Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1342 (5.11.1922)
- Date
- 1922-11-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Ar. 1342 Men, '^dnrrtag l Sefteweich. SrMermSchtigung und khrenzeichen. Sitzung des Nationalrates. Die Regierung hat gestern die Sanierungsvorlagen eingkbracht. Sie führen, den gemeinsamen Titel „A L b a ug es e tz" und chnfassen „die zur Aufrichtung der Staats- und BoKswirtschäst der Republik Oesterreich zu treffenden Maßnahmen." Wir berichten darüber an anderer Stelle.' Me erstir Lesung'soll am Montag nachmittag stattfinden. Das Gesetz-über die Kreditermächtiguug von 80 Millionen Goldkronen lvurde erledigt. Das Gesetz über die Ehrenzeich en wurde mit 72 gegen 63 (sozialdemokratische) Stimmen angenommen. Nächste Sitzung morgen um <J Uhr nachmittags. Bor dem Besuche Seipels in Rngara. Auswüsuug der Oesterreicher aus dem Wiestlbmger Komtiat. % Aus Oedenburg wird uns berichtet: Die Agenten des christlichnatiönalen Kurses und besonders Stephan Friedrichs, verbreiten in Ungarn und hauptsächlich | inden das Burgenland angrenzenden Komitaten Nachrichten über Drangsalierung rnagyarisch' gesinnter Personen im Burgenland durch die österreichischen Behörden. ÜM die Stimmung gegen Oesterreich noch zu verschärfen» hät das Äonritatsmunizipium von Wieselburg dieser Tage in einer außerordentlichen Vollversammlung folgenden Beschluß gefaßt: Das Komitatsnmni- Miuw weist die untergeordneten Behörden an, mit Rücksicht auf die Ueberfiillimg und die große Zahl der Waggonjbewehner die'aus Westungarn vertriebenen Fam i l i e n sofort unterzübringen, wobei sie durch 'soso rtige Delogierung hier wohnender, nach Oesterreich zuständiger: Familien die entsprechenden Wohnräume schaffen. Dieser Beschluß wird zur strengen Danrchhaltung und Durchführung an den Vizegespann des Komitates, an die Bezirksoberstuhlrichter und an den Bürgermeister von Ungarrsch-Altenburg geleitet. Die Budapester Blätter veröffentlichen diesen Beschluß rnrt der Bemerkung, daß es sich hier um eine R e torfion für die angeblichen Uaqarrwexfolgmrgen im Burgenland handelt. / Pole«. .Die Poale-zioMen und die Wahlen. - ■ p 1 Lemberg, 4. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Fn mehreren Städten. Osigalizrens haben die Poale-Ziottifien gegen die Weisung ihrer Parteileitung beschlossen, die Listen des bereinigten jüdischngtrottalen Wahlblocks vr nnterstütze». . Die Linke für Pilsudski. Warschau, 4. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In einem Interview mit einem Vertreter des „Kurier Polski" erklärte Abgeordneter Moraezewsk'i, daß du: Lücksparteien zum zukünftigen Staatspräsidenten nur ' Wierkrv Moegvyzeiturrg.. "'* ' ’ “ "'5. November''1622'"'." SKe 8 5»»" tiinMiWPa KLEIDER f KOSTÜME I MANTEL PELZE I.; KfiRNTNERSTRASSE 34 (MiVVSEDERGASSE 2) 120 Pilsudski wählen werden. Ob er diese Kandidatur annehmen wird, ist derzeit noch unbekannt. Sollte jedoch Pilsudski die Wahl nicht annehmen wollen, dann werden die linken Parteien den geivesenen Ministerpräsidenten W i t o s kandidieren. Der Papst verbietet den Erzbischöfen die Kandidatur. Warschau, 4. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Papst richtete an den Erzbischof Teodorowicz und den Bischof Sapieha ein Schreiben, rn dom er sie aufforhert, im Sinne der früheren Enzyklika ihre Kandidatur Mn Senat zu rück zu ziehen, da den Bischöfen und Erzbischöfen die Anteilnahme am politischen Kampfe untersagt sei. Die beiden Bischöfe wandten sich an den päpstlichen Delegierten in Warschau mit dem Ersuchen, beim Papst zu erwirken, daß in dieser Angelegenheit nicht kaetgorisch vorgegangen werde, da sie sonst kompromittiert werden. Sie erklärten weiters, daß sie in letzter Minute auf ihre Mandate verzichten werden. Ein Llutwortschreiben des Papstes ist bisher nicht eingelangt. Antisemitische Etrchentenexzesse. Lemberg, 2..November. (Tel. d. „Wr. Morgeivzeitung".) Die natwnaldeuwkratischen Studenten setzen ihre Hetzarbeit gegen die jüdische Studentenschaft fort. So überfielen sie eme Gruppe jüdischer Studenten im. Cafe Reuaissanee. Als das i>u Kaffeehaus versannnelte jüdische PuiÜÄum der Aufforderung' der Studenten, den Saal zu verlasien, kerne Folge leistete, begannen Prügelszenen unter den Ausrufen: „Nieder mit den^Juden", „Fort mit chnen nach Palästina". Der ntzwischen hevbeigeellten Polizei gelang es nicht, die Studentenschaft von ihren Eissen zurückzurhalten. Als einigen Studenten die llrriversitätsl'.girirnationen woggenmmMU wurden, verlangten dis versammelten natronaldemokmtischen Studenten vorn Polizeikommissär die Rückgabe, worauf er der Gewalt weichen mußte. Spat abends wiedocholten sich diese Zwischenfalle, ohne daß die Polizei auf den Terror der Studenten reagierte. - —r--—:—•—:- . .; „Wiener Morgenzertung". Streik der Krakauer Kohlemrbeiter. Warschau, 4. November. (Tschecho-slowakisches Preß, bureau.) Gestern frich ist auf deu wichtigen Kohlengruben des Dombvoiver Reviers ein Streik aüsgebrochen. Fm Krakauer Revier legten die Arbeiter nachmittags die Arbeit nieder. In Obevschlesien sstrd die Arbeiter heute ftüh in den Ausstand getreten. Die Bergarbeiter haben sich bei' der AbstmmMÜg mit 35.000 gegen 1500 Stimmen für deu Streik erklärt. - Palästina. Sie Ägudas Zifroel mch PalWna. Das in Amsterdam erscheinende „Nieuw Israelitisch Weekbl^ veröffentlicht ein Interview, welches über die Tendenzen innerhalb der Agudah und ihrer Leitung irr bezug auf die Frage des Aufbcmes Palästinas charakteristische Angaben enthält. Aus diesen Darlegungen geht hervor, daß innerhalb der Leitung der Agüdvh bezüglich den Palästina-Arbeit keineswegs eine einheitliche Auffassung besteht. Es wird zugegeben, daß in . der Agudah die Palästina-Tendenz stark in den Vordergrund, getreten - ist, namentlich imrerhalb der Jugendgruppen, und daß die Leitung auf jeden Fall mit diesen- Tendenzen rechnen muß.. Diese Rrchtmrg stoße aber auf starken Widerstand bei jenen, die der Beteiligung am' Aufbau Palästinas ablehnend gegemiberstehen. Diese Richtung sei wohl in der »Agudah-Leikmg in der Minderheit, ober 8er Konflikt zwischen den beiden Strömungennoch nicht beendigt. In Frankfurt fei «ran überzeugt, daß die. Palästina-Richtung auf der nächsten Sitzung des Zentvalvates (wÄche für den 25. Dezember nach Breslau einberufen ist) Vey Sieg davontmgen werde. Eine Spaltung in der Agudah nach der Beschlußfassung des Zentralrates in dieser brennenden Frage wird als nicht wahrscheinlich angesehen, hingegen könne, von einer Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation, naWem 8er Agrchah die Gleichstellung mit den Zionisten in der Fewish Agency verweigert worden ist, keine Rede sein. Noch viel stärker sei die Ablehnung der Zusamnrenarbeit mit dem. „Misrachi", falls sich dieser mcht von den Zionisten tremre, welchen Frontwechsel man in der Agudah für wenig tvahrscheinlich halte, so sehr rnmr ihn auch begrüßen wüÄke. Eine Zusammenarbeit aller jüdischen Parteien fei rmr in dem „unspaltbaren Holland" möglich. Rückgang der ArbeitsWgkett. Jerusalem, 3. November. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Wie das Einwanderungsdepartement der Zionisttsch u Organisation mritellt, hat die palästinensische Regierung für 650 Arbeiter samt Familien die EinreisebewUigrrng erteilt. Diese gilt bis zum 31. Dezember. Dein Hmchelsbulle-' tin der palästinerrsischen Regierung ist zu entnehmen, Lvß laut dom Bericht des amtlichen Äröeitsinspektors während d^ letzten Monates die ArbertslosigkÄ eine VcrnmÄerung erfahren hat, so daß die Zahl der Arbeitslosen m Palästina — worunter natürlich nicht nur Juden, sondern auch Araber zu verstehen sind — nicht mehr als 500 bis 600 umfaßt. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist im wesentlichen der städtischen Bautätigkeit zu danken. maam EINZIG IN WIEN!« Clilffon per Meier K 9.800 «am^nhaiRden K 24.800 Herrenhemden K 49.800 Mil Schiffmann II., Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail Aus den Anfängen des PolWchen AionismAS. (Therme Hetzls TagMchsr. Erster Band.) II. . iHerzls FrnaWplan bezüglich' der Türkei bestand bekästntlich darin, daß für die AebdrlassuNg Palästinas ihre Zinsenlast von der ,/Oewish Society" übernommen und die Türkei dadurch von der emopaischen Kontwllkommissirm ^befreit würde. Auf Grund der Erfahrungen in Konstantinopel ätzlderte Herzl den Plan iüsoferne, als er sich . der Eventualität eines jüdis^rr Vasallenstaates nicht wchr> verschloß, desien mit der Einwanderung progressiv Zeigender Trilmt zur Deckung einer Mifchen Anleihe dienen sollte. Die Initiative der Staaisgründung sollte formell von der türkischen Regierung selbst ausgchen. Indessen scheiterten diese und ähnliche Plane in politischer Beziehung durch den Kursivechsel am türkischen Hof, wo zudem jüdische Intrigen entgegenliefen mch ldmm auch die teilweise türckeifeindüche^ Haltung der „Nonen Freien Presse" dys persönliche Vertrauen Herzls in seiner Abwesenheit 4vankend gernacht haben nwchte, finanziell aber an dem Versage» der jüdischen GvoMna>nz, tvelche die notwendige MMiarde hätte einsetzen müssen. Die Rothschilds zu gebürmen war Herzls langes, heißes Bemüherr. Ist doch die erste Fassung des ^Judenstaate^ geradezu in Form einer Rede an den Familienrat dieses .Hauses errtworfen. Sie trägt den gleichen Eharakter historischer Kühnheit und geistiger Ueberlegenheit wie das Gespräch mit Baron Hirsch und entrollt jene stieseven Gesichtspunkte, von denen Herzl wie aus einem jgroßen politislPmovalischeu Aspekt die Judenftage zu den extremen'. Ers^mungen des jüdffchen Finanzkapitalisnms und des jüdischen Sozialismus in Beziehung bringt. Es handelt sich um eine Liquidierung der gefährlichen jüdi- ' WerMHöKe^' 'p\ jMv.AMi. welche ^gleich M die europäischen Staaten, für die Kapitalisten selbst und für das jüdische Volk die wohltuendste wäre wie dies Herzl auch dem Gvotzherzog von Baden gegenüber formuliert: „Meine Bewegung will nach zwei Seiten hm helfen: durch Ableitung des äberschüsiigen Wischen Proletariats, durch Mndigung des jüdischen Kapitals." In ferneur fiir die Sache selbst bedenklichen persirnlichen Stolz geht Herzl so weit, daß er, um nicht vurch den Anschein persönlichen Führerehrgeizes zu schaden, sich erbietet, die weitere Führerschaft, wenn rmr fein Plan angenommen wird, an das Haus Rochschild abzutvoten. Indessen erfährt er hier gänzliche Ablehnung, und