Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1345 (8.11.1922)
- Date
- 1922-11-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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' <r >- T «rite 2 Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeltung. 8. November 1922 V Nr. 1845 Herz! und die „Neue (Nachdruck verboten. CöphrijM' 19Ä by IM). Verlag.) 4. Septemberim Eoupe nach Ischl. Ms ich vorgestern nach meinet Rückkehr in die Redaktion der „Neuen Freren Presse" kam. begrüßte mich bei nrem-om Eintritt in den „lokalen Teil" eine Lachsalve. Di« Lacher waren Schütz und Vollmer (geo. Kohn). Oppenheim rrsw. - Ich machte gute Mene dazu. Ms ich bei Bacher eintrat, empfing er mich mir enwm unsicheren Lächeln. Ueber die Sache wolle et nicht einnral reden Horen., sagte .'r. Aber von Wcüntz hatte ich vernommen, daß er sich alle Schweizer Blätter habe "geben lassen. ' - - Wir sprachen dann eine halbe Stunde von gleichgültigen Dingen. Er erzählte mir den Inhalt eines spannendesi Kriminalromans, den er soeben gelesen hatte. Dabei wckr es komisch, daß er sich imnrer so drehte,, daß ich den dicken Pack Zeitunaen in der äußeren Seiientasche seines Rockes nicht sehen sollte. Das waren die eben eingelangten Schrveizer Blätter. ' 11. September. 8." ' ' Im „Neuen Wiener Tagbkatt" heute der zweite Leitartikel Mer den Zionrstenkongreß. Trockene Darstellung des Sachverhaltes, mit feiner Malice gegen die „Neue FHüe Presse", „deren hervorrageirdster Mitarbeiter, Dr. Th.- 'H., Präsident des Kongresses war". * Bacher war heute mrßerordentlich liebenswürdig.." Ms wir weggingen, kam S. Münz mtd erzählte, daß. der Papst Msgr. Bonetti von Konstantinopel nach Rom berufe» habe, um mit ihn: Schritte gegen den Zionismus §u beraten. Bacher schmunzelte: das Ware eine Riesenreklmne für' den Zionismus. Münz abondait dcms ee setts: ob ich nicht diese Notiz' M die Blätter lanciert habe? ‘ Ich sagte: „Trauen Sie mir keine so machiavellistifchen Plane zu. Ich bin ein poscheter Jid." ' Bacher lachte. 9. » ' 23. September. Gesierrr 'te Benedckt btnu Urlaub zurück, Er Machte Mir ein so langes Gesicht." Ich sprach unbefangen vom.' Kongreß. Er schwieg wütend. Wormff ich zu heiteren Gegenständen überging. ' M . Gestern abends um halb . elf,'! als ich aus dem: Theater kam. fand ich . die telephonische Jlussypderung Pa- , . Hers vor, unverzüglich ins Bureau'zu kommen. Ich hielt eine Rauferei wogen meines Artikels „Manschet" für bevorstehend und machte wieder einmal zum Gefecht klar. Für das Herz sind diese Bereitschaften nicht gesund, aber moralisch stärken sie den Menschen. Fausse alerte. Er wollte nur eme Aenderung an einem Entvefilet, das ich für die heutige Nummer geschrieben.; 11. ' : ‘ ' / 5. November. Heute Krach mit Bacher. : ' BlochZ Wochenschrift brachte einen perfiden Artikel: ’ Herrl mck die „Neue Freie Presse". v Nachdem wir unsere Redaktionssachen erledigt hatten, . lag die Wochenschrift auf Bachers. Tisch. Er fragte, ob ich sie ihm hmgelegt habe. Nein. Aber er 'möge sie lesen. Er tat es. Ich sich derweil zum Fenster hinaus. Ich wollte nicht früher Weggehen. Dann sagte er: „Das" ist unhaltbar. Die müssen wählen zwischen uns und der „Welt"." '! Ich sagte: „Auf dm Wunsch, daß ich meinen Namen, nicht in der „Wel^ unterschreibe, bin ich emgegangm. Weiter kann ich nicht gehen. Denn Sie es für inkompatibel sindm. bitte ich, es mir förmlich zu sagen. Ich bin engagiert. Es wäre, wie wenn Sie mir zuuwten, daß. ich mein Wort nicht halten soll. Am Wort hangt der ganze Maün dran. Ich halte meine, und wenn waSdnmer zugrm-rrde geht." Darauf — lenkte er ein, gab dem Gespräch eine Wendung ins Allgemeine, und wir stritten über die Politik der „Reiren Fre^n Presse". Er verabschiedete sich sogar mit großer Herzlichkeit , von mir. ' / Die heutige Schlacht habe ich gewonnen. Morgen dürfte es wegm meines Artikels „Die Jagd in Böhmen" neuerlich losgchen. Es ist eine schleichende Krise mit nnzwerfel- Kaftem Ausgang — meinem Ausgang. 7'^ 12. ' 1 . 18. Mrz IMS. Jetziges Verhältnis zu d-en Herausgebern der »Neuen Freien Presse".-Gemütlich mit BaDdr. Benedikt! pflcht zu scherM: „Mit dem Herzl muß man Hopsichtig sehr, Vielleicht hat er doch recht. Wenn er heveinkowmt, glaube ich immer, Jesuö Christus tM ein." ' ' 13. " \; -'7 ' ' 26. März. Ich kämpfe noch immer mit einem hölzernen Schwert, svie Tabarin oder wie Kinder. ' Ich brauchte Än stäHrneS: das heißt,, eine, große ZeitstH, Witt her imn WW7vlaDn,''„Di«ßsKe Md Ge- MiMtten leisten, WrbinduWst anknüWss kaM Wenn ich Mt7hie „N^re FrHe Presse"-!»'der Hand haftc, würde ich 'Münder 'wirken. Mmeft. " , , ' So plag« ich Mich hilflos ab und komme nicht'vorwärts. Es ist etwgs Schreckliches, bei so klaren Plänen, deutlich vyvgezeichneftm .Weg . zur Oohmnacht 'verurteilt zsi ' sein: Ich reibe mich iaran auf. Eine lumfige Million brauchte ich,' um ein Goßes Blatt zu führen, urd für diese größt^ Sache des - Judentums ist sie nicht 'aüMkriegen. Das geht nny schon seit zwei Jahren so. Als Badem noch da war,-hätten sich pie größten Wirkungen erzielen lassen. Seine Regremng, ja die Zustände Oesterreichs Iahen heiltL anders aus. Er wollte mich ja in feiner nächsten Nähe haben, und ich hätte ihm nie den törichten Rat seiner - Wnisterialen aeaeben. die Polizü iils Parlanuut marschiere»/zu lassen. Er ssi fort," nach Gautsch' kurzer Regierung ist nun Thun da, Mit d«n wohl nichts zu mach-»» ist. Fmctus percipiendU Bersättmte Gelegenheiten deS Zionismus. - / ' - 14. /. . 5. Mai. ' Zur Signatum temporis gehört es. daß ich »dt - wieder jeden Tg „klar zM Pffechtt^ in die Reraüiou/gehe, l Di^ macht mit. Dte 19 einen Borstof. 10.000 EKelMlare wechen.verschickt; an den Straßenecken kleben PlMie, dle Wredes llioman „Die Göldschilds" ankünßigen. Die Frage ist, wie Bacher und'Benedikt VaS aüfnehmem Ich denke nür, daß sie-'von den Financiers wieder einmal gegen, nl ich gehetzt werden, und ertvarte den Konflitt stehenden Fußes, frellich auch ein bißchen aufgeregt. Der Bruch Mit der „Neuen Freien Pr:ss"" ist ja nur noch eine Frage der Zeit, ivemr ich sie nicht durch nceine Gesinnungsgenossen kaufen lasse» fermt., Die „Welt" frißt rnrmep mehr Geld, und . muß., sich - bald..durchsetzen, sonst geht sie ein. Etwa ein Jahr-lang -kann ich sic noch halten, ohne mich selbst zu ruinieren. Bon der Partei hat die „Welt" keinen Sulkurs: ja es -taucht jetzt der Gedaucke auf, cm Jargonblatt vcm Aktions- 'komitee . subventtonieren zu lassen, das der ,,'Weli" einige Konkurrenz machen dürste.; , 5 Mai. .. Bacher und Benedikt haben sich bisher nicht gerührt.' dirgft mWe.M'üs fönt armables, Aber es liegt,,»nver-_ ^keEar etwas'In '-'7 2 ^'77 7 — , •- . . .... . 1v. , t .!;; .' . ... .31.. Ju». 7^ > Gestern Keines ' Treffen mit Bacher. ' Jch schveibe jetzt ' Zellarlikel für die „Neue Freie Presse", die Erfolg haben. Bacher' bedeckt mich.mit Komplimenten, wie vorher der jetzt auf Urlaub gegangene Benedikt. .. ,,.'7 '7.... ' ' - Gestern sagte Bacher: „Ihre Leitartikel sind mir noch lieber als Ihre Feyilletons. Liegt heute kein Stoff vor?" . Ich: „Einer wäre da: die Reise des deutschen Kaisers .»ach Palästina. Aber da müßte man vom Zionismus reden," ' Er: „Man mußte nicht! Sie müßten." < . Hierauf engagierte ich das Gespräch über den Zwnismusi Er leugnete das Wachstum der Bevegung, die höchstens als Kuriosum erwähnt werde. Cr b-Vanere. daß ich so halsstarrig sei, weil et mich gern habe ich sönst ein gescheiter Mensch sch. Ich: „Dann muß doch d!e Pväsumtion für mich fireijen, daß ich auch da' nichts,Dummes mache." Et: „.Gerade wegen .dieser Präfmnfton ärgere ich^ mich ja über Si«. Sie können mir nicht einreden, daß das eme-ernste Bewegung ist." . Ich: „Der deutsche Kaiser hat durch Lucanus meine Broschüre über den Baseler Kongreß von wirverlangt." Das frappierte ihn.- Ich: „Der Sozialismus war «nfangs auch keim ernfte Btzüveguug^ Leugnen, Sie, daß er es jetzt ist?^ Er: „Der Sozialismus hat sich gründlich g-äUdert: Marx und Lassalle dachten sich noch chm W.'ige Re'wlntio»7Heute geht der SyzialZSmuS' mit NrgeLli'chön -Mitteln an,idje allmähliche UnvwLnAuug der Gesellschaft " Ach: „Glauben Sie, daß ich eine, programmgemäße Erfüllung meiner Gedanken erwarte?. Ich räuschr mich nicht übtr die Pluspetitio, die in meiner Forderung kegt," Hietmff ging ich in die Besprechung der Frage. als einer internationalen ein. Me.Frankreich und Rußend daoffenbar vom deutschen Kaffer beabsichtigte Fußfassen! in Palästina nicht zulasten würden, und daß wrr - Zionistay für Europa^ das Pis-aLer. vorstelleu dürfte«. - -- « Hr, hörte mich an, fchüitekte den Kopf, Abrc diesmal '--war*jjte Partie temis7.: -; '■ 'Äkver Warschau, 6. November. (Polnische TeleMphtt agentur.) Die, Wahlergebnisse werden erst Freitaj durch die Genevalwahlkommlssion festgestellt und' verüsfew licht weiden. Nach , amtlichen Berichten war die Wahl bete'iligung übermtsHark und betrilg. mitunter' his 90 Pro. zent der Wahlbevechtigten. Wie mchtoffiziell gemeldr wich, dürften von den 14 Mandaten von War schar 7 dem christlichen Verbände der nationalen- Einheit' zn - fallen, 3 der polnischen sozialdemokratischen Partei,' 2 bi 3 dem Block der nationalen Mi »der heiter, während das'Lös des 14. Mandats mit Rücksicht auf di.' noch nicht abgeschlossen Zählung unentschieden erschein« GrSnhaums Wahl «rMert. Warschau, 6. November. (Tel..-. „Wr.. Morgen zeitung") Die Wahl des LiftenführerS des Minoritäten blocks Abg. Grün bäum kann als sicher angenommen werden. Die Liste der P r i l u d s k i - P a r t e i dürste lee ausgogangen sein. Auch ein zweites Mandat des Minder heitenblocks in Warschau gilt als sicher,, das dritte häng von den Reststvmnlen der anderen Parteien ab. Skfolg der Mischnaüonalm ln MM. zioczow. Stonlsleiu Lemberg, 6. November. (Tel. d. „Wr. Morgen zeitung".) Aus den Wahlkreisen Brodh-Zloczow ms, Stanislau treffe» Nachrichten ein, daß in diesen. Wahl bezirken die Wahl der indisch-nationalen Listgesichert erscheint.' In beiden Wahlkreisen kandidiert , all Listenfiihver Dr.. Leo.n Reich, an zweiter Stelle der gewesene Abgeordnete R e i z e s. in Stanislau der Redaktei'tz der „Cwila" Dr, Heinrich Rosmarin. Außerordentliche WahlbetkMgMg. Warschau, 7. November. (Tschecho-siowEscheS. Preß bmeau.) Mimsterpräsident Nowak erklävte e-i-nem Vevtvebe» des ,Mrjer Povcmny", die TÄlnahme an den Wahlen fei e'm außerordentlich große getvesen. In emigeu Betzirke, hcvbe sie 100 Prozent betragen, in anderen 80 PrvMt. Die'sike.7 gimmng tverde bis zum Zusammentritt des Parlaments di- SiaatsgeschLfte leiwn^ Nach der Wahl deS PräfidenM der Re pMik werde die Regievnng ihre Demission ^geibon.' " ' ' Sle Wche^Sch«MNr - WiluL, A'Äobombev. Morgenzeünng"7' Die Vertretet der. jüdischen Bevölkerung Dr. S.'ch a b a d. M SsowalSki. wurden vom StaatSchef wahrend seines letzt» i Aufenthaltes m'Wssnä m einer besonderen Aubienz'.empfangen' in der sie die Frage des jüdischen Schulwesens m Wilna >>erührten. Die Delegierten, führten Beschwerde-, .däß der Unter ttüchtsminister das seinerzeit gegebene Versprechen bezüglich de, Subventionierung von jüdischen Schulen drirch deit Staat nlch' eingehalten habe. Der Staatsches interessierte sich lebhaf: für die Forderungen der Indenschast und verspmch, in Warschau diesbezüglich zu intervenieren. Die Regierung Rumänien. ing siegen m Avsschreitun! die antisemWchen Aus Bukarest wird uns berichtet: In jüngster' Zeit ereignen sich sowohl in A l tals auch in.N e u r u M anien an verschiedenen Stellen antisemitische Ausschreitungen, die deutlich auf eine gemeinsame Urheberschaft- Hinweisen und zu den peinlichsten Zwischenfällen führen.' Ein Zentnrm der antisemitischen Propaganda ist die Universität Jassy, Von ,wo aus sich eine verheerende antisemitische Welle über das ganze Land ergießt. Auch die Lehrerschaft sst vielfach antisemitisch verseucht. So befahl in-. Rumänien ein Schulinspektor, antisemitische Broschüren unter die Mittelschuljugend. zu verteilen und in Husi suchte der Lehrkörper, die ffnibietttübe Jugend an läßlich der Krönung deS Königs zu antisemitischen Exzessen zu harangüieren.. In den genannten Städten kam e8 zur Belästtgung friMicher jüdischer Bürger und in den 'jüdischen Häusern wurden 'die Scheibe» emgeschlagen. Wahrend nun der rumänische autisockitisch-nattonalistische Historiker'Professor I orga der jüdische» Jugend die Schuld an'dtzn Ausschreitungen gibt, indem sich diese in den jüdischen Türnveremen „Makkabi" von ihren christlichen Mittelschülem absondern, erklärte dieser Tage Minister'Marsestu, daß' die. Minister ffrr Inneres, Unterricht und tzüsttz. gleich nach Eittlangen dev Berichte über diese Zfoischensälle die strengste Untersuchung eingeleitet haben unh entschlossen seien, nach Abschluß her Erhebungen die Urheber und Teilnehmer an diesen Ailsschveittrngen mit der ganzen Strenge des Gesetzes zu b e st r a f e n. Die Regierung, welche die Gleichberechtigung der Juden' verwirklicht habe, werde kein er l e v an tis emi t i sch e Manifesta'tion e n dulden. Die liberale Partei stehe diesen Agitationen ftrne. Das rumänische Volk sei nicht pogromisiisch veranlagt. Heute müssen die'Rumänen und die Juden gegenstitig alles aufbieten, daß i» ihrem Verhältnis zueinander Einerlei Mißtön entstehe, da sie beide' berufen seien, gemeinsarn dem Staat und den höheren Interessen zu dieye«.