifend durch. Ihr Partner, der begabte Herr Archer, hatte sich dieHnral allMsehr auf seit« Schwimmtrchnik verlassen. Menu er die Rolle anständig studiert haben toird, dürste er recht fnü , sein. Ausgezeichnet Herr Mofar in der Rolle des Naquechefs, voll Verdienst Herr Forest.uftd Fraulei« Fradrichs. Das Stück, einst mit der unvergeßlichen Odillon gespielt, an deren trauriges Star- Schicksal man an manchen Stellen des^^ DialogS.'«irmert wird, farch wieder starken Beifall und Maria Fei« wurde schr geselert. ’ A. GasWel der „WUnaer". I« der Rolandbühne (Gastspiel der WAnaer) gelangt heute und morgen die Komödie „Schwer zu sein ein Iud"'M Auffühvung. Freitag den 10. d. findet die Drjtaufführung von ArzibafchewS ^Eifersucht statt. Es ist dies das erste Stück aus dam nicht jüdischen Repertoire, das durch die Wilnaer in Wien zur Aufführung gelangt. Dieses Drama errang bei seiner seinerzeitigen deutschen Auffichrung in der Neuen Wiener Bühne einen großen Erfolg. Der Kartenvorverkauf hat heute begonnen. Aus den Theatern. Im Overntheater wird heute an Stelle des „Schatzgräber^ „Tiefland" gegeben — Morgen geht „Die Frau ohne Schatten" in Szene. Die Kaiserin spielt Fräulein Fanny Cleve vom Darmstädter Landestheater. Im Burgtheater gelangt,morgen das Trauerspiel „Der Graf von CharolaiS" von Richard Beer-Hofmann zur Aufführung. Anfang 7 Uhr. Im Reooutensaal der Hofburg bringt heute das Operntheater „Don Pasqualc" zur Aufführung. Das Lustspiel „Schöne Frauen" (Regie Max Rcmyardt) wird nur noch Donnerstag, Freitag, Samstag und Montag gegeben Im der .B o l k s o p e r gelangt heute „Boris Godunow" mit Herrn Zaleschi als Gast in der Titelrolle unter musikalischer Leitung L Massmis zur Wiederholung. — Morgen setzt Frau Garrison ihr Gastspiel als Violetta in „La Travtaia" fo'rPDen Alfred singt Herr Anton Ludwig, den Gec.n.m ^>err Brand. Im Deutschen BolkStbeater eiben um ec rer Leitung Prof. Max Reinhardts die Proben zu dem Drama ^Die Namenlosen" von H. R. Lenormand bereits begonnen. Die Aufführung des Werkes ist für das letzte Drittel des laufenden Monats in Aufsicht genommen. — Diorgen wird ^Zättlichkett" gespielt. Im Johann Strauß-Theater gelangt Sonntag als Nochmittassvorstellung „Die Ckardasfürftin" $um ersten Male in dieser SpÄzeit zur Aufführung. Die „Kol-Nidre-Nacht" von Skriewski. Aus London wird uns berichtet: Bei der Auktion des Nachlaßes eines Geistlichen in Susse^ stieß der Kunstmaler R. Katz aus Hampstead auf ein Ovramalbffd des polnischen Malers Skriewski, welches seit 50 Jahren als verloren galt. Es ist dies das zu jener Zeit vielbesprochen« Bild ,^kol- Nidre- Nacht". Bon demselben Künstler stammen auch zwei andere Bilder jüdischen Stoffes, und zwar „Die getaufte Jüdin" und „Eine lüdische Hochzeit". Eine § 2-Borstellung in den Kammerspielen. Die Anf- Sung der Satire „Himmelfahrt der Galgcrttoni" von Egon in Kisch wurde von der Zensur verboten. Die Direktion der Krmmerspiele beabsichtigt, das Stück im RalMen einer „§ 2-Borstellung", also vor geladenen Gästen, aufzuführen. Gerichtssaal. 8m Kampfe gegen de» «ntisemMsmus. Aus Budapest wird uns berichtet: In sichrem Kampf gegen den nrördevifcheu Antisemitismus des christtichen Kurses hat das hiesige jüdische Blatt „Egyenlöseg" bisher schon mcukchen schweren Prozeß zu bestehen gehabt. Die Führer der Erwachenden Ungarn haben au,' der eirren Seite durch amf* reizende Artikel die DedölLsmmtz zu Morddatie« gegen Juden gehetzt, auf der anderen Seüs aber durch ihvar mächtigen Einfluß es immer zuwege gebracht, daß in allen Fälsen, in denen ein jüdisches Blatt die Angrffft irgendeines chrüstUchnationalem Journalisten mit einem Gegenangriff parierte, der jMfche Journalist wegen Verleumdung vor Gericht gezertt und verurteilt wurde, ohne daß ihm ein Wahrhsitsnachweis gestattet worden wäre. Am letzien Donnerstag kamen drei solche V etteirmduirgsklagen gegen den Redakteur deS „Egyenlöseg" Dr. Ludwig Szabolcsi, bezw. gegen de« jüdischen Publizisten Ernst Mezey zur Verhandlung. Zwei dieser Prozesse behandeln die Magen des berüchtigten Jourrvalistm Desi'der Szabo. Szabo hatte im Jahre 1920 in einem in Stuhlweißenbuvg gchaltenen Vortragszyklus sein Auditovimn iit brutalster Weife zur Ermordung der Juden ausgefordert. Szabolcsi schrieb aus diesem Anlaß einen „Mörder" betitelten Artikel, in welchem er eine Charakteristik SzaüoS darbot, der m seiner ganzen Laufbahn bewiesen haibe, daß er von jeder politischen Richtung für Geld zu haben war. I« einem anderen Artikel desselben Blattes wies Ernst Mezey nach, daß Szabo vor der Herrschaft des christlichen Kurses sowohl als Lehrer wie auch als Publizfft ein Feind jeder Religion war? Beide Angoklagten erkläre«, die Artikel im öffentlichen Interesse geschrieben M haben. Verteidiger Doktor Bela Fabian ersucht um Zulvsiung deS Wahrheitsbeweises bezüglich beider Artikel. Unter dem Eindruck der Bortrage Szabos in Sbuhlweitzenburg und Balaffogyarmat halben in den benachbarten Ortschaften dieser Städte schwere Ausschreitungen gegen Juden stattgefnnden. Die Kulbusgemcinde von Stiuhlweitznn'Lurg entsandte damals eine Tlbord- ,vuug an den Bischof Prohaska, um ihn zur Derhindevung der Fortsetzung dieser blutrünstigen Vorträge zu bewegelr. De« Vffchos habe idamals diesen Wunsch erfüllt. Der Vertoildiger beantragt die Einvernahme des Bischofs Pvcchasba und de« Mitglieder jener Deputation. Daß der PrivatAagsr Defüder Szabo stets vin KonjmvktucholitÄer gewesen und sich der jetveilligea Strömung für Geld abgeschlossen habe, könne gleichfalls durch Zeugen und Urkunden bewiesen werden. Schon Graf Stephan Tisza habe Anlaß genommen, gegen Szabo Mschreiten, als dieser die Behauptung anfstellte, daß man mÄ knnrvendem Magen die Hwnm nicht singen könne. In der Zeitischrfft „Ryugat" veröffentlichte Szabo Jahre hindurch Schmä'hartikÄ gegen die ungarische Nation und die Religion Er diente fiir Geld den Kommunisten und wurde von diesen als ihm hervorragendste Persönlichkett verherrlicht. De» Schriststelle« Julius Pekar könne darüber Zeugenschüft ai> legen, daß Desider Szabo zu allen Zetten für Geld zu allem zu haben war. Der Gerichtshof ordnete, da auch der Verteidigt» gegen die Zulassung des Wahchvitsbeweffes keine Eimvendunz erhob, das Beweisvevfahven an und vertagte zu diesem Zweck, die DerhaMung. Der andere inkriminierte Artikel, der mnrmchr zur B«» Handlung gelangte, erschien am 15. Jänner v. I. unter dem . Titel „Avar ffy. lügt!" km „Egyeniloseg". In diesem Artikel griff Szabolcsi die kurz vorher in Druck erschienene Bchaup tung Avarffts, daß die GslamtveMte der Juden im gange*

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