auch seine Zufammerckunst mit Gmmnd v. Rothschild, dem Mäcen der Palästina-Kolonisation, bei welcher . Hertzl den eigenen Äandpunkt ja recht scharf vertrat, endete mit einem völligen Mißerfolg, der auch nachträglich nicht irneder gutzumachen war. In-- deffen hatte HerA' m weitsichtigean Mßtrauen bereits für den Fall des Versagens der Großfinanz die Gründung einer Mrttelbank durch mittelreiche Juden ins Auge gefaßt (die ja niemals unternowrnen wurde) und, falls auch dies mißlingen sollte, den Plan, „die Sache vor das Wische PvA vor die ganze Welt zu bringen". So führte schließlich sozusagen die Wahrheit der Verhältnisse Herzl von seiner durchaus aristokraüschen Methode zur Anerkennung jener Art nationaler Demokratie, Ivie sie wenig stens prinzipiell in den Jnsütutionen dvs Kongresics und der Zionistischen Organisator zum Ausdruck kommen sollte. Der Weg zu den Nochschrlds und der Plan der. Mnsetzmlg eines Studienkomitees hatte Herzl zuerst in jene vornehmen Kreise von Paris nach London gebracht, welche entweder in der „Ehowelve-Zron"°Bewegnng oder derselben doch sehr nähe standen. Hier glaubte er ein Element zu finden, das er ahnte und doch nicht kannte: ein aristokratisch-selbstbewußtes Judentum,. und cm ,Makkabäerklub". jenes „ideale Organ, welches ich brauche: Künstler, Schrffttzeller, Geitzesotden aller Geraden beqeistert ist er von Oberst Goldsmich, der das Mavcmnenschicksal Daniel Derondas sein eigenes nennt imd Herzls Plan als die Me serms Lebens bezeichnet. Allein trotz der Sympathien, welche Herzl mit Männern wie Sanmel Montagu, Goldsmith, Zadok Kahn und anderen verbanden, scheiterten diese B^rehungen in ihren praktischen Erfolgen einerseits oac der ArW, welche jene „Pickwickier" vor d?m jüdischen Nationalismus empfantvn, andrerseits infolge der Kritik, welche Hc^l, z. B. schon bei der ersten Vevsammlmvg der Chowewe-Zion, zu der er eingeladen war, cm der ganM Wohltätigkeits- und JnfiltrationspolM übte. Vergeblich bemühte sich Herzl um die MchNfe der zionsfreuMichen Organisationen, deren VereiniguiV er anstrebte, und um die Heranziehung der großen Finanzkräste (vor allem des Hirsch-Fon^), die er dadurch leichter zu erlangen hoffte,^ daß sie überhaupt erst, wenn politisch alles klargestält sei, aus den Plan treten sollten. Gelegentlich ventiliert Herzl sogar gegen feine Prinzipien einen durch eine Anleihe mr die Türkei §n erwirkenden kleinen. Landkauf ,^rls Etappe zu unserem weiterert Zieh" während in politischer Beziehung eine Unterredung mit dem Großfürsten von Bulgarien stattfindet und Wege zu Bismarck, Salisbury, zum Zaren und zu Kaiser Wilhelm gesucht werden, nebst fortwährend'er Fühlung mit den, tüMschen Hof, dem Herzl ivährend des griechisch-türkischen Kriegs auch durch Sammlungen für Verwundete und .eine von jungen Wiener Aerzten geplante Hilfsmission sied gefällig zu machen hoffte. Allmählich treten in den Bereich von Herzls fieberhaft rastloser Tätigkeit. zionistische und andere Persönlichkeiten und Kreist,'aus denen sich schließlich die zionistische Weltorganisation zusammensetzt. So laden ihn z. B. die deuffchen Zionisten, unter denen Boden heirner und Wolfsohn ferne Partei vertreten, zu ihren Versammlungen. In Wien hatte Herzl ja schon bald nach seiner Rückkehr aus Paris jene begeisterte Zustimmung im Kreise der ,Kadnna" gefunden, welche Hier den Boden Leverbet für die Verbreitung des zionistischen Gedankens,. M? quK für. heftige UnLeiMngM M imtzrovisiech